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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von ..."

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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 

ZUR GESCHICHTE 

DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBÜRG. 



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AUF VERMLASSÜN« SELNER KÖNIGLICHEN HOHEIT DES 
KRONPRINZEN VON PREUSSEN. 



ERSTER BAND. 



BERLIN. 
DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 

1864. 



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URKUNDEN UND ACTENSTÜOT 

ZUR GESCHICHTE DES 

KÜRFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



POLITISCHE VERHANDLUNGEN. 



ERSTER BAND. 



HERAUSGEGEBEN 



D*- B. ERDMAMSDÖRFFER. 

PRIYAT-DOOEKTEN AN BEB UKIYEBBTTÄT ZU BEBLIM. 



BERLra. 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1864. 



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HARVARD COLLEGE LIBRARY 

JAN 6-1905 

HOHEN' "^OLLfi7f.i^;Of.LrCTION 



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An des Kronprinzen von Preussen 
Königliche Hoheit. 



Durchlauchtigster Kronprinz, 
Gnädigster Prinz und Herrl 



JCJurer Königlichen Hoheit überreichen die ehrfurchtsvoll 
Unterzeichneten den ersten Band der Urkunden und Acten- 
stücke zur Geschichte des Preussischen Staates, den Anfang 
einer Publication, welche Höchstdero Anregung und Fürsorge 
ihre Entstehung verdankt. 

Drei Jahre etwa sind verflossen, als Eure Königliche 
Hoheit aussprach, dass die deutsche Geschichtsforschung der 
Geschichte Preussens diejenige Durcharbeitung noch nicht 
habe zu Theil werden lassen, welche derselben gebühre. 



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VI 



Den ehrfurchtsvoll Unterzeichneten wurde der Befehl, 
Vorschläge zu machen, welche dem bezeichneten Mangel ab- 
zuhelfen am geeignetsten wären. 

Dieselben konnten sich der Wahrnehmung nicht ver- 
schliessen, dass die Arbeiten auf dem Gebiete der Preussischen 
Geschichte in ihrer Gesammtheit, verglichen mit dem, was 
für die Geschichte Frankreichs, Englands, Oesterreichs, Bel- 
giens u. s. w. bereits erreicht worden sei, allerdings noch 
zurückständen. Nicht, dass ein Mangel an verdienstlichen 
Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten der Preussischen 
Geschichte stattfände. Vielmehr haben gerade in den letzten 
Decennien die Geschichte des Königshauses, die frühere Ge- 
schichte einiger Provinzen und Landestheile, die Geschichte 
hervorragender Staatsmänner und Feldherren aus älterer und 
neuerer Zeit, endlich die Geschichte einzelner Epochen ge- 
sicherte urkundliche Grundlagen und die schätzbarsten Auf- 
klärungen erfahren; auch fehlt es nicht an Versuchen über- 
sichtlicher und zusammenhängender Darstellungen. Aber die 
Erforschung, die Auffassung und Darstellung des Entwicke- 
lungsganges unseres Staats in seiner inneren und auswärtigen 
Action sind ohne Zweifel noch unbefriedigend, und die Ge- 
schichte Preussens sieht sich gerade für diejenigen Zeiten, 
in denen sie ihren besonderen Charakter begründet und ent- 
wickelt hat, immer noch abhängig von der historischen Lite- 
ratur anderer Staaten, von den Fassungen und Färbungen, 
welche den Preussischen Dingen von dem Standpunkte frem- 
der Anschauungen und fremder Interessen aus gegeben wor- 
den sind. 

Von dieser thatsächlichen Grundlage hatten die ehr- 
fiirchtsvoll Unterzeichneten auszugehen, um die ihnen ge- 
stellte Frage verantwortlich zu begutachten. Konnte der 
vorhandene Mangel dadurch beseitigt werden, dass die vor- 



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haudeiien Darstellungen einzelner Epochen oder der Ge- 
sammtgeschichte Preussens durch eine künstliche Herbeiftih- 
ning mehr oder minder gelungener neuer Bearbeitungen auf 
unzulänglicher Grundlage vermehrt wurden? Wir mussten 
uns sagen, dass es nicht abschliessende Resultate seien, die 
mit den ersten Schritten zu gewinnen stehen, dass nicht die 
glückliche oder unglückliche Improvisation neuer Darstellun- 
gen, nicht dies oder jenes einzelne Werk das Mittel einer 
eingreifenden Abhülfe sein könne, dass es vielmehr darauf 
' ankommen werde, das Studium der Preussischen Geschichte 
überhaupt zu beleben, eine selbstständigere Aneignung, eine 
eindringendere Auffassung ihres StoflFes herbeizuführen. Die 
lebendigere, vielseitigere Forschung, die geübtere Auffassung 
des Einzelnen wie der Zusammenhänge würden dann nicht 
ermaftgeln zu einem soliden Gang der Studien zu führen, 
der durch fortschreitende Sichtung des reichen Stoffes die 
treffende Fassung, die erschöpfende Gestaltung der endlichen 
Ergebnisse gewährleistete. 

Es war mithin die Anregung der Forschung, auf welche 
wir unsere Aufmerksamkeit zu richten hatten. Fjir die Her- 
beiführung einer lebhafteren Thätigkeit derselben schien uns 
kein Mittel geeigneter, als das naturgemässeste : der For- 
schung das ihr unentbehrliche Material in weiterem Umfange, 
als bisher der Fall war, zugänglich zu machen und ihr zu- 
gleich diese Unterlage in übersehbarer und geordneter Form 
vorzulegen. Je zweckmässiger dieses Material ausgewählt 
und gesichtet, je correcter und umfassender dasselbe publicirt 
würde, lun so eifriger würde sich die deutsche Forschung — 
so glaubten und glauben wir heute zuversichtlich — dessel- 
ben bemächtigen, um so spontaner würde sie es verwerthen, 
um so reichere Früchte aus demselben zu ziehen wissen. 

So kamen wir zu der Ueberzeugung, dass die weitere 



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vin 

Ernffhang und die leichtere Zugänglichkeit der archivalischen 
Quellen die Studien auf dem Gebiete der Preussischen Ge- 
ifchichte am sichersten und besten zu fördern geeignet sein 
würde. 

Aber wir konnten uns nicht verhehlen, dass eine Er- 
schliessung der Urkunden und Acten in dem Umfange und 
in der Form, welche erforderlich wären, um den beabsich- 
tigten Zweck zu eiTcichen, ein Unternehmen sei, welches 
weit über die Kräfte und die Mittel hinausreiche, die bei noch 
so lebhaftem Interesse derer, die sich ihm zu widmen oder 
es zu fördern bereit sein möchten, auf privatem Wege ge- 
wonnen werden könnten. Tndess durften wir nicht zweifeln, 
rlass der Staat seinen Traditionen gemäss die Hand bieten 
würde, Sammlungen und Veröffentlichungen dieser Art zu 
ennöglichen und zu fördern. 

Wenn es dem Staate wohl ansteht, die Wissenschaften 
als solche zu unterstützen, so liegen ihm für die eigene Ge- 
schichte noch besondere Verpflichtungen ob. Es ist ein un- 
leugbares Interesse jedes Staats, insbesondere einer Macht, 
die in hartem geschichtlichen Ringen erwachsen ist, den eige- 
nen Entwickelungsgang möglichst klar und vollständig über- 
sehen, prüfen und bem'theilen zu können. 

Der Staat begreift aus seiner Geschichte, d, h. aus der 
seil littweisen Gestaltung seiner Gegenwart, seine besondere 
Aufgabe, seinen eigen thümlichen Charakter. In seiner Ver- 
gangenheit hat er sein eigenes Wesen nach allen Seiten hin 
aufgelegt und ausgeprägt. Nach seinen Stärken und seinen 
Schwächen, in seinen Tugenden und in seinen Fehlern er- 
kennt er sich selbst in seiner Geschichte. Es giebt kein 
wirksameres und kein edleres Mittel für ein Volk, das Bild 
seiner selbst wie das lebendige Gefühl dessen zu gewinnen, 
wu.s seine Einheit und Stärke ausmacht, als die Beschäftigung 



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IX 



mit seiner Geschichte. Je mehr ein Staat es versteht, aus 
der lebendigen Continuität seiner Geschichte die Richtung 
und die Kraft für seine fortschreitende Entwickelung zu finden 
und durch sein Volk finden zu lassen, desto gesunder wii-d 
sein Fortschreiten, desto gesicherter seine Zukunft sein. Je 
rascher und je stärker sein Leben in der Gegenwart pulsiren 
mag, je abweichender die Formen sein mögen, in welchen 
er sich heute bewegt und bewegen muss, desto wichtiger 
wird es für ihn sein, das Band, welches seine Gegenwart 
an seine Vergangenheit knüpft, feMzuhalten, um in dem 
Process seiner Transformationen die Einheit seines geschicht- 
lichen Lebens nicht zu verlieren. 

Diese Anschauung führte uns zugleich zur Entscheidung 
über eine weitere Frage. Jedes der Territorien, aus denen 
der Preussische Staat erwachsen ist, hat seine mehr oder 
weniger hoch hinaufreichende provinzielle Geschichte, aber 
zu der Gemeinschaft Eines Staates sind dieselben erst ver- 
hältnissmässig spät gekommen. Es schien uns nach der vor- 
stehenden Betrachtung, wie im Hinblick auf die Seitens der 
Königlichen Staatsregierung in Anspruch zu nehmende Hülfe 
angemessen, zunächst nur Publicationen von Urkunden und 
Actenstücken aus der Periode der Preussischen Geschichte 
in Anregung zu bringen, an deren Klarlegung und Erkennt- 
niss der Staat selbst kein geringeres Literesse hat als die Wis- 
senschaft der Geschichte. Wir glaubten demnach vorschlagen 
zu sollen, eine von Staatswegen zu veranlassende Publication 
von Urkunden zur Preussischen Geschichte erst von da begin- 
nen zu lassen, wo die einzelnen Landschaften des KurfUrsten- 
thums zum Staate zusammengenommen wurden, wo dasselbe 
in grössere Verhältnisse eintrat und die Wege der europäi- 
schen Macht beschritt. Demnach schien uns in dem Regie- 
rungsantritt des Grossen Kurfürsten der Zeitpunkt gegeben. 



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mit welchem die Publication am geeignetsten anheben würde. 
Zugleich aber durfte dieselbe von eben diesem Gesichtspunkt 
aus nicht auf die grossen Actionen, auf die auswärtige Po- 
litik beschränkt werden, sie musste vielmehr auf alle Zweige 
des Gemeinwesens in Staat und Kirche, in Verwaltung, Finanz- 
und Heerwesen ausgedehnt werden. Es war nicht unsere 
Meinung, dass mit dieser Publication dem Preussischen Staat 
und der Erforschung der Preussischen Geschichte ausschliess- 
lich gedient sein würde. Seit dem Regierungsantritt des 
Grossen Kurfürsten hat Brandenburg -Preussen eine hervor- 
ragende Stellung unter den Mitgliedern des deutschen Reichs- 
körpers eingenommen. Unsere Preussischen Acten müssen 
deshalb auch der deutschen Geschichte, der der deutschen 
Fürstenbünde wie der aus begreiflichen Gründen vernachläs- 
sigten Geschichte der deutschen Reichsverfassung in den letzten 
Jahrhunderten zu Gute kommen. Nicht minder müssen die- 
selben mancherlei Aufklärungen über die Stellung von Kaiser 
und Reich zu den auswärtigen Mächten gewähren. Und da 
die Lage Brandenburg-Preussens diesen Staat seit jener Zeit 
in mannigfache und nahe Berührungen mit den damals do- 
minirenden Mächten, mit Frankreich und Schweden, mit den 
Generalstaaten und England brachte, muss die Klarlegung 
der europäischen Politik, die Einsicht in die mannigfach 
wechselnden Combinationen derselben durch unsere Preussi- 
schen Actenstücke bereits für das siebenzehnte Jahrhundert 
wesentliche Bereicherungen erfahren. 

Aus diesen Erwägungen gingen die Vorschläge hervor, 
welche Eurer Königlichen Hoheit die ehrfurchtsvoll Unter- 
zeichneten unter dem 20. Juli 1861 vorlegen durften. In 
Betracht, dass es sich um ein weit aussehendes Unternehmen 
handele, glaubten wir dieselben zuvörderst auf eine fest be- 
grenzte Epoche beschränken zu müssen, um erst dann, wenn 



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XI 



die erwarteten Erfolge nicht ausblieben, mit diesen selbst 
weiter fortzuschreiten. Eurer Königlichen Hoheit gestatteten 
wir uns demnach einen motivirten Entwurf zu einer ange- 
messenen Sammlung und Veröffentlichung authentischer Do- 
cumente der denkwürdigen Regierung Kurfürst Friedrich 
Wilhelm's vorzulegen. 

Eure Königliche Hoheit geruhten denselben zu geneh- 
migen und Seiner Majestät Munificenz versagte Höchstdero 
Fürwort die Bewilligung der erforderlichen Mittel zur Samm- 
lung, Erforschung und Bearbeitung des archivalischen Mate- 
rials zur Geschichte des Grossen Kurfürsten nicht. 

Die Forschungen in den Archiven, welche darauf sofort 
begonnen wurden, nahmen einen so günstigen und so raschen 
Fortgang, dass der Plan der Publication bald näher festge- 
gestellt werden konnte. Es schien uns angemessen, dieselbe 
in unterschiedenen nebeneinander hergehenden Folgen von 
Bänden ans Licht treten zu lassen. 

Die erste Folge soll die ,jpolitischen Verhandlungen" um- 
fassen, d. h. die Acten der allgemeinen, insbeson- 
dere der auswärtigen Politik des Kurfürsten. Die- 
selben bestehen in Instructionen diplomatischer 
Sendungen, in Gutachten, Denkschriften, Berichten 
" ' u. s. w. Von diesen Documenten werden die wich- 
tigeren vollständig, die minder wichtigen in kurzen 
Inhaltsangaben wiedergegeben; eine Form, die auch 
fllr die übrigen Reihefolgen unserer Publication gilt. 
Der zweiten Folge, den ,, Briefen", werden die neben 
dem actenmässigen Geschäftsgange herlaufenden 
Schreiben des Kurfürsten, seiner Räthe und Befehls- 
haber angehören wie alle Stücke von politischer 
Bedeutung aus der Correspondenz der Mitglieder 
des Kurfürstlichen Hauses. 



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* 



I 

i XII 



Die dritte Folge umfasst die Berichte, welche die aus- 
wärtigen Höfe von ihren Gesandten und Agenten 
über die Verhältnisse Brandenburgs empfangen haben. 
Die vierte die Berichte der Brandenburgischen Gesandten 
über die besonderen Verhältnisse und Beziehungen 
der fremden Höfe und Cabinette, 
Die weiteren Folgen sollen die landständischen Ver- 
hältnisse, die Actenstücke der Verwaltung, der 
Finanzen, der kirchlichen Verhältnisse, der Justiz, 
der Armee und der Marine umfassen. 
Der nunmehr vollendete erste Band der ersten Folge 
enthält die „politischen Verhandlungen^' der Zeit von 1640 
bis 1648, die Beziehungen des Grossen Kurfllrsten zu den 
Kronen Polen, Frankreich und Schweden, die Herstellung der 
Regierung in den Marken, die Verhandlungen des Regensbur- 
ger Reichstages und des Frankfurter Deputationstages. Nur 
die Verhandlungen des Westphälischen Friedens mussten aus 
diesem Zeitraum dem zweiten Bande vorbehalten werden. 

Wir dürfen die Hoffnung hegen, dass bereits dieser erste 
Band Eurer Königlichen Hoheit dafür Zeugniss ablegen 
wird, dass Mittel und Arbeit nicht vergebens aufgewendet 
sind, dass flir eine grosse und denkwürdige Epoche unseres 
Staates naheliegende Schätze gehoben sind und weiter geho- 
ben werden können. 

Berlin, den 12. August 1864. 

Eurer Königlichen Hoheit 

unterthänigste 

(gez.) Droysen. Duncker. von Mörner. 



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Vorwort.. 



Wenige kurze Bemerkungen sind von Seiten des Her- 
ausgebers diesem Bande voranzuschicken. Sie betreflfen die 
Herkunft der in demselben veröffentlichten Materialien und 
das Verfahren, welches nach Maassgabe ihres besonderen 
Charakters bei der Herausgabe angewendet worden ist 

Was zunächst die Herkunft betrifft, so ist die Mehr- 
zahl dieser Actenstticke dem geheimen Staatsarchiv zu Berlin 
entnommen; ausserdem musste für den in diesem Baude be- 
griffenen Zeitraum der Regierung des Kurfürsten Friedrich 
Wilhelm das Königsberger Archiv benutzt werden; für die 
in dem ersten Abschnitt enthaltenen preussich - polnischen 
Beziehungen fanden sich hier die wichtigsten Ergänzungen. 
Elinige der benutzten Stücke gehören der Sammlung der 
•,Manuscripta Borussica^ der Berliner Königlichen Biblio- 
thek an. 

Nur bei denjenigen Stücken, welche nicht aus dem 
Berliner Staatsarchiv stammen, ist ihre Herkunft in der Ue- 
berschrift bezeichnet worden. Jedem einzelnen die Signatur 
seiner archivalischen Aufstellnuug beizufügen, würde bei 
diesen Materialien ohne allen praktischen Werth sein; dem 
Leser und Benutzer sind solche Notizen völlig nutzlos; flir 



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XIV 



etwa vorfallende weitere Recherehen würde doch jedesmal 
die Vei-mittelung der Archivbeamten eintreten müssen, und 
diese bedürfen jener Nachweise nicht Ene Ausnahme ist 
nur in den nicht häufigen Fällen geboten, wo etwa in Mis- 
cellaneenbänden einzelne Stücke ihrer richtigen Stelle ent- 
rückt sind. 

Den schwierigsten und verantwortlichsten Theil bei einer 
Edition wie die gegenwärtige wird stets die Auswahl des 
zu publicirenden Materials aus der vielfach grösseren Masse 
des vorhandenen bilden, und die Nothwendigkeit einer solchen 
ist das, was am meisten diese Art von Publicationen von 
anderen, nameiitlich aus früheren geschichtlichen Perioden, 
unterscheidet, wo entweder ein von vom herein in sich ge- 
schlossenes und beschränktes Material vorliegt, oder, wenn 
dies nicht der Fall, doch eine vollständige Wiedergabe des 
vorhandenen und erreichbaren als mögliches Ziel gesetzt 
werden kann. Bei unserer Aufgabe stellt sich neben die 
Arbeit des Sammeins unmittelbar die des Ausscheidens. In 
gewissem Maasse wird dies immer eine sehr subjective Ope- 
ration bleiben müssen, bei welcher der Herausgeber eben das 
Vertrauen des Publicums in Anspruch nimmt und für die 
sich keine Systematik aufstellen lässt; im einzelnen muss 
an seiner Stelle jedes sich selbst rechtfertigen und zugleich 
für das Ganze das Zutrauen hervorzurufen suchen, dass nichts 
von Bedeutung in Folge einer falschen Taxirung seines Wer- 
thes bei Seite gesetzt worden ist. Es ist hierbei das Ver- 
fahren durchgeführt worden, neben den in forma abgedruck- 
ten ActenstUcken anderes, was entweder von secundärer 
Wichtigkeit ist oder was gleichsam nur als Beilage dem 
übrigen sich anfügt, ganz oder excerptweise in kleinerem 
Druck mitzutheUen; dadurch wurde möglich, die Continuität 
mancher Verhandlungen auf geringen Raum zusammenge- 



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XV 



drängt vorzuftthren, deren mindere Wichtigkeit die Verwen- 
dung eines grösseren Baumes nicht gestattete. 

Nach der Begränzung, welche der ersten Reihe dieser 
Publicationen gestellt worden ist, sind die grossen und all- 
gemeinen „Politischen Verhandlungen^, also vorzüglich 
die auswärtige und Reichspolitik Kurbrandenburgs, der Ge- 
genstand derselben. Man wird es für eine Sammlung dieser 
Art nicht unangemessen finden, wenn diese Gränze nicht als 
eine völlig unüberschreitbare betrachtet, und wenn an passen- 
der Stelle ein und das andere Actenstück eingefügt worden 
ist, dem nicht der officielle Charakter der übrigen zukommt 
und welches, obgleich der Mittheilung würdig, doch nicht 
leicht anderwärts gestellt werden konnte. Es gehört hierher 
namentlich auch, dass die inneren Verhältnisse der einzelnen 
Landestheile natürlich von dem Zusammenhang dieser Reihe 
ausgeschlossen sind; dennoch aber durfte und musste ein- 
zelnes darüber auch hier schon gelegentlich mitgetheilt wer- 
den, besonders aus den Kreisen, wo die inneren provinciellen 
Angelegenheiten sich aufs engste mit den auswärtigen Be- 
ziehungeii berühren, wie in Preussen und den clevischen 
Landen, unter dem nämlichen Gesichtspunkt steht der ganze 
zweite Abschnitt dieses Bandes; die Ergreifung und erste 
Fundirung des Regiments in den Marken ist nach der be- 
sonderen Natur der im Jahr 1640 dort obwaltenden Verhält- 
nisse ebenso sehr, ja fast mehr ein Act der auswärtigen als 
der inneren Politik. 

Dass ferner die ganze Masse des zur Publication be- 
stimmten Stoffes nicht als eine einzige Gontinuität chrono- 
logiseh geordnet, sondern in einzelne sachliche und locale 
Gruppen zerlegt worden ist, war durch die Natur dieser 
Materialien unbedingt geboten ; hier musste, wollte man nicht 
ein kaum zu bewältigendes Chaos erzeugen, das Gesetz chro- 



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XVI 

nologischer Anordnung durchaus dem Bedttrfniss der Zusam- 
menstellung des sachlich Zusammengehörigen weichen. So 
sind die Materialien dieses Bandes in sieben Abschnitte ver- 
theilt worden, welche zum Theil der Zeit nach nicht sich 
folgen, sondern neben einander stehen; innerhalb derselben 
aber ist natürlich die chronologische Reihenfolge beobachtet 
oder höchstens da bisweilen mit einem einzelnen Stück un- 
terbrochen worden, wo die sachliche Uebersichtlichkeit eine 
solche Abweichung gebot; es schien oft geeignet, die strenge 
Ordnung zu unterbrechen, um die Antwort zur Frage, den 
Bescheid zum Vorschlag zu stellen, anstatt dieselben durch 
eine Eeihe vielleicht ganz heterogener Verhandlungen zu 
trennen. 

Der die preussisch-polnischen Verhältnisse betref- 
fende Abschnitt ist an die Spitze, des Bandes gestellt wor- 
den; während alle übrigen politischen Verhandlungen der 
ersten Jahre sich auf die westphälischen Friedensverhand- 
lungen zuspitzen, wird das Herzogthum Preussen doch erst 
in zweiter Reihe von der Frage des deutschen Kriegs oder 
Friedens berührt; hier sind die Beziehungen zu Polen das 
wichtigste* Moment; deshalb wurden die auf diesen Landes- 
theil bezüglichen Actenstttcke als erster Abschnitt vorweg- 
genommen; aus Gründen, welche die Einsicht in dieselben 
leicht wahrnehmen wird, ist hier zunächst bis zum Ende des 
Jahres 1649 damit vorgegangen worden. Die übrigen Ab- 
schnitte haben in sich eine gewisse Einheit durch den ge- 
meinsamen Bezug auf die bevorstehenden oder schon begon- 
nenen Tractaten zu Osnabrück und Münster; indess ist auch 
ihr eigener Inhalt von zu selbständiger Wichtigkeit, als dass 
man ihn in allzu gekürzter Auswahl hätte geben dürfen; es 
ist auf diese Weise gekommen, dass die westphälischen Ver- 
handlungen selbst, sowie die ganze Reihe der den niederlän- 



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XVII 



dischen und pfalz - neuburgischen Beziehungen angehörigen 
Acten in diesen Band noch nicht haben aufgenommen wer- 
den können; sie werden an der Spitze des folgenden stehen. 

Den einzelnen Abschnitten dieses Bandes sind (mit Aus- 
nahme des letzten) längere oder kürzere Einleitungen vor- 
ausgeschickt worden, die den Leser und Benutzer dieser Acten 
durch einen raschen Ueberblick der Situation in den Zusam- 
menhang versetzen sollen, aus dem die nachfolgenden Schrift- 
stücke hervorgegangen sind. Sie schienen besonders fllr diese 
erste Periode am Platze zu sein, wo ein anknüpfender Rück- 
blick auf die Verhältnisse der vorangegangenen Eegierung 
zum Verständniss der werdenden neuen unerlässlich ist; der 
Anordnung unseres Materials in einzelne Gruppen aber ent- 
sprach es mehr, diesen Rückblick nach den einzelnen Seiten 
hin gesondert vorzunehmen als ein in Eins gefasstes Ge- 
sammtbild der Lage des brandenburgischen Staates im Jahr 
1640 zu entwerfen. Für die folgenden Perioden wird die 
Continuität der zu publicirenden Acten selbst an die Stelle 
jener Uebersichten treten; indess dürfte es auch dann er- 
wünscht und erspriesslich sein, an derselben Stelle vorkom- 
menden Falls gewisse Fragen und Verhältnisse zu erörtern, 
die mit den gegebenen Materialien in Zusammenhang stehen, 
aber doch noch anderer von anderen Seiten her zu entneh- 
mender Erläuterungen bedürfen. Ein Reihe selbständiger 
grösserer und kleinerer Abhandlungen über wichtigere Punkte 
der preussischen Geschichte könnte auf diese Weise neben 
der Actenpublication hergehen. 

In Betreff der den Texten beigefllgten Anmerkungen 
hoffen wir weder zu viel noch zu wenig gethan zu haben; 
vieles ist in dieser Form aus anderen sonst nicht mitgetheil- 
ten Acten beigebracht worden; besonders ist es wünschens- 
werth und in diesem Bande begonnen worden, die für diese 



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XVIII 



Zeit noch so sehr im Argen liegende Peraonalienkenntnias 
mit möglichst vielen Notizen zu bereiöhem; auf die einschla- 
genden gedruckten Werke ist durch Citate und gelegentliche 
Anführungen aus ihnen hingewiesen worden. Eine Beihe 
von Anmerkungen, die man etwa erwarten könnte, ist ^nz* 
lieh unterlassen worden: der grössere Theil der hier publi- 
cirten Acten ist bekanntlich in dem grossen Werke Pufen- 
dorf's bereits benutzt worden; es hat ein Interesse Schritt 
für Schritt dieser Benutzung nachzugehen und danach das 
Verfahren Pufendorfs im einzelnen zu beleuchten, wie dies 
jüngst im Anschluss an ausgewählte charakteristische Stellen 
in ausgezeichneter Weise geschehen ist; doch schien dem 
Herausgeber hier nicht der Ort zu sein, derartige Beobach- 
tungen mitzutheilen oder gar eine durchgehende Vergleichung 
mit dem Pufendorfischen Texte beizufügen; man wird daher 
Verweisungen auf Pufendorf nur da finden, wo ein beson- 
derer sachlicher Anlass dazu vorlag, sei es, dass es einer 
Berichtigung desselben galt, oder dass er jezu wellen über 
einen Punkt ausführlicher ist, als es die Disposition dieser 
Sammlung und die bei ihr eingehaltenen Gesichtspunkte mit 
sich brachten. 

Einige Schwierigkeit macht die doppelte Datirung 
nach dem alten und neuen Kalender, zumal da der Kanz- 
leigebrauch in den verschiedenen brandenburgischen Terri- 
torien in dieser Zeit noch verschieden ist und ausserdem nicht 
selten Zufälligkeiten mancher Art, selbst Höflichkeitsrttck- 
sichten gegen den Adressaten eines Schreibens, die Wahl des 
einen oder des andern Kalenders bestimmten. Es war um 
so nöthiger hierauf genau zu achten, als die Datirung am 
Rande von Pufendorf 's Werk, auf die wir bisher für das 
meiste angewiesen gewesen sind, ganz unzuverlässig ist; ab- 
gesehen von zahllosen offenbaren Druck- und Ijesefehlern ist 



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XIX 



hier auch mit einer sehr auffallenden Planlosigkeit verfahren; 
aker und neuer Kalender werden ohne Unterscheidung durch 
einander geworfen, das am Bande citirte Datum ist bald das 
eines fk'eignisses selbst, bald aber auch das des Actenstückes, 
aus dem seine Erwähnung stammt, das bei den citirten Brie- 
fen angegebene Datum ist meistens das der Abfassung, bis- 
weilen aber auch das des Eintreffens bei dem Adressaten u. s. f.; 
man kann sich an keiner Stelle darauf verlassen. Um überall, 
wo die Datirung nicht doppelt ist, das wirkliche Datum zu 
verificiren, gentigt fiir alle officiellen von dem Kurfürsten 
oder* den verschiedenen Regieningscollegien ausgehenden Ac- 
tenstücke in den meisten Fällen die leicht zu oonstatirende 
Kenntniss des Kanzleigebrauchs der einzelnen Regierungs- 
stellen; die preussische Kanzlei datirt (dem polnischen Hofe 
folgend) stets nach dem neuen, die zu Colin an der Spree 
stets nach dem ahen, die in Cleve wieder nach dem neuen 
Kalender. Natürlich genügt dies allein nicht; bei auswärti- 
gen Gesandtschaften muss der Brauch für jeden einzelnen 
Fall constatirt werden; von den Reichsversammlungen datiren 
die brandenburgischen Gesandten ihre Berichte nach altem 
Stil,' dagegen findet sich, dass bei den westphälischen Trac- 
taten von den Bevollmächtigten in Osnabrück der alte, von 
denen in Münster dagegen der neue Stil angewendet wurde; 
ein Gesandter in Wien gebraucht jenen, ein Resident in Paris 
diesen, obgleich an diesen beiden Stellen der neue Kalender 
in officieller üebung war. Dabei kommen freilich Fälle vor, 
wo die Entscheiduflg schwieriger wird; indess findet sich doch 
fast überall ein oder das andere Judicium, woraus sich die- 
selbe mit ziemlicher Sicherheit treffen lässt, hier das festste- 
hende Datum der Antwort verbunden mit der Ermessung der 
Entfernung oder dei' anderweit constatirten gewöhnlichen 
Dauer des Botenlaufes, dort ein Kanzleivermerk über das 



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XX 



Datum des Empfangs, und anderes dieser Art; nur selten 
werden all diese Hilfsmittel den Dienst versagen. Hiemacli 
ist in diesem Bande durchgöhends in den Ueberschriften und 
Texten die eigene Datirung der Actenstücke beibehalten, am 
Rande aber überall das Datum neuen Kalenders durch- 
geführt worden. 

Für die Kenntlichmachung chiffrirter Stellen und 
Worte ist es, um die jedesmalige wörtliche Erwähnung zu 
umgehen, geeignet gefunden worden, ein in die Augen fal- 
lendes conventionelles Zeichen festzustellen; es sind dafür 
die hier folgenden |: :| Klammem gewählt worden. 

Schliesslich wäre ein Wort über die orthographische 
Anordnung zu sagen. Es ist nicht ohne die zustimmende 
Meinung speciell Sachverständiger beschlossen worden, von 
der Wiedergabe der deutschen Orthographie des siebzehnten 
Jahrhunderts abzusehen. Jedermann weiss, wie völlig ver- 
wildert und gesetzlos und zugleich von wie geringem sprach- 
geschichtlichen Interesse eben deswegen dieselbe ist. Steht 
da der principiell vielleicht einer ersten Ueberlegung sich 
empfehlenden Forderung buchstäblichen Abdrucks die Erwä- 
gung der völligen Nutzlosigkeit und der doch dadurch be- 
wirkten minderen Bequemlichkeit des Gebrauchs gegenüber, 
so wird die letztere Rücksicht hier wol das Ueberffewicht 
verdienen und zur Annahme einer Conventionellen, der mo- 
dernen sich nähernden Schreibweise führen dürfen, wie dies 
bei ähnlichen Publicationen anderer Nationen mit Recht schon 
längst geübt worden ist. Was in unserem Fall ein solches 
Verfahren noch besonders befürwortet, ist, dass die Wieder- 
gabe aller orthographischen Eigenthümlichkeiten und Will- 
kürlichkeiten hier zumeist nicht einmal jenes Interesse des 
individuellen Gepräges bieten würde, welches dieselben etwa 
werthvoll machen könnte; nur das allerwenigste ist eigen- 



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XXI 



händig, und welches Interesse könnte es gewähren, hier, wo 
jedermann seine persönliche Eechtschreibung hat, ein Schrei- 
ben des Kurfürsten oder eines kurfürstlichen Beamten in dem 
orthographischen Gewand eines namenlosen Kanzlisten zu 
sehen? Häufig liegen von einem und demselben Actenstück 
Entwurf, Concept, Ausfertigung und eine oder mehrere Ab- 
schriften vor, jedes von verschiedener Hand und Orthogra- 
phie und keines von der Hand dessen, der die Unterschrift 
vollzieht; es wird für unseren Zweck immer vollständig aus- 
reichen, die Eigenhändigkeit eines Actenstückes zu notiren. 
In Bezug auf eigenhändige Schriftstücke des Kuiitirsten selbst 
mag daim immerhin einem etwa vorhandenen Interesse eine 
Ausnahme gewährt und diese in völliger buchstäblicher Treue 
abgedruckt werden. — Ebenso wenig ist etwa zu beflirchten, 
dass durch eine orthographische Nivellirung etwa dialectische 
Eigenthümlichkeiten von Interesse unterdrückt würden, welche 
die einzelnen Kanzleien von einander unterschieden; man 
schreibt in Königsberg in der Hauptsache ganz ebenso wie 
in Berlin; selbst in den clevischen Landen ist es ziemlich 
selten, dass niederdeutsche Formen sich in den Schriftstil 
eindrängen, und dies fällt dann ohnedies nicht in das Gebiet 
der Rechtschreibung, sondern der Sprache. 

Es versteht sich aber von selbst, dass diese von dem 
Verfahren in Betreff der Orthographie unberührt bleiben 
muss; als Grundsatz wurde festgehalten, alle sprachlichen 
Eigenthümlichkeiten treu zu wahren, in Wortbildung, Fle- 
xion etc. nichts zu ändern; wie die Texte nun vorliegen, 
sollen sie trotz der Veränderung ihrer orthographischen Phy- 
siognomie dennoch ein richtiges Bild der Sprache des siebzehn- 
ten Jahrhunderts geben; wobei allerdings nicht zu verhehlen 
ist, dass die Gränze zwischen dem, was als nur orthogi-a- 
phische und was als sprachliche Eigenthümlichkeit zu be- 



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xxu 



trachten ist, bisweilen schwer zu ziehen ist; jedenfalls sei 
bemerkt, dass in keinem Falle eine moderne Schreibweise 
gewählt worden ist,' die als sprachliche Aenderung erscheinen 
könnte, wofern dieselbe nicht neben der älteren sich in ver- 
mischtem Gebrauche in den Acten vorfindet. — Die Eigen- 
namen erscheinen in der Regel in der Form wie sie die Acten 
geben; selbst bei ihnen schwankt die Orthographie dieser 
Zeit noch durchaus; sogar die eigenen Namensiuiterschriften 
sind nicht constant; doch ist bei den häufig vorkommenden 
und noch jetzt existirenden Familiennamen meist die jetzt 
übliche Schreibweise gewählt worden, Uebrigens beziehen 
sicji all diese Bemerkungen nur auf die Texte in deutscher 
Sprache, bei den lateinischen und französischen (hier mit 
Ausnahme der jetzt üblichen Anwendung von j und v statt 
i und u) ist die Orthographie der Originale beibehalten worden. 

Berlin, 20. October 1864. 

B. ErdmannsdörlTer. 



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«Iff.'.i:-^»*'^' 



Inhalt. 



Seife 

Bericht an S. Königl. Hoheit den Kronprinzen von Preussen v 

Vorwort xiii 

I. Preussen and Polen. 1640 — 1650. 

Einleitung 8 

Acten ;J6 

II. Das Regiment in den Marken. 1640 — 1642. 

Einleitung 369 

Acten 373 

HI. Brandenburg und Schweden. 1640 — 1644. 

Einleitung f)09 

Acten 522 

IV. Brandenburg und Frankreich. 1643 — 1648. 

Einleitung 607 

Acten 616 

V. Der Reichstag zu Regensburg. 1640 — 1641. 

Einleitung .' 691 

Acten 698 

VI. Der Reichsdeputationstag zu Frankfurt. 1643 — 1645. 

Einleitung 793 

Acten 800 

VII. Sendung y. Löben's nach Wien. 1644. 

Acten 871 



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I 



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I. 



Preussen und Polen. 



Mater, lur Gescb. d. Gr. KurfQrsten. I. 



I 



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Einleitung. 



n ir stellen an die Spitze dieses Bandes eine längere Reihe von Acten- 
stücken, welche speziell dem Herzogthnm Preassen and den Beziehungen 
zu Polen während der ersten zehn Regierangsjahre des Karftirsten Friedrich 
Wilhelm angehören. Es schien sich darch mancherlei Gründe zu empfehlen, 
gerade bei diesem Theile der Aaswahl aas der Menge des vorhandenen 
Materials nicht allzn enge Grenzen zn setzen and durch eine ausführlichere 
Folge hieher gehöriger Acten eine eingehende Ansicht des Bodens zu ge- 
währen , auf welchem die für den gesammten brandenburgisch - preussischen 
Staat so bedeutungsvollen Ereignisse der fünfziger und sechziger Jahre vor 
sich gingen. Hier wie in den meisten andern Bereichen freilich gilt, dass 
die vollständige Durchsichtigkeit der Verhältnisse sich erst dann ergeben 
wird, wenn auch die ständischen Verhandlungen, die Geschichte der gleich- 
zeitigen Landtage in actenmässiger Zusammenstellung vorliegen wird ; indess 
bedürfen' eben auch diese, und ganz besonders für das Herzogthnm Preussen, 
zu ihrem vollen Verständniss der Grundlage der allgemeinen und auswärti- 
gen Beziehungen, wie sie in der ersten Abtheilung dieser "Publicationen ge- 
geben werden soll. 

Durch den sechsjährigen Waffenstillstand zwischen Schweden und Polen 
von 1629, dem jiann 1635 in dem Stumsdorfer Vertrag die Erneuerung auf 
weitere sechs und zwanzig Jahre folgte, waren Polen und die preussischen 
Lande ausserhalb des Kampfes gestellt worden, der in den übrigen Berei- 
chen seinen Fortgang nahm. Es waren theils die politischen und militäri- 
schen! Interessen Frankreichs und Schwedens , theils die Handelsinteressen 
Englands und der Niederlande gewesen, welche auf diese Wendung hin: 
gearbeitet hatten; zugleich aber lag die Erhaltung des Friedens in diesen 
Bereichen so sehr in dem Interesse der durch diese Exemtion Begünstigten, 
dass die Bemühungen der spanischen und östreichischen Politik, sie wieder 
m den allgemeinen Kampf hineinzuziehen, so oft sie wiederholt wurden, 
doch immer erfolglos blieben. Somit war das Herzogthnm Preussen das 
einzige Territorium, welches, als der Kurfürst Friedrich Wilhelm die Re- 

1* 



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4 I. Preussen und Polen. 

gierung übernahm, nicht unter dem unmittelbaren Druck des Krieges stand ;^ 
so schwierig immer auch hier die von Kurfürst Georg Wilhelm überkom- 
menen Verhältnisse zum Theil lagen, es fehlte ihnen wenigstens jene grösste 
Schwierigkeit, die auf allen anderen Territorien lastete, die ausgesetzte Lage 
in Mitten der kämpfenden Parteien, die drohenden Zumuthungen von beiden 
Seiten her, die immer zunehmende materielle Erschöpfung. Seit einem Jahr- 
zehnt hatte Preussen sich von deft Sc^huden des Krieges erholen können; 
die Neutralität, welche das Interesßö dfer Handelsgrossmächte ihm bereitet 
hatte, gab allen Kräften des Landes die Möglichkeit sich wieder zu sam- 
meln; schon bald hatte man die Spuren der Rückkehr des allgemeinen 
Wohlstandes in den preussischen Landen bemerken können*). 

So waren die Verhältnisse hier leidlicher als an anderen Orten ; in den 
ersten Jahren der Sammlung und des Aufraflfens war Preussen der relativ 
festeste Punkt, von wo aus die allgemeine Stellung genommen werden 
konnte; zudem gelang es dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Laufe seines 
ersten Jahrzehnts, in verschiedenen der wichtigsten Beziehungen seine Stel- 
lung im Lande, sein Verhältniss zu der polnischen liehnsoberhoheit freier 
zu gestalten, als es je zuvor gewesen; nirgends könnte man in dieser Zeit 
ein bewusstes, von langer Hand angelegtes Strel)en nach dem Ziel ent- 
decken, was dann als Preis eines schweren Krieges in der Souverainetät 
Preußsens erreicht wurde, aber manches gelang, was thatsächlieh bereits 
jetzt der Stellung des Herzogs zum König von Polen einen freieren Cha- 
rakter gab*). 

Die Natur dieses ganzen Verhältnisses, vermöge dessen die Kurfürsten 
von Brandenburg zugleich Vasallen der Krone Polen waren, wies von selbst 
auf das hin, was dann 1657 und 1660 zu Bromberg, und zu Oliva vollendet 
wurde; das Gefühl davon, dass dies mit Nothwendigkeit einst eintreten oder 
doch versucht werden müsse, war in Polen schon lange zuvor vorhanden 
und war mitwirkend bei all den Quälereien, womit König und Stände von 
Polen "dem Lehnsfürsten das Bewusstsein der Abhängigkeit wach zu erhal- 
ten suchten'); es war nur die stete und allseitige Bedrängniss, in der das 
Haus Brandenburg sich von dem Eintritt in das preussische Lehen bis zum 
westphälischen Frieden und noch nach diesem befand, welche den unver- 
meidlichen Gegensatz noch nicht zum vollen Bewusstsein und zu einem 



') So der französische Gesandtschaftssccretftr Charles Ogier schon 1635 für pol- 
nisch Preussen: conspeximus ibi [in Stumsdorf] non sine voluptate iam maturos 
novae pacis fractns, scilicit aedicnlas instaurari, stabnia reparari atqne concludi, sup- 
pellectilem rusticam, gallinas, anseres ox arcibiis et urbibos reduci. Ogerius, Iter 
Polonioum p. 406. 

') Schon 1646, bemerkt Baczko, war zu beobachten, dass die preussischen 
Stände mit ihren Appellationen nach Polen schüchterner verfuhren als bisher. Ge- 
schichte Preussens V. p. 159. 

')*So sagt König Vladislav IV. Anfang 1641 zu dem brandenburgischen Ge- 
sandten Hoverbeck: „denn es ginge dio Respublica in puncto dieses Lehens sehr be- 
hutsam, in Anmerkung, es möchte als von einem so mächtigen Fürsten und vasallo 
das Lehen dermaleins von der Respublica gar abgewendet werden wollen*' (Relation 
Hoverbeck's dat. 23 Febr. 1641). 



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Einleitung. 5 

scbarfen Ausdruck kommen Hessen ; selbst die endliche Losreissung , des 
Herzogthnms Preussen aus dem polnischen liehnsverband erfolgte dann 
mehr durch die rasche und geschickte Benutzung einer von Aussen heran- 
tretenden günstigen Gelegenheit, als zu Folge eines länger gehegten und 
wolangelegten Planes. 

Inzwischen aber war es natürlich, dass neben dem officiellen Verhäjt- 
niss, welches den Kurfürsten von Brandenburg auf eine wenig höhere Stufe 
stellte, als die jedes anderen Kronvasallen war, sich ein anderes mehr that- 
sächüches bildete, welches der sonstigen Stellung und Würde dieses Le- 
hensträgers näher entsprach; persönliche Beziehungen sehr mannichfacher 
Art traten dabei* wirksam ein ; eine Menge sich kreutzender Interessen, wie 
die Natur des polnischen Staatswesens sie mit sich brachte, bedurften nur 
einer' klugen Benutzung, um dem Herzog von Preussen eine, wenn nicht 
überlegene, so doch höchst einflussreiche und die eigene Selbständigkeit 
wahrende Stellung zu geben; die oft lärmhaften und drohend aussehenden 
Demonstrationen polnischer Landboten auf den Reichstagen waren in der 
That darum meistens ziemlich gefahrlose Redeübuugen, weil es sich nicht 
leicht ereignete , dass in irgend einer gegen Preussen gewaiidten Frage die 
stärkere Macht der sonstigen Parteigegensätze völlig paralysirt wurde, dass 
ständische und königliche, polnische und littauische, katholische und evan- 
gelische Interessen oder endlich die Interessen des hphen und Jlofadels ge- 
genüber denen des niederen polnischen Adels über eine Frage dieser Art 
sich mit Ueberwindung ihres eigenen Gegensatzes zu einigen vermochten. 
In der That erkennen whr vielmehr das A^erhältniss zumeist so, dass ein 
Druck gegen Preussen, wenn er geübt oder versucht wurde, von einem oder 
dem anderen Factor ausging, während die anderen sich dazu entweder ge- 
gensätzlich oder indifferent verhielten und leicht zur Hilfleistung zu gewin- 
nen waren; und ebenso wurden Erfolge, die man auf preussischer Seite 
gewann, gewöhnlich der nämlichen Theilung der Interessen und Sympathien 
verdankt. 

Die Ausnutzung eines solchen Verhältnisses ruhte natürlich vorzugsweise 
auf persönlichen Beziehungen. Die Gleichheit des Bekenntnisses gewährte 
für eine Reihe wichtiger Fragen die Unterstützung der Häupter der evan- 
gelischen Dissidenten, und dieselben littauischen Landboten, welche in den 
sogleich zu er^^ähnenden Zoll- und Handelsfragen die lebhaftesten Gegner 
des Kurfürsten Georg Wilhelm und dann seines Sohnes waren, standen 
zahlreich zu Brandenburg bei allen die Religion berührenden Fragen; es 
waren dieselben, aus denen vornehmlich nach dem Tode Yladislav's lYi die 
Radzivil sich getrauen mochten, eine Pai*tei zusanunenz*ubringen, mit der sie 
die Königswahl des Kurfürsten Friedrich Wilhelm durchzusetzen hofften, 
wofern nur dieser selbst auf ihre Pläne eingegangen wäre*). 

Terbindungen dieser Art und andere noch viel mehr persönlicher Natur 
galt es aufrecht zu erhalten; sie waren an jedem Hofe des siebzehnten Jahr- 
hunderts von Wichtigkeit, wol an keinem von grösserer als an dem polni- 



*) Siebe besonders die Relationen HoverbecVs dat, 24. Juni (not. 4) und 7. No- 
vember 1648. ♦ 



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g I. Pretusen und Polen. 

sehen. Von allen die wichtigste aber war die mit dem Könige. So 
streng der König auf seine lehnsherrliehen Rechte halten mochte, es lag 
nahe, dass es gewisse Punkte gab, in denen seine Interessen sich mit denen 
seines fürstlichen Yasallen berührten, besonders nahe bei einem Könige wie 
Vladislav IV., der sich mit mancherlei Projecten trug, die er ohne oder 
gegen die polnischen Reichsstände durchzuführen gedachte*); die Excesse 
der ständischen Freiheit, von welcher seine eigenen Pläne in Polen bedroht 
waren und schliesslich vereitelt wurden, konnten an ihm in dem Herzogthum 
Preussen, dem Kurfürsten gegenüber, keinen sonderlich warmen Beschützer 
haben; es gab Combinationen, in denen der König und der Kurfürst sich 
für das gemeinsame fürstliche Interesse gegenüber dem ständischen aufs 
engste verbunden fanden. Ein Ausdruck dieses persönlichen Verhältnisses 
neben dem officiellen war die Praxis, wonach der König sich dem Kurfür- 
sten gegenüber neben den officiellen Documenten der Lehnsverbindung noch 
durch eine spezielle, auf seine Person lautende, Versicherung zur Einhal- 
tung der Verträge verbindlich machte; das sogenannte Responsum Cra- 
coviense, welches im Jahre 1633 den Gesandten Georg Wilhelm's zu 
Krakau von Vladislav IV. ertheilt worden war«), enthält in der That keine 
Bewilligung, die über den Siün der Lehns vertrage irgendwie hinausging; 
aber als gleichsam persönliche Verpflichtung des Königs auf die in densel- 
ben enthaltenen Prärogativpunkte des Herzogs von Preussen, galt dieses 
Actenstück preussischer Seits immer als eine äusserst wichtige Handhabe, 
wenn gleich formell staatsrechtlich solche Responsa regia des bindenden 
Charakters entbehrten. An die Stelle dieser Versicherung trat dann wäh- 
rend des Interregnums von 1648 diejenige, welche Johann Casimir noch 
als Throncandidat dem Kurfürsten ertheilte, und welche wir bei den Acten- 
stücken des genannten Jahres mittheilen ^); man erkennt aus den dort bei- 
gefügten archivalischen Notizen, wie gross die Bedeutung war, die man 
einer solchen rein persönlichen Versicherung beilegte, und die Vergleichung 
dieses Actenstücks mit dem Responsum Cracoviense ergibt von selbst, in 
wie förderlicher Weise man auf brandenburgischer Seite die günstige Ge- 
legenheit der Thronerledigung zu benutzen verstanden hatte. 

Wichtiger als irgend anderwärts war unter solchen Umständen hier die 
persönliche Vertretung an dem Warschauer Hof. Man wird aus den zahl- 
reichen unten mitgetheilten Relationen des brandenburgischen Gesandten 
Johann von Hoverbeck*) bereits ein ziemlich lebendiges Bild von der 



") Doch sind wol die etwaa abenteaerlioh gefärbten Nachrichten, welche Lii^age 
(rorigine TBritable da sonlevement des Gosaques contre la Pologne. Paris 1674) über 
die geheimen Pläne Vladislav^s IV. gibt, mit Vorsicht aufsunehmen. 

^) Baczko 1. c. p. 98ff. 272; vergl. das Schreiben des Kurfürsten an Hoverbeck 
dat. 10. Decbr. 1640 not. 1. 

') Dat. Nieporent 6. Octbr. 1648, bei der Relation Hoverbeck's vom 17. Ootbr. 

*) Von Personalien über Hoverbeck ist neben der dürftigen Nx)tiz bei Cosmar 
nnd Klaproth, der Staatsrath p. 357 leider nichts su ermitteln gewesen, als dass 
er von Anfang der dreissiger Jahre an in brandenburgischen Diensten stand und in 
den Beziehangen zu Polen verwandt wurde. Die Zahl seiner fast durchweg eigen- 



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Einleitunff. 7 

Art der Thätigkeit gewinnen können, welche dieser gewandte, seit einer 
Reihe von Jahren schon mit den polnischen Verhältnissen nnd mit der Natur 
der polnisch-preussischen Beziehungen eng vertraute Diplomat in den ersten 
Jahren des Kurfürsten Friedrich Wilhelm dort entfaltete. Das Wichtigste 
war, dass Hoverbeck das persönliche Organ des Kurfürsten war; wenn in 
dessen Abwesenheit das Collegium der vier Oberräthe officiell die Bezie- 
hungen zwischen Königsberg und Warschau vertrat oder wenigstens ver- 
mittelte, 80 stand der beschränkt pro vincieilen oder von ständischen Inter- 
essen geleiteten Behandlungsweise dieser Behörde der daneben herlaufende 
directe Verkehr des Kurfürsten mit dem Hofe und den Reichsständen von 
Polen durch das Organ Hoverbeck's gleichsam als Correctiv zur Seite. 
Dieser. Gegensatz zwischen der Führung der Geschäfte durch die preussi- 
schen Oberräthe und der durch die Gesandtschaft in Warschau, sowie' eine 
gewisse Animosität zwischen beiden wird bei vielen Gelegenheiten fühlbar; 
sie äussert sich neben anderem namentlich auch in dem Widerstreben des 
einen oder anderen Theils gegen die Verwendung dieser oder jener Per- 
sönlichkeit zu den Geschäften; soviel wie möglich suchte der Kurfürst 
Männer zu denselben heranzuziehen, die ohne ständische Verbindungen ihm 
persönlich ergeben waren, und dasselbe Bemühen wiederholt sich in den Krei- 
sen des preussischen Verwaltujigsbeamtenthums selbst»). Es zeigt sich allent- 
halben auf Seiten des Kurfürsten das Bemühen, den beengenden Rücksich- 
ten, welche das ständische Regierungscollegium ihm auferlegte, durch Erle- 
digungen auf dem nicht officiellen Wege auszuweichen, die Regimentsräthe, 
WO' irgend ein Widerstand von ihnen zu besorgen war , zu umgelien ; indem 
diese sich dieser Beseitigung zu erwehren suchen, entsteht ein unausge- 
setzter versteckter Kampf, der hier sich meistens nur in Andeutungen zu 
erkennen gibt; die aktenmässige Darstellung der inneren preussischen Ver- 
hältnisse an der Hand der Landtagsacten wird seiner Zeit diesen Kampf 
auf seinem eigensten Gebiet deutlicher erkennen lassen; wo die in dem ge- 
genwärtigen Bande veröffentlichten Acten abschliessen, hat so eben die per- 
sönliche Politik des Kurfürsten auch in einer Frage des Verhaltens zu 
Polen, in der nämlich der Theilnahme an dem Kosakenkrieg, durch die pro- 
vinciellen ^Tendenzen der Oberräthe eine völlige Niederlage erlitten. 

üebersieht man die Reihe der Beziehungen des Kurfürsten zu Polen 
in diesem seinem ersten Jahrzehnt, wie' die mitgetheilten Acten sie dar- 

händigen Relationen .ist ausserordentlich gross; neben der mit dem Kurfürsten ge- 
führten Correspondenz des Berliner Staatsarchivs geht eine fast noch voluminösere, 
indess sachlich meist minder wichtige, mit den preussischen Oberrfttben her, die das 
Königsberger Archiv besitzt. — Neben Hoverbeck in zweiter Reihe steht der bran- 
denbnrgische Resident in Danzig, Peter Bergmann, der bereits seit dem Jahre 
1618 in verschiedenen Missionen vorkommt. 

*) Ein charakteristisches Verhältniss dieser Art zeigt sich z. B. in den beiden 
Schreiben des Kurfürsten an den geh. Canzlisten Christoph Melchior, den Verwalter 
der Pillaner SeezoUkasse , vom 9. Juli und 5. December 1644. Ein anderes in dpr 
Opposition der Oberrftthe gegen die Anstellung des Andreas Adersbach (ad dat. 
22. Aug. 1643), der dann- der Warschauer Gesandtschaft als Secretftr beigegeben wurde; 
anderes passim. 



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g f. Prenssen und Polen. 

stellen, so zeigt sich eine ziemliche Mannichfaltigkeit derselben; sie begin- 
nen mit den langwierigen, zum Theil peinlichen Yerhandlnngen über die 
Formalitäten des Regierangsantritts und der Belehnnng; in häufiger Wie- 
derkehr treten uns Angelegenheiten religiöser Art entgegen; zweimal im 
Jahr wird die Aufmerksamkeit des Kurfürsten und seiner Beamten durch 
die Thätigkeit der ^Juridica'' in Anspruch genommen»*»), andere Verhand- 
lungen betreffen die von dem Kurfürsten als Herzog in Preussen an die 
Krone Polen «u entrichtende jährliche Lehnsabgabe ; auch Entfernteres flicht 
sich nicht ohne Wichtigkeit in diese Beziehungen ein; die Frage der schwe- 
dischen Heirat ist für Polen ein Gegenstand des lebhaftesten Interesses, 
und von anderer Seite werfen die Irrungen mit dem Pfalzgrafen von Neu- 
burg in den Jülich -Clevischen Lianden vermöge der Yerschwägerung des 
jungen Pfalzgrafen Philipp Wilhelm mit Vladislav IV. ihre Wirkungen bis 
in diese Kreise. Neben diesem und anderem sind es namentlich zwei Rei- 
hen von Verhandlungen, welche in zusammenhängenderer Weise einen 
grösseren Verlauf vorführen; die eine, welche die Angelegenheit der Pil- 
lauer Seezölle betrifft, hat ihren Anfang schon in der Regierungszeit 
des Kurfürsten Georg Wilhelm und ist im Jahr 1646 in der Hauptsache 
und mit einem wichtigen Erfolg für den Kurfürsten abgeschlossen; die an- 
dere ist die, welche mit dem polnischen Interregnum von 1648 und 
mit der um die nämliche Zeit beginnenden Erhebung der Kosaken zu- 
sammenhängt. 

Was zuvörderst diese letzteren die Jahre 1648 und 1649 betreffenden 
Aktenstücke anbelangt, so erläutern sie sich — mit den wenigen beigefüg- 
ten Anmerkungen — in ausreichender Weise selbst; man erkeniit deutlich, 
wie in den den Kurfürsten umgebenden oder berathenden Kreisen eine ganze 
Reihe von verschiedenartigen Stimmungen vorhanden war und einzuwir- 
ken suchte, wie unter den obwaltenden Verhältnissen der wichtige Zwi- 
schenfall des Interregnums von der brandenburgischen Politik zu benutzen 
sei: der Warschauer Gesandte Hoverbeck, der Danziger Resident Peter 
Bergmann, die Stimmen, die aus den Kreisen der polnischen Stände selbst 
herüberdringen, die preussischen Oberräthe, der geheime R«th zu Cöln an 
der Spree, von dem erfahrenen Kanzler von Götze geleitet — sie alle su- 
chen in ihrer Weise bestimmend auf die zu fassenden Entschlüsse einzu- 
wirken, zu ihnen allen gesellt sich dann die persönliche Umgebung des noch 
in Cleve verweilenden Kurfürsten, wol besonders durch Konrad von Burgs- 
dorf und Otto von Schwerin, als die einflussreichsten ^ vertreten — aus all 
diesem (und leider ist es dabei nicht wol möglich, anders als vermuthungs- 
weise das entscheidende Moment, die persönliche Ansicht des Kurfürsten, 
heraus zu erkennen) geht dann die Richtung der Politik hervor, welche man 
in Polen einhielt, eine Politik, die, wie man erkennen wird, von Anfang an 
mit sicherem Tacte das Mögliche und Richtige ergriff, und als deren ge- 
schickter Vertreter Johann von Hoverbeck den Verlauf des Interregnums 
zu einem nicht eclatanten, aber immerhin beachten swerthen Erfolg für die 
Stellung seines Fürsten der Krone Polen gegenüber ausbeutete. 



*') 8$ehe hierüber die Note zu der Relation Hoverbeck's dat. 27. Novbr. 1644^. 



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Einleitung. 9 

Unmittelbarer und erkennbarer seheint uns ein Stück der persönlichen 
Politik des Kurfürsten in dem Verhalten zu dem Empörung der Zaporogi- 
8chen Kosaken gegen die polnische Herrschaft vorzuliegen. Noch in den 
letzten Tagen Yladislav's lY. war dieses Unglück über Polen hereingebro- 
chen; mit den aufständischen Kosaken vereinigten sich dann die wilden 
Horden des Tatarenchan's , zu ' diesem Angriff kam die Erledigung des 
Throns, der Mangel einheitlicher Führung, der Streit der Thronprätendenten 
und ihrer Parteien; wol noch nie hatte der polnische Staat dem Verderben 
so nahe gestanden, noch nie waren seilte inneren Schwächen so völlig ent- 
hüllt worden als jetzt *»). Man erkennt aus den vorliegenden Acten ziem- 
lich deutlich, wie, Angesichts dieser Verhältnisse, der Kurfürst es für an- 
gezeigt hielt, mit einer energischen Action nicht nur dem Uebel wehren zu 
helfen, sondern auch dies in einer Weise zu thun, die für das Wachstum 
seines Ansehens möglichst förderlich wäre. Hatte er bei den Verhandlun- 
gen über die Königswahl Gelegenheit, sich den nachmaligen König Johann 
Casimir wirksam zu verbinden, so war die Gelegenheit noch günstiger, 
durch ein starkes Eingreifen zu Gunsten der bedrängten Republik, weit 
hinaus über das enge Maass der Lehensverpflichtnng , seine Stellung zu 
diesem Staate aus der Sphäre des verpflichteten Lehnsmannes in die eines 
mächtigen hilfreichen Freundes und Verbündeten zu erheben. Die ^centum 
equites armati", zu denen der Kurfürst von Lehens wegen verpflichtet war, 
konnten dazu nicht genügen; es ist von Interesse, die Bemühungen zu ver- 
folgen, welche der Kurfürst machte, um trotz der bedrängten Lage, worin 
er sich noch immer au allen anderen Punkten befand, hier in möglich an- 
sehnlichster Weise aufzutreten und neben der Sicherung seines eigenen 
preussischen Gebiets in den Verlauf der Dinge am Dniepr und Bug mit 
der Macht deutschen Fussvolks einzugreifen, welchem bei der fast ganz 
auf die Reiterei gestellten Beschaffenheit der polnischen Armeen nothwendig 
ejne nicht unbedeutende Rolle zufallen musste. Wir haben es daher für 
angemessen gehalten, das Thatsächliche dieses Versuchs und namentlich die 
eigenthümliche Geschichte der Huwaldischen Werbung, so weit dies die 
vorhandenen Acten gestatten, ans Licht zu stellen, und dies um so mehr, 
je vollständiger hier, wie sonst, das Stillschweigen ist, welches die polni- 
schen Geschichtsschreiber über die Theilnahme^ deutscher Truppen an den 
Kämpfen der polnischen Republik beobachten*»*). Der Versuch des Kur- 
fürsten scheiterte neben anderem hauptsächlich an den Widorötaud des 
preussischen Proviucialgeistes ge^en die ohne die Zustimmung der Stände 
beschlossene und trotz den versteckten Contremineu der Regimentsräthe ver- 



' *) Charakteristisch, nameutlich im Vergleich mit dem sonst üblich eir* Tone pol- 
nischer Reichstage gegen Brandenburg, ist das Schreiben des Primas Regni, des Erz- 
bischofs Lubienski von Gneson, an den Eurffirsten dat. 8. Juni und besonders das 
unmittelbar anter dem Eindruck der grossen Niederlage von Pilawice (23. Septbr.) 
an die preussischen Oberräthe gerichtete vom 1. October 1G48. 

") Ungenügend ist auch die Darstellung, die Stuhr, brandenb.-preuss. Kriegs- 
Verfassung zur Zeit Friedrich Wilhelm's des grossen Kurfürsten I. p. 155 ff. nach den 
Papieren Königes Über diese Werbung gegeben hat. 



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IQ I. PreuBsen und Polen. 

suchte Maassregel. Der Verlauf stellt sich schon hier ziemlich erkennbar 
heraus; die Acten der Landtage werden auch für diesen Vorgang jeden- 
falls noch mannichfach erläuterndes Detail bieten. 

Einiger einleitenden Bemerkungen bedarf die Angelegenheit der 
preussischen Seezölle, welche mehrere Jahre hindurch die wichtigste 
der zwischen Polen und Preussen schwebenden Fragen war und auf die 
sich eine b.eträchtliche Anzahl der hier mitgetheilten Actenstücke beziehen. 
Es mag zum Verständniss dieser Dinge gestattet sein, zunächst etwas weiter 
zurückzugreifen. 

Durch seine glücklichen Kriege gegen Polen hatte Schweden sich nach 
und nach in den Besitz der wichtigsten Punkte längs der Ostseeküste ge- 
setzt; von Livland ausgehend war Gustav Adolf dann nach der preussisch- 
polnischen Küste vorgedrungen, im Jahr 1626 nahm er Pillau weg, den 
Eingang nach Königsberg und in das frische Haff, gleich darauf erfolgte 
die Eroberung von Braunsberg, Fraueuburg, Elbing, Marienburg, Dirschau; 
mit Ausnahme von Danzig war die ganze preussische Küste von Memel bis 
an die pommersche Grenze in der Hand der Schweden, und Danzig wurde, 
wenn gleich nieht erobert, doch zu Lande von Dirschau her, zur See durch 
die schwedische Flotte im Schach gehalten. Er war das zweite Glied in 
der Kette, die dann sich mit den Häfen von Pommern und Meckelnburg 
schloss und die schwedische Beherrschung der Ostsee vollendete. 

Die militairische Wichtigkeit dieser Positionen in dem Kampf gegen 
Polen liegt auf der Hand; indess trat zu dem strategischen zugleich 
noch ein Interesse anderer nicht geringerer Art, das finanzielle. Die 
Häfen von Memel, Pillau, Elbing, Danzig waren die Thore, durch welche 
der Handel der Ostsee seinen Eingang nahm nach Preussen und nach Po- 
len : sobald die Schweden dieser Küste Herren waren, hatten sie sich beeilt, 
an allen diesen Punkten die einträglichen Seezölle mit Beschlag zu belegen 
und die alten Taxen nach Gutbefinden zu erhöhen; sie setzten sich damit 
in Besitz einer fortlaufenden Einnahme, welche die Kosten des Kriegs und 
der Occupation wesentlich erleichterte, wenn nicht deckte; der Zoll von 
Pillau brachte nach Gustav Adolfs eigener Angabe [1629] bei den erhöhten 
schwedischen Zollsätzen jährlich 500,000 Rth. ein, also ungefähr ebenso- 
viel, als um dieselbe Zeit dem König von Dänemark der Sundzoll ab- 
warf**); nimmt man ausser Memel namentlich noch die hohen Zölle hinzu, 
welche die schwedischen Wachtschiffe auf der Rhede vor Danzig erhoben, 
so wird die Angabe, einer jährlichen Einnahme von einer Million Rth. nicht 
übertrieben erscheinen > *). Dieser Krieg also nährte sich selbst durch die 



'') Geijer Geschichte Schwedens III. p. 152; verglichen mit der schwedischen 
„Relation über das K&nigreich Dänemark*', ebend. p. 340. 

'^) So ein polnischer Landbote auf dem Reichstag von 1637 hei Lengnich VI. 
p. 109; die drei Millionen, von denen er spricht, sind natürlich polnische Gulden, 
also etwa eine Million Rth. Die Höhe dieser Zahlen, welche die der nach Abeug 
der Schweden in Jenen Häfen gewonnenen Einnahmen weit überschreitet, wird glaub- 
lich und erklärlich durch die Nachrichten von den enorn^en Zollsätzen , womit die 
schwedischen Einnehmer den baltischen Handel beschwerten; in der unten [not. 69] 



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Einleitnng. 1 1 

Ansbeatnng des baltischen Handels ; als Gastav Adolf im Anfang des Jahres 
1629 entschlossen war, den Krieg in der Defensive in Preussen weiterzu- 
führen nnd zugleich von Pommern her offensiv gegen den Kaiser vorzugehen, 
setzte er eben dies den Bedenklichkeiten Oxenstjema's entgegen : die Mittel 
zu einem Defensivkrieg in Preussen würden nicht fehlen, ^wenn anders der 
Zoll in Pillau sein devoir thut** > *), 

Indess erfolgte am 16. September 1629 der sechsjährige Waffenstillstand 
zwischen Schweden und Polen. Memel, Pillau, Elbiug blieben in der Hand 
der Schweden; wegen der Zölle von Danzig war nichts ausdrücklich stipu- 
lirt worden; die Stadt traf schliesslich einen Separatvergleich mit den 
Schweden (28. Febr. 1630), in Folge dessen von den 5i Procent, die man 
von allen ein- und ausgehenden Waaren erhob, 8^ Jenen und 2 der Stadt 
Danzig zufielen, mit dem ausdrücklichen Beding, dass die Schweden in 
Pillau einen gleich hohen Zoll nehmen sollten, um nicht durch einen nie- 
drigeren Satz den Handel von Danzig hinweg nach jenem Hafen zu 
ziehen * •). 

Gastav Adolf hatte es auf diese Weise vermocht, die Offensive in 
Deutsehland mit dem Festhalten der preussischen Küstenplätze, mit dem 
Fortgenuss der reichen Einnahmen aus d^n preussischen Seezöllen zu ver- 
einigen. Nach seinem Tode stellten sich mehr und mehr die Schwierigkei- 
ten des zwiefachen Kriegsstandes, in Preussen und Polen, und in Deutsch-, 
land heraus. Die Bestimmung des Waffenstillstands von 1629, dass alle 
Zölle wieder in den Stand gesetzt werden sollten, wie vor dem Kriege * ' ), 
war besonders als eine Connivenz gegen die befreundeten Handelsmächte, 
Niederlande und England, von den Schweden zugelassen worden i«); aber 
diesem Zweck und der Ermuthigung der fremden Kaufleute zur Fahrt nach 
Danzig und Königsberg genügte die Aufnahme des Artikels in das officielle 



zu erwähnenden Instruction für Hoverbeck wird angegeben, dass dieselben „durch 
VerbGhang der taxa wol 30, 40, ja 50 und ein mehrers pro Cent genommen hatten*'. 
Ebendaselbst wird darauf hingewiesen, wie diese enorme Erpressung eben nur den 
Schweden möglich war, weil sie die ganze Küste inne hatten, während die nachfol- 
genden Natzniesser von dem Bedenken eingeschränkt werden mussten, durch allzu 
hohe Zölle den Handel von ihrem Hafen abzuschrecken und den benachbarten zu- 
zuführen. 

*') Geijer a. a. 0. — Bezeichnend ist auch, was der brandenburgische Resi- 
dent in Stockholm, Adolf Friedrich Schlezer, schreibt: „man ist (in Schwe- 
den) der Gewohnheit, auch wol etwas ohne Mittel anzufangen, wie dann der Relchs- 
feldhorr de la Garde anno 1635 neben der Arm^e nicht mehr als 6000 Thaler Knpfer- 
geld (sein 1600 Rth.) mit sich nach Preussen überbracht. ^* (Relation vom 1. März 
1651.) Indess vergl. dazu Geijer III. p. 297. 

»•) Lengnich V. Docum. p. 172 ff. 

*^ Freilich mit der zweideutigen Wendung: omnia maneant in hoc statu, 
pront ante hoc bellum fnerant. Art. 15. ebend. p. 167. 

*'; Ehenso wie dann in dem Waffenstillstand von 1635; in Bezug auf diesen 
sagen es bald darauf die Schweden selbst ausdrücklich: „cum id caput magis propter 
istoSy qnam propter Sneoiae commoda pactis insertum foret." Pufendorf de reb. 
Sneo. IX. 86. 



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12 '• Prenssen und Polen. 

Document; alle Bestimmnngen dieser Art blieben auf dem Papier, die Praxis 
war die Fortdauer der hohen Zölle. Aber von den Betheiligten wurde es 
mit schwerem Unwillen empfunden»*), und Christian IV. von Dänemark 
suchte die vertragswidrige Höhe der preussisch - schwedischen Zölle auszu- 
beuten, um die Niederländer, die Engländer, die Hansestädte gegen Schwe- 
den in Bewegung zu bringen*®). Enthielt aber auch dies an sich noch 
keine dringende Gefahr, so kam der unglückliche Verlauf des Krieges in 
Deutschland entscheidend hinzu; 1634 erfolgte die schwere Niederlage von 
Nördlingen, und ihre Wirkung war der Prager Friede (1635), der Schwe- 
den mit einem Male fast aller 'seiner deutschen Bundesgenossen beraubte ; 
zu dem die drohende Haltung Dänemarks, der bevorstehende Ablauf des 
sechsjährigen Waffenstillstandes mit Polen, der eben jetzt durch man- 
cherlei Calamitäten besonders dringende Nothstand in Schweden selbst — 
die schwedische Politik kam zu dem schweren Entschluss, Preussen aufzu- 
geben; unter französischer, niederländischer, englischer und brandenburgi- 
scher Vermittlung ward zu Stumsdorf der Waffenstillstand mit Polen auf 
26 Jahre erneuert (12. Septbr. 1635); seine Bedingung war, während we- 
nigstens in Livland der beiderseitige Besitzstand beibehalten wurde, die 
Räumung aller Plätze in Preussen von Seiten der Schweden und damit das 
Aufgeben der Seezölle; in einem Moment, der für Schweden leicht der ge- 
fährlichste seit Beginn des Krieges war, musste es sich bequemen, eine 
seiner erträglichsten Einnahmequellen ohne Ersatz dahin zu geben. 

Was hierauf weiter geschah, führt uns zu Preussen und Polen zurück. 
Ebenso wie der Waffenstillstand von 1629 enthielt auch der von 1635 die 
Bestimmung, dass alle Zölle auf den Stand, wie vor dem Kriege, zu redu- 
ciren sejen, und ebenso wie damals dachte man nicht daran, sie wirklich 
in Ausführung zu bringen. Fast ein Jahrzehnt hindurch . waren die Er- 
träge der preussischen Hafenzölle dem fremden Eroberer zu Gute gekom- 
men; der Handel hatte die höheren Forderungen, die man im Vergleich 
zu früheren Zeiten jetzt dort stellte, doch ertragen und darum keineswegs 
seine Richtung verändert; fast ohne Unterbrechung hatte die ganze schwe- 
dische Zeit hindurch der baltische Handel den alten Weg na<;h Danzig, 
Königsberg und den übrigen Häfen an dieser Küste zu nehmen fortgefah- 
ren. Sollte man nun, na<;h dem Aufhören der schwedischen Occupation, 
wirklich nach dem Wortlaute des Vertrags zu dem alten „Pfundzoll'' und 
den verhältnissmässig geringen Erhebungen zurückkehren, mit denen man 
sich vor dem begnügt hatte? Es lag auf der Hand, dass damit der we- 
sentlichste Vortheil des neugr sicherten Friedensstandes wiederum den Frem- 
den, den englischen, niederländischen etc. Kaufleuten zugefallen wäre; es 
war nichts natürlicher, als dass die eigentlichen Herreu dieser Häfen, nun 
in ihren Besitz wieder eingesetzt, die Vortheile für sich zu behalten und 



^*) — — HoUandos invidia vectigalium Borussioornm flagrantes. Pufendorf 
ibid. V. 107. ad a. 1633. 

'*) Odiosa Tectigalium Borassicorum imagine, quae taotopere ipsum [Danum] 
mordebant, Aogli, Batavi, Hanseatici stimulabautar. Pufendorf ibid. V. 111. 



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Einleitung. j[3 

ZU benutzen strebten, welclie bis dahin den Schweden zu Theil geworden 
waren. 

Und in der That sehen wir augenblicklich diese Bemühungen hervor- 
treten — nur das« die eigenthümlichen Besitz- und Herrschaftsverhältnisse, 
wie sie hier obwalteten, zu den mannichfaltigsten Verwickelungen Anlass 
gaben. Tor allem ist hier das Yerhältniss Polens zur See zu den Fragen 
der maritimen Politik zu beachten. 

Seitdem die Republik Polen ihre grossen Erfolge gegen die Ordens- 
lande errungen, trug die baltische Küste von der Düna bis zur Weichsel, 
von Riga bis Danzig unter verschiedenen Formen den Titel des polnischen 
supremum dominium — eine Küste, die völlig geeignet schien, der starken 
Macht Polens auch noch eine maritime Bedeutung hinzuzufügen, die Repu- 
blik zu einer Seemacht zu erheben, welcher ein gewichtiges Wort in dem 
Kampfe um das ^dominium maris baltici^ zufiel. Dennoch geschah dies 
nicht; Polen erhob sich nie zu dem Range einer Seemacht, und die Herr- 
schaft über die Ordenslande wurde für diesen Staat keinesweges der ent- 
scheidende Schritt an die Ostsee, wie ihn nachmals Russland unter Peter 
dem Grossen that; Polen war und blieb eine ausschliesslich binnenländische 
Macht. 

Es ist nicht die Sache dieser einleitenden Bemerkungen, die Gründe 
dieser Erscheinung zu erörtern. Ebenso wje Polen an der Ostsee nur in- 
direct durch das Mittel und nach dem Maasse des guten Willens der un- 
terthänigen deutschen Küstenstädte einen sehr reducirteu Einfluss besass, 
ebenso hatte es auch im Süden die Küste des schwarzen Meeres sich zu 
eigen zu machen versäumt und dort gleichfalls anderen Mächten das Feld 
überlassen; man findet es wol in der Zeit, von welcher wir sprechen, in 
Polen selbst bereits als eine verbreitete üeberzeugung, dass die ganze An- 
lage des polnischen Staatswesens unvereinbar sei mit einer maritimen Ent- 
wickelung; zwei Dinge, bekennt eine polnische Flugschrift dieser Zeit, sind 
unserer Nation unbekannt, die städtischen Ordnungen und das Seewesen, 
und der Verfasser bekämpft es als eine dem nationalen Geist widerstre- 
bende Chimaire, wenn man den Versuch machen wolle, diesem Staate die 
Richtung auf die See zu geben**). Und gewiss ist es nicht schwer, die 
Unverträglichkeit dieser Adelsaristokratie mit einer gesteigerten Entwicke- 
lung des Seewesens zu verstehen; die alte Bemerkung von der antiaristo- 
kratischen Tendenz, welche die Richtung auf die See den Staaten und Völ- 
kern zu verleihen pflege, bestätigt sich unter den eigenthümlichen Verhält- 
nissen Polens in einer neuen Wendung:" es sind mannichfache Versuche 
gemacht worden, jenen Bann zu brechen, eine selbständige polnische See- 
macht zu begründen; übersieht man diese, allerdings durchweg fast dilet- 
tantisch zu nennenden und unglücklichen, Anläufe, wie sie unter Sigismund 
August, Sigismund III., Vladislav IV. hervortraten, so wird man bemerken, 



*') 8. die unten [not. 34] angeführte polnische Flagschrift 80 auch Ru- 
dawfiki hist. Polon. p. 5. Polonis non multum de possessione littorum maris soUi- 
citis. AeuBserungen ähnlichen Sinnes hin und wieder auf polnischen Reichstagen 
dieser Zeit. s 



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-14 !• Preussen and Polen. 

dass sie immer zuBammentreffen mit dem notorischen und ebenso erfolg- 
losen Streben dieser Könige, — zumeist im Bunde mit Oestreich — das 
absolute Königthum auf Kosten der überwuchernden aristokratischen Libertät 
zu erheben: die Gründung einer Seemacht ist in Polen die Sache 
und das Interesse der Monarchie <^); sie stand und fiel mit dem 
Versuche, dem in fast ganz Europa siegreichen fürstlichen Absolutismus 
auch in Polen den Sieg über die standische Entwickelung zu erringen. 

Noch einen Anlass mehr, die See nicht ans dem Auge zu lassen/ 
brachten die Könige aus dem Hause Wasa (Sigismund III. I58T) durch 
ihren Anspruch auf die Krone Schweden mit sich; der Kampf um die Krone 
mit den protestantischen Vettern in Schweden war nicht zu Ende zu brin- 
gen, wenn man ihnen nicht schliesslich auch zur See entgegentreten und 
über die See folgen konnte. So stand und fiel auf der andern Seite der 
Plan einer polnischen Marine mit der wechselnden Wahrscheinlichkeit eines 
günstigen Erfolges gegen Schweden. 

Wie gross auch die Schwierigkeiten waren, die das Unternehmen bot, 
so schien es doch im Fall des Gelingens zu viel zu versprechen, als dass 
der unternehmende Vladislav IV. zu den vielfältigen Projecten, mit denen 
er sich zu verschiedenen Zeiten trug, nicht auch dieses hätte fügen sollen; 
upd wenn gleich diese Entwürfe vollständig scheiterten, so haben wir doch 
hier kurz auf dieselben einzugehen, um das Verhältniss Preussens und na- 
mentlich des herzoglichen vor dem RegierungS'antritt Friedrich Wilhelm's 
zu denselben zu charakterisiren. 

Nach dem Stumsdorfer Waffenstillstand fuhr zunächst Dauzig fort, die 
neuen Seezölle in der Weise, wie es dieselben seit 1630 mit den Schweden 
getheilt hatte, weiterzuerheben ; in ähnlicher Weise richtete sich Kurfürst 
Georg Wilhelm in Memel und Pillau ein, dessen von Gfustav Adolf ange- 
legte Befestigungen er den Schweden bei ihrem Abzüge mit 10,000 Rth. 
hatte abkaufen müssen, und wo bereits 1636 eine neue Licentkammer er- 
richtet und neben dem alten Pfundzoll ein neues „Lastgeld** von angeblich 
vier vom Hundert erhoben wurde. Es schien, als solle es den deutschen 
Vasallenstaaten glücken, allein die Frucht des schwedischen Rückzugs zu 
gemessen. 

Aber bereits war auch König Vladislav in voller Thätigkeit, um die 
Gelegenheit in seinem Sinne auszubeuten. Und nicht er allein; die Frage 
der preussischen Seezölle verknüpft sich hier mit den weitreichendsten po- 
litischen Combinationen. Man erinnert sich, dass das Jahr des Stumsdorfer 
Waffenstillstandes auch das des Prager Friedens war; ein Jahr voll der 
verheissendsten Erfolge für die östreichische Politik, die von hier an wieder 



*') Es fehlt auch hier nicht an Andeutungen einer damit in Verhindung ste- 
henden Begünstigung des dritten Standes; das Element des dritten Standes bilden 
in Polen die Juden; als Vladislav IV. 1639 die unten zu erwähnenden Maassregeln 
in Gemeinschaft mit Kurfürst Qeorg Wilhelm traf, bedang er oder verlangte wenig- 
stens ausgedehnte Begünstigungen für die polnischen und littauischen Juden. (Schrei > 
ben des Königs an den Kurfürsten dat. Vilnae 9. Mftrs 1639. Königsh. Arch. Sehr. 
5. 29. 96.) 



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Einleitung. j 5 

mnthiger begann, ihre Fäden nach allen Seiten hin aaszulegen. Von diesen 
reichte einer auch nach Polen. Bereits 1636 gelang es, trotz des Wider- 
strebens der polnischen Grossen und der französischen Diplomatie, Yla- 
dislav IV. für eine verwandtschaftliche Verbindung der Häuser Wasa und 
Habsburg zu gewinnen; im folgenden Jahre fand die Vermälung des Kö- 
nigs mit der Erzherzogin ۊcilia Renata, einer Tochter Kaiser Ferdinand's II., 
Statt. Eine Heirat, wie jedermann erkannte, von eventuell grosser politi- 
scher Wichtigkeit. Sie bedeutete nichts anderes, als dass Oestreich, neben 
der wichtigen Bundesgenossenschaft Polens in der Flanke der gesammten 
schwedischen Positionen im Reich, vorzugsweise mittels dieses Bundesge- 
nossen wieder einen Fuss an der Ostsee zu gewinnen hoffte — eine mili- 
tärisch-politische Position, ohne welche eine gedeihliche Entscheidung gegen 
Schweden «nehr und mehr sich alö unausführbar herausstellte*'). An der 
Ostsee — das hiess in den preussischen Häfen; was 1629 in Meckelnburg 
und Pommern durch Waldstein schon halb vollendet worden war, das nahm 
man jetzt in den nördlichen, von Schweden aufgegebenen Häfen wieder auf; 
sowie man schon 1629 in Danzig eine Ueberrumpelung durch kaiserliche 
Truppen befürchtet hatte**), so hört man. jetzt wol von^einem Plane Oest- 
reichs, dem Kurfürsten von Brandenburg den Hafen von Memel abzukau- 
fen**). Aber der wichtigste Schritt auf diesem Wege war die Verbindung 
mit dem Könige von Polen. 

In dieser Zeit dominirte, wie abhold auch immer der Reichstag sich 
zeigen mochte, an dem Hofe Vladislav's der östreichische Einfluss. Mau 
nahm die gross ten Dinge in Aussicht; die preussischen Hafenzölle sowol 
von Danzig, wie in dem herzoglichen Preussen sollten kraft königlichen 
Rechtes in Besitz genommen, durch sie eine Flotte gegründet und unter- 
halten, durch diese im Bunde mit Oestreich Schweden wiedergewonnen, 
durch die so erlangte Macht der polnische Adel niedergeworfen, die Erb- 
lichkeit der Krone begründet werden *•). Bereits war ein Anfang gemacht; 
eine kleine polnische Flotte war ausgerüstet Worden, die ihre Station Danzig 
gegenüber im Putziger Wiek nahm; zu ihrem ßchutze ward dort , an der 
Küste ein Fort, Vladislavsburg, errichtet, es war der erste Ansatz dazu, 
Danzigs durch Blokade Herr zu werden*'). Der einflussreichste Rathgeber 
des Königs in dieser Zeit war der Woiwode von Sendomir und nachmalige 
Kanzler Georg Ossolinski, derselbe, der die östreichische Heirat vor- 



**) Pnfendorf de reb. Suec. IX. 86 citirt ein Ostreich isches Flugblatt, worin 
dies ausgesprochen wird : ^ Quamdiu septentrio in eo, in quo iam versatar, cardine 
manebit, nee domus Anstriacae bestes everti, nee Universalis Monarchia Ecclesiae 
Catholicae totiqne Orbi saluberrima fiindari poterit. 

"0 Lengnich V. p.225. 

'*) Pnfendorf a. a. O. Vergl. anch die Instruction für Dobrzenski an Karl 
Gustav von Schweden dat 4. Jan. 1655 bei Pufend. Frid. Wilh. V. 6. p. 247, wo 
der Enrfür^ das Gleiche von Pillaa behauptet; aber Georg Wilhelm oblatam .... 
pro unioo portn PiUaviensi totam Bilesiam repudiasse. 

") Pnfendorf a. a. O. 

*') Piasecius chronicon p. 494. Lengnich VI. p. 99. 



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Ig I. Preussen and Polen. 

züglich befürwortet hatte, der als der Hauptgönner der östreichischen Po- 
litik am Hofe galt, der eben in dieser Zeit den Reichsfürstentitel von Kaiser 
Ferdinand ITI. annahm. Er war es, der den Plan der Flottengründung 
mit vorzüglichem Eifer betrieb; .der ganze Plan aber hing an dem Erwerb 
der Danziger Seezölle, denen dann die anderen bald folgen mussten. In 
einer Flugschrift, welche Ossolinski zum Yerfasser zu haben scheint, wer- 
den die y ortheile erwogen, welche der Republik Polen aus dem letzten 
Kriege mit Schweden erwachsen seien**); vor allen der wichtigste erscheint 
ihm die gleichsam neu entdeckte hohe Ertragsfähigkeit der preussischen 
Seezölle; hat die Krone Polen sich bis dahin immer mit Steuern begnügen 
müssen, die nur zur Deckung des augenblicklichen Bedürfnisses ausreichten, 
so erwächst ihr jetzt hierin eine neue fortwährend * fliessende Hilfsquelle; 
^es hat Gustavus, maximo suo commodo die Seezulage Unserem Vaterland 
entdecket, id est aerarium perpetuum et perennem belli nervum." Und mit 
Eifer wendet sich der Verfasser gegen die vermessenen Weigerungen der 
Öanziger, der Krone ihr Recht auf diese Zölle zuzugestehen: ^Man soll 
dasjenige, was unsere Vorfahred mit ihrem Blut erworben, der Republic 
aus den Händen reissen? Warum sollte nicht sein classis perpetua uff der 
See, dadurch einem andern Qustavo die Incnrsion in Polen könnte ge- 
wehret werden ? und die Provinz Preussen könnte hiedurch desto besser fir- 

mum et constans fortalitium haben ; sonsten , da aus selbiger classi 

nichts werden sollte, könnte leicht kommen, daös sich die Stadt Danzig 
temere et tumide Dominium Maris zueignen dürfte** * ®). 

Bereits während der Stumsdorfer Verhandlungen hatte König Vladislav 
unter der Hand bei den Gesandten der vermittelnden Mächte angefragt, ob 
die Erhebung eines billigen königlichen Zolls, in den preussischen Häfen 
für einige Jahre „zu dero Ergötzung vor die Entrathung Ihres Königreichs 
Schweden** auf Bedenklichkeiten stossen würde; der französische und eng- 
lische Gesandte hatten sich nicht unwillig gezeigt, nur der holländische 

") Was für Nutzen die Krön Polen von dem Preussischen Krieg 
mit dem Gustavo getragen — Handschriftliche deutsche Uebersetzung der pol- 
nisch geschriebenen Flugschrift, im Königsb. Arch. (Sehr. 6. 40: 36). Dass Osso- 
linski der Verfasser war, oder dafür gehalten wurde, ergibt sich theils aus einer 
Notiz am Rande der Handschrift, theils aus einer Stelle einer Gegenschrift, in wel- 
cher spöttisch auf den Reichsfürstenstand des Verfassers angespielt wird. Der Zeit 
nach ist die Broschüre etwas später, wol aus dem Jahr 1639. 

") Eine scharfe Widerlegungschrift im Sinne Danzigs ist die: Evolutio Pa- 
radoxi, oder Bedenken üher eines Politici Schreiben wegen des 
preussischen Krieges und der Seezölle Nutzbarkeit. Hier heisst es: 
„Und blicket der Hoohmuth dieses Politici daraus merklichen herfür, dass er sich ein- 
bildet, se videre classem Polonicam perpetuam tanquam firmissimum Prussiae forta- 
litium in Oceano flnctuantem, etiam (oti mari jura imponentem et Danos iuzta ac 
Sue«os Beigas et Anglos dispementem. Es denket aber der gute Herr daran nicht, 
dass, wann die Polen schon barsten sollten, würden sie doch ne umbram quidem der 
schrecklichen armada, welche die Spanier A. 88 zusammengebracht und doch cum 
immortali domiis Hispanicae infamia zu nicht worden, zu Wege bringeu können.'* 
(Königsb Arch.) 



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Sinleituiig. 17 

hatte das Verlangen abgelehnt'^). Im Becember 1635 erschien darauf ein 
königliches Patent, worin ohne yorgängige Befragung der Inhaber der be- 
treffenden Häfen die Erhebung eines 34 procentigen Seezolls in Danzig, 
Pillaa, Memel, Windau, Libau angesagt wurde»»). 

So kurzer Hand indess war die Angelegenheit nicht zu erledigen; es 
zeigte sich, dass die verschiedenartigsten Interessen sich dem Vorhaben in 
den Weg stellten. Was zunächst Polen selbst betrifft, so ist nach dem 
Gesagten leicht ersichtlich, dass das Unternehmen dort nur sehr getheilten 
Beifall finden konnte ; wol umgab den König eine ans Mitgliedern des ho- 
hen Adels und aus hohen Kronbeamten bestehende Partei, welche seine 
Pläne unterstützte; aber die grosse Masse ,des Reichstags zeigte unverho- 
len, wie wenig der polnische Adel geneigt sei, die Republik in die Kreise 
der östreichischen Politik hineinziehen zu lassen oder sie den Familienin- 
teressen des Königs dienstbar zu machen; hier war für die Wünsche des- 
selben, die schwedische Krone zu gewinnen, nur geringe Sympathie zu er- 
warten, während anderseits die im Hintergrund lauernden und wol errathenen 
Pläne der Erblichkeit der Kione und eines strafferen absoluten Regiments 
den polnischen Adel an seiner empfindlichsten Stelle trafen. Einen Ge- 
sichtspunkt gab es wol, unter welchem die Ergreifung der Seezölle und das 
Vorgehen gegen Dauzig zu diesem Behufe den Ständen plausibel gemacht 
werden konnte; in der That verfehlte die Aussicht nicht ganz ihre Wir- 
kung, ^dass, ohne zu contribuiren, jederzeit baar Geld im Schatz sein 
würde****), und es würde wenig Mühe gekostet haben, die Landboten von 
der Erspriesslichkeit und Gerechtigkeit der Maassregel zu überzeugen, wenn 
es gelänge, den grössten Theil der bisherigen Reichscontributionen auf die 
Zollkassen der deutscheu Handelsstädte an der Küste anzuweisen. Indess 
traf eben dies keineswegs mit den Absichten des Königs zusammen. Er 
war durchaus nicht gemeint, dass dieser Zuwachs von Einkünften, auf wel- 
chen er seine eigenen Pläne gründete, die anderen Abgaben überflüssig 
machen sollte ; überhaupt verfolgte er in dieser ganzen Angelegenheit sicht- 
lich die Tendenz, die Mitwirkung des Landtags nur bis zu einem gewissen 
Punkte zuzulassen, die weiteren Dispositionen gingen unmittelbar aus dem 
Kabiuet des Königs hervor. Auf dem Reichstage von 1637 wurde so, wenn 
gleich unter dem Widerspruch der preussischen und littauischen Landboten, 
eine Reichsconstitution von zweifelhafter formeller Rechtsgiltigkeit zu Wege 
gebracht, welche den König zur Erhebung eines neuen Seezolls in den 
preussischen Häfen ermächtigte; sie genügte als formeller Anhalt zu wei- 
terem Vorgehen* 5). 

Bei all dem blieb der Widerstand, den die Pläne des Königs in Polen 
selbst fanden, ein wol zu beachtendes Hinderniss. Man erkennt die Ten- 



**) Peter Bergmann an die Oberrftthe dat. Danzig 9. Jan. 1636. (Königsb. 
Axch. Sehr. 6. 40. 36.) 

'*) Dat. VarsaYiae 10. Decbr. 1635. (Königsb. Arch.] 

*") Lengnicfa VI. p. 109 ff. 

") Ebenda^. V. p. 112 und der Protest des Woiwoden von Pommerellen. Docum. 
p.65. 

lur G«icb. d. Gr. Kurfür>t6o. 1. 2 



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Ig 1. Preofsett and Polen. 

denz desselben «. a. aus einer Fliigschrift, deren polnischer Verfasser es 
unternimmt, im Sinne der polnischen Libertät die QemeingefÜhrlichkeit der 
obschwebenden Projecte zu enthüllen'*). Er trägt kein Bedenken , die 
ganze Idee eines aus den Seezöllen zu gründenden stehenden Aerars als 
eine von absolutistischen Hintergedanken erfüllte zu bezeichnen; es sind 
ihm dies ^Mittel und Wege von ausländischen Potentaten, die da absolute 
regieren und denen unser Freiheit in die Augen scheinet^*; es ist für die 
Freiheit Polens weit sicherer, wir verbleiben ^bei den alten Subsidüs der 
Poborren**, während aus der Erhöhung der preussischen Hafenzölle eine 
Menge ökonomischer Nachtheile für Polen erwachsen müssen. So tritt der 
Verfasser auch mit Entschiedenheit für das Recht Danzigs ein, sich den 
Anmuthungen des Königs zu widersetzen; auch die deutschen Städte in 
Preussen haben Theil an der polnischen Libertät: ,,qui parcit alienae liber- 
tatiy suam tuetur; welches axioma ein jedweder von Adel unter uns Polen 
uf seine Säbel sich mit Golde möcht nfdrucken lassen ;^ . gewiss steht dem 
Könige das supremum dominium über das an ui^sere Küsten stossende Meer 
zu, aber man wird finden, ^dass, gleich wie zu Lande solch Dominium 
nicht absolut ist, also könne es auch zur Seitwärts, indeme es mit gewissen 
legibus und privilegiis umschrieben, nicht absolutum sein.** Indem der Ver- 
fasser darauf dringt, von den Plänen gegen Dauzig abzustehen und dem 
deutschen Element an der Küste den ungestörten Besitz der See zu über- 
lassen, kommt er schliesslich zu einer bezeichnenden Wendung : ^lieber das, 
haben wir auch von Danzig nicht unsere Satisfaction if Wann wir unter- 
weilen Geldes benöthiget, schicken wir gerade dahin, als zu einer Scatullen. 
Zu deme, wann wir diese Stadt ganz in unsere Hände bekommen sollten, 
würde alsobald eine grosse Veränderung an Wassern oder Graben und 
Wallen erfunden werden. Dieses muss ich bekennen, dass unsere 
Nation, gleich wie fhr die städtischen Ordnungen unbekannt 
sein, also ist sie auch zu Erhaltung der Forteressen, inson- 
derheit der Seeporten ganz ungeschickt. Wie viel uns aber an 
denselbigen gelegen, hat uns Gustavus jüngst gelehrt.** 

Das wirksamste Hinderniss, welches einer specifisch polnischen mariti- 
men Entwickelung in der Ostsee sich entgegenstellte, lag indess doch in 
der selbständigen Macht und Stellung der deutschen Küstenstädte selbst 
und in der Eifersucht, womit sie über dieser wachten; wie mannichfache 
Interessen auch sonst gegen die Gründung einer polnischen Flottenmacht 
gerichtet sein mochten, nirgends waren sie stärker, als bei diesen halb un- 
abhängigen Han^elsrepubliken, welche ihre Unabhängigkeit eben vorzugs- 



**) Bedenken eines Liebhabers des Vaterlands, so er seinem 
Freunde sohriftlich ertheilet, wegen Fandation der Seezölle, welche 
durch eine Perschon in der Kronen neulich mit einem Schreiben 
commendiret worden. — Gleichzeitige handschriftliche Uebersetzong der polni- 
schen BroschUre: Zdanie Jednego Mifosnikä Oyczysney etc. Die Abfassung fUlIt in 
das Jahr 1639. (Königsb. Arch. Sehr. B. 40. 36.) Andere einschlftgliche Flugschrif- 
ten f. bei Lengnioh Vf. p. 129 ff. 150. Gralath Geschichte Ton Danzig II. 
p. 888 ff. 



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Einleitung. 1 9 

weise dem Umstände verdankten, dass sie gerade auf der Seite für die pol- 
nische Suprematie unerreichbar waren, von welcher ihnen der Macht ver- 
leihende Reichthum zufloss. Die Stellung Danzigs — welches jetzt gleich 
einer selbständigen Republik die beglaubigten Agenten fast aller europäi- 
schen Hauptmächte in seinen Mauern beherbergte — musste von dem Au- 
genblick an eine völlig andere werden, wo eine mächtige polnische Flotte 
der Alleinherrschaft der dänischen und schwedischen Marine in seinen Ge- 
wässern ein Ende machte. 

Wir übergehen hier die Einzelheiten des jahrelangen Streites, welchen 
Danzig über die Frage der Seezölle mit Yladislav führte * *). Wie es sich 
um eine Lebensfrage für die Stadt handelte, so beharrte sie standhaft dar- 
auf, dem Könige keinerlei Erhebung in ihrem Gebiete zu gestatten; und 
während sie zu reichlicher gütlicher Geldabfindung sich bereitwillig finden 
liess, lehnte sie beharrlich jede Verpflichtung einer dauernden Abgabe auf 
Rechnung der neuen Zölle ab und that durch ihren Widerstand das Meiste, 
um die Pläne des Königs scheitern zu lassen. 

Hiebei kam den Danzigern ein weiterer Umstand zu Statten, welcher 
sich den polnischen Plänen in den Weg stellte*: die entschiedene Abneigung 
der auswärtigen Seemächte, eine polnische Flotte in der Ostsee aufkommen 
zu lassen. Es waren ebenso mercantile, wie politische Interessen, welche 
es für Dänemark, Schweden, England, die Niederlande zu einer Frage von 
der grössten Wichtigkeit machten, ob es gelingen dürfe, eine neue See- 
macht in den baltischen Bereichen zu etabliren; sie alle wandten sich mit 
grösserem oder geringerem Eifer gegen die neuen polnischen Prätensionen, 
sie waren die natürlichen Bundesgenossen Danzigs, wie Brandenburgs, um 
die Unabhängigkeit der preussischen Küstenlande gegen Polen zu schützen 
und diesem dadurch den Weg zum Meere zu verlegen. A^orzüglich war 
es Dänemark, welches sich dieser Aufgabe mit Nachdruck annahm; Chri- 
stian lY. betrachtete sich als den berufenen Hüter der Ostsee; er, „wel- 
chen bei sehr engen und unfruchtbaren Landen der einige Zoll zum Könige 
machet'' *•), glaubte sich schon durch die Einbussen, welche er bei den 
durch die danzig - polnischen Differenzen gestörten Handclsverhältnisseu an 
dem Sundzoll erfuhr, vollkommen berechtigt, thätlich einzugreifen und den 
Status quo zu erhalten oder wiederherzustellen'''); Gegen Ende des Jahres 
1637 war es soweit gekommen, dass König Vladislav bereits begann, seine 
Absichten gegen Danzig mit Gewalt durchzusetzen; von der kleinen Flotte, 
die bei Vladislavsburg stationirte, legten einige Schiffe sich auf der Dan- 
ziger Rhede vor Anker und erzwangen von den ein- und auslaufenden 
Schiffen einen Zoll im Namen des Königs; unzweifelhaft, dass man nur 
den Moment abwartete, um durch einen glücklichen Handstreich sich in 



") Aosfährlich bei Lengnich vol. VI. 

'*) Worte der oben not. 34 angeführten polnischen Flagschrift. 

'^ „Unsere Zolle sind in der geringen Zeit über etzlicbe hundert tausend Rth. 
verringert worden/* (Instruction Christian^s IV. für seinen Gesandten beim Kaiser, 
Grafen r. Pentz, dat. 13/23. Jan. 1638. Abschr. im Königsb. Arch.) 

2* 



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20 '* ^euMen vmi Polen. 

deu Besitz des Danziger Hafens selbst zu setzen »•). Christian IV. beugte 
dieser Gefahi* selbst mit einem Handstreich der brusquesten Art vor; im 
Deeember 1637 wurden die polnischen Schiffe in einer stürmischen Nacht 
unversehens von einer kleinen dänischen Flotte angegriffen, zwei von ihnen 
mit Gewalt nach Dänemark weggeführt. Der dänische König verfuhr gegen 
die ersten Anfönge einer polnischen Seemacht wie gegen* Corsaren ; er gab 
sich den Anschein zu glauben, dass die Zollerpressung vor Danzig eine 
Privatunternehmuug sei, bei der der Name des Königs von Polen miss- 
braucht werde ; er Hess zur Rechtfertigung des Gewaltstreichs durch seinen 
Gesandten in Wien erklären, es sei ihm eine polnische Kriegsflagge auf 
der Ostsee überhaupt nicht bekannt'*). Bei so kräftiger Hilfleistung von 
dieser Seite, bei der entschiedenen Ermuthigung, die ihnen von anderer 
Seite, namentlich von den Niederlanden , zu Theil wurde, war es den Dan- 
zigern nicht schwer, ihren Widerstand gegen den König fortzusetzen; einige 
dänische Kriegsschiffe blieben in der Nähe, um jeden neuen Versuch Po- 
lens im Beginn zu unterdrücken. 

Specieller haben wir die Verwickelungen zu betrachten, in welche Kur- 
liirst Georg Wilhelm durch diese Verhältnisse gerieth*»). Hier kam neben 
dem minder wichtigen Memel besonders der Hafen von Pillau in Betracht, 
der die Einfahrt nach dem herzoglichen Königsberg, wie nach dem polui- 
nischen Elbing beherrschte, von dem im Jahr 1626 Gustav Adolf ausge- 
gangen war. Das staatsrechtliche Verhältniss war hier ein völlig anderes 
als Danzig gegenüber, und wenn gleich es dem Könige nach den Lehns- 
verträgen, wie auch speciell in Ausübung des Waffenstillstandes von 1635 
zustehen mochte, die Handhabung des Zollregals in den beiden herzoglich 
preussischen Häfen zu überwachen und namentlich die Einführung neuer 
Zölle zu wehren, so mangelte doch jeder gegründete Vorwand,* um, wie 
bei Danzig, einen directen Anspruch auf Theilnahme an den Zolleinkünften 
zu rechtfertigen. Um so bezeichnender sind die Wege, die man polnischer 
Seits einschlug, um zum Ziele zu gelangen. 

Jener erste Versuch, den, wie wir sahen, Vladislav bereits im Deeember 
1635 machte (not. 31), verlief hier wie in Danzig ohne weitere Wirkung, nur 
mit dem Unterschied, dass, während Danzig schon damals es für gerathen 
hielt, sich von der Forderung des Königs mit einem freiwilligen Geschenk 
von 800,000 Gulden loszukaufen*»), die Sache in Königsberg fürs erste 

'*) Dass' dies die Absicht wer, wird später im Jahr 1644 von polnischer Seite 
angegeben. Pafend. de reh. Suec. XVl. 69. 

'^) — „zumaln von des Königes in Polen Lbd. Orlogsachiffen Wir biahero nichts 
gehört" (Instruction für Graf Pentz). Vgl. Pufend. 1. c. IX. 86. 

*") Hier bot besonders das Königsberger Archiv vieles noch anbenutste Mate- 
rial; die in dem folgenden citirten Actenstücke gehören den folgenden Rubriken an: 
Sehr. IV. 4. 14; V. 29. 96 ff.; V. 41. Iff.; VI. 40. 36; VI. 41. 5; VI. 41. 7; dane- 
ben manches vereinzelte; über die Einnahmen, die aus dem neuen Zoll flössen, geben 
die herzoglichen Renteibücher nur theilweise Auskunft; doch lagen andere Zusam- 
menstellungen vor. 

♦») Lengnich VI. p.85ff. 



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Bialeitimg. 21 

keine weiteren Polgen hatte. Inzwischen fahr man in Pillau und Memel 
fort, das neu eingeführte ^Lastgeld^ für die herzogliche Kasse und für den 
dabei angegebenen Zweck des Ausbaus und der Erhaltung der beiden Sec- 
fet^tungen zu erheben, ohne sich durch die Einsprache des Königs stören 
zu lassen**). Aber im folgenden Jahre trat man auch hier, wie gegen 
Danzig, der Sache näher. Im Juli 163Y erschien am Hofe Georg Wilhelm's 
in Berlin ein Secretär des Königs, Johann v. Holtze, gen. Güldenbalk, 
mit dem directen und ziemlich kategorischen Verlangen an den Kurfürsten, 
die Errichtung besonderer königlicher Zollstätten in Pillau und Memel ge- 
schehen zu lassen; es wurde ein Project vorgelegt, welches die Natur der 
Absichten des Königs wenig verhüllte : die früher schwedischen Licent- 
häuser nebst den anstossenden Stadttheilen in Pillau und Memel sollen den 
königlichen Beamten übergeben werden, und durch diese, ohne jede Con- 
trole des Kurfürsten, findet die Zollerhebung für den König Statt; das gc- 
sammte polnische Zollpersonal soll vertragsmässig die Zahl von 60 Mann 
nicht überschreiten, aber diese sind von der kurfürvstlichen Gerichtsbarkeit 
eximirt und nur dem königlichen Verwalter untergeben; während bis dahin 
immer nur von einer Zollerhebung für einige Jahre die Rede gewesen war, 
worde sie jetzt ohne jede Zeitbeschränkung gefordert, und die einzige Gra- 
dfication, die dem Kurfürsten geboten wurde, w^ar die Zusage: ^Ihre Kön. 
Maj. wollten auch Ihrer Ch. D. jährlich eine gewisse summam Geldes aus 
solcher Seezulage zuordnen."' 

Es war nicht schwer, die Gefahr zu erkennen, die in diesem Antrage 
lag. Wurde ihm nachgegeben, so fehlte fast nichts daran, dass Pillau und 
Memel polnische Häfen wurden; nichts konnte den polnischen Commissar 
hindern, das ihm untergebene Personal nach Belieben zu vergrössem; von 
da ans galt es nur noch einen Schritt, um der beiden Festungen durch 
Gewalt oder Verrath Herr zu werden. Kurfürst Georg Wilhelm wies das 
polnische Ansinnen mit Entschiedenheit zurück**). Gleich die nächsten 
Schritte des Königs und seines bereits ernannten Commissars Arend Spi- 
ring zeigten, wie berechtigt das äusserste Misstrauen war. 

Wir können nicht unterlassen, an dieser Stelle einen Augenblick bei 
einem Namen zu verweilen, der uns hier zuerst entgegentritt, der aber dann 
in dem Weiteren und namentlich auch in den von uns zu bevorwortenden 
Actenstücken eine nicht unbedeutsame Rolle spielt; ein Name, der für etwa 
zwei Jahrzehnte zu den genanntesten und z. Th. gefürchtetsten in den Krei- 
sen der gesammten baltischen Handelswelt gehörte. Um das Jahr 1615 
war es geschehen, dass ein niederländischer Kaufmann aus Delft, Peter 



**) Schreiben Vladislay's an die Oberrftthe dat. Vilnae 29. Jani 1636. — Die 
Oberräthe eDtsohnldigen es als ein ganz billiges Lastgeld ^ was für die Kosten der 
Peatangen bei weitem nicht aasreicbe: ,,8cil. in quamlibet lastam quadrante floreni 
polon., sive Septem cum dimidio groseis computatis, ita nt ab una navi centum lastas 
mercium ferente 25 flor. pol. dependentnr** (dat. Regiom. 25. Jnl. 1636. — Königsb. 
Arch.). 

*■) Knrf. Resolution dat. C^Un a Sp. 1 11. Aug. und wiederholt am S)/15. Aug. 
1637. (Königsb. Arcb) 



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22 (• Preofleen und Polen. 

Spiringy mit der Stadt Danzig in Process gerieth wegen der Hinterlassen- 
schaft eines in Danzig verstorbenen Anverwandten^^); als die Danziger 
Gerichte Spiring bereits das Yermögen des Erblassers zugesprochen hatten, 
trat plötzlich der polnische Hof dazwischen; die Erbschaft wurde anter 
einem Vorwand für den König in Ansprach genommen, Spiring von dem 
königlichen Hofgericht in Warschau, dem man den Process übergab, con- 
tamacirt; diesem Sprache folgend, hatte man dann in Danzig dem Könige 
die streitigen Gelder ausgeliefert. Einige Jahre nachher finden wir Spiring 
in Schweden, in der Umgebong Gustav Adolfs ; es scheint, dass es ihm ge- 
langen war, diesem wichtige Dienste zu erweisen**), wenigstens nahm sich 
Gustav Adolf mit Nachdruck der Forderungen an, die Spiring von jener 
Erbschaft her gegen Danzig erhob; nach verschiedenen vergeblichen Mah- 
nungen an die Stadt ertheilte er endlich 1626 Spiring die Vollmacht, sich 
durch Repressalien zu seinem Rechte zu verhelfen; gleich darauf kaperte 
Spiring mehrere Danziger Schiffe und führte sie nach Schweden. 

Die Spiring'schen Kaperschiffe waren die Vorläufer der grossen Flotte 
Gustav Adolfs, womit er in diesem Jahre Pillau überrumpelte und den 
prenssischen Krieg eröffnete, und hier beginnt nun die eigenthtimliche 
Thätigkeit Spiring's, nebst seinen jetzt mit ihm in Verbindung auftretenden 
drei Söhnen Abraham, Arend (Arnold) und Isaac. Wie schon erwähnt, 
war es das Erste, was überall der schwedischen Occupation folgte, dass 
man die Seezölle in Beschlag nahm und durch bedeutend erhöhte Taxen 
die Erträge derHelben in der beträchtlichsten Weise vervielfältigte. Dieses 
Geschäft nun war es, welches die Spiring's übernahmen. So viel wir ans 
den dürftigen Notizen, welche uns über ihre Thätigkeit im Dienste Gustav 
Adolfs vorliegen, und aus der Analogie ihres späteren Verfahrens schliessen 
können, wurde die Angelegenheit in der Art eines grossen kaufmännischen 
Speculationsgeschäftes unternomnien ; das Haus Spiring War Entrepreneor 
des gesammten Zollgeschäftes in allen von den Schweden occupirten balti- 
schen Häfen; die Specalanten übernahmen die Erhebung und ihre sämmtr 
liehen Kosten, legten von dem Ertrag Rechnung ab und zogen aus demsel- 
ben eine Tantieme. Erwägt man nun, dass vom Jahr 1630 an die Schwe- 
den die gesammte Ostseeküste von Riga bis nach Stralsund, Rostock und 
Wismar — nur Danzig ausgenommen — inne hatten, und dass die Spiring's 
die Zollerhebung als Entrepreneurs im Namen der schwedischen Regierung 
in der Hand hatten*«), so übersieht man die colossale Dimension dieses 



♦♦; Lengnich V. p. 170 ff. 

*'*) Es ist zu yermuthen, dass es ähnliche Dienste waren, wie die, Welche er 
dann in Livland, Preassen, Pommern leistete, nämlich in Besag auf die Neugestal- 
tung des 8eezoll Wesens. Dass in der Zeit, in welcher Spiring sich in Schweden be- 
fand, sehr alannirende Neuerungen in dieser Beziehung unternommen wurden, ergibt 
sich aus Geijer Gesch. Schwedens III. p. 44. 

**") Die Uebernahme auch der pommerschen und meckelnburgischen Zölle von 
Seiten der Spiring's erfolgte im Anfang 1632. S. den Aufsatz: „Belangende die 
Schwedische LicenCen und was für Beschwerden an der Ostsee dabei vorgeben'^ in 
den Baltischen Studien vol. VI. 1. p, 109. 



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EiBleitong. * 23 

Geldgeschäfts, und die Bedeutsamkeit, welche diese Speculaaten, wie für 
die Schweden, so für alle an dem baltischen Handelsverkehr betheiligten 
Partheien haben mussten. Tiele Millionen, sagen einmal die Spiring's in 
einem Schreiben an die preussischen Oberräthe, welches einen sehr guten 
Einblick in die vornehme, grosskaufmännische Art dieser Unternehmer ge- 
währt, viele Millionen seien zu König Gustavus Zeiten ohne Controle durch 
ihre Hände gegangen ; ^wir sind Leute, die Königen und Potentaten grosse 
Dienst« gethan haben und noch zu thun wissen^ ^''). In der That, sie waren 
der Canal, durch den der schwedischen Staatskasse eine ihrer wichtigsten 
Einnahmequellen zufloss ; indem sie die Zollerhebung in allen den genann- 
ten Häfen zu dirigiren hatten,; so gab dieses Monopol ihnen die unum- 
schränkte Freiheit die Taxen nach Belieben zu erhöhen, weil sie es eben 
an allen diesen Orten in gleicher Weise anordneten und der Handel somit 
genötigt war, wol oder übel sich ihren Forderungen zu fügen. Von der 
Periode an, wo die Spiring's die Zollverwaltung für die Krone Schweden 
übernahmen, wird man sich fast eine Art von Revolution in dem ganzen 
Zollwesen des baltischen Handels vorzustellen haben; bis zum Jahr 1618 
war die Hauptabgabe der alte Pfundzoll gewesen, den man in Königsberg 
und Pillau in dem Betrag von i pro cent erhob; als er in dem genannten 
Jahre nach dem Beispiele Danzigs aaf 1 pro cent erhöht wurde, hatte es 
grosse Klagen unter den Kaufleuten gegeben; jetzt trat mit der neuen 
schwedischen Anlage mit einem Male eine Erhöhung bis zu 5 pro cent ein; 
und was hiebei noch immer in Betracht zu ziehen, ist, dass dies eben doch 
nur der officielle Ansatz war; bei der Feststellung und Handhabung der 
Zolltaxe im Einzelnen standen dem Verwalter doch tausend Kunstgriffe zu 
Gebote, mittels deren der Zollertrag thatsächlich auf ein bedeutend Hö- 
heres gebracht werden konnte; es ist, wenn auch vielleicht übertrieben, 
doch immerhin für dieses Verhältniss bezeichnend, wenn man den Schweden 
nachsagte, dass sie es bis zu 50 pro cent vom Werthe der Waaren ge- 
bracht hätten* 8). Veränderungen, welche notwendig auf die ganze Natur 
dieses Handels, auf das Verhältniss der Werthe und Preise einen weithin 
wirkenden Einfluss geübt haben müssen; denn war auch die Schwindelhöhe, 
auf welche während der Kriegszeit die Zölle von den Schweden gebracht 
wurden, eine vorübergehende, zu den alten niedrigen Sätzen gab es doch 
keine Rückkehr mehr; die höhere Ertragsfähigkeit der Seezölle, die aus- 
giebigere Ausnutzung derselben für die Staatskassen war, nach dem Aus- 
druck jenes polnischen Staatsmannes, von den Schweden ^entdeckt** wor- 
den, und man verfehlte nicht, sich die Entdeckung zu Nutzen zu machen. 

Insofern ist der Name jenes Delfter Kaufmanns und seiner Söhne nicht 
ohne einige Bedeutung für die innere Geschichte der baltischen Verhältnisse 
und der angrenzenden Lande. Es ist begreiflich, dass das ganze Odium, 
welches jene Maassregeln in der gesammten auf der Ostsee verkehrenden 
Handelswelt, sowie bei dem übrigen von der raschen Steigerung der Preise 



*'^ Sofaieiben an die Oberr&tbe dat. 26. Mflrz 1639. (KÖnigflb. Aroh.) 
^*) „Bericht, wie e» mit dem Pfondjsoll tot Alters jfehalten*' (Köni^sb. Arcb.); 
Tgl. oben not. 14, 



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24 * ^ Preoaeen imd Polen. 

betroffenen Pablicnm heiromifen mnssten, rorEugsweise anf diejenigen fiel, 
welche mit unumschränkten Vollmachten und, wie es scheint, nicht ohne 
Zwang und Härte dieselben ausführten. Wo immer in den Acten dieser 
Zeit der Name der Spiring's uns entgegentritt, so häuft sich auf ihn jede 
Art von Beschuldigung von Seiten der Einheimischen, wie der Fremden, 
der König von Dänemark liess 1638 geradezu auf Isaac Spiring fahnden; 
— ^qui in vita sua nihil boni in hoc mundo machinatus est** — um ihn 
gefänglich nach Dänemark abführen zu lassen-**); die ganze neue Einrich- 
tung des Zoll Wesens verwuchs mit ihrem Namen, und aller Orten lärmte 
man über den „Spiringschen ZoU^. Man kann die Untersuchung über die 
Berechtigung der ihnen gemachten Vorwürfe des Eigennutzes, der Selbst- 
bereicherung, der Gewaltthätigkeit füglich auf sich beruhen lassen; so wenig 
sie an sich unwahrscheinlich sind, so sehr lag es in der Natur ihres Un- 
ternehmens, dass dergleichen Anklagen, verdient oder unverdient, gegen sie 
erhoben wurden; der Genuss einer Tantieme musste es freilich auch ohne 
ünterschleif von selbst mit sich bringen, dass sie um so mehr in ihrem 
eigenen Interesse handelten, je mehr sie mit allen Mitteln das Interesse, 
ihres Committenten wahrten. 

Jedenfalls bemerken wir, dass auch anderen Herren, als Schweden, ihre 
Dienste willkommen waren; sie sind die specifisch Sachverständigen eines 
ergiebigen Seezollwesens * o). Und hiermit nehmen wir unseren vorigen Fin- 
den wieder auf. Denn alsbald, nachdem Schweden die preussischen Kü- 
stenplätze aufgegeben, sehen wir die Gebrüder Spiring — der Vater kommt 
hier nicht mehr vor«*) — in der engsten Verbindung mit dem polnischen 
Hofe; es wird gesagt, dass sie es vornehmlich waren, welche den König 



*•) Lengniob VI. p. 147. — In der Zeit, wo Kurf. Georg Wilhelm schon ihre 
Dienste angenommen hatte, schreiht er an König VladislaT: „trihns fratrihus Spirin- 
giis adeo exosis, ut solo Spiringiomm nomine et Nostrarnm terrarum incolae et ex- 
oticae gentes mimm in modnm commoveantur" (dat. Regiom. ti. April 1639}. — Bei 
den Verhandlungen, die in derselben Zeit zwischen den Oherr&then nnd den 8t&dten 
Königsberg wegen der Zollsacfae Statt finden, Russert einer der drei Bürgermeister: 
„die Spiring^s seind unllias religionis, glauben keine Auferstehung der Todten, so 
werden sie auch ein Eid nicht achten, ob sie ihn halten oder nicht" (Protokoll im 
Königsb Aroh.)' 

^") So äussert der Kronk&mmerer Kasanowski , einer von des Königs Vertrauten 
in dieser Sache, gegen Hoverbeck: „es sei keiner des Werks kündiger, als sie, und 
wftr man wol niemals uff die Gedanken kommen, man aie^s nicht an die Hand ge- 
geben'* (Hoverbeck an den Kurf. dat. Warschau 10. Nov. 1637. Berlin. Arch.V 

''^^) Wir vermögen nicht zu bestimmen, ob der Vater derselbe Peter Spiring ist 
(der Familienname kommt auch sonst vor), welcher in der Folgezeit öfter als schwe- 
discher Resident im Haag auftritt (z. B. v. Meiern Acta Pac. West. I. p. 88. Tbeat. 
Europ. IV. p. 236). Dass er es sei oder dass er sonst mit jenen Gebrüdem Sp. zu- 
sammenhängt, ist daher zu rermuthen, weil er eine constante Animosität gegen Bran- 
denburg zeigt; dieser Peter Spiring, „so E. Ch. D. ohne das nicht wol will*' ist es, 
der während der westphälischen Verhandlungen fortwährend von dem Haag her fal- 
sche Gerüchte Über den Kurfürsten von Brandenburg in Umlauf setzt (Relation We- 
seobeck^s i^us Osnabrück dat. 14. Octbr. 1647). 



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EinkitvDg. 25 

Tiadisiav zu seiaen Plänen auf die preussiFchen Seezölle instigirten, ihm 
goldene Berge davon verhiessen, und der König ging mit vollem Eifer dar- 
auf ein; niemand besser, als diese Leute, welche den Schweden so trefflich 
gedient, konnte ihm zurj Ausführung seiner Pläne behilflich sein; es war 
Isaac Spiring, der das Unternehmen vor Danzig leitete, Arend Spiring, 
dessen Einlassung in die Pillauer Zollkammer der König durch seinen ab- 
gesandten Secretär in Berlin verlangen Hess. 

Georg Wilhelm hatte die Forderung des Königs rund abgeschlagen 
Bald darauf erschien ein gedrucktes königliches Patent, worin unter Beru- 
fung auf den letzten Reichstag definitiv die ERtrichtung der königlichen 
Seezulage in den preussischen Häfen angeordnet wird, ^vermöge des Do- 
minii Maris, welches Uns und der Krön in den Porten dieses Königreichs 
and angehörigen Provincien am Baltischen Meere zustehet^ **). Ber 
Vertraute des Königs, der Hauptfürsprecher der polnischen Flottenpläne, 
Fürst Ossolinski, kam von Warschau nach der Küste und dirigirte von 
Oliva aus, dessen Abt zu seiner Partei zählte, die weiteren Unternehmun- 
gen»»). Einige Tage nachdem Isaac Spiring die gewaltsi^me Zollerpres- 
sung vor Danzig begonnen, erschien plötzlich (9. Oetbr.) unter dem Com- 
mando von Arend Spiring ein Kauffahrer unter holländischer Flagge vor 
Pillau, der, so wie er die Hafeneinfahrt passirt hatte, sich als ein mit 
zwanzig Geschützen bewaffnetes polnisches Kriegsschiff zu erkennen gab 
imd sich dem kurfürstlichen Licenthaus gegenüber aufstellte, um von den 
ein- und ausgehenden Schiffen den Zoll zu erheben. 

Es war dies ein Attentat, welches alles Schlimmste besorgen Hess. 
^Wir vernehmen auch,^ schreibt der Kurfürst auf die erste Nachricht davon 
an die Commandanten von Pillau und Memel, „dass etliche vornehme Herren 
sich gemeltem ünserm Port nähern sollen, die in vorgebender Königlicher 
Commission Vorhabens wären, solches alles vollends in's Werk zu setzen 
und gleichsam eine possessionem Dominii maris darin zu apprehendiren.* 
Er ertheilte augenblicklich die nachdrücklichsten Befehle, um den Eindring- 
ling unschädlich zu machen, befahl, ihm alle Zufuhr zu entziehen, jeden, 
der von dem Schiff den Fuss ans Land setzte, gefangen zu nehmen, sich 
womöglich ^bonis modis und ohne feindlichen Angrifft des Schiffes selbst 
zu bemächtigen. „So dann über alles Verhoffen mehrged. Königl. Schiff 
sich gar einer Gewalt gegen Unsere Vestung oder Guamison unterfangen 
sollte, so werdet Ihr schon wissen, was Soldaten und Officirern dagegen zu 
thun gebühret****). Unter keinen Umständen, schreibt er an demselben 
Tag an die Oberräthe, ist es zu dulden, ^dass einig Orlogsschiff in Unsere 
Porten komme, so nicht einig und allein und zwar pure und absolute von 



**) Dat. Wurnchau 10. Sept. 1637 (Königsb. Arob.). 

**) Beme Anwesenheit ergibt sich aus dem Datum mehrerer Briefe an die Ober- 
räthe (ihid..\ Neben ihm ist es besonders der Oeoonomas Ton Marienbnrg, Qraf Ger- 
hard von Dönhof, welcher die Angelegenheit betreibt. 

•*) Gleichlaatende Ordre an den Commandanten von Pillau, Major Pfersfelder, und 
den von Memel, Adam Valentin v. Redem, dat. Colin a. Sp. 19/29. Oct. 1637 (Königsb. 
Aroh.). 



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26 I. PreuAsen and Polen. 

ünserm commando dependire^. Während noch kurz zuvor , im ersten Sta- 
dium dieser Streitigkeiten der Kurfürst den Wunsch der Danziger^ mit 
ihnen in Communication über gemeinsame Maassregeln zu treten, absehläg- 
lich beschieden hatte — ^dann Wir mit der Stadt Danzig nicht in gleichen 
terminis stehen** — so kam er jetzt selbst ihnen auf diesem Weg ent- 
gegen*»). 

Inzwischen hatte man an Ort ^nd Stelle die Sache nicht minder ernst 
aufgefasst. Der Commandant von Pillau, Major Pfersfelder, liess die Ge- 
schütze der Festung auf das Spiring'sche Schiff richten^ die ein- und aus- 
laufenden Handelsschiffe wurden mit Escorten brandenburgischer Soldaten 
bemannt, um dem Spinng die Erpressung des Zolles zu wehren; die könig- 
liche Autorisation, die er vorwies, weigerte sich Pfersfelder zu respectiren: 
,er hielte es nicht vor ein Königliches Schiff, sondern vor ein verrätherli- 
ches Schiff;^ zuletzt liess er alle Tonnen und Baaken hinwegnehmen und 
legte damit, ebenso wie es zu gleicher Zeit die Danziger thaten, die Schiffart 
gänzlich*«). Als Ossolinski die Oberräthe zu einer Conferenz nach Brauns- 
berg lud, weigerten sie sich unter diesen Verhältnissen dieselbe zu besu- 
chen und schickten nur einen Secretär dahin ab. 

Das nicht ohne übermüthige Zuversicht begonnene Unternehmen der 
beiden Spiring's*') war wie vor Danzig so auch vor Pillau gescheitert. 
Nachdem das Spiring'sche Schiff, von den Kanonen der Festung bedroht, 
einige Tage vor Anker gelegen hatte, ohne etwas ausrichten zu können, 
erklärte der Befehlshaber nach Elbing segeln zu wollen; da ihm dies nicht 
zu wehren war, liess man das Schiff fahren, aber statt nach Elbing zu ge- 
hen, legte es sich gerade in die Fahrstrasse zwischen Pillau und Königs- 
berg, um sein Vorhaben doch noch auszuführen; die Folge war, dass man 
an beiden Orten den Fortgang der Schiffart hemmte. 

Es versteht sich von selbst, dass die nächsten Monate von lebhaften 
Klagen und Vorwürfen herüber und hinüber erfüllt waren**). Indess wurde 



^') Schreiben des Kurf. an die Oberräthe dat. Colin a. Sp. 8. Aug. ^ an die 
Stadt Danaig dat. Colin a. Sp. 19/29. Oct. 1637 (ibid.). 

'*) Polnische Beschwerdeschrift: |,Ezorbitatione8| welche der Obrist in 
der Pillau yerübet.'* In einem Brief von Ossolinski an die Oberräthe heisst ea 

sogar: ,|hoo param sapit feloniam, quod Gubernator Pilavien^is navem Regiam 

et ministros inibi consistentes bombardis et sclopis impetere audeat, terra et commeatu 
arceati litteras interoipiat, frangat et legat etc. (dat. Braunsberg 13. Oct. — ibid.). 

^"0 Schreiben des dänischen Admirals Koch an König Vladislay dat. Gedani 
5. Dec. 1637: [Isaac Spiring] se nominavit defensorem Maris Baltici et pollicem cum 
medio digito complosit dicens: Hoc est pro Danico Rege. (Abschr. Königsb. Arch.) 

^*) Bezeichnend ist das Verhalten der Oberräthe. In ihren Schreiben an den 
König und Ossolinski missbilligen sie zwar nicht die Maassregel des Pillauer Com- 
mandanten, aber sie heben immer herror, dass derselbe nicht Ton ihnen, sondern un- 
mittelbar Yom Kurfürsten dependire. In einem Schreiben (dat. Colin a. Sp. 28. Dec.) 
rügt dies der Kurfürst: er finde, „wie in Euern gegebenen Bescheiden Ihr die Invi- 
diam sehr ron Euch ab und auf Uns allein su weisen gesucht;** sie sollen fortan 
nicht mehr ,|die Sache nur bloss auf Uns allein ankommen lasseui noch dieselbe we- 
gen steter Anziehung der immediaten Dependenz Unsers Commandanten der Pillau 



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fiioleituDg. 27 

in Pillau eifrig an den Pestangswerken gebaut. War gleich die erste Ue* 
berraschang misslungen, so schien der König doch damit seine Absichten 
keineswegs aufgegeben zu haben. Im Frühjahr 1638, um den Beginn der 
eigentlichen Schiffartsperiode, brachte der Kurfürst in Erfahrung, „dass die 
im Pntzkerwiek liegende Schiffe wiederum gerüstet, sowol etzliche Schar 
Inppen heimlich erbauet und das Schiff bei Elbing (dahin hatte sich endlich 
im Winter das Spiring'sche Schiff zurückgezogen) wieder zugefertiget werde ;^ 
er befahl den Oberräthen, schleunig ^ein zur Gegenwehr tüchtiges Schifft 
zn acquiriren und dem Commandanten von Pillau zur Verfügung zu stellen ; 
zur Fortsetzung der Festungsbauten sollten sie im Nothfall selbst den kur- 
fürstlichen Antheil am Pi\indzoll verwenden ••). 

Dieser Zustand zog sich durch das Jahr 1637 hin , ohne dass polni- 
scher Seits es zu weiteren thätlichen V^ ersuchen kam; mit Entschiedenheit 
erwehrt sich Kurfürst Georg Wilhelm der polnischen Uebergriffe, wie Danzig 
empfing er von den Gegnern der polnischen Plane ermuthigende Aufforde- 
rungen, bei seinem Widerstände zu verharren ••); der Gesandte in War- 
schau, Johann v. Hoverbeck, war angewiesen, sich auf keinerlei Yerhand- 
Inngen tiefer einzulassen, sondern Alles an den Kurfürsten direct zu ver- 
weisen •*). 

Um so überraschender ist der plötzliche Umschlag, den wir kurz darauf 
sich vollziehen sehen. Im Juni 1838 erschien bei dem Kurfürsten ein neuer pol- 
nischer Gesandter, der Woiwode von Beiz, Graf BoguslavLesczynski««); 
seine vorliegende officielle Werbung enthält keinerlei nicht schon vorher er- 
wogenes Motiv, wodurch der Kurfürst jetzt zur Fügsamkeit gegen die For- 
derung des Königs hätte gestimmt werden können; über seine privaten Vor- 
stellungen liegt kein Nachweis vor; die Verhandlung fand in Köpencik. Statt, 
Levin von Knesebeck scheint sie brandenburgischer Seits geführt zu haben 
— bereits am 29. Juni ward zu Köpenik ein Vertrag unterzeichnet und 
einige Wochen später von beiden Theüen ratificirt, der die Angelegenheit, 



von uns immer odioser machen , znmaln da Ihr das Juramentam selbst von ihm ab- 
genommen**. (Königsberg. Arch.) 

'*) Schreiben an die Oberräthe dat. Colin a. Sp. 5. April 1688. In einem Schrei- 
ben dat. 22. Mai wird dann auf Dringen der Oberr&the nachgegeben, dass die Acqui- 
sition eines Kriegsschiffs erst in Ncihfall geschehen solle. 

**) So bes. ein Schreiben der Generalstaaten dat. Haag 15. Sept. 1638: versoeckende . 

orersnlcx gedienstelyck .... U. Ch Doorl te persisteren by desselffs gedanen 

oppositie ende den oppheeff van dien (Tollen) by alle wegen ende middeln tegen te 
gaen soo veel doenlych helpen weeren. (Konig^b. Arch.) 

"') Kurf. Resolution an Hoverbeck dat. Colin a. Sp. 18. Dec 1637. (Berlin. Arch.) 
— Der gewöhnliche Concipient der kurf. Schreiben in dieser Angelegenheit istLerin 
von Knesebeck. 

**) Auch die bei v. Mörner, Märkische Kriegsobersten des siebzehnten Jahrhun- 
derts p. 156 erwähnte von dem Kaiser beabsichtigte Werbung in Preussen weist anf 
einen Zusammenhang mit Polen hin; der dort genannte Graf Magno ist das Haupt 
der den König umgebenden östreichischen Camarilla, der mit dessen habsburgischer 
€kmalin An den Hof von Warschan gekommen war. 



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Og I* Preussen und Polen. 

wenn aach nicht ganz nach den früheren Prätensionen des Königs, doch 
ZQ seiner Zufriedenheit ordnete**). 

Kurfürst Georg Wilhelm gab hier, zunächst für die zwei folgenden 
Jahre, die Erhebung einer vierprocentigen ^Geueralanlage'* in den Häfen 
von Pillau und Memel nach, von der nur die von und nach Elbing segeln- 
den Schiffe frei sein, und mit welcher alle anderen bisherigen Erhebungen 
ausser dem alten Pfundzoll aufhören sollten; die Erhebung dieses Zolls 
aber fimdet durch den Kurfürsten und durch allein ihm vereidete Beamte 
Statt, der König verzichtet auf jede Controle; von dem Ertrag desselben 
verspricht der Kurfürst dem Könige die Hälfte abzugeben, doch unter der 
Voraussetzung, dass dieser die Stände des Herzogthums dazu bewegt, eine 
Contribution für Bau und Unterhalt der beiden Seefestungen zu bewilligen 
— endlich, der Kurfürst verpflichtet sich, unter Vorbehalt der Freiheit, ihn 
wieder entlassen zu dürfen, einen von den Gebrüdern Spiring als Di- 
rigenten des ganzen Zollunternehmens in seine Dienste zu 
nehmen. 

Die plötzliche Nachgiebigkeit des Kurfürsten wird verständlicher, wenn 
wir die ganze politische Constellation dieser Monate in's Auge fassen. Ge- 
wiss hatten die grossen finanziellen Vortheile, die das Unternehmen zu bieten 
schien, schon an sich viel Lockendes; indess kamen doch jetzt wol noch 
speciellere Motive hinzu, die ihn bewogen, dem Polenkönige die Hand zu 
bieten. Kurfürst Georg Wilhelm war nicht unempfänglich für den Reiz und 
den Ruhm grosser Staatsactionen , es scheint namentlich in diesen seinen 
letzten Jahren manches von dem, was die brandenburgische Politik in acti- 
ver Weise versuchte, auf seiner ganz persönlichen Initiative zu beruhen«*). 
Eben jetzt hatte er sich der kaiserlichen Politik im Reich nut Entschieden- 
heit angeschlossen, seit dem Frühjahr 1638 waren die brandenburgischen 
Werbungen gegen Schweden in vollem Gange — in der nämlichen Zeit 
vollzog er den Abschluss mit Polen. 

Nun ist es gewiss nicht ohne Bedeutung, dass gleich nach dem Ab- 



*'} Die Acten dieser Verhandlung und das von König Vladislav ratifioirte Exem- 
plar des Eöpenicker Vertrags (18. Artikel; dat. Varsav. 6. Aug. 1638) im Berlin. Arch. 
In Betreff des Abschlusses, schreibt Hoverbeck dem Kurfürsten, könne er versichern, 
„dass es Sr. Kön. Mig. so hohe Freude gegeben , als einiges Glttck , so Sie jemals 
gehabt'* (dat. Crestochoff 16. Aug. 1638). Dass das Zustandekommen des Vertrags 
ganz der persönlichen Einwirkung des polnischen Gresandten auf den Kurfürsten ver- 
dankt wurde, ergibt sich daraus, dass noch am Tag vor dem Abschluss Knesebeck 
an P. Bergmann schreibt, er hoffe, man werde „mit unverweislloher Manier aus der 
Bachen kommen*', jedenfalls aber werde der Kurfürst sich „zu keinem teloneo in mari 
durchaus nicht verstehen** (dat. Köpenick 28. Juni. Berl. Arch.). Tags darauf ist 
der Vertrag geschlossen. Auch Hoverbeck spricht sich gegen Knesebeck dawider 
aus (dat. Scbippenbeil 25. Juni. Ibid.). 

**) Vergl. Droysen, Geschichte der preuss. Politik 111. 1. 171. v. Mörner, 
Mftrkische Kriegsobersten des siebsehnten Jahrb. p. 247 ff. sieht als den wahrschein- 
lichen Rathgeber des Kurfürsten in Bezug auf die Werbungen in der Mark Hans 
Georg V. Arnim an. Auch bei dem Abschluss des Köpenicker Vertrags ist wenig- 
stens Schwartzenberg^s Hand nicht zu entdecken. 



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einleitang. 29 

scbloss des Eöpenicker Vertrages Kurflirst Georg Wilhelm — mit ihm der 
eben jetzt aus den Niederlanden zurückgekehrte Kurprinz Friedrich Wil- 
helm — sieh naeh Preussen begab. Ein auffallender Schritt in diesem Au- 
genblick, wo nach vielen Weiterungen die lang beabsichtigte Action in den 
Marken endlich zur Ausführung kommen zu sollen schien. Der Kurfürst 
hatte die schlimmsten Zeiten über im Lande ausgehalten — warum verliess 
er es jetzt, wo vielleicht zum ersten Male glückliche Erfolge in Aussicht 
standen? Es if^t nicht wol anders denkbar^ als dass bestimmte, in Preussen 
auszuführende jPläne ihn dorthin zogen. Allerdings, schon die Durchführung 
der neuen Zollmaassregel selbst forderte womöglich die Anwesenheit und 
die Autorität des Fürsten; denn, aufs höchste beunruhigt, erhoben sich na- 
mentlich die Städte Königsberg mit energischen Suppliken und Protesten 
gegen dieselbe, und die Regimentsräthe selbst waren ihr wenig zugethan. 
Aber immer war doch diese Maassregel nur Mittel für einen weiteren Zweck. 
Schon im Jahr 1637 erörterte ein Gutachten über die Seezollfrage die po- 
litischen Yortheile, welche dem Kurfürsten aus der Einigung mit Polen er- 
wachsen könnten; es hebt hervor, wie durch die , neuen und stattlichen 
Kriegsmittel zur See und zu Lande**, die der König und der Kurfürst da- 
durch in die Hand bekämen, sie die Schweden vielleicht schon durch die 
Furcht zum Frieden bewegen könnten, ^oder wol in effectu eine Diversion, 
um sie aus Pommern zu ziehen, geschehen möchte^ *^). Es scheint kaum 
zweifelhaft, dass Gesichtspunkte dieser Art wesentlich den Kurfürsten be- 
stimmt haben; schon jetzt sprach man von einer zwischen dem Kaiser, dem 
Polenkönig und dem Brandenburger verabredeten Invasion nach Livland,. 
dem letzten Haltpunkt ^er Schweden an der polnischen Küste ••). Zu An- 
fang des Jahres 1639 fand eine persönliche Zusammenkunft zwischen dem 
Könige und dem Kurfürsten in Grodno Statt ; was von den dort getroffenen 
A^'erabredungen verlautete, war, dass der Kurfürst einwilligte, die Zollerhe- 
bung in Pillau und Memel schon mit dem jetzigen Frühjahr beginnen zu 
lassen, ohne dass die früher gestellte Bedingung erfüllt war, dass auch in 
Danzig, dem noch immer widerstrebenden, das gleiche geschähe«'); der 
Ruin des Pillau -Königsberger Handels war daran gewagt — was war der 
Preis, um den man es wagte? 

In eben diesen Monaten rüstete man in Spanien jene grosse Armada, 
die — wie man hoffte, unter Connivenz Carl's I. von England — einen ent- 
scheidenden Schlag gegen die Niederlande führen sollte. Vladislav IV. 
stand, wie mit dem Kaiser, so mit Spanien in steter Verbindung. Sollte 
es bedeutungslos sein, dass eben jetzt der Bruder des Königs, Prinz Jo- 
hann Casimir, der voh jeher in dem Ruf gestanden, der habsburgischen 



'^ Gutachten, dat. m. Jul. 1637. — „lat von P. B. überachickt*« (Peter Bergmann) 
der Terf. fQgt hinsa: „So würde 8. Ch. D. sich endlich auch hesaer Ihrer Untertha- 
nen, bevorab der Städte versichern und theils deren Hoobmnth dftmpfen.*' Im Wei- 
teren werden dann die Gründe dagegen erörtert, ffir welche der Verf. sich entscheidet 
V Berlin. Arch.)- 

••) Pufendorf de reb. Suec. X. 95. 

•0 Lengnich VI. p. 152. 



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30 t. Preassen and Poleir. , 

Partei anzogehöreu, eine Reise nach Spauien autrat? Und unmittelbar nach 
der Zusammenkunft in Grodno begann der kaiserliche Oberst Hermann 
Booth in dem herzogliehen Preussen, angeblieb auf den Namen des Kai> 
sers und zur Abführung nach Deutschland, in der That, um damit einen 
Einfall in das schwedische Livland zu unternehmen, Völker zu werben. So 
entschieden nachmals nach dem Scheitern des Unternehmens jede Mitwis- 
senschaft brandenburgischer Seits abgeleugnet wurde, so sehr mau sich auf die 
bona fides berief, dass Booth seine Truppen nach Deutschland führen würde, 
ebenso schwer ist es in der That, daran zu zweifeln, dass Yladislav IV. 
und Georg Wilhelm doch die Hände etwas tiefer im Spiel gehabt haben 
mögen •*). Für den Erfolg der brandenburgischen Rüstung in den Mar- 
ken, für die Wiedereroberung Pommerns war diese Diversion nach dem 
schwedischen Livland, wenn sie gelang, von vielversprechender Wichtigkeit; 
für Yladislav IV. bedeutete sie, dass mit dem Erwerb Livlands die Stellung 
an der Seeküste vervollständigt w^urde, die man durch den Köpenicker Ver- 
trag in Pillau und Memel einzunehmen begonnen hatte, die aber nimmer 
sicher wai«, so lange Schweden noch in der Flanke den Hafen von Riga 
inne hatte; hier trat nun, wie es scheint, die Rechnung auf die spanische 
Armada herein; hatte diese über die niederländische Flotte gesiegt, so w^ar 
das Haupthindemiss hinweg, welches .der spanisch -östreichischen Politik 
wehrte, endlich auch von der See her entscheidend in die baltischen Ver- 
hältnisse einzugreifen — dann brach das polnisch - spanische Bündniss zu- 
nächst über Danzig herein^*), im Bunde mit Habsburg zur See und zu 
Lande brach der König den Trotz der deutschen Handelsstadt imd viel- 
leicht den seiner polnischen Stände, in ähnlicher Weise wurde der Kurfürst 
Herr im Herzogthum — dann war es Zeit, den Zug nach Schweden anzu- 
treten, die katholischen Wasa wieder in ihr Erbtheil einzusetzen, den Krieg 
in des Feindes Hauptstadt zu endigen. 



*") Es kamen bald nach dem Scheitern de« Unternehmens Patente und Blanqnets 
zam Vorschein, mit der Unterschrift des Kurfürsten, die sich im Besite Booth *8 be- 
fanden; der Kurfürst hatte ihm femer ein Gut für 8000 0. pol. verpfändet, die Ori- 
giualverschreibung dartiher tauchte dann bei einem Gastwirth in Hamburg auf, dem 
sie Booth verpfllndet hatte. All dies und die daraus allgemein gezogenen Conseqnen- 
zen schreibt Graf Schwartzenberg in Chiffern dem Kurfürsten ; aus dem ganzen Schrei- 
ben geht unzweifelhaft hervor, dass Sohw. von diesen Engagements mit dem Ober- 
sten Booth bis dahin nichts gewusst (dat. Spandau 18. Aug. 1640). In der Antwort 
lehnt Georg Wilhelm auch gegen Schw. jede Mitwissenschaft an den Plänen BootVs 
ah, aber er bekennt sich zu der Gutsrerpfandung und beauftragt Schw. die Vor- 
Schreibung (sie war für 500 Rth. feil) schleunig einzulösen (dat. Königsh. 22. Sept. 
1640. Bcrl. Arch.). Auf die angehlichen Enthüllungen von Schwartzenherg*B Ver- 
trantem, Heinrich Elvert (hei Cosmar, Schwartzenberg p. 390ff.) ist wo! nicht 
viel zu geben. In dem Bericht des Theatr. Europ. IV. p. 70 werden die Trappen 
Booth's geradezu „Brandenburgische Völker'^ genannt. Vergl. auch Pufendorf de 
reb. Suec. XI. 81. 

'*') Auf dieses ist wol die Aeusserung des französischen Gesandten d^Avauz bei 
Pufendorf, Frid. Wilh. 1.21 zu beziehen, wo er sagt, daas die Spanier die Absicht 
hatten „in Mari Baltico portum aliquem occupare'^ 



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Einleitung. 31 

Solcher Art werden die Pläne gewesen sein, mit d«nen man sich in 
diesen Monaten in Polen und Preussen trug, die man in Grodno besprach. 
Aber Prinz Johann Casimir, nachdem er über Wien und Mailand reisend 
sich in Genua nach Spanien eingeschifft hatte, wurde in der Provence, wo 
er unterwegs landete, auf Befehl der französischen Regierung festgehalten 
(9. Mai 1639) und blieb bis ins folgende Jahr in französischer Gefangen- 
schaft. Das Unternehmen des Obersten Booth gegen Livland schlug voll- 
ständig fehl (Auf. Juli 1639), und man musste sich beeilen, ihn in osten- 
siöser Weise zu desavouiren. Endlich im Spätherbst des Jahres (21. Oct.) 
schlugen die Holländer unter dem Admiral Tromp die spanische Flotte iu 
den Dünen an der englischen Küste. 

Die grosse Combination war somit auf allen Punkten zu Schanden ge- 
worden. Unmittelbar unter dem Eindruck und wahrscheinlich auf Anlass 
des Booth'schen Misserfolgs fand eine neue Zusammenkunft zwischen Vla- 
dislav IV. und Georg Wilhelm zu Orteisburg Statt (Ende Juli 1639) ' •). 
Wir wissen nicht, was dort für Besprechungen Statt gefunden haben; aber 
unmittelbar von dem Congress hinweg sehen wir Hoverbeck mit einer Mis- 
sion nach Dänemark beauftragt'*)- ^»^ war es, das die beiden verbün- 
deten I'ürsten jetzt dorthin führte y 

Der Plan auf Livland war gescheitert, was der spanischen Armada ge- 
lingen würde, stand jetzt noch zu erwarten. Aber während die gehofften- 
Vortheile der grossen Combination mehr und mehr begannen zweifelhaft zu 
werden, Hessen sich die Fährlichkeiten des Unternehmens bereits in reichem 
Maasse empfinden. Nach mancherlei peinlichen Verhandlungen war zu An- 
fang April 1639 Abraham Spiring in die neue Zollverwaltung in Pillau und 
Memel eingesetzt worden '*); nur mit Mühe hatte er zugegeben, dass ihm 
vom Kurfürsten, nicht ein ^Controleur'', — den Titel verbat er — aber ein 
^Adjunct^ zur Seite gestellt wurde; als Tantieme hatte er den zwanzigsten 



"") Von dieser bisher nicht bekannten Zusammenkunft gibt die Relation eines an- 
genannten Secret&rs Nachricht, der Hoverbeck auf der gleich su erwähnenden Ge- 
tandtscbift nach Dänemark begleitete: „Nachdem die Zusammenkunft eu Orteisburg 
Ihrer KOn. Maj. zvl Polen und Schweden, Ihrer Churf. Dchl. und dero beider Poten- 
taten Gemalinn, Königl. Poln. Princessin, Churf. Gn. Prinz und dessen beide Fräulein 
Schwestern sich den 28. Jnlii 1639 in gar gutem Vernehmen mit Freuden geendet 
.... hat sich auch der Herr Abgesandter [Hoverbeck] hieher [Königsberg] befinden 
mflasen, um völlige Abfertigung zu bekommen'' (Königsh. Arch.). Also eine form« 
liehe Familienzusammenkunft; es ergibt sich daraus, dass also schon vor seiner An- 
wesenheit in Warschau im October 1641 Friedrich Wilhelm in persönliche Berüh- 
rung mit dem polnischen Hof gekommen war. Hieher oder auf die Zusammenkunft 
in Grodno gehört wol auch die Notis ronLengnich Vf. p. 184, dass Kurfürst Georg 
Wilhelm sich bemüht habe, noch bei seinen Lebzeiten die preussische Belehnung für 
seinen Sohn zu erlangen. 

^') Seine Instruction ist vom 2. August 1639. Am 21. Aug. Audienz hei dem 
König in Glückstadt (Königsb. Arch.) 

^') Seine Bestallung als „Zulagsrer Walter' < dat. Königsberg 6. April 1639. (Kö^ 
iiigsb. Aroh.) 



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32 I* PreusMii und Polen. 

Pfeuuig von allen einkommeuden Geldern gefordert und begnügte sich end- 
lich mit dem dreissigsten; obgleich er im Eide des Kurfürsten allein stand, 
haftete doch allgemein das Misstrauen, das» er mehr in polnischem als in 
brandeuburgischem oder preussischem Interesse stehe j selbst Georg Wilhelm 
war nicht ganz frei davon, aber in seiner Bestallung hatte er ihm zusichern 
müssen : ^wollen Uns auch gegen ihn, seiner ungehört, zu keiner Ungnaden 
bewegen lassen^ "). 

So, unter Misstrauen und Misshelligkeiten aller Art, begann die Aus- 
führang des Köpenicker Vertrags. Und nun schlug selbst der rein finan- 
zielle Theil der Maassregel fehl; statt des reichen Gewinns, den hspiring 
verheissen hatte, berechneten die kurfürstlichen Kassen bereits in den ersten 
Monaten erhebliche Mindereinnahmen, war eine erschreckende Abnahme des 
Handelsverkehrs in den beiden Häfen zu bemerken. Nicht wol, dass die 
fremden Kauffahrer wegen der neuen Seezulage die Fahrt nach Königsberg 
gescheut hätten, aber noch einmal trat König Christian von Dänemark da- 
zwischen. Wahr oder unwahr, dass die Furcht vor dem Spiring in Pillan 
ihm seine Einnahmen im Sunde kürzte, er trat jetzt in ähnlicher Weise ge- 
waltsam auf, wie Jahrs zuvor beiDanzig; die den Sund passirenden Schiffe, 
die nach Königsberg bestimmt waren, wurden angehalten, ^bei Verlust 
Schifi's und Guts^ ihnen untersagt, dahin zu segeln; von 62 Schiffen hatte 
man bereits in den ersten Schiffartsmonaten des Jahres 1639 Kunde, die 
auf diese. Weise gezwungen worden waren, sich nach anderen Häfen zu 
wenden'*). Während Danzig unter dem Schutz Dänemarks sich aller 
Sicherheit erfreute und der Handel ihm zuströmte, schien es, dass Chri- 
stian IV. entschlossen war, entweder Königsberg zu ruiniren, oder die Auf- 
hebung des ^Spiring'schen ZoUs^ zu erzwingen. 

Diese Maassregeln waren es, deren Rücknahme Hoverbeck in Däne- 
mark auswirken sollte; andere geheimere Aufträge, die uns nicht bekannt 
sind, sollten noch folgen; indess scheint seine Aufnahme in Glückstadt, wo 
er den König traf, eine ziemlich kühle gewesen zu sein; er kehrte un ver- 
richteter Dinge zurück'^). 

Und nun fuhren die Schwierigkeiten fort sich zu häufen; der Jahres- 
abschluss von 1639 zeigte ein sehr ungünstiges Resultat»«); im Frühjahr 



"') Selbst noch andre Befürchtungen taachen auf. In dem Protokoll einer am 
22. März in Gegenwart des Kurf. gehaltenen Sitsung der Oberrftthe heisst es: „Son- 
sten halten I. Ch. D. davor, dass der Commandant ^von Pillau) uff die Spiring aach 
Aohtnng gebe; denn wer weiss, ob sie so gut polnisch sein, als sich stellen, weil 
der Brüder zwei noch in Schwedischen Diensten sein*' (Königsb. Arch.). 

'*) Instruction für Hoverbeck nach Dttnemark (not. 69) 

'"^) Resolution des Königs von Dänemark dat. Glückstadt 18. Sept 1689 und 
wiederholt am 26. Sept. (Konigsb. Arch.). Noch während Hoverbeck unterwegs ist, 
schreibt der König an den Kurfürsten (dat. Varsaviae .... Aug. 1639. — ibid.), dass 
sobald der erste Bescheid des Dänenkönigs eingetroffen sei, dem Gresandten eine wei- 
tere geheimere Instruction zugeschickt werden solle. Hoverbeck scheint diese nicSht 
abgewartet zu haben. 

^') Ein bei den Acten befindlicher Reohnongsnachweis für das Jahr 1639 gibt 



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Kiiileitaog. 33 

1640 begann der König vonDänemark zwar die Strasse nach Pillau wieder 
freizugeben, aber er erhob Ton allen dahin bestimmten Schiffen den dop- 
pelten oder dreifachen Snndzoll; auf- dem Königsberger Landtag von 1640 
wurde die Klage gegen den Spiring'schen Zoll mit Ungestüm erhoben, und 
auf den polnischen Reichstagen führten namentlich die littauischen Land- 
boten die heftigsten Beschwerden; auf dem Grunde aller dieser Schwierig- 
keiten aber lagen doch der Hass und die Befürchtungen, die sich an den 
Namen der Spiring's knüpften. Schon im April 1640 beauftragte der Kur- 
fürst Hoverbeck, deshalb die geeigneten Vorstellungen bei dem Könige zu 
machen: „und befinden unumgänglich zu sein, dass Wir zu Verhütung des 
vor Augen stehenden Schadens den Seezulage Verwalter Abraham Spiring 
werden abschafifen müssen**"). Aber gerade auf diesem Punkte bestand der 
König mit Festigkeit; er verzichtete lieber auf eine erklecklichere Ein- 
nahme, als auf die Anstellung dieses Mannes in Pillau, wo er sich doch 
vielleicht noch gute Dienste zu gelegener Zeit von ihm versprach ; man dürfe 
so rasch nicht nachlassen, schreibt er dem Kurfürsten, die Fremden werden 
sich schon fügen, wenn sie Beharrlichkeit sehen"). Der Verlauf der wei- 
terhin im November des Jahres an den König gerichteten Vorstellungen 
und Vorschläge ergibt sich — er war ebenso vergeblich — aus den ersten 
der unten abgedruckten Relationen Hoverbeck' s aus Warschau. (22. u. 26. No- 
vember 1640). 

Dies war die Lage, in der sich diese Dinge befanden, als Kurfürst 
Georg Wilhelm starb. Man sieht, sie war hier wie an anderen Stellen voll 
der höchsten Schw^ierigkeiten. Von hier ab wird man den weiteren Gang 
aus der Reihe der unten veröjQfentlichten Actenstücke erkennen. Uebersieht 
man den Zusammenhang in der Wei^e, wie wir ihn aufzuweisen gesucht ha- 
ben, so wird es deutlich, dass der bedeutsamste Schritt, womit der junge 
Kurfürst seine Regierung in Preussen begann, die plötzliche Entlassung 
Spiring's aus seinen Diensten war; es war ein Schritt in demselben Geiste, 
wie die Neutralität mit Schweden, wie die Entlassung der in den Marken 
geworbenen Soldatesca. Friedrich Wilhelm schloss damit den Frieden mit 
seinen preussischen Ständen, wie er ihn durch jene Schritte mit den märki- 
schen schloss; er riss sich los aus der Bahn abenteuerlicher Pläne, auf die 
sich Georg Wilhelm in seiner Verbindung mit dem Polenkönige hatte führen 
lassen. Noch schwebte jetzt ein neues Project ähnlicher Art wie das vorige 



nach Abzug der Unkosten und der Einbusse an anderen Zöllen den Best des wirk- 
lichen Ertrags auf 25,976 Rth. 8 Drp. (Dreipölcher, 3 pulki, eine polnische Münze 
im Werth von H poln. Groschen, 60 auf 1 Rth.) an. Vergl. unten not. 79. 

''^ Schreiben des Kurf. an Hoverbeck dat. 18. April 1640 (Königsb. Arch.). Bei 
den Acten liegt eine bereits ausgefertigte Ordre an Abraham Spiring vom 13. April, 
„aus hocherhehlichen .und unumgänglichen Ursachen'* mit Erhebung der Seezulage 
inne zu halten. Indess unterblieb die Absendung. 

"*•) Dat. Warschau 19. Juli 1640 (ibid.). So auch die Aeusscrung des Königs 
in der unter den Actenstücken mitgetheilten Relation Hoverbeck^s v. 22. Nov. 1640: 
„dass, wenn Ihr gleich viel Millionen Nutzens gezeigt würden, Sie dannoch lieber 
fiber dem alten halten, dann etwas anders annehmen wollten.'* 

Mater, zur Gesch. d. Gr. KurltirsteD. I. 3 



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34 '• ^reugeen und Polen. 

in der Luft, das von Hanß Georg von Arnim entworfene, und bereits waren 
Polen und Preussen wieder tief in dasselbe verwickelt; der neue Kurfürst 
wandte ihm den Rücken; er stand vom Beginn seiner Regierung in der 
Ueberzeugung, dass aus der unheilvollen Verwirrung dieser Zeiten der Aus- 
weg nicht durch Handstreiche zu finden sei. 

Mit der Entlassung Spiring's machte der Kurfürst sich wieder zum 
alleinigen Herren in den Häfen seines Landes; aber es währte noch Jahre 
lang, ehe er dazu kam, sich völlig aus den Schlingen loszumachen, die ihm 
sein Vorgänger hinterlassen. Die Frage der preussischen Seezölle blieb 
noch immer Gegenstand der Verhandlung — jetzt freilich seit der Entlas- 
sung Spiring's eine Frage von meist nur finanzieller Art; es handelte sich 
nur darum, wie lange noch und in welchem Maasse auf diesen Titel hin 
die Ausbeutung Preussens zu Gunsten der königlichen Kassen dauern würde 
— die neue Belehnung ward mit dem Vertrag vom 6. Decbr. 1641 erkauft, 
mit der Fortdauer der Theilnahme d^s Königs an den Erträgen der See- 
zölle; das währte bis zum Jahr 1646; da zerriss der Kurfürst den letzten 
Faden, der von dem Köpenicker Vertrag her ihn noch hielt — er cassirte 
die gfvnze Seezulage, an welcher der Anspruch des Königs auf Participi- 
rung haftete; in Wirklichkeit auch dies ebenso wenig eine eigentliche Re- 
ductiou der Zolleinnahmen als die früher besprochenen augeblichen Maassre- 
geln dieser Art'*); die kurfürstliche Zollkasse erlitt dadurch keine Binbusse, 
aber dem König von Polen ward das 1638 gewonnene Recht entrissen, aus 
dem Ertrag der preussischen Häfen und des preussischen Handels eine feste 
Einnahme zu gemessen. König Vladislav IV. hat fortan keine weiteren 
Versuche gemacht, die Herrschaft der preussischen Häfen dem Kurfürsten 
zu entreissen, oder sie mit ihm zu theilen. Nach dem Tode seiner östrei- 
chischen Gemalin, nach seiner Vermälung mit der ihm von Frankreich zu- 
geführten Maria von Gonzaga-Nevers (1646) war es dem französischen Ge- 
sandten de Bregj vollständig gelungen, ihn von der habsburgischen Politik 
zu trennen; der Türkenkrieg, dem freilich ein ebenso demüthigendes Schei- 
tern bestimmt war, wie den früheren Projecten, trat von da an in den Vor- 
dergrund seiner Gedanken und gab seinen hochfliegenden Plänen fürs nächste 



*'*) Eine Zasammenstellung des Königsb. Arch. gibt die Einnahmen allein der 
„Königsberger Anlage" in folgender Progression an: 

1640 — 70,141 Rth. 19^ gr. (poln 1 Rtb. -e 90 gr.) 

1641 — 82,821 „ 4i „ 

1642 — 92,693 „ 24 „ 

1643 - 77,694 „ 2 „ 

1644 - 90,992 „ — „ 

Die rasche Steigerung der Einnahme nach der Entfernung Spiring^s ist ersichtlich. 
Dass von 1646 an durch die Cassirung der „Seeznlage" die Zolleinnahmen des Kur- 
fürsten nicht geschmälert wurden, erkennt man aus den henoglichen Rentelbüohem 
der folgenden Jahre (Itönigsb. Arch.), wo die gleich hohen Summen, nur auf andere 
Posten vertheilt, wiederkehren. Vergl. anch die Relationen Hoverbeck's dat. 11. Mai 
1646 und 10. Febr. 1649. 



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Einleitung. 35 

eine andere Richtung * <>). Die Spiring's scheinen nach dem Tode Köiiig 
Vladislav's sich aus Polen und Preussen zurückgezogen zu haben. 



'*) Der Magistrat von Lemberg empfing den König, als er zam Behuf der Rä- 
Btongen im Sommer 1646 dorthin kam, mit einer Rede, an deren Schluss es heisst: 
Serenissime Sol noater, nunquam nobis occidas, yel si non aliter per fata licuerit, 
non prius occidas, quam Orientis Yooeris Imperatorl (Königsb. Arcb.) Sebon 
Gustay Adolf hatte durch Hinweisung auf die Moldau und Wallachei Polen nacb 
dieser Richtung hin zu divertiren gesucht (Sienkiewicz SchatzkAstlein der pol- 
nischen Geschichte , bei Wuttke E. FriedricVs d. Gr. Besitzergreifang von Schle- 
sien II. p. 69.) 



3* 

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I. Preussen und Polen. 

1640—1650. 



22. Nov. 



Hoverbeck an den Kurftlrsten George Wilhelm. Dat. Warschau 

22. Nov. 1640. 

[Vorläufigo Besprechungen Hoverbeck's mit einzelnen polnischen Grossen. Abneigung 
des Königs, auf die neuen Vorschläge des Kurfürsten einzugehen.] 

1640- E. Ch. D. soll ich in Unterthänigkeit nicht unvermeldet lassen^ 

welchergestalt, wie zu meiner Ankunft ich hin und her sondiret, was 
vor Hindemisse mir in meiner vorhabenden Negociation *) möchten im 
Wege stehen, und durch welche und was vor Mittel dieselbe befördert 
und zu E. Ch. D. Intention gerichtet werden könnte, nur wenig erfreu- 
liches vorkommen: dann dass S. Kön. Maj. von keinem neuen. Vor- 
schlag hören wollten, sondern so gar uflF dem vorigen bestünden, dass 
Sie sich unterschiedlich dieser Worte verlauten lassen, dass, wann Ihr 
gleich viel Millionen Nutzens gezeigt würden, Sie dannoch lieber über 
dem alten halten, dann etwas anders annehmen wollten; dabei Sie 



*) Die Instruction Hoverbeck^s, dat. Königberg 8. Noy. 1640, enthält die folgen- 
den Punkte: 1) Die jetzt in Königsberg yersammelten Stände beklagen sich schwer 
über Abraham Spiring und verlangen, dass nach fnhalt des Köpenicker Vertrags die 
Seezulage nun aufhöre und dpiring aus Pillau entfernt werde. 2) Wenn die Zulage 
fortdauert, wollen die Stände in keine Contribution willigen. 3) Man muss den Stän- 
den hierin nachgeben, damit sie wieder Etwas contribuiren können. 4} Der Köpe- 
nicker Vertrag läuft jetzt ab; der Nutzen desselben hat sich als ein geringer gezeigt: 
„so hätten die beiden Obei-stände des Herzogthums uff ein ander und füglicher Mittel 
gedacht, wie der landesfürstlichen Herrschaft unter die Arme zu greifen und zu helfen 
und eine dreijährige Umlage hiezu uffm Land und in Städten gewilliget.". 
b) Der Kurfürst yerspricht dem König, dass ihm der einjährige Betrag dieser «Gene- 
ralanlage* zukommen soll, was ihm mehr einbringen wird, als die Seezulage in 9 oder 
10 Jahren bringen würde. (Königsb. Arch.) Die vGreneralauIage*^ entspricht der spä- 
teren 9 Accise' ; die SteUung der Stände dazu ist hier schon die gleiche wie auf dem 
Landtage von 1662. 



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Seezoll oder Acoiae. 37 

dann auch so viel Argwohn- und Misstrauens gegenst E. Ch. D. be- 
zeugt, ob müsßten dieselbe Ihre Stände zu dieser Widersetzlichkeit 
selbst angewiesen haben, [damit Sie nur Ursach und Anlass .überkom- 
men möchten, die General Anlage, ■ wonach Sie von des von dem Kne- 
sebeck seel. Schickung an getrachtet, in dero Städte Königsberg ein- 
zuführen. 

Dasselbe muss ich um so viel mehr vor wahr halten, weil mich 
die bei E. Ch. D. anwesende Königl. Abgesandte selbst durch Schrei- 
ben berichtet, es wäre ihnen uflf ihre beweglichen Remonstrationen die 
Resolution zukommen, «ie sollten lieber den Landtag uflfs neue uflf- 
stoßsen, dann im geringsten etwas weder in re ipsa, noch in modo zu 
ändern nachgeben. 

Bei solcher Beschaffenheit nun hab ich nicht vor rathsam befun- 
den, so gar hoch drauf zu dringen, dass S. Kön. Maj. mich vor sich 
gestatten und E. Ch. D. wolbegrtindete und erhebliche Rationes von 
mir gnädigst vernehmen wollten. Dann einmal ist mir nicht unbe- 
kannt, wie schwer es sei, derselben eine von langer Zeit eingewur- 
zelte Opinion zu benehmen; zudem so muss ich in Sorgen stehen, weil 
die Herren Abgesandten sich uflf meine Ausfilhrung in ihren Schreiben 
gezogen und Sr. Kön. Maj. dadurch kund gemacht hätten, was ich an- 
bringen würde, Sie dürften entweder, wie Sie uff vorigem Reichstag 
gethan, da ich wegen der Englischen Caution zu proponiren gehabt, 
mich unter dem Praetext Ihrer Recidiven und vorgenommenen Cur lange 
Zeit mit der Audientz uflfhalten, oder aber also gleich mit einer ab- 
schlägigen Antwort abweisen und dabei befehlen, ich sollte dieselbe 
E. Ch. D. unterthänigst hinterbringen, inzwischen aber gegen keinen 
gedenken, was zwischen Ihr und E. Ch. D. vorginge. 

Also hab ich den Herrn Krön Obersten Cämmerer Kazanowski ge- 
beten, er möchte mich zwar anmelden und um Audientz anhalten, aber 
doch nicht sonders drauf dringen, sondern vielmehr vorbeugen, dass 
dieselbe mir nicht ehe angesetzt würde, bis die Herrn Senatoren und 
zufordei-st er selber und der Beichtvater bei S. Kön. Maj. das Eis ge- 
brochen und Sie zu Einnehmung meines x^nbringens disponirt hätten. 
Inzwischen hab ich, weil periculum in mora war, der Landtag möchte 
uflfgestossen werden, hauptsächlich, so viel mir möglich gewesen, ra- 
tiones vorgestellt, vornehmlich aber dieses Sr- Kön. Maj. wol einzubil- 
den gebeten : es möchte vielleicht E. Ch. D. dahin disponiret werden, 
dass Sie, um Sr. Kön. Maj. AflFection beizubehalten, Ihre Stände von 
sich alienirten und dessen nichts achten wollten, dass Sie sich hie- 
durch bei den Littauen mehr verhasst machen und die benachbarten 



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33 '• Preussen and Polen. 

oflFendiren; wann Sie aber bei Ihr selbst überlegen, dass durch Proro- 
girung des bisherigen Sr. Kön. Maj. durchaus kein Nutzen zuwachsen, 
sondern es damit, wie bishero geschehen, hergehen würde, dass der 
Spiring das richtigste davon haben, S. Kön. Maj. dessen ganz nicht 
gebessert sein, sondern allein nachsehen werden, könnten E. Ch, D. 
Ihr keine Hoffnung machen, dass bei so gestalten Sachen Sr. Kön. Maj. 
Affectioh lange erhalten werden könnte ; und deswegen wollten Sie nicht 
uff das Gegenwärtige allein sehen, sondern vielmehr dahin trachten, 
dass Sie ein sicheres Fundament setzen, darauf Ihre mit Sr. Kön. Maj. 
uffgerichtete Freundschaft gegründet werden möge. r — 

Sonsten ist es, wie ich mirs eingebildet, dahergangen, dass S. Kön. 
Maj. sehr offendirt worden, dass die Senatoren auf meine vorgehende 
Information Ihr gar hart zugesetzt und nicht nur als Räthe, sondern 
auch als Stände in Sie gedrungen, Sie wollte die von E. Ch. D. ange- 
botene Vorschläge ja nicht ausschlagen. Derentwegen haben S. Kön. 
Maj. mir durch der Königin Stallmeister, Herrn Plattenburg, sehr ver- 
weisen lassen, dass, da ich an Sie geschickt gewesen, ich mich ehe 
an die Senatoren adressirt und dieselbe uffgewiegelt hätte. 

Jetzt aber gleich, indem ich dieses berichte, schicken Sie zu mir 
und lassen mir andeuten, Sie warten meiner mit der Audientz, ich sollte 
mich ungesäumt bei derselben einstellen. — 



Hoverbeck an den Kurfürsten George Wilhelm. Dat. Warschau 

26. Nov. 1640. 
(„Präsent, zu Königsberg am 5. Dec. 1640.'*) 

[Audiens bei dem König. Ansichten des Königs über die neu projectirte Generalan- 
lage und über die Einmiscbung der preuBsiscben Stftnde. Krankheit des Kurfürsten 

George Wilhelm.] 

26. Nov. E. Ch. D. soll ich in Unterthänigkeit nicht verhalten, dass ich ge- 

striges Tages von Ör. Kön. Maj. vorgestattet und derselben den Vor- 
schlag der General Zulage nach Anleitung des von E. Ch. D. mitge- 
gebenen Memorials der Länge nach ausgeführt und allen Einwürfen, 
so mir von denen Herrn Senatoren entdeckt worden, uflfs beste mir 
möglich gewesen, vorgebeugt, welche mich dann wol geduldig gehört, 
aber sich dennoch über mein VerhoflFen folgender Gestalt erklärt haben. 
Erstlich verwunderten Sie sich über der Stände Proceduren, dass 
dieselbe alles, was E. Ch. D. und Sie durch dero Abgesandten wegen 
Versicherang der beiden Seehafen proponiren lassen, übergangen und 
andre Ding, davon in denen Ausschreiben keine Meldung geschehen, 
dazu sie auch nicht gehören, gehandelt und an E. Ch. D. gebracht, 



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Seesoll oder Aocise. 39 

E. Ch. D. auch ihnen so viel eingeräumt hätten, da Sie doch so gar 
klare textus in pactis vor sich haben, dass die Stände gar nicht dazu 
gehören, weniger ihr Consens erfordert werden mtisste. Hätten S. Kön. 
Maj. geglaubt oder von E. Ch. D. verstanden, dass die Sach ohne Ihre 
Stände nicht könnte gehandelt oder geschlossen werden, würden Sie 
[mit] *) derselben allein nicht tractirt, sondern die Stände mit dazu ge- 
zogen haben. Es möchten aber E. Ch. D. zusehen, was Sie thäten; 
würden Sie einmal den Ständen so viel einräumen und dieselbe dazu 
gewöhnen, dass sie allenthalben die Hand mit drein schlagen, und 
E. Ch. D. Actionen in Disquisition ziehen, so würden sie's bei dieser 
Sachen nicht bewenden lassen, sondern auch in andern E. Ch. D. Ein- 
trag thun und auch wol gar den statum selbst moviren, weil ihnen 
doch allezeit der Sinn darnach stehe, dass sie sich den Polnischen in 
allem conformiren mögen. Und gab es Ihr am meisten Wunder, dass 
die Sache jetziger Zeit so hoch wolle gestritten werden, da E. Ch. D. 
albereit so lange Zeit in possessione sein, die fremden benachbarten 
ihres Widersprechens und Oppositionen schon müde und das Land der- 
selben gewohnt worden. Es wäre Ihr aber nicht unbekannt, dass 
dieses von den Dantzkern vornehmlich ja ganz allein herkomme, welche, 
weil sie sehn, dass ihre Praktiken bei den fremden benachbarten nicht 
viel verschlagen wollen, sich nun an die Landstände machen und durch 
dieselbe dahin trachten, dass sie den mit E. Ch. D. uffgerichteten Ver- 
trag umstossen mögen und dabei gar widerwärtige Reden führen, also 
da«8, wie sie's bei den Fremden und Landständen vor ein überaus 
grosse Beschwer exaggeriren, ^hingegen bei E. Ch. D. Bedienten so 
gar extenuiren, also dass es Ihr mehr Schaden dann Nutzen bringen 
könnte'). Hätte es aber diese Jahr über nicht so gar viel getragen, 
so würde es wol ins künftige mehr bringen, insonderheit wann S. Kön. 
Maj. ein gleichmässiges bei der Stadt Dantzig würde eingeführt haben. 
Und wäre wol zu wünschen, dass diese letzte Reassumtion des Land- 
tages etwas weiter, bis etwa zu Ausgang des Vertrags, welches (thaten 
Sie hinzu) ultimis diebus Maii vel primis diebus Junii geschehen würde, 
wäre verschoben worden; wollten Sie gegen die Zeit mit den Dantz- 
kern wol hindurch , kommen sein, wie Sie dann mit ihnen heimlich 
durch angenehme Personen tractirten und es albereit so weit gebracht 
hätten, dass Sie aus vertrauten Schreiben die ungezweifelte Hoffnung 



^) Fehlt im Mscr. 

') Ueber das VerhttltnisB der preussiscb-polnisohen Städte zu der Frage der See- 
zöUe, besonders über die Opposition Danzig^s, ist ein für aUe Mal zu verweisen auf 
Lengnicb Gescbicbte der prcussischen I^ande königlich polnischen Antbeils Tom. VI. 



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40 1- PraoBB^n nnd Polen. 

schöpfen können, sie werden in der Zulage Ihr die Aufsicht lassen 
und sich dero Autorität untergeben. Sollten sie aber erfahren, dass 
E. Ch. D. beginnen nachzugeben (wieS. Kön. Maj. dann wol wüssten, 
dass ihnen mehr Bericht als deroselben zugeschickt würde), stünde 
zu besorgen, dass sie wieder zurückgehen werden. 

Die grosse Zulage (also nennen S. Kön. Maj. den von E. Ch. D. 
gethanen Vorschlag, so oft dessen Meldung geschieht, und scheint, dass 
Sie's mit Fleiss Zweifels ohn nur darum thun, damit. Sie der Reipu- 
blicae Ständen die Impression geben, dass man ihnen noch^ein grössers 
als sie bishero getragen, uflf bürden wolle) würde an vielen Orten und 
durch viel Personen müssen eingenommen werden, deswegen dann 
auch wol gewiss ihrer viel ihre Hände damit schmieren würden. Und 
wiewol man jetzo von grossen Einkünften rede, so würde es wol ge- 
wiss damit nicht anders daher gehen, als mit denen andern Contribu- 
tionen, welche noch die Stunde durch scharfe Executionen nicht haben 
können erpresst werden. So wäre auch nicht gewiss, dass die Lit- 
tauer sich dieser grossen nicht viel mehr dann der Seezulage wider- 
setzen wollten; dann sollte es mehr tragen, dann bishero aus der See- 
zulage erhoben worden, müsste es sie auch mehr drücken; zu geschwei- 
gen, dass die Seezulage durch öffentliche Constitutionen schon approbirt 
worden und S. Kön. Maj. die Littauer davon abgebracht, dass sie den 
dritten Theil derselben nicht mehr praetendiren. Die Conformitet mit 
der Dantzker Zulage könnte E. Ch. D. gar nicht zu Statten kommen, 
weil die Respublica wegen der Zulage viel einen grösseren Streit dann 
wegen des Seezolls mit ihnen habe und keines Weges zugestehen 
werde, dass sie Zulagen uffzusetzen Macht und Fug haben. 

So wären S. Kön. Maj. auch versichert, dass die Städte, welche 
sich bishero den grossen Anlagen jederzeit widersetzt und, dass sie 
vornehmlich dadurch gedrückt werden, deduciret, nimmer drein willigen 
würden. Sie wollten aber dem Punct der grossen Anlage weiter nach- 
denken und das ganze Werk mit den anwesenden Senatoren, insonder- 
heit dem Krön Gross-Cantzler, überlegen; indessen aber nimmer hoffen, 
dass E. Ch. D. dero Dignitet und Reputation zuwider Ihr die Hände 
werden wollen binden lassen, also dass deroselben nach Ausgang der 
im Vertrage benannten Zeit der zwei Jahre nicht sollte frei und offen 
stehen, zu thun, was Ihr gefällig und Ihrem statui zuträglich sein 
würde. 

Ich wüsste mich nicht zu erinnern, dass die Zeit meiner Anwe- 
senheit bei Hofe S. Kön. Maj. sich auf eine Antwort mehr geschickt 
oder zu Behauptung Ihrer Meinung von so viel Orten und Enden ra- 



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Seezoll oder Accise 4j[ 

tiones zusammengesucht hätten, daher ich dann nichts anders schliessen 
können, dann dass ohne gar zu grosse OflFens und Alteration- Sie sich so 
bald nicht würden davon abbringen lassen. 

Derentwegen, damit dieselbe mit gutem Willen zu E. Ch. D. In- 
tention ich lenken möchte setzt ich nicht eben eine ra- 

tionem der andern entgegen, sondern es vors rathsamste hielte, mit 
unterthänigstem Respect und vielfältigem Umschweif vor diesmal zu 
gehen. Und dankte zuforderst Sr. Kön. Maj., dass Sie mich nicht allein 
ganz geduldig gehört, sondern auch das ganze Anbringen, so wie es 
von E. Ch. D. treu gemeinet und zu deroselben eigenen Nutzen und 
Frommen angesehen, wol aufgenommen und demselben femer nachzu- 
denken sich gnädigst anerboten; damit ich dann vor diesmal in so weit 
zufrieden sein könnte, weil ich mich versichert hielte, wann S. Kön. 
Maj. Ihrem hohen Verstände nach die Sach tiberlegen, Sie werden ge- 
wiss befinden, dass E. Ch. D. deroselben viel ein mehr- und zuträg- 
licheres anerbieten, dann Sie von Ihr begehren. Allein es war peri- 
culum in mora, weil die Stände zu keinen andern Sachen schreiten 
wollten, bis sie hierinnen von E. Ch. D. eigentliche Erklärung er- 
halten. 

Allhier fielen S. Kön. Maj. mir ins Wort und versprachen gnädigst, 
Sie wollten die Erklärung nicht länger als gegen heut oder morgen 
verBchieben. 

Damit vermeinten S. Kön. Maj. mich abzuweisen; ich nahm aber 
dasselbe vriederum zu unterthänigstem Dank auf und an und bat unter- 
thänigst, S. Kön. Maj. wollten sich doch dahin nicht verleiten lassen, 
dass Sie glauben, E. Ch. D. thäten hierunter etwas uff" der Dantziger 
Ersuchung ihnen zu gefallen; dann ich Sie wol gewiss mit Wahrheit 
versichern könnte, dass niemals zwischen E. Ch. D. und der Stadt 
weniger Correspondenz gewesen, als jetziger Zeit gepflogen werde; da 
E. Ch. D. nicht vergessen könnten, dass die Stadt, wie E. Ch. D. 
wegen der Schweden Einfalls in Unglück gesteckt und bei der Respublica 
grosse Invidia gehabt, das überaus praejudicirliche Privilegium der 
Tttchersieglung *) ausgebeten, die Stadt hingegen sich zum höchsten 



') Auf dem Warschauer Reichstag von 1628, während des schwedisch-polnischen 
Krieges, hatte Danzig sich das Privilegiam ausgewirkt, dass die englischen und an- 
dere üherseeische Tücher fortan ausschliesslich durch den Danziger Hafen nach Polen 
eingeffihrt werden soUten; alles überseeische Tuch, was nicht den Danziger Stempel 
trüge, sollte confiscirt werden. Lengnich V. p. 216. — Im Jahr 1647 wurde das 
Monopol wieder aufgehoben. S. u. die Depeschen HoTerbeck^s d. d. 26. 29- Mai, 
18, Juni 1647. 



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42 -'• PreuBsen und Polen. 

oflfendirt befinde, dass E. Ch. D. unerwartet de» Ausgangs ihrer mit 
Sr. Kön. Maj. vorgenommener Handlung den ' Köpnickschen Vertrag 
uffgerichtet hätten. Es war aber E. Ch. D. bei diesem ganzen Werke 
um dero Stände und vornehmlich darum zu thun, dass Sie keine Appa- 
rentz ersehen, wie dieselbe stapte exactione hae nova Pillaviensi dahin 
möchten können disponirt werden, dass sie die Verpflegung der beiden 
Seehafen, welches dannoeh gleichsam zum fundamento der ganzen 
Handlung praesupponirt worden, über sich nehmen. Dann könnten Sie 
auch nicht so gar aus der Acht lassen die vielfältige Querelen nnd 
Oppositionen, so die Littausche Stände dagegen eingewandt, um derent- 
willen Sie die Beisorge tragen mttssten, dass, wann die Stände anjetzo 
unerhört gelassen und das vorgeschlagene Mittel der General Anlage 
verworfen werden sollte, jenes auch in kurzem mit grossem Abbruch 
E. Ch. D. Dignitet und landsftirstlicher Hoheit dttrfte benommen wer- 
den; und da Ihre Stände jetziger Zeit um dieses gleichsam selbst an- 
halten, derselben Consens uflF solchen Fall schwerlich zu erhalten sein 
möchte. 

Sonsten hätten E. Ch. D. wol gewünscht, wie Sie Ihr nicht bewusst, 
dass Sie die Stände in einigem Stück beschwert oder gedrückt hätten, 
dieselbe auch keines gravaminis und also auch dieser Sachen nicht 
Meldung gethan hätten. Da aber S. Kön. Maj. E. Ch. D. selbsten er- 
mahnt, Sie wollten die Stände darüber vernehmen und ihnen in billigen 
Dingen Satisfactton geben, hätten E. Ch. D. nicht mehr verwehren 
können, dass sie um dieses Abschaffiing vor allen andern einhelliglich 
nicht sollten angehalten und darauf so steif bestanden haben. Zwar 
hätten E. Ch. D. Sr. Kön. Maj. Erinnerung nach die Stände dieser 
Sachen halber gerne an S. Kön. Maj., als von welcher das geklagte 
Gravamen verursacht worden, verweisen wollen ; wie sie aber dasselbe 
vermerkt, hätten sie [nicht] *) mehr uflF die jetzige Abschaifiing, als zu 
welcher Sr. Kön. Maj. Consens mit erfordert v^rde, gedrungen; sondern, 
weil doch auch bis zu Schliessung der Schiffarth nicht viel mehr Zeit 
übrig gewesen, bei E. Ch. D. allein darum angehalten, Sie wollten die- 
selbe versicheni, dass der Vertrag nicht weiter prorogirt und diese Be- 
schwerde ferner ufgebürdet werden solle, also dass der Remiss an S. 
Kön. Maj. nicht mehr Statt finden können. 

Dass E. Ch. D. ohne Zuziehung der Stände super modo et loco 
novi thelonei mit S. Kön. Maj. schliessen können, dasselbe war aus den 
Pactis zwar offenbar; es war aber dannoeh, wann die Worte eigentlich 



') Feblt im Mscr. 



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Seesoll oder Acoise 43 

angesehen würden, nur auf einen gewissen casum restringirt, nämlich 
als dann allein, wann beiderseits Stände darum Ansuchung thun und 
es eine Nothdurft und des Landes Nutz zu sein ermessen würden. Es 
kam aber auch diese Frag jetziger Zeit nicht vor; dann die Stände 
zögen nicht so weit zur Beschwerd an, dass es ohne sie geschlossen, 
als dass es zu ihrem unerwindlichen Schaden und Nachtheil gereiche, 
und praesupponirten , dass, wann gleich et^vas rite et legitimo modo 
eingeflihrt worden, so zu ihrem Schaden gereicht, sie dagegen zu 
sprechen und um Abschaflfung anzuhalten Fug und Rechtens genug 
hätten. Die benachbarte Potentaten hätten zwav dieses Jahr sich nicht 
sonderlich widersetzt, es war aber gewiss nicht um anderer Ursachen 
willen nachgeblieben , dann dass sie verhoflFt haben , das Werk würde 
nicht länger dann zu Schliessung der SchiflFarth dieses Jahr währen und 
hernach entweder gar abgeschafft oder doch uflF den Weg der Dantzker 
Zulage gerichtet werden ; und könnt ich nicht absehen, dass E. Ch. D. 
und folgends Sr. Kön. Maj. ichtwas zuwachsen würde, wann Sie gleich die 
zwei Jahr nach Weihnachten bis in den April oder Maium extendirten, 
sintemal doch die Winter Monate gar nichts tragen könnten. So wür- 
den auch die Dantzker, wann gleich an Statt der neuen Pillauschen 
die General Anlage von E. Ch. D. eingeführt würde, ihr praetendirtes 
Jus der Zulage dadurch gar nicht versichert bekommen, weniger Sr. 
Kön. Maj. der Weg mit ihnen zu handeln und, was abgehandelt werden 
möchte, zu exequiren, verschlossen werden; sintemal verhoflFentlich so 
wol E. Ch. D. als dero Stände (welches ich gleichwol nur vor mich 
selbst und ohne Vorgriff erwähnen that) zur Conformirung mit dem, 
wohin sich die Stadt Dantzigk würde accommodirt haben, sich wol so 
willig und williger dann zu Continuation der General Anlage jederzeit 
werden finden lassen. Indessen hätten S. Kön. Maj. des von E. Ch. D. 
aus treuer Affection Ihr angebotenenen Vortheils zu geniessen, welcher 
dann um so viel gewisser dann der aus der Seezulage verhoflFende sein 
würde, weil E. Ch. D. ohn einige Bedingung so viel anbieten, als die 
General Anlage ein Jahr durch tragen könnte, und wüsste man, auch 
hätte albereit solche modos practiciret, dadurch aller Unterschleif leicht 
zu verhüten. Die Littauer würden sich auch darüber nicht beschweren 
können, wann es mit Consens der Interessenten eingeführt werden wird, 
es wäre dann Sach, dass sie die Pacta und insonderheit das Haupt 
Privilegium von Ao 1526 in Zweifel ziehen wollten. Die Confirmation 
würden die Dantzker auch vor sich bloss zum Vortheil nicht anziehen 
können; dann es könnten sich wol ihrer zwei einer Sachen, der eine 
mit Recht und Fug, der andere nur per usurpationem anmassen; den, 



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44 '• Preussen und Polen. 

Littauen aber wttrde benommen werden, dass sie sich nicht beschweren 
könnten, sie würden mehr und uff andere Weis dann die Polen in 
Dantzig beschwert. 

Die Städte Königsberg möchten sich wohl dawider setzen und etliche 
von den kleinen Städten mit an sich ziehen; in massen der Streit ra- 
tione modi contributionum schon lange Zeit zwischen den Ständen 
währt, da die Städte die Landsteuem uflf den Hubenschoss, die Ritter- 
schaft aber uflf Anlagen gerne gerichtet sehen. Es war aber bei der 
bisherigen Coaequation der Städte mit der Ritterschaft so eine Dis- 
proportion und Unbilligkeit mit unterloflfen, dass S. K^n. Maj., wann 
Sie nur recht die Sach vernehmen, der Ritterschaft verhoflFentlich nicht 
Unrecht oder den Städten Beifall geben würden. Dann zum Exempel, 
wann die Ritterschaft von allen und jeden, so unurbar als urbaren. Hüben 
je einen Gulden und zwar die, so im Oberlande uflF den sandigen Hüben 
sitzen, denen, so um Königsberg wohnen, gleich contribuiren, geben 
die von Städten, dero Vermögen doch vornehmlich in baarem Gelde 
und Waaren besteht, nur allein eins zum hundert von ihren liegenden 
Gründen, und dasselbe auch nur noch nach der alten Tax, deren Un- 
billigkeit S. Kön. Maj. auch daher allein erkennen mögen, dass das 
Haus im Kneiphofe, darinnen Sie vor 5 Jahren selber gestanden, wie 
ich mirs habe sagen lassen, nur uflf 2300 Rth. angeschlagen. 

Und ob nun wol die Städte sich auch vor diesmal widersetzen 
dürften, würde doch ihr Widersprechen nicht zu attendiren sein, sintemal 
die Decreta von A© 1609 expresse disponiren, dass, wann super modo 
contributionum einige Controvers entsteht, und der LandesfUrst, insonder- 
heit nach zweier Stände Meinung, darinnen decidiret, der dritte vor 
überstimmt zu achten und die Sach ausser des Herzogthums anders 
wohin nicht mehr zu ziehen sei*). 

Auf diese so überaus glimpfliche Repliq hatt ich mich nicht anders • 
versehen, dann dass S. Kön. Maj. mir punctweis dupliciren würden, 
so fleissig merkten Sie uflf alles; Sie Hessen sich aber nicht weiter ein, 
sondern befragten, in was Zustande E. Ch. D. ich bei meinem Abreisen 
gelassen. 

Weil ich nun in puncto der General Anlage vor diesmal meht zu 
richten keine Apparentz ersähe, suchte ich mich uflFs wenigste des von 
Sr. Kön. Maj. veranlassten Discurses zu E. Ch. D. Dienst und Nutzen 



') Es ist das sogenannte Complanationsrecht, dessen sich der Kurffirst 
Friedrich Wilhelm später, auf dem Landtage von 1662, zur Dnrchhringung der Ac- 
eise, gleichfalls gegen di6 Städte, bediente. S. Baczko Geschichte Preassens V. p.d28, 
der es mit Unrecht als ein damals «neues Becht* bezeichtet. 



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Krankheit des Kurfürsten. 45 

in andre Weg zu praevaliren, und sagte derselben unterthänigsten Dank 
vor die treugemeinte Vorsorge, dass Sie.E. Ch. D. den Burggrafen 
von der Wilde zur UflFwartung herüber zu schicken angeboten; mit dem 
E. Ch. D. zwar auch nicht allein, dass er deroselben Unterthan ge- 
boren, sondern auch allerhand guter Proben gethan, zwar gar wol 
versehen zu sein vermeineten ; Sie müssten sich aber besorgen, dass er 
sich mit dero Leib Medicis nicht wol würde vergleichen; wann es aber 
ohne Sr. Kön. Maj. Ungelegenheit zugehen könnte, geschehe E. Ch. D. 
ein sonderbarer Dienst und Gefallen dran, dass der Herr Doctor KnöflFel, 
war es auch nui- etwa uf 8 oder 14 Tage, zu deroselben herüber käme. 

S. Kön. Maj. antworten hierauf erst in Scherz, der Burggraf von 
der Wilde würde sich mit E. Ch. D. Leib Medico gar wol vergleichen, 
dann sie suchten beide Gold und würdens nicht finden. Der Doctor 
Knöffel hätte zwar am Podagra unterschiedene gute Proben gethan, ob 
er aber an der Wassersucht jemand ganz curirt habe, wäre Ihr nicht 
wissend, dahingegen Ihr Burggraf von der Wilde deren viel und unter 
andern eine Frau von 70 Jahren, so mit derselben schwer behaftet ge- 
wesen, 6 Jahr lang bei Leben erhalten. Jetzo aber hätte auch Doctor 
Knöffel eine Patientin, des Gross Cantzlers Kryski Wittibe, in seiner 
Cur, an der würde man bald ersehen, was er in diesem Stück vermag, 
und alsdann etwa in drei Wochen könnten Sie ihm wol zu E. Ch. D. 
herüber zu reisen vergönnen. 

Diese Erklärung nahm ich nun zu unterthänigstem Dank auf und 
an und führte abermal wiederum die erste Materie uff die Bahn, ver- 
mittelst unterthänigsten Danks, dass S. Kön. Maj. durch den Hemi 
Krön Gross Cantzler an die Herrn Abgesandten schreiben lassen, sie 
sollten sich bis zu fernerer Erklärung uffhalten, mit unterthänigster 
Bitt, S. Kön. Maj. wollten dieselbe, weil sonsten die Gefahr darauf 
sttlnde, der Landtag möchte sich zerschlagen, nicht lange verschieben. 
S. Kön. Maj. fragten, was dann vor Unheil daher erwachsen könnt, 
wann gleich der Landtag uffs neue limitirt und ein anderweiter Teriüin 
zur Beassumtion angesetzt würde. 

Darauf ich, um S. Kön. Maj. davon abzubringen, meine Meinung 
dahin eröflhet, dass zu besorgen, es dürften die Stände, wann um ihrer 
Widersetzlichkeit willen der Landtag abermal ufgestossen werden sollte, 
sich in diesem Punct nur um so viel härter künftig erweisen und die 
Mittel zu contribuiren in der Zeit distrahiret werden. 

Diesem nach erklärte sich S. Kön. Maj. abermal, dass Sie mir als 
heute uffs längste die Erklärung durch den Gross Cantzler wollten zu- 
kommen lassen. — 



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46 1- Preussen und Polen. 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 9. Dec. ') 1640. 

> {Antwort auf die Anzeige von dem Tode des Kurfürsten George Wilhelm und 
Ermahnung bei Uebemahme der Regierung.] 

9. Dec. Gnädigster Churftirst und Herr. E. Ch. D. gnädigstes Rescript 

vom 3^en«) hab ich am 8ten dieses zu Abends mit unterthänigstem 
Respect empfangen, und wie ich mirs zu grossem Unglück rechnen 
muss, dass £. Cb. D. erster Gnaden Befehl an mich aus einer so kläg- 
lich und betrübten Materie herrühren muss^ also hab ich mirs zu sonder- 
baren Gnaden zu schätzen, dass E. Ch. D. bei diesem Ihrem höchsten 
Leid Ihr gnädigst zu meinem unterthänigstem Gehorsam tragendes Ver- 
trauen bezeugen wollen. 

Vor allen Dingen aber hab ich nächst so vielen E. Ch. D. Dienern 
und Unterthanen dem Allerhöchsten demüthigsten Dank zu sagen, der 
durch Seiner Gnaden Beistand E. Ch. D. so kräftig stärket, dass Sie 
bedenken können, Ihr Trauren sei also zu massigen, dass Sie deswegen 
so viel bedrängter Land und Leute nicht in Betrübniss setzen. Dann 
ob wol der Allerhöchste E. Ch. D. gleichen vor andern Menschen mehr 
und weitere Gnad erwiesen, so hat er doch dero Affecten in Glück als 
Unglücksfällen ein viel engeres Ziel und Maass dann anderen gesetzt, 
also dass, wie Sie Ihre Freud und Lust nur allein darinnen zu suchen 
und setzen haben, was Seiner Kirchen, Dero hochlöbliehstem Hause und 
Ihren hochbedrängten Unterthanen zu gut gereicht, dieselbe auch hin- 
gegen Ihrem Leid und Bekümmemiss nicht weiter und länger nach- 
geben müssen, als es die Verwaltung E. Ch. D. hohen Amts, dero 
Hauses Staat und der Unterthanen Wolfarth zulässt und nachgibt. 
Niedrigem Ständen zwar ist es nicht allein vergunnt, sondern auch 
wolanstehend, dass sie der Ihrigen Gedächtniss mit Thränen und Wehe- 
klagen verehren. E. Ch. D. aber werden sich dahin gnädigst lenken, 
dass, gleich wie Sie bei Sr. Ch. D. hochlöblichsten christmilden Ge- 
dächtniss Leben nicht so wei)k dahin gesehen und getrachtet, dass Sie 
dero söhnliche Treu und Gehorsam durch äusserliche Bezeugung (darinnen 
auch wol heuchlerische Lieb einem ungefärbten Respect zuvor thun 
kann), sondern durch Beförderung dero Nutzen und Bestens darthun 
möchten, Sie es auch jetziger Zeit davor halten, dass S. Ch. D. in Gott 
ruhend nächst einem steten rühmlichen Gedächtniss nicht so weit 2iäh- 
ren, Thränen und Weheklagen, als viel mehr dieses von E. Ch. D. er- 

') Nov. im Mscr. 

') Gedruckt bei y. Orlich Geschichte des preussischen Staats im siebsebnten 
Jahrhundert III. p. 2 



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Der Regierungsantritt. 47 

fordern, dieselbe geruhen, was Sie nicht haben können zu Werk richten, 
zu Yollenfllhren und der Christenheit ihre Beruhigung, des Heil. Rom. 
Reichs Gliedern aber dero Freiheit und Sicherheit zu fördern und wieder 
aufzurichten. 

Der Kurfürst an Hoverbeck. Dat. Königsberg 10. Dec. 1640. 

[Anweisung an HoTerbeok, wie er polnischen Uebergriffen bei Gelegenheit des 
Regierungswechsels vorbeugen soU.] 

Wii- zweifeln nicht Ihr werdet Unser erstes Schreiben wol 10. Dec. 

empfangen haben. [Er möge die ihm dort anbefohlenen Aufträge wegen der 
TJebemahme der Regiening fleissig und eilig betreiben.] „zu welchem Ende 
Wir Euch absonderlich eins und anders in Gnaden zu Eurem bessern 
Nachricht vermelden wollen. Als zuforderst, dass Wir uf Euere beide 
am 26. und 29. hier wol angekommene relationes') in po des Seezolles 
und was S. Kön. Mty. darin sich erkläret, Uns resolviret haben, so viel 
möglich derselben Willen Uns zu bequemen und derhalben, weil Wir 
an den bisher hier versammelten Ständen einen grossen Eifer gegen 
solchen Seezoll, und dass derselbe ehist sollte abgeschaflfet werden, 
vermerket, und dass ohne solchen ausdrücklichen Schluss der Landtag 
zu keinem fruchtbaren Ende könnte gebracht werden, gespttret, so 
haben Wir nach eingezogenen Bedenken der allhie noch anwesenden 
Königl. Gesandten Sr. Kön. Maj. zu gefallen (ungeachtet, dass Uns wol 
rationes dabei beigekommen) gerne geschehen lassen, dass die Regi- 
ments Räthe solchen Landtag suspendiret und ^ den Ständen den Abzug 
vor diesmal angektindiget, welche es zwar so weit an sich genommen, 
dass sie ihre Nothdurft dabei in Acht zu nehmen und darüber noch 
zu deliberiren an sich genommen. Inmittels haben Wir gleichwol Un- 
sere Gesandten fortgeschicket , denen Wir aber aus gewissen Conside- 
rationen in puncto des gemelten Seezolles bei Sr. Kön. Maj. oder son- 
gten in Unserm Namen zu negociiren nichts mitgegeben, sondern müssen 
solche Sache, wie auch die Remedirung der andern von der Landschaft 
und Städten Unserm Herrn Vätern hochsei. Ged. längst eingegebenen 
gravaminum, bis zu wirklicher Apprehendirung Unserer Regierung 
ausstellen. Wes wegen Wir dann hoffen, dass S. Kön. Maj. um so 
viel je mehr Uns daran nicht hindern noch im geringsten ufhalten 
werden. 

Nebst deme so habt Ihr in sonderliche Acht zu nehmen und zu 
verhüten, damit S. Kön. Maj. nicht etwa uf eine Commission, bevorab 



') Die Belation vom 29. Nor. fehlt. 



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43 '• Preossen und Polen. 

cum jurigdictione et potestate decidendi, anhero abzuordnen falle, als 
welche Wir vermeinen, dass de jure und salvis pactis nostris gar nicht 
geschehen könnte, und Uns anzunehmen und der Uns zu unterwerfen, 
gar zu schwer und unthunlich fallen würde. — Sonsten sehen Wir 
auch wol keine sonderbare Materie und Ursach, worum S. Kön. Maj. 
anjetzo oder balde hernach einige der Ihrigen (auch sine potestate juris 
dicendi vel decidendi) herschicken wollte; dann Unserer Regierung 
halben, oder dieselbe Uns zu Übergeben, darf es nicht geschehen, son- 
dern wird daran genug sein, wann S. Maj. Unsern Gesandten sich er- 
kläret, dass Sie damit wol zufrieden wären, dass Wir (nach gesche- 
hener Oblation Unseres homagii und eingegebener Caution, dass Wir 
Uns künftig dazu willig einstellen, auch ehe die Investitur wirklich von 
Uns voUenzogen, die gravamina des Landes etc. abgeschaflfet sein wür- 
den, keine Huldigung von den Unterthanen nehmen wollten) selbst die 
Regiening antreten. Worin Wir Uns dann nicht so sehr uf das Re- 
sponsum Cracoviense , als uf den sensum Unserer pactorum feudalium, 
uf die Vernunft und Natur aller Lehngerechtigkeiten und uf das löb- 
liche Exempel Königs Sigismundi HL. hochsei. Ged. in A» 21 ziehen 
und gründen, wie Ihr aus obgemelter Deduction und Instruction Un- 
serer Gesandten zu sehen haben werdet*); derwegen wann einige Schwie- 
rigkeit des gedachten Responsi Cracoviensis halber sollte vorkommen, 
so habt Ihr dabei dieses zu erwähnen, dass Wir solches nicht pro nova 
lege ftindamentali hielten, sondern bloss pro confirmatione legum et 
pactorum, denen es in allem ganz conforme ist und dero gemeinen 
sensum erkläret*). 

In Fall auch in dem Punct der praejudicirlichen Königl. Rescripteu, 
Responsen und Recessen, derer, vigor und valor bis ad legitimam co- 
gnitionem vermittels desselben Responsi Cracoviensis ist suspendiret 
worden , etwas sollte erreget werden , so habt Ihr dabei einzuwenden, 
dass alle die streitige Materien, dabei solche Rescripta, Responsa und 
Recessus reden, eben jetzo unter den gravaminibus der Stände alhie 

') V. Orlich I. p.63. 

') Das „Responsum Cracoviense'' ist die Erklärung, welche König Vladislav IV. 
im Jahr 1633 der brandenhurgischen Hnldigungsgesandtschaft über verschiedene die 
SteUung Preussens zur Krone Polen betreffende Punkte ausgestellt hatte. Responsum 
8. R Mits Illmi D. Georgii Wilhelmi Marchionis Brand, etc. legatis, vid. lU. et Rev. 
Adamo Comiti a Schwartzenberg (tit. ), Magnifico et Generosis Joanni Georgio a 
Sauken in Prussia supremo Cancellario et ConsiliariOi Petro Bergmanno, Consiliariis 
intimiSi datum Cracoviae in Comitiis faelicissimae Coronationis generalibns die 
13. Mens. Mart A. D. 1633. — Gedrucktes Blatt bei den Acten des Interregnum von 
1648. Die Hauptstellen gedruckt bei Bacsko Geschichte Preussens Y p. 272 ff. 
Yergl. Einleitung p. 6. 



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Der Hegierungsan tritt. 49 

reassumiret wären, worüber man dann sich jetzo oder bei der nähe- 
sten fieassumirung des Landtages äussern Grunde vergleichen und ein 
recht verbttndliches Werk, so S. Kön. Maj., wo nöthig, auch wird con- 
finniren können, fassen und schliessen und solches dann pro lege halten 
wird können. 

Es möchten auch wol einige missgönstige Leute bei S. Kön. Maj. 
Uns angeben und cavilliren wollen, als wann Wir zwar mit Worten 
Uns erkläreten. Wir nähmen Uns der Regierung noch nicht an, unter 
dess so geschehe doch alles und würde expediret von den Regiments 
Räthen mit Unserm Wissen und Willen, dieselbe communicireten Uns 
alles, was sie thäten : darauf hättet Ihr zu antworten, dass gar ein an- 
deres wäre, Wissenschaft von allem zu haben, ein anders selbst re- 
gieren, befehlen, verbieten, decretiren, dessen Wir Uns dann gar noch 
nicht anmassen oder Unsern Tituli in der Regierung führen lassen. 

Sollte es aber sich wider Verhoffen gar nicht anders schicken 
wollen, als dass einige Schickung (welche doch absque potestate deci- 
dendi geschehen müsste, wo Wir Uns derer submittiren und des pro- 
testirens enthalten sollten) vorgenommen werde, so habet Ihr dazu 
Euch zu bearbeiten, damit der Herr Woiwode von Pemau*) wo mög- 
lich allein dazu gebrauchet werde; hoffen aber gleichwol S. Kön. Maj. 
werde Uns diesmal mit solchen unnöthigen Unkosten und andern Be- 
schweren verschonen. Wie es Euch dann zu all solchen Unsern billi- 
gen Intentionen zu gelangen an guten Uns wolzugethanen Patronen 
und Freunden bei Hofe nicht mangeln mrd, so haben Wir auch des- 
halben mit dem Herrn Castellan zu Lencich allhie vertraulich reden 
lassen und die Zusage von ihm erlanget, dass er in Unserm recht- 
mässigen scopo Unsern Dienern gerne suadiren wolle; habet Euch 
derhalben an ihn desfalls zu halten und ihn nebenst guten informa- 
tionibus bei gutem Willen zu conserviren. 

Schliesslich wollet Euch ja fleissig angelegen sein lassen, dass 
Unsere Gesandten nicht lange aufgehalten, sondern aufs schleunigste 
als möglich mögen abgefertiget werden, und könnet S. Kön. Maj. wol 
versichern, dass je eher Wir Unsere von ünsers H. Vaters Gnaden 
hochsei. Ged. Uns verlassene Regierung in die Hände bekommen, je 
eher und eiferiger Wir in die Fusstapfen Unsers Herrn Vaters Gn. treten 
werden, Sr. Kön. Maj. zu gehorsamen Diensten zu leben, Sie zu ehren 
und zu respectiren und Ihr Bestes nach Möglichkeit zu suchen, wie 
einem treuen, ehrliebenden Vasal wol anstehen und gebühren wird. — 

^) Graf Magnus £m8t von Dönhoff. 
Mater, zur Gesch. d. Gr. KurfCirsien. I. 4 



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50 !• PrenBBon and Polen. 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 11. Dec. 1640- 

[Gespräche über die SucceBsion des Kurfürsten. Audienz bei dem König; eingehende 

Erkundigungen des Königs über den Stand der Dinge in Preussen. Ausöüchte Ho- 

verbeck's wegen der den Schweden in Betreff der Häfen gegebenen Garantie. Die 

Polen suchen den KurfQrsten mit der Uebernahme der Kegierung hinzuhalten.] 

11. Dec. E. Ch. D. soll ich in unterthänigstem Bericht auf dero gnädigstes 

Rescript vom 3ten dieses gehorsamst nicht verhalten, wclchergestalt ich 
mich am 9ten dieses bei Sr. Kön. Maj. gebührend anmelden lassen und um 
gnädigste Audienz geworben; da dann S. Kön. Maj. durch dero ersten 
Cämmerer, den Herrn Rylsld, mich befragen lassen, ob ich etwas neues 
brächte ausser dem, was Ihr durch dero Abgesandte wäre zugeschrieben 
worden; und wie ich berichtet, dass ich leider nichts neues, sondern 
vielmehr die Confirmation desselben anzubringen, dabei aber nöthige 
Sachen zu werben hätt, Hessen Sie sich entschuldigen, dass Sie wegen 
der podragrisch- und chiragrischen Schmerzen mich nicht vorstatten 
könnten. Ich möchte den folgenden Tag wieder ufwartcn und ver- 
nehmen, ob Sie einige Linderung werden empfunden haben. Bald dar- 
auf kam der Herr Meydel, zweifelsohn uff Sr. Kon. Maj. Befehl, zu mir 
heraus und erkundigte sich (aber gleichsam nur aus Vorwitz und vor 
sich Selbsten), ob auch E. Ch. D. jetzo gleich und ohn vorgehende 
einige Solennitet die Churf. Hoheit und Dignitet besitzen; dann sonsteu 
hätten S. Kön. Maj. in discursu wol gedacht, dass Sie sich mit einem 
Markgrafen nicht einzulassen haben. 

Darauf gab ich folgende Information: E. Ch. D. wäre nicht weniger 
denselben Augenblick, da es dem Allerhöchsten in seinem unerforsch- 
lichen Rath und Willen gefallen, S. Ch. D. Christmilder Gedächtniss 
von dieser Welt abzufordern, so vollkömmlich ein Churfllrst des h. Rom. 
Reichs, als er nach seines Vaters Absterben ein Herr der hinterlasscnen 
Erb- und Lehngüter sein würde; und damit ers so viel besser ein- 
nehmen möchte, bestätigt ichs mit Sr. Ch. D. hochlöb. Gcd. Exempel und 
des Erzherzogen Carlen weiland Bischofen zu Breslau und Neuss öifent- 
Uchem Zeugniss, welcher da S. Ch. D. nacher Grodno zum Könige hoch- 
seligst kamen, und gleichsam selbst die erste Nachricht von dero Herrn 
Vatem Ableben brachten, und höchstgemelte S. Kön. Maj. in Zweifel 
stunden, welchen Sie dem andern vorzusetzen hätten, zur Antwort ge- 
geben, dass die Erzherzoge mit den Herren Churfllrsten durchaus keine 
Concurrenz haben, sondern ihnen aller Oerter unstreitig wichen; wel- 
ches er gewiss nicht wtlrde gethan haben, wann er S. Ch. D. auch 
damals, wie der Rom. Kaiser noch keine Nachricht von Sr. Ch, D. 
Herrn Vatem tödtlichem Hintritt gehabt, nicht vollkommentlich vor einen 



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Der Begierangsantritt. 51 

Churflirsten erkannt und gehalten. Unter allen Churfllrstlichen Funetio- 
nibus wäre die Wahl eines Rom. Kaisers die vornehmste, dieselbe aber 
würden E. Ch. D., wann der jetzige Kaiser vor empfangenem homagio 
mit Tode abginge, nicht weniger dann dero Herr Vater hochsei. ver- 
richten, und jetziger Zeit sei zu Legitimirung der von Sr. Ch. D. in Gott 
ruhend nach Regenspurg abgefertigter Räthe nichts anders von Nöthen, 
dann dass Sie neue Creditive und Vollmachten uflF dero Namen aus- 
fertigen lassen ; wann dieselbe dorten würden producirt werden, kämen 
die Abgesandten wieder zu ihren Praerogativen und Sessionen. 

Wiewol S. Kön. Maj. die Nacht drauff grosse Schmerzen empfunden, 
meldete ich mich gestrigen Tags wiederum bei derselben an, und da 
Sie mich befragen Hessen, ob ich auch etwas schwer- und wichtiges 
brächte, das gross Nachdenken erforderte, bat ich den Herrn Platten- 
berg, so zu mir heraus geschickt wurde, S. Kön. Maj. zu versichern, 
dass ich nichts dergleichen, oder so Sr. Kön. Maj. in einigerlei 
Weg könnte zmvider sein, brächte und Sie gar nicht lange aufhalten 
würde. [Andere Weiterungen, wie zuvor.] 

Als nun darauf ich heutigen Tags gnädigst vorgestattet worden, 
bracht ich nächst dem ganzen Inhalt E. Ch. D. gnädigsten Rescripts, 
zu Stiftung Lieb und Favors, von Erbieten und GlUckwünschungen so 
viel ich vermeint, dass bei einer solchen traurigen Vorbotschaft sich 
reimen würde. 

S. Kön. Maj. höreten mich ganz gnädigst und geduldig und gewiss 
nicht ohne vielfältige Bezeugung, dass Sie dadurch zu mehrer Wehe- 
muth und Mitleiden bewogen worden; ^— — — — den Trauerfall 
hätten Sie zwar vor längst besorgt, auch bei meiner letzten Audientz 
daran gedacht, sich aber keines Weges versehen können, dass derselbe 
so nahe sein sollte. Sie hätten einen treuen und aufrichtigen Freund 
verloren, welchem Sie auch dero Lieb und treue Affection bis zur 

letzten Stunde ungeändert erhalten und wollten Sie hoflfen, 

E. Ch. D. würden auch in der zu Ihr tragenden treuen AflFection Sr. Ch. 
D. hochsei. Anged. ein Erbe sein und deroselben hochlöblichem Exem- 
pel folgen wollen, da Sie dann himviederum sich Ihrer Lieb und treuen 
väterlichen AflFection zu versichern hätten. Wann Sie aber von mir 
verstehen, E. Ch. D, würden in kurzem dero Abgesandte schicken, 
wollten Sie der extraordinär Ambasciata erwarten, dieselbe gerne hören 
und sich alsdann gar willig erklären. 

Dieses letzte wurde so ausgebracht, dass maus so wol den Worten, 
wie E. Ch. D. selbst hochveniünftig ermessen können, als denen Ge- 
berden nach, wie man wollt, deuten konnte. 

4* 



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52 ^* l'reussen und Polen. 

Wie ich aber darauf repliciren und (ohn dass ichs selber in Zweifel 
zöge) S. Kön. Maj. weiter auszuholen suchen wollte, brachten Sie andere 
Materien uflf die Bahn und erkundigten sich zuforderst, wie es doch 
kommen war, dass mir die Nachricht von ör. Ch. D. Ableben so viel 
später als deroselben zukommen ?2 und antworteten selber drauf, es 
würde ge\viss bei allen so eine Perturbation gewesen sein, dass sie 
sobald an mich nicht gedacht hätten. 

Ich berichtete, E. Ch. D. hätten eben denselben Tag, wie sich der 
traurige Fall zugetragen, durch den Herrn Bergmann schreiben lassen, 
dass S. Ch. D. fast in den letzten Zügen lägen; daran, haben Sie ver- 
meint, würde ich etliche Tage gnung haben. 

Ob die Leiche allhier im Herzogthum oder in der Mark und wie 
bald würde beigesetzt werden? Sie fragten weiter, ob E. Ch. D. im 
Herzogthum verbleiben, oder aber hinaus in die Mark, um daselbst 
das Hauptwerk zu fassen und den Tractaten beizuwohnen, sich be- 
geben würden? 

Auf dasselbe antwortete ich >vie ganz versichert, E. Ch, D. würden 
sich schwerlich herauswagen dürfen, sintemal fast alle Pässe von den 
' Schweden eingenommen seien; Sie würden aber wol durch andre ver- 
nehmen lassen, was dieselbe uff den Fall einer glücklichen Handlung 
zu thun gesonnen sein möchten, weil sie bei Sr. Ch. D. in Gott ruhend 
Lebzeiten sich sonderlicher Affection und Willfährigkeit gegen E. Ch. D. 
verlauten lassen; in der Churmark Brandenburg war der Respect gegen 
dero Haus und die Affection gegen Ihre Person so wol eingepflanzet, 
dass Sie durch dero geringsten Diener dieselbe regiren könnten. 

Würden dann E. Ch. D, (fuhr S. Kön. Maj. weiter fort) zu Regens- 
burg uff dem Reichstage was zu thun haben? Nichts anders, (sagt ich), 
als dass Sie neue Creditive und uff Ihren Namen gerichtete Vollmachten 
denen von Sr. Ch. D. christmilder Ged. dahin abgeschickten Räthen 
Ubermachen. 

Dass von des Herrn Oeconomi von Marienburg Negotiation und 
dem Landtage keine eigentliche Nachricht einkäme, nahm S. K. Maj. 
gross Wunder; darauf ich berichtet, dass zwar von des Herrn Oeconomi 
Ankunft mir gar nichts zugeschrieben worden; vom Landtage aber 
schreibe mir der Herr Landhofmeister, dass sich die Stände durchaus 
nicht einigen können und deswegen am 4^en dieses ihre uugeeinigte Be- 
denken zu übergeben einen Schluss gemacht hätten. 

Dass die Ritterschaft sowol als Land Räthe uff die General Anlage 
gingen (sagte S. Maj.), wäre Ihr bekannt, Sie möchten aber wol gerne 
wissen, was dann die Städte an derselben Statt vorschlügen. 



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Hoverbeck und König Vladislav. 53 

Ich gab zur uuterthäuigsteii Antwort, dass, soviel ich aus, des Herrn 
Landhofmeist^rs Schreiben abnehmen könnte, sie wol gar nichts an- 
bieten, sondern impugniren allein sowol die General Anlage, als die 
Pillausche Seezulage. 

Also sehe ich wol (replicirten S. Kön. Maj.), wollen sie gleich wie 
in limbo patrum sitzen. 

Nach diesem (sagten S. Kön. Maj.), eins war noch allein übrig, 
darinnen Sie meiner Information bedürften; ich möcht Ihr doch der 
Caution, so den Schweden wegen der Pillau gegeben worden *), Copey 
zu Wege bringen. 

Auf dasselbe antwortet ich, dass ich albereit auf des Herrn Kron- 
Gross-Cantzlers Begehren fast alle meine Schriften durchsucht und nichts 
fimden hätt. Ich wüsste mich aber wol, weil ichs selber concipiret, 
des ganzen Inhalts zu erinnern, dass die eine conditio pactorum indu- 
ciarum in illatione gesetzt und darauf, damit der Sachen weder zu viel 
noch zu wenig geschehe, diese Worte hinzugethan worden: Proinde 
nos omni quo ßeri polest meliore forma modoque pro nobis et succes- 
soribus nostris cavemus: Quod toto hoc viginti sex annorum induciarum 
tempore nihil hostile ex portubus nostris tenlaluri tentarite permissuri 
simus. 

Weil ich versichert war, dass die Wort y^pro nobis et snccessoribus 
nostris^ mit hineingertickt worden (schloss S. Kön. Maj.), so bedürfte 
es nicht mehr, dasselbe hätten Sie nur allein wissen wollen, aus Furcht; 
es dürften sonst die Schweden et>vas tentiren. 

Damit wurdt mir mein Abscheid gegeben, also dass ich nichts 
mehr anbringen könnt. Ich habe sonst sehr viel particularia nicht von 
geringer Importanz zusammengetragen, aber mit den Abschriften noch 
zur Zeit nicht fertig werden können und gleichwol den Post Reuter 
länger nicht aufhalteij mögen. Damit E. Gh.. D.' wissen möchten, wel- 
ches ich jetzo gleich durch vertraute Personen in Erfahrung gebracht, 
dass an die Herrn Regiments Räthe, zuwider allen denen mir gege- 
benen Erklärungen' und sonsten gethanen Vertröstungen, solle sein ge- 
schrieben worden, sie möchten E. Ch. D. rathen, dass Sie sich des 
Regiments bis zur Belehnung enthalten und dadurch Sr. Kön. Maj. und 
der Reipublicae Favor zu gewinnen und alle Ihre Sachen zu facilitiren 
suchen. 

In unterthänigstem Vertrauen hab E. Ch. D. ich nicht unvermelt 
und unverwarnt zu lassen, dass ich |:die gedachte Caution gleich jetzo 



') Bei Abschlnss des Btnmsdorfer Waffenstillstandes 1635. 



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P^A I. Preassen und Polen. 

um mehrer Sicherheit verbrenut, und dass dieselbe nicht von mir, son- 
dern zu Berlin concipiret, und die Clausul „pro nobis" etc. darinnen 
nicht zu finden; darum wird es hochnötig sein, dass E. Ch. D. die 
Copey, davon der Herr Cantzler mir neulichen eine Abschrift geben 
lassen, zu sich nehmen.:) — 
Postscriptum. 
E. Ch. D. soll ich auch in Unterthänigkeit nicht unvermeldet las- 
sen, dass ich vor dem wol so viel vermerkt, dass man |:das homagium 
anzunehmen sich« ufifs wenigste so lang verweigern werde, bis der 
Stände vermeinte Beschwer abgeschafft und der vornehmsten Senato- 
ren, insonderheit des Koniecpolski Bedenken, dazu des Cantzlers Mei- 
nung nach wol vier Wochen erfordert werden wird, einkommen sein. :| 



Der Kurfürst an Ho verbeck. Dat. Königsberg 9. Jan. 1641. 

[Hoverbeck soH bei der Proposition der beiden officiellen Gesandten gegenwärtig 
sein und eventuell sie selbst übernehmen.] 

1641. Wir haben Unsern Abgesandten an den Königl. Hof hiebei zuge- 

9. Jan. schrieben*), was sie bei der Kön. Maj. ünserentwegen ferner zu pro- 
poniren und anzubringen und danebst Unserm Landvoigt zu Schacken *) 
gnädigst anbefohlen, dass er die Proposition in Euerem Beisein able- 
gen und verrichten soll. Wir verhoffen auch, dass er demselbigen ge- 
horsamste Folge leisten und gebührlich nachkommen werde. Sollte 
er dann Über alle Zuversicht solches nicht thun wollen, so seind Wir 
gnädigst zufrieden, dass es Unser Voigt zu Fischhausen') verrichten 
und vorerwähnte Proposition in Euerem Beisein ablegen möge. WUrde 
dann auch derselbige, dessen Wir Uns doch ganz nicht versehen wollen, 
solches difficultiren und zu verrichten Bedenken tragen, so ergehet 
hiermit an Euch Unser gnädigster Befehlich, Ihr •wollet bei Ihrer Kön. 
Maj. allein Audientz suchen und mehrgemelte Proposition Inhalts Un- 
sers an sie, Unsere Abgesandten, ergangenen Eescripts an- und vor- 
bringen. 

[Von demselben Datum Erneuerung des Creditivs für Hoverbeck.] 



') Abgedr. bei Orlich HI. p. 7 ff. 
■) Wolfgang V. Kreytz. 
') Johann v. Kospoth. 



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Irrungen mit den Spiring's. ' 55 

Die ObeiTäthe an Hoverbeck. Dat. Königsberg 23. Jan. 1641. 
(Conc. Königsb. Arch.) 

[Hoverbeck wird über die bei der Kechnungsrevision zu Tag gekommenen Verstösse 
informirt, die sich Abraham Spiring bei der Verwaltung der Seezulage hat zu Schul- 
den kommen lassen. Hochfahrendes Benehmen des Arend spiring.] 

Nachdem wir von dem Seezulags Verwalter Abraham Spiring die 23. Jan 
Rechnung vom vergangenen Jahr abe gehört und seine Exorbitantien 
corrigiret, möchten vielleicht seine Brüder am Hofe allerlei Querelen 
darüber zu fllhren sich unterstehen. Damit nun der Herr von einem 
und dem andern Gegenbericht und Information thun könne, keineswegs 
aber sich wo in controversiam einlasse, dass es zur Decision aldar 
komme, haben wir, wie es eigentlich bei Abhömng solcher Rechnung 

befunden, dem Hei-m nachfolgender Gestalt zuschreiben wollen. 

[In ihrem Bericht beziehen sieh die Oberrätbe auf 9 erläuternde Beilagen, 
welche fehlen.] 

Es haben auch bei solcher Abhörung der Rechnung sich Arend 
und Isaac Spiring angegeben, und um dasjenige, was aus dem Königl. 
Antheil Preussen zu Ihrer Kön. Maj. Portion gefallen, um Rechnung 
und Auszahlung angehalten. Nun hätte solches vermöge dem Köpe- 
nickschen Contract von Ihr Kön. Maj. Bedienten zum Eljbing und Brauns- 
berg eingenommen worden sein. Weil aber die Spiringe bei Introdu- 
cirung solcher Zulag vorgegeben, dass es mehr Unkosten uff laufen, 
als es ertragen würde, und angehalten, dass Ihr Kön. Maj. Bediente 
zugleich mit in der Pillau sässen imd einnähmen, welches. aber S. Ch. 
D. sei. Ged. , sich uff die Acta und Decreta Commissariorum A. 1609 
und Pacta Induciarum de A. 1635 ziehende, ganz durchaus nicht ein- 
gehen können, sondern sich das verbaten; Sie wollten schon uff Ver- 
suchen alles zusammen als das Ihrige in einer massa einnehmen und 
was es aus denselben Oertem tragen würde, deductis deducendis bona 
fide Ihr Kön. Maj. vermöge dem Köpenickschen Contract ohne einige 
Disquisition und Eechnung ausantworten lassen; und der Herr sich 
auch wol Selbsten erinnern wird, dass er selbsten dem König zu Däne^ 
mark versichert, dass niemand mehr an solcher Zulag, so in der Pillau 
eingenommen wird, als der Churfürst zu Brandenburg allein partici- 
pirte, auch keinem davon Rechnung zu thun schuldig wäre. Es hat 
aber der Abraham Spiring, wie wir es von seinem Schreiber haben, 
je alle zwei Monat ein Extract nach Elbing seinen Brüdern zugeschickt, 
was zum Königl. Theil gefallen wäre, und sich von ihnen belehren 
lassen, wie er den Extract fertigen sollt, welches, weil es wider seine 
Bestallung, auch geleistete Eide liefe, wir ihm, Abraham Spiring, sol- 



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5g I. PreuBsea und PoleD. 

ches hart verwiesen, dass er solche Extraeta nicht Ihrer Churf. Dchl., 
von der er ohne Mittel dependire, oder der preusßischen Kammer, son- 
dern solchen, die Sr. Ch. D. mit keinen Diensten, viel weniger mit 
Eid und Pflicht verwandt wären, communiciret hätte; und solche Ex- 
tracta von ihm erfordert, in welchen wir dann befunden, dass er von 
etlichen Waaren, so vor Introduction der Zulag ist eingenom- 
men und an S. Ch. D. berechnet worden, er, Abraham Spiring, 

dennoch Ihrer Kön. Maj. die Gelder zuschreibet; dann vors ander, so 
ist die Zulags Tax uff die Waaren absonderlich und uff die Schiffe 
auch absonderlich gerichtet, also dass von den Waaren absonderlich 
und von den Schiffen das Schiff- und Schreibgeld nach ihrer Grösse, 
wie viel Last Guts sie tragen können, ohn geachtet sie haben so viel 
ein oder nicht, auch absonderlich gerechnet und gezahlet worden. Er, 
Spiring, aber hat in solcher Abtheilung nur allein uff die Waaren und 
nicht uff das Schiff gesehen und die onera, die das Schiff tragen sollen, 
den Waaren mit zu geleget; von vielen Schiffen, so das Wasser im 
Königlichen Theil nicht berühret, sondern entweder in der Pillau ge- 
blieben . . . oder zu Königsberg gewesen, das Schiff- und Schreibgeld 
Ihrer Kön. Maj., hergegen auch von etlichen Schiffen, so zu Elbing 
und Braunsberg gewesen, welches Schiff- und Schreibgeld Ihrer Kön. 
Maj. auch allein zukommt, getheilet und etwas davon auch Sr. Ch. D. 
zugeschrieben; und über das vors dritte so hat er auch etliche ün- 
gelde, die Ihr Kön. Maj. nicht zu tragen zukommt, Ihr Maj. lassen init 
helfen zu tragen und also das Königliche und Churftirstl. Theil durch 
einander immisciret Wir haben aber solchen Extract ändern und nach 
dem Köpnickischen Contract und wie es von Alters vorm Schwedischen 
Kriege gebräuchlichen gewesen, formiren und eines von dem anderen 
separiren lassen, da dann die Differentz uff 225*) Rth. 85^ gr. zu Sr. 
Kön. Maj. Antheil weniger sich befunden, als es der Abraham Spiring 
gemachet. Wie aber Arendt Spiring solche Differenz vermerket, hat 
er die special Rechnung begehret; weil er aber solches zu thun aus 
obigen angezogenen Ursachen nicht befugt, auch er davon nichts in 
mandatis, als nur die Gelder zu empfangen, hat, als haben wir ihm 
auch solches gänzlich abgeschlagen, und ist ihm die von Sr. Kön. Maj. 
unterschriebene und gesiegelte Tax vorgeleget und demonstrirct, worin 
sein Bnider geirret; er aber ganz unverschämt in vieler Leute Beisein 
geantwortet, er hätte die Tax gemacht, aber der König und der Chur- 
ftlrst hätten sie nicht, sondern er hätte sie gefertigt, und bei ihm, als 



^) Oder 225 . Rtb. Die Lesung ist unsicher 



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Die SpiriDg's. VorhandlttDgon in Warschaii. 57 

der sie gemaehet hätte, stünde auch die Erklärung, wie sie sollte ver- 
standen werden. 

Dies ist also der Verlauf, so sich bei abgehörter Spiring's Rech- 
nung begeben hat; sollte nun von ihnen, Spiringen, etwas widerliches 
am Hofe beigebracht werden, so hat der Herr aus dieser Relation die 
rechte Beschaffenheit zu informiren. 
P. S. Da aber die Spiringe hierin nichts suchen oder vornehmen 
möchten, wolle der Herr auch dieses bei sich bleiben lassen 
und in geheim verhalten. 



Wolf V. Kreytz und Johann v. Kospoth an den Kurfürsten. 

Dat. Warschau 18. Febr. 1641. 

[lieber schicken das ihnen gestern mitgetheilte Concept der beabsich- 18. Feh. 
tigten polnischen Antwort auf ihre Werbung, welche „über alles Verhoifen 
E. Ch. D. Intention und ünserm Anbringen und Suchen in den wichtigsten 
Puncten fast zuwider ist**; indess hat man dabei die Vertröstung gegeben, 
•,dags es auf Unser Anhalten wol geändert und corrigiret werden könnte". 
Sie selbst haben gemeinsam mit dem Residenten die Punkte bezeichnet, wo 
sie eine Correctur wünschen. — Dabei 

Responsum Ser^i Electoris ßrandenburgici, in Prussia etc. 
Ducis etc. Legatis. 

[Ueberall tilgt die Correctur der brandenburgischen Gesandten die Er- 
wähnung der polnischen Respublica — „siquidem in Pactis nunquam nisi 
Kegni fit mentio**. 

Die erste Bitte des Kurfürsten betreffend — „ut per Legatos praesentes 
fidem et jusjurandum sibi ac Reipublicae [corr. Regno] debitum, data pariter 
iisdem in nomen et personam Ser""» Electoris investitura, reciperet*' so wird 
dieselbe mit Berufung auf die Verträge abgelehnt und auf dem persönlichen 
Erscheinen des Kurfürsten bestanden, wofür der König einen T^ermin an- 
beraumen wird. Die Gesandten schreiben dabei: Assignetur tempus extra 
Comitia juxta declarationes Regias. 

In Betreff der XJebertragung der Regierung an den Kurfürsten ante 
bomaginm praestitum, so wird der König Commissare nach Preussen 
schicken, um die darüber aufzusetzende sponsio vereinbaren zu lassen. An- 
merkung der Gesandten: Legatos vel Nuncios, neutiquam vero Commissa- 
rios Sua Ser*«* admittet. — 

Die vorläufige cognitio iurium, privilegiorum et imraunitatum Ducatus et 
Provincialium wird dem Kurfürsten freigestellt; bei der Beseitigung der Gra- 
vamina wird der König als Oberlehnsherr mitwirken. — 

Dabei dann Abschrift der corrigirten Antwort dat. Warschau 24. Febr. 24. Feb. 
1641, — • unterzeichnet von Kön. Yladislav, wörtlich entsprechend der bei 
Pufend. I. 22.] 



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58 '• PJ^öusBcn und Polen. 

Der Kurfürst an König Vladislav IV. Dat. Regiom. 

22. Febr. 1641. 

(Conc. von P. Bergmann Königsb. Arch.) 

[Der Kurfürst rechtfertigt die von ihm geschehene Ernennuog des v. Tettau zum 

Landhofhieister , statt des von dem König gewünschton v. Königseck, welcher das 

Amt des Oherburggrafcn erhalten hat.] 

22. Feh. Cura S. R. Mtis Vac verc Regia et patema, qua de locis dignita- 

tiim et offieionnn Ducatus huius Kostri vacantibus a Nobis adimplendis 
superioribus literis suis die 9 mensis buius datis, Ö. R. Mtas Va Nos 
admonere dignata est, non potest non esse Nobis gratissima. Cum 
vero Nos tarn in re ipsa quam in dcligenda persona, quam S. R. Mta« 
Va tarn benigne Nobis commendat, Bernhardo nempe Königseckio, a 
sententia et consilio Ejusdem non aberrasse intelligamus, maxime Nobis 
gratulamur. Etenim pro Nostro in Ducatum hunc utili ac immediato 
dominio (quod S. R. Mtas V» eo ipso, dum directum suum dominium 
allegat, confirmat; directum enim doinini supremi jus utile jus vasalli 
praesupponit et infert) adhibitis ad id consiliariis Nostris supremis, 
statim postquam praefatus[?] Kreytzius^) mortem obiit, munus ab ipso 
derelictum Johanni Eberhardo Tetta\io ob Burggravii officium, ut et 
alia ante munia fidelissime gesta, de Nobis et Praedecessoribus, im- 
primis D. Parente Nostro optime merito commisimus. In huius vero 
locum, Burgrabiatum nempe, dictum Königseckium imposuimus, utro- 
que id debito observantiae studio accipiente. Cuius rei causam hanc 
profecto habuimus praecipuam, quod viros illos non virtute tantum pro- 
pria, sed etiam S. R. Mtis Vae gratia poliere maxime noveramus. 

Quod si vero eam mentem fuisse Ö. R. Mtis Vae, ut Königseckium 
ad Praefecti provincialis dignitatem potius, quam alium locum evehen- 
dum esse judicaret, compertum antea Nobis fuisset re adhuc integra, 
lubenter eam (salvo jure Nostro) secuti fuissemus. Jam autem si Tet- 
ta\ium omni praemio ac honore dignum pro niore non in Ducatu so- 
lum hoc, sed et in Regnis et aliis dominus ö. R. Mtis Vae (sicut et 



') Andreas von Kreytz seit 1628 Landhofmeister, t 24. Januar 1641; sein 
Nachfolger ist Hans Ebert von Tcttau, svii 1G36 Oherburggraf. (Erläutertes 
Preussen l. p. 88.) Pufendorf 1. 23 hat die Personen verwechselt; der von dem 
König zum Landhofmeisteramt empfohlene ist nicht Wolfgang von Kreytz, der Ge- 
sandte des Kurfürsten, sondern Bernhard v. Königseck; ebenso verwechselt Pufendorf 
L 24 die Personen; statt des dort genannten, bereits gestorbenen, Andreas ist Wolf- 
gang V. Kreytz zu verstehen. — Die preussischen Oberräthe sind nun: Tettau als 
Landhofmeister (f 1653), Königseck als Oberburggraf, Fabian v. Ostau als 
Kanzler (,t 1645), Ahasverus v. Brandt als Obermarschall. Vgl. ErlUut. Preussen 
a. a. O. und v Orlich I. p. 25y. 



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Der neue Landfaofmeister. 59 

aliorum Prineipum) ab antiquo immemoriali tempore reeepto (qui om- 
nium legum interpres est) in superiorem loeum evectum nunc sine 
causa ab illo rejicere aliumque illi praeferre vellemus, id ipsi S. ß. 
Mti Vao haud placitumm, neque Königseckium pro modestia sua pas- 
suram esse arbitramur. 

Minime vero literas S. K. Mtis Vae ita interpretamur, ac si jus No- 
strum hoc tempore praeficiendi sponte Nostra officiis Ducatus huius 
Ministros (quod et consiliariis Nostris supremis in absentia Nostra se- 
cundum leges fundamentales competeret) in dubium vocaretur; post- 
quam maxime munere Nostro oblati per legatos homagii, petitae in- 
vestiturae, insinuatae etiam cautionis de praestando, ubi a Nobis postu- 
iatum fuerit, justo tempore in persona et re ipsa homagio, iam pridem 
defiincti fuimus. Hoc enim facto Nos et successores Nostros authori- 
tate Nostra regere Ducatum hunc jussit ipsa S. R. Mta« V» sacrosancto 
suo diplomate declaratorio D. Parenti Nostro divae memoriae in ipso 
investitiirae suae a S. R. Mte Va peractae limine tradito *). Quod qui- 
dem omni feudi successorii naturae innititur, Nostrisque pactis feuda- 
libus consentaneum est. Huic itaque standum Nobis fore censemus, ac 
in usu huius libero ö. ß. Mtem Vam Nos constanti benignoque anirao 
factoque ipso conservaturam ac protecturam certo confidimus. — 



V. Kreytz und v. Kospoth an den Kurftlrst3n. Dat. Warschau 

23. Febr. 1641. 

[Bericht über die Audienz beim König; lange mit ihm geführte ünterreclang in 
Betreff der Regierungsübernahrae des Kurfürsten.] 

Deroselben wir ferner gehorsamst nicht verenthalten , dass be- 23. Feb. 
langende auch die Continuation des Landtags, wie hochgedachter Herr 
Gross Canzler niemals derselben entgegen gewesen, also dieselbe auch 
alle Mittel gebraucht, damit die deswegeil von Sr. Kön. Maj. geschöpfte 
Offen» mitigirt werden möchte und um deswillen des Herrn Woyewoden 
von Pemau Schreiben nicht also gleich nach der Praesentation über- 
geben wollen; aber des ungeachtet haben S. Kön. Maj. ihm dennoch 
Befehl gegeben, er sollte an hochwolgemelten HeiTn Woywoden schreiben, 
dass Sie'» sehr missfällig aufgenommen. Wie er hiemit im Werke ge- 
wesen, ist eben zu rechter Zeit E. Ch. D., der Herrn Regiments Käthe 
und der Stände Schreiben in dieser Materie alhier ankommen, welche 
auch also gleich durch E. Ch. D. Residenten dem Herrn Gross Canzler 



*) Das Boßponsum Cracovienae vom J. 1633. S. not. ad 10. Dec. 1640. 

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gQ I. Prensaen und Polen. 

eingehändigt worden, auf dasB Ihre Kön. Maj. vor unserer bevorstehenden 
Audienz solche zu Händen bekommen mögen; welche uns auch den 18 
dieses gnädigst verstattet, darzu wir mit zween Karossen durch den 
Herrn Dietrich Dönhoff, Ihrer Maj. Kammerherrn, geholet worden. Ehe 
aber dieses erfolget, hat Herr Gross Canzler uns durch E. Ch. D. Re- 
sidenten berichten lassen, wie er es bei Ihrer Kön. Maj. dahin ge- 
richtet, dass die Parenthesis, darinnen E. Ch. D. gleichsam verwiesen 
wird, dass Sie proponiren lassen, Sie hätten den Regiments Räthen vor 
der Oblation die Regierung aufgetragen, wie auch der Name Commis- 
sariorum und was von Beredung gewisser Conditionen bei persönlicher 
Zusammenkunft beider Potentaten erwähnt worden, >vie alles die tiber- 
schickte corrigirte Abschrift mit mehren ausweist, sollte ausgelassen 
werden'); in denen drei Hauptpunkten aber wegen der Zeit zum Ho- 
magio, der Regierung vor Renovation der Investitur und imraediate 
Abschaffung der gravaminum, dabei Sie gleichwol auch der Commission 
mit gedenken niöchten, würden sich S. Kön. Maj. gegen uns selbst 
auslassen. 

Alles wurdt, wie voa Sr. Hochw. und Gn. zu sonderbarem Dank, 
also bei der Audientz in Acht genommen und, nächst gebührender 
Danksagung vor Communication des ersten Concepts ihres Responsi, 
die dem Herrn Gross Canzler in etlichen Puncten gegebene Resolution, 
wie auch abermalige gnädigst persönliche Verstattung 

1) betreflfend die Zeit angebracht, S. Kön. Maj. geruheten sich gnädigst 
zu erinnern, wessen Sie sich in diesem Punct zu unterschiedenen Malen 
.erklärt und dabei bedenken, dass Ihr eigenes Interesse und Hoheit 
darunter versire, dass E. Ch. D. hierinnen gewillfahret und der Actus 
vor dem Reichstage verrichtet werde. 

2) anlangend die Administration ante homagium, wären wir zum 
höchsten dadurch betrübt worden, dass S. Kön. Maj. dero favorable Re- 
solution durch andere ausbringen und uns die Ehre nicht gönnen wollen, 
dass wir uns bei E. Ch. D. und dem ganzen Vaterlande, welches sich 
zum allerhöchsten hiernach sehnen thut, verdient machen mögen; da 
wir doch keine Ursach sehen, worum S. Kön. Maj. hierunter einige Be- 
denken tragen oder die Sach weiter auszusetzen hätten, sintemal wir 



') Die betreffende Stelle hatte gelautet, man könne von dem persönlichen Er- 
scheinen des Kurfürsten Eur Belehnung nicht ablassen, „potissimum cum et 

conditiones, de quibus in ejusdem Ser*i* praesentia commodins tractari possit, ultro 
citroque stabiliendae [sint]". Dazu hatten die Gesandten bemerkt: .deleantur omnia, 
si quidem sapiunt novum feudum*. Die Schlussredaction dcr^ königlichen Antwort 
bat Pufendorf I. 22 wörtlich Übertragen. 



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Der Regierungsantritt. gj[ 

nicht allein der vorigen, sondern auch gar dero Herrn Vätern hochsei. 
Anged. Exempel vor sich haben. So wäre es auch 

3) klaren Rechtens, dass E. Ch. D. abolitio gravaminum, Sr. Kön. 
Maj. die cura und Oberaufsicht, damit solches vor Abnehmung der Eid 
und Pflicht der ünterthanen v^irklich verrichtet werde, zustehe. 

S. Kön. Maj. erklärten sich hierauf: Sie hätten durch dero Canzler die 
Delineation des Responsi communiciren lassen, hätten sich albereit in 
etlichen von ihm hinterbrachten Puncten dergestalt erklärt, .dass wir 
wol wurden zufrieden sein; diese drei von uns angebrachten puncta 
wären auch albereit vom Herrn Gross -Canzler erwähnt w^orden. Es 
würde uns wol wissend sein, wie fast alle Senatoren die Abnehmung 
des homagii auf einen allgemeinen Reichstag verwiesen und was des- 
wegen im nächst gehaltenen consUio vor Schwierigkeiten vorkommen; 
Sie hätten sich aber demselben opponirt, aber doch den Remiss uflF 
einen Reichstag nicht anders aufzuhalten vermocht, dann dass Sie die 
Erklärung an sich behalten; damit Sie uns aber nicht so gar descon- 
solirt, wie Sie geredet, von sich lassen, wollten Sie uns die Zeit be- 
nennen, dass es im October etwa acht Tage nach Francisci sein sollt. 

Dass die Erklärung ratione administrationis nicht jetzo gleich er- 
folgt, wäre unsere eigene Schuld, weil wir keine sufficientem cautionem, 
als das Krackowische Responsum erfordere, mitbracht; Sie wollten 
aber durch dero Commissarien eröflhen, was der Senat darinnen de- 
siderire und ihnen mitgeben, dass, sobald dasselbe würde suppliret sein, 
sie E. Ch. D. die Administration auftragen sollten. 

Dass E. Ch. D. die gravamina abschaflFen und sich mit Ihren Stän- 
den vergleichen, damit wären Sie gar wol zufrieden; es könnte aber 
ein Vergleich in praejudicium tertii getroffen werden; derentwegen 
wollten Sie dero Commissarien dabei haben, welche auf Ihre und der 
Reipub. Jura Achten geben. Eins hätten wir vergessen, so auch hiebei 
erinnert werden sollen, dass die Ihrige nicht Commissarii, sondern Legati 
genannt werden möchten, und würden Sie wol gemerkt haben, dass 
Sie dieselbe allemal mit Fleiss Commissarien genennet hätten, aber 
nun nenne Sie dieselbe Legaten. 

Dies nahmen wir zu unterthän. Dank an, mit Vermeldung, dass 
es wol gewiss von uns nicht unerinnert wäre gelassen worden, wann 
uns der Herr Gross Canzler Sr. Kön. Maj. Erklärung nicht hätte vorher 
wissen lassen. Dagegen wird mit unterthänigstem replicirt, obwol E. 
Ch. D. viel daran gelegen, dass alles was des homagii halber zu ver- 
richten, je eher je lieber verrichtet werde, dieselbe sich auch die HoflF- 
nung gemacht, dass solches etwa gegen Pfingsten würde geschehen 



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ß2 I* PrenBsen und Polen. 

können, so möchten Sic dennoch der von S. Kon. Maj. angesetzten Zeit 
halber zufrieden sein, wann Sie nur dabei versichert wären, dass in-, 
zwischen kein Reichstag gehalten werde, alldieweil zu besorgen, die 
Stände dürften sieh in die Sach mischen und dadurch E. Ch. D. in 
die Weitläuftigkeit, als dero Gross Herr Vater vor sich gehabt, ziehen, 
und, da es nicht geschehe und E. Ch. D. sine prorogatione Comitiorum 
praecedentium den actum verrichteten, dasselbe vor einem defectum 
anziehen. 

S. Kön. Maj. deducirten in der Duplica, dass es gleich wol viel besser 
und zuträglicher wäre, die Zeit nach, als im währenden Reichstag an- 
zusetzen. 

Ob wir nun avoI bei der Triplica derselben hierinnen nicht so gar 
abfielen, so thaten wir doch aufs neue unterthänigste Vorstellung, dass 
auch nach dem Reichstag die Zeit anzusetzen sowol deroselben, als 
E. Ch. D. nachtheilig sein Avürde; Ihr zwar, weil dadurch die wider- 
sprechende ihre Intention, dass S. Kön. Maj. den Reichstag zu erwarten 
und denen meisteli Stimmen zu folgen hätten, erreichen; E. Ch. D. 
aber, dass auf dem vorgehenden Reichstage viel protestationeis einge- 
wandt oder neue conditiones dürften vorgeschlagen und angemuthet 
werden. 

In Quadruplica vermeinten S. Kön. Maj. allen Difficulteten damit ab- 
zuhelfen, dass Sie die Zeit des homagii wollten publiciren, auf dass 
es nicht das Ansehen gewnne, ob war der Reichstag dieser Sachen 
halber angesetzct worden; würde nun derselbe ohne Opposition glück- 
lich geschlossen, so hätt es seine Richtigkeit, würde er sich aber zer- 
schlagen, wie es dann wol, wann die Materien, so darauf vorkommen 
sollten, considerirt werden, fast nicht anders sein könnt, und das Ho- 
magium würde doch zur bestimmten Zeit abgelegt, so käme man ein- 
mal aus dem errorc, dass vordem alle diplomata ex prorogatione ge- 
geben, welches jetzo ^dcl^ältig angezogen w-erde; die Curländer wären 
darinnen vorsichtiger gewTsen, welche ihre diplomata erstlich im Feld- 
lager vor Potocko und alle andere zur Wilde') und also nicht einst in 
loco Comitiorum datirt haben. Die protestationes würden entweder 
privatae sein, die könnten nicht schaden, oder aber publicae, welche 
man durchaus nicht würde admittiren. 

Quintuplicando wurdt der metus angezogen, es dürften die Stände 



') Wilna, Ilauptstadt des Grossfürstentliums Littauen. Das Herzogthuin Cur- 
land war ursprünglich littauiscbes Lehen (seit 1561). Lengnich Jus. publ. Regni 
Polon. I. p. 47. 



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Der BegieraDgsantritt. ß3 

fidch SO opiniastriren, dass sie zu keiner Sache schreiten wollen, es wäre 
dann von S. Kön. Maj. declarirt, dass sie sowol als der Senat ad consi- 
lium super homagio mit gezogen werden. 

Der König sextuplicirt, der ganze Senat habe ihm dagegen cavirt, 
dass, wann gleich dieses einigen Punets halber sich der Reichstag zer- 
schlagen sollt, wollten sie doch die dritte Ordnung nicht zulassen, daran 
dknn E. Ch. D. sich vcrholfentlich würden vergnligen lassen. Betreffend 
das regimen ante homagium, so wären wol etlich Ding vorgangen, 
welche die Sach nur schwerer gemacht, da sie doch eine Weil und 
gar wol bis zu jetziger Zeit hätten verbleiben mögen, als nämlich die 
Bestellung des I^andhofmeisters und Continuation des Landtags, davon 
Sie kurz zuvor sowol E. Ch. D. und der Herrn Regiments Räthe, 
als der Stände Schreiben verlesen, und wären Sie nun wol, weil ohne 
das der angesetzte Termin heran nahe, gnädigst zufrieden, dass der 
Landtag continuirt werde; des andern auch ungeachten, wir wollten 
die Punct, welche der Senat in die Caution will inserirt wissen, er- 
öffnen; es wären aber nicht neue conditioues, sondern solche Sachen, 
darzu E. Ch. D. ohne das verbunden, dass Sie nämlich alles was de- 
viiret, wieder einrichten; sobald die Caution also würde supplirt sein, 
sollten die Legati ohn einigen weitern Verzug Ihr die Administration 
ebenennassen wie dero Herrn Vätern geschehen, auftragen; denn es 
ginge die Respublica in puncto dieses Leims sehr behutsam, in An- 
merkung, es möchte als von einem so mächtigen Fürsten und vasallo 
das Lehn dermaleins von der Respublica gar abgewendet werden wollen; 
derentwegen insistirten Sie den vorigen exemplis. S. Kön. Maj. wüssten 
sich zwar wol zu erinnern, was da im Krackowischen Responso E. Ch. 
D. versprochen; so würde auch uns nicht unbekannt sein, dass viel 
protestationes wider dasselbe auch vom Krackowischen Bischöfe selbst 
eingewandt worden; allein die Leute bildeten ihnen von demselben 
was anders ein, als es in sich hält, und wären etliche also gesinnt, dass 
sie nur ihre eigene foetus lieb haben und was nicht von ihnen kommt, 
widersprechen. Es könnte aber in puncto regiminis denen vorigen 
Exempeln und dem Krackowischen Responso zugleich ein Gnügen ge- 
schehen, wann die Caution gefordert und angenommen und die Admini- 
stration, Bö wie dieselbe gewesen, welche der Schepanski E. Ch. D. 
Herrn Vätern conferirt, gegeben würde. 

Wir erinnerten septuplicando, dass durch solche Procedur E. Ch. D. 
dennoch zu kurz geschehen und es das Ansehen damit gewinnen würde, 
ob succedirten Sie nicht in die Administration, sondern hätten zu war- 
ten, bis Ihr dieselbe cum solennitate deferirt werde. 



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Q4 '■ I^reussen und Polen. 

Darauf schlugen S. Kön. Maj. in der Oetupliea, aber doch mit Vor- 
behalt eines weitem Nachdenkens, das Mittel vor, es möchten die Legati, 
sobald ihnen die Caution eingeliefert würde, privatim ohn einige So- 
lennitet die Administration auftragen. Von denen punctis inserendis 
eröfl&ieten Sie die folgende 1) dass des Commendanten in der Pillaw 
Eid nach der alten Form wieder eingestellt 2) die katholische Kirche 
in rechtem baulichen Wesen erhalten 3) besser dotirt und 4) zum exer- 
citio an der Gränzen nacher Polen Kirchen gegeben würden. 

Dagegen wurdt Sr. Kön. Maj. remonstrirt, dass obwol E. Ch. D. 
Herrn Vätern Chf. Dchl. so viel nicht vor sich gehabt, als E. Ch. D. 
durch das Krackowische Kesponsum erhalten, wäre doch demselben von 
Sr. Kön. Maj. hochsei. Anged. mehr conferirt worden, dann S. Kön. 
Maj. jetzo antragen; dann ob Sie wol tempore die Regierung etwas 
später überkommen, so wäre es doch vor ein mehr und höhers zu 
achten, weil solches ohn einige Condition geschehen, da man mit E. 
Ch. D. itzo allererst handeln wolle. S. Kön. Maj. antworteten, dass es 
besser war, anjetzo von den Conditioneu zu reden, dann gegen die 
Zeit des homagii, wie solches bei dero Herrn Vätern Belehnung ge- 
schehen; wann man aber schon in Possession sei und. die Sach habe, 
so verstehe man sich nicht leicht dazu. 

Endlich wurdt Sr. Kön. Maj. auch gegen die benannte Conditionen 
eingewandt, dieselbe w^ären also beschaffen, dass sie entweder gar nicht, 
wie das erste, oder doch nur bittsweise, wie das dritte, nicht aber per 
modum conditionum könnten gesucht werden: was die katholische Kirche 
und das Exercitium betriffi, wäre es A« 1611 ajbereit mit E. Ch. D.' 
Gross Herrn Vätern hochlöbl. Ged. auf gewisses verhandelt. 

S. Kön. Maj. erklärten sich zum Abschiede, Sie wollten die abge- 
redete Puncta dem Canzler zukommen und uns das Responsum noch 
einmal communiciren und Ihr nicht entgegen sein lassen, wann etwas 
mit Fug, das nicht eine Neuerung in sich hielt, dabei erinnert wtirdt. 

Nach diesem wir auch nöthig befunden, den Herrn Erz Cämmerer 
zu ersuchen, denselben dahin zu vermögen, [dass] ob er gleich sich 
übel auf befunden und dahero eine ziemliche Zeit nicht zu Hofe ge- 
wesen, E. Ch. D. Sachen sich der Gewohnheit nach, desfalls wir ihm 
billig hohen Ruhm geben müssen, anzunehmen und Ihre Kön. Maj. da- 
hin disponiren zu helfen, damit unserm billigen Anbringen möge de- 
ferirt werden, w^elches derselbe nach lang gehaltener gründlichen Unter- 
redung und Envägniss sich dazu treulich erboten, es auch, wie wol 
ehe nicht als gestern, verrichten können und uns durch E. Ch. D. Resi- 
denten, welcher die Antwort und Nachrichtung einnehmen sollen, so 



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Der Regierangsan tritt g5 

weit Erklärung gethan, dass der Herr Gross Canzler uns Ihrer Kön. 
Maj. endliche beharrliche Meinung andeuten würde, mit Remonstrirung, 
wie es S. Kön. Maj. zu E. Ch. D. besten alles wol meine. Wann wir 
dann nun uns auch bei Herrn Gross Canzler desfalls angeben lassen, 
und der Conferentz erwartend sein, als haben E. Ch. D. wir solches 
unterthänigst hiemit abermal eröflfuen und berichten müssen etc. — 



Puncta cum Ser^o Electore per Legates S. R. Mtis tractauda 

die 15 Martü A. 1641 *). 

(Königsb. Arch.) 

[Polnische Fordernogen an den^ Kurfürsten vor Uebergabe der Regierung, besonders 
in Betreff der preussischen Häfen.] 

1) Erbauung katholischer Kirchen „in slngulis districtibus Ducatus^. 15. Man. 

2) Dem König steht die Inspection des Pillauer Hafens zu. 

3) Ad praefecturam Pillaviensem , a qua salus omnis et securitas 
Ducatus atque adeo totius Regnidependet, Sermus Elector tres Candi- 
datos e Ducatu, nobili antiquo genere ortos, in re bellica exercitatos 
S. R. Mti proponat, e quibus uni id muneris S. R. Mta» deferet eum- 
que confirmabit salva correctura formulae juramenti, quo Gubernator 
ille obstringendus erit 

4) Die Garnison von Pillau soll einen höheren als den gewöhnlichen 
Sold erhalten. 

5) Arx Memelensis cum exactiore munitione indigeat, in eaque 
multum sit situm Reipublicae, idcirco in munienda ea Studium et opera 
ö. R- Mtis öeru»o Electori declaratur; atque hie omnia, quae de portu 
Pillaviensi insinuata sunt, itidem ad portum eundem Memelensem re- 
ferri debent. 

6) Naves Hövelianas per Gustavum interceptas aere suo Ser»»«« 
Elector persolvat; ex occasione enim Sermi Electoris defiincti sunt in- 
terceptae. 

7) Ob eximia Bemhardi Könsigii *) erga S. R. Mtem et Electoralem . 
Domum merita suprema illa Ducatus Praefectura eidem deferatur idque 
post homagium praestitum. 

8) Spiringiis vigesimum nuramum ex teloneo Pillaviensi a Sermo 
Electore ratione laborum ac fidelium obsequiorum iuxta Pacta Portorii 



') Ohne weitere Bezeichnung. Es sind die Punkte, welche die polnischen Qe- 
sandten in Königsberg forderten , und worauf sich die Aeusserung des Kurfärsten 
vom 22. Mars (bei Orlich I. p. 66) bezieht, „dass Uns solche Sachen angemuthet 
werden, die Wir für ganz inpracticabel halten**. — 

Bernhard v. Eönigseck; veigl. ob. ad 22. Febr. 1641 p.5d. 
Mater, tur Gesch. d. Gr. KurrDrsten. I. 5 



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56 '- Preossen und Polen. 

et promissum Electorale in Orteisburg et Orodnae S. R. M^i iactam, 
concedatur. — 

König Vladislav IV- an d. Kurfürsten. Dat. Vars. 30. März 1641. 
(Eigenhändig; Königsb. Arch.) 

[Der KÖDig meldet dem Kurftirsten den festgesetzten Termin zur Belebnung und 
ermahnt ihn zur WiUfllhrigkeit auch gegen seine Wünsche.] 

30 März Serme Elector aiSnis uti tili charissime. Etsi paulo ante per Gen. 
Kosbut Dil. V. literis meis cei*tiorem feci de tempore ad praestandum 
homagium investituramque recipiend«am a me designato easque literas 
Dil. V. recte redditas minime dubito: nichilominus pro patenio in Dil. 
V. affectu iterato id ipsum per Generosum Kreicium legatum Dil. V. 
perscribendum censui, ut ita res et negotia sua disponat et aecommo- 
det, quatenus ad diem 8. mensis Octobris Varsaviam homagium prae- 
stitura investituramque solenni et consueto ritu receptura sese Dil. V. 
sistere possit. Quod dum pro paterna' in Dil. V. propensione iterato 
perscribo, tum certo miehi polliceor, tanto alacrius Dil. V. raeaeque 
intentioni desideriis meis sese coiiformaturum [sicj, quam evidentius ani- 
madvertet, in votis Dil. V. adimplendis me esse solicitum. De cetero 
Dil. V. felicem omnium rerum successum firmamque precor incolumi- 
tatem. Dil. V. affinis et pater omnia bona desiderans — Vladis- 
laus Rex. 

Kurfürstliche Resolution dem KönigL Herni Abgesandten 

Graf Gerhard von Dönhoff wegen der Spiringe gegeben. 

Dat. 12. April 1641.. 

(Königsb. Arch.) 

[Der Kurfürst weigert Über die Seeznlage Rechnung abzulegen und die Einnahme mit 
deih Könige zu theilen. Rechtfertigung der Entlassung Spiring^s aus dem Dienst 
I des Kurfürsten.] 

12 Apr. Der erste von Kön. Maj. in Polen und Schweden Herrn Abge- 

sandten angetragener Punct betreflfende die Rechnung eingenommener 
zweijähriger Seezulage und gesuchte Medietät davon wäre also zu be- 
antworten : 

Es würde dem Kön. Herrn Legaten nicht unwissend sein, wessen 
sieh Kön. Maj. mit Sr. nunmehr in Gott ruhenden Churf. Dchl. hochlöbl. 
Anged. in dem Köpenickischen Vertrag desfalls mutuo obligiret und 
mit einander recipröce verglichen, dass nämlich S. Ch. D. zu irgend 
Abgebung einziger Rechnung nicht verbunden, sondern Kön. Maj. fidei 
et verbo Electorali trauen und was deductis deducendis Inhalt Contracts 



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Der Seezoll und die Afaseteung Spiring^s. ß7 

ttbrig bleiben würde, solches zwischen beeden Contrahenten ex semisse 
zu theilen, welches daü nicht pure, sondern vermittelst gewisser Be- 
dinge eingangen, unter andern, wenn Kön. Maj. die Landstände dazu 
würden disponiret haben, weiln die Seehafen zu Versicherung des 
Landes und pactorum induciarum würden müssen fortificiret und mit 
nothwendigen Guarnisonen versehen werden, dass ordines provinciales 
zu Tragung dieser Last der ünkostung, welche uff den Bau und En- 
tretenirung der Soldatesca in beiden Seehafen Pillau und Mümmel noth- 
wendig gehen müssten, sich accommodiren und uf sich nehmen wür- 
den; solches aber die sämmüiche Stände bis anhero unanimiter ver- 
weigert, wofern die Seezulage sollte continuiret werden, dass also beides 
zugleich nicht bestehen könnte. Weiln dan beide Porten praesidiis et 

munimentis zu unterhalten die eingenommene Seeanlage nicht 

zureiche : so versehen sich S. Ch. D., es werden Kön. Maj. weiter nicht, 
als der Contract vermag, gehen und von Sr. Ch. D. begehren wollen. 
[In Betreff def Continuation des Vertrags hält es der Kurfürst für besser, 
die Verhandlung aufzuschieben, bis die formelle üebergabe der Regierung 
erfolgt sei.] ') 

Die Erlassung Abraham Spiring's') wäre nicht zu dem Ende ge- 
schehen, Kön. Maj. im geringsten hiedurch zu nahe zu gehen, sondern 
, wären Ch. D. hierinnen dem Köpnickischen Vertrag, welcher nunmehr 
expiriret und vermöge welchem Ch. D. Diener pro beneplacito anzu- 
nehmen und wiederum zu erlassen, worunter in specie die Spiringe 
begriffen, gans^ freistehet, sonderlich uff inständiges Anhalten dero Land- 
stände und all derjenigen, so uff diese Orte gehandelt, nachgegangen, 
und hat sich nächst vergangene Jahr über in der That ereignet und 
befunden, dass der gefasste Unwillen in- und ausländischer Leute wider 
die Spiringe die Schiffarth und Traficq auf diese Ort und Hafen mächtig 
gehindert, der schiffahrende Handelsmann durch den verhassten Spi- 
ring'schen Namen und Importunität von diesen Orten abgehalten und 
seinen Curs anderswohin, mit nicht geringem Schaden dipser Lande 
und Schmälerung hiesigen Zolles und Nahrung, hergegen Uffwachs 
und Zunehmung des Handels an andern Orten, genommen. 

Derowegen dan Ch. D. aus obigen und andern erheblichen Ursa- ' 
eben mehr, damit es bei dem seefahrenden Handelsmann nicht mehr 
das Ansehen hätte, als müssten sie den Spiringen zu gut, wie sie sich 



') Sie erfolgte am 21. April 1641. 

^ In Betreff Spiring's b. die Einleit p. 21 ff. 28. Ueber den Act seiner Dienstent- 
laasnng Uegt kein spesielles Actenstück yor, so dass das Datum derselben nicht zu 
bestimmen ist. 

5» 

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ßg t. t'reussen und Polen. 

eingebildet, ihre Waaren verzollen, uflF eine Aenderung bedacht sein 
mUssen und den Spiring zu lieentiren, weil S. Ch. D. mit weit besse- 
rem Vortheil und geringem Unkosten durch andere hierzu verordnete 
Officianten und Diener das Zollwesen verwalten und einnehmen lassen 
können; gestaJt dan S. Ch. I>. annoch, bis uff dero weiteren Vergleich 
und Verordnung, die See-Anlage continuiren. — 

[In Betreff Elbings wird man sich bei dem neu zu schliessenden Ver- 
trag vergleichen köuuen.] 



König Vladislav IV, au den Kurfürsten. Dat. Pobylkowii 

28. April 1641. 
(Königsb. Arch.) 

[Der König erklärt seine hohe Misszufriedenheit mit dem Verfahren des Kurfürsten; 
er wiU einen eigenen Beamten in der Pillauer Zollkaramer anstellen zur Controlirung 

des polnischen Antheils.] 

28. Apr. Significavit Nobis Generosus Gerhardus Doenhoff Oecouomus No- 
ster Marienburgensis, quid respousi a Öc^rte V^ ratione institutae inter 
Nos et Seroauua olini Electorem Serti» V»« pareutein et in portu Pila- 
viensi continuaudae exactionis acceperit, nimirum (|uod Spiringiuni, qui 
toto hoc biennio fidelem Eideni Öeruio olim Electori et Nobis operam 
navavit, loco et functioue moverit, ueque ad uUas ratioues faciendas 
e proventu illo biennali Sertom \&m vigore pactoruni Kepuicensiuni te- 
neri, Nos vero solo verbo Electorali contentos esse debere. Quam au- 
tem Nobis id factum et responsum displicuerit, non attinct, multis verbis 
explicare; sed utut est, ad praesens öert» Vae id insinuandum censui- 
mus, ut interea, donec inter Nos de ulteriore coiitiniiatione mutuae istius 
exactionis non convenerit, in camera illa peculiaris a Nobis constitutus 
Administer assistat, qui uua cum Bertis Vae Procuratore ratioues illius 
peculii maritimi connotet ac quicquid partem Nostram coucemit, seponat 
neque in ullos alios usus eam pecuniam convertat, sed cam pro Nobis, 
tum et proventum, qui ex eivitatum Nostrarum gabellis provenit, re- 
servet. Quod quidem Öertem Y&m facturara esse confidimus. — 



Cautio Serenissimi Electoris. Dat. Regiomonti 20. April 1641. 

20 Apr. [Orlich I. p. 6T gibt die ursprüngliche Redaetion dat. 12. Deo. 1640. — 

Bei dem wirklichen Antritt der Regierung (21. Apr.) aber wurde dieses 6e- 
löbniss des Kurfürsten in einer anderen, corrigirten Form übergeben, dat. 
20. Apr. 1641 ; sonst übereinstimmend, dann aber an der Hauptstelle — spon- 
demus, Nos pactis feudalibus in omnibus satisfacturos , Dueatum juxta pri- 
vileg^a guberuaturos ; i>i quid etianl praeteritis temporibus a Pactis feudali- 



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Die Absetzung Spiring*8. gQ 

bns per iniquitatem* temporum receFsit, id ad orbitam Ruam et normam eo- 
rundem Pactorum et Jurium quorumvis redacturos correcturos et revocaturos 
homagiumque nostrom etp.] ') 



König Vladislav IV. an den KiirfUrsten. Dat. Pobolkowii 

22 Mai 1641. 

[Erneute Rec^amationen des Königs wegen der Entlassung Spiring's; er droht mit 
Aufhebung der ganzen Seezulage.] 

Herme Priuceps, cognate uti fili Noster charissime. Praeter omnem 22. Mai. 
spem ac expectationem Nostrara accidit, quod Öpiringius a Sermo olim 
Bertis Vae Parente aece.dente No8tro assensu constitutus in Camera et Portu 
Pilaviengi maritimarum rationum Procurator loco et functione insciis ac 
inconsultis Nobis sit amotus, cum tarnen aliud tarn per Legates Nostros 
quam Generosum Oeconomum Mariaeburgensem, quem de industria hac 
solum de causa ad Öertem V^m Ire jusseramus, efflagitaverimus. Pro- 
fecto longe Nos alia spes de filiali Sertis Vae erga Nos animo ac cultu 
tenuit, nimirum potiorem respectum patemae Nostrae erga se voluntatis 
et officiorum rationem, quam eorum consiliorum, .quae Serti y&e neque 
honorifica neque tuta ac penitus a tiliali cultu aliena sint, fuisse habi- 
turam. Non possumus itaque hoc praepostero facto non commoveri. 
Quod enim attinet Pacta Kepnikensia, quibus cautum sit, ut Spiringius, 
qaoties Sernio Electori placeret, amoveretur, ea tam stricte non erat con- 
veniens et aequum interpretari, ut nihil propterea Nobiscum fiierit ne- 
cesse communicari aut Nostram explorare vel expectare voluntatem. 
Neque ea, quae in personam dicti Spiringii a male consultis confingun- 
tur, factum excusant, cum et istius modemi Exactoris a öerte V* super- 
inducti par sit ratio natura et una fere origo, ut potius quidquid actum 
vel agendum sit ad derogationem authoritatis Nostrae Regiae vergat, 
quod non tam öertis V«« voluntate, quem natura, institutione ac maiorum 
exemplo in Nos sanctius propenderef non ignoramus, quam novis et in 
speciem arridentibus quorundam suggestionibus excogitatum credimus, 
ut idcirco pro paterno Nostro aflfectu partes Nobis sumpserimus cum 
Serti Va expostulandi , ne ab eiusmodi initiis et ingratiis gubemacula 
sibi credita sumenda et ordienda existimet, magisque maiorum suorum 
respiciat vestigia, qui, quoad cum dermis Regibus Poloniae Divis Prae- 
decessoribus Nostris amicitiam coluerunt, tantum abest, ut aliquid de 
dignitate et amplitudine deperdiderint, quin utrumque potius cumulate 



*) Der Sinn der Verllnderung ist, die Nennung der Oravamina zu umgehen, um 
nicht damit dem König eine Gompetenz in Betreff derselben zuzugestehen. Diese 
zweite Fassung ist auch richtig benutzt bei Pufendorf i. 24^ 



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70 '• PreoBsen nnd Polen. 

adauxerint et perpetim floruerint. Haec Noster eximiuß in Sertem Vw» 
amor et aflfectus exprimere suasit, qui semper erga Sertem Vam constans 
et perpetuus vigebit, quamdiu Sertas V* filialera erga Nos observantiam 
ac fiduciam retinuerit et mutuis Nobis officiis corresponderit, de quo 
nihil ambigimus. Ad praesens autem ita Nos declaramus, nisi Sert«» 
Vä voluntatem Nostram circa hanc exactionem ad Portmm Pilaviensem 
acceptaverit, Nos illico negotium totum ac exactionem, excepto eo quod 
antiquitus vocant Pallgeld, suspendere et abrogare, neque ulterius con- 
tinuari velle. Quod reliquum autem est Serti V«e bonam valetudinem et 
prosperitatem precamur. Dat. etc. Serti« V*« affm«« pater Vladislaus Rex. 

Der Kurfürst an König Vladislav IV. Dat. Regiomonti 
5. Juli 1641. (Conc.) 

[Entschuldigung und Rechtfertigung wegen der Spiring'scben Angelegenheit.] 

5. Juli Serenissime et potentissime Rex, Domine cognate et affinis uti 
parens observandissime. Si uUa opinione vel coniectura saltem id asse- 
qui potuissemus, fore ut ob Spiringium a ministerio Nostro amotum 
offensionem Sac. Reg. Mti» Vae vel suspicionis alicuius umbram in- 
curreremus, nunquam sane consilium illud arripuissemus, sed vel cum 
incommodo Nostro et onere non mediocri diutius tolerassemus inutile 
illud pondus, quo reprehensionem Sac. Reg. Mtis V*e, quam pro patemo 
Suo in Nos iure litteris Suis die 22 Maii datis stringere placuit, evita- 
remus, quam quidem filiali Nostra erga Sac. Reg. Mtem V»m obser- 
vantia ferendam quamvis innocentibus Nobis esse ducimus. Attamen 
rationes facti Nostri iustissimas modeste reddere a debito in Sac. Reg. 
Mtem Vam ccu parentcm officio haud alienum esse arbitramur. Arno- 
vimus muiicre, quo imprudenter et inique cum hominum, quorum ne- 
cessitate Nobis utendum erat, iniuria multorum querelis ad Nos delata 
terroreque mercatorum atque adeo cum dispendio et labe Nostra diu 
satis functus erat, illum, quem ab authoritate et arbitrio Nostro in ge- 
rendo et in abdicando munere isto dependere Sac. Reg. Mtae Va iusserat. 
Ut enim de jure Nostro feudali , quod in portubus Nostris obtinemus, 
de conventione etiam Copnicii inter Sac. Reg. Mtem Vam et Sermum 
Dominum Parentem Nostrum piae memoriae inita, ubi clara et per- 
spicua pacta eam potestatem pro libitu removendi hominem illum Nobis 
tribuunt et confirmant, taceamus, recenti memoria Sac. Reg. Mtia Vae 
haerere arbitramur, quod ipsa dudum ante diem contractus teloneanei 
elapsum dicto Sermo Parenti Nostro per ministrum eins Hueverbecium 
declaraverit, non displiciturum uempe Sac. Reg. Mti Vae, gl Sua Ser*«« 



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Die Absotsnng Spiring^s. 71 

et pcrsonam istam et locum telonei cxigendi quovis tempore sponte 
6ua mutaret. Ea vero potestas postmodum neque Sermo Parenti Nostro 
neque Nobis uUo, pacto erepta fuiti Quod enim postea per illustrem 
Dominum Comitem Oeconomum Marieburgensem de voluntate Sac. Reg. 
Mti» V«« Nobis expositum fuit, id tardius re ante iure Nostro peracta 
et non amplius integra factum neque mutari aut revocari uUatenus 
potuisse procul dubio novit Sac. Reg. Mtae V*; in eo autem (teste con- 
ßcientia Nostra) nihil animo deserendae observantiae filialis erga Sac. 
Reg. M'em Vam a Nobis actum, nihil ad derogationem authoritatis 
Eiusdem designatum nedum cogitatum fuit. Sed hoc potius Nos in- 
tendimus, ut negotium illud telonearium cum ipso die, qui superioribus 
tractatibus praefixus erat, iam elapsum et.re ipsa expiratum eo modo 
(si ita placeret Sac. Reg. Mti Vao) institueretur, quo Sac Reg. Mta» V* 
fructu eins et proventu, qui Copnicii et alibi postea Sac. Reg. Mti Ym 
promissus quidem certis conditionibus fuerat, sed hisce deficientibus 
praestari neutiquam potuit, re ipsa in posterum potiri posset sine omni 
Spiringiorum ministerio, quo carere quam uti Nobis longo utilius esse 
comperimus. Hoc enim Nostrum fuit consilium, cui etiamnum in- 
haeremus, quod honorificum, tutum et filiali Nostro in Reg. Mtem Vam 
cultui conveniens esse existimamus, quod etiam Illustri Domino Oeco- 
nomo proposuiinus Sac. Reg. Mti Vac referendum, et consiliario Nostro 
Hueverbecio commisimus Sac. Reg. Mii Vae latius explicandum. Pro- 
positum et constitutum profecto Nobis est semperque fiut, ut non tan- 
tum prima regiminis Nostri incunabula a cultu syncero et meritis in 
Sac. Reg. Mtem Vam singularibus auspicaremur, sed et toto vitae Nostrae 

progressu officiis istis Sac. Reg. Mti Vae debitis inhaerere- 

mus, cum praesertim eximium patcrnique instar propensum in Nos af- 
fectum Sac. Reg. Mtis Vae sentiremus, cui etiam expostulationem haue, 
quam malevolorum sinistrae interpretationes procul dubio in Nos im- 
meritos excitarunt, filialis Nostra adscribit submissio certo persuasa, fore 
ut Sac. Reg. Mtaa V* rationibus Nostris accuratiore lance expensis 
amorem suum redintegratura sit. — * 



Peter Bergmann an den Kurflirsten. Dat. Danzig 28. Mai 164L 

[Relation über seine Verhandlung mit dem Grafen Dönhoff in Marien- 28. Mai. 
bürg am 17. Mai. Er beweist zuvörderst das Recht, was der . Kurfürst ge- 
habt habe, den Spiring von der Zolleinnahme zu entfernen. Neben andern 
Gründen — ^so hätte die böse renomm^e der sämmtlichen Spiringe und 
also der verhasste Nam derselben bei allen Nationen, die uf Preussen tra- 
fiqniren, verursachet, dass viel weniger Schiffe in E, Ch. D. Hafen die zwei 



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72 I* PreasBon lud Polen. 

Jahr über kommen wären, als sonsten gewöhnlich gewesen, und also dem 
gemeinen Zollwesen grosser Schadeir geUian^. Der Kurfürst könne nicht 
darauf eingehen, dass der König einen eigenen Beamten bei der Zollein- 
nahme haben wolle, um seinen Antheil einzunehmen und zu überwachen; 
es sei ein alter Wunsch der Könige von Polen, einen Beamten in Pillau 
halten zu können, sei ihnen aber bis jetzt noch nie gestattet worden, lieber- 
dies sei auch die Entrichtung des Zolls zur Bequemlichkeit der Schiffe jetzt 
von Pillau nach Königsberg verlegt worden — was Dönhoff gleichfalls als 
eine Eigenmächtigkeit beklagt. — ] 



Zeitung aus Hamburg. Dat. 29. Mai 1641. 

(Abschr. bei der Relation v. Reichstag in Regensburg. Dat. 17. Juni 164h) 

9. Jimi. Aus Danzig hat man, dass der König in Polen sich sehr bemühet, die 

Spierung wieder in ihr voriges Amt des Pillauschen Zolls zu promoviren; 
weiln aber nach ihrer Abdankung die Gravamina selbiges Zolls sich nicht 
gemindert, sondern zugenommen haben, begehren die Preussische Stände 
die gänzliche Abschaffung desselben. Der Kurfürst zu Brandenburg soll 
in Person das preussische Lehen uff dem polnischen Reichtag zu empfan- 
gen Willens sein. Er hat Herrn Leuchtmam nacher Schweden abgefertiget, 
welcher vor 14 Tagen schon zu Danzig ankommen war und mit erstem guten 
Wind nach Stockholm zu segeln gehen wollte. — 



Instruction für Hoverbeck zu den Verhandlunjgen über die 

neue Seezulage. Dat. Königberg 28, Juni 1641. 

28. Juni. 1) Der, König soll von der Forderung ^eines adiuncti^ abstehen '). 

2) Der mit der Verhandlung betraute Königl. Gesandte soll eine Toll- 
macht mit dem Reichssiegel bekommen, die dem Kurfürsten zu übergeben; 
will der König dies wegen des jetzigen Reichstags nicht, so soll er einst- 
weilen sein Kammersiegel geben, aber nach dem Reichstag den Vertrag 
unter dem Reichssiegel ratificiren. 

4) Der Vertrag soll auf drei Jahre errichtet werden, aber mit dem Tod 
eines der beiden Contrahenten erlöschen; nach Ablauf der 3 Jahre soll es 
den Contrahenten frei stehn, den Vertrag zu prorogiren oder nicht. 

5) „Der Summen halber, so Sr. Kön. Maj. von Sr. Ch. D. jährlich auszugeben, 
hat er sich nicht auf ein höheres als aufs meiste auf fünfzehn tausend Reichs- 
thaler auszulassen, aber doch dabei von Sr. Kön. Maj., um die künftige 
Handlung zu facilitiren, so viel abzudingen, als immer geschehen kann und 
möglich sein wird, dazu er sich dann des Krön Vice Cantzlers Authorität 
und Cooperation gebrauchen und ihm auf solchen Fall, da ers bei Sr. Kön. 
Maj. dahin richten könnte, dass Sie mit itztbesagter Summe der 16000 Rth. 



') S. oben d. d, 28. April 1641 p. 68. 

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VerhandluDgen über den neuen Zollvertrag. 73 

zufrieden wären wegen Sr. Ch. D. etwan drei ') tausend Gulden Pollnisch 
jährlicher Pension, so lang dieser Contract und Einnahme währet, in höch- 
ster geheim versprechen mag." 

6) Wenn durch einen Krieg der an die Ostsee gränzenden Staaten der 
Handel in den preussischeu Häfen gehemmt wird, so will der Kurfürst zu 
keiner Zahlung an den König verpflichtet sein, w^ogegen der König seine 
übernommenen Verpflichtungen sowol wegen der littauischen Stände, als 
wegen anderer Widerstrebender aufrecht zu erhalten hat. 

Y) ^Nachdem auch zum Verfang und Schaden Sr. Ch. D. ZoU-intraden 
viel ausländische kostbare Waaren über Danzig auf dem Binnenwasser hier* 
über gebracht werden, als wollten S. Kön. Maj. Sr. Ch. Dchl. Mittel und 
Wege zeigen und derselbigen darunter die Hand bieten, wie dergleichen 
Emgriffe und ünterschleife verhütet und die ausländische Kaufleute sich in 
allen Sr. Ch. D. Seehafen zu gebrauchen bewogen werden möchten; dazu 
dann ein Zoll oder Anlage beim Baum aufm Pregel auf Maass und Weis.«, 
wie S. Ch. D. sich dessen mit dem Königl. Herrn Gesandten nach Anlei- 
tung voriger practichl^r Exempel wird vergleichen können, das sicherste 
Mittel sein würde.* 

8) In Betreff' der Ta^xe soll es für diese 8 Jahr bei der 1639 zu Grodno 
verabredeten bleiben') — einzelne Aenderungen bleiben dem Kurfürsten 
vorbehalten. 

9) Die Einnahme der Zollgefälle aus dem königlichen Antheil von 
Preussen soll womöglich nach El hing verlegt werden; geht das nicht, so 
mögen die königlichen Gefalle auf einem dazu ausserhalb der kurfürstlichen 
Jurisdiction aufgestellten Lothschiff eingenommen werden. — 



Hans Ebert von Tettau (Landhofmeister von Preussen) an 
Markgraf Ernst. Dat. Königsberg 5. Juli 1641. 

Er habe dem Kurfürsten den Wunsch des Markgrafen in. Betreff der 5. Juli, 
preussischeu Mitbelehnung vorgetragen; ^worauf I. Ch. D. sich also balden 
und gleichsam in ipso momento ganz geneiget erkläret und mich befehliget 
ein Formular der Vollmacht concipiren zu lassen und dasselbe E. F. Gn. 
mit ehister Post zu übersenden." — (Diese Vollmacht wird dann von Mark- 22. Juli, 
graf Ernst ausgefertigt für den Oberburggrafen Bernhard von Königseck. 
Dat. Spandau 12 22. Juli 1641.) 



*) »vier* ausgestrichen. 

^ Anfangs 1639 hatte zu Grodno eine persönliche Zusammenkunft zwischen dem 
König und dem Kurfürsten Georg Wilhelm Statt gefunden, in Folge deren erst die 
thats&chliche Ausführung des Köpnicker Vertrags begann. Die dort verabredete ZoU- 
taze betrag 8 Gulden von hundert. Lengnich VI. p. 152. Einleit. p. 29. Yergl. über 
i}ae allmälige Erhöhung unten die Relation Hoverbeck^s, dat. 6. Juni 1643. 



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74 1> Prenssen and Polen. 

Markgi-af Christian Wilhelm an den Kurflirsten. 
Dat. Regensburg 9. Aug. 1641. 

9. Aug. Uebersendet ihm seine Vollmacht zur Empföngniss der Mitbelehnung 

und bittet einen der kurfürstlichen Käthe mit der Stellvertretung zu beauf- 
tragen '). 

9. Juli. König Karl I. von Enorland an den König, an die Senatoren, 
an die Landboten von Polen. Dat. Westminster 9. Juli 1641. 

. Aehnlich lautende Empfehlungsschreiben für die Belehnung des Kur- 

10. Jan. fürsten. — Dankschreiben des Kurfürsten an den König von England, dat. 

Königsberg 10. Jan. 1642. 



Der Kurfürst an Peter Bergmann. Dat. [10.] Aug. 1641. 
(Conc. Königsb. Arch.) 

[Bergmann soll mit Graf Dönhof weiter über das Quantnm des königlichen Antfaeils 
an der Seesulage verhandeln.] 

10. Aug. [Antwort auf Ber^mann's Relatfon vom 6. August aus Marienburg. Es 

sei sehr zu wünschen, dass die Tractaten über die Seczölle noch vor der 
Reise des Kurfürsten nach Warschau mit dem Grafen v. Dönhof zu Ende 
gebracht würden.] 

Weiln aber, auf Unser Ratification, dem Werk ein Anfang gemacht 
werden muss, so willigen und geben Wir Dir hiemit special Commiss, 
dass Du auf 10,000 Rthr. oder 30,000 Gulden und successive von 30,000 
bis 35,000 und 40,000 fl. zum jährlichen Abtrage anstatt Sr. Kön. M^. 
desiderirten Hälfte an der neuen Seezulage Dich einlassen und dieselbe 
gradatim bieten mögest; mit denen von Dir bereit vernünftig und wol 
angeführten rationibus, nicht allein der grossen Spesen und Kosten, 
so Wir aus der einkommenden Seezulage tragen müssen, sondern dass 
man auch zu Erhaltung der Commercien und Schiffarth auf Unserm 
Port Pillau die taxam der Seezulage nothwendig zurück werde setzen 
müssen; wodurch dann die Quantitet der jährlichen ganzen Seezulage 
so gross und gewiss nicht sein werde, dass Wir Uns zu einem viel 
mehreren und ungovissen auf Unserer Seiten auslassen und S. Kön. 
Maj. zu Ihrem Theil vergewissern könnten. — [Am 10. Sept. soll Graf 



') In dem Belehnnngsinstrument vom 7. October 1641 ist die Mitbelehnung der 
Markgrafen Ernst und Christian Wilhelm enthalten. In Betreff der Mitbelehnung der 
fränkischen Markgrafen Christian und Albrocht s. das Actensttick bei Londorp Acta 
publica V. p. 757 ff. 



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Verhandlungen über den neoen ZoU vertrag. 75 

Dönhoff womöglich mit dem Kurfürsten in Ortelsburg zusammentreffen, um 
die Sache endgiltig abznschliessen.] 
P.S. Auch möchten Wir gerne sehen, dass bei Deiner Beredung 

mit Herrn Grafen und Oeconomo Isaac Spiring nicht zugegen 

wäre. — 

Peter Bergmann an d. Kurfürsten. Dat. Marienb. 16, Aug. 1641. 

(Königsb. Arch.) 

[Bergmannes Verhandlungen mit G-raf Dönhof Drohungen wegen der Belehnnng.] 

E. Ch. D. gn. ßescript vom 10. dieses* zu unterth. Folge bin ich 16. Aug. 
gestern Abends allhie angelanget und habe heute frühe dem Herrn 
Oeconomo nebenst gebührlichen Curialien E. Ch. D. Meinung wegen 
der Summen, damit Sie des Zolls halber Sr. Kön. Maj. an die Hand 
zu gehen gedenket, eröffnet. Und nachdem er gegenst die anfangs 
von mir specificirte 10,000 Rth. oder 30,000 fl. pol. sich fast entsetzet 
und gesaget, dass er einen so geringen Vorschlag von E. Ch. D. nie 
gehoffet hätte, von S. Kön. Maj. auch zur Forderung einer weit höhe- 
ren Summen (so er auch exprimirete, nämlich 50 und ufs geringste 
45,000 Kth.) committiret wäre; so habe ich mich nicht lange vergeblich 
ufhalten wollen, sondern bin balde mit den 35 und endlich den 40,000 fl. 
herausgegangen dagegen er aber nicht anders, als dieses einge- 
wandt, dass S. Kön. Maj. sich ein weit anders eingebildet; .... da- 
neben erwähnet, er sorgete, dass, wann E. Ch. D. sich nicht eines weit 
bessern erklärete, so möchte S. Kön. Maj. mit einem Mal und ehist 
aufstossen und den Zoll sammt allem, was E. Ch. D. sonst unter irg- 
einem Namen im Porte exigiren möchte wollen, gänzlich cassiren und 
aufheben, nach dem Bau der Festung ^Pillau und Memel nicht gross 
fragen, auch in der Belehnungssache uf dem Reichstage E. Ch. D. wenig 
Beförderung thun, sondern alles, wie es die Stände in Polen vorhätten, 
gehen lassen wie es gehet. — [Dönhof beabsichtigt nun gegen Ende Au- 
gust selbst nach Königsberg zu kommen.] 



Peter Bergmann an den Kurfürsten. Dat. Danzig 20. Aug. 1641. 

(Königsb. Areh.) 

[Graf Dönhofs Ahsicht, nach Königsberg zu kommen. Ahnahme der Schiffart 
nach Pillau und Königsherg.] 

[Nachträgliches über seine Verhandlung mit dem Grafen Dönhof in 20. Aug. 
Marienbnrg. Dönhof wird nächstens zu dem Kurfürsten nach Königsberg 
kommen; Bergmann sncht ihn', weil er dann die Landstände dort noch bei 
einander treffen wird, davon abzubringen, indess vergeblich.] Ich gedenke 



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'Jß I. Preussen and Polen. 

aber, das« diese seine Ankunft zu Königsberg E. Ch- D. vielleicht auch 
nicht gross schaden werde, in Betrachtung, dass die Opposition der 
Preussischen Stände den Zoll nicht gänzlich werde hindern können, 
weil sie Ihre Maj. hierin werden respectiren und nicht vor den Kopf 
stossen wollen, und dass gleichwol [dadurch S. Kön. Maj. desto mehr 
wird können bewogen werden, mit einer leidlichen Summen sich zu 
contentiren und die Schuld dessen nicht E. Ch. D. zuzumessen. 

Ich habe sonst ihme, dem Herrn Oeconomo, dabei berichtet und 
zu Gemttthe geführet, dass, vne E. Ch. D. Leib Medicus D. Dietrich 
mich neulicher Tage hier berichtet, wie er im Sunde gewesen und von 
dannen gerade uf die Pillau hat fahren wollen, unter 300 Schiflfen, so 
damals dar gewesen, um in diese Ost See zu fahren, nicht ein einiges 
uf die Pillau zu gehen gefunden , und dass also gar wenige SchiflFart 
zu Königsberg zu merken, da hergegen diesen Sommer über bis nun 
über 1155 Schiffe allhie zu Danzig eingekommen, bloss des Pillauischen 
oder Königsbergischen Zolles halber, worum die fremden überall sehr 
klagen; massen mir noch vor 3 Tagen der Englische Resident alhie 
berichtet, dass seiner Nation Kaufleute ihme geklaget hätten, als wann 
in etzlichen Waaren zu Königsberg fast das triplum dessen, was hier 
zu Danzig geschieh et, genommen werde. (Dies particulare habe ich 
gleichwol dem Oeconomo nicht gesaget.) — 



Samuel von Winterfeld an den Kurfürsten. Dat. Havelberg 

20. Aug. 1641. 

[Versprochene gute Dienste von Frankreich und England bei der preussischen 

Helehnu'ig.J 

20. Aug. Durchlauchtigster etc. Wessen sich der Königl. Französische Am- 

bassadeur der Graf von Avaux, so auch der Englische Resident in 
Hamburg wegen ihrer Konige Assistenz in der Preussischen Sachen 
erkläret, davon habe E. Ch. D. ich von dort aus unterthänigsten Be- 
richt eingeschicket '), und lassen mir dieselbe durch den H. von Knip- 
hausen an die Hand geben, dass wegen Frankreich dem Residenten 
zu Danzig Baron dAvaugour, wegen Engeland aber dem Residenten 
Gordon von ihren Königen Befehl worden, auf dasjenige, so ich bei 
ihnen negociiret, bei. dem Könige in Polen alle gute officia zu prae- 
stiren und E. Ch. D. in allem, so Sie begehren würden, an die Hand 
zu gehen und sich in allem nach E. Ch. D. Verordnung zu reguliren. — 



') Vgl. unt. die Relationen Winterfeld's aus Hamburg, dat. 25. Mai u. 1. Juni 1641. 



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Verhandlangen Über den neueii Zollverlrag. 77 



Resolution des KurfUrsten. Dat. Orteisburg 17,0ct. 1641. 

Und geben Euch darauf hinwiederum in Gnaden zu vernehmen, 17. Oct. 

dass Uns zwar bei Unser Anwesenheit in Warschau der Französische Re- 
sident zu Danzig, Baron d'Avaugour, zugesprochen und sich kraft habenden 
Königlichen Befehlichs alles guts gegen Uns anerboten; es hat aber die 
Göttliche Allmacht die Sache also dirigirt und geschickt, dass alles glück- 
lich und ohne sonderbare Schwierigkeit, dass es keiner Interposition be- 
dürftig gewesen, abgegangen ist. Der Königl. Würden zu Gross 

Britannien halber aber hat sich niemauds bei Uns angemeldet. — • 



Der Kui-flirst an Ho verbeck. Dat. (Königsberg) 3. Sept. 1641. 
(Conc. Königsb. Arch.) 

[Conferenz des Karfürsten mit Graf Dönhof wegen des königlichen Antheils an 
dem Ertrag der Seezulage.] 

Wir haben unter andern aus Deiner unterth. Relation ersehen, was 3. sept. 
Du in geheimen Vertrauen wegen der eigentlichen Quantitet derer von 
Sr. K. Maj. geforderten Antheils an der neuen Seezulage vom Herni 
Untercanzlern erforschet, dass nämlich höchstgemelt S. Maj. solche Por- 
tion endlieh auf 25,000 Rth. oder 75,000 fl. pol. würde ankommen lassen. 
Nun mögen Wir Dir gnäd. nicht verhalten, dass Herr Graf Gerhard 
Dönhoff und Oeconomus zu Marienburg als extraordinarius legatus dieser 
Tage wiederum bei Uns gewesen, in Meinung in diesem Seezulage 
negotio einen endlichen Schluss zu machen. Dem zufolge dan Wir Uns 
auch bearbeiten lassen und in den meisten conditionibus mit ibme ver- 
glichen. Weiln Wir aber wegen der jährlichen Quantitet, indem Wir auf 
25,000 Rth., er aber auf 35,000 Rth. bestanden, sich auf seine gemes- 
sene Instruction ziehet und über das noch sonderliche neue postulata 
wegen eines Königl. Bedienten und Einnehmung der Elbingschen See- 
zulage in der Pillau, dazu Wir Uns aus eingewandten erheblichen Ur- 
sachen nicht verstehen können, beigebracht: so hat er, Herr Legatus, 
solches an S. K. Maj. ad* referendum genommen und also von hinnen 
rectä sich naher Warschau begeben. Damit es nun bei der Dir in 
geheim entdeckten Sr. K. Maj. Erklärung der benannten 25,000 Rth. 
jährlicher Summen verbleiben möge, haben Wir Dir solches hiermit 
zur Nachricht zuzuschreiben erachtet. — 



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73 !• Pr6a88en nnd Polen. 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 15. Sept. 1641. 

(Königsb. Arch.) 

[Weitere Verhandlungen in Betreff der Seeznlage. Modus der Einnahme des 
Elbinger Zolles.] 

15. Sept [Antwort auf das Kurf. Schreiben vom 3. Sept. — Der König hat sich 

jetzt bis auf 28,000 Rth. jährliches Honorarium für die Seezulage bringen 
las.sen. Schwierigkeit macht noch der Modus der Erhebung des Anthells 
au den Zöllen, welcher auf die preussisch-polnischen Lande fällt; die Ein- 
nahme desselben in Elbing, ebenso wio die durch ein besondres polnisches 
Zollschiff hat manches Bedenkliche. — ] Um dess willen dann S. Kön. 
Maj., weil Ihr resolut angebracht worden, dass E. Ch. D. sich zur Ein- 
nahme unter deroselben Namen keines Weges verstehen wollten oder 
könnten, Ihr den von dem Herrn Cantzler Götzen gethanen Vorschlag 
einer jährlichen Arrende so viel ehe gefallen Hessen und dieselbe uff 

12,000 Rth. jährlich anfangs ansetzten. 

Endlich ward es dahin gebracht, dass S. Kön. Maj. wegen des 
Königsbergischen, oder eigentlicher zu sagen, E. Ch. D., Antheils Ge- 
fällen sich gnäd. resolvirten uff die 25,000 Rth., wegen des Elbing- 
schen aber forderten Sie dannoch 10,000 Rth. Ob nun wol demGelde 
nach diese letzte Erklärung mit der hie zunächst vorgesetzten überein- 
kommt, so halt ich doch dieselbe in so weit E. Ch. D. nützlicher zu 
sein, weil sie die Einkünfte von einander sondert und E. Ch. D. we- 
gen Ihres Antheils dadurch zur Richtigkeit kommen; sollten aber S. Kön. 
Maj. des andern halber von denen 10,000 Rth. nicht abstehen wollen, 
wie wol ich hoffen wollt, dass Sie's alles in allem uff 100,000 fl.' pol. 
noch wol möchten ankommen lassen, so möchten E. Ch. D., damit nur 
der Spiring aus diesem ganzen Werk abgehalten und Sr. Kön. Maj. 
Namen in dem Port gar nicht geführt werde, bei den Einnahmen die- 
ses Jahrs noch etwas über sich nehmen und die künftigen Jahr dessen 
Moderation fordern oder den Einnahme-Arrend uffsagen Indes- 
sen aber will ich dannoch nicht unterlassen, dahin zu arbeiten, dass es 
zu einem ansehnlichen Abschlage dieses Elbingschen Seezolls halber 
komme '). 



M Der AbscbluBs über die Angelegenheit des Elbinger Zolls wird dann auf die 
Anwesenheit des Kurfürsten in Warschau verlegt. Vergl. unten den Vertrag yom 
5. Dec 1641 Art. IV. 



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Der Zollvertrag and die Belelinung. 79 

Der Kurfilrst an Hoverbeck. Dat. Ortelsburg 21. Sept. 1641. 

(Conc. V. Götze.) 

[Vorbereitungen zur Belehnung. Bedenken wegen der Begleitung des Kurfürsten 
nach Warschau, besonders wegen des Landhofmeisters von Tettaii.] 

' Nachdem dieser Tagen beides, Eure unterth. Belation sammt den 21. Sept. 
Beilagen und dann das königliche Schreiben einkommen, haben Wir 
Uns deren Inhalt zur Gentige fllrtragen lassen und daraus insonderheit 
vernommen, dass Ihr Kön. Maj. den angesetzten Belehfaungstag in etwas 
anticipiren und verkürzen wollen. Wie Wir nun demselben nachzu- 
kommen und auf den 4. hujus aldort vermittels göttlicher Hilfe zu er- 
scheinen gewillet, also haben Wir Uns zu mehrer Bezeigung Unserer 
Willfährigkeit den Polnischen Gränzen nähern und anhero auf Unser 
Amt Ortelsburg begeben wollen. Dieweiln aber vor Unserm Aufzug 
noch einige Abgesandte nach Warschau abzuordnen sein werden, so 
sind Wir gnädigst entschlossen, Jemand von Unsern Preussischen Ober- 
räthen darzu zu gebrauchen, wobei doch dieses zu bedenken fället, 
weiln der Obermarschall an der Gicht schwerlich darnieder lieget, der 
Cantzler sich auch sonsten sehr übel auf befindet und danhero der ob- 
gedachten beiden Ober Käthe auf bevorstehende Reise nicht werden 
gebrauchen können, Wir aber, ob Wir den Landhofmei^iter und Ober- 
burggrafen mit Uns fliglich nehmen können, etwas anstehen müssen; 
zwar hätten Wir für Unser Person dessen kein Bedenken, wann Wir 
nicht versptireten, dass der Landhofmeister wegen der zwischen ihme 
und dem Oberburggrafen Euch nicht unbekannten fUrgangenen Differenz 
Sorge traget *), er deswegen von Sr. Kön. Maj. mit Ungnaden angesehen 
oder sonst despectiret und beschimpfet werden möchte. Wann Wir dann 
nicht gemeinet einige Person, so Ihr Kön. Maj. zuwider sein würde, 
mit Uns zu nehmen, viel weniger hierdurch Ursach und Anlass zu ge- 
ben, dass Unserm Landhofmeister einiger Schimpf oder Ungelegenheit 
widerfahren sollte, als ist Unser gnädigster Befelch, Ihr wollet des- 
wegen fleissige, wo Dir etwas Gewisses penetriren könnet, Erkundigung 
einziehen und dabei behutsam gehen, damit man nicht abnehmen 
könne, dass aus Unserm Geheiss dieser Sachen halber ichtwas erwähnet 
worden, — 



') Vergl. oben not. l ad 22. Febr. 1641 p. 58. 



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gO '• Preiusen and Polen. 

Peter Bergmann an den Canzler Sigmund v. Götze. 

Dat. Warschau l.Oct. 1641. Abends. 

(„Präsent in Zakroczyn 3. Oct." Köoigsb. Arch.) 

[Geldgeschenk des Knrffiraten an den König und die Königin. Man dr&ngt in War- 
flchaa auf Abschluss der Angelegenheit des königlichen Zollantbeils vor der Belefanung. 

Rath zur Nachgiebigkeit.] 

. Oct. Hochgeehrter Patron und Gönner. Was ich aus dero letzten an 

mich und Hoverbeck abgegangenen Schreiben vernommen, dass S. Ch. D. 
die bewusste 20,000 Rth. mit sich brächte, und was die Ursach sei, warum 
Sie wegen des Zollvergleichs die VoUenziehung noch nicht eingeschickt 
hätten: dasselbe hab ich alsobald durch Herrn Oeconomum Dönhoflf 
Sr. Kön. Maj. gebührlich hinterbringen lassen; welcher von Sr. Kön. 
Maj. mir balde zur Antwort eingebracht, dass wegen der gedachten 
Summe S. Kön. Maj. zufrieden wären, dass sie durch S. Ch. D. selbst 
gebracht würde, wie wol Sie gewtinschet, dass es eher hätte können 
^ hier sein. *) Wegen des ZoUvergleichs aber wäre S. Köu. Maj. in etwas 
ungeduldig, dass S. Ch. D. wegen der Summen der 3r),(X)0 Rth. aun. 
in allem (den Elbingischen Pfundzoll mit eingerechnet) sich noch nicht 
nur mit einem Worte schriftlich gegen S. Kön. Maj. erkläret hätten. 
Deswegen er, Herr Oeconomus, noch traulich riethe, wo ferne S. Ch. 
D. sich bei Sr. Kön. Maj. alles Verdachts einer Elusion entbrechen und 
alle praejudicia auf diesem Reichstage vermeiden, endlich Sr. Kön. Maj. 
Benevolenz und Gemüth recht gewinnen will, so wolle sich S. Ch. D. 
jetzo unverlängert und vor dero Einkunft anhero schriftlich erklären, 
ob Sie der obgemelten Summe der 35,000 Rth. halber mit Sr. Kön. Maj. 
einig sei und darauf gewiss schliessen wolle , uf die conditiones , die 
schon abgehandelt sein, so wol hernach bei Sr. Ch. D. Gegenwart hier 
vollenzogen werden könnte. Mir gebühret nicht, zumal ungefraget, 
hierin zu rathen; vermein aber, weil es schon so weit in der Sachen 
gekommen, dass es um ein geringes nur zu thun ist, so müsse man 
gedenken, dass, wann man über den Hund gesprungen, so dürfe man 
uflF dem Schwänze nicht besitzen bleiben. Stelle es zu E. Herrl. reiferem 
Bedenken, was Sr. Ch. D. hierin zu rathen, sehe aber nicht anders, als 
dass wir schon und ufs schleunigste herüber müssen, wo wir vor sein. 
Wann libera consilia in hisce angustiis wären, so wüsste ich wal, was 
zuträglicher wäre. Aber jetzo ist patientia das beste remedium. 



') lieber diese Summe yon 20,000 Rth. (-:!• 60,000 H. pol.) vergl. ad 9. Oct 1641. 



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Der ZoUyertrag und die Belehnang. Q\ 

Peter Bergmann an den Canzler Signxund v. Götze. 

Dat. Warschau 2. Oct. 1641. 

(„Präsent in Zakroczyn 3. Oct." — Königsb. Arch.) 

[NeuQCf Drängen, sich wegen des königlichen ZoUantheils za entsohliessen ; man wird 

in Warschaa die Führung der Belehnungsangelegenheit von der Nachgiebigkeit des 

Karfürsten in dem Geldpunkt abhängen lassen.] 

Ich hoffe , E. Herrl. werden mein gestriges Schreiben wol em- 2. Oct. 
pfangen und daraus den Unmuth, so S. Kön. Maj. daraus geschöpfet 
hat, dass noch keine Resolution wegen der 35,000 Rth. ratione des 
Pillauischen sowol als Elbingischen Zollvertrags von Sr. Ch. D. ein- 
gekommen, vernommen haben. Ob ich nun wol mir die Hoffnung 

mache, dass ö. Ch. D. die dabei von mir eingefllhrete rationes wol 

bei sich erwogen und sich resolviret habe, so habe ich doch hiebei 
solche wiederum erinnern wollen, dass nämlich nichts anders zu ver- 
muthen, als wofeme solche und zwar gewierige Erklärung, so mit zwei 
Worten anhero an mich oder einen andern geschehen kann, nicht ufs 
schleunigste alhie einkommt, so wird der Verdacht Sr. Kön. Maj., als 
wollte man Sie nur eludiren, und consequenter die Schwierigkeit in 
dem ganzen Investitur Wesen heftig wachsen und zunehmen; massen 
man albereit bei der Reichstags Conclusion gemerket, dass die von Stän- 
den, so Sr. Ch. D. zuwider sein, in ihren bösen intentionibus aufzu- 
wachen wieder angefangen, ohne Zweifel aus der Ursache, dass S. Kön. 
Maj. sich schon einiger Erkältung gegenst S. Ch. D. in etwas habe 
vermerken lassen. Ist schon S. Ch. D. resolviret, Sr. Kön. Maj. sich 
hierin vollkömmlich zu accommodiren, so lasse Sie es ja um Gottes Willen 
uffs allerschleunigste hier wissen, damit maus morgen frühe Sr. Kön. 
Maj. vortragen lasse, dann sonsten weiss ich keinen Rath, die Sachen 
in integro zu erhalten. Ich weiss gar wol, dass dies eine nicht an- 
genehme Materie bei Sr. Ch. D. sein wird, bin auch nicht schuldig an 
dieser ganzen Negociation; aber weil es soweit gekommen, dass man 
gar nicht zuriicke kann, so muss ich conscientiam meam exoneriren. — 
P. S. S. Kön. Maj. begehret noch nicht den ganzen Contract in forma 
authentica voUenzogen, sondern bloss ein Wort (ob S. Ch. D. 
die 35,000 Rth. geben will oder nicht), ehe S. Ch. D. hier an- 
langt, und erster Stunde als möglich. Es ist hart angerannt, 
aber patentia, il faut passer par Ui, wie ich ausdrücklich sehe. — 
[In einem P. S. von demselben Datum meldet Hoverbeck, dass er die 
zufriedenstellende Erklärung des Kurfürsten erhalten habe.] 



Mater, lur Gesch. <1. Gr. Kurfürsten. I 



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g2 '• l*lneiiMeii vatä Polen. 

Obligation de» Kurfürsten über 60,000 poln. Gulden. 

Dat Warschau 9. Oct. 1641. 

(Conc. Königsb. Arch.) 

9. Oct. Kos Fridericos Wilhelmus etc. notum testatumque facimus, quod, 

cum antehac') Sermo ac Potentmo Pnncipi Domino Yladislao IV. Regi 

Poloniae etc. quadraginta millia floren. polon., Sermae itidem ac Po- 

tentmae Pnocipi Dominae Renatae Caeciliae Reginae Poloniae viginti 

millia floren. polon. dependere poUiciti essemus, utraque vero summa 

ob alias plurimas expensas nondum exolvi potuerit: ideo hisce verbo 

Electli spondemus Nosque obligamus, Nos utramque summam nempe 

60 millia floren. ad diem festi Natalit. proxime venturi Ortelsburgum 

transmissuros vel Regiomonti mandatariis, quibus praefatam summam 

exigere S. R. Mt« eommiserit recepta hac praesenti' Nostra 

obligatione persoluturos fidemque Nostram liberaturo8. In cuius rei 
maiorem fidem etc.*) Dabantur Varsaviae die IX. Octobris A. 1041. 



Der Kurfllrst an Markgraf Ernst, üat. Warschau 

8. Oct. St. n. 1641. 

8. Oct. Kurze Anzeige, dass er am 5. Oct. in Warschau angelangt und ^ge- 
strigem TageK die Belehuung wegen ünsers Herzogthunis Preussea eutpfan- 
gen da dann E. Ld. Interesse in gar guten Obacht genommen^ '). 



Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Warschau 11. Oct 1(141, 

11. Oct. Er gedenke noch heute von Warschau aufzubrechen. Die Oberräthe 

sollen ^die befürdersame Anstalt machen, damit die zu Unserm, Gott gebe, 
glücklichen Einzug gehörige praeparatoria ehist verfertiget werden mögen; 
hieuächfit wollet Ihr Uns in Unterthänigkeit durch einen Expressen notifi- 
ciren, auf welchen Tag alles parat und fertig sein könne, damit Wir ohne 
weitem Aufschub Uasern Einzug je eher je lieber halten mögen**. 



') Schreiben des Kurf. an seine GeBandten in Warschau, dat. 9. Januar 1641- 
Orlich Hl. p.Sff. 

*) Im MAri 1642 ist hiervon nach einem Schreiben derOberrftthe erst die H&lfte 
gezahlt; fQr den Rest hat der Kurfürst um Aufschub gebeten. Sehr scharfe wieder- 
holte Mahnung des Königs an die Oberräthe, dat. Warschau 30. Mars 164^. (Königsb- 
Arch.) 

*) Diese letzte persönliche Relehn ung mit dem Herzogtbum Preussen fKlIt also 
auf den 7. Oct oder alten Stils 27. Sept. 1641. 



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Oio BelehDung. g3 

Hans Ebert von Tettau an den Kurfürsten. Dat. Königsberg 

12.0ct. 1641. 

Er habe dem Befehl des Kurfürsten zu Folge sogleich nach seiner An- 12. Oct. 
kimft die Räthe der Städte Königsberg vor sich erfordert und die Erwar- 
tung ausgesprochen, dass sie die Rückkehr des Kurfürsten gebührend feiern 
würden; worauf ihm erklärt worden, „dass die Städte, jedwedere vor sich, 
mit Aufrichtung sonderlich der Triumph -Thor und Ausstafirung der Bür- 
gerschaft zu Ross und Fuss sich also zu erweisen ganz willig und schuldig 
erkennen, dass sie zwar E. Ch. D., dero geliebsten Landesfürsten, hohe 
Reputation nicht erreichen, jedoch die unterthänigste Devotion durch dero 
demütfaigste Willfahrigkeit etlicher Massen bezeigen würden^. In vierzehn 
Tagen soll Alles bereit sein. 

Dabei eine Eingabe der Gesellen von dem Handwerk der Kürschner 
an den Kurfürsten, des Inhalts, dass sie „nebenst der ehrbaren Bürgerschaft 
in darzu praeparirten Kleidern und Ornat mit einzuziehen und hernacher 
am Tage den Schwertertanz und auf den Abend den Laternentanz zu halten 
und zu begehen entschlossen sein,^ wofür sie um die Erlaubniss des Kur- 
fürsten bitten.* 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Orteisberg 1 7. Oct. 1641. 

Er werde in Brandenburg ihre weiteren Nachrichten erwarten; dem 17 Oct. 
Wunsch der Gesellen lasse sich nicht nachkommen, ^dieweil Unsers Herrn 
Vaters Gn. hochl. Ged. Churfürstliche Leiche noch über der Erde stehet 
und Unserer Frau Mutter Gn. darunter noch in höchster Betrübniss.'^ 



Haus Ebert von Tettau an den Oberburggrafen von Königseck 

und den Obennarschall Assverus Brandt. Dat. Königsberg 

15. Oct. 1641. atissime. 

Demnach bei Ufrichtung des Triumphthors alhie zu Schloss vounöthen 15. Oct. 
sein will, wie auch bei andern Orten, dass Sr. Ch. D., Unsers gnäd. Herrn, 
gebräuchliches Symbolum daran gesetzet werde: nun findet sich zwar bei 
höchstgedachter Sr. Ch. D. efßgie dieses Dictum: Notam fac mihi viam 
tuam Domiue qua ambulaturus sum; weiln aber nicht eigentlich be- 
wusst, ob deroselben solches angenehm sein möchte, so ist mein wolge- 
meintes Erinnern und Bitten an E. Herrl., dieselben wollten dieses an 
S. Ch. D. zu dero gnäd. Erklärung unterth. bringen, in gleichen, was vor 
Buchstaben in der Lehenfahne zu führen gewilliget, damit dieselbe eben- 
massig an gehörige Oerter gemalet werden könnten, und hievon mit dem 
ehisten unbeschwert zu berichten. 



Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Rhein 19. Oct. 1641. 

— » Was Unser Symbolum betrifft, ist dasselbige also: Domine fac 19. Oct. 
me scire viam per quam ambulem. Auf einer Seite der Lehenfahne 

C* 



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g4 ^* Prenssen und Polen. 

ist der weisse Polnische , auf der andern der schwarze Preussische Adler, 
und ist die Brust des weissen Adlers mit Y. iv. sammt der Königlichen 
Krön, des schwarzen aber mit FW. mit dem Ghurhut gezeichnet. 



Hans Ebert von Tettau an den Kurfürsten. Dat. Königsberg 

18. u. 20.Oct 1641. 

18. n. 20. Die Städte haben erklärt, nicht vor dem 31. Oct. mit ihren Vorberei- 
Oct. tungen zu Ende kommen zu können; der Kurfürst möge seinen Einzug so 
lange aufschieben '). — 

Der Kurfiii-st an König Vladislav IV. Dat. Tczakonowa 

12. Oct. 1641. 
12. Oct. Der Kurfürst dankt dem König nochmals für seine Aufnahme in War- 

schau. — „und ob Wir wol vernehmen, dass E. Kön. Maj. über die Summa, 
80 Wir derselbigen aus den Zollgeldern versprochen, annoch fünftausend 
Gulden mehr fordern thun"), so versehen Wir Uns dannoch freundsöhnlich, 
die weil Uns zu Fortsetzung des Baus Unserer Teste Pill au und Unterhal- 
tung der Guamison daselbst ein grosses aufgehet, und Uns demnach nach 
Abzug der hiezu gehörigen Spesen und Beitreibung der E. Kön. Maj. ver- 
sprochenen ein hundert tausend Gulden wenig oder fast nichts von den ein- 
kommenden Zollgeldem überbleibet:^ — so möge es der König bei den 
versprochenen 100,000 fl. bewenden lassen. — 

. Friedrich v. Loben an den Kurfürsten. Dat. Wien 'J; IVd 1641. 
(Postscript zu der Relation vom gleichen Datum.") 

[Geheime Eröffnaogen des englischen Gesandten. Polnische und kaiserliche Besorg- 
nisse wegen einer Heirat des Kurfürsten mit der Königin von Schweden. Englische 

Ansichten davon.] 

4. Dec. Auch, durchlauchtigster, gnädigster Churfllrst und Herr, ist am 

8. Nov. st. vet. der Königliche Englische Ambassadeur, Herr Ritter 
Row, zu mir kommen, mich visitiret und begehret, mit mir vertrauliche 
Correspondenz zu pldegen. Weil ich mich nun in Unterthänigkeit er- 
innert, dass E. Ch. D. am 12. Mai laufenden Jahres dergleichen mir 
und meinem gewesenen CoUegen, Em D. Fritzen, gnädigst anbefohlen, 
Äwch dass es der Sachen Nothdurft nicht wenig erfordere befunden, so 
habe ich ihme sothanes sein Begehren abzuschlagen desto wenigere 



») Der Einsog fand am 1. Nov. Statt. "* 

*) Pufendorf I. 25 hat unrichtig ,50,000 Gulden« gelesen. Vergleiche unten den 
Vertrag vom 2. Dec. 1641 und das Schreiben der Oherrftthe, dat. Königsb. 25. Juli 1643. 

') V. Loben befand sich in Wien zum Behuf der dorthin verlegten pfälzischen 
Tractaten, um deren Willen auch der englische Gesandte Thomas Row dort anwe- 
send war. Vergl. unt. am Schluss der Regensburger Reichstagsacten. 



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KaiserKche Machinationen gegen die schwedische Heirat. Qg 

Ursache gehabt, besondern ihrae vielmehr für seine sowol zu E. Ch. 
p., als dem Hause Pfalz tragende gute Aflfection und Zuneigung ge- 
danket und ihn darinnen getreulieh zu continuiren vermahnet und ge- 
beten. 

Hierauf eröffnete er mir in confidentia, jedoch dass E. Ch. D. ich 
es in Cyfern unterth. zuschreiben sollte: [res hätte der Kaiser in Neu- 
lichkeit eine qualificirte Person zu ihm, Ambassadeur, geschickt und 
zu erkennen geben, dass, weil der Kaiser Pfalzgraf Ruprechten Vor- 
nehmlich seinem König zu Ehren und Gefallen los und frei gelassen 
hätte*), der Kaiser zu ihm versehen thäte, er wtlrde auch Ihr Maj. in 
allen Dingen willig und gerne ftlgen. Nun wäre es an deme, dass 
der König in Polen an den Kaiser geschrieben und berichtet, es wä- 
ren E. Ch. D. Vorhabens, sich mit der Königin in Schweden zu ver- 
heirathen, derwegen er E. Ch. D. die Investitur über Preussen nicht 
geben wollen, wann er von den Statibus Eegni Poloniae nicht gleich- 
sam dazu wäre genöthiget worden. Weil nun leicht zu erachten, dass, 
im Fall die Heirath vor sich gehen sollte, ein gedoppelter Krieg ent- 
stehen wttrde, dann einmal würden E. Ch. D. und die Krön Schwe- 
den Meister von der Baltischen See, solches aber könnte Dänemark, 
dessen Sundzoll dadurch periclitiren thäte, nicht leiden, würde auch 
der Krön Engeland selbst höchlich praejudiciren; zum andern hätte 
der König in Polen grossen Fug, E. Ch. D. das Herzogthum Preussen 
abzunehmen, weil E. Ch. D. sich durch Revers verbindlich gemacht, 
nichts wider die Polen vorzunehmen, welches aber, wann Sie sich 
mit ihrer Feindin verheiratheten, wirklich geschehen und Sie sich also 
des Herzogthums Preussen selbst verlustig machen würden: diesem 
allem nun vorzukommen, hätte der König in Polen begehret, der 
Kaiser möchte solches, so viel möglich, hindern helfen; weswegen der- 
selbe den Ambassadeur ersuchen lassen, er wolle an seinen König 
schreiben und bitten, dass der die Heirath nicht allein rückgängig ma- 
chen, sondern auch E. Ch. D. solche widerrathen und dann Dänemark 
desgleichen zu thun disponiren möchte.:] 

|:Hierauf nun hätte er, der Ambassadeur, geantwortet, dass er 
nicht davor hielte, dass diese Heirath im Werk oder vorhaben wäre. 



') Pfalzgraf Ruprecht, zweiter Sohn des vertriebenen Kurfürsten Friedrich V., 
war am 17. Oetober 1638 nach der Schlaght von Gohfeld in Westphalen in kaieer- 
iiche Gefangenschaft gerathen: Seine Freilassung war kurz vor Wiederaufnahme der 
pf&lzischen Tractaten in Wien gegen Ende Oetober 1641 erfolgt. Chemnitz IV. 
1. p. 88. 



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^ L FreuMfen nnd Polen. 

iTMler, da e» ja sein Hoiite, (law sie einigen neuen Krieg causiren 
würde; wollte auch alle» thun, was dem Kaiser gefallig und nieht 
wider seine Pflicht liefe, aber dergleichen an seinen Konig zu schrei- 
tntn, fiele ihm bedenklieh vor; dann wann E. Ch. D. durch Heirath 
dne Krön erreichen kf^nnten, wfisste er nicht, ob es £. Ch. D. Ihr 
widerrathen oder sich abschrecken lassen wtirden, durch solche Hei- 
rath auch wtirde vielmehr E. Ch. D., Engeland, Schweden, Däne- 
mark und andere Potentaten und Kepubliquen fester verbunden und 
also mächtig und bemittelt, dass sie denen, so Teutschland den 
Frieden länger vorzuenthalten sich bemühen, denselben abzwingen 
ktinuUtn,:\ 

Und was vor dergleichen Discurs mehr vorgangen. Dieweil nun 
ein s^>lcheH E. Ch. D. unterth. zu überschreiben der Ambassadeur be- 
gehret, ich auth selbsten in Unterth. dafür gehalten, dass E. Ch. D. 
dieser Machen Wissenschaft zur Ihrer Nachricht dienlich, so habe dero- 
Hclben ich es meiner Schuldigkeit nach gehorsamst in getreuester Wol- 
nieinung hinterbringen sollen. — 



Vertrag zwischen dem Kui-ftli-sten und dem König von Polen 
Über die Scezolle in den preussischen Häfen. Dat. Varsaviae 

5. Dec. 1641. 

(Nach dem von König Vladislav ausgefertigten und ratificirten 

Exemplar.) 

[Fortdauer der .Sooaulage nach der bisherigen Taxe auf weitere drei Jahr, Antheil 
dui Königs daran. Der Kurfdrst nimmt fUr die Zeit des Vertrags den Elbinger Zoll 
in i*aobt. Roducirung dos königlichen Antheils in Kriegeszeiton. Garantien für die 
Uuroliführiing des Vertrags und gegen die Umgehung oder Beeinträchtigung dessel- 
ben. Einschreiten gegen die unbefugten Zollerhebungen der Königsberger. Der Ver- 
trag gibt dem Könige keinerlei neue Rechte in Preussen.] 

5, 1)00. p. p. I. Praeter Daciuni antiquum vulgo Pfundtzoll appellatum et 

(luae practerca antehac pendi sunt solita, quae in vigore suo perma- 
nobunt nullaque in ro quicquam praciudicii illis per transactionem hanc 
inforotur aut aliciuid propterea decedet, Sermus Elector per quem vel 
quoseunque officiales et quo loco voluerit a quibusvis per Pillavien- 
seni et Menielonsoni Portuni ex ditionibus suis evehendis et in easdem 
infertnidis ujeroibus cxiget novum Theloneum maritimum iuxta normam 
Taxuo Anno lti31) Grodnae inter Sacram Regiam Maiestatem et glo- 
riosisKinuio memoriae Dominum Electorem Georgium Guilhelmum Pa- 



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ry^^' ' 



Der neue ZollTertrag. g7 

rentem Suae Serti» receptae'); ea tarnen ratione, ut Suae Sert»» ludicio 
rclinquatur, sigillatim pro ratione temporum et usu commerciorum in 
aliquibus mercibuB exactionem angere vel minuere, dummodo ea ser- 
vetur auctionis et diminutionis proportio, ut commercia in genere ultra 
praememoratam normam Grodnensem non graventur. Qua de re Sua 
Sertiw promisit se Sac. Reg. Mtem informaturam. 

II. Gontinuabit Sua Ser^a« haue exactionem ad decursum trium an- 
nonun, videlicet ad annum 1644 inclusive, ea tarnen utrinque accepta 
eonditione, ut, si forte (quod Deuß clementissime avertat) alterutra pars 
contrahentium fatis concesserit, simul cum vita et huius exactionis filum 
abruptum censeatur, nisi quod caepta exactio eodem anno usque ad 
proxime sequens festum Divi Joannis Baptistae vel Sancti Martini Epis- 
copi continuanda erit. Triennio vero elapso in utriusque partis sit ar- 
bitrio exactionem hanc Thelonei Marini vel absolvere vel prorogare. 

IQ. Staute hac transactione Sermus Elector singulis annis supra- 
memoratae exactionis nomine in Aerarium Sac. Reg. Mt»8 inferet sum- 
mam septuaginta quinque millium florenorum Polonicalium, ita ut 37500 fl. 
ad festum S. Joannis Baptistae et totidem ad festum S. Martini Epis- 
copi aunuatim pendantur et mandatariis S. R. Mtis (receptis ab iisdem 
regiis apochis) Ortelsburgi numerentur. 

IV. Cum praeterea Sac. Reg. Mtas apud Suam Sertem instaret, ut 
ab iis mercibus, quae per Pillaviam in ditiones Prussiae immediate Suae 
Reg. Mti subjectas inferuntur, vel ex iisdem evehuntur, in portu pro 
usu commodoque Reg. M'i» novum Theloneum marinum exigere vellet, 
Sua vero SertA» veretur, ne, si forte ultra id, quod antiquitus Ducibus 
in Prussia pro conservatione portus et proAinditatis in mari pendi soli- 
tum et adbuc dum ab iis exigitur, novo exemplo in commodum Sacrae 
Reg. M^is aliquid exigeretur, per translationem eiusmodi exactionis ex 
civitate Elbingensi in Pillaviam confusio aliqua in derogationem pacto- 
rum introduceretur iuribusque Suae Sertis quicquam derogaretur idque 
in posterum in sequelam traheretur: tandem, ubi Sac. Reg. Mt«» Suam 
Sertem securam esse iussit, nihil Suam Mtem de pristino statu mutare 
velle et nonnisi compendium exactionis ex mercibus Elbingam mari 
invehendis quaerere, quo certa proportio redituum Thelonei Elbingensis 
indagari possit, Sua Sertas eitra praeiudicium tamen vel exemplum Sibi 
Buccessoribusque Suis in posterum allegandum per contractum locati 
conducti dicti Thelonei novi marini Elbingensis reditus viginti quinque 
millibus florenorum Polonicalium (eodem modo locoque prout supra- 



'; 8» oben not. ad 28. Jali 1641 p. 73. 

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gg I. PreaM«n und Polen. 

memorata summa septuaginta quinque millium florenoram usque ad 
deeursum trium annorum annuatim dependendis) in gratiam Sac. Reg, 
Mtis redemit. Hac conditione per expresBum annexa, ut praesenti con- 
ventione finita ea, quae a mercibus in ditiones Pnissiae Sac. Reg. 
Mtis immediate subiectas eflFerendis vel in easdem invehendis in com- 
modum eins Mtis exigenda fuerint, extra territorium Suae Serti« de- 
pendantur. 

V, CSroa utramque vero exactionem annuente et consentiente Sac. 
Reg. Mte Sermua Elector stipulatuB est, ut, si forte hello exorto vel per 
dissidium principum et Rerumpublicarum maris Balthici accolarüm vel 
aliqua alia de causa consuetum commerciorum cursum interverti con- 
tigerit, eo tempore a Sua Serie de centum, utriusque exactionis re- 
spectu, promissis millibus florenorum annuis tantum detrahatur, quan- 
tum ex reditibuB Thelonei Sermo Electori decesserit. Qua in re citra 
disquisitionem Suae Serti» verbo Electorali standum erit. 

VI. Siout autem Sua Reg. Mta« Sermi Electoris in hoc negocio 
luculenter comprobatum de se bene merendi Studium patemo comple- 
ctitur aflfectu, ita vice versa, ne per diverticula theloneum maritimum 
Pillaviense defraudetur, benigne assensa est, ut Sua Serta« durante hac 
transactione ad repagula Bregelae semissem thelonei ab iis duntaxat 
mercibus, quae per Habum vel ex Lituania Gredanum devehuntur, vel 
man invectae Gedano Regiomontum mittuntur, exigat. 

Vn. Ceterum in iudicio ratione depositorii mercium Lituanicarum 
apud Civitatem Regiomontanam Sac. Reg. Mtas id statuet, quod pactis 
et consuetudini receptae consonum erit. 

Vni. Ne vero per sigillationem pannorum transmarinorum civitati 
Gedanensi concessam commercia avertantur, Sac. Reg. Mtas authoritate 
Sua Regia id apud ordines Reipublicae effectum dabit, ut sublata ea- 
dem sigillatione commercia omnia in pristiuum reducantur statum. 

IX. Siquidem utriusque partis subditorum plurimum interest ra- 
tiones inire, quibus exactores huius thelonei marini coerceantur, pro- 
misit Sua Sertas se eosdem, ne quicquam ultra praescriptam nonnam 
exigant, sacramento obstricturam, et, si forte modum excesserint, aliis 
in exemplum severe punituram. 

X. Ne vero quicquam supersit, quod animum Suae Serti« suspen- 
sum teneat, spondet Sac. Reg. Mtas^ se omnia obstacula, quae ab ordi- 
nibus Regni Magnique Ducatus Lituaniae huic exactioni intervertendae 
objecta fuerint, authoritate Sua Regia remoturam Suamque Sertem ab 
Omnibus impetitionibus indemnem praestituram et contra quosvis evi- 
cturam. 



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Der neae ZolWertrag. g9 

XI. Cum etiam periculum subsit, ne commercia nimüs exactioni* 
bu8 a portubus Suae Serti» avertantur, omnes a civitatibuB Regiomon- 
tanifl privata authoritate usurpatae vectigalium et gabellanim species, 
quocunque tandem nomine veniant, cessabunt, neque in posterum ullo 
casu sine consensu Suae Sert»» introducentur *). 

Xn. Rationes autem gabeliarum ante aliquot annos uBurpatarum 
Magistratus Civitatum Regiomontanarum coram Sae. Reg. Mtis et Sermi 
Electoris Commissariis plenissime edet et sigillatim edoeebit, quid et 
qua ratione hoc nomine colleetum et quo quidque erogatum fuerit. 

Xin. Denique utrinque cautum est, ne ex iis, quae in gratiam öac. 
Reg. Mtis Sertas Sua in hisce articulis in se recepit vel fieri passa est, 
quicquam praeiudicii aut consequentiae eidem aut successoribus eius 
oriatur, sed nee 8ae. Reg. Mt« eiusque successoribus ac Reipublicae 
ulterius quicquam iuris, quam quod pactorum et investiturae legibus 
babeat, inde obvenire vel firmari possit aut debeat. 

Quo vero et Sac. Reg. Mtas et Sermus Elector certiores sint, omnia 
Bupra Regio Electoralique verbis promissa et conventa opäma fide ple- 
nissimeque servatum iri, huius transactionis duo exemplaria unius te- 
noris confecta manibusque et sigillis utriusque partis munientur. — 
\nadislaus Rex. 

König Vladislav IV. an den Kurfürsten. Dat. Warschau 

ö.Dec. 1641. 

[Uebersendung des yollzogenen Vertrags und Erbieten eu etwaigen nachträglichen 
Wünschen des Kurftirsten.] 

— Quo Serti V»© in negocio novi Thelonei maritimi exactius ca- 5. Dec. 
veretur, tam ea, quae inter Sertcm Vam et legatum Nostrum ea de re 
transacta sunt, quam quae ad instantiam repetitasque iurium Sertis Vae 
deductiones Generosus Joannes a Hoeverbeck Intimi Cubiculi Nostri 
familiaris, Vae Sertis in Aula Nostra residens Consiliarius consensu 
Nostro inseruit, omni quo fieri potest meliore modo formaque confir- 
manda esse duximus; cuius rei gratia eidem memorato Sertis Vae Re- 
sidenti ad eandem redeunti diploma manus Nostrae subscriptione sigil- 
loque Regni munitum a Cancellaria Nostra edi jussimus. Ne vero et 
hac in parte propensissimi patemi aflfectus Nostri erga Sertem Vam de- 
esset indicium, a praedicto Residente Sertis Vae stipulatam hisce acce- 



Fflr diese von Königsberg absonderlich erhobenen Zölle war während des 
letasten Kriegs eine königliche Conccssion ertheilt worden, diese aber schon 1637, wie 
es scheint, wirknngslos, surückgenommen worden. Yergl. Bacsko V. 122. 283. 



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90 '* PreuBsen and Polen. 

pisse testamur conditioneni, Nos non intendisse, ut per praesentem su- 
pramemoratae transactionis confinnationem Serti Va« via praecludatur 
vel facultas adimatur ad Nos referendi, si quae circa supramemoratam 
conventionein. eiusque conditiones movere vel in medium consulere vo- 
luerit; quin potius Nos ea et quaecunque öerti» V«c nomine Nobis pro- 
posita fiierint, utpote a filiali dilectione profecta patemo amplexuros 
afFectu studioque; cui caeterum prosperrimos rerum successus, Nobis 
vero crebras eidem gratificandi cupimus oflFerri occasiones. — 

[Antwort- und Dankschreiben des Kurfürsten, dat. Regiom. 16. Jan. 1642.] 



Der Kui-fllrst an Hoverbeck. Dat. Königsberg 10. Febr. 1642. 

[Prätensionen der lutberincheD Geistlichen bei der Leichenfeier des verstorbenen Kur- 
fürsten. Der Ktinig soU gebeten werden» sie durch seine AutoritKt davon abzubringen.] 

1642. [Ueberschickt ihm Abschrift einer Beschwerde der ^Anwesenden vom 

10. Feh. Herren Stand und Landräthe** — worin diese, von den beiden Hofpredigern 
D. Behm und D. Pouehenius veranlasst, sich darüber beschweren, dass bei 
der auf den 11. März angesetzten Leichenfeierlichkeit für den verstorbenen 
Kurfürsten der reformirte D. Bergius in der Schlosskirche die Predigt 
halten soll.] ) Nun sind itztgedachte Unsere Landräthe vor etzlichen 
Tagen um anderer Ursachen willen von Uns anhero verschrieben wor- 
den. Wir haben auch von ihnen theils verstanden, dass sie wider ihren 
Willen, und damit sie nur der unruhigen Leute los werden möchten, 
vorgedachte Schrift an l^ns haben abgehen lassen müssen. Es hat auch 
D. Behm noch gestriges Tages alhie in der Schlosskirchen, wie auch 
ebenmässig sein Sohn im Kneiphof eine seditiosam concionem hierunter 
gethan und dabei erwähnt, sofern dieses Werk sollte fortgestellt werden, 
dass noch ein anderes daraus entstehen und erfolgen würde. Nun ist 
dieses gewisslich eine unerhörte und ganz unverantwortliche Sache; 
dann es sich ja keines Wegs anders thun lassen und schicken will, 
dieweil gemelter D. Bergius hocherwähnten Unsers Herrn Vaters 6n. 
bestalter Hofprediger und Seelsorger gewesen, auch bei derselbigen bis 
an Ihr hochseliges Ende aufgewartet, als dass die vorseiende Leicht- 
predigt auch durch ihn gehalten und verrichtet werden möge. Es ist 
auch solches überall im ganzen Römischen Reich also gebräuchlich, da 
man von dergleichen Unterscheid, als man alhie unter den Augsburgi- 
schen Confessions- Verwandten machen will, nicht weiss, noch das ge- 
ringste hört oder versteht. So suchen Wir auch hierunter keine einige 

') Dr. Johann Behm und Dr. Levin Pouehenius, die beiden Hofprediger 
lutherischer Confession; Dr. Johann Berg, reformirter Hofprediger. Ueber die hier 
verhandelten Differenzen vergl. Hartknoch Preuss. Kirchengesch. p. 599 ff. 



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Die Leichenfeier und die loth^ischen Geistlichen. Die Pillauer Zölle. 91 

Neuerung in diese» Unser Herzogthum einzufUhren , und ist dieses ein 
singuiarissimus casus , welcher auf keine Regul mrd können gezogen 

oder gedeutet werden. 

Dieweil aber dennoch zu besorgen, es möchte ein Unheil daraus 
entstehen, wann nicht von Ihrer Kön. Maj. deshalber gewisse Ver- 
ordnung gemacht würde, so ergehet hiermit an Euch Unser gnädigster 
Befehlich, Ihr wollet dieses Ihrer Kön. Maj. in Unterthänigkeit re- 

praesentiren und Sie der Gebühr nach ersuchen Ihr Kön. 

Maj. wollte Ihr lassen freundvetterlich gefallen, ein Schreiben an Unsere 
Ober Käthe, jedoch als wann Ihre Kön. Maj. dessen von anderen Orten 
und nicht eben von Uns wäre berichtet worden, hierunter ergehen zu 
lassen und ihnen vermittelst dessen anzubefehlen, dass sie der unruhigen 
Theologorum hierunter verspürte Unbesonnenheit, so doch auf keiner 
Noth oder einiger erheblichen Ursach beruhet, ihnen verweisen und 
davon abzustehen, sie compesciren wollte; da auch einiges Unglück und 
Inconvenientz hieraus entstehen würde, dass Wir daran entschuldiget 
sein und es bei keinem andern, als bei den unruhigen Theologen, zu 
suchen wissen wollten. So fem Ihr dieses Königliche Schreiben nicht 
würdet unter dem Canzleisiegel erhalten können, achten Wir vor ge- 
nugsam zu sein, wann nur dasselbige mit Ihrer Maj. Cammersiegel 
nebst dero Königlichen Subscription confirmiret und bekräftiget würde. 
Dieweil auch nunmehr der Reichstag albereits angegangen und seinen 
Anfang genommen, sich auch innerhalb 14 Tagen endigen wird, so 
wird vielleicht wol das beste sein, dass Ihr dieses Werk nur nach Aus- 
gang des Reichstags sollicitiren und es zum gewünschten Ende zu 
bringen Euch bemühen möget. — 



Franc. Gordon ') an die Oberräthe. Dat. Gedaiii 7/17. Febr. 1 642. 

(Königsb. Arch.) 

[Klagen der englischen Kaufleate über die Höhe der Pillauer Zölle. Vergleich mit 
Danzig und Verlangen dies abzustellen.] 

Aestate elapsa subditi Ser-ni Magn. Brit. Regis de excessu teloniorum 17. Feb. 
in portu Pilaviensi saepius conquesti sunt. Nolui ob varias causas litem 
in limine regiminis Sermi Electoris movere, sperans rebus Investiturae 
rite pacatis modum excessibus in telonio impositum in. In Pilavia 
vectigalia olim exigua erant; Gedanenses longe excedebant et duplo 
plus exigebant. Pacta Induciarum aequalitatem in utroque portu asse- 
runt; sed facies rerum longe mutata est; Gedanense telonium respectu 



') Der englische Resident in Danzig. 



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92 '• PreuBoen und Polen. 

PilavienBis exiguum did potest; in nonnullis mercibufi ter plus nunc 
in portu Pilaviensi quam Gedanensi somitur. An vero ius8u Sermi Eleo- 
toris et Vestro consilio haec fiant, mihi non constat Quare enixe peto, 
ut communicato cum Sermo Electore consilio rem hanc arctius exami- 
nare dignentur et ita negotium dirigere velint, ut advenae mercatores 
portum Vestrum quaerere animentur. Si vero hi excessus duraverint, 
cogar nostrates mercatores, ut portum Yestrum deciinent, admonere, 
et certe, nisi remedia adhibeantur, necessitas coustringet, mercaturae 
loca mutare. Hamm exhibitor, Josephus Windt Anglus, differentiam 
inter Gedanense et Pilaviense telonium demonstrabit ; nam singula per- 
stringere epistolae limites excederet. — 

[Hierbei eine yergleiehende Zusammenstellung der Zollsätze in Danzig 
und in Königsberg -Pill au, wo z. B. auf eine Last Flachs in Dauzig ö fl. 
10 gr., in Königsberg und Pillau 13 fl. 15 gr., auf eine Last Hanf dort 3*fl., 
hier 9fl.. 15 gr., auf eine Last Waizen dort 3 fl. 25 gr., hier 7 fl. 2öi gr. 
kommen.] 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau . . Febr. 1642 '). 

[Besprechung mit dem König fiber die Differenz wegen der Leichenpredigt. Vorschlige 
des Königs. Seine Intercession su Gunsten des reformirten Predigers.] 

. Feb. [Audienz bei dem König. Hoverbeck stellt ihm die Angelegenheit wegen 

der von D. Bergfius zu haltenden Leichenpredigt vor.] S. Kön. Maj. nahmen 
dieses mit Verwunderung auf und erkundigten sich, ob sich jemand im 
Lande der Unbescheidenheit befunden, dass er dieses hätte zu wider- 
sprechen vorgenommen. Darauf berichtet ich nun, was massen E. Ch. 
D. in Unterthänigkeit berichtet worden, es hätte Doctor Johan Behm sich 
harter und unverantwortlicher Reden sollen verlauten lassen, ja auch 
wol gar deswegen zu protestiren unterstanden, da doch E. Ch. D. sich 
der Übermässigen Moderation zu gebrauchen entschlossen, dass Sie 
nicht eben in dem Thum, wo die Leiche solle beigesetzt werden, son- 
dern nur allein uff dero| Hause in der .Capell die Leichpredigt wollen 
verrichten lassen. 

Wie es dann mit des Herrn Markgrafen ISigismunds f. Gn. *), welche 
ja Luthrisch gelebt und Luthrisch gestorben, fragte Ö. Msy., zu halten 
entschlossen? 

Dieselbe, berichtet ich unterthänigst, würden zwar eben wol in dem 
Thum zur Erde bestetljget werden, die Leichpredigt aber solle der Herr 



') Der MonatsUg fehlt. 

') Markgraf Bigismund, Sohn des Kurfürsten Johann Georg, Statthalter in den 
Clevischen Landen, gestorben den 31. April 1640 st. n. 



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Die Leichenfeier und die latberischen Geistliolien. 93 

D. Pouchenius, welcher Sr. f. 6n. höchstsel. Anged. Beichtvater gewesen, 
verrichten. 

Dies nahmen ö. Kön. Maj. also gleich auf, als dass Sie dadurch 
hinter den Grund der Sachen gekommen; dann Sie D. Behmen so weit 
wol kennten, dass ihm solches Widersprechen nicht so weit aus Eifer, 
als allein deswegen ankommen; weil er nicht verdauen kann, dass er 
als der vermeinte Bischof im Lantle bei solcher grossen Solennitet so 
ganz ttbersehen und hindan gesetzt worden. Begehrten demnach von 
mir zu wissen, obs nicht practicable wäre, dass zwei Leichtpredigten 
bei diesem Actu gehalten und also auch Doctor Behm dabei in Acht 
genommen würde ; dann Ihr wol solche Exempel beiwohneten, da man 
auch gar drei Leichpredigten hätte halten lassen. 

So viel E. Ch. D. betrifft, gab ich zur unterthänigsten Antwort, 
möchten dieselbe noch wol dahin gebracht werden können, dass Sie 
solches geschehen Hessen, allein Ihre Ch. D. die Churflirstliche Frau 
Wittib würde nimmer dahin zu bringen sein, dass Sie dero Willen drein 
geben sollt; dann Ihr des Doctor Behm Humor und Passion so wol 
bekannt, dass auch sein Lob und Ehrengezeugniss nicht ohne Be- 
schimpiung und grossem Herzleid abgehen würde. 

Dem vorzukommen, vermeinten S. Kön. Maj. ein Mittel zu sein, 
wann E. Ch. D. Ihrem Exempel folgen und die Leichpredigt Ihr vorhero 
concipiret zur Correctur wollten vortragen lassen. 

Es hat mir nicht angestanden, würde auch wol leicht mehr Schaden, 
als Nutzen geschafft haben, wann ich den von' Sr. Kön. Maj. Zweifels 
ohn zum besten gemeinten Vorschlag so blosser Ding verworfen ; darum 
nahm ich denselben zu gebührendem Dank auf und an, und beklagte 
allein, dass wir nicht ehe drauf kommen wären; jetzo aber wären wir 
durch die Enge der Zeit ganz ausgeschlossen; dann wann ichs gleich 
unverzöglich an E. Ch. D. bringen wollte, würden leicht, zumal bei 
diesem überaus bösen Wege, fast acht Tage drüber hingehen, ehe es 
an E. Ch. D. käme, und war oftmehrgemelter D. Behm seiner Concepta 
so gar mächtig nicht, dass er innerhalb acht Tagen etwas rechtschaffenes 
entwerfen könnte, ehe es dann corrigirt und von ihm eingenommen 
würde, käme die Zeit herbei und dürfte also zu Vermehrung der Churf. 
Frau Wittib Ch. Dchl. Herzens Betrübniss das letzte ärger werden dann 
das erste. 

[Der König macht dann noch den Vorschlag; dass D. Bergias bei seiner 
Predigt nicht auf die Kanzel steigen, sondern sie neben dem Sarg halten 
soll — indess steht er auf Hoverbeck's Vorstellungen auch davon ab. — 
Zuletzt sagt der König auch das gewünschte Rescript an die Oberräthe zu, 



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94 '• ProttMen und Polen. 

aber allerdings uur unter dem Königlichen Kammersiegel. Sobald er es 
erhält, wird er es einschicken, ^da Sie's dann dem Obermarschalk, welcher 
das Cammer Siegel von dem kleinen Cron Siegel schwerlich wird zu unter- 
scheiden wissen, brechen lassen und denen andern nur die Copey können 
zukommen lassen^.] ') 



Hoverbeck an den Kurflirsten. *Dat. Warschau' 28. Febr. 1642. 

[Sobwierigkeiten wegen der polnischen RcprHsentation bei der Kurf. Leichenfeier. 
Personalien vom Hof zu Warschau.] 

28. Feb. [Die Angelegenheit des Rescripts an die Oberräthe ist in Ordnung. 

Eine neue Schwierigkeit erhebt sich in Betreff der Personen, die im Namen 
des Königs abgeordnet werden sollen, um dem Leichenbegängniss beizu- 
wohnen.] Nachdem 8. Kön. Maj. den Herrn Woywoden von Pemaa 
an Ihre Stell verordnet gehabt, und ich mich seiner Person halber am 
besten versichert hielt, kam mir allererst Sr. Lbd. Schreiben zu Händen, 
in welchem Sie mich fast um Gottes Willen bitten, ich wollt es doch 
suchen zu hintertreiben, dass Sie nicht genannt würden, weil sowol 
wegen Leibes Schwachheit, als vielfältiger anderer Behinderungen Sie 
keines Weges dem Actui würden beiwohnen können. 

Diesem nach ersuchte ich des Fürsten Kadziwill Littauschen Ober 
Cämmerer f. Gn., welche bei mir wegen bekannter Resolution in der- 
gleichen Fällen sonderlich considerable waren, Sie möchten dieser 
Occasion zu Bestätigung der mit E. Ch. D. uffgerichteten guteh Con- 
fidentz wahrnehmen. Dieselben waren auch hiezu ganz geneigt und 
hielten mich fast ganze acht Tage in der Hoffnung auf, bis Ihr solche 
beschwerliche Processen zugestossen, um deren Willen Sie keines Weges 
gegen die bestimmte Zeit von hier abkommen können. 

Dieses vei-ursachte, dass Sr. Kön. Maj. ich uffs neue durch des 
Herrn üeconomi von Marienburg gräfl. Gn., die mir dann in diesem 
ganzen Werk überaus nützliche Assistentz und Beförderung gethan, 
wegen einer neuen Abordnung belangen musste. Dieselbe kamen nun 
uffs neue auf des Herrn Grafen zu Goray, Castellanen zu Chelm, Person, 
die ich mir wegen bekannten Eifers in der Religion und anderer hoch- 
rühmlicher Qualiteten nicht konnte als sonders lieb und erwünscht sein 
lassen. Wie aber S. gräfl. Gn., die hierinnen ganz offenherzig und 
aufrichtig gingen, etliche catholische Senatoren, insonderheit aber den 
Krön Gross Cantzler um Rath befragten, und nur bloss anzogen, Sie 



^) Das Schreiben des Köuigs an die Oberräthe mit dem gewünschten infaalt, 
pat. VarttaYiae d. 21. m. Febr. 1642. 



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Die Leichenfeier and der polnische Hof. 95 

hätten sich zu einer solchen Reise und Function gar nicht geschickt 
und albereit ein gut Theil dero Hofgesinds voraus nach Hause abge- 
fertigt, nahmen die der Occasion wahr und baten gar inständig bei 
Ihrer Kön.. Maj., dieselbe geruheten, den Herren, welcher ohne das 
seine grossen Beschwerden hat, vor entschuldigt zu nehmen und den 
Castellan von Danzig Zawacky, der ohne so grosse Kosten alles ver- 
richten könnt, an seine Stell verordnen und zwar um so viel desto 
mehr, dass Ihr Vorfahr am Reich A« 1568 auch einen Dantzker Castel- 
lan abgeordnet gehabt. 

Dieses machte mich überaus bestürtzt, bevorab da mir die Gedanken 
vorkamen, es mtisste dieser Vorschlag entweder von dorten herge- 
schrieben oder doch von denen noch anwesenden Königsbergischen 
Abgeordneten dem Herrn Gross Cantzler sein an die Hand gegeben 
worden; und gingen etliche Tage darüber hin, ehe ich recht dahinter 
kommen, woher S. Kön. Maj. zu solcher Verändemng veranlasst wor- 
den und ich es wieder uff die obwolgemelte Person richten können; 
dann weil S. Kön. Maj. darüber eine harte und schwere Recidivam be- 
kamen, könnt ich nicht selber zu Ihr kommen, sondern musst alles 
durch den Herrn Oeconomum von Marienburg, der ohne das mit andern 
Geschäften sehr überhäuft, negociiren. So hatte auch inzwischen der 
Herr Castellan sich zur Rückreise in Podolien gefasst gemacht. 

Da ichs des Herrn Castellanen von Danzig halber hintertrieben 
gehabt, kamen S. Kön. Maj. Ihrer Person wegen auf den Castellan von 
Minsk Rayecky, die Königin aber benennte den Herrn Grafen von 
Goray. Jener wollt es nicht uff sich nehmen, dann mit dem Bedinge, 
dass ihn S. Kön. Maj. mit Ihren Pferden und Wägen bis an die Gränze 
fbhren Hessen und ich ihn versicherte, dass von E. Ch. D. er daselbst 
würde aufgenommen werden. Dieser aber liess zwar das Interesse 
religionis, so^ ich fleissig repraesentirte , hoch bei ihm gelteu, wollte 
aber durchaus und in keinerlei Weg Ihre Maj. die Königin, sondern 
allein des Königs Stelle vertreten, vorgebend dass ihn die Reise mehr 
dann 2000 fl. kosten und er von der Königin keine Gnad oder Er- 
kenntniss würde zu gewarten haben. S. Kön. Maj. Hessen Ihr bei 
diesem ganzen Werk sonderlich angelegen sein, wie Sie E. Ch. D. 
Willen und Intention am nächsten gingen ; derentwegen stunden Sie 
von dem Castellan von Minsk ab und setzten mit so vielen und guten 
Persuasionen an den Castellan von Chelm, dass S. Gn. sich endlich 
absolute resolvirten, die Reiss uff sich zu nehmen. 

Dadurch vermeinte ich alles schon zur Richtigkeit gebracht zu 
haben; es kamen aber wiederum die Catholische mit dem Castellan 



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96 I. PreusBen und Polen. 

vou Danzig auf die Bahn, dasß derselbe Ihrer Maj. der Königin Stelle 
vertreten müsste, weil dieselbe keinen geringem abordnen wollt und 
ausser seiner keinen wüsste. Dasselbe ist nun in keinerlei Weg anders 
zu hintertreiben gewesen, dann dass ich um der Sicherheit wegen die 
Reputation etwas hindan gesetzt und den Vorschlag gethan, welchen 
des Herrn Woywoden von Sieradz f. Gn. durch dero Persuasionen Statt 
finden lassen, es möchte der Herr Graf von Goray beide hohe Stellen 
vertreten. Hab ich darin E. Ch. D. Intention verfehlt, so ist es doch 
von mir in Unterthänigkeit gar treu gemeint gewesen, und ist durch 
Gottes Segen auch noch dieses dazu kommen, dass S. Kön. Maj. bei 
der Audientz dem Herrn Grafen ufgetragen, S. Gn. sollten uff den Fall, 
da es von Nöthen thät, dasselbe was in dero Schreiben an die Herrn 
Oberräthe enthalten, von Ihretwegen bestätigen und alles zu E. Ch. D. 
Intention richten. So hoff ich auch, weil es der redlichste Herr ist 
fast unter allen polnischen Evangelischen, es werden E. Ch. D. auch 
in andre Weg grosse Vergnügung an seiner Person finden. Nur allein 
wird er wegen Sr. Kön. Maj. fast mehr dann andere zuvor Respects er- 
fordern, damit er seiner Widerwärtigen fälschliches Angeben nicht wahr 
mache, oder ufs wenigste in die Suspicion gerathe, ob hätt er der Re- 
ligion halber solchen aus der Acht gelassen, darinnen dann gewiss 
E. Ch. D. mit Sr. Kön. Maj. und ihm nicht werden uneins sein. *) 

Ihr Dchl. der Prinz Casimir') wollten an dero Stell den Herrn 
Starosten von Stum Guldenstern verordnen, welcher, wie wol er sonst 
in allen andern Stücken ein sehr gallanter und moderater Cavallier, 
ist er doch sehr pfafifisch und gegen die Unsern mehr eifrig luthrisch 
und heftiger, dann viel der Catholischen. Weil ich directo seiner Person 
zu widersprechen mich nicht unterstehen dürft, braucht ich den Praetext, 
dass, weil er schwerlich würde die Function uff sich nehmen wollen, 
man einen andern verordnen oder doch ihm substituiren wollte und 
erhielt also, dass Ihre Dchl. nicht gar hart in ihn dringen, sondern uff 
den Fall^ da er selber nicht erscheinen könnt, freistellen, er möchte 
ein deswegen ihm zugeschicktes Schreiben an den Herrn Obristen 
Achatium von Kreutzen übermachen. 

Ihre Dchl. die Princessin tragen Ihre Stell dem Herrn Obristen 
Rosen auf, welcher zwar luthrisch, aber dabei so moderat ist, dass er 



') Sbignew Qoraiski, Castollan von Chelm in Kleio polen, einer der ange- 
sehensten Ton den polnischen Edelleuten reforinirten Bekeiintnissea ; 1G45- bei dem 
Thorner Colloquium Director der Reformirten; seine Thätigkeit dabei s. Hering 
Neue Beiträge 11. p. 28ff. Anderes fiber ihn bei Lengnich VI p. 254 ff. 

*) Johann Casimir, Bruder des Königs nnd 1648 sein Nachfolger. 



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Die Leichenfeier, der polnische Hof und die latherischen Geistlichen. 97 

sich von dieseu beiden und von dem Herrn Christoph Fincken^ der 
seiner mächtig, wird zu E. Cb. D. Gefallen lenken lassen. 

Dass des Prinzen Caroli hochf. Dcbl. *) sich anjetzo zu Breslau be- 
finden, und niemand abordnen können, ist fast mehr zu belieben, dann 
zu beklagen, weil man doch derselben in Ihren Praetensionen wegen 
der Stelle schwerlich würde Satisfaction haben geben können. 

[Bittet womöglich den Actus einige Tage aufzuschieben, uameutlich 
auch des jungen Pfalzgrafen von Neuburg wegen, der sieh von hieraus per- 
sönlich zu der Feierlichkeit begeben will.] 



Die Königsberger Geistlichkeit an den Kurfürsten. 
Dat. Königsberg 6. März 1642. 

[Neae Reolamen der Geistlichkeit und der Oberräthe wegen der bevorstehenden 

Leichenfeier.] 

[Sie wiederholen dem Kurfürsten — ^die christliche billige Bitte, dass 6. Mllr«. 
D. Hergius in Verrichtung der Leichpredigt sich seines Orts halte und der 
unser Lehr und Gottesdienst übergebenen Canzel sich darzu nicht anmasse, 
sondern dieselbe von ihm etwan unberührt bleibe, oder, wie dan die verhof- 
fe ntliehe ansehnliche Menge der Zuhörer beide Oerter erheischen will, ihrem 
ordentlichen Lehrer in dieser Verrichtung bleibe. Hiemit wie der Hoheit 
Churf. Dchl. Herren Vätern so wenig abgebrochen wird, dass vielmehr wir 
ingesammt Sr. Ch. D. hochsei. Anged. nachzeugen werden, dass weder bei 
derselben Leben, noch seligein Ableiben und Leichbestattung uns ein wi- 
driges zugefüget; wie E. Ch. D. Frau Mutter Betrübniss so gewiss, voraus 
mit göttlichem Trost, wird gemildert werden, als erfreulich einem gewaltigen 
sein mag, des geringeren in Gnaden zu schonen: also wird derselbe, der 
etwari den Leichensermon von preussischer Schlosscanzel auf B. Ch. D. 
Verordnung halten wird, unter irrigen Lehrern und Zuhörern zu unterschei- 
den wissen und demnach derselben alle erzeigten Wohlthaten nach- 
rühmen.*^ 

Die unterzeichneten Geistlichen sind: Johannes Behm D. Levin Pou- 
chenius D. M. Martinus Wolderus. M. ürbanus Lepner. M. Isaac Halbach. 
M. Christophorus Schultz. Coelestinus Myslenta D. M. Joachimus Babatius. 
Georgius Colbius. M. Fridericus Stimerus, Pastor Lobnicensis. Georgius 
Wemerus. Georgius Bodendorff.] 

Die Oberräthe an den Kurfürsten o. D. — Sie überschicken dem 
Kurfürsten obige Eingabe mit der Mahnung, — ^die von ihnen angeführte 
rationes in Gnaden zu beherzigen und ihrem flehentlichen unnachlässigem 
petito und demütigstem Fussfall aus Churf. angeborener Gnade zu deferi- 
ren, damit nicht ein besorglicher Aufruhr entstehen, Querelen und difficul- 
tates am Polnischen Hofe erwachsen oder auch E. E. Landschaft in ipso 
acta et puncto der solennen Deduction aufstutzig werden und darwider pro- 



') Carl Ferdinand, zweiter Bruder des Königs, Bischof von Breslau« 
Mater, zur Gesch. d. Gr. Kurftirsteo. I. 7 

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98 '* Preussen und Polen. 

testiren dörfe. Welches zu Verhütung, nebenst dieser uuser unterth. Wol- 
meinung, wir auch unvorgreiflich doch rathsam lii ünterthänigkeit erachten, 
besser zu sein, wann von den Städten, dass die Bürgerschaft bei solchem 
sehr feierlichen und hochansehnlichen Chnr- und fürstlichem actu und Ver- 
sammlung in Gewehr stehen sollte, nicht begehret oder gefordert würde; in 
Anmerkung, dass auf E. Ch. D. hohe Person die ganze Welt ein sonderli- 
ches Absehen hat und bei so einem volkreichen und von unterschiedlich vielen 
Oertern Zusammenlauf des gemeinen Pöbels unter demselben Prätext ein Un- 
heil entstehen und die Schuld der Unvorsichtigkeit uns beigemessen werden 
möchte" '). 

Joach. Ernst v. Crockow an den Kurftirsten. Dat. Danzig 

14. April 1642*). 

[y. Crockow entsohnldigt sioh wegen seiner in Preussen ohne des Kurfürsten ErUnbniss 
angestellten Werbungen für den Kaiser und bittet um nachträgliche Genehmigung.] 

14. Apr. E. Ch. D. sind meine unterth. Dienste jederzeit zuvor und habe 

hemächst E. Ch. D. gnäd. Brief mit unterth. Reverenz empfangen, daraus 
aber E. Ch. D. Unwillen, ob dass sich meine Officier der Werbung vor 
angemeldet unterfangeu, unterth. vernommen. Nun hätte ich, wie ich 
schon E. Ch. D. berichtet, solchem üebel wol vorkommen wollen, wann 
nicht Gott der Allmächtige mich mit einer Leibesbeschwerung hätte 
heimgesucht, und auch zu Warschau von Ihr Eon. Maj. mir die aller- 
gnäd. Vertröstung gegeben worden, dass man deswegen an E. Ch. D., 
wie auch an andere confoederirte Länder Schreiben abgehen lassen 
wollte. Dass aber Ihr Kais. Maj. durch dero Gesandten die Werbung 
nicht haben suchen lassen, halte ich daiUr, dass solches entweder in 
Vergessenheit gestellet worden, oder aber dass man sich versehen, E. 
Ch. D. würde ohne alles Erinnern die Wolfarth des lieben teutschen ' 
Vaterlands gerne sehen, und also desto weniger die Werbung ver- 
hindern. Gott der Allmächtige wolle mich bewahren, damit ich unter 
derer Zahl nicht möchte gefiinden werden, die E. Ch. D. verunruhigen 
möchten in dero Landen und glücklichen Regierung, sondern glaube 
festiglich, dass die H. Rom. Reichbverfassung vielmehr zu E. Ch. D. 



*) Das Leiobenbegängniss fand am 11. März 1642 Statt, und es blieb dabei, dass 
D. Berg in der Schlosskirche die Predigt hielt. Baczko V. p. 153. 

') Joachim Ernst von Crockow, in kaiserlichen Diensten, besonders be- 
kannt durch die von ihm geleitete Diversion nach Hinterpommem im Jabr 1643. 
(Pnfendorf de reb. Suec. XY. 20 ff.) Vergl. unt. die Acten darüber ad 25. Aug. ff. 1643. 
Ueber die hier in Rede stehende Werbung Tergl. Chemnitz IV. 1. pag. 108. 1644 
wird er vom kaiserlichen Dienste cassirt (ibid. IV. 4. p. 72). Im Jabr 1646, als Konig 
Yladislav snm Tfirkenkrieg rüstet, finden wir ihn in polnischen Diensten; er starb 
aber in eben dieser Zeit zu Tamow an einem hitzigen Fieber. (Adersbach an die • 
Oberrftthe, dat. Jaroslav 30. Aug. 1646. Königsb. Arch.) 



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Kaiserliche Werbungen. Irenische Bemühungen. 99 

Ruhe als Unruhe gemeinet sei, und weil der Werbung in den Pactis 
der Krone Polen und Schweden nicht mit einem Worte J gedacht, so 
lebe ich noch der unterth. Hoffnung, E. Ch. D. werden solches gleich 
den andern incorporirten Ländern der Krone Polen, da die Werbung 
auch mit freiem öffentlichen Trummelschlage vergönnet wird, auch in 
der Stille gnädigst zulassen. Weil nun solches zu höchstem Gefallen 
Ihr Kais. Maj. gereichet, auch zu Wiederbringung eines ehrlichen Frie- 
dens und Rettung aus der Tyrannei der Fremden, so lebe ich der 
unterth. Hoffnung, E. Ch. D. werden mir diesmals gnäd. meine Bitte, 
gewähren. — 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Königsberg 26. April 1642. 
(Conc. von der Hand des Kanzlers v. Götze.) 

[Die nnablftssige Yerketserung des reformirten Bekenntnisses durch die latherisohen 
GeisÜiohen kann nicht länger geduldet werden. Der KurfSrst lehnt den Verdacht ab, 
als beabsichtige er eine «Reformation'' in Preussen. Beide Kirchen stehen auf dem 
Boden derselben Bekenntnissschriften. Der Kurfürst schlägt ein Beligionsgespräch vor.] 

Edle Räthe und liebe getreue. Euch kann nicht verborgen sein, 26. Apr. 
mit was grosser Bitterkeit theils derer Theologen, welche doch Evan- 
gelische sein und genennet werden wollen, wider andere Evangelische 
Theologen bishero geschrieben und gestritten, auch so viel an ihnen^ 
dieselbige zu Photinianem, Arianern, auch gar Türken und ünchristen 
machen und aus allem zeitlichen und ewigen Frieden ausschliessen 
wollen. Nun hat gewigslich alle fromme friedliebende Herzen dieser 
übermässige Eifer herzlich betrübet, auch der itzige leidige Zustand 
der Christenheit es übergnugsam bezeuget, wie viel besser es gewesen 
wäre, wann man an Statt des Zankens und Streitens Gott angerufen 
und um Abwendung der so schweren Strafen, welche er in seinem 
Grimm und Zorn über die sämmtliche Evangelische Kirchen in Deutsch- 
land bishero ergehen lassen und noch täglich ergehen lasset, ersuchet 
und gebeten hätte. Dann indem man sich bishero lieber beissen und 
zanken, als zusammentreten wollen, ist darauf endlich erfolget, dass 
alle mit einander aufgerieben und verzehret worden, dergestalt dass 
sich kein Theil vor das andere einiges Vortheils zu rühmen Ursach. 

Nun sollten Wir Uns billig versehen, man würde in diesem Unserm 
Herzogthum, welchem Gott vor vielen andern Landen den Frieden so 
viel Jahr väterlich verliehen und erhalten, sich an solchem traurigen 
Exempel der Evangelischen Kirchen in Deutschland etwas mehr ge- 
spiegelt und von der unseligen Bitterkeit abgestanden, dahin gegen 
aber der Sanftmuth und Einträchtigkeit beflissen haben. Wir müssen 

7* 



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100 ^' I*r«ii»8ön und Polen. 

aber leider wider Unser besseres VerhoflFen das Gegentheil erfahren 
und will das Verketzern und Verdammen auf den Kanzeln und in Schrif- 
ten gar nicht nachlassen, sondern es wird dasselbige viel heftiger zu 
diesen Zeiten getrieben, als zuvor imme|- geschehen sein mag. 

Wir wollten zwar nach dem löblichen Exempel Unserer in Gott 
ruhenden christlichen Vorfahren auch Uns gerne in Geduld fassen, das 
Gericht dem gerechten Gott befehlen und Uns an alles solches Ver- 
dammen nicht kehren. Wir befinden aber, dass der Eifer bei etlichen 
Leuten dermassen gestiegen und überhand genommen, daas auch der 
Abgelebten nicht geschonet, und was in andern Orten in der Nachbar- 
schaft von dem Magistratu einem jedweden privato zugelassen wrd, 
dass nämlich bei seiner Leichbestattung derjenige die Leichpredigt ver- 
richten mag, welcher ihn in seinem Leben unterwiesen und in seinem 
Tode getröstet, solches dieses Orts auch Unsers Herrn Vätern Christ- 
milden Angedenkens Gnaden, als einem regierenden Herzoge in Preussen, 
bei dero Beisetzung nicht gerne verstattet und nachgegeben werden 
wollen. 

Hieraus können Wir kein anders schliesseu, als dass nicht allein 
solche Leute Unsere (wie Wir Uns dessen in Unserm Gewissen wol 
versichert halten) christliche Religion gar vor eine unchristliche und 
gotteslästerliche Religion halten, sondern auch Unsern lieben und ge- 
treuen Ständen und Unterthanen von Uns und Unserer Religion zuge- 
thanen dasselbe also einbilden müssen. Wir werden zwar berichtet, 
sammt beschuldige man Uns vieler gi-ossen und sehr schweren Irrthti- 
mer, welche Wir doch selbst von Herzen hassen und fliehen; indessen 
aber erfahren Wir, dass, ob Wir wol in Unserer getreuer Stände und 
Unterthanen Liebe und Treue gegen Uns keinen Zweifel zu setzen, 
dennoch bei denselbigen ein solcher Verdacht vndar Uns eingewurzelt, 
sammt wollten Wir eine Reformation in dieser Lande Kirchen zur Hand, 
nehmen und, wo nicht directo, doch per indirectum eine solche ab- 
scheuliche Religion, wie sie ihnen vorgebildet wird, einfüliren, da Uns 
doch 80 wenig in Unsern Sinn kommen, einigen Menschen mit Gewalt 
oder auch mit List zu der Religion zu nöthigen und zu bringen, dass 
Wir auch auf nächst gehaltenem Landtage fast alles, was sie in Kir- 
chensachen von Uns begehret, verwilliget, wobei Wir es allerdings zu 
lassen und keinem Stande, er sei wer er wolle, solcher Unserer Chur- 
ftlrstlichen Erklärung zuwider zu praeiudiciren und zu beschweren ge- 
meinet; dann Wir wissen aus Gottes Wort so viel, dass allcine Gott 
die Herrschaft über die Gewissen der Menschen zustehe und gebühre. 

Es wird Uns aber verhofl^entUch Niemand verdenken, dass Wir 



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Iremsche BemähuBgen. 101 

dennoch Uns in dem sorgfältig erweisen , wie Wir die eigentliche Ge- 
wissheit erlangen und aui den Grund aller derer Beschuldigungen, dar 
mit Unsere Religion hishero so hart heschweret worden, kommen mö- 
gen; dann sollte es sich in der Wahrheit also befinden, dass alsolche 
erschreckliche Lehren, wie Wir beschuldigt werden, in Unsern Ver- 
sammlungen getrieben und denselbigen Beifall von Uns gegeben werde, 
so müssten Wir wol bekennen, dass Wir recht übel daran wären, und 
wUrde Uns die Distinction inter seducentes et seductos vor dem Ge- 
richte Gottes sehr wenig zu Statten kommen; da Wir doch billig dieses 
Unsere hoheste Sorge sein lassen, dass Wir also glauben und leben 
mögen, damit Wir Gott gefallen, von welchem Wir Unser Lebend 
Dignitet und Würde, ja Lande und Leute und alles, was Wir haben, 
als von Unserm Herrn recognosciren, dem Wir auch an jenem grossen 
Tage Rechenschaft davon werden geben mUssen. 

Können demnach Unser Gewissen anderer Gestalt nicht stillen, es 
sei dann, dass Wir Unserer Religion gnugsamen Grund vor Uns ha- 
ben, worauf Wir allen Unsern Glauben und Werke fandiren und .grün- 
den können, oder Uns zum wenigsten gewiesen werde, worin Wir 
irren. 

Wir bekennen Uns ja zuforderst zu dem ungezweifelten Wort Gottes, 
welches die einzige Leuchte Unserer Füsse und die Richtschnur Un- 
sers Glaubens und Lebens ist. Hierüber bekennen Wir Uns auch zu 
der aus Gottes Wort zusammengetragenen Augsburgischen Confession, 
wie dieselbige in Ao 1530 dem Kaiser Carolo V. zu Augsburg über- 
geben und folgends durch die Apologiam ist erläutert und erkläret 
worden, welche beide libri symbolici auch in dem privilegio Lubli- 
nensi *) confirmiret worden. Wir werden auch von der Rom. Kais. Maj. 
und allen sowol der Catholischen als der Evangelischen Religion zu- 
gethanen Ständen ungezweifelt vor ein Glied der Augsbürgischen Con- 
fession gehalten. 

So finden Wir über dieses auch in dem kleinen Catechismo Lu- 
theri, welchen er Lutherus selbst vor gnugsam erachtet, dass daraus 
ein Christ wissen und lernen könne, was er glauben und wie er leben 
soll, überall nichtes, dem Wir auch Unsers Orts nicht sollten Beifall 
geben, können ohne das mehrmalen erinnert werden, dass man die 
zehen Gebot ergänzen und wie sie von Gott dem Volk Israel vom 



'3 Pririlegiam des Königs Sigismnnd August vom Jahr 1569 — in eam doctri- 

nam religionis, quae juxta fonnulam Augustanae Confessionis et Apologiae ejus- 

dem TecepU et publicata est, Do^iel Cod. Dipl. Pol. IV. p. 345. Baczko IV, 
p. 496, 



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j^Q2 '* Preuftsen uad Polen. 

Himmel gegeben, auch mit dem Finger Gottes in die zwo steinerne 
Tafeln geschrieben worden, noch weiters vollkommlich und ungestttm- 
melt dem Volke Gottes vortragen möchte. 

Zu diesen Büchern allen bekennen Wir Uns und wollen darauf 
gewärtig sein, dass man Uns aus denselbigen einiges Irrthums tiber- 
weise. Will man Uns aber eines Irrthums recht tiberweisen, so 
muss ei dergestalt geschehen, dass man Uns aus dem Worte Gottes, 
der Augsburgischen Confession, derselbigen Apologia und dem klei- 
nen Catechismo Lutheri demonstrire und zeige, was in denselbigen 
mit deutlichen und klaren Worten wider Unsere Kirchenlehre de- 
cidiret und enthalten (dann an die consequentias, welche etliche 
. Hochgelarte ingeniöse et speciose aus einem und dem andern er- 
zwingen und schliessen, können Wir Uns und Unser Gewissen gar 
nicht verbinden, auch nicht es vor einen Glaubensarticul annehmen), 
welches nicht in Gottes Wort dermassen klar und deutlich verfasset, 
dass auch neben Uns alle andere, auch die einfältigste Christen (denen 
das Wort Gottes ebensowol als den Hochgelarten vorgeschrieben) sol- 
ches articuli gewissen Grund haben können. 

Mit den Ceremonien hat es eben die Beschaffenheit, und >vird Uns 
Gott davor gnädig behüten, dass Wir einiger solcher Ceremonien Uns 
in Unserm Gottesdienst sollten gebrauchen wollen, welche dem Worte 
Gottes und denen Ceremonien, so zu den Zeiten der Apostel und der 
ersten Kirchen gebräuchlich gewesen, zuwider und zuentgegen wären; 
derowegen man auch solcher Ceremonien halber Uns und Unsere Kir- 
chen zu verlästern oder zu verdammen gar nicht Ursaeh, gestalt dann 
auch Wir und Unsere Kirchen der Ceremonien halber Niemanden ver- 
dammen werden, sonderü lassen einen jedweden solcher Freiheit, je- 
doch auf seine Verantwortung, sich gebrauchen. 

Wir sehen aber diesem Werke zu helfen kein verträglichers und 
besseres Mittel, als dass eine freund- und friedliche Unterredung der 
Theologen in Unserer und anderer Unserer Räthc, Stände und vor- 
nehmen Diener Gegenwart gehalten werde, und könnte diese Unterre- 
dung vornehmlich auf die Augsburgische Confession und alle darin 
enthaltene articulos angestellet, auch nicht allein das zu Leipzig in 
Anno 631, sondern zugleich das zu Marburg in Ao o2\) von D. Lutheru 
Selbsten gehaltene Colloquium durchgangen und jeder Punct mit Fleiss 
erwogen werden, auch wo es ja einer fernem Dcclaration und Erklä- 
rung bedürfen möchte, könnte dieselbige zugleich von beiden Theilen 
also erfolgen, damit man aufs wenigste eiiiander recht verstehe und 
desto ehe also ein Theil das andere alles ungleichen Verdachts erlasse. 



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Ein Colloquimn. 103 

Es würde aber hiezu gar nicht nöthig sein, viel fremde Theologen zu 
besehreiben, dieweil Wir durch diese Unterredung keiner Kirchen zu 
praejudiciren begehren, sondern allein dieses suchen, dass Wir Unser 
und derer Gewissen, die sich nebest Uns zu der reformirten Religion 
bekennen, desto bass stillen und versichern, allen bösen Verdacht von 
Uns abwenden und gutes Vertrauen und gute Einigkeit zwischen Herrn 
und Unterthanen und zwischen den Ständen selbsten in diesem Un- 
serm Herzogthum erhalten mögen. Welche Unsere christliche treu und 
wolgemeinte Intention Ihr als Unsere vornehmste ßäth dieses Unsers 
Herzogthums Unserm zu Euch gefasstem gnädigsten Vertrauen nach 
mit allem Fleiss und Eifer zu secondiren Euch angelegen sein lassen 
werdet; und ergehet diesem nach an Euch hiemit Unser gnädigster 
Befehl, Ihr wollet mit dem förderlichsten das Ministerium dieses Ortes 
an Euch erfordern, demselbigen diese Unsere christlich und wolge- 
meinte Intention vorhalten, ihre Gedanken von ihnen vernehmen, wie 
sie vermeinen, dass diese Unterredung am fliglichsten anzustellen, damit 
alles zanken und disputiren bei. Seite gesetzet und allein der Zweck 
erreichet werde, dass ein Theil das andere recht vernehme und Wir 
nebest ihnen und denen, welche hiezu mitgezogen werden sollen, wis- 
sen mögen, worinnen man mit einander einig, was noch zwischen bei- 
den Theilen streitig, und wie es um solche Streitigkeit eigentlich be- 
schaffen, ob man dahero gnugsame Ursach, mit so verbittertem Ge- 
mttthe wider einander zu verfahren, oder ob man nicht zu etwas 
näherer Einigkeit gelangen und das Band der christlichen Liebe er- 
halten könne. 

Wir wollen Uns nicht versehen, dass den Theologis dieses Orts 
hierunter einiges Bedenken beiwohnen, sondern sie vielmehr dieser 
Unserer guten und wolgemeinten christlichen und friedfertigen Inten- 
tion Beifall geben werden. Wir wollen auch Euere und ihre Erinne- 
rung super modo procedendi gar gerne vernehmen, Uns auch darauf 
weiters also resolviren und erklären, dass daraus Unser friedfertiges 
christliches Geraüth der ganzen ehrbaren Welt kund und offenbar wer- 
den solle*). — 

Die Königsberger Geistlichkeit an die Oberrätlie. o. D. 

Antwort auf das kurfürstliche Rescript vom 26. April. Ausführliche 
Rechtfertigung ihres Verhaltens zu den Reformirten. ^Zusammenzutreten 



*) Dieses Sehreiben, sowie die folgende Erklärung der Königsberger lutherischen 
Theologen ist benutzt bei Hartknooh p. 599 ff. 



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IQ4 !• Preussen und Polen. 

mit eiumüthigem Herzen, ohne vorhergehende Verwerfung des Irrthums und 
der unrichtigen Lehre ist samaritisch und halb heidnisch (2 Kön. cap. 17) ; 
und insonderheit dasselbige hie in Preussen zu thun ist allen christlichen 
Patrioten und Einwohnern desselben bei Verlust ihrer Seligkeit und des 
ganzen Landes Nutzen, Gedeihen und Wolfarth in Sr. H. Markgraf Al- 
brechten des Eiteren Testament verboten. Es ist demnach der geistliche 
Krieg und Streit viel bessel* in solchem Fall, als die Vereinigung der Recht" 
gläubigen mit den Ungläubigen und Unrichtigen'' *). 

Der Verdacht, dass der Kurfürst eine ^Reformation" in Preussen vor- 
habe, wird besonders aus der neulichen Leichenpredigt des D. Bergius her- 
geleitet, welche dieser noch überdies „unter die Landstände selbst spar- 
giret". 

Was den Vorschlag eines Colloquium betreffe, so sei dies ein schon seit 
1640 gehegter Lieblingswunsch des D. Bergius. Eine solche Conferenz sei 
aber durchaus unnötig. „Unnötig ist sie von wegen Sr. Ch. D., welche 
auf eine andere und zwar viel bequemere Weise hinter den Grund der himm- 
lischen Wahrheit kommen, wie auch den Unterschied zwischen der recht- 
gläubigen und unrichtigen Meinung erlangen könnten, nämlich da Sie dero 
lutherische Hofprediger vor sich fordern und von ihnen eine gründliche In- 
formation zu begehren geruheten, worzu obgedachte Theologi sich willig 
oflferiren.'* Unnötig ist es aber auch die Differenz der beiden Bekenntnisse 
nochmals besonders aufzuweisen; es ist nur eine Heuchelei, wenn etliche 
sagen, „dass sie die ungeändert A. C. ohne einige animi Reservat anneh- 
men können'*. 

Schliesslich erklären sie, nur unter einer gewissen Reihe von Bedin- 
gungen auf ein Religionsgespräch eingehen zu können. [Vergl. Hart- 
knoch a. a. O.] 



Der Kui^Rirst an Sigmund v. Götze und Leuchtmar, Gesandte 
in Scliweden. Dat. Königsberg 1. Sept. 1642*). 

[Der Kurfürst berichtet den Gesandten über die von dem polnischen Qrosskanzler 
Ossoliuski in Königsberg verrichtete Gesandtschaft. Inspection der Pillauer Festungs- 
bauten. Einsprache gegen das schwedische Heiratsproject. Polnische Vermittelung 
zwischen Brandenburg und Pfulz-Neubarg in der Jülich-Clevischen Sache.] 

1. Sept. Wir lassen Euch hiermit unverhalten sein, dass Ihre Kön. Maj. in 

Polen und Schweden etc. dero und der Krön Unter- und künftigen Gross- 
Canzlem, den Fürsten Ossolinski, kurz verwichener Tagen an Uns ab- 



') Am Rande: „Qui vult vitare Turcismum, yitet Arianismum ; qul autem Yult 
vitare Arianismum , vitet CaWinismum.'^ Vergl. übrigens über die angeblichen Re- 
formation sgedanken des Kurfürsten unten die Einleitung sn dem dritten Abschnitt: 
Brandenburg und Schweden, am Schluss. 

') lieber diese Gesandtschaft s. iint. unter der Abtheilung Brandenburg und 
Schweden, wo auch die Übrigen Acten derselben. 



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Die schwedische Heirat. 105 

gefertiget, welcher mit einem starken Comitat anhero gekommen, und 
ist dessen Anbringen in dreien folgenden Punkten bestanden: als näm- 
lich 1) in Besichtigung des Pillauschen Baues, 2) |:in der Schwedi- 
schen Heirath:| und 3) in der mit Pfalz - Neuburg habenden streitigen 
und provisionaliter verglichenen Gülichschen Sachen. . 

Was das It« betrifft, so hat sich der Königl. Gesandter auf Unser 
zu Warschau bei der Belehnung ausgegebenes Responsum gezogen. 

Beim 2) ist der Vortrag ohne Gefahr folgendergestalt geschehen: 
|:da8S Ihr Kön. Maj. in Polen unterschieden zu Ohren kommen, dass 
Wir mit der Schwedischen Heirath umgingen und Euch derhalben in 
Schweden abgefertiget hätten; nu wäre solches dem homagio zuwider, 
dürfte Ungelegenheit und wol gar einen Krieg causiren und wäre des 
Königs Praetension, dero er sich auch weder jetzo oder künftig bege- 
ben würde, bekannt, und wollte also hoffen. Wir als Vasall würden 
ohn Ihr Maj. und der Krön Consens Uns in solche Heirath nicht ein- 
lassen wollen. Der König hielt zwar dieselbe noch zur Zeit nicht ge- 
wiss, sondern es wären nur rumores; er müsste aber bei Zeit vigi- 
liren und erinnern; dann als vor diesem wegen der mit dem König 
zu Schweden und Herzogen in Siebenbürgen*) vorgewesenen Heirath 
auch Erinnerung geschehen, so hätte maus damit entschuldigen wollen, 
dass res nicht mehr integra, sondern alles bereit richtig geschlossen 
wäre, und darum hätte der König um so viel zeitiger Uns Unser 
Schuldigkeit erinnern wollen, wie dann derselbige auch derhalben, 
dass es nicht geschehen sollte, genügsame Assecuration würde haben 
müssen. :| 

Anlangend das dritte, so wäre vom Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg 
an Ihre Kön. Maj. zwar nichts gebracht worden, dieweil aber der junge 
Pfalzgraf jetzund dero einige liebste Schwester geheirathet*), und der 
König Uns so wol mit freundväterlicher, als seiner Schwester mit freund- 
brüderlicher Affection zugethan und dahero alle künftige dissidia und 
Missverstände zwischen so nahen Anverwandten gerne praecaviret sehen 



^) Von den Schwestern des. Kurfürsten Georg Wilhelm war 1620 Maria Eleo- 
nora mit König Gustav Adolf von Schweden, 16^26 Catharina mit dem Fürsten 
von Siebenbürgen Bethlen Gabor vermählt worden. 

') Pfalzgraf Philipp Wilhelm, der Sohn des mitpossidirenden Fürsten bei der 
Jfllich-Clevischen Erbschaft, Wolfgang Wilhelm, vermählt 1642 mit Anna Catha- 
rina Constantia, der Schwester des Königs Vladislav IV. von Polen. Ueber seine 
daraus erwachsenden Beziehungen zu Polen s. unt. die Depeschen Uoverbeck^s vom 
J. 1645 ff., und bei den Pfalz-Neuburgisclien Acten besonders die Relationen Biirga- 
dorfs aus Düsseldorf vom J. 1G47. 



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^Qg I. Preussen und Polen. 

möchte: so hätte der König proprio motu aus wolgemeintem Herzen 
und Gemüthe Uns zu verstehen geben lassen wollen, dass er nicht 
ungeueigt wäre, sich in dieser Sachen pro mediatore gebrauchen zu 
lassen, und wann Wir ihm Unsere Gedanken und einige Mittel, wie 
etwa das Werk anzufangen und fortzustellen, eröffnen lassen wollten, 
so hätte der Gesandter auch gewisse Instruction, Uns des Königs Ge- 
danken und Vorschläge zu communiciren. 

Wegen des Iten hat es seine Richtigkeit, in dem Wir selbst mit 
dem Königl. Herrn Abgesandten nach der Pillau gefahren, da er dann 
alles fleissig in Augenschein genommen und die Werke ihm sehr wol 
gefallen lassen, auch begehret, den Bau bald auszuführen, dieweil dem 
Könige und der Krön Polen daran merklich gelegen. Welches Wir 
auch, so bald es nur möglich, promittiret, in Entstehung der Mitteln 
aber den Königl. Gesandten ersuchen lassen, bei Ihrer Kön. Maj. wegen 
Erlassung eines Theils dessen, so Wir derselben aus der neuen See- 
zulage zu geben schuldig, bestes Fleisses anzuhalten; welches er ad 
referendum genommen. 

Beim andern Punkt ist diese Erklärung erfolget: |:das8 es Uns 
zu heirathen noch nicht in den Sinn kommen, viel weniger hätten Wir 
Unsere Gedanken auf die Schwedische Heirath wenden können *) und 
wäre diese Ambassade in Schweden wegen des abgehandelten Still- 
standes vornehmlich und auch wegen gütlicher Beilegung der zwi- 
schen der Königlichen Frau Wittiben und der Krön Schweden ent- 
standenen Missverständen geschehen; Wir würden dem König und der 
Krön zum Praejudiz nichts vornehmen; Wir erinnerten Uns auch der 
Pacten und Unser darauf geleisteten Pflicht gar wol, wüssten keine 
bessere und stärkere Assecuration zu thun. Als Gesandter auf eine 
noch nähere Erklärung wegen der Schwedischen Heirath gedrungen, 
so haben Wir Uns 'endlich dahin erkläret, dass darin noch nichts vor- 
gangen; sollte aber ins künftig deswegen etwas vorgehen, so wür- 
den Wir daraus mit Ihr Maj. aus beiwohnender Discretion und söhn- 
licher Affection vertraulich zu communiciren nicht unterlassen. Ehe 
aber diese letzte Erklärung noch erfolget, so hat der Herr Gesandter 
in Praesenz dessen von Brunnen Unseren vier Oberräthen angedeutet, 
dass er vom König Befelch hätte, ihnen zu sagen, sie wollten ver- 
möge ihrer Pflicht, damit sie Ihr Maj. zugethan, fleissig Acht haben, 
wann des Schwedischen Heiraths halber etwas vorgehen sollte und es 



') Vergl. hierzu unten die Relationen von Götze und Lencbtmar aus Stockholm 
und die chiffrirten Resolutionen des Kurfürsten. 



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Die schwediscbe Heirat. 107 

dem König alsobald zuschreiben. :| Und dabei ists bei diesem andern 
Punkt geblieben. 

Beim 3^en Punkt haben Wir Uns dahin erkläret, dass Wir Ihrer 
Kön. Maj. billig wegen der so wolgemeinten väterlichen Affection und 
Sorgfalt hohen Dank zu sagen hätten, Wir könnten Uns aber noch 
zur Zeit in dieser Sachen nicht wol resolviren. Dann 1) so hät- 
ten Wir Uns bei angetretener so schwerer Regierung, da Wir mit 
den Preussischen und Eeichs Sachen so sehr occupiret gewesen, in 
den Gülichschen Sachen noch nicht wol informiren lassen können. 
Wir hätten auch vor's 2) die Acta nicht beihanden, wie auch 3) die 
Eäthe, so dieser Sachen beste Wissenschaft hätten, nicht bei Uns wä- 
ren; und dann mUssten Wir auch 4) Unser Clevischen Regierung und 
Ständen rathsames Bedenken zuvorderst hierüber vernehmen. 

Dieses hat nun der Gesandter wol in so weit begriffen, dass es 
sich, etwas Hauptsächliches an die Hand zu nehmen, noch zur Zeit 
nicht wollte thuen lassen; er hat aber inständig angehalten. Wir möch- 
ten Uns nur in so weit erklären, dass Wir Ihre Kön. Maj. pro me- 
diatore acceptiren wollten, wann es zu Tractaten kommen sollte, und 
hätte man sich jetzo nur in praeliminaribus , ratione loci et temporis 
zu vergleichen; es könnte dieses alles ohne Praejudiz geschehen, und 
wären Wir doch künftig einige Tractaten wider Unsem Willen zu ra- 
tificiren nicht schuldig, der König suchte ja kein Compromiss oder 
dergleichen, sondern nur Friede und Einigkeit, nach beiderseits Be- 
lieben und Gefallen zu stiften; Unsere Clevische Stände würden Uns 
auch, was Wir vor einen mediatorem acceptiren wollten, wol frei las- 
sen müssen; sollten Wir Uns nicht näher erklären, würde es der König 
pro formali negativa halten müssen, da ers doch so wol und gut ge- 
meint. 

Wir haben aber darauf die Nothdurft hinwieder einwenden lassen, 
dass es dennoch besser sein würde, die Sache zuvor wol zu erwägen; 
Unsere Clevische Stände hätten auch grosse Privilegia, welche billig 
in Acht zu nehmen; ob Uns* auch wol Ihrer Kön. Maj. Interposition 
nicht entgegen, so wäre es doch sicherer, die Resolution zu suspen- 
diren, als Ihre Kön. Maj. etwa nach eingekommenem der Regierung 
und Ständen Bedenken zu oflfendiren; der provisional Vergleich wäh- 
rete auch noch bei zwölf Jahr, und wäre also rathsamer, in der Sa- 
chen sich nicht zu übereilen. Wann Wir Unser Clevischen Regierung 
und Ständen Gutachten würden vernommen haben, so wollten Wir mit 
Ihrer Kön. Maj. aus der Sachen femer vertraulich zu communiciren 
nicht unterlassen. Und dabei ists auch also geblieben; es ist auch 



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'JQg I. Prenssen and Polen. 

nichts schriftliches tibergeben und also auch keine schriftliche Ant- 
wort erfolsret. — 



Hoverbeck an den Kurflirsten. Dat. Warschau 27. Nov. 1642. 

[Vom Hofe. Eindruck der Schlacht bei Leipzig.] 

27. Nov. Wegen des Littauschen Gross Marschalken Fürsten Radziwils Bei- 

lager, welcher die Fräulein Strozzi aus Ihrer Maj. der Königin Frauen- 
zimmer heirathet, haben S. Kön. Maj. die Preussische Juridik') bis 
hieher limitirt, dannenher ich mich bei des Herrn Rochen Abreisen so 
hoch tiberhäuft befunden, dass mirs fast nicht möglich, einigen Bericht 
von des Hofs Staat gebührend zu fertigen. Ich leb aber der unter- 
thänigsten Zuversicht, es werden E. Ch. D. den hierunter vorgehenden 
Mangel in (juaden tibersehen und mir vergönnen, dass ich mich vor 
diesmal auf ihn, Herrn Rochen, als einen lebendigen Bericht in allem 
ziehen möge. — 

Man ist sonst allhier eine Zeit hero sehr bestürtzt gewesen über 
der Hauptniederlage, so die Kaiserlichen den 2ten November an aller 
Heelcu Tage bei Leipzig erlitten, und muss ich wol glauben, dass die- 
selbe überaus gross sein muss, weil sie weder in denen von dem General 
Piccolomini einkommenden Schreiben, noch auch von dem jungen Grafen 



\' Jaridik, Juri di ca. Mit diesem Ausdruck werden die jfthrlich Eweimal 
wiederkehrenden Gerich tHtermine der polnischen Appellationsinstanz für preussische 
Rechtssachen bezeichnet. Die Appellationen vom herzoglichen Hofgericht an das des 
Königs waren zuletzt 1609 und 1614 definitiv geordnet worden; zunftchst hatten die 
Coramissorinldecrete vom 13. Juli 1600 das Appellationsrecht überhaupt wieder ein- 
gesetzt y vorzüglich für Lehnssachen , bei Processen zwischen dem Herzog und dem 
Adel, dann aber auch für grössere privatrechtliche Sachen («quae afücerent honorem, 
vitam et bona") Dogiel Cod. Diplom. Polon. IV. p. 4'iO ff. Auf dem Warschauer 
Reichstag 161 1 mnsste Johann Sigismund das weitere Zugeständniss machen : «appel- 
lationes a sententiis Nostris iudiciive Nostri Aulici sine ulla exceptione liberae om« 
nibus ad iudicium Regium erunt"; und zwar bei allen Processen von 500 flor. pol. an 
(ibid. p..440). ^ Im Jahr 1614 erlangte dann Johann Sigismund ein Decret Sigis- 
mund^s III. (dat. Varsaviae 9. Mart. 1614), durch welches die preussischen Appella- 
tionen von den polnischen Untergerichten befreit und direct und ausschliesslich an 
die eigene Gerichtsbarkeit des Königs („iudicium relationum') gewiesen wurden; zu- 
gleich setzte der König hier zwei regelmässige Gerichtstermine, im Mftrz und Sep- 
tember jedes Jahres, für alle Rechtssachen aus dem herzoglichen Preussen fest (ibid. 
p. 470 ff.). Dieser Modus war der noch jetzt geltende und noch 1633 durch das Re- 
sponsum Cracoviense neu bestätigt worden (Baczko V. p. 272). Die brandenburgi- 
schen Beamten brauchen für diese königlichen Gerichtssitzungen stets den Ausdruck 
Juridica, der sonst in den officiellen Actenstücken nicht vorkommt. Ausser den Ge- 
sandten des Kurfürsten steht hiefür noch ein polnischer Advocat in seinem Solde; 
siehe unten s. d. 22. Aug. 1643 



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Die Jaridica. Die schwedisclie Heirat. 109 

von Oppersdorf, so neulich allhier gewesen, im geringsten nicht be- 
schöniget, sondern jedes Orts mit Wehe- und Kleinmuth ausgebracht 
wird. Der Allerhöchste richte dieses, wie auch alle übrige Conjuno- 
turen zu Beruhigung der Christenheit und Aufnehmen E. Ch. D. — 



Der Kurftirst an Hoverbeck. Dat. Königsberg 28. Nov. 1642. 
(CoÄC. von dem Kanzler v. Götze.) 

[Polnische Maassregelu wegen der befürchteten schwedischen Heirat. 'Kriegsrüätungeu 

in Polen.) 

Edler Rath und lieber Getreuer. Wir seind kurz verwichener Tagen 28. Nov. 
aus Danzig berichtet worden, ob sollte Ihr Kön. Maj. in Polen an die 
particulares conventus, welche zu dem vorstehenden Reichstag erfodert 
und beschrieben sein, noch einige Nebenschreiben haben abgehen lassen, 
folgenden Inhalts: weiln hochged. Ihr Kön. Maj. glaubwürdige Nach- 
richt erlanget, dass nun mehr zwischen der Kön. Würde und Ld. in 
Schweden und Uns eine Heira-th abgehandelt und geschlossen wäre, 
dass die Stände in gedachten ihren Zusammenkünften in reifliche Be- 
rathschlagung ziehen wollten, was hierbei zu thun und ftli*zunehmen 
sein würde. 

Wie Wir nun nicht absehen können, was Ihrer Kön. Maj. zu der- 
gleichen Schreiben Anlass geben, oder worauf Sie dero Praesumtiou 
setzen und gründen mögen , sondern dass solche aus blossen Ver- 
muthungen, indeme man vielleicht solche Heirath zu Unseres Staates 
Befestigung und Besten erspriesslich zu sein vermeinet, herfliessen und 
entstehen müsse, sintemal Wir mit Grund der Wahrheit sagen können, 
dass Wir durch Unsere Gesandten weder bei der Königl. Würde und 
Ld., noch den Reichsständen dieser Heirath halben nicht die geringste 
Anregung oder Ansuchung thun lassen'), vielweniger dass deswegen 
einiger Schluss sollte gemacht worden sein, und ist Euch gnugsam 
wissend, was Unsere Gesandte in Schweden tractiret und verrichtet 
haben, als der Ihr die Originalia der Schwedischen Resolution, so ge- 
dachte Unsere Gesandte zurück gebracht, selbst gesehen und gelesen 
habet — also wollen Wir noch nicht daittr halten, dass mehrhoch- 
ermelte Ilir Kön. Maj. deshalber einige ungleiche Gedanken von Uns 
geschöpft und aus blosser Suspicion dergleichen Nebenschreiben, wie 
oben erwähnt, an die particular conventus spediret haben sollte. 



') Man kann zweifeln, ob Hoverbeck wirklich über die. Heirats Verhandlungen in 
Stockholm nicht anterrichtet worden ist^ oder, was wahrscheinlicher, dass dieses Schrei- 
ben ostensibel sein sollte. 



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iiO i> Preossen and Polen. 

Dafern aber über alles VerhoflFen dergleichen mit Abschickung 
mehrbesagter Schreiben flirgangen wäre, wollet Ihr Euch zuvorderist 
darvon copiam zu erlangen und Uns mit dem ftirderlichsten auhero 
zu senden, dann auch an gebührenden Orten diesen Argwohn abzulehnen 
und mit Anziehung dessen, so Ihr aus den Originalen selbst vernommen, 
andere und bessere Information einzuwenden, bestes Fleisses angelegen 
sein lassen. ' 

Hiemächst ist Uns auch wegen einiger Werbungen, so beides in 
der Krön Polen und Preussen ftlrgehen sollten, etwas Nachrichtung zu- 
kommen. Nun kann wol sein, dass von der Rom. Kais. Maj. Kriegs- 
officirem sich etliche zu allerhöchstged. Ihrer Kais. Maj. Diensten der- 
gleichen Werbungen unterfangen, ob aber Ihr Kön. Maj. in Polen dieser 
Zeit einige Werbung vor sich ftirzunehmen gemeint sein sollten, darvon 
haben Wir nicht die geringste Wissenschaft, wollen auch nicht ver- 
hoffeu, dass solche Kriegspraeparationes obhanden sein werden, weilu 
Wir nicht absehen mögen, zu was End selbige gerichtet sein sollten. 
Derohalben wollet Ihr diesfalls gewisse Erkundigung einziehen und Uns 
darvon Euern unt^rth. Bericht mit dem nächsten überschreiben. 



Hoverbeck an den Kanzler Sigmund v. Götze. 
Dat. Warschau 18. Dec. 1642. 

[Stimmungen in Polen wegen des schwedischen Heiratsprojectes. Die Juridica.] 

18. Dec. Nächst meiner allerwilligsten Dienst Anerbictung hab E. Herrl. 

hochwichtige Geschäft ich meines wenigen Orts mit gegenwärtiger ge- 
horsamwilliger Ufvvartung interrumpiren müssen, mit dienstlicher Bitt, 
beigefllgtes Schreiben Sr. Ch. D. ünserm gnädigsten Henn zu hinter- 
bringen *) und dabei zu berichten, dass deroselben gnädigstem Befehl 
zu gehorsamster Folge ich alle mögliche Nachfrag gethan, ob etwas 
dran war, dass S. Kön. Maj. auf die bevorstehende Land- und Kreis- 
tage nebenst der Reichstags Instruction absonderliche Schreiben wegen 
der so hochbeschrieenen Schwedischen Heirath hätten abgehen lassen, 
um der Stände Meinung und Bedenken zu vernehmen, wie uflF solchen 
Fall die ßespubUca sich zu verhalten hätte. Hab aber dessen nicht 
allein keinen Grund, sondern auch die geringste Apparentz erfinden 
können, weiss auch nicht zu vermuthen, dass Sie so gar offenbar dar- 
unter gehen sollten. 

So viel aber hab ich in Erfahrung gebracht, dass uff dem letzt- 



^} Dieses Schreihen Hoverbeck^s fehlt bei den Acten. 



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Die schwedische Heirat. Die Juridica. ^ || 

• 

verwicheneu Landtage zu RadzejoiF, da die zwei widerwärtige Woye- 
wodschafteii Inowlotz ^) und Brest ihren Convent halten (dabei sich dann 
auch der ordinär Protestant Tulibowski') l^efunden), deswegen viel- 
fältige Discurs und ungereimte comminationes vorgangen. Von denen 
ansehnlichen Ständen hat einer sicli allhier zu Hof verlauten lassen, 
es mtissten Ö. Ch. D. sich der Heirath halber wöl sehr perplex be- 
finden, dann stelleten Sie dieselbe fort, so begingen Sie eine felouiam, 
würden Sie aber auch der Occasion nicht wahrnehmen, so begingen 
Sie eine stultitiam. E. Herrl. verzeihen mir hochgUnstig, dass ich so 
schlechter Dings (in Mangelung anderer begründeteren Nachricht) diese 
Wort anziehe. 
P. S. Weil es an dem, dass innerhalb zwei oder drei Tage die 
Preussische Juridica solle limitirt werden, will ich mit dem 
ehisten in allen Puncten vollständigen Bericht einschicken^ In- 
zwischen bitt ich gehorsamwillig den Verzug bei Sr. Ch. D. im 
besten zu entschuldigen, weil es dieses Mal nicht zu ändern 
gewesen, dass ich entweder die nöthige Unterbauung hindan 
setzen oder in etwas mit denen Relationen zurückbleiben müssen ; 
dann ich wol mit Wahrheit sagen mag, dass sieder meinem 
Abreisen von Königsberg kein Tag vorbei gangen, zumal allhier 
zur Stelle, da ich nicht Ws an Mitternacht mich geplagt hätte. — 



\ 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 9. Dec. 1642. 

[Die Verhandlungen der Juridica. Verschiedene Processe.] 

Die stetige üfwartung bei der Juridica, in welcher ich viel mehr 9. Dec. 
Beschwerd und nachtheilige Sachen finde, als man bei meinem Abreisen 
immer vermuthend gewesen, lassen mir nicht zu, von einem und dem 
andern und zumal von dem, was bei meiner Audientz vorgangen, aus- 
fllhrlichen unterth. Bericht zu thun. So viel aber dennoch hab ich ge- 
horsamst nicht unvermeldet lassen sollen, dass durch Gottes Segen und 
E. Ch. D. Glückseligkeit viel praejudicia abgewandt worden, und wann 
nur die Schneyder Sache wol ablaufen wollt, wttsst ich nicht, was an 



*) Es kann nicht Inowlodz gemeint Bein, welches zu der Woiwodschaft Lenczicz 
gehurt, sondern nur die cujaTische Woiwodschaft Inowroclaw, welche gemeinsam 
mit Brzesc (Brest) ihre Landtage in Radziejow hielt. 

") Thulibowski, Unterkämmerer der Woiwodschaft Brzesc in Cujavien; sein 
Protest gegen die ßelehnung des Kurfürsten im J. 1641 bei Pufend. I. 24; aus einer 
Yon Pnfendorf nicht mitgetheilten Stelle des Originals ergibt sich, dass schon der 
Vater dieses Thulibowski 1611 gegen die brandenburgische Belehnung protcstirt hatte. 
Vergl. Orlich f. 69. 



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j 12 I- Preussen uud Polen. 

Sr. Köii. Maj. treuer Affectiou und der Herren Senatoren gehorsamen 
Respeots Bezeugung ermangeln thät; gestalt dann auch die Tilsitsche 
Straf ohne Moderation (welches nie zuvor geschehen) nach des Hof- 
gerichts Spruch erhalten worden, also dass die Radleinfllhrer (deren, 
wie ich vernehm, vier sein sollen) jeder 60 Ducaten, die Adhaerenten 
aber, deren hundert und fllnfe gewesen, jeder 10 Ducaten E. Ch. D. 
erlegen sollen. Ob nun wol der terminus executionis allererst in 
12 Wochen einfällt, so wird dannoch wol darauf mit ehistem zu sehen 
sein, dass sich einer und der ander, zumal die vornehm- und ver- 
mögendsten, nicht suchen zu entbrechen, dann sie einer vor alle und 
alle vor einen billig stehen sollen. — 



Aus den Protokollen des polnischen Reichstags von 1643. 
(Von Hoverbeck an die Oberräthe eingeschickt.) 

25.Feb. Die 25 Februarii. Auch ist durch den Schatzschreiber coram iu- 

ternunciis erwiesen worden^ dass bei Sr. Ch. D. Herzogen in Preussen über 
hundert und etliche tausend Floren im Rest verblieben ab A« 1626. Herr 
Subjudex Sieradiensis ') wundert sich über den thesaurum, dass von 
so vielen Jahren hero derselbe nicht ferventer angehalten wegen so grossen 
retentis; dannenhero der thesaurus stlbst in culpa, dass so lange Zeit hero 
der Reipubl. von Sr. Ch. D. so eine gro.sse Summa vorenthalten wird. — 

5. Mftrz. Die 5 Martii. Hen* Succamerarius Liviensis*) zeigete etliche 

Schreiben der Herrn Regiments Räthe in Preussen vor, in welchen sie die 
Rempubl. oflTendiren, die Reichstage vilipendiren , wie dann in dero einem 
Schreiben inter coetera diese formalia verba enthalten, ^constitutionibus comi- 
tialibus fas non est,^ und ein ander Schreiben noch magis offensivum brachte 
er bei, welches er in Senatu vor Ihrer Kön. Maj. zu verlesen bereit wäre. 

10. März. Die 10 Martii. Dass der neue Zoll in der Pillau gänzlich möge cas- 

siret werden. Worauf Herr Woyski Mozerski geantwortet, dieses wäre 
eine justissima exorbitantia, denn es sei ein summum gravamen M. D. Li- 
thuaniae, dass S. Ch. D. privata authoritate bei 15 fl. pro cento in diesem 
Zoll einnimmt^), dannenhero wir keine commercia mit den exoticis werden 
haben können, und ob wii* sie ja haben möchten, so werden wir alles also 
bezahlen müssen, wie sie es selbst haben wollen. Womit der Herr Po- 
cillator M. D. Lith. und andere Internuncii übereinstimmen. — 

12. Mftrz. Die 12 Martii. Erstlich machte den Anfang Herr Notarius Gro- 

dzeusis") vom Pillauischen Zoll. Dass S. Ch. D. in Preussen Herzog 
Dominium Maris ihme zueignete und privata auctoritate denselben einnehme, 
welches doch nicht ihme, sondern der ganzen Reip. zugehörig wäre. 



^) Sieradz, Woiwodschaft in Grosspolen. 

*) Liw, Sterostei in Masovien. 

') Vergl. hierzu unten das Schreiben Hoyerbeck's Tom 6. Juni 1643. 

^} Orodno in Littauen. 



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Der polnische Reichstag. 113 

£ contra. Dominium Maris non potest sibi praesumere, weil niemals 
der Reip. mens gewesen, dass er daran sollte participiren und seine ex- 
actores daselbst halten. 

E contra Herr General in Gros sp ölen. Wann ihme die Respu- 
blica solchen Zoll nicht verwilliget hätte, so würden wir auch alle, wie vor 
Alters, nichts davon haben. 

Herr Notarius Grodziensis. Es möchte ihme vielleicht die Respu- 
blica etwas verwilliget haben, aber das Dominium Maris hat sie ihme nicht 
zuerkannt, auch keinen Nutzen von diesem Zolle, dann solcher der Reipubl. 
zugewendet werden soll; weil nicht S. Ch. D., sondern wir auch unsere Ex- 
actoren daselbst zu haben schuldig. 

Herr Kazimierski. Wo würde doch ein solcher Herr sich finden 
der da Güter hätte und keinen Nutzen daraus begehrete ? der würde ja gar 
thöricht sein. Also auch unsere Respublica; indem sie das Dominium Maris 
habe, sollte sie keinen Nutz davon haben? Das wäre ja nichts zur Sache. 

Herr Subjudex Grodziensis bittet um Declaration, ob die Respu- 
blica Sr. Ch. D. das Dominium Maris verwilliget, und ob ad medietatem 
dieses Zolls Sr. Ch. D. gehöre oder nicht- 
Herr Chrzastowski. Ihr Herren Littauer habet ein Fundament Rechtens 
in Constitutione Anni 1638 '), und wo Ihr übeles Recht habt, sind wir bereit 
solches zu verbessern. Geschieht Euch aber von Sr. Ch. D. Unrecht, so 
wollen wir Euch helfen, dass Ihr nicht sollet depactiret werden. Das Recht 
aber, so einmal verfasset ist, können wir nicht cassiren, weil wir custodes 
legum seind. 

Herr WoyskiMozerski. Ob auch gleich hierüber privatim mit Sr. 
Ch. D. möchte tractiret worden sein, so hat dennoch die Respublica davon 
wissen sollen; dann dieser Handel ja nicht in executione bestehet. Wer 
ist dann von der Respublica zu dieser Exactiou designiret? Es ist ja nichts 
davon gedacht worden. Es sei nun geschehen, was da wolle, so ists in 
Rummum detrimentum nostrorum geschehen, dann wir dieses, was Ihr mis 
vorzeuget, pro lege expressa nicht acceptireu, weil auch die Commission mit 
Sr. Ch. D. zu keinem Effect gekommen •). 

Herr Pocillator Regni. Die intentionem reipublicae, die einmal ge- 
fasset, können wir nicht brechen; dann zwei Jahrlang hätte S. Ch. D. des 
Zolls participiren sollen, und nach den zwei Jahren sollte unsere Respublica 
zu diesem Zoll gelangen. 

Herr Notarius M. D. Lith. Die Relatio Commissionis mit Sr. Ch. D. 
soll uffm Reichstage geschehen. Weil wir dann von keiner eigentlichen 
Relation nicht wissen, was geschehen, so halten wir solche.^ vor eine grosse 
Exorbitantz und wollen damit zu Ihr Kön. Maj. gehen. E contra. In 
Danzig, warum geschieht uns da kein Unrecht, nur allein in parte, nicht in 
toto, dann wir dennoch von dorten unsem Frommen haben. Von diesem 



») Lengnich VI. p. 142. 

*) Ueber diese auf dem Reichstag von 1638 beschlossene Commission Lengnich 
a.. a. O. Man sieht, wie der Reichstag von all dem, was mittler Weile in dieser 
Angelegenheit vorgegangen, keinerlei officielle Kenntniss hat. 

Maier. iiir Gesch. d. Gr. Kurflirüten. I. 8 



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114 ^- Pi«iiBB«n und Polen. 

Zoll aber in der Pillau hat die Respubliea nicht den geringsten Nutzen, 
und wissen nicht, wohin, wie oder worzu er gewendet werde. 

Herr Subjudex Sieradiensis. Wir wollen Buch Heim Littauen 
willig verhelfen, dass dieser Zoll möge moderiret werden, weil auch der 
Krone Insassen in Elbing gleichfalls den Zoll geben müssen. 

Herr Kazimierski. Die Relationes Commissariorum müssen in alle 
Wege in der Landboten Stuben referiret werden. Dann die Herren Com- 
missarii, so von Ihr Kön. Maj. abgefertiget, kaben tantam autoritatem nicht 
gehabt, dass sie sine scitu Reipublicae was constituiren können. 

Herr Woyski Mozerski. Ihr saget, das mit Churf. Dchl. ufge- 
richtete scriptum sei pro lege; derwegen nöthig, dass solches coram colle- 
gio intenmnciorum verlesen werde, dann wir solch scriptum pro lege nicht 
verstehen wollen. Zeiget uns dasselbe vor, damit wir sehen naturam eins. 
Dieses aber praecaviren wir in der Zeit, dass, obgleich darin die 4 fl. pro 
cento enthalten sein sollten, so kann uns doch solches nicht ligiren; denn 
wir solche zu erlegen nicht schuldig, und ist kein consensus omnium ordi- 
num darüber. Wir haben die vom Adel, unsere Mitbrüder; die wgllen wir 
aldar zu Exactoren haben. 

[Fortsetzung dieser Debatten am 13. 14. 16. März, ohne wesentlich neue 
Argumente. Es wird den Landboten nachgegeben, dass die Transaction 
mit dem Kurfürsten in der Landbotenstube verlesen werden soll.] 
20. M&rE. .Die 20 Marti i. Hat man in retentis contributionum fortgefahren und 
die Deputirte ihre Relationes gethan. Da dann beigebracht, dass bei Sr. 
Ch. D. mehr dann 120 tausend fl. restire, welche summam dieselbe noch 
von Ihrem hochsel. Herrn Vätern schuldig bleibe. Darauf schickte S. Ch. D. 
jetzo in Thesaurum Regni ein 55 tausend fl. 
21. März. Die 21 Martii. ■ — Darauf Herr Woyski Mozerski abermaln uf die 

Exorbitantz M. D. Lith. vom Zoll in der Pillau gekommen, dass man heute 
gänzlich, nach Verfassung zweier Constitutionen Regni in Senatu, bei Ihrer 
Kön. Maj. nachfrage, per quare, warum S. Ch. D. cum summa injuria M. D. 
Lith. wider Recht den Zoll einnehme, nämlich 15 fl. an Statt 3 fl. — 
23. Mars. Die 23 Martii. Hat man ferner wegen der Coaequation, Retentis 

und Auszahlung des Kriegsvolks, damit keine Confoederation und Gefahr 
daraus entstehe,, gehandelt. Dabei dann beigebracht, dass die 80 [sie] tau- 
send fl., welche von Sr. Ch. D. eingekommen, man auch zum Theil der 
Auszahlung der Soldatesca wenden solle. — 

Herr Marcs calcus Internunciorum kam wiederum uf die exorbi- 
tantiam M. D. Lith. vom Zoll in der Pillau, dass zweierlei Constitutiones 
unterschiedlich sollen verlesen werden. 

Herr Vexillifer und Notarius M. D. Lith. widersprechen demsel- 
ben und wollten sie nicht hören, sagende, dass an Statt unserer Wunden 
Heilung, die wir von dem Herzoge in Preussen ertragen, diese Constitu- 
tiones uns grössere gravamina geben werden. Denn wir wollen, dass der 
Zoll funditus soll ausgetilget werden. 

Herr Marescalcus Internunciorum. Weil Euch Herren Littaueu 
diese beede Constitutiones nicht gefällig seind, so wollen die Herren ihnen 
andere ufzeichnen und ich will diese zerreissen. 



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Der polnische Reichstag. j ) 5 

Herr Woyski Mozerski. Respetu Dominii Maris ist es billig, dass 
dieser Zoll in der Pillau nicht soll abrogiret werden. 

So ist auch das Scriptum mit Sr. Ch. D. autoritate Conventus accep- 
tiret, dannenhero es besser wäre, dass der Zoll tantisper suspendiret würde, 
bis allerseits cum consensu Reipublicae derselbe eingenommen werde, das 
ist zu Danzig, Elbing, in Curland und anderswo. 

Herr Woyski Mozerski. Diejenige ziehen perpetuum senritutis ju- 
gura uff sich, welche wollen, dass der Zoll penitus soll ufifgehoben werden. 
Hergegen accommodiren die sich ad mentem Reipublicae, welche da wollen, 
dass es tantisper suspendiret und der Zoll in der Pillau nicht exigiret werde, 
bis er überall könne eingenommen werden. 

[Am 24. März werden die Capita Constitutionum aufgesetzt; vergl. über 24- M&ra. 
die ganze Verhandlung Lengnich V. p. 199flf.] 



Ho verbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau, eben bei 
geschlossenem Reichstag den 30. Martii um drei zu morgens 

frühe Ao 1643. 

[SchlusB des Reichstags. Glücklicher Ausgang desselben. Kaiserliche and 
französische Gesandtschaft.] 

Wie wol dieser Reichstag sich vor S. Kön. Maj. dergestalt ttbel an- 30. März, 
gelassen, dass Sie auch nicht einst rathsam beiunden den Neuburgischen 
Abgesandten zur öffentlichen Audientz zu verstatten, E. Ch. D. Wider- 
wärtige auch, wie aus dem Protocollo comitiali zu ersehen, fast nichts 
unversucht gelassen, unter welchen dann die Littauer auf Ubeles An- 
geben der Königsbergischen Abgeordneten, ob nähmen E. Ch. D. an 
Zoll ttber 15 zum hundert, mehr Lärmen als je zuvor geschehen er- 
regt: so ist doch endlich und zwar über VerhoflFen durch Gottes Segen 
und des Herrn Krön Gross Cantzler treue Unterbauung alles vor E. Ch. D. 
abgeleynt und Sr. Kön. Maj. zu gut so glücklich geschlossen worden, 
dass Ihr an vier Rauchsteuem und sonst über 28 Tonnen Goldes zu 
Bezahlung der Schulden gewilliget worden. 

Der Kaiserliche Abgesandte Freiherr von Stahrenbergk, Lands- 
hauptmann zu Schweinitz und Jaur, hat den ganzen Reichstag durch 
wegen Geld und Volk Hülfe, so bei Sr. Kön. Maj., als den Senatoren 
und Landboten privatim sollicitirt. Hingegen aber der Baron d'Avau- 
gour aller Oerter so emsig dagegen gearbeitet, dass jener unverrich- 
teter Sachen ehegestera von hier abgereist und die Stände von ihrem 
Gränz Volk bei 800 Mann abzudanken geschlossen. So stehet es auch 
gänzlich darauf, wie wol S. Kön. Maj. sehr dagegen arbeiten, dass 

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Hg I. Preussen und Polen. 

die Besatzung uf der Vladislasburg zu Putzke') mit dem ehisten soll 
abgedanket werden. 

Eine aasführliche Relation soll nächstens folgen. — 



Hoverbeck an die Oberräthe. o. D. (Warschau 30. März 1643.) 

[Bericht vom polnischen Reichstag. Die Seezollangelegenbeit ist glücklich abge- 
gangen. Bewilligungen des Reichstags.] 

30.Mftns. Wie wol dieser Reichstag sich vor S. Kön. Maj. dergestalt übel 
angelassen, dass Sie auch nicht einst rathsam befunden, dem Neubur- 
gischen Abgesandten, so wegen Ihrer Dchl. der Prinzessin Ehesteuer 
zu soUicitiren kam, öfifentliche Audienz zu geben, Sr. Ch. D. Wider- 
wärtige auch, wie aus denen eingeschickten Stücken ohne das zu er- 
sehen, alles, was nur dienen konnte dieselbe verhasst zu machen, fleissig 
zusammen getragen: öo ist doch vor einer Stunde, erst nach so vieler 
Tage Prorogation, durch Gottes Segen und des Herrn Krön Ober Cantz- 
lers treue Unterbauung alles vor S. Ch. D. abgeleynt und Sr. Kön. 
Maj. zu gut so glücklich geschlossen worden, dass Ihr zu Bezahlung 
dero Schulden an vierfachen Rauchfangsgeldern über 28 Tonnen Goldes 
gewilliget worden. 

Und wird höchstermelter Sr. Ch. D. auch sonsten merklich zu . 
statten kommen können, dass die Stände einen ziemlichen Anfang ge- 
macht, sich in solche Verfassung zu stellen, dass sie zum Unterhalt 
der Gränz Armee nicht mehr uflF den Reichstagen extra ordinem wer- 
den schössen dürfen, dannenhero auch S. Ch. D. nicht werden ver- 
bunden sein, Ihre sechszig tausend Gulden in vielen Jahren und so 
lang Gott Fried verleihen wird, zu erlegen*). — 



^) Die VladislaTsbnrg, eine bald nach dem Stumsdorfer Waffenstillstand, 
1635, an der See bei Putzig angelegte Befestigung, die zum Schatz der dort statio- 
nirenden neu gegründeten polnischen Flotte bestimmt war. Die Unterhaltung der 
Besatzung derselben, die von den preussisch - polnischen Ständen gefordert wurde, 
war seitdem ein steter Streitpunkt zwischen diesen und dem polnischen Reichstag. 
Lengnich 1. c. VI. p. 99 und passim. Piasecius Chronica gestonim in Europa sin» 
gularinm p. 494. - 

') Die jährliche Lehnsabgabe für das Herzogthum Preussen betrug in Folge der 
bei der Belehnung von 1611 stipulirten Bedingungen ordinarie 30,000 flor. pol. 
[es 10,000 Rth.] , aber mit dem Zusatz , dass dieselbe zu verdoppeln sei in jedem 
Jahre, in welchem in Polen irgend eine Landessteucr ausgeschrieben würde. Dogiel 
1. c. IV. p. 440. Vergl. unten die Vorschläge des KurfQrsten in dem Schreiben an 
Hoverbeck, dat. 11 21. April 1643. 



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Der polnische Reichstag and Oestreich und Frankreich auf demselben. 117 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 7. April 1643. 

[Werbungen des kaiserlichen Gesandten Stahrenberg und des französischen d^Avangour 
auf dem polnischen Reichstag. Der pfalz-neaburgische Gesandte.] 

Ob ich wol in meinem den Tag der erfolgten glücklichen Con- 7. Apr. 
clusion dieses Reichstages abgelassenen unterth. Bericht mit wenig 
Worten gehorsamst angedeutet, wohin des Kaiserlichen Abgesandten 
Werbung ausgeschlagen, so hab ich doch zu vollständiger Nachricht 
dessen, was ausser Sr. Kön. Maj. Instruction von Fremden uff diesem 
Reichstag gehandelt worden, voriges auch hiemit wiederholen sollen *). 

Es hat kein Kaiserlicher Abgesandter mit grösserem Eifer und 
Fleiss seine Sachen an diesem Ort getrieben, als eben der Herr von 
Stahrenberg, Landshauptmann der FUrstenthümer Schweinitz und Jaur; 
sogar, dass fast kein Senator von ihm tibersehen worden, und hat er, 
um die Ombrage wegen gar zu hochsteigender Macht des Hauses von 
Oesterreich so viel eher zu benehmen, über Gewohnheit des Kaisers 
Staat sehr gering und hingegen desselben Feinde Verfassung sehr stark 
gemacht und auch allerdings bei etlichen Vertrauten von Verpfllndung 
eines ansehnlichen Stücks in Schlesien gegen ein Anlehen einer Summ 
Gelds Ouvertüre gethan. Dadurch ers dann auch so weit gebraeht, 
dass ganzer drei Tage nebenst etlichen andern den Reichstag ange- 
henden Puncten über diesem seinem Anbringen geheimer Rath mit 
Ausschliessung nicht allein aller geistlichen Secretarien, sondern auch 
allerdings der kleinern Senatoren gehalten worden. Dabei haben nun 
ihrer viel Sr. Kön. Maj. (welche viel Jahr hero ein sonderliches Aug 
und Absehen auf das Herzogthum Schlesien gehabt). zu Angehör ge- 
redet, aber doch dahin geschlossen, dass es an die dritte Ordnung 
müsste gebracht werden. Etliche wenig aber haben sowol das gesuchte 
Anlehen, als die Volkhülfe ganz plat abgeschlagen und bei jenem ihre 
Unvermögenheit, und, dass S. Kön. Maj. dadurch Ihr eigen Suchen 
wegen Bezahlung der Schulden nur würden stutzig machen, vorge- 
schützt; bei diesem aber folgende rationes angezogen: 

Es liefe solches 1) wider die alte zwischen denen Ungrisch- und 
Böhmischer Kronen und diesem Reich aufgerichte Pacta, darinnen alle 
Theil aus Furcht einer Oppression ihnen per expressum cavirt, dass 
keines dem andern bei innerlichen Kriegen einige Htilf oder Zuschub 
thun solle. 

So dürften auch 2) die Schwedischen ihren Anstandsvertrag, dar- 



*) Vergl. hierzu Pufendorfde reb. Suec. XV. §.75. 



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\\Q I- Preiusen tind Polen. 

über die Respublica ganz vest zu halten gemeint, dagegen anziehen 
und solches vor eine Ruptur achten. 

Frankreich würde auch 3) die im Namen der Reipublicae bei Er- 
ledigung des Prinzen Casimiri gegebene Caution entgegensetzen*). 

4) stünde die Gefahr darauf, dass man sich hiedurch in den un- 
endlichen teutschen Krieg mit verwickeln dürfte. 

Wollte man diesem allem zuwider sich auf die mit Kaiser Matthia 
aufgerichtete Pacta berufen, so wäre 5) zu bedenken, dass solche nur 
auf eine freie Werbung gehen, und noch die Stund nicht eigentlich 
von der Republique approbirt worden, sondern man habe vielmehr den- 
selben zuwider alle die, so Ao 1622 und 1623 auch sonst squadronen- 
weis dem Kaiser zugezogen, durch öffentliche Reichs Constitutionen' 
ihres Stands und Würden entsetzt und alle dero Hab und Güter preiss 
gemacht. 

Hierauf und zwar weil doch auch der Remiss an die dritte Ord- 
nung nur vor eine höfliche Repuls zu achten gewesen, würd es vor 
rathsamer geachtet, dass der Abgesandte ohne öffentliche Proposition 
abziehen sollte, wie dann auch geschehen. 

Des Baronen d'Avaugour ganze Commission ist allein dahin ge- 
richtet gewesen, dass er die Rempublicam zu genauer Observanz des 
Anstandvertrags anmahnen und die Ombrage wegen der von denen 
Schwedischen an der Gräntz neu angelegten Vestungen benehmen und 
dafeme sie sich nicht wollten weisen lassen, im Namen seines Königs 
vermöge des jetzgedachten Vertrags eine extraordinär Commission zu 
Marienburg vorschlagen und sonsten aller kaiserlichen und spanischen 
ministrorum Werbungen travei*siren sollte. Diesem ist er auch mit un- 
verdrossener Sorgfalt nachkommen und hat mir auch sonst in Ver- 
trauen entdeckt, dass er auch durch öffentliche Proposition des Kaiser- 
lichen Abgesandten Suchen vorzubeugen bereit gewesen, wann derselbe 
dazu kommen wäre. — 

Der Neuburgische, des Fürstenthums Bergk Vicekanzler Althoff", 
ist so spät in den Reichstag ankommen, dass es keine Möglichkeit 
mehr gewesen, etwas öffentlich zu proponiren. Zu dem so hat maus 
auch nicht vor rathsam angesehen bei jetziger Conjunctur, da es mit 



*) Johann Casimii:, der älteste Bruder des Königs, war im Jahr 1638 auf 
einer Reise nach Spanie^ unterwegs in Frankreich festgehalten und erst 1640 wieder 
entlassen worden; zuvor hatte polnischer Seits eine Versicherung ahgegehen werden 
müssen, dass man dem Vorfall keine gegen Frankreich feindseligen Folgen geben 
werde. Ver^^I. Einleit. pag. 30. 31. 



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Oestreich und Frankr^cli Auf dem Reichstag. Der PiUauer Zoll. Wg 

Sr. Kön. Maj. gratitudine so ungewiss gestanden, solche Ding zu su- 
chen, die doch ohne das nicht fehlen oder entstehen könnten*). 



Der Kurfilrsl an Hoverbeck. Dat. Colin an der Spree 

11/21. April 1643. 

(Conc. V. Götze.) 

[Operatiouen gegen die Aufhebung des PiUauer Zolls. Kosten des Pillaner Festungs- 

bau's. Der Kurfürst erbietet sich für den Zoll das Extraordinarsubsidium zu einer 

stehenden Abgabe zu machen. Polnische und dänische Rüstungen.] 

Wir zweifeln nicht, es werde der zu Warschau bishero gehaltene 21. Apr. 
Reichstag nunmehr sein Endschaft erreichet haben, und verlanget Uns 
gar sehr von dessen Abelauf Eure ausführliche Relation förderlichst zu 
erlangen. Uns sind etliche ProtocoUa, so daselbst gehalten sein sollen, 
communiciret, aus welchen Wir |}efinden, dass wegen der Zollzulage 
in Unserm Port der Pillau allerhand harte und nachdenkliche Vota ge- 
führet worden. Wir wollen Uns aber versehen, Ihr werdet durch Euere 
Uns wol bekannte Dexteritet alles verhütet und abgewendet haben, 
was zu einigem Unserm praejudicio hätte mögen geschlossen werden. 

Wir verspüren aber daraus dennoch so viel, dass, dofern dieser 
Zoll soll continuiret werden, wie es dann, dass es geschehe. Unsere 
äusserste Nothdurft erfordert, Wir das Werk auf einen andern Fuss 
künftig werden setzen müssen. Nun erinnert Ihr Euch guter Massen, 
was albereit in Unserer Gegenwart vor Mittel vorgeschlagen worden, 
denen Wir auch sieder der Zeit mit allem Fleiss nachzudenken nicht 
unterlassen, und befinden Wir hochnöthig zu sein, dass in hohester 
Geheim vertrauten Leuten remonstriret werde, wie nützlich und hoch- 



In diesen Wochen ist aus Gründen, über die die Acten nichts ergeben, von 
einer Entlassung Hoverbeck^s von seinem Warschauer Posten die Rede gewesen. 
In den preussiseh-polnischen Acten selbst findet sich darüber nichts ; dagegen spricht 
darüber ein an anderer Stelle befindlicher Brief von Peter Bergmann an Sigmund 
▼. Götze, dat. Danzig 24/14. April 1643 (R. 24. C. n. 15); hiernach war es die Ab- 
sicht, an Hoverbeck^s Stelle den früheren pommerischen Hofrath Georg Licht fuss 
zum „ordinär Resident" in Warschau zu ernennen, den Bergmann sehr rühmt, und 
den auch, wie aus einem andern Brief hervorgeht (v. Götze an den Kurf., dat. Stettin 
6. Mai 1643) Hoverbeck selbst dem Kurfürsten empfohlen hatte. Es scheint also Ho- 
verbeck^s eigener Wille gewesen zu sein, sich zurückzuziehen; für kurze Zeit hat 
er auch wirklich im Herbst dieses Jahres den Dienst aufgegeben; nach einem Schrei- 
ben des Kurf. an die Oberrftthe, dat. 20. Sept., war er in dieser Zeit „der ordinär 
Uffwartung am polnischen Hofe in Gnaden erlassen^, und es handelt sich um ein 
anderes «taugliches Bubjectum'; gleich darauf aber sehen wir ihn dort wieder in 
Thfttigkeit. Lichtfuss war schon vorher, eben von einer Reise nach Warschau zu- 
rückkehrend, plötzlich in Stettin gestorben (27. Apr. 1643). 



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120 '* PreuBsen und Polen. 

nöthig der ganzen Krön es sei, dass derer Ort ein Fort erbauet und 
mit nothwendiger Besatzung unterhalten werde. Nun hätte solcher Bau 
etliche Tonneir Goldes gekostet, die Wir aus Unsern Mitteln nehmen 
und Uns darüber in nicht geringe Ungelegenheit und Schaden setzen 
müssen. Was hierüber der Unterhalt der Guarnison, die Reparation 
dessen so jährlich einginge, auch Proviant, Munition und was sonsten 
zur Conservation obgedachter Vestungen Uns jährlich gestund, könnte 
ein jedweder Verständiger leichtlich bei ihm selbst ausrechnen. 

Nun wäre Uns ein solches onus allein zu tragen unmöglich; ver- 
möge der pactorum wären Wir allein 4 SchiflFe'), gar nicht aber eine 
solche kostbare Vestung und Guarnison zu halten schuldig. Ihre Kön. 
Maj. und viel vornehme Stände der Krön hätten diesen Bau und Be- 
satzung nöthig erachtet und dazu zu der ganzen Kronen, sowol der 
Polen als auch der Littauen, Sicherheit gerathen. Es wäre durch den 
Herrn Gross Canzler auf Gutfinden " Ihrer Kön. Maj. und der Stände 
die place besichtiget, es wäre alles sehr nötig, gut und wolangelegt 
zu der ganzen Kronen und aller derselbigen Stände Heil, Ruhe und 
Bestem befunden, und solches um so viel mehr, dieweil sie in Unsern, 
als eines der löblichen Krön verpflichteten Lehnsftirsten, nicht aber in 
eines fremden Potentaten Händen wäre. Nun würde es ja die höchste 
Unbilligkeit sein, wenn Uns, indem Unsers Herrn Vätern christmilden 
Angedenkens Gnaden es so aufrichtig und treulich mit der löblichen 
Krön gemeinet und Wir Sr. Gn. in ebenmässiger Treu und Sorgfalt 
gefolget, auch Jiierunter nichtes vor Uns selbsten und aus eigener Be- 
wegniss, sondern mit Rath und Belieben Ihrer Kön. Maj. und der Krön 
mit so schweren und übergrossen Unkosten angefangen und nun mehr 
grossen Theils vollführet, aller solcher Last allein über dem Halse ge- 
lassen, die Krön aber und dessen Stände gleich Uns von dem Com- 
modo und der Securitet participiren wollten; sondeni Wir hätten Uns 
vielmehr die gewisse Hoffnung gemacht, es würde dieses onus, wo 
nicht ganz, dennoch zum grösseren Theil von Uns abgewälzet und Wir 
dessen enthoben werden. 

Nun stehen Wir wol in denen Gedanken, es werde die Krön Uns 
ungern des ordinarii und extraordinarii subsidii, als welche albereit 
zu gewissen der Krön Ausgaben destiniret und über das die Unkosten 
bei weitem nicht erreichen, befreien wollen; es wäre aber ausser diesem 



'} — quoties necessitas postulavcrit, quatuor naves ad tuendam oram maritimam 
PruBsiae nostro sumptu habebimus. — Erklärung Johann Sigismund^s bei seiner Be- 
lehnung, dat. Vars. 5. Nov. 1611. Dogiel 1. c. IV. p. 440, und von da ab in den 
folgenden Lehnbriefen. 



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Der PilUucr Zoll. |21 

kein verträglichere Mittel, woraus die Krön weniger Beschwer zu ge- 
warten, als die bishero erhobene Seezuiage; daraus könnten Wir die 
Vestungen Pillau und Mttmmel, wiewol kümmerlich, gnugsam unter- 
halten. Dofem auch dieser 8eezulage Wir und Unsere Nachkommen, 
Herzoge in Preussen, beständig versichert, wären Wir weiter geneigt, 
nicht allein das ordinarium, sondern auch zugleich das extraordinarium 
subsidium, wann gleich kein subsidium auf einem Reichstag laudiret 
werden möchte, jährlich abzutragen und zu erlegen, wodurch dann der 
fiscus regni um so viel mehr augiret, und hätte die Krön nebens der 
Sicherheit, derer die säramtliche Stände zu gemessen, auch noch wei- 
ters 30,()00 fl. oder 10/)r)0 Reichsthaler jährlich zu gewarten. Auf diesen 
Vorschlag hättet Ihr zu bestehen und zu erwarten, was darauf vor Er- 
klärung erfolgen wird. 

Solltet Ihr aber verspüren, dass man damit nicht allerdings sich 
wollte Contentiren lassen, dennoch aber Uns solche Seezulage zu per- 
petuiren nicht ungeneigt wäre, so möget Ihr endlich bis auf noch ein 
subsidium von 80,000 fl. oder 10,000 Reichsthalcm hinan rucken und 
ihnen dabei remonstriren, wie geneigt Wir wären, Uns als ein getreuer 
Lehnsftlrst der Krone zu erweisen, indem Wir ihnen über diejenige 
Beschwer, die Wir wegen der beiden Seeporten der Pillau und der 
Memmel auf Uns nehmen und behielten, ebenso viel von dieser See- 
zulage entrichteten, als Wir von Unserm ganzen Herzogthum vermög 
der paetorum zu erlegen schuldig wären, und tiberkämen sie hiezu auch 
das extraordinarium subsidium, welches Wir aber sonsten nicht ehe, 
als wami ein Pobor *) auf dem Reichstag zu der Krön Besten bewilliget 
ISO aber nicht alle Jahr, sondern zum öftem kaum in 2, ;5 oder mehr 
Jahren zu geschehen pflegte) einzuzahlen schuldig, als ein ordinarium 
subsidium jährlich in Ihrem fisco verwilliget, und würde also aus die- 
sem extraordinario subsidio eine jährliche gewisse beständige Einnahme 
der Krön gemacht; dahingegen, wann man solche Seezulage nicht ver- 
willigen würde, solches alles mit einander fallen und Wir zu keinem 
mehren, als wozu Uns die pacta obligiren, verbunden würden. Wir 
setzten ausser allen Zweifel, dass die Stadt Dantzig, welche eben einen 
so hohen Zoll, obwol auf eine andere Weise und unter einem andern 
Schein und Titul jährlich erheben mag, sich dannoch wol nimmer zu 
einer solchen Summa jährlich , wie Wir thäten , nach Proportion ihres 
Zolls, mit welchem Unser Zoll, dieweil zu Dantzig eine viel stärkere 
Handelung getrieben wird, [nicht zu vergleichen ist] *), erbieten werde. 

') Pobor, polnisch, eine Landessteiier. 
») [ ] fehlt in der Handschrift. 



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122 '' P'oc^BSon und Polen. 

So kann auch die singulos dieser Zoll so hart nicht graviren, die- 
weU es alles dem Käufer und also in viel Wege den Fremden aufge- 
schlagen wird, als dem publico hiedurch Nutzen geschaflFet wird, wel- 
ches man aber vornehmlich in dergleichen rebus publicis zu conside- 
riren und in Obacht zu halten pflegt. 

Ihr könnet hierauf, wohin die Gedanken [gehen, vernehmen und 
Uns von allen Verrichtungen Euern ausführlichen Bericht einschicken. 
Zu einem mehrem aber als die 90,000 fl. oder 30,000 Rthlr. wollet Ihr 
Euch ohne Unsern sonderbaren Befehl nicht erklären. 

Wir schicken itzund Unsere Käthe nacher Stettin, das Armistitium 
vollends zu schliessen, da Wir dann auch zugleich von Eröflftiung des 
Warthestroms mit dem Königl. Legato werden tractiren lassen. Wozu 
l^ns aber Euere Relation von dem, was Ihr hiebevor in Grosspolen 
dieses Zolles halber negotiiret, hoch vonnöthen; als wollet Ihr Uns die- 
selbige mit dem förderlichsten einschicken. 
P. S. Die Relation Hoverbeck's vom Reichstag ist eingegangen; bei dem 
obigen Rescript und seinem Auftrag bleibt es. HoTerbeck soll in 
Erfahrung zu bringen suchen, was die starken polnischen und be- 
sonders die dänischen Rüstungen bedeuten. Wie verlautet, wollen 
die Könige von Polen und Dänemark in Danzig eine persönliche 
Zusammenkunft halten. 



Die Üben-äthe an den Kurfürsten. Dat, Königsberg 
25. AprU 1643. 

[Vom polnischen Reichstag. Ordnung des Münswesens.] 

25. Apr. Unserm jüngsten Verlass nach Jiaben wir die polnißchen Constitu- 

tiones des jüngst gehaltenen Reichstages pervolviren lassen , dieselbe 
aber so beschaffen befunden, dass nichts darinnen E. Ch. D. oder dero- 
selben Lande Statum berühret, sondern was etwa unter den exorbitantiis 
und desideriis begriffen sein möchte, darunter wir auch das Münzwesen 
verstehen, auf künftigen Reichstag verschoben worden. Dahero unnöthig 
gewesen, geregte Constitutiones zu vertiren, sondern haben allein das 
äummarium extrahiren lassen und thuen dasselbe beiliegend E. Ch. D. 
gehorsamst überschicken, zugleich aber und bei dieser Occasion, dass 
die Resolution wegen des Münzwesens von einem Reichstage zum andern 
verschoben wird, E. Ch. D. unterthänigst zu erinnern und deroselben 
gnädigsten Resolution zu erholen, welcher gestalt dieselbe es mit dieses 
Ihren hohen Regalis Nützung indessen möchten wollen gehalten haben. 
Weiln nun von etzlichen Jahren wenig oder gar kein Schlägschatz in 
die Cammer einkommen und berechnet worden, uns auch weder in in- 



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Der fieichstag. Der Starost von Lomza. 123 

Btractione, weder in der Cammerordnung davon nichts hinterlassen: 
derentwegen wir hievon und wie E. Ch. D. mit Nutzung deroselben 
Preussischen Münzwesens es künftig und flirbas gnädigst' wollen ge- 
halten haben, Ihrer gnädigsten Kesolution gehorsamst erwarten thuen. 



Eesolution des KurAlrsten. Dat. Ctistrin 26. April 1643. 

[Nötige Vereinbarungen über das Mtinzwesen.] 

[lieber die Münzangelegenheit «ollen die Oberräthe einen mehr speci- 6. Mai. 
fieirten Berieht nebst ihrem Gutachten einschicken.] Hättet Ihr aber Euer 
Absehen bloss darauf gehabt, was für Sorten der Münze und Reichs- 
thaler in Unseren Landen bis zum künftigen allgemeinen Reichsschlusse 
zu approbiren und zuzulassen sein möchten, so vermeinen Wir, dass 
zuforderst hieraus mit der Stadt Danzig und anderen Seestädten zu 
communiciren und mit denselben ein gewisser Vergleich zu treffen sein 
würde; denn ausser dem wird doch Unsers Ermessens in dieser Sach 
nichts richtiges noch beständiges geschlossen, noch einige Conformitet 
in den Commercien gehalten werden könlien. — 



Hoverbeck an die ObeiT'äthe. Dat. Warschau 2. Mai 1643. 

[Conflicte an der polniscb-preussischen Gränze; der Starost von Lomza.] 

E. Gestr. Herrl. seind meine ganz willigsten Dienste jederzeit mög- 2. Mal. 
liebsten Fleisses zuvor und hab in Continuation meiner dienstlichen 
vorigen Berichte E. Gestr. Herrl. nicht verhalten sollen, dass die Herren 
OflScirer alhier bei Hofe mich berichtet (dann mit dem Herrn Starosten 
von der Lomse selbst zu reden hab ich nicht begehrt, so lang als S. 
Ch. D. sich noch offendiret befinden), es wären die Gefangenen alle 
losgegeben*). Da nun dem also, wäre bei dieser Sachen nichts mehr 



') Unter den mannichlaltigen proussisch - polnischen Processen dieser Zeit, die 
hin und wieder in den Acten erwähnt werden, war besonders der des Sta rosten 
von Lomza (Lomsa, am Narew, Starosteistadt in Masovien, nahe der preussisclien 
Gr&nse) eine causse celebre. Wir fügen hier zur Charakteristik der preussisch-polni- 
sehen GrttnzverhAltnisse ein Actenstück bei, aus dem der Sachverhalt sich ausführ- 
lich und um so zuverlässiger ergibt, als dasselbe von polnischer Seite ausgeht. Es 
ist der Vorladebrief an den Starosteu von Lomza vor das Gericht des 
Königs [dat. Varsav. feria secunda in crastino festi S. Innocentii A. 1642]. Der 
Kl&ger ist Ludwig v. Kanach, Hauptmann von Johannisbqrg ; der Instigator Regni 
belangt den Starosten: »quia tu ansus es, temporibus praeteritis iisdemque diversis 
iteratis vicibus sine ulla denuntiatione venationes omnium ferarum in sylvis Ducali- 
bus extra fines Regni Poloniae . . pro libitu tuo exercere, feras captare etc. in prae- 
indicium iurium 111"" Electoris Brandeburg ici. Nee hie finis fuit tuae audaciae; 
nam etiam tempore nuperrime elapso, videlicet feria secunda in crastino S. Andreae 



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J24 ^' Pi'cu^^^i^ u°^ Polen. 

ZU thun, bis etwa S. Kön. Maj. oder der |HeiT Gross Cantzler und 
Woywode von Reussen, wie sie sich dessen angenommen, gewisse 
und reputirliche Versichemngsmittel Sr. Ch. D., Unserm gnadigsten 
Herrn, vorschlagen. Sollt es aber eine unbegnUgte Vertröstung sein, 
hätt ich zu gewarteu, was E. Herrl. mir ferner zu schaiFen Ihnen hoch- 
gtinstig möchten belieben lassen, oder aber ob Sie vermöge des Decrets 
(wie wol der glimpflichste Weg noch möchte der beste sein) zu ver- 
fahren gemeinet und entschlossen wären. — 

P. S. Der König ist von seiner Krankheit wieder hergestellt. Der Laudtag 
zu Lentzitz ist glücklich geschlossen und zu Lomse sind dem König 
vier Rauchfangsschösse bewilligt worden — ^aber mit der expres- 
sen Bedingung; nichts im geringsten auszugeben^ bis S. Kön. Maj. 
alle und jede zwischen dem ganzen Kreise in gemein oder auch 
dessen Einwohnern und Sr. Ch. D. vorgehende Offesen und Miss- 
helligkeiten würden beigeleget haben.'' — 



Ap'i anno praeBenü proxime praeterita ausus es, circiter dacentos hominee divei'»i go- 
neris et condiiionitt, utpote satelUtes, haydone« et sclopetarios tuos more beUico et 

hosfili armis diversiü ad vini inferendam instructos ad oppidum Joannisburgum 

boniü capitancatus Lomzensis finitimum circa naediam noctem violenter et insperate 
immittere, qui morc, ut praemissnm est, guerrico et hostili per ic, uti capitanenm, 
immissi imprimis oppidum praefatum Joanuisbur^m bostiUter irrumpentes domum 
pracfecti custodis sylvarum Joaonisbnrgensiam cum vario armorum ' genere caterva- 
tim tunnulluarie obsederunt eandeinque obsidentes vi diversorum armorum, crebris 
bombardaniiii eidcnlationibus, franiearum ot securiam ictibus per horas aliquot di- 
ruendo oppugnarunt et conquassarunt. A qua domo dum per incolaa, pulsn cainpa- 
narum toto oppido ac ipsament arce Joanniäburgensi in pericnlum coniectis ot contur- 
batis, vixvix tandem repellereutur, ex tunc tu post dies aliquot .... violentiam vio- 
Icntiao addendo et actus illicitos gominando et super repulsioncm Joannisburgo per 
te immissorum, ut praemissura est, hominum fremeudo iterum eosdem satellites, hay- 
dones et sclopetarios tuos iu vlllam Ducaleni Komielsko, ad eundem capitanoatum 
Joannisburgensem pertinentem .... violenter iromtsisti, qui eo per te immissi villam 
praefatam invadenti^s et irrumpentes incolas eius diripuerunt, ministrum ecciesiae, hu- 
minem circiter octuagenarium, et colonum, uti maleOcos secum abduxerunt, arcam 
ecclesiasticam cum aliquot centenis floren. ab eadem ecclesia in vim praedae et spolii 
abripuerunt .... multasque alias violentias, prout ipsis a te commissum et iniunctum 
fiiit, perpetrarunt et in dies multo maiora iussu et mandato tuo se patraturos com- 
minantur, prout ea omnia tempore et loco sufficienter legitimis probationibus verifi- 
cabuntur.* (Königsb. Arch. ; Liber Missiv. latin.) — Der Starost von Lomza ist 
übrigens der später vielgenannte Hieronymus Radziejewski, der iu der Zeit 
Johann Casimir's als Vicecanzler und dann als Verbannter eine ziemlich zweideutige 
Rolle spielte. 



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Der Starost von Lomza. Die Opposition der Littauer gegen den Seesoll. J25 

Ho verbeck an de« Kui-fiirsten. Dat. Königsberg 6. Juni 1643. 

[Zur inneren Geschichte des letzten Reichstags. Die eigentlichen Gründe der Oppo- 
sition der Littauer gegen den Pillauer Zoll. Intriguen der Königsberger.] 

E. Ch. D. gnädigstes Rescript vom 21. Aprilis betreffend die uff dem 6. Juni. 
Dächst venvichenen Reichstage gegenst den neuen Pillauschen Pfiind- 
zoll durch die Littausche Stände gefllhrte Beschwerden und wohin es 
E. Ch. D. dieses StUcks halber ins künftige gerne gerichtet sehen 
möchten, und mir zu dem Ende vermittelst beweglich- und wolbe- 
gründeter Remonstrationen zu uegociiren gnädigst ufftragen, ist mir 
sehr spät und zwar albereit unterwegens uff meiner Rückreise von 
Warschau diesseit Neydenburg zu Händen kommen. Damit nun wegen 
E. Ch. D. dergleichen motibus ins künftige vorgebeugt werden könne, 
als soll deroselben ich unterthänigst nicht unvermeldet lassen, was ich 
deswegen in Erfahrung gebracht und wobei es den nächst vergangeneu 
Reichstag verblieben. 

Wie sorgfältig ich auch nachgefragt;, was doch zu so grossen motibus 
möchte Anlass gegeben haben, könnt ich doch nichts andei*s anfangs 
penetriren, als dass etliche Littausche Herrn ihre vom König empfangene 
Disgusti damit zu rächen und ihre Anschlag durchzutreiben Vorhabens 
wären, hernachmals aber, da schon einer und der ander principal war 
zufrieden gestellt worden, berichteten mich die Littausche Senatoren 
selbst und namentlich der Herr Woywode von der Wilde, Chodkiewitz 
und die beiden Cantzler Radziwill und Tryzna, dass die Ihrigen nicht 
so gross dem Zoll an sich selbst, sondern vornehmlich dem dabei 
vorgehenden Excess widersprechen, weil ihnen nicht nur gesagt, sondern 
allerdings in Schriften von den Königsbergem nach Ausweisung der 
ins Teutsch übersetzten und alhier No. 1 beigefligten Tax dargethau 
worden, dass man an Statt 4 proc. (welche vermöge des Köpnickschen 
Vertrags zu nehmen) wol 15 und mehr proc. (ja auch \iel ein höheres, 
als die Schweden ehe Zeit gehoben) nehme. 

Ob nun wol auf mein unterthänigstcs Ansuchen des Herrn Kron- 
Gross-Cantzlers f. 6n. solches zu widerlegen Ihr selbst angelegen 
Hessen und die Littausche Landboten versicherten, Sie hätten occasione 
des Elbingschen Zolls bei dero Anwesenheit zu Königsberg die neue 
Zoll Taxe in den vornehmsten Stücken considerirt und ausser zwei 
oder dreier Stücke, darinnen etwas exorbitirt, nichts unbillig oder über- 
mässiges befunden, wollte doch solches nicht sonderlich verschlagen, 
sondern es blieben gedachte Littausche Stände bei ihrem Widersprechen. 

Derentwegen wurdt ich genothdringet, die Königsbergische Ab- 
geordnete zu besprechen und ihnen den ünfiig zu verweisen. Da sie. 



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126 '' Preussisn und Polen. 

nun durchaus nichts gestehen wollten, sucht ich sie bei denen Littauschen 
Sessionen zum Stande zu bringen, damit sie ihres vorigen Ausgebens 
Red und Antwort geben mtissten. Dabei aber wollten sie zwar nicht 
gestehen, dass solche Schrift von ihnen ausgegeben worden, aber auch 
nicht widersprechen, sondern blieben dabei (welches dann um so viel 
mehr gravirte), dass sie nicht wUssten, mUssten auch und könnten nicht 
wissen, was bei dem Zoll vorginge. 

Wie wol aber daselbst öffentlich niemand ja oder nein dazu ge- 
sagt, hjiben doch hernach fast alle„ vornehmlich aber der Hofschatz- 
meister Tyszkiewic und auch der Herr Hof Marschalck Sapieha ihnen 
dessen Schuld gegeben. Am 4ten Tag Aprilis aber hat der Herr Nam- 
szewic, der Notarius Pinscensis Ogrodsinski diese particularia öffent- 
lich in Ihrer Dchl. des Prinzen Casimiri anticamera ausgesagt, dass 
der Königsbergische Secretarius dieser Sachen halber bei unterschiedenen 
Senatoren gewesen und denen Landtagen zu Trocky und Wilde bei- 
gewohnt und die Wildner, so die Schrift in Polnisch Übersetzt aufge- 
bracht, da dann der Voigt von der Wilde Bildzukiewitz diese Umstände 
zu Bestätigung der Wahrheit hinzugethan, es wUrde der Secretarius 
nicht in Abrede sein können, dass er uff dem Landtage zur Wilde ge- 
wesen, weil er bei demselben von den Zungen nicht wenig despectirt 
worden. Alles dessen ungeacht wollten doch die gedachte Herrn Ab- 
geordnete von der tibergebenen Taxa nichts >viBsen, so viel aber mussten 
sie dannoch gestehen, dass sie um Abschaffung des Zolls gebeten, und 
zwar dannenher, dass E. Ch. D. sie an S. Kön. Maj. verwiesen, ob 
sie etwa deshalber etwas erhalten könnten. 

Ich verwiess ihnen zwar dagegen, dass sie der Ordre, damit sie 
sich vorzuschützen vermeinten, sich gar nicht gemäss verhalten, indem 
sie S. Kön. Maj. ganz praeterirt und nicht soweit gegen den Zoll, als 
aus fälschlichem Angeben (sie kämen nun, von wem sie wollten) gegen 
E. Ch. D. selbst und dero Reputation negociirt hätten; weil aber S. 
Kön. Maj. es ihnen alles Hessen passiren, möchte oder könnte ichs auch 
nicht weiter eifeni. So Hess ich mich auch nicht sonderlich ein, ob 
und wie weit E. Ch. D. den Zoll zu nehmen befugt wären, sondern 
Hess solches uff S. Kön. Maj. -selbst ankommen; zumal da mir von 
denen vomehmsten polnischen Landboten die Versicherung gegeben 
ward, dass, wann gleich die Littauer sich noch so sehr dawider setzen 
und noch so viel Tage damit verderben würden, sie doch lieber wollten 
dies quam Rempublicam perdere. 

Damit aber gleichwol auch die Littauer aus dem Wahn gebracht 
würden, ob Hessen E. Ch. D. so grosse Exoesse zu, Hess ich zu dem 



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Die Opposition der Littauer gegen den BeesoU. f 27 

Ende mit Vorbewusst Sr. Kön. Maj., was alhier No. 2 zu ersehen, von 
unterschiedenen, aber nicht in meinem, weniger in E. Ch. D. hohem 
Namen, damit es nicht das Ansehen hätt, ob wäre man schuldig hierin 
einige Rechenschaft zu geben, dagegen öffentlich ausbringen. Da nun 
dieses Ausgeben dergestalt widerlegt und die Schreier eingetrieben 
waren, verwahreten sich die guten Herren Littauscbe Landboten in 
ihren Erklärungen, dass nämlich, wann nur zu Danzig auch ein neuer 
Zoll genommen würde und also die Herren Polen mit ihnen gleiche 
Beschwerd trügen, könnten und wollten sie es wol verschmerzen, allein 
aber möchten sie der Reipublicae Lehnflirstens Tributarii nicht sein. 
Und wurdt ihnen von polnischer Seiten dagegen remonstriret, dass frei- 
lich in beiden Porten Gleichheit gehalten, die Zoll Taxa alle Jahr von 
Danzig gefordert werde, und über das der Zoll nicht sie alleine, son- 
dern auch zum Theü das Land Preussen, vornehmlich aber die Aus- 
länder afficire, und dass zwischen ihnen und den Littauen der Unter- 
scheid allein sei, dass sie, die Polen, von den Dantzkeni wider ihren 
Willen , die Herren Littauer aber auf vorgehende Abhandlung mit Sr. 
Kön. Maj. von E. Ch. D. mit Zoll belegt wären. 

Endlich ist es dieses Punkts halber, vne auch aller andern und 
nicht weniger in E. Ch. D. Staat und Hoheit dringender Affeetationen 
wegen dahin gediehen, dass derselben Untersuchung zur andern ge- 
legenen Zeit verschoben worden. 

Es mögen aber wol E. Ch. D. Ihr obiges nicht lassen leid oder 
zuwider sein, weil eben durch dieses fUlschliche Angeben und Opposi- 
tion Ihr Zollrecht in dem nur gestärkt und versichert worden, dass, 
da man bishero in grosser geheim nur drei von den einkommenden 
und vierthalb zum Hundert von den ausgehenden Waaren genonunen, 
diesen Reichstag die Stände einhellig drauf gedrungen haben, dass es 
bei vier zum Hundert sein Bewenden haben soll. Also schlägt Falsch- 
heit seinen eignen Herrn. — 

Beilage. 
Nnm. 1. Was vor einen Zoll der 
Herzog in Preussen zu Königsberg 

nehme. 
Von einer Last Salz . . . Rth. 5. 
Ton einer Last harte 

Asche t> lö- 

Ton einer Tonn Potasch . „ 5. 
Vom Hundert Klapholz. . „ 60. 

[Da doch zu der Schweden Zei- 
ten nicht mehr gegeben worden als 
3 Rth.] 



Nnm. 2. 






Von einer Last Salz Rth. 1. 


31 


gr 


Von der besten Asche 






hart Gut .... ^ 5. 


— 


T» 


Von einer Last Asche 






weich Gut . . . . „ 3. 


36 


n 


Von einer Tonn Potasch „ IJ. 


— 


71 


Vom Hundert gross 






Klapholz .... ^ 14. 


— 


V 


Vom Klapholz Mittelgut ^ H- 


— 


n 


Von Brack Klapholz ^ 3i. 


■^~ 


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3( 



-128 '• Pr^^wMcr 


und Polen. 




Num. 1. 


Num. 2. 




Vom Schock Plaüken . . Utli. 30. 


Vom Schock Planken Rth. 2. 


Von einer Last Korn . . ^4. 


Vom Schock Wagen- 




Von der Last Hanf ... ys 2. 


schoss 


. 1. 


Von der Last Flachs r» 3. 


Vom Hundert Pipen- 




Von der Last ViTachs . . ^6. 


steuern 


. 1. 


Von andern Waaren aber so zur 


Von der Last Korn . 


. 1. 


See wärts einkomnien, was im Sunde 


Von 60 Stein Hanf . 


^ 2. 


gibt 3 Rth., davon nimmt der Herzog 


Von 60 Stein Flachs 


. 2. 


in Preussen 12 Rth. 


Von einem Schiff Pfd. 
Wachs, da man nie 
erhört, dass ViTachs 

. nach Lasten sollte 






sein verkauft worden 


. 1 



40 gr 



15 



334. 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Königsberg 7. Juni 1643. 

[i'roject eines neuen CanaU. Die politischen Vortheile des Pillauer Zolls. Vergleich 

di)s Getreide- and Salzbandels in Danzig uud in Königsberg; die russische Grftnze. 

V<»rh and hingen zwischen DUnemnrk und Polen. Die Pretia rerum und die prenssi- 

schen StJldtc; polnischer Uebergriff. Personalien.] 

? Jani. In unterthänigster Continuation meines gestrigen Berichts soll E. 

Ch. D. ich gehorsamst nicht unvermeldet lassen, dass ich» den nächst 
verwiclienen Reichstag bei denen verwornen Littauschen Ständen des 
neu vorgeschlagenen Grabens halber am Haabe dahin nicht hab zu 
richten vermocht, dass sie zu Besichtigung der Gelegenheit und Ueber- 
schlage der darauf gehenden Unkosten gewisse Comraissarien hätten 
abgeordnet*). So schwer ist jetziger Zeit, da das alte Vertrauen fast 
verloschen, auch in denen aller ntltzlichsten Dingen ein einhelliger Con- 
sens zu erhalten; und hab ich fast mit Schmerz vernehmen müssen, 
dass solche Aversion von den Königsbergern verursacht worden, welche 
dieses Werk (weiss nicht, aus was Ursachen, es war dann, dass sie sich 
befahren, es möchten bei dieser Commission die Mängel ihres Grabens 
an den Tag gebracht und E. Ch. D. gar zu grosser Vortheil mit Holz- 
flössung geschaffet werden) damit traversirten, dass sies vor practicable 
nicht ausgeben, und da es ja zu Werk gerichtet würde, die Leut mit 
einem gar zu hohen Zoll uf Seiten E. Ch. D. bedräuen und schrecken. 
Wann nun nur noch solches von ihnen öffentlich ausgebracht würde, 
könnte mans gar leicht zur Genüge widerlegen; jetziger Zeit aber, da 
man was dagegen einwenden will, bekommt es fast das Ansehen, als 
wann einer mit der Vorklage käme. Jedoch verlier ich deswegen die 



') Näheres Über diese Angelegenheit s. unt. in dem Schreiben dos Kurfürsten au 
Hoverbeck, dat. 14. März 1645. 



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Der Pillaaer Zoll. )29 

Hoffnung nicht, das» es E. Oh. D. Ihr zu unsterblichem Ruhm in kurzem 
nicht sollten zu Werk gerichtet sehen. 

Den neuen Pillaus chen Zoll betreffend werden Ö. Kön. Maj. 
und die Krön nach Ausgang des jetzigen Contracts ungeachtet der 
Littauer und anderer Widersätzlichkeit auf dessen Continuation dringen, 
und wird auch wol verhoffentlieh, ehe es dahin konmit, mit den Dantzkem 
das Werk abgehandelt und denen Littauschen Landboten ihr Einwenden 
ganz benommen werden. 

Sonsten aber ist schon, nach E. Ch. D. gnädigster Anleitung, viel 
vornehmen Landboten so viel an die Hand gegeben worden, dass aus 
diesem Werk der Reipublicae nicht ein geringer Vortheil könnte ge- 
schafft werden, und wirdö uf dem nächstkünftigen Reichstage wol nicht 
aussenbleiben, dass sie sich mit Sr. Kön. *Maj. bereden, wie es ins 
künftige damit gehalten werden soll. 

Dabei dann dieses in Gonsideration kommen kann, dass zwar die 
Respublica auf ein geringers, als was E. Ch. D. jetzo jährlich heraus- 
geben und also wol auf dasselbe, was Sie in dero Rescript gnädigst 
namhaft machen, möchte zu behandeln sein und das Werk dadurch so 
viel desto mehr versichert werden; dahingegen ich wenig Apparentz 
sehe, dass S. Kön. Maj., so lange Sie den Spiringen, die das Werk 
sehr gross machen, das Ohr gönnen, auf einen anderen Weg gebracht, 
oder, dass Sie etwas nachliessen, behandelt werden könnten. Es käme 
aber E. Ch. D. ein immer während continuirliches Mittel aus Händen, 
dadurch Sie der Könige Affection, von welchen dann bishero fast alle 
praejudicia E. Ch. D. hochlöblichsten Vorfahren zugezogen worden, bei- 
behalten können. Es möchten aber wol dannoch, Wann es zur wirk- 
lichen Handlung käme, sich solche Mittel und Wege finden, dass E. 
Ch. D. uff Seiten der Reipublicae die Sicherheit und zugleich der Könige 

Affection behalten würden. Was E. Ch. D. denen bishero 

gefllhrten Zollbeschwerden entgegen zu setzen gnädigst an die Hand 
geben, dasselbe begreifen die Polen und Littauer etlicher Massen; 
E. Ch. D. Leut aber können sich durchaus nicht drein finden, wie wol 
dieses Jahr das Korn zu Danzig hur etliche und achtzig, hier aber 
Über 100 fl. gilt; sondern, sobald sie vernehmen, dass nach Danzig 
mehr Schiff als anhero gehen, lamentiren sie, als wann ihnen das Ihrige 
mit Gewalt genommen würde, und bedenken nicht, dass, da E. Ch. D. 
beide Porte in 50 Jahren niemals mehr als etwa 13 oder 14,000 Last 
an allerhand Getreidig ausgegeben, Danzig wol jährlich über 100,000 
Last ausgibt, und gehören also zu deren Abholung wol sieben Schiffe 
gegen eins. Von denen zur See wärts einkommenden Waaren ver- 
Mater, zur Geacb. d. Gr. Kurfürsten. 1 9 



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■130 '• Pwussen und Polen. 

siebet Danzig alle die reich- und wolbebaute Lande an der Weyssel 
und Bug und verschicket derselben sehr viel in Schlesien, Böhmen, 
Laussnitz, Oesterreieh und Ungarn, da hergegen dieser Seits alle Hand- 
lung stutzig wird, wann sie an die Moskowitische Gränz zu rUhren 
kommt. 

Und eben daher kommt es auch, dass wie wol E, Ch. D. vom Salz 
viel ein höhers nehmen lassen, als die Stadt Danzig, dennoch wol zehen 
Salzschiffe anhero kommen gegenst eins das nach Danzig geht, die- 
weil die Dantzker das fremde Salz nicht weiter zu verftthren befugt 
sein, als etwa bis an die Thornsche Brücke, da hingegen E. Ch. D. 
Porte ganz Littauen und ein gut Theil von Reusseu damit versehen. 

Was E. Ch. D. schliesslichen wegen fremder Werbungen und Sr. 
Kön. Maj. Zusammenkunft bei Danzig mit dem Könige zu Dänemaiic 
zu wissen gnädigst begehren, davon weiss deroselben ich unterthänigst 
nichts anders zu schreiben, als was Ihre Ch. D. meine gnädigste Chur- 
fKrstin und Frau von meinet^vegen hinterbracht; dann weil es solche 
Sachen waren, die sich ohne Ziffern nicht wollten berichten lassen, 
deren ich keine hab, dirigirt ichs, um allerhand Verdacht zu verhüten, 
an höchstermelte Ihre Ch. D. ')- 

Ob S. Kön. Maj. nach der vor einer geraumen Zeit her gesuchten, 
aber doch noch inl Zweifel stehenden persönlichen Zusammenkunft 
und Unterredung mit dem Könige zu Dänemark E. Ch. D. Herzogthum 
zu berühren gemeint wären, hab ich zu Anfang, wie beides noch gar 
still gehalten werden wollte, nur vor mich selbst zu i)enetriren gesucht, 
und da ich an unterschiedenen Orten die Nachricht erlangt, dass Sie 
gewiss wieder zurück auf Warschau reisen und sich von dannen erst 
nacher Littauen erheben würden, zu mehrer Sicherheit auch directo, 
gleichsam den Herrn Regiments Käthen zu nöthiger Wissenschaft, die 
vornehmsten Officirer darum befragt, welche einhellig bestätiget, dass 
Sies ganz nicht gewillt wären. Und kann ichs um so viel gewisser 
anjetzo unterthänigst melden, weil noch gestrigen Tags des Herrn Krön 
Gross Cantzlers Cammerschreiber eben dasselbe wiederholt, dass näm- 
lich S. Kön. Maj. also gleich nach Johannis zu Wasser nacher Danzig 
und von da wieder zu Lande auf die nach der Herzogin zu Neuburg 
Abzüge Ihrer Maj. der Königin zugefallene Starosteien ziehen würden 



') Diese Briefe Hoverbeck's an die Eurfürstin Mutter sind nicht aufzuüudeu ge- 
wesen. Ihr vermuthlicher Inhalt, botreffend die polnisch-dUnischcn Kriegspläne gegen 
Schweden, ergibt sich ans Chemnitz IV. 3. p. 63ff., 163 ff., und hiernach Pufen- 
dorf de reb. Suec XV. 7«^ ff. Yergl. unten die Relation dat. 11. Juli. 



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Kriegsgerüchte. |31 

und von Warschau allererst, man wisse aber noch nicht, um welche 
Zeit, sich nacher Littauen möchten erheben. 

Von denen zu Abfassung der Land Zoll Taxa uflF dem nächstver- 
mchenen Reichstage verordneten Commissarien hatten sich den Iten 
dieses von 24 an der Zahl nur folgende eingestellt: Episcopus Pos- 
naniensis özulticki, Palatinus Pernauiensis Zawacki, Castellanus Varsza- 
densis Krasinski, der Krön Grossraarschalk und Grosscantzler, der 
General aus Grosspolen, der Landrichter von Ciechakow Sarbiewfeki, 
der Brestische Land Cänimerer l\ilibowski und der Starost von öochatzeff 
Oborski. Weil auch der Herr Krön Gross Schatzmeister, als der in allen 
Einkünften und commerciis das Directorium hat, damals noch nicht zur 
Stelle gewesen, haben sie nichts conclusive, sondern (wie sie zu reden 
pflegen) nur per modum praeparamenti handeln können. Damit sie 
die.pretia rerum so viel besser setzen könnten, Hessen sie die vor- 
nehmste Städte in Preussen dazu erfordern, wie ich dann auch des- 
wegen ein vollenzogenes • Schreiben an E. Ch. D. hiesige Städte bei 
dem Gross ('antzler gesehen und dagegen remonstrirt habe, dass, wie- 
wol E. .Ch. D. und dero ganze Landschaft genie sehen möchten, dass 
der Kaufleute übermässiger Geiz in Uebersetzung der Waaren etwas 
umgeschränkt würde, dieselbe gleichwol nicht gestatten könnten, dass 
solches vigore Constitutionis geschehe, oder auch die Städte ohne dero 
Vorbewusst dazu erfordert würden. Ob nun dannoch, meiner Gegen- 
erinnerung ungeacht, die hiesige Städte dazu erfordert worden, oder 
nicht, kann ich nicht eigentlich wissen; es ist aber wol keiner, weder 
von diesen, noch von denen aus dem königlichen Theil erschienen. 
Dann sie in denen praejudiciosis passibus es . gerne auf E. Ch. D. Pro- 
tection pflegen ankommen lassen. — 

Nach Absterben des Herrn Melchior Weyers Woywoden zu Culm 
haben S. Kön. Maj. die Woywodschaft seinem ältesten Neffen, dem 
Woywroden von Marienburg, und diese dem Castellan von Culm, Herrn 
Jacob Weyem, der die Schaffgotzin geheirathet, conferiret; darüber der 
Herr Castellan von Danzig Gerhard Dönhoff^ nicht wenig Disgusto 
empfindet, weil er vorlängst darauf vertröstet worden. Die Castellanei 
Culm ist dem Herrn Czerski, Starosten von Bobrownitz, einem sehr 
eifrig Catholischen, gegeben worden. Der Herr Woywode von Sieradz 
aber hat mehr Glück als sein Herr Bruder gehabt, indem ihm unver- 
bofil nach Ableben eines gar jungen Herrn Bykowski die Starostei 
Bzedek, so im Sieradschen gelegen und über 20,000 fl. jährlich tragen 
kann, conferirt worden. — 



^* 



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132 '• Preosten und Polen. 

Die Oberräthe an König Vladislav IV. Dat. Regiomonti 

23 Juni 1643. 

[Bitte um Aufschub für die schuldige Zahlung aus den Zollgeldem. Stocken des 

englischen Handels wegen der dortigen Unruhen; die Möglichkeit, auch die zweite 

Jahreshälfte des königlichen ZoUantheils sahlen zu können, ist daher zweifelhaft.] 

23. Juni. [Abraham Spirlng habe im Namen des Königs den Termin v. 50,000 flor. 

pol. für S. Johannis ßapt. eingefordert.] Licet vero ob tardiorem hoc anno 
institutam navigationem , tum et motus in Regno Britanniae perpaucae 
naves ad hunc usque diem advenerint exiguis leviorisque momenti 
mercibus onustae, nuUa vero omnino Anglicana navis in praesentiarum 
appulerit, adeo ut conventa summa ex aucto theloneo novo maritinio 
magna ex parte nondum colligi potuerit; tarnen ut fides Serm« Electoris 
Brandenburgensis Domini nostri clementissimi liac in parte liberetur, 
id recepimus responsique ergo praefato Domino Spiringio dedimus, uos 
operam navaturos, ut alio et mutuo ad usuras licitas pecuniani pro 
complenda dicta 50,000 flor. pol. summa sumamus eandemque medietatis 
huius anni summam ad vigesimum priihum diem insequentis mensis 
Julii Holland! numeremus quietarique nos legitime faciamus. Hstc tarnen 
praevia ex mente Sermi Electoris cautione, quod si forte per turbas 

Anglicanas altera medietas ex asse aut plenarie haud colligi 

poterit, Sermuin Electorem vigore conventionis exceptionisque niutuo 
initae in eum casum ad totam medietatis summam minus teneri posse, 
sed per omnia contractu! standum fore. — 

27. Juni. Dabei Schreiben der Oberräthe an den Kurfürsten, dat. 27. Juni, worin 

i<ie die getroffene Auskunft anzeigen. Auch hier die Klage über das Nie- 
derliegen des Handels; es ist noch kein englisches Schiff eingelaufen, viel- 
leicht auch keine zu erwarten; die aber gekommen sind, haben ^ wenig Stück- 
güter, meistentheils aber Ballast ingehabf^. Die Summe, die dem König 
zu zahlen, ist bei weitem nicht eingekommen. 

König Vladislav IV. an d. Oben-äthe. Dat. Vars. 11. Juli 1 643. 

(Königsb. Arch.) 

[Die Berufung auf die englischen Wirren wird abgewiesen. Die Schuld des yermiu- 
derten Handels liegt in den vertragswidrig hohen Zöllen in Pillau.] 

11. Juli. [Die versprochene Zahlung auf den 21. Juli wird acceptirt.] At vero 

quod de paucitate navium et vilitate mercium advectarum memorant, 

minus id mirum est; maluissemus quidem ansam et necessitatem ei rei 

a Sync. et Fid. Vestris datam non fuisse, praesertim cum allatae uudique 

quaerimoniae contestentur, Sjoic. et Fid. Vestras non id solum, quod 

Grodnensibus pactis conventum et constitutum est, ex mercibus accipere, 



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Der Pillaner Zoll und die engUscben Wirren. 133 

verum etiam dimidio amplius adeoque alterum tantum et pIuB aliquando 
levare. Ex quibus causis commercio omni terror injeetus est, ut pre- 
ciosiores merces ad alios portus deelinare et veluti diflfugere cogantur. 
Unde et aucti thelonei maritimi proventibus multum decedit et subditi 
Regni Nostri plurimum incommodi accipiunt atque negociatio a portu 
Pillaviensi avertitur; cum tamen vigore pactorum innqvatio nulla absque 
sdtu et consensu Nostro fieri deberet. Illud porro admittere non 
possumus, Nostrae tarn modicae portioni ex auctione maritimi thelonei 
detrahi aliquid propter bellum Anglicanum. Quapropter Sync. et Fid. 
Vestrae rem totam ita omnino expediant, ut tam ad Festum S. Martini 
quam ad praesens summam utramque ex pactis absque onmi imminutione 
Nobis plene integreque annumerari et repraesentari faciant 



Die Oben-äthe an den Kurfürsten. Dat. Königsb. 22. Aug. 1643. 

Der Holzsehreiber Hans Schulz hat den ersten Termin Joh. Bapt. be- 22, Aug. 
zahlt; ^uud nun an Zollgeldern auch fast so viel als vorm Jahr um diese 

Zelt geschehen, sollen gefallen sein und der Herbst noch vor der 

Thür, da die SchiflFarth alhier stärker dann im ersten Vorjahr zu gehen 
pflegef*: so wird man also den Termin Martini wol auch aufbringen 
können. — 

Die Oberrätbe an den Kurfürsten. Dat. Königsb. 25. Juli 1643. 

Uebersenden dem Kurfürsten ein Schreiben des Königs an sie (dat. 25. Juli. 
Warschau 9. Juli 1643), worin er die Auszahlung von öOOO fl. verlangt, die 
der König schon Hbei der Anwesenheit des Kurfürsten in Warschau ausser 
den in dem Zoll vertrag stipulii'teu 100,000 fl. verlangt hat'); der König er- 
klärt, er habe zwar den Vertrag auf 100,000 fl. vollzogen, aber sich der 
weiter prätendirten 5000 fl. niemals begeben. Die Oberräthe bitten, der 
Kurfürst möge selbst an den König schreiben. 



Der Kurfürst an König Vladislav IV. Dat. Coloniae ad 
Suevum 18. Aug. 1643. 

[Abweisung der polnischen Meh)*forderung ; Hinweis auf die Störung des englischen 

Handels.] 

— Non equidem sumus immemores, cum praeterito biennio Var- 28 Aug. 
saviae adessemus Sac. Vam Reg. Mtem supra praefatam sunamam centum 
niillium adhuc quinque millia ursisse. Verum quia tunc temporis nihil 
certi desuper fiiit conclusum, a Sac. V» Eeg. Mte pateme dimissi 



*} S. ob. p. 94 das Schreiben des Kurfürsten an den König, dat. 12. Oct 1641. 



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j[34 '* ^euBsen und Polen. 

non aliter Nobis persuadere potuimus, quam S^ram Vam Reg. M^em 
centum millibus fore contentam, prout etiamnum indubia spe fruimur 
a Sac. Vä Reg. Mte iri factuln, attento comraereia non adeo frequen- 
tari, sed negotiationem non tarn propter bellum civile in Anglia exortum 
et in dies magis magisque invalescens non parum impediri, quam propter 
alia omnis generis vicinitati impendentia mala a portu Nostro Pilla- 
viensi averti. Non dubitamus, Sac. Vai» Reg. Mtem conceptae Nostrae 
8pei paterne responsuram, cum potissimum pactum in quinto articulo 
initi utrinque contractus hac in parte pro Nobis maxime faciat, certoque 
asseverare possuraus, Nos hactenus plus quam quinque millia Im- 
perialium de proprio impendisse, ut Sac. Vae Reg. M^i debita portio 
exsolvi potuerit — 

Hoverbeck an den Kurfttrsten. Dat. Königsberg 11. Juli 1643. 

(Anzeichen von Kriegsgedanken des Königs. Angeordnete Werbungen.] 

11. Juli. In Ermangelung der Ziffern hab ich eine Zeit hero alle nachdenk- 

liche Nachricht Ihrer Ch. D. meiner gnädigsten Churfllrstin und Frau 
unterthänigst eingeschickt und dabei gehorsamst gebeten, dieselbe ge- 
ruheten, solche meiner ungemelt E. Ch. D. zu hinterbringen. Weil 
nun Ihre Ch. D. darinnen meinen unterthänigsten Bitten Statt geben, 
als hab ich unterthänigst zu bitten, E. Ch. D. geruheten gnädigst, was 
zur Sicherheit geschehen, auch dahin zu deuten imd es nicht einiger 
Unachtsamkeit oder Pflichtvergessenheit beizulegen, wie ich dann der 
unterthänigsten Zuversicht lebe und ferner nicht unvermeldet lassen 
soll, dass ob allen Sr. Kön. Maj. consiliis und Proceduren eigent- 
lich abzunehmen, dass Ihr ganzer Sinn und Gedanken dahin gerichtet 
sein, wie Sie wiederum die AVaffen in die Hände bekommen mögen, es 
geschehe auch unter was vor Praetext es wolle. Was aber gleichwol 
von Richtimg neuer Regimenter durch den Ingenieur Pleitner und Major 
Blum anlanget, darin ich mich bishero nicht wol zu finden gewusst; 
dann ich meiner Einfalt nacli dergestalt bei mir ermessen, dass S. Kön. 
Maj. ohne der Reipublicae Vorbewusst nicht leicht dergleichen etwas 
vornehmen würden, da Sie aber auch nur die geringste Conuiventz 
hätten, andi^ mehr begütert- und authorisirte Cavallier dazu gebrauchen 
würden. Nun aber komm ich hinter den rechten Grimd, dass zu der 
vorgehabten .Zusammenkunft bei Oliwe S. Kön. Maj. dero Leib Re- 
giment uff 600 Mann verstärken lassen und nebenst andern vier auch 
denen beiden obgedachten jedem zu 100 Knechten zu werben uffgetragen, 
es auch albereit bei dero Oeconomien Brest, Schawle und Marienburg 
dahin gerichtet,- dass jede Jahr aus und ein 200 extraordinarie ver- 



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Eriegsgerüohte. Die Jaridica. 135 

pflegen und unterhalten wird. Ueber da» sind aus Podolien 2000 Mann 
und etliche hundert Wybrantzen aus Littauen erfordert, welche aller- 
seits Ordre haben, des Herrn Obristen Weyern Commando sich zu 
unterwerfen. 

Ob nun, nachdem die Hoffnung mehrgedachter Zusammenkunft bei 
Oliwe fast erloschen, diese Trouppen wiederum contreraandirt werden, 
zumal da auch der General Lieutenant Baudissin wiederum zurück- 
kommen, oder aber man damit, wie von etlichen will vermuthet wer- 
den, in Pommern eine Diversion zu machen suchen werde, in dem 
einen darinnen hab ich noch zur Zeit kein rechtes Licht, hab es aber 
dannoch nicht hinterhalten sollen, damit in dergleichen Fällen E. Ch. 
D. nichts unvermuthlich vorkäme. — 



Die Oberräthe an den Kurfürsten. Dat Königsb. 22. Aug. 1643. 

[Die preuiisischc Jaridica und die Vertretung des Kurfürsten bei derselben.] 

E. Ch. D. sollen wir in Unterthänigkeit nicht verhalten, dass Kön. 22. Aug. 
Maj. in Polen und Schweden sich von Warschau erhoben naher Wilda 
zu verreisen, daselbst öie dann die Juridicam uflF schierstktinftigen 
15 Tag Novembr. zu halten und die Preussische Sachen zu richten 
gnädigst entschlossen. Wann dann daselbst in foro Regio etliche Sa- 
chen, so E. Ch. D. Jura merklichen angehen, durch appellationes dahin 
gedeihen und gerichtet werden sollen, unter andern des Caspar von 
Aulacken mit der Herrschaft vorgegangenen Tausch, darinnen E. Ch. D. 
nicht nurt ad dimidium, sondern weit höher laediret, welches dann ne- 
benst andern E. Ch. D. angelegenen Sachen übel ablaufen möchte, 
wann nicht jemand dahin abgefertigt werden sollte, der E. Ch. D. Jus 
mit sonderbarem Fleiss und Sorgfalt in gebührender Obacht hielte, wo- 
mit es dann,' wenn ihme die nervi gerendarum rerum mangeln, auch 
wol nicht zum fruchtbarlichen Decret vor E. Ch. D. gelangen möchte, 
gestalt dann deroselbeu Advocatus am Königlichen Hofe Johannes Do- 
magalicz *) E. Ch. D. concernirende Sachen weiter nicht annehmen noch 
vertreten will, weil ihm sein jährlicher Sold nicht entrichtet werden 
kann: als gelanget an E. Ch. D. unser unterthänigstes Bitten, dieselbe 
geruhen in Gnaden darauf bedacht zu sein, wie demjenigen, so auf an- 



') Seine jahrliche Besoldung betrug 200 fl. pol. Darüber beschwert er sich bei 
den Oberräthen; der Herzog von Kurland zahle ihm 100 Rtb. jährlich; hierauf ver- 
fügt der Kurfürst, dass ihm ins künftige ,,noch dazu von iglicher Sache, darinnen 
er victoriam obtiniren wird, loco palmarii zehn Reiohsthaler zugesagt und gereicht 
werden mögen** .Resolut, an die Oberräthe, dat. Cüstrin 21. Nov. 1643). 



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]36 ^- P^ussen und Polen. 

geregte Juridicam zu Defendirung und Behauptung E. Ch. D. Sachen 
verschicket wird, nothdürftige Gelde, ohne welche an dem Hofe wenig 
mit Nachdruck zu errichten, uf die Reise und unumgängliche Ausga- 
ben, auch zu Contentirung des Advocati und Canzlei zur Hand ge- 
schaffet, und weiln hierzu aus der Cammer, welche keine Intraden 
mehr hat, nicht Rath geschaffet werden kann, so bitten E. Ch. D. wir 
hiemit in demüthigstem Gehorsam, es geruhen dieselbe zu diesem Ende 
aus dero Scatul Geldern 300 Rth. auszählen zu lassen. Sollte dieses 
nachbleiben, befahren wir nicht unbillig, E. Ch. D. in dero billigen 
Actionen Abbruch und Schaden nehmen dürften. — 



Der Kurfürst an die Oben'äthe. Dat. Colin a. d. Spree. 

24. Aug. 1643. 

[GeldaDgelegenheilen ; der Aulack^sche Process. Opposition der Oberr&the gegen die 

AnsteHuDg Adersbacb's.] 
3. Sept. Der Kurfürst findet die Vorschläge in Betreff der Juridica in Ordnung, 

desgleichen die Nothwendigkeit der Zahlung an Domagalicz. 

Mit Unserer Scatull aber hat es vor itzo die Beschaffenheit, dass 
Wir, wie gnädigst gerne Wir aucli sonsten Euerm unterth. Vorschlage 
hierunter deferiren wollten, die hierzu gehörige Kosten daraus vorzu- 
schiessen und herzugeben nicht vermögen. Daftlr aber halten Wir es 
eigentlich, dass diese Spesen aus des von Aulacken zu Unser Cammer 
eingezogenem Gute und desselben reditibus gar wol zu nehmen sein 
werden; dahin Wir es dann vor diesmal hiemit veranlasset und Euch, 
dem also gehorsamst zu geleben, in Gnaden aufgegeben haben wollen. — 

19 Sept. Bald nachher, dat. Königsb. 19. Sept. 1643, wiederholen die Oberräthe 

ihr Gesuch um einen Zuschuss aus den Chatoullegeldern des Kurfürsten, 
zumal da aus dem zur Confiscation verurtheilten Aulack'schen Gut nichts 
zu entnehmen sei, indem Aulack sich der Confiscation thatsächlich wider- 

30. Sept. setze. — Der Kurfürst, dat. Cüstrin 20. [30.] Sept., erneuert seine Anwei- 
sung und dringt scharf auf Durchführung der Execution gegen v. Aulack. 
Zugleich hatten 'die Oberräthe Einwendungen erhoben gegen die von dem 
Kurf. angeordnete Ernennung des Andreas Adersbach zum ^Extraor- 
dinar-Secretär bei der Oberrathstube^; der Kurf erklärt, dass er demselben 
diese Stelle schon längst zugesagt und eröffnet ihnen die „befehlende Mei- 
nung**, den Adersbach „wegen seiner Uns bekannten guten Qualitäten, wie 
auch seines Vätern ') Uns und ünserm Hause geleisteten langwierigen treuen 
Dienste und derer für ihn einkommenen hohen ansehnlichen Intercessionen** 



') Michael Adersbach, der kurz zuvor gestorben war; er koramt in den 
Acten schon seit 1618 als in den preussich- polnischen Angelegenheiten verwendeter 
Secretär ror. 



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Andreas Adersbach. Der Grockow'sche Einfall. ^ 137 

sofort für die genannte Charge in Pflicht zu nehmen. — Dies geschieht 
nun; aber gleich darauf wollen die Oberräthe den neuen Secretär zu der 
Juridica abordnen , um dort den schwierigen Aulack'schen Process zu ver- 
treten. Adersbach weigert sich dessen, er müsse sich erst in den ^Stylus 
ntriusque Aulae^ einlerqen; und beschwert sich deshalb bei dem Kurfürsten. 
Dieser gibt ihm Recht und verftigt (dat. Cüstrin 21. Nov. 1643), dass Aders- l.Dec. 
bach allerdings für den Anfang nicht zu so schwierigen Geschäften ver- 
wendet werden soll. ■ — In der Folge tritt uns dann Adersbach als residi- 
render Secretär am Warschauer Hofe neben Hoverbeck entgegen. Vergl. 
Einleitung p. 7. 



Acten über den Crockow'sclien Einfall in Pommern, 
August bis November 1643*). 

Der Kurfürst au die Oberräthe, dat. CöUn a.d.Sp. 25. Aug. 1643. 4. Sept. 
Er habe vorige Woche, von seiner Schöningenschen Reise, „so einen Monat 
lang gewähret** '), zurückgekehrt, Nachricht erhalten von dem Zug des kai- 
serl. Obersten Crockow, der etwa 4000 Mann stark sich von der Haupt- 
armee getrennt hat und jetzt durch die Lausitz „in Unser Amt Lebus an- 
gelanget ist". Wohin sein Ziel, ist ungewiss; einige meinen, durch Polen 
nach Livland; wahrscheinlich aber gflt es Hinterpommem ; er habe den 
v. Kleist an Crockow abgeschickt. 

Die Oberräthe nehmen aus der Garnison von Pill au 200 Soldaten und 
schicken sie zur Landesdefension nach Marienwerder; dem Commandanten 
von Pillau, Otto Wilhelm v. Pudewels, lassen sie aus der Zollgelder- 
kasse 1000 Rth. auszahlen, um durch neue Werbungen die liücke auszu- 
füllen (Relat. dat. Königsberg 10. Oct.). 10. Oct. 

Dagegen der Kurfürst (dat. Colin a. d. Sp. 21. Oct.); ^Nun würde 31. Oct. 
Uns viel lieber gewesen sein, wann Ihr diese Gelder, als welche Wir schon 
zu andern gewissen Ausgaben deputiret, ohne Unsem Vorbewusst und ex- 
presse Bewilligung nicht angegriffen hättet; befehlen Euch auch hiemit zu- 
verlässig, dass Ihr alsofort solche 1000 Rth. wiederum in die Zollgelder 
vom Lande hinwiederum mit dem förderlichsten erstatten und gut thun lasset 
und ihn künftige selbige Gelder ohne Unsern Vorbewusst nicht angreifet 

Der mit der preussischen Landesdefension beauftragte Landobrister S i g- 7. Oct. 
mund V. Wallen ro dt schreibt dem Kurfürsten in Bezug auf den Crockow'- 
schen Einfall und die Stimmungen darüber in Polen (dat. 7. Oct. 1643. Kö- 
nigsb. Arch.): „Dife Herren Woywoden halten Zusammenkünfte und sein mit 
dem Handel nicht wol zufrieden ; es stehet eine hoge Perschon in dem Spiel ; 



*) Ueber diese Diversion der Kaiserlichen gegen Hiuterpomi^em s. ausführlich 
ChemnitK IV. 3. p. 135 ff. Wir heben oben aus den sahireichen Acten darüber nur 
weniges heraus. 

.') Schön in gen, im Hrauoschweigischen , wo die Tante des Kurfürsten, Anna 
Sophia, die Witt wo den Herzogs Friedrich Ulrich von Braunschweig- Wolfcnbüttel, 
wohnte. 



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138 '* Prenssen und Polen. 

Gott gebe, dass'es wol abloffeu 'mag." — Der Kurfürst ßchreibt ihm zn- 
rück, dasSy wie er nun sicher wisse, für Preussen nichts zu befürchten sei 

30. Oct. (dat. 20. Oct. 1643), und dass er die schon aufgebotenen Wibranzen wieder 

31. Not. entlassen solle (dat. 21. ^^ov. 1643). 



Die Oberräthe an den Kurftlrsten. Dat. Königsb. 28. Nov. 1643. 

[TheologenzAnkereien bei Gelegenheit den BegrAbnisscs des Balthasar v. Brunne.] 

Berichten, dass das Leichenbegängniss des verstorbenen geh. Kammer- 
und Hofgerichtsraths und Hauptmanns zu Ruppin, Balthasar v. Brunnen, 
feierlich vor sich gegangen. 

28. Nov. Können aber darneben E. Ch. D. in Unterthänigkeit nicht verhal- 

ten, wasmassen E. Ch. D. hinterlassener Prediger, Herr M. Agricola*) 
in der Leichsermon und Parentation dergleichen Wort gebrauchet und 
wir, als E. Ch. D. hinterlassene Oberräthe, mit anhören müssen, die 
nicht zur Einigkeit unter denen, so sich zur Augsburgischen Confession 
bekennen und bekennen wollen, gereichen thun, indem er unter andenn 
erwähnet, warum sei. verstorbener von Brunnen sich von seiner vori- 
gen Glaubensbekenntniss zur rechten wahren seligraachenden Religion 
öffentlich bekannt hätte *), nämlich dass er dem Articul von der Ueber- 
allwesenheit der Menschheit Christi und der mündlichen Messung des 
Leibes Christi im h. Abendmal nicht mehr beipflichten können. Wo- 
durch dann, weil solches öffentlich in so viel hundert Personen Gegen- 
wart und Angehör geschehen, nichts anders als eine sehr grosse Con- 
tradiction bei den andern der Augsburgischen Confession zugethanen 
Theologis und Predigern erreget werden kann und das friedsame gute 
Vornehmen, so wir lieber unter ihnen zu stiften als zu ti-ennen gemei- 
net, jämmerlich zerrissen wird. [Der Kurfürst möge dem M. Agricola 
dergleichen verweisen.] — 

15. Dec. Auf den Befehl des Kurfürsten (dat. Cüstrin 5. Dec. 1643) , seineu Ge- 

genbericht einzuschicken, übersendet Agricola ihm den betreflendeu Passus 
4. Jan. aus seiner Leichenrede (dat. Königsb. 4. Jan. 1644) und rechtfertiget sich: 
^Es enthalten aber solche formalia ja nichts anders in sich, als eine blosse 
relationem oder recensionem facti und desselben Ursache, dass und warum 
Herr Brunn sei. von den also' genannten Lutherischen zu uns getreten. — 
Was aber mit wenigem wegen eines andern Glaubens praeoccupirt wird, 
hat souderlicli geschehen müssen wegen einer ausgesprengten Rede, als 



') Mag. Adam Christian Agricola, seit 1636 reformirter Hofprediger in Kö> 
nigsberg. Vergl. Hering Beiträge I. 22. 115. Neue Beiträge 1. 286. 

*) Dieser Uebertritt zum reformirten Bekenntniss geschab, wie in dem Text der 
Leichenpredigt gesagt wird, »im verschieiieuen Jahr nm Michaelis, zusanimt seiner 
liebsten Ehegattin, nun hochbetrübter Wittib". — 



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Lutheraner and Reformirto. Die schwedische Heirat. 139 

hätte Herr Brann sei. auf den Reformirten Glauben nicht sterben können, 
sondern hätte Hrn. D. Puchonium, seinen gewesenen Beichtvater, zu sich 
müssen lassen erfordern, welches weit nnd breit umgetragen und verschrie- 
ben worden; hätte auch grosse Angst seines Gewissens gefühlt und was 
dessen mehr ist; welches ja auf dem sei. Herrn Brunnen kein gewissenhaft 
Herze könnte ersitzen lassen, das auf seinem Todbette und in seinem letzten 
bei ihm gewesen war." — [Weitere Resolution hierauf fehlt.] 



Peter Bergmann an Conrad von Burgsdorf. Dat. Danzig 
16/26. April 1644. 

[Die Polen und die schwedische Heirat; friedfertige Gedanken der Polen gegen Schwe- 
den. Polnische und brandenburgische Anleiheversuche in Danzig. Rukoczy in Un- 
garn. Die dänisch-russische Heirat.] 

Auf E. 6e»t. Herrl. sehr angenehmes Schreiben vom 19. dieses 1644. 
sollte ich billig und wollte gerne zu schuldiger und dankbarlicher Ant- 26. Apr. 
wort mit weitläufiger Communication E. Gest. Herrl. begegnen, finde 
aber solcher Materie, die dessen würdig war, jetzo gar wenig und dar- 
unter wol gar nichts erfreuliches. 

Dann 1) was die Suspicion der Schwedischen Heirath, derhalben 
der Pomerellische Woiewode so curieus sich bezeuget, betrifft, scheinet 
es, dass dieselbe aller Enden je länger je mehr zunimmt, und lass 
ich mich bedanken, dass dahero am meisten rühret die Lust und Zu- 
neigung, so sich jetziger Zeit an Polnischer Seiten spüren lässt zu 
Fortsetzung der Tractaten eines ewigen Friedens mit Schweden ; sinte- 
mal ich gründlich erfahren habe, dass vornehme der Krone Polen 
Senatores unlängst an den Herzog in Curland geschrieben und ihn 
fleissig ermahnet, dass S. f. 6n. vermöge der letzten Stillstands Pacten 
sich ehist darum annehmen und bemühen möchte, damit deswegen ufs 
ehiste gute Resolution bei der Krone Schweden erlanget werde; dabei 
sie auch zu Mediatoren vorschlagen die beiden vornehme Republiquen 
Venedig und die Vereinigte Niederlande, dieweiln Frankreich und 
Engelland, wie auch Dänemark wegen ihrer eigenen Kriege zu dem 
Werke nicht bequem wären; Sr. Ch. D. zu Brandenburg wird dabei 
gar nicht gedacht*). Dci-wegen ich mir solche Gedanken mache, erst- 
lich dass man höchstged. Sr. Ch. D. hierunter gar nicht traue, und dann 
dass man sich vor gewiss einbildet, dass die gemelte Heirath sehr stark 
getrieben werde und leicht geschlossen werden möchte, insonderheit 



') Vergl. Pufendorf de reb. Öuec. XVI. 69. 

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j|40 '* PreuBsen und Polen. 

bei jeteigem Zustande der Krön Dänemark, derwegen man diese Tracta- 
ten darzwischen gerne einführen wollte, dadurch nämlich selbige Heirath 
entweder zu hindern oder doch solche conditiones dabei auszuwirken, dass 
S. Kön. Maj. und die Krön Polen keinen Schaden oder Gefjihr, sondern 
Satisfaction und Versicherung dahero erlangen möge. Ob der Herzog 
in Curland noch Willens sei, obgedachter oder anderer Ursachen halber 
persönlich in Schweden zu ziehen, höret man jetzo nicht mehr. Wo- 
feme der Herzog von Croie auch solche Reise noch fortsetzen wird, 
so möchte oberwähnte Suspicion oder Jalousie noch grösser werden. 

2. Belangend die dänische Werbungen dieser Oerter ist es damit 
jetzo sehr stille und saget man, dass die wenige Reuter, so sich von 
Lieut. Col. Cabre haben unterhalten lassen, meistentheils schon wieder 
ausgerissen sein. 

3. Sonsten wird eben jetzo ein Preussischer Landtag Königl. Theils 
zu Graudenz gehalten, alda vielleicht auch etwas in der Materie wird 
vorgehen; sonsten meinet man, dass es lauter Geldsachen sein werden. 

4. S. Kön. Maj. lasset in dieser Stadt bei privatis Geld suchen; 
ist aber keine Vermuthung etwas aufzutreiben aus der Ursachen, dass 
alle Barschaft, die hier zu finden, in die W^aaren gestecket wird, welche 
häufig hier hinein kommen und gar nicht wieder abgehen, weil die 
Navigation durch den leidigen Krieg der beiden Kronen Schweden und 
Dänemark geschlossen ist; also hälts ein jeder davor, dass er sein Geld 
hier in loco am besten und am sichersten vor hohe Interesse austhun 
könne. Dann ist dieses schwere Bedenken auch dabei, dass man sich 
vor eine Unruhe oder dergleichen Mutation in diesen Preussischen Lan- 
den jetzo sehr fürchtet, entweder der vermeinten obgemelten Schwedi- 
schen Heirath oder anderer Ursachen halber, dahero die, so da Geld 
uf Verschreibung oder uf Land Hj-pothecen ausgethan hätten, zu kurze 
kommen würden; zu geschweigen des Falles, da Gott vor sei, dass 
8. Ch. D. ohne Leibes Erben abgehen sollte. 

Hindern nun solche considerationes S. Kön. Maj., so ist leicht zu 
erachten, dass sie Sr. Ch. D. noch mehr in dergleichen Intention im 
Wege stehen; dazu dann noch andere mehr in paiiiculari kommen, 
welche ich jetzo nicht schreiben mag, aber gerne mündlich E. Gest. 
Herrl. entdecken wollte; also dass ichs mitGotte bezeugen kann, dass, 
nachdem ich in der Sachen schon viel gearbeitet und an den besten 
Orten etwas zu Wege zu bringen mich, leider ohne Frucht, bemühet habe, 
ichs nunmehr vor eine wahre Unmöglichkeit halten muss, Sr. Ch. D. 
in diesem Passe mit Effect zu dienen. Hoffe, dieselbe werde deshalben 
mich, Ihren alten treuen Knecht, nicht verdenken, als der niemand 



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Vergebliche Anleiheversuohe. Antwftrtiget. J41 

persuadiren kann, das seinige, ungeachtet obiger rationum, heraugeben. 
Ich kann auch schon ohne grosse Disreputation Sr. Ch. D. mit mehren 
Leuten, als ich schon gethan, von dieser Sachen hier nicht reden, weil 
ich nirgends ein anders als abschläglich Antwort zu vermuthen habe, 
massen die fremde eben so hart sich hierin bezeugen, als die hiesige 
Einztigelinge. Bitte demnach E. Gest. Herrl. mich hierunter bei Sr. 
Ch. D. hochgUnstig entschuldigen wolle, als an dessen unterthänigstem 
Willen es nicht mangelt*). 

Von des Ragozzi glücklichen Progressen in Ungarn wird E. Gest. 
Herrl. anderweither wol mehr und sicherer Nachricht haben, als ich 
schreiben kann. Man saget, er sei selber noch zu Caschau, um einen 
Ungarischen Landtag zu halten, seine Hauptarm^e aber liege schon 
unter Pressburg. In Polen ist gross Schrecken vor ihm; S. Kön. Maj. 
hat der Stadt Krakow befohlen, sich wol in Acht zu haben, zu forti- 
ficiren und die Bttrgerei zu armiren, auch mit Munition und Proviant 
auf ein ganz Jahr zu versehen, ja auch an die Stadt Thom hat S. Kön. 
Maj. dergleichen fast befohlen und insonderheit, dass sie ihre Forti- 
iication in guten Stand setzen solle, als daran noch viel mangelt. S. 
Kön. Maj. hat an S. f. Gn. den Ragozzi geschrieben und sein jetziges 
procedere improbiret, zum Frieden ihn ermahnet und sich zur Mediation 
angeboten, worauf er per generalia, aber freundlich und mit Anziehung 
seiner Ursachen, die ihn zum Kriege bewogen, geantwortet haben soll, — 

Vom dänischen Graf oder Prinz Wolmar*) continuiret noch die 
böse Zeitung, dass die Heirath noch ufgehalteu wird, bis er zur grie- 
chischen Religion trete (doch wolle man ihn mit der Taufe verschonen) 
und dass man ihm an Statt der beiden versprochenen HerzogthUmer, 
als die den Schweden gar zu nahe liegen, weil er, der Grossftlrst, mit 
ihnen Frieden halten will , andere zweene an der tattarischen Gränzen 
einräumen wolle. Also ist der Compass an dem Orte gar verröcket, 
dahero an allen Orten nun andere Gedanken müssen gefasset werden. — 



*) Weitere Nachrichten über diese von dem Kurfürsten in Danzig Tersuchte An- 
leihe sind nicht vorhanden. 

') Graf Wolderaar Christian Güldenlöwe, ein natürlicher Sohn Chri- 
stian's IV. von Dänemark; seine beabsichtigte Vermählung mit einer Tochter des 
Zaren Michael, um derentwillen er sich nach Moskau begeben hatte, beschäftigt die 
Zeitungen dieser Zeit ziemlich viel ; der Plan wurde dann rückgängig, angeblich we- 
gen der Weigerung des Grafen die Religion zu wechseln. S. Herr mann G^sd). des 
russJ Staats III. p. 587, und mehr darüber im Theatr. Europ. IV. p. 493. V. p. 132. 
424. 52t>. 740. Die politische Bedeutung, die man der Sache beilegte, geht hervor 
am Pufendorf Rer Suec. XV. 76. 



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•\42 '* ^cusBen and Polen. 

Der Kuifiirst an den geheimen Canzlisten Christ. Melchior'). 
Dat. Cölhi 29. Juni 1644. 

[Geheime Werbmige» aus der 8eezolIkasse bestritten.] 

9. Juli. Wir habcD die Verordnung gethan, dass eine jede von denen in 

der Festung Pillau liegenden Compagnien mit 50 Mann, wie nicht 
weniger auch die in der Festung MUmmel sich befindende zwo Com- 
pagnien auch jede mit r>0 Mann, und Unsere Leibgarde mit gleich so 
viel verstärket werden solle ; derowegen dann Unser Befehl hiermit an 
Dich ergehet, dass Du Unsern Gouverneurs in bemelten beiden Festun- 
gen und Unserm Capitain von der licibgarde die hierzu behörige 
Werbungsgelder aus Unsern neuen Seezolls -Gefällen, als auf jeden 
Knecht vier Thaler, welches alles in allem nämlich uf 300 Mann, welche 
zu denen obspecificirten sechs Compagnien zusammen geworben werden 
* sollen, zwölf hundert Thaler austragen wird, förderlichst (weil sie mit 
Ausgang des Augusti mit solcher Werbung fertig sein sollen) abstatten 
und entrichten, auch auf sothane neuwerbende Knechte, wie sie nach 
einander eflFective praeseutiret sein werden, da dann bei jeden flintzig 
zehn Gefreite gut thun sein, die ordentliche Löhnungsgelder auszahlen 
sollest. Worbei Wir Dich aber hiermit erinnert und befehhget haben 
wollen, dass Du es mit dieser Werbung in höchster geheim sein lassen 
und niemanden davon das geringste eröffuerf sollest. — 



König Vladislav IV. au die Oberräthe. Dat. Warschau 

10. Sept. 1644. 

10. Sept. Man habe sich in Betreff des dem König zu entrichtenden Termins 

Joh. Bapt. von dem Königlichen Antheil der Seezolleinnahme gegen Isaac 
Spiring damit entschuldigt, als ob der König dem brandenburgischen Ge- 
sandten, dem Hofgerichtsrath Friedrich von Götze, der bei Gelegenheit des 
Begräbnisses der verstorbenen Königin nach Polen geschickt worden war, 
in Rücksicht auf den bei dem jetzigen schwedisch - dänischen Krieg angeb- 
lich darnieder liegenden preussischen Handel (vergl. den Zollvertrag von 
1641 Art. V. ob. p. 88), die Kachlassung jenes Termins für dieses Jahr zu- 
gesagt habe. „Ob Wir Uns nun wol über Ausbleibung gedachter Gelder 
sonderlich dahero verwundert, dass fast alle Commercien, die sonst bei ge- 
ruhigem Stande an unterschiedene Oerter sich zu begeben gewohnet, vor 
jetzo einzig und allein nacher Danzig und Königsberg gewendet, dahero 
man ganz keine billige Auspflichte der Zahlung wegen suchen können, so 



') Verwalter der aus den eiiikommenden Seezöllen gebildeten Kasse. Vergl. unt. 
die Schreiben des Kurf., dat. 30. Sept. und 25. Nov. 1G44. 



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Die Seezollkasse und der polnische Antheil. ^ 143 

haben Wir Uns danuoch mehr dann höchlich hierüber entrüstet, dass Ew. 
bes. Bet. sich nicht allein unterstehen, eine solche Sache vorzubringen, 
die Uns keiner Gestalt in den Sinn kommen, weniger dass Wir Uns vor 
obberührtem Gesandten desfalls einigermassen ausgelassen haben sollten, 
sondern sich auch zum Ueberfluss in allen Unsern Angelegenheiten Uns 
mit nachdenklichen tergiversationibus aufzuhalten gelüsten lassen ....... 

Dem Edelen Unseren Rath und besonders lieben Getreuen Isaak Spiring 
haben Wir vor jetzo gnädig.^t Oommiss ertheilet, mit Ew. bes. Bet, obschon 
dieselbe sich über die Commercien unnöthig beschweren, Uns aber herge- 
gen das contrarium genugsam wissend, des Termins halber und wann solche 
Zahlung wird sollen geleistet werden, sich abzufinden. Befehlen demnach 
Ew. bes. Bet. hiemlt ernstlich, Uns weiter keines Weges aufzuhalten, son- 
dern vielmehr dorne, was einmal von beiden Theilen beliebet, ein Genügen 
zu tbun.^ 

Die Oberräthe an d. Kurfürsten. Dat. Königsb. 27. Sept. 1644. 

Ueberschicken Abschrift des Königlichen Schreibens und bitten um 27. Sept. 
Anweisung, was dabei zu thun. „Wir können nicht gedenken, dass jemals 
ein so ernstes und bedräuliches Schreiben, auch das so viel Nachdenkens, 
als dieses, erwecken können, au die Ober Käthe gelanget wäre. Erwarten 
demnach (weiln die Spiringe ohn P]rlegung einer gewissen Summen ad ra- 
tionem von hinnen nicht rücken wollen) mit grossem Verlangen einer sol- 
chen Resolution, welche S. Kön. Maj. einigermassen contentiren und das 
gute Vertrauen gegen E. Oh. D. erhalten möge.'^ 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. COstrin 26. Sept 1644. 

Das harte Schreiben des Königs wird wol nur die Schuld des Conci- 6. Oct 
pisten sein, der dabei den Eingebungen der Spiringe gefolgt ist. Uebri- 
gens sollen sie diesen die in der Cammer jetzt vorhandenen 5000 Rth. ad 
rationem auszahlen; nach Schliessung der Schiffart soll die Sache weiter 
überlegt werden. 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Cüstrin 30. Sept. 1644. 

(Königsb. Arch.) 

[Opposition und Verdächtigungen gegen die Verwaltung der Zollgolder in einer be- 
sonderen Kasse; der Kurfürst besteht darauf, dass die Seezulage nicht in die Rentei- 
•kammer eingebracht, sondern ihrem besonderen Verwalter entrichtet wird.] 

Wir erfahren, dass Ihr bei den Einnehmern des Pfundzolls zu 10. Oct. 
Königsberg die Anordnung gemacht, dass sie nunmehr etliche Wochen 
hero den Antheil des Augmenti in der Cammer beilegen und verwahren 
müssen, damit Unser insonderheit dazu bestalter Einnehmer, Christoph 
Melchior, denselben nicht pfehig werden können, und soll solches zu- 
maln zu keinem andern Ende geschehen sein, dann dass Ihr solche 



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144 ^* P>^*^**B>^ ^^^ Polen. 

Gelder in eine gewisse Summen zusammen bringen und sie dem Spiringen 
auf seine jetzige wegen Ihrer Kön. Maj. zu Polen sollicitirende Forde- 
rung aus der Rentkammer zahlen lassen wollen. 

Nun ist Euch gnugsam bekannt, wie grosse Sorgfalt Wir je und 
allwege und sonderlich in diesem Jahr gehabt, damit Ihr Kön. Maj. 
das Ihrige richtig bekommen sollen; ja, wie hoch und fleissig Wir 
ünserm Abgesandten und Hofgerichts Rathe, dem von Götzen, noch 
unlängst dieses negotium neben seiner Hauptverrichtung zu Cracau an 
Ihr Kön. Maj. zu bringen aufgetragen und recomraendiret, welches er 
auch getreulich verrichtet und Uns darauf von Ihr Kön. Maj. solche 
gute Erklärung zurückgeschrieben, dass Wir an der Erlassung des 
nächstentwichenen ersten Johannis Termins nicht zweifeln, im IJebrigen 
Uns auch wol mit Ihr Kön. Maj. vergleichen wollen: inmassen Wir 
dann auch auf Euer desfalls mit dem expressen Curirer . dieser Tage 
au Uns geschicktes Schreiben die von Euch dazu benannte 5000 Rth. 
ad rationem auszahlen zu lassen assigniret und Euch darauf mit mehrern 
Unsere hierinne habende gute Intention rescribiret, auch wol vermeinet 
hätten, es würde dasselbige Geld gemelter Unser Einnehmer Christoph 
Melchior angeordneter Massen in seiner Cassa haben und alles in dem 
Staude erhalten werden, wie es vor diesem gewesen. 

Nachdem Uns aber dieser Intricat allerhand Nachdenken verursachet 
und Wir darunter befunden, welchergestalt man nicht alleine hierdurch 
zwischen Ihr Kön. Maj. und Uns einiges Misstrauen verursachen könnte, 
sondern wie sich auch von anfangs etzliche Unserige an diesem Zoll 
Bedienten der mit mehrged. Unserm Einnehmern Christoph Melchiorn 
beschehenen Verordnung sowol öffentlich als heimlich \vidersetzet und 
auf allerhand Ränke und Practicken gedacht, dadurch sie denselbigen 
hinwiederum aus seiner Verrichtung heben und zu ihrem Vortheil und 
Nutzen solche Einnahmsgelder an sich bringen möchten; wir wollen 
geschweigen derer Discurs, so sie ungescheuet, nicht zu Unserm ge- 
ringen Nachtheil und Schaden, liievon führen dürfen, welche Uns wol 
zu Ohren kommen und Wir ohneschwer muthmassen können, dass eben 
dieselbigen Leute Euch hiezu veranlasst und verursachet: 

Als halten Wir Eure Personen hierinnen wol entschuldiget und 
tragen die wenigste Sorge nicht; Wir wollen wol weiter hinter ein 
mehres kommen und zu rechter Zeit es einem jeden nach seinem Ver- 
dienst verweisen. Uns aber mit Ihr Kön. Maj. darüber also vereinigen 
und vergleichen, dass dieselbige mit Uns wol content sein werden. 
Gestalt Wir dann dessen gnugsam versichert sein, dass Ihr Kön. Maj. 
in Uns hierunter kein Misstrauen setzen, noch viel weniger einige Ver- 



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Die Seeaollkaase. StÄndiache oder fTirstliche Verwaltung 145 

anlassung zu solcher Verarrestirung dieses Unsers Antheils des Augmenti 
gegeben. Sintemal von Anfang solcher Verfassung diese Quote nie bei 
der preussischen Rentkammer, sondern von den Spiringen, nachmaln 
von ünserm Pfenningmeister, auch verstorbenen Holzschreibem Hans 
Schulzen eingenommen und in Ausgabe berechnet worden, Wir auch 
darinne bishero also continuiret und Uns in keinerlei Wege daraus zu 
begeben bedacht sein. 

Darum so ist Unser gnäd. Begehren, ja Befehlich hiemit an Euch, 
Ihr wollet zu Verhütung mehrerer Weitläuftigkeit diesen Leuten, wann 
sie in dergleichen weiter an Euch kommen, keinen Glauben beimessen, 
und das» es nur bloss ihr privat Eifer und Nutzen ist davor halten^ 
auch alsbald nicht alleiue beschaffen, damit mehr ofterwähntem Unserm 
hiezu augesatzten Einnehmern, Christoph Melchiom, zu Auszahlung der 
dem Spiringen ad ratiouem verordneten 5000 Rth. sowol die bishero 
bei der Rentkammer vorenthaltene, als auch die künftig wöchentlichen 
fällhafte und Uns am Augmento gehörige Gelder richtig abgefolget 
werden mögen ; sondern vielmehr auch, wann künftig solche oder andere 
dergleichen Dinge von bösen Leuten Uns zu Schimpf und Nachtheii, 
auch einem daraus erfolgenden zwischen Ihr Kön. Maj. und Uns vor- 
genommen werden sollten, dieselbige zu Erhaltung Unserer Reputation 
und Hoheit abwenden helfen und an Unsere Statt Christoph Melchiorn 
schützen, demselben auch auf sein jedesmaliges Ansuchen in allem, 
was zu Unserm Besten in Erlangung dieser Gefillle dienet, allen guten 
befordersamen Willen erweisen und widerfahren lassen. Wie Wir dann 
zu Euch sammt und sonders das gnädigste Vertrauen haben, Euch, 
Unserm Oberburggrafen und Oberrathe, es auch vornehmlichen Amts- 
halben zukommt*). — 

König Vladislav IV. an den Kurfürsten. Dat. Vareaviae 

17.0ct. 1644. 

[Neuer Protest gegen das schwedische Heiratsproject; es wird eine kategorische Ant- 
wort verlangt. Die fremden Truppenwerbangen in Preussen werden un^rsagt.) 

Vladislaus IV. D. 6. Rex Poloniae Sermo Principi Domino 17. Oct. 

Friderico Guilhelmo Marchioni Brandenburgensi Serme Princeps 

D. Frater uti Fili Noster Charissime. 

*) Vergl. hiermit besonders unten das Schreilen des Kurfürsten ao Melchior, 
dat. 25. Not. 1644. Ans diesem^ wie aus dem früheren Schreiben vom 29. Juni er- 
kennt man deutlich das Motir, weshalb der Kurfürst die Seesollgelder möglichst der 
Controle der stftndischen Behörden zu entziehen sucht und auf der Beibehaltung seines 
eigenen Beamten besteht. 

Maier. zur Ge«ch. li. Gr. KiirfTirsten. I. 10 



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J46 ^' Pi^Qssen und Polen. 

Etßi de constanti eximioque erga Nos Sert" V«© studio illibatoque 
atque integro gratae atque obligatae voluntatis officio filialique affectu 
optime persuasi suraus, nee quicquam, quod Paetis Feudalibus contra- 
rietur, aggreasuram Sertem V«m confidamus: attamen cum ex diyersis 
locis non vana, sed constanti voce et fama ad Nos adferatur, Sertem 
V«m in contrahendo cum Principe Sueciae connubio plurimum elabo- 
rare, pactaque matrimonialia iam sanxisse vel sancire velle: licet id 
de Berte Ya tarn multis necessitudinibus Nobis coniuncta difficile credi 
possit, ipsam posthabita authoritate Nostra Regia beneficiariique et Feu- 
dalis Principis officii necessitudine neglecta, sine scitu assensuque No- 
stro et contra fidem, qua Nobis et Reipublicae obstricta est, ea inire con- 
silia coniunctionesque expetere, quibus Respublica in discrimen aliquod^ 
eoniici possit; denegare tarnen fidem prorsus rumoribus bis non potui- 
mus, quos inniti certis coniecturis videmus. Ac ideo dandas statim 
hasce ad Sertem Vam censuimus amanter eandem hortantes et diligenter 
ex praescripto Pactorum, quibus Sertas Va se hostibus Reipublicae ho- 
stemque fore nee cum ipsis affinitates contrahere spopondit, postulantes, 
ut expensis secum officii, affinitatis fideique ratiouibus^ eoque in con- 
sideratione habito, quod haec Sertis Vae coniunctio violaJtionem Pacto- 
rum Feudalium induceret, eos ineat modos, quibus se et beneficii ae- 
cepti gratum et fidei datae tenacem et tot necessitudinum memorem 
ostendat, Nobisque cathegorico responso mentem suam explicare velit, 
utrum declarationi per Illustrem Regni Gancellarium eo in negotio ad 
Sertem Vam studiosc ablegatum Nobis datae tenaciter institat'). Quod 
a Serie Va »expectantes non ambigimus proposita actionesque suas ita 
moderaturam, no in suspicionem parum constantis erga Nos et Rem- 
publicam voluntatis venire occasionemque Statibus Regni dare possit 
mature deliberandi prospiciendique, ne ex hac affinitate quicquam in- 
commodi' Reipublicae eveniat. 

Ceterum cum Nobis quoque relatum sit, Sertem Vam contra Pacta 
Feudalia, sine cousensu Nostro in Prussia scribendi militis educendi- 
que in Marchiam et alia loca copiam et potestatem variis personis fa- 
cere, compellandam quoque praesentibus duximus, benigne pro debito 
necessitatis feudalisque officii iure requirentes, ut, posteaquam expen- 
derit in hac communi totius Cliristianitatis perturbatione gliscentibus 
assidue motibus, Nos quoque milite posse indigere, id ipsum severe 
probibeat nee patiatur, ut miles ad aliena stipendia evocetur, qui tem- 



*) B. oben p. 104 ff. in dem Schreiben des KurHirsteii an Götze und Leuchtmar 
dat. l.Sept 1642. 



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Die schwedische Heirat. 147 

pore necessitatis in tanta vicinia hostium Nostrorum magno usui Rei- 
pablicae esse possit. Qua in re persuasum habemus, Sertem Yun huius 
reqnisitionis Nostrae a publicae pacis atque securitatis causa profectae 
eam quam par est rationem dueturam et non modo officio ex prae- 
scripto nexuque Factorum Feudalium sese accommodaturam, verum 
etiam necessitudini atque amicitiae existimationique suae consulturam. 
Quam bene et feliciter valere cupimus ipsique Studium et benevolen- 
tiam Nostram Regiam propense deferimus. 

Pet. Bergmann an d. Kurflirsten. Dat. Danzig 12/22. Nov. 1644, 

, [BemÜhangen des französischen Qesandten de Bregy in Warschan. Stimmung in 

Polen wegen des schwedischen Heiratsprojects. Bregy ermahnt, die Sache aafzuschie- 

b(Ai und verspricht spater französische Unterstütsung. Der spanische Gesandte.] 

E. Ch. D. wird albereit wol bekannt sein, was des Kön. französi- 22. Nov. 
sehen Abgeordneten Viconte de Brecy bei Sr. Kön. Maj. in Polen Ne- 
gociirungs Puncte gewesen waren; dasselbe aber hab ich nun gründ- 
lich erfahren, nach'deme gemelter Herr Viconte von Warschau zurttcke 
hier angelanget (von dannen er auch schon vor 4 Tagen wieder ab- 
gereiset ist, um seinen Weg naher Münster, die Herren plenipotentiarios 
seines Königs alda zu sprechen, und von dannen naher Paris zu nehmen), 
nämlich 1) nach öffentlicher Condolentz wegen tödtlichen Abgangs Ihr 
Kön. Maj. der Königin hochsei. Gedächtniss'), ö. Kön. Maj. sowol auch 
Rempublicam von der Partei des Hauses Oesterreich abezuziehen und 
zu einer vertraulichen Correspondentz, wo nicht nähere AUiapce mit 
Frankreich zu nöthigen und zu bewegen. 2) ö. Kön. Maj. zur Mediation 
bei den Tractaten des general Friedens zu invitiren. 3) eine Heirath 
zwischen Sr. Kön. Maj. Person und einem Fräulein in Frankreich etwa 
de (Lonjgeville, oder Nevers, oder Guise, weil die von Orleans gar 
zu jung, vorzuschlagen. Dieses alles, wie man vermerket, ist so wol 
von Sr. Kön. Maj., als den anwesenden Herrn und Senatoren sehr 
freundlich aufgenommen worden und ihme dem Viconte grosse und 
gar sonderbare Ehre und Caresse, so er selber nicht gnugsam loben 
kann, drauf bewiesen worden, und endlich die Abrede genommen, dass 
er von seinem Könige mehrdere Instruction uf sodanige Puncte eilends 
holen und uf künftigem Polnischen Reichstage, so pro 20 Febr. aus- 
geschrieben soll werden, en qualit^ d'Ambassadeur an alle Stände sich 
einstellen möge. 



') Caecilia Renata von Oestreich, Tochter Kaiser Ferdinand's II., erste Ge- 
mahlin des Königs Vladislav, gestorhen am 24. März 1644. 

10* 



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J48 '- ^cuMon uod Polen. 

Unter andern aber, gnädigster Churfllrst und Herr, was wolge- 
melter Viconte mir vertraulich eröffnet, ist dieses nicht das geringste, 
sondern mir das vornehmste gewesen, was E. Ch. D. immediate rühret, 
nämlich dass höchstged. S. Kön. Maj. gegenst ihme privatim von Ihr 
selber privatim angefangen hätte zu reden von E. Ch. D. vorhabenden 
Heirath in Schweden, als welche Sie vor gewiss hielte und deswegen 
über E. Ch. D. sich beschweret hätte. Darauf er der Viconte mit 
wenigem geantwortet hätte, er könnte nicht glauben, dass E. Ch. D. 
mit solcher Heirath fortfahren sollte ohne Sr. Kön. Maj. Vorwissen 
und wider dero Willen; dann E. Ch. D. Stat könnte es nicht leiden, 
sich in so schwere Diffidentz, daraus offenbare Feindschaft erwachsen 
könnte, zu setzen; es würde solch Geschrei nur von missgönstigen 
Leuten herkommen. Was hierauf S. Kön. Maj. repliciret hätte, das 
sagte er mir nicht, continuirete aber seinen Discurs folgender Gestalt: 
es würde sein König und Herr gewiss E. Ch. D. und dero hochlöb- 
lichem Hause eine solche Er>veiterung der Fortune ganz gerne gönnen 
und diese Conjunction mit Schweden als dero Bundgenossen Krone 
ihme gar wol gefallen lassen; allein er vor sich vermeinete, dass es 
bei gegenwärtiger Conjunctur aller Sachen E. Ch. D. Stat überaus ge- 
fährlich fallen wollte, an jetzo damit zu eilen; dann geschehe es ohne 
Wissen und Willen des Königs in Polen, so würde die Offension gross 
sein bei Ihrer Maj. und bei der Republique zugleich und bei dieser 
wol noch grösser als bei Ihrer Maj.; diese zwar würde das heftig 
schmerzen, dass hiedurch Sie und Ihre Nachkömmlinge aller Hoffnung, 
jemals zu der Krone Schweden zu gelangen, beraubet würden und zwar 
von Ihrem benificiario Principe et Vasallo; was aber die Stände Rei- 
publicae Polonicae dazu sagen und thun würden , das hätte er Viconte 
aus der vornehmsten Senatoren Discursen, so sie auch mit ihme davon 
mit grossem Eifer geführet hätten, abzunehmen; dami sie hätten weit 
mehr als der König von dem Schimpf und Nachtheil, so E. Ch. D. 
ihnen damit beweisen würden, ihm gesagt, als unter andern, dass sie 
hiedurch mit ihren Feinden den Schweden rund um besetzet und be- 
schlossen sein würden, nämlich in Liefland, Preussen, Pommern und 
der Mark und in den Grenzen ihres eigenen Landes Preussen, ihren 
visceribus, denselben Feind stets haben müssten und dahero keine Stunde 
ihrer Ruhe und Friedens sicher sein könnten. Wie würde Bespublica, 
so gerne sie sonsten Frieden halten wollte, solches leiden mögen? in 
Anmerkung des frischen Exempels, so in Holstein und Dänemark vor- 
ginge und der täglich zunehmenden schwedischen Macht und Hoch- 
muths? Sie vermeineten, andere benachbarte, auch wol abgelegene Po- 



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Frankreicli nnd die schwedische Heirat. 149 

tentaten- und Republiquen würden darüber weite Augen bekommen, 
und jaloux werden, wann diese Coniunction geschehen sollte. Der 
Kaiser würde, wo nicht jetzo, doch in Kurzem hernach sich gerne mit 
ihnen den Polen coniungiren wollen, solche neue Macht und Gewalt 
der Schweden zu brechen und das Haus Brandenburg zu züchtigen, 
darbei nicht allein die Herzogthtimer Preussen und Pommern, son- 
dern wol die Chur selber periclitiren möchte. Von Dänemark zu ge- 
schweigen, so würden und könnten auch die vereinigte Niederländer 
es nicht gerne sehen, dass Schweden so sehr an Macht zunehme, wiö 
durch diese Heirath geschehen würde, als welche ihnen allein und nicht 
E. Ch. D. erbaulich und zuträglich sein würde ; dann sie, die Schweden, 
gewiss E. Ch. D. nicht die Autoritet und das absolutum dominium, was 
König Gustavus Adolphus gehabt hätte, einräumen, sondern nur einen 
blossen Titul, vielleicht des Königs, geben, selber aber nicht allein das 
Königreich, sondern auch wol E. Ch. D. eigene Erblande nach ihrem 
Willen regieren würden wollen, und daneben E. Ch. D. mit unauf- 
hörlichen Kriegen plagen und verunruhen, zu höchstem Verderb aller 
Ihrer Landen und Unterthanen; dann die Schweden könnten doch nicht 
ruhen, sondern müssten nur aus einem Krieg den andern spinnen; man 
wüsste wol, was sie vor Rathschläge gehabt hätten wider Polen, ehe 
sie sich resolvirt hätten, in Holstein einzufallen, und hätte nach diesem 
dänischen Kriege die Krön Polen sich nichts bessers zu vermuthen; 
wie würde dann auf solchen Fall E. Ch. D. als der Reipublicae Va- 
sallus von einer Seite und König auf der andern Seite bestehen? 

Diese und dergleichen Discurse, so er, der Viconte, ofte zu War- 
schau gehöret hätte, stellete er an seinen Ort, wollte aber (als ein 
geringer Diener Sr. Kön. Maj. in Frankreich, welche ein wol aflFectio- 
nirter Freund des Hauses Brandenburg wäre) aus treuem Herzen rathen, 
E. Ch. D. wolle geruhen, mit dieser Heirath (woferne Sie dahin zielete) 
noch nicht zu eilen, sondern so lange nur damit einzuhalten, bis man 
gehe, wie es mit der jetzo vorgenommenen Tractirung der Alliance 
zwischen den beiden Kronen Frankreich und Polen abliefe, welches 
wol balde, nämlich uf bevorstehendem Polnischem Reichstage, sich 
weisen würde; dann wann solche Alliance vor sich ginge, so hätte E. 
Ch. D. sich zu versehen, dass sein König und Herr zu diesem scopo 
der Heirath E. Ch. D. sehr fordersam und behülflich bei Polen sein 
würde; einen Weg aber wie den andern würde E. Ch. D. aus der ge- 
melten Alliance sehr viel Nutzes und Sicherheit Ihres Stats vermittels 
der Aflfection beider Könige zu erwarten haben; anjetzo aber, und vor 
Schliessung derselben Alliance, wann 'gleich E. Ch. D. den Consens 



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150 '- Pi^euMon und Polen. 

oder Beliebung des Königs in Polen und der Reipublicae vor sich 
alleine suchen würde, um obgemelte inconvenientia zu vermeiden und 
die widrige rationes zu diluiren oder auch gute conditiones dagegen 
vorzuschlagen, so würde doch E. Ch. D. bei gegenwärtiger Coniunctur 
schwerlich etwas bei ihnen richten und erhalten, weil man E. Ch. D. 
alleine nicht trauen würde, wie hernach wol geschehen möchte, wann 
Frankreich sieb der Sachen vor E. Ch. D. annehmen würde. 

Bergmann lehnt höflich ab, irgend wie über die Angelegenheit unter- 
richtet zu sein; Bregy wül in Münster mit den brandenborgischen Gesandten 
weitere Rücksprache nehmen und hofft bei seiner Rückkehr nach Polen den 
Kurfürsten in Berlin zu sprechen. 

Die Punkte, über welche der jetzt auch in Warschau anwesende Fürst 
von Dietrichstein im Namen Spaniens dort zu verhandeln hat, betreffen: 

^1) einen Durchzug Kaiserlicher Soldatesca gegenst Ragozzi. 

2) die Heirath des Königs in "Polen, damit die nicht uf das Haus 
Pfaltz, wie vor diesem vorgewesen, fallen möge. 

3) die Heirath E. Ch. D. in Schweden zu hindern." 



. Der Kurflirst an den geheimen Canzlisten Christoph Melchior. 
Dat. Colin a.d.Sp. 25. Nov. 1644. 

[Der Ueberschuss aus dem Ertrag der Seezollgelder soll ins geheim dem Karfürsten 
überbracht werden mit Umgehang der Oberräthe.] 

ö.Dec. [Der Kurfürst hatte ihm s. d. 11. Nov. Befehl ertheilt, den Martiniter- 

min von 50,000 fl. pol. aus den Zollgeldern zu entrichten; dies wird nun 
wol geschehen sein:] wie Uns dann nicht weniger lieb zu vernehmen ge- 
wesen, das» Du noch hierüber an Zollgeldem so viel bei einander hast, 
dass nicht allein der Guarnison in der Pillau und Unserer Leibguarde 
so viel Löhnung davon entrichtet, als sie bis zu den neuen einkom- 
menden Zollgeldem von Nöthen hat, sondern Uns auch darbeneben noch 
ein gut Stück Geldes heraus gebracht werden könne. [Dieses Geld 
soll er so bald als möglich persönlich dem Kurfürsten überbringen.] Die- 
weil Wir auch selber, wie Du gar wol erinnerst, davor halten, dass 
Du an solcher Reise von Unsern Ober Käthen wegen der ßechnung 
gehindert und aufgehalten werden möchtest, so haben Wir ihnen bei 
itziger Post solche Deine Reise notificiret und ihnen zu verstehen ge- 
geben, dass Wir der Deinigen Person in einigen Münzsachen alhie 
benöthiget wären und Dich demnach aiihero erfordert hätten, woselbst 
Wir Dich aber nicht lang aufhalten, sondern bald wieder zurückschicken 
würden, da Du dann Deine Rechnung vor ihnen ablegen solltest*). 



*) Schreiben an die Oberräthe, dat. 25. Nov. 1644. (Königsb. Arch.; 

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Die Seezollkasse und der Kurfürst. Die schwedische Heirat. }51 

[Der König von Polen wird sich für den Johannistermin wol mit den ihm 
von den Oberräthen gezahlten 15,000 fl. pol. (=» 5000 Rth.) begnügen.] 
Du hast aber mit allem Fleiss dahin zu sehen, damit Du ja die aller- 
geringste Zeit, auch keine Minute an Fortstellung Deiner Reise nicht ver- 
säumest, sondern dieselbe nach aller Möglichkeit beschleunigest. Auch 
wollest Du es damit in aller Stille halten, dass nichts davon kund wer- 
den m(^e; und damit auch die Gelder desto unvermerkter und fligli- 
cher fortzubringen sein mögen, so hast Du Dich dahin zu bemühen, 
dass Du die Hälfte davon in gute Reichsthaler, die andere Hälfte aber 
in vollwichtige Ungerische Gttlden oder Ducaten versetzen und ein- 
wechseln mögest. 

Der Kurfürst an König Vladislav IV. Dat. Colin a. d. Sp. 

lO.Dec. 1644. 
(Conc. von Hoverbeck.) 

[Antwort in Betreff der schwedischen Heirat und der fremden Werbungen in Preussen.] 

Etsi haud levi Nobis fuerit solatio, quod Sac. Reg. M*«» V» in nu- 20. Dec. 
peris suis die XXVII [sie] mensis Octobris^) ad Nos datis litteris 
Nos de tot argumentis comprobato propensissimo patemo aflfecjtu suo 
certos securosque esse iubeat: non possumus tarnen, quin exinde con- 
ceptura pressumque corde promamus dolorem, cum malevolorum, qui 
inter Reg. Mtem Vam et Nos dissidium volunt eoque fine novis subinde 
Serniae Reg. Mtia Ym animum agitant suspicionibus , iuiquos conaüis 
noa omni caruisse successu videamus. Fieri enim nequit, quin Sac. 
Reg. Mtem Vam ab ea, quam de constanti illibatoque studio et filiali 
Nostro aflfectu (uunquam poenitendam) hactenus fovit, fiducia non ali- 
quantuni abduxerint, cum occasionem praebuerunt, ut Serma Reg. Mtas 
Va (non sine aliquo diffidentiae argumento), tantopere a Nobis exposcat, 
ut dedarationem Ulmo Principi Dom. Supremo Regni Cancellario datam 
cathegoricis iterum iterumque repetamus responsis. Tantum autem ab- 
äst, ut de affectu observantiaque filiali quicquam remiserimus, ut pia- 
culum Nobis ducamus litterarum Reg. Mti» Vae vestigia premendo ad 
singula earundem contenta reponere. In medio itaque positis quae 
Reg. Mta» Va ex aliorum potius suggestione quam animi sui inseruit 
sententia, filiali obsecramus observantia, persuasissimum sibi habeat 
Reg. Mtas Va, calamitoso licet rerum Nostrarum statu nihil fausti infe- 
stique Nobis contingere posse, quod animum de Statu deturbet. Stat 
enim sententia, extrema quaeque potius pati, quam ius violare vel quic- 



') Das ohige Schreiben vom 17. Oot. 



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152 ^'' Pi^^us^i^ ^^^ Polen. 

quam admittere, quod honestati publicae adversetur, nedum at ullius 
rei gratia a supramemorata, tanto interprete, data dedaratione unquam 
recedamus. 

Eiusdem quoque, quae supra, sunt generis quae de concessis pas- 
Bim in Ducatu Pnissiae delectibus Sermae Reg. Mti Vae relata sunt. 
Tantum enim abedt, ut vel provinciam (quod sine maximo rerum No- 
strarum detrimento fieri non posset) in discrimen coiyicere, vel Keg. 
Mti Vae aut Reipublicae copiam conscribendi in cauu necessitatis militis 
praecidere unquam animum subierit cogitatio, ut potius omnes delectus 
(haud levi partium in Imperio belligerantium oflfensa) severe prohibue- 
rimus. Tutandi vero corporis Nostri gratia unam atque alteram tur- 
mam equitum conscribere demandavimus, pediüim quoque aliquot cen- 
üirias ad praesidia locorum post longos tandem tractatus ex manibus 
extraneorum tam in hisce quam in ditionibus Clevensibus nuper rece- 
ptorum destinavimus; siquidem nullus praefectorum , nisi iustis praesi 
diis munita famae vitaeque discrimine tuenda suscipere voluit. Qua 
ratione haud leviter communi Orbis christiani quieti consuluisse Nos 
putamus; particulari enim huius restitutionis exemplo redueendae pacis 
in Imperio negoeium promotum in certi sumus. Reipublicae quoque 
Polonae apprime interesse credimus, ut turbulentissimo hoc rerum 
omnium statu loca eidem finitima fiduciarii Principis potius quam alionun 
quorumcunque praesidiis munita teneantur. Cuius rei gratia non est, 
quod Sac. Reg. Mtas dubitet, Nos omni sollicito praecauturos studio, 
ne copiae in cum finem conscriptae in ullius belligerantium partium, 
nedum hostium Reipublicae deducantur potestatem. — 



Instruetion flir Hoverbeck auf den Reichstag zu Warschau. 
Dat. Colin a.d.Sp. ;i. Jan. 1645. 

[Verschiedene Angelegenheiten. Das Ordinar«uhsidium. Das Danziger Tuchmonopol. 

Die Emenerung des Zollvertrags. Vorschlag einer Tranksteuer. Argwohn gegen die 

Königsberger. Der neue Canal.] 

1645. 1) Eb Lst darauf zu seh^n, dass der Waffenstillstand zwischen Schwe- 

13. Jan. den und Polen nicht verletzt wird; Zulassung des Kurfürsten zur 

Mediation für einen beständigen Frieden. 

2) In Betreff des Processes wider den Starosten von der Lomse will 
der Kurfürst in Folge der Intercession des Grosskanzlers und des 
Königs die Sache dem König anheimstellen; doch soll Hoverbeck 
die Resolution des Königs darüber erst ad referendum nehmen. 

3) Vorsichtsmassregeln gegen das Durchführen von ungesundem Vieh 
von Polen her, was in Preussen durch Ansteckung viel Schaden 
angerichtet. 



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iDstruction zum Beichstag. 153 

4) Münzangelegenheit; es wird in Polen wie in Prenseen viel Schsden 
gethan ^dnrch Einführnng der Riga'sehen Schillinge wie auch der 
Löwenthaler und Guldenstücke ^; man muss sich, darüber mit der 
Stadt Kiga in Yerbindung setzen. 
5) Des Subsidii halber ist Eeipublicae vorzustellen, da^s S. Ch. D. 
innerhalb kurzer Zeit ein gar ansehnliches*) entrichtet, welches der 
von Hoverbeck zu berichten und alles widriges bewusster Dexterität 
nach abzulehnen wissen wird. Es haben auch S. Ch. D. dero Herren 
Oberräthen itzo gnädigst anbefohlen, dahin zu sehen, dass zu Abtra- 
gung des hinterstelligen Rests so Viel Geld als immer möglich und 
geschehen kann, bei- und aufgetrieben und an gehörigen Ort Übermacht 
werden möge; dannenhero bei dem Herrn Schatzmeister wird zu un- 
terbauen sein, dass jemand zu Abholung der Gelder ins Herzogthum 
Preussen möge abgefertigt werden. 

6) Die Fortsetzung der littanischen Gränzcommission itst zu betreiben. 
7) Wegen Sigillirung der Tücher ist dahin zu arbeiten, dass der 
Danziger Sigillation durch eine im Reichstage gemachte Constitution 
gänzlich aufgehoben werde, wie dann dem von Hoverbeck hiemit Macht 
gegeben witd, 2000 Rth. zu Erlangung dieses Intents zu versprechen 
und sich an gebührenden Orten verbindig zu machen, wie dann S. Ch. D. 
ihn deswegen evinciren und schadlos halten und auf erfolgte Cassation 
die Gelder auszahlen lassen wollen*). 

8) Märkische Gränzcommission und Zoll auf der Warthe. 
9) So viel den neuen Pfundzoll anreichet, wird der von Hover- 
beck sich annoch wol guter Massen in Uriterthänigkeit wissen zu er- 
innern, was S. Ch. D. sub dato des 11/21. April 1643 an ihn deshalber 
gnädigst rescribirt und gelassen lassen'), dahin Sie sich nochmals hie- 
mit referirt haben wollen. Dieweil dann die Continuation selbigen Zolls 
hochnöthig, S. Ch. D. aber bis anhero merklichen Schaden und S. Kön. 
Maj. dahingegen dabei nicht wenig Vortheil gehabt, so wird solches 
Sr. Kön. Maj. von dem von Hoverbeck gebührlich zu remonstriren und 
danebst dahin zu arbeiten sein, dass S. Kön. Maj. in die Prorogation 
berührten neuen PfiindzoUs gnädigst consentiren und sich jährlich mit 
vier und zwanzig tausend Rth. (mit dem Elbingischen Zoll) contentiren 
lassen möchten. Es sind auch S. Ch. D. wol zufrieden, dass der von 
Hoverbeck zu Erhaltung itzterwähnten Intents, jährlich dem Herrn Gross 



*) Ausgestrichen die Angabe, dass es 120,000 Qalden sind, worüber Quittungen 
vorhanden. Yergl. Orlich llf. p.84. 

') Wörtlich wie die Instruction vom 22. Oct 1646 bei Orlich III. p. 33. 

*) 8. ob. p. 119. Der Vertrag vom 5. Dec 1641 war mit Ende 1644 abgelaufen. 



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154 '* Pr^ussen and Polen. 

Canzler fünftausend poln. fl., wie auch dem Herrn Pommerellischen 
Woywoden Grafen von Dönhoff drei tausend poln. fl., den Spiringen ein 
tausend Gulden, dem Herrn Marschalk Kazanowski zwei tausend, dem 
Vicecanzler ein tausend von ör. Ch. D. wegen versprechen und zusagen 
möge; über das hat er eine Obligation vor den Herrn Gross Cantzler 
und auch den Herrn Pommerellischen Woywoden hiebei zu empfangen. 
Nachdem es auch Sr. Ch. D. nicht wenig zuträglich sein würde, 
wann die Tranksteuer in dero Herzogthum Preussen, ein gewisses, 
etwan sechs Groschen pohi. von iglicher Tonne Bier zu nehmen, ein- 
geführt werden könnte, so hat der von Hoverbeck auch solches von 
Sr. Kön. Maj. zu vernehmen; dass nämlich S. Kön. Maj. solches an die 
Herren Oberräthe und diese an S. Ch. D., welche es dann ferner an 
dero Preussische Stände in Gnaden zu gelangen, bringen möchten; 
und wären S. Ch. D. wol zufrieden, dass Sr. Kön. Maj. der halbe 
Theil von obgesetzter Tranksteuer gereichet und abgefolget würde; es 
müssten aber dennoch diejenige, so die Gelder deshalber einzufordern, 
in Sr. Ch. D. Diensten allein sein und verbleiben. 

10) Es soll auch der von Hoverbeck auf der Städte Königsberg 
Abgeordnete ein wachendes Auge haben, und da dieselbe wegen Ab- 
schafiung ihrer vermeinten gravaminum am Hofe etwas tentiren und 
suchen sollten, hat er dagegen einzuwenden und sowol Kön. Maj. als 
auch die Herren Senatoren zu informiren, dass S. Ch. D. den Königs- 
bergem in allen Punkten der gesuchten Beschwerde bereit ein Genügen 
gethan und wegen der wenigen übrigen, darunter S. Ch. D. mit den 
Königsbergern noch in Tractaten stehen, sind dieselbe erbötig, in allen 
billigen Sachen als einen gnädigen Landesflirsten, dem seiner Stadt 
Wolfarth, wie auch des ganzen Landes Wolstand angelegen, sich zu 
erzeigen, derwegen die Städte Königsberg an deroselben Landesfürsten 
zu verweisen. 

11) Wegen der Sackheimischen Kirche boU auf diesem Reichstag nichts 
erwähnt werden. 

12) Wegen des neuen Grabens, damit die Waaren aus Littaiien 
nicht über Haab mit Gefahr nacher Königsberg überbracht, sondern 
sicher geschiflFet werden könnten, wäre dieser Vorschlag den Littau- 
schen Ständen zu thun, dass sie etzliche aus ihrem Mittel cum plena 
potestate abordnen wollten, welche die Gelegenheit des neuen Grabens 
in Augenschein nehmen und wegen der Unkosten mit Sr. Ch. D. einen 
Vergleich treffen, ob die Stände hiezu benöthigte Unkosten selbst ver- 
schaflFen oder es auf einen neuen Zoll ankommen lassen wollten *). 

*) Ebenso bei Orlich a. a. O. 



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lostruction zum Reichstag. Der neue Zollvertrag. 'i!bb 

13) Das exercitium religionis soll in Abwesenheit des Kurfürsten sdnen 
Unterlassenen Dienern in Königsberg frei sein. — 



Hoverbeck an Conrad von Burgsdorf. o. D. 

(Aus Warschau. Notiz von Burgsdorfs Hand: „am 14. Januarius in 

Königsberg einkommen".) 

[ Verhandlung ober die Erneuerun'g des Zollvertrags. Schwierigkeit wegen Elbing 
und wegen des königlichen Antheils.] 

E. Wolwtirden soll nächst allerwilligster Dienstanerbietung ich Anf.Jan. 
nicht unvermeldet lassen, dass zwar die von E. Wolw. mir gegebene 
Information, ich sollte im Zollwesen gar kaltsinnig gehen und alle 
Handlung von Sr. Maj. Seiten an mich kommen lassen, so viel ge- 
finichtet, dass S. Kön. Maj. uns selbst wegen der Contiüuation suchen. 
Hingegen bestehen Sie uff der Summen der hundert tausend Gulden 
so hart, dass ich fast alle Hoflhung einiger Moderation verlieren muss. 
Ueber das so wollen Sie den Elbingschen Zoll, welchen Sie doch nicht 
höher als uff 20,000 fl. schätzen, durchaus separirt wissen; in diesem 
stärken Sie die Elbinger selbst und erbieten sich, dass sie denselben 
in ihrer Stadt einnehmen wollen, in Hoflhung, dass es nach der Grod- 
nischen Tax leidlicher ergehen, und, wann ja ein oder die andere 
Schwierigkeit vorfallen möchte, ihnen favorabler Tractament als zu 
Königsberg, da sie allemal sehr schimpflich, ihrem Vorgeben nach, 
hätten sollen empfangen sein, widerfahren würde'). 

In einem aber hat mich der Spiring damit nicht wenig verwirrt 
gemacht, dass er Sr, Kön. Maj. folgende Rechnung vorgelegt: es hätten 
S. Ch. D. aus dem neuen Zoll von der Zeit an, dass derselbe einge- 
führt worden, 428,000 ßth. genossen, nämlich: 



Anno 1639 . 


. 58,000 Rth. 


„ 1640 . 


., 70,000 „ 


„ 1641 . 


. 75,000 ,. 


„ 1642 . 


. 75,000 , 


„ 1643 . 


. 75,000 ,. 


„ 1644 . 


. 75,000 „ 



428,000 Rth. 

Hiegegen beliefe sich alles, was der König die ganze Zeit ttber em- 
pfangen, nicht höher als uff 103,33*3 Rth. Wann i<;h nun hiegegen ein- 
wende, dass es so viel nicht getragen, und hingegen auf die Verwalter 



*) Durch den Vertrag von 1641 war auch der Handel von Elbing über das frische 
Haff dem Pillauer Zoll mit untergeben worden. Art. IV. de« Vertr.; oben p. 87. 



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156 '* PreusBon und Polen. 

viel verwendet werden muss, thun S. Kön. Maj. die Vorsehläge, dass 
Sie Sr. Ch. D. einen Menschen schaffen wollen, welcher den neuen 
Zoll arrendiren und Sr. Gh. D. 130,000 fl., dem Könige aber die 100,000 fl. 
richtig liefern und vielleicht auch noch ein mehres geben und in Kö- 
nigsberg residirend von Sr. Ch. D. allein dependiren und doch alle und 
jede Unkosten selbst tragen soll. 

Hiegegen weiss ich nichts anders, dann rationes Status wegen der 
Consequentien anzuziehen und halte die Sach dergestalt auf, dass ich 
dannoch manifestire, es werden S. Ch. D. indessen, obgleich der Ver- 
trag noch nicht geschlossen, mit Einnehmung des Zolls fortfahren, wel- 
ches dann nicht sonderlich widersprochen, sondern gleichsam mit Still- 
schweigen approbiret wird. 

Hiegegen bedrauen S. Kön. Maj., daferne S. Ch. D. sich nicht 
würden zu den 100,000 fl. verstehen wollen, hätten Sie nichts anders 
zu gewarteh, dann dass S. Kön. Maj. an alle benachbarte wegen Ab- 
schaffung desselben Patents schicken und uff des Spiring's Information, 
welchen Sie deswegen anhero erfordert, Ihr alle die Vortheilchen, deren 
Sie sich in Verhöhung des alten Pfund Zolls zu behelfen möchten oder 
könnten gemeint sein, benehiiien. 

Ich bestehe darauf, dass S. Ch. D., wann solches geschehen sollt, 
damit es nicht das Ansehen gewinne, ob hätten Sie den Zoll einzufüh- 
ren sonderliche Lust hiebevor getragen, oder wären sonst nicht befugt, 
ohne Ihre Maj. denselben abzuschaffen, dergleichen Patent in Ihrem 
Namen zu publiciren auch nicht unterlassen und hinwiedenmi bei den 
Städten Königsberg und den benachbarten Ihren Schaden wol würden 
zu ersetzen wissen, sollten Sie auch gleich (welches ich gleichwol nie- 
mals rathen würdt) die Pillau den Königsbergern mit gewissen Con- 
ditionen zu halten übergeben. Was mir nun solche Rationen und Hand- 
lungen allhier vor Favor geben, können E. Wolw. selbst hochvemünftig 
ermessen. Die Feiertage allein können Sr. Maj. Gemüth vielleicht in 
etwas moderiren, wiewol allen Umständen nach ich wenig ja fast keine 
Apparenz dazu ersehe. — 

Der Kurftlrst an Ho verback. Dat. Königsberg ') 14. März 1045. 

[Die SichersteUung des reformirten Gottesdienstes in Abwesenheit des kurf. Hofes. 

Canalprojecte.] 

14. MÄra. Weil Wir nunmehr gänzlich entschlossen sein. Unsere hochgeehrte 
Frau Mutter 6n. nebst dem übrigen Chur- und flirstl. Frauen Zimmer 



') Im Januar 1645 war der Kurfürst plötzlich aas der Mark nach Preuesen tn- 



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Der neue Zollvertrag. Die reformirte Gemeinde in Königsberg. j 57 

mit. Uns hinaus nach Unserer Chur- und Mark Brandenburg zu nehmen, 
indem es Uns bei diesen Zeiten gar zu schwer fällt, zweene ftlrstliche 
Hofstaat zu ftlhren, hochged. Unsere hochgeehrte Frau Mutter 6n. sein 
auch, damit um so viel mehr Unkosten ersparet werden mögen, gar 
geneigt dazu; nur allein hält sie dieses am allermeisten zurück und 
machen sich etzlichermassen ein Gewissen dartlber, dass man hernach 
der hiesigen reformirten Gemeine bei Abwesenheit Unserer und anderer 
fürstlichen Personen das freie exercitium ,reformatae religionis nicht 
mehr verstatten würde. Nun ist Euch wissend, welchergestalt Wir 
hiebevor zum öftern bei Ihrer Kön. Maj. und der Krön Polen dieses 
Werk suchen und damit auch in Unser und anderer fürstlichen Personen 
Abwesenheit die reformirte Gemeine alhier sich des freien exercitii re- 
formatae religionis ungehindert gebrauchen möge, befördern lassen 
wollen *). Nachdem solches aber bishero noch immer stecken blieben, 
so wollet Ihr Euch nunmehr mit allem Fleiss und Eifer sorgfältig, da- 
hin bemühen und nicht allein bei Ihrer Kön. Maj., sondern auch bei 
den vornehmsten Senatoren der Krön Polen, da Ihr es der Sachen am 
zuträglichsten zu sein erachten werdet, aufs beste in Unserm Namen 
suchen und befordern, damit der hiesigen reformirten Gemeine auch in 
Unserer oder anderer fürstlicher Personen Abwesenheit das freie exer- 
citium reformatae religionis zum wenigsten nur auf dem gewöhnlichen 
Saal, da Wir bishero haben predigen lassen, unbeirret zu treiben nicht 
gewehret noch gehindert werden möge. Wir geben Euch auch hier- 
mit frei und verwilligen krafl dieses, dass Ihr zu desto besserer Er- 
langung und Erhaltung dieser Unser Intention an dienlichen und hier- 
unter vermögenden Orten drei bis viertausend Reichsth. spendiren möget, 
und wann Ihr die Sache werdet erhalten und zu guter Richtigkeit ge- 
bracht haben, so verwilligen Wir Euch hiemit gnädigst, dass auch Ihr 
vor Euem hierunter angewendten Fleiss ein tausend Reichsthaler zum 

Recompens haben sollet. 

Hienächst und vors ander mögen Wir Euch hiemit nicht verhalten, 
dass, als Wir die vergangene Woche nach Unser Amt Tylsit verreiset 



rückgekehrt ; über die Motive dazu vergl. unten bei den Acten des Reicbsdeputations- 
tags Ton Frankfurt ad Januar 1645. 

^) Hierbei eine Supplik der gesammten reformirten (Gemeinde, «derer yom Herren- 
und Ritterstande dieses Herzogthums, aucb mebrerer anderer, sowol einheimisoben als 
fremden Nationen, engelische, französiscbe, Hcbottiscbe, nieder- und bocbdeutsche 
alhie zu Königsberg und im Lande wobnbaftig" — um Sicberstellung des reformirten 
Gottesdienstes bei Abreise des Kurfürsten und seiner Mutter. Dat. Königsberg am 
b. Osterfest 1645. 



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158 '• P^^cussen und Polen. 

gewesen, Wh* unter andern befunden, dass der Neue Grabe, welchen 
die hiesige 3 Städte Königsberg hiebevor gemacht, fast ganz zugesandet, 
also dass in kurzer Zeit die Littausche SchiflFarth uf Königsberg gänz- 
lich nicht mehr wird getrieben und fortgesetzet werden können *)• Nun 
ist Euch gleichergestalt und nicht weniger gnugsam wissend, wie dass 
Wir unlängst einen andern bequemern Ort zu Fertigung eines andern 
und neuen Grabens, dadurch die Littausche Wittinnen ganz binnen 
Landes anhero gebracht werden können und nicht einmal uf dem Chüri- 
schen Haaff (woselbst alle Jahr so grosser Schaden geschiehet und so 
viele Wittinnen unterzugehen pflegen) kommen können dUrfen, durch 
gewisse dazu verordnete Commissarien , unter denen Ihr selbst einer 
mitgewesen und diese Besichtigung persönlich verrichtet habet, in Augen- 
schein nehmen und durch einen Landmesser messen,' auch in einen 
Abriss bringen lassen. Dieweil aber überaus grosse Unkosten zu Ver- 
fertigung und Unterhaltung dieses neuen Grabens erfordert werden, so 
haben Wir bishero dieses Werk nicht ehe und zuvor anfangen wollen, 
bis Wir von den Littauschen Ständen Gewissheit haben, dass sie Uns 
von allem, was sie durchführen, einen billigen Zoll geben und ab- 
statten wollten. Wollet demnach mit allem Fleiss auch in dieser Sache 
Euerer Instruction gemäss aufs beste negotiirep, und stellen Wir zu 
Euerem unterthänigsten Gutachten, ob Ihr Euch hierunter an deh Lit- 
tauschen Vice Cantzeler Sapieha oder andere, so der Littauschen 
Stände mächtig sein, addressiren wollet. 

Es ist schliesslich und drittens von DieterichSchwartzen ein 
ander Vorschlag gethan worden, wie Euch auch nicht unbekannt ist, 
dass mit wenigen Unkosten ein Grabe an einem andern Ort gemachet 
und in ein lebendig Fliess, so in die Mttmmel fliesset, gefbhret werden 
könnte; der würde auch wol der beste, auch den Littauschen Ständen 
und andern an der Schiffarth Interessirten mehr zuträglich sein, wann 
sie mit ihren Schiffen dort zur Mümmel anlanden könnten. Unsere 
Oberräthe haltens auch fürs beste und Uns am zuträglichsten. Zwar 
möchte von den hiesigen drei Städten Königsberg wol repliciret werden, 
dass sie dadurch, würden graviret und ihnen ihre Nahrung geschwächt 
werden. Aber Unsere Oberräthe halten davor, dass solches ihr Ein- 
wenden von keiner Importantz,. gestalt sie denn auch einen periodum 
ex pace publica extrahiren lassen, darein klärlich enthalten, dass es 



') Die Anlegung de» Canals zwischen Memel nnd Pregel, zur Vermeidung der 
Schiffart auf dem Cnriachen Haff, war 1613 zwischen einer polnischen Commission 
und den Städten Königsherg vereinbart und in den folgenden Jahren ausgeführt wor- 
den. Dogiel Cod. dipl. Polon. IV. p. 468 ff. Baczko IV. p. 371. 



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Nene Canalbauten. Pfalz-Nenburgische Hetzereien. '|59 

bloss und allein bei Sr. Kön. Maj. und Uns bestehet, solche Farth 
anzustelln, und könnten die Städte Königsberg darwider nichts reden. 
Wollet derowegen Uns Euere hierüber habende Gedanken und Meinung 
ehests in Unterthänigkeit überschreiben und sehen wie weit es zu bringen 
und ob es gleichfalls bei diesem Vorschlag des Zolls halber bei den 
Littauschen Ständen auf einen billigen Fuss gerictitet werden - könnte, 
weil nicht weniger der Grabe des Orts auch ein grosses kosten würde. — 



Hoverbeck an den Kui-ftirsten. Dat. Warschau 19. März 1645. 

[Die neue Heirat des Königs.] 

Ein däuischer Gesandter ist hier und betreibt Hilfleistuug gegen 
Schweden. Bio Heirat des Königs soll morgen im geheimen Rath vor- 
kommen. 

Etliche von der Ritterschaft haben Sr. Maj. einen ziemlich grossen 19. Mä« 
Floh ins Ohr gesetzt, indem sib privatim remonstrirt, dass, wann S. 
Kön. Maj. (da Gott vor sei) kurz nach dero Heirath abgehen sollten, 
die Franzosen der Königlichen Wittib einen ihnen angenehmen Gemahl 
bald ersehen und durch ihre Macht und Geld, dass derselbe zum Könige 
erwählt, Sr. Maj. Nachkommen aber praeterirt würden, durchzutreiben 
äusserstens werden angelegen sein lassen '). — 



Hoverbeck an den Kurfürsten* Dat. Warschau 4. Apr. 1G45. 

[Heisereien des Pfalzgrafen von Neuburg gegen den Kurfürsten. Operationen 
Hoverbeck^s dagegen.) 

E. Ch. D. soll ich in Unterthänigkeit nicht unvermeldet lassen, 4. Apr. 
welcher Gestalt des Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg f. Dchl. *) diese Tag 
Sr. Kön. Maj. Gemüth nicht wenig alterirt und mir meine Negociation 
um so viel schwerer gemacht, indem Sie fast uflF ein Mal ftlnf an die 
ganze Republique lautende Schreiben, deren drei in dero eigenem und 
die andere in der Gemahlin Namen gestellt und alle, insonderheit aber 
das letzte, zu.Aggravirung E. Ch. D. gerichtet gewesen, anhero ge- 
schickt und durch den alhier noch anwesenden Secretarium überliefern 
lassen. Die erste vier sind alle öffentlich in Beisein der sämmtlichen 



'} Die erste Gemalin des Königs war am 24. M&rs 1G44 gestorben. Anfangs 
1646 verm&hlte sieb Vladislay IV. zum aweiten Mal, mit der Prinzessin Louise 
Marie von Gonsaga-Nevers; die Heirat kam durcb franaösiscbe Vermittelung 
zu Stande. 

") Pfalzgraf Philipp Wilhelm, Sohn des Pfalzgrafen WoUgang Wilhelm» sejt 
1642 verm&hlt mit der Schwester des Königs Vladislav IV. 



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]gO '* Prouftsen und Polen. 

Senatoren und Landboten, das fUnfte aber allein im Geheimen Rath 
verlesen worden. Ich hab mich bishero (aber nur unvermerkt, damit 
es nicht möchte verboten werden) um die Copeien, so der Erzbischof 
zu Gniesen also gleich zu sich genommen, beworben und deswegen 
diese Nachricht bis dahin hinterhalten; und hab ich von unterschiedenen 
vertrauten Freunden deswegen Vertröstung, auch gar mit Aussetzung 
gewisser Zeit und Stelle, wohin es sollte von des Erzbiscllofs Residentz 
dirigirt werden, bekommen. Weil es aber noch zur Zeit nicht erfolgen 
thut, muss E. Cb. D; ich unterthänigst berichten, dass in dem letzten 
überaus harte Wort gefllhrt worden, als; Imploramus Virtutem Vestram, 
defendite nos fortibus consiliis contra arma Brandeburgica, quae in 
eicinitate Prussiae Vobis deesse nequeunt, und dergleichen. 

Wegen Uberhäufter und gar verworrener Reichstags consiliorum, 
vielleicht aber auch weil man besorgt, es würden die Landboten sich 
dieses fremden Handels gar nicht wol ^eilhaftig machen, ist die Saeh 
ihnen ajur Deliberatiön nicht vorgetragen worden, zu geschweigen, dass 
von denselben einiger Schluss darüber hätte gemacht werden sollen.* 

Bei denen Vertrauten und durch sie bei Sr. Kön. Maj. hab ich 
uflFs beweglichste, als mir möglich gewesen, Vorstellung gethan, dass 
dieses procedere um Freundschaft zu stiften gar nicht dienlich sei, und 
der Herr Pfalzgraf dadurch sein Intent keinesweges würde erreichen 
können, sondern nur allein E. Ch. D. zu erkennen geben, dass ihm 
nicht an Willen, sondern nur an Mitteln, dieselbe zu gefahren, er- 
mangeln thue; so würden ja auch S. Kön. Maj., wann Sic sich Ihres 
neuen Schwagers so eifrig annehmen wollten, als wol davon geredet 
wird, Ihr selbst den Weg zu der gesuchten Mediation verlegen ') ; und 
könnten dieselbe als ein hocherfahrener Potentat leicht ermessen, dass, 
wann E. Ch. D. dazu Recht und Fug, wie auch gnugsame Mittel vor 
sich hätten, dieselbe um eines Hofzoms Willen sich der Occasion zu 
praevaliren nicht würden unterlassen. Dann sollte's ja alles zu Sr. 
Kön. Maj. Vergnügung gerichtet werden, wollt ich meines wenigen Orts 
als ein minus praejudiciosum rathen, E. Ch. D. gratificirten Sr. Kön. 
Maj. vor dero Person oder Haus worinnen, als dass Sie, um Ihr zu 
gefallen und dero Gnad beizubehalten, Dir sollten die Hände binden 
lassen, weil Sie doch von diesem mehr Dank dann von jenem zu ge- 
warten haben würden; und wäre es wol ufif des Herrn Pfalzgrafeu 
Seiten gar ein Unbilliges, dass, da Sie selbst wider des Rom. Kaisers,. 



') Schon im vorigen Jahre hatte der König sich zar Vermittelang zwischen Bran- 
denhurg und Pfalz -Neuburg erboten, was der Kurfürst, als noch nicht an der Zeit,, 
damals abgelehnt hatte (Kurf. an Horerb. dat. COstrin 6. Oct. 1644\ 



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Hetsereien des Pfabgrafen. ißi 

als des obristen Lehnsherren, Dank und Willen die Lande halten, Sie 
E. Ch. D. so enge zu beschliessen suchen, dass dieselbe um Seiner 
mit der Kön. Maj. habender SchAvägerschaft Willen Ihr die Hand sollten 
binden lassen, da Sie doch wegen dero Urelter Frau Mutter mit dem 
Kön. Hause in näherer Verwandtschaft stehen*}, als eben der Herr 
Pfalzgraf wegen seiner noch zur Zeit durch Erben unbestätigter Schwager- 
schaft. Ueber dies alles könnt ich auch nicht praesumiren, dass albereit 
ichtwas'thätliches sollte vorgangen sein, sondern müsste vielmehr ver- 
muthen, dass es .dem Herrn Pfalzgrafen in diesem Stück ergehe als 
einem, den man aus seinem anrauthigen Traum zu zeitig aufwecket; 
S. f. Dchl. werden sich vielleicht deswegen nicht wol zufrieden stellen 
können, dass E. Ch. D. Ihre mit der Kreis Verfassung habende An- 
sehläge abgemerket, da Sie ausser Zweifels mit des Königs zu Hispanien 
Volke die von der Frau Landgräfin zu Hessen inhabende Oerter zu 
überwältigen verhoflft und dann über vorig vermeintes auch ein Jus 
belli darauf zu formiren bedacht gewesen, dem nun E. Ch. D. zuvor 
kommen und dadurch Ihre Stadt in Sicherheit gesetzt hätten. — 



Hoverbeck an flen Kurfürsten. Dat. Warschau 6. April 1645. 

[Die Pfalz-Neuburgischen Hetzereien sind wirkungslos geblieben. Fortgang der 
Verhandlung über einen neuen Zollyertrag.] 

Nachdem der Reichstag sich zerschlagen, haben alle Expeditionen 6. Apr. 
80 häufig auf einander gefolgt und ich mich so tiberhäuft befunden, 
dass mirs unmöglich gefallen in den relationibus zu continuiren. Wtird 
es aber E. Ch. D. gnädigst gefallen, dass ich etwa also gleich nach 
den Feiertagen mich zur persönlichen Uffwartung unterthänigst ein- 
stellete, könnten Sie in allen Saöhen ausfiihrliche Nachricht erlangen. 

Insgemein soll E. Ch. D. ich nicht unvermeldet lassen, dass sich 



') Albreobt Achill Casimir IV. v. Polen. 

I I 

Friedrich ▼ . Anspach . Sophi a (f 1513). 

Herzog Albrecht y. Preussen. 

I 
Albrecht Friedrich. 

I 
Knrf. Joh. Sigismund. Anna. 

Knrf. Georg Wilhelm. 

I 
Kurf. Frid. Wilhelm.» 

Vergl. Pufendorf V. 17, wo die Radziwirs im J. 1655 auf diese jagelionische Ab- 

BtammuDg des Kurfürsten ein Erbrecht desselben auf das Grossherzogthum Littauen 

gründen wollen. 

Mater, zur Gesch. d. Gr. Kurfürsten. I. 11 



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152 '* Preussen und Polen. 

sowol bei Sr. Kön. Maj., als dem Herrn Krön Gross Cantzler, wie auch 
anderen übereifrig catholischen Senatoren der ob des Herrn Herzogen 
zu Neuburg Bericht geschöpfte Eifer guten Theils schon gelegt. 

In dem Punct wegen des neuen Seezolls hab ich den ganzen Reichs- 
tag durch, in Sonderheit aber nach des Isack Spiring's Ankunft grosse 
Widerwärtigkeit gehabt, dann S. Kön. Maj. nicht allein den Nachstand 
von dem Johannis Termin, sondern auch die 5000, so ich ausgesetzt 
gehabt, und eine höhere Summ ins künftige gefordert. Endlich aber 
haben Sie sich dannoch gnädigst erklärt, dass Sie auf die vorige Summ 
der 100,000 Gulden prorogiren, aber doch die Forderung wegen des 
nun zu End geloflFenen Contracts Ihr vorbehalten haben wollen. Nach 
vielfältigen Instantien, darinnen die beide Krön Cantzler, wie auch der 
Herr Woywode von Pommern mir kräftig assistirt, haben S. Kön. Maj. 
zu Abhelfung derer von Elbiqg alhier immerfort flthrender Beschwer- 
den, sich soweit ausgelassen, dass Sie den Elbinger Zoll in der Stadt 
einnehmen und dagegen E. Cb. D. an der Summ 10,000 Gulden, (weil* 
ihn Spiring nicht höher schätzen wollt,) ablassen wollten. Sollte abet 
von E. Ch. D. können erweislich gemacht, oder auch versichert wer- 
den, dass derselbe mehr und etwa bei 20,000 Gulden getragen, wären 
Sie schon an 80,000 Gulden in allem , respectu des Königsbergischen 
und Memmelischen, vergnügt. 

Diese Resolution macht mich bei der Sachen ziemlich anstehen, 
weil ich nicht weiss, ob E. Ch. D. mit solcher Separation möchte ge- 
dient sein, und dass dannoch die Summ wegen des Königsbergischen 
und Mümmelschen Zölle, welche ich dannoch im vorigen Contract um 
dergleichen und anderer Fälle ziemlich niedrig gebracht, so hoch ge- 
halten werden will. Eines Theils möchte die Separation E. Ch. D. in 
dem Stück zu Statten kommen, dass Sie den alten Pillauschen Zoll 
etwas steigern könnten; andern Theils aber steht zu besorgen, die Spi- 
ringe, welchen dieses Zolls Administration unfehlbar wird ufgetragen 
werden, dürften uff solchen Fall allen den Flachs auf Danzig zuwen- 
den, wie ich dann vernehm, dass es auch anjetzo also gehen soll. Bitte 
demnach unterthänigst E. Ch. D. geruhen gnädigst mir mit dem ehi- 
sten dero gnädigste Willensmeinung hierüber zu eröffnen und dieser 
ganzen i^ach keinem Part zu geben; dann es beschlossen, dass S. Kön. 
Maj. den Herrn Landrichter von der Frauenstadt, den ich selber vor- 
gesehlagen, zu E. Ch. D. abordnen und Ihr dieses Werk um Glimpfs 
halber wollen abhandeln lassen. 

Dtr dänische Gesandte, der lange um Geld und Hilfe geworben hat, wird 
Uemuäcbst abgefertigt werden und der König ihm 100,000 fl. pol. mitgeben. 



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Der neue Zollvertrag. Conferenz zwischen dem König und Borgsdorf. j[g3 

Antwort des Kurfürsten. Dat.. Königsberg 12. April 1645. 
Hoverbeck soll sich in der Zollsache durchaus nicht übereilen und einst- 
weilen nach den Feiertagen persönlich zum Kurfürsten kommen. — 



Instruction £ur Hoverbeck. Dat. Königsberg S.Mai 1645. 

Anweisung über die Erneuerung des Zollvertrags zu verhandeln; wenn 8. Mai. 
der König den Elbinger Zoll wieder ^zu sich nehmen*' will, so soll er ihm 
jährlich 60,000 fl. pol., oder, wofern jener dem Kurfürsten verbleiben soll, 
jährlich 80,000 fl. pol. von dem neuen Zoll bieten. Darüber soll Hoverbeck 
mit dem Woiwoden von Pommerellen verhandeln; wenn es so erreicht wer- 
den kann, so soll er dem Grosskanzler 3000, dem Woiwoden von Pom- 
merellen 2000, dem Unterkanzler 1200 und den Spiringen 1500 Gulden jähr- 
lich bieten. 

Instruction für d. Oberkammerhen^n und geheimen Rath Conrad 

von BürcTsdorf „bei der von Kön. Maj. zu Polen und Schweden 

an ihn gesonnener Conferenz^. Dat. Königsb. 18. Mai 1645. 

[Verscfaiedeoe Angelegenheiten. Uebergriffe der Königsberger; die Sache des Schotten 
Denies. Der Process gegen den Starosten von Lomza.] 

Nachdem höchstged. Ihre Kön. Maj. gemelten Unsem Obercammer- 18. Mai. 
herm den von Burcksdorf nachr Prassnitz an sich gnädigst erfordert '), 
um aus einigen fürfallenden Ihrer Maj. und Uns angelegenen . . . Ne- 
gotien Unterredung zu pflegen: so sind Wir in Gnaden wol zufrieden, 

dass er uff schirstkünftigen Donnerstag von hier aufbrechen und 

was Ihr Maj. an ihn zu bringen Ihr belieben lassen wird, vernehmen 
könne. * 

Daneben hat er auf folgende Angelegenheit zu achten. 
1) Und zwar anfänglich, so ist ihm vorhin schon gnugsam be- 
wusst, in was terminis die von neuem reassumirte Handlung wegen 
des Seezolls anitzo stehe und wohin Wir deshalb Unsem geheimen 
Rath Em Johann von Hoverbeck instmiret. Wolle er demnach bei 
höchstged. Ihrer Maj. sich uffs fleissigste bearbeiten, diesen Pass zu 

endlicher guten Richtigkeit und gewissen Schluss zu befördern 

(mit Hoverbeck's Beirath). 

2) B. soll die Gewährung der freien Ausübung der reformirten Reli- 
gion auch in Abwesenheit des Kurfürsten und seiner Mutter von 
Königsberg dringend befürworten. 



') Schreiben des Königs an Burgsdorf, dat. Motzko S.Mai. — Przasznic 
ein Ort, nahe der preussischen Grftnze, gegenüber Neidenbarg; die Zasaminenkunft 
scheint aber nicht dort, sondern in dem benachbarten Ort Mlawa Statt gefiinden zu 
haben. S. unten die Assecuration Job. Casimir^s, dat. 6. Oot. 1648. 

11* 



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'I g4 '* PrensBen und Polen. 

3) B. soll dagegen sprechen , als ob die Sackheimsche Barche eine 
Beeinträchtigung der Katholischen sei. 

4) Ferner und vors vierte soll er sich auch Unsertwegen über Un- 
serer Städte Königsberg grosse Widersetzlichkeit und Uns in vielen 
Stücken bisher erzeigten Ungehorsam uffs höchste beschweren; mit dieser 
Anzeige, dass sie sich auch unterstanden, Uns in Unsere Hoheit und 
Regalien einzugreifen, der Jurium Fisci (so doch Uns, als dem Lan- 
desfllrsten allein competiret, auch in den Landes Verfassungen und Re- 
cessen de anno 1566 und 1567 ausdrücklichen reserviret wären) de 
facto anzumassen, diejenigen, so mit Unseren, ja Ihrer Maj. selbsteige- 
nen Privilegien versehen, pro lubitu zu pfänden und die ihnen abge- 
nommenen Waaren gipichsam zu confisciren. Das hat er mit dem 
itzigen Exempel des Hansen Deniessen, eines Schotten, mit mehrerem 
zu exemplificiren und dabei Ihr Kön. Maj. kürzlich anzuzeigen, dass 
dieser freie Handlung zu treiben vor vielen Jahren sowol von Ihrer 
Maj., als auch Uns ausdrücklich und stattlich privilegiret; er hätte auch 
bis hierzu und numehr ganzer acht Jahr sich solches privilegii und 
freier Handlung ungehindert gebrauchet; in Neulichkeit aber und kurz 
vor Unser Hereinkunft hätte sich ein privat Bürger propria authoritate 
unterfangen, diesem Mann etliche Stücke Tuch auf freier Strassen ge- 
waltsamer Weise abzunehmen. Und obwol darauf Unser Hofgerieht 
dem Rath per decretum die abgenommene Waare angesichts zu resti- 
tuiren und sich hinfüro dergleichen Eingriffe wider die Königl. und 
Churf. privilegia bei Straf gesetzlich zu enthalten auferleget, so hätten 
sie zwar von solchem decreto an Ihr Maj. appelliret, aber doch bald 
darauf pendente appellatione und mit gänzlich Hintansetzung der be- 
schehenen Inhibition gemeltem Handelsmann anderweit einige Waaren 
abermal de facto abgenommen. Als Uns nun solches bei Unser An- 
kunft geklaget worden, hätten Wir solches pendente iam appellatione 
ftirgenommenes Factum anders nicht als pro atteutato achten und halten 
können; derowegen den dreien Räthen nochmalen unter Unser eigen 
Subscription zu zweien unterschiedenen Malen die Restitution wo nicht 
simpliciter, doch gegen Revers und Caution anbefohlen; aber auch 
hierauf hätten sie gar nicht pariret, sondern an Statt schuldiger Pari- 
tion und Uns, ja vielmehr Ihrer Maj. und der Krön selbst zu noch 
mehrerem Despect und Verachtung dem obbemelten armen Mann zum 

dritten Mal etliche Stücke Tuch eigenthätig abgenommen : Wir 

wären nicht gemeint, denselben (Muthwillen) also impune hinstreichen 
zu lassen, bäten aber Ihre Maj. wollten geruhen, auch au Ihrem hohen 



I 



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Excesse der Königsberger. Der neae Zolivertrag. Ig5 

Ort die gute Hand hierob zu halten, und den gemelten Dennies bei 
seinem privilegio neben Uns mächtig schützen. 

5) Der Kurfürst bittet 200 Fass Salpeter in Polen kaufen und zoll- 
frei nach Preussen führen zu dürfen. 

6) Burgsdorf soll gemeinsam mit Hoverbeck gegen die nachtheiligen 
Sprüche der letzten Juridika sollicitiren. 

7) Schliesslich ist Unserm Ober Cammerherrn auch die Uns von 
dem Starosten zur Lumse angethane grosse Gewalt und Despect nicht 
unbekannt*), die Uns dann so tief zu Herzen geht, dass Wir ja ohne 
Abbruch und Schmälenmg Unserer Hoheit und Reputation dieselbe un- 
geandet nicht lassen können, allermassen Wir dann nicht umhin ge- 
konnt, denselben bei Ihrer Maj. und der Krön criminaliter zu belangen. 
Es wäre auch zwar einiges Decretum' in der Sache albereits ergangen, 
aber bis dato Uns keine gebührende Satisfaction, weniger die geringste 
restitutio ablatorum erfolget. Hat er demnach Ihr Maj. nostro nomine 
nochmals uflFs fleissigste zu ersuchen, Uns in dieser gerechten Sache 
nicht recht- noch hülflos zu lassen, sondern eine solche nachdrückliche 
Verfügung zu thun, damit Uns dermaleins in allen Unsem petitis eine 
rergntigliche und billige Satisfaction widerfahren und gemelter Staroste 
zur gebührenden wolverdienten Straf gezogen werden möge *). — 



Der Kurfürst an Hoverbeck. Dat. Königsberg 1. Juni 1645. 

Neue Instruction zur Verhandlung mit dem Grafen Dönhof in Marien- I.Juni, 
bürg über die Erneuerung des Zoll Vertrags. Vor allem ist darauf zu drin- 
gen, dass man polnischer Seite nicht auf der Selbstverwaltung des Elbinger 
Zolls besteht, sondern denselben wieder dem Kurfürsten in Pacht gibt; 
„dann denselben könne« Wir wegen dannenhero besorgender grosser Con- 
fusion, ünterschleifs und vieler andern Inconvenientien nicht fahren lassen". 
Hoverbeck soll für alle Zölle, mit Einschluss des Elbingschen, 80, dann 90, 
im äussersten Fall 100,000 fl., wie in dem früheren Vertrag, bieten. In die- 
sem Fall aber würden die früher versprochenen Donativen (Instruct. vom 
8, Mai), «weil Wir uff diese Weise nichts überall gewinnen, sondern nur 



») Vergl. oben p. 123 not. 1. 

') Der Gegenstand der Verhandlung des Königs mit Burgsdorf war, wie es sobeint, 
hauptsftcblich die noch immer wache Furcht vor der schwedischen Heirat; da- 
neben die Angelegenheit des Herzogs von Neubarg; der König erbot sich an 
den anzustellenden Conferenzen durch einen dazu abzuordnenden Gesandten Theil zu 
nehmen Nach seiner Rückkehr schreibt Burgsdorf an den König (dat. Königsberg 
31. Mai 1645), dass der Kurfürst dies sehr gern sehen werde. Burgsdorf bedauert, 
dass er nicht auch in der Zollsache die gewünschte Resolution von dem König 
erbalten habe; da der König diese Sache dem Woywoden von PommereUen aufjg^etri^- 
^en, so soll nächstens Hoverbeck an diesen gesandt: werd(}|i. -^ 



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jgg I. Preoflsen und Pojon. 

Sehaden and Ungelegenheit davon haben, schwerlich so hoch, wie obgemelt, 
erfolgen können, sondern in etwas gemindert werden müssen". ■ — Ausser 
dem soll Hoverbeck bewirken, dass der König auf dem vorjährigen Rest 
vom Johannistermin (36,000 fl. pol.) nicht besteht. 

3. Juli. Am 3. Juli erkläi't der Kurfürst an Hoverbeck, dass er, dem Wun- 

sche des Königs zu entsprechen , auf die Miteinnahme des Elbinger Zolls 
nicht weiter dringen will; ohne denselben soll er nun 60 bis höchstens 
Yö,000 fl. pol. bieten. 

Hoverbeck an Conr. v. Burgsdorf. Dat. Warschau 4. Aug 1645. 

4. Aug. [Lange Verhandlungen über den vorjährigen Rest von 35,000 fl. mit dem 

Vertrauten des Königs, dem Domherrn Fantoni ; Hoverbeck besteht darauf, 
dass der Zoll im verflossenen Jahf wirklich zu wenig eingebracht habe, als 
dass der Kurf. die volle Summe zahlen könne.] Ich hab daruf vor mich 
selbst 10,000 fl. geboten, auch mich endjich erkundigt, ob etwa die strittige 
Summ nicht könnte getheilt werden, also dass S. Ch. D. nur 17,500 fl. geben 
dörfte, hab aber auch ungeacht einer guten Offert von 100 Ducaten es nicht 
weiter zu bringen vermocht, als auf 25,000 fl., und solches noch mit dem 
Beding, dafeme das Geld bald könnte bezahlt werden. Wie es endlich 
nicht weiter zu bringen gewesen, hab ich gleichsam verwarnungsweise an- 
gebracht, S. Kön. Maj. möchtens ja nicht gar zu hoch spannen, weil son- 
sten S. Ch. D. zu dem im Zollvertrag beschriebenen Mittel greifen und es 
auf dero.Parol nehmen würden, dass der Zoll nach Proportion 15,000 ge- 
gen 50,000 getragen '). Es scheint aber, man habe gar zu gute Nachricht 
von allem, darum man dann auch fast lieber auf die Churfürstliche Parol 
gehen, als uff 25^000 fl. bestehen will. Wird also nöthig sein, dafeme 
S. Kön. Maj. sollen beibehalten werden, dass hierauf so schleunig als mög- 
lich Erklärung erfolge. Weil sonsten aller Processsachen halber es ent- 
weder zur Endschaft gerichtet, oder doch dergestalt unterbaut worden (wie 
ich dann wol, ohne üppigen Ruhm zu melden, Ew. Wolw. in gehorsam- 
willigstem Vertrauen sagen mag, dass es auf mich alleine ankam), dass ich 
nicht mehr dabei zu thun weiss, und meine Liebste, welche ich ohne Ver- 
letzung meines Gewissens in dieser Noth nicht verlassen kann, sich überaus 
übel befindet, werd ich mich auf etliche Tag in höchster Eil von hier er- 
heben und zu Hohenstein Sr. Ch. D. gnäd. Befehlichs erwarten, wohin ich 
mich zu wenden habe '). 
7 Aug. Hierauf weist der Kurf. (dat. Königsb. 7. Aug. 1645) Hoverbeck an, 

auf die 25,000 fl., binnen 14 Tagen zahlbar einzugehen; womöglich soll aber 
4ie im vorigen Herbst auf den Johannistermin gezahlte Summe daran ge- 
kürzt werden. 



') Art. V. des Zollvertrags s. oben p. 88. 

') Hoverbeck^s Vermftlung mit Anna Sophia, Tochter des KammergerichtBraths 
Wolf Dietrich v. Rochow am 28. Oct. 1644, 8. hei Küster Histor. Schilderang der 
Residenzstadt Berlin II. p. 37. Hoverbeck hatte die Amtshauptmannschaft von Ho- 
henstein, und zwar nicht erst seit 1660, wie in den Preuss. Provinzialhlftttern 
Jahrg. 1856 p. 366 angegeben ist. 



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Der neue Zollvertrag. FriedensplAne zwischen Polen und Schweden. ' j[g7 

Weiterhin werden zu fernerer Verhandlung über einen neuen Zollvertrag 
von polnischer Seite der Graf Gerhard v. Dönhof (oder als sein Stell- 
vertreter der Yice-Oeconomus von Marieuburg Johann Tessmer) und 
Isaac Spiring zu Commissarien ernannt. Am 16. Oct. 1645 weist deri6. Oct. 
Kurf. den Zolleinnehmer Christoph Melchior an, dem König auf RecV 
nung des künftigen Accords 6000 Eth. vorauszuzahlen. 



Hoverbepk an Conrad von Burgsdorf. o. D. [Warschau]. 

[Die FriedenBverhandlangen zwischen Polen und Schweden. Polnische Vermittelnng 
mit Pfftlz-Neuhurg. Das Thqrner Religionsgespräch.] 

Auf die von E. Wolw. mir mitgegebenen Punete soll derselben inAnf.Aug. 
gehorsamwilligstem Bericht ich unterdienstlich hinterbringen, und zwar 
was das erste anlanget* ob es Sr. Kön. Maj. sonders lieb und ange- 
nehm sein wtirde, dass des Herrn Herzogen zu Curlaudf. 6n. fort- 
itobren mit Beförderung der ewigen Friedens Handlung bei der Krön 
Schweden, hat der Herr Krön Gross Cantzler mich berichtet, dass S. 
Kön. Maj. durch jetzt hochgedachte S. f. Gn. an die Krön Schweden 
gebracht, ob, weil der König in Frankreich verstorben und einen minder- 
jährigen Sohn hinterlassen, England aber mit ihm selbst so viel zu 
thun hat, dass er auf andre nicht gross gedenken kann, wie er dann 
seinem nahen Ohm, dem König in Dänemark (welcher doch so viel 
möglich bei ihm gethan) nicht secondiren könnt, dieselbe sich wegen 
anderer Mediatorum erklären wollten; wie aber die Krön Schweden 
zur Antwort gegeben, ob zwar der König in Frankreich gestorben und 
einen minderjährigen Sohn hinterlassen, so war doch die Königin als 
Regentin da und eben die Käthe noch bei Leben, welche hiebevor das 
Werk dirigirt; so war es ja auch mit England nicht so weit kommen, 
dass derselbe nicht sollte können einen Gesandten instruiren und ab- 
schicken; hierauf hat S. Kön. Maj. an S. f. Gn. zu Curland begehrt, 
dieselbe wollten in praeliminaribus weiter fortfahren, und wegen dero 
Verrichtung Sr. Kön. Maj. berichten. 

Wie eben dieses Punctes bei Sr. Kön. Maj. ich erwähnen that, fielen 
mir dieselbe in die Red und sagten, es würde Ihr vielmehr unangenehm 
sein, wann S. f. Gn. es unterliessen. Hiebei wird sichs nicht übel 
reimen, E. Wolw. zu berichten, dass ich den Punct der Mediation bei 
eben diesen Friedenstractaten mit dem Französischen Vis-Comte de 
Brezy gehandelt und auf vorgehende Vorstellung, dass es der Krön 
Frankreich zu Schimpf und Verkleinerung gereichen würde, wann, da 
sie den Anstand, welcher nur eine Vorbereitung zum ewigen Frieden 
sein soll, habe helfen schliessen, auch wegen desselben Unterhaltung 



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J6g I. Frenssen und Polen. 

auf 10 Jahr cavirt und unter andern die Tractaten des mehrgenannten 
ewigen Vertrags uflF einen gewissen Termin, nämlich ehe zwei Jahr 
würden verfliessen, veranlasset, dieselbe bei dem Hauptwerk sollten 
ausgeschlossen und ihr Venedig und Florenz vorgezogen werden, von 
demselben die Resolution erhalten, dass er dieses Puncts halber also 
gleich an Mr. de Tuillerie, welcher sich jetzo in Schweden befindet, 
zu schreiben und, wann die polnische Abgesandten die Königin ab- 
zuholen würden aufgebrochen sein, mit Sr. Kön. Maj. darüber handeln 
uflF sich genommen. Diesem allem nach und wegen dero eigenen In- 
teresse haben S. Ch. D.« so viel mehr Ursach, dann hiebevor, daB Werk 
zu treiben und durch des Herzogen zu Curland f. Gn. zu befördern. 

Anreichend die Beantwortung E. Wolw. Schreibens wegen Zu- 
sammenschickung der Churf. Räthe mit denen Pfalz-Neuburgischen hab 
ich bei der Königl. Audientz, als auch aus denen mit des Herni Krön 
Gross Cantzlers f. Gn. gepflogenen Discursen so viel abgenommen, dass 
E. Wolw. Information dem damals hier anwesenden Neuburgischen 
Secretario vorgehalten worden und er sich also bald darauf von hinnen 
erhoben und Gegenbericht einzuschicken versprochen, welches gleich- 
wol bishero nicht erfolgt. Ingleichen hätten S. Kön. Maj. Sr. Ch. D. 
durch E. Wolw. Ihr überreichte Erklärung Sr. Dchl. communicirt, und 
so bald dieselbe sich darauf würden resolvirt haben, E. Wolw. zu be- 
antworten beschlossen; Sie hätten sich aber gar nicht versehen ge- 
habt, dass es damit so lang anstehen würde, weil Sie sonsten wöchent- 
liche Post von dannen gehabt; nun Sie aber von mir erfllhren, dass 
solche Zusammenschickung der Räthe über denen aus dem Provisional 
Vertrage herrührenden Misshelligkeiten vo^ des Herrn Plalzgrafen f. 
Dchl. selbst gesucht worden, hätten Sie Sr. Ch. D. Erklärung, ungeacht 
Sie's jederzeit davor gehalten, dass Sr. Dchl. nicht so gross darum, als 
um einen ewigen Vertrag zu thun war, zu Dank aufzunehmen, wollten 
auch sobald Ihr nur wegen der Zeit und Stelle Nachricht zukäme, Ihrem 
zu denen Münsterischen Tractaten verordnetem Bedienten uflftragen, dass 
er diesem Werk mit beiwohne, und inzwischen E. Wolw. beantworten. 

Ueber das Colloquium in Thorn; die dazu bestimmten Personen sind 
jetzt so ziemlich bestimmt • — „die von Sr. Gh. D. verordnete Personen 
sowol geistlich- als weltlichen Stands lassen S. Kön. Maj. Ihr auch gar 
wol gefallen, wie wol Sie den Herrn Doctor Myslenta etwas' hitzig halten*"). 



') Die Absendong des KöDigsbergischen Predigers und Professors D. Cölestin 
Mislenta wurde nachmals noch rückgängig gemacht; die nach Thorn abgeordneten 
Königsberger Theologen waren D. Levin Pouchenius, D. Michael Behm, D. Christian 
P r e i er ; von reformirter Seite D. Johann B e r g i u s und Friedrich R e i ch e 1, Professor in 



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Colloquiniii obanUtiTum. 169 

Sonst haben die CaÜioligche eine gar höflich und »ehr bescheidene 
Confession ihrer Religion abgefasst, damit sie die Unsre an sich zu 
locken verhoflFen und sollen darinnen fast alle Menschensatzungen, über 
welchen sie doch bishero mehr, als fast über Gottes Wort selbst, ge- 
halten, ausgelassen sein. Ich hab meines wenigen Orts dagegen ein- 
gewandt, ob sie dann damit würden zufrieden sein, wann wir dieselbe 
Confession dergestalt acceptirten, dass wir zugleich alle die vor Ketzer 
und verfluchte Leüt erklärten, welche wider oder über dieselbe Con- 
fession etwas annehmen und glauben oder auch andern einfältigen uff- 
dringen würden? Welches ihnen nicht sonders gefallen. — 
Postscriptum. 

Der Krongroßfckanzler hat die Direction des Thomer Religionsge.sprächs 
angenommen und wird am 21. Ang. von hier aufbrechen. 

So hab ich auch aus denen mit Sr. f. Gn. über den Religions- 
puncten gehaltenen Disputationen so viel abgenommen, dass die Catho- 
tischen sich wol in keinem Artikel der Religion mit uns einlassen würden, 
sondern allein so gehn, wie der Capuciner Pater Valerianus Magnus 
geschrieben, ob in Auslegung der h. Schrift bess- und- sicherer sei, 
seinem eigenen Verstände, oder der ganzen Kirchen, wann sie in sich 
selbst einig, zu folgen. Welches dann E. Wolw. denen beider Re- 
ligionen Theologen zur Nachricht können wissen lassen, damit sie sich 
in Zeit dagegen gefasst machen, und die Schriften, so dagegen von 
einem Jenischen Theologo Namens Major und von Doctor Conrad 
Bergius ausgangen, wol übersehen. — 



Andres Adersbaph an Conrad von Bnrgsdorf. Dat. Warschau 

24. Aug. 1645. 

[Das Colloqainm zu ThorD. Nachrichten Yom Hofe. Der venezianische Gesandte. 
Drohende Bewegungen der Tataren und Moscowiter.] 

E. Wolw. 6n. habe ich vor dreien Tagen unterthänig hinterbracht, 24 Aug. 
welcher gestalt der Herr Kronen Gross Canzler wegen des vermeinten 
geänderten procedere, modi und Formalien bei dem itzt vorgehenden 
Colloquio charitativo sich gegen mir ausdrücklich in Gegenwart des 
Herrn Haxbergs erkläret, dass solches im geringsten nicht geschehen sei, 
sondern es bei der mit Sr. Kön. Maj. genommenen Abrede, welche er 
zwar nicht recht wUsste (doch war es, wie ihm wolle, so bezeugte ers 
doch, dass dergleichen verdächtige Veränderung im geringsten nicht 



Frankfurt a. O. ; auch der Helmstttdter Calixtus erschien auf Veranlassung des Kur- 
fflrston Yon Brandenburg. Hering, Neue Beitr&ge II. p. 16 0*. Bartknoch p. 937. 



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{70 ': Preouen nnd Polen. 

Vorgängen wäre, noch intendirt würde, sintemal er flir seine Person 
an Sr. Kön. Maj. Stelle bloss als ein Wirth und Praeses, die Sicher- 
heit, Friede und gutes Vernehmen zu erhalten und jedes Theil zur Be- 
scheidenheit zu leiten, auch hiebei alle Feindschaft, Hass, Missverstand 
oder einzige Widerwärtigkeit bei allen Theilen zu verhttten und al)- 
zuwenden, im geringsten aber sich in dieses coUoquium weder pro 
voto, noch consilio, vel ullo aliquo modo nicht einzumischen, noch die 
Deputirte zu hijidem verordnet wäre, also dass weder S. Ch. D., noch 
auch jemand wegen des Vorzugs oder benommener Hoheit einziges 
praejudicium daraus zu besorgen hätten), noch bis dato verbliebe, und 
befremdete e& ihn sehr, dass S. Gh. D. man in solchen Missverstand 
gebracht und persuadiret hätte, welche er doch cum observantia jeder- 
zeit venerirte. 

Der Herr Kronen Gross Canzler ist am nächst vergangenen Dienstag 
gegen Mittag um 11 Uhr mit seiner ganzen Hoffstatt zu Wasser ge- 
gangen und uff Thorn zugereiset. Der Herr Unter Canzler wird heut 
oder morgen fort, und die beiden Herrn Kronen Marschälke werden 
auch in Kurzem sich von hinnen begeben, also dass der königliche 
Hof ganz leer, und niemand als S. hochftirstl. Dchl. der Königl. junge 
Prinz nebst dem. Königl. Frauenzimmer, welche doch auch alle bald, 
ausser dem Fräulein Egkenbergk, die als Sr. HochfÜrstl. Dchl. Ober- 
hofmeisterin alhie verbleibet und eben von Sr. Kön. Maj. gleich vor 
dero Abreisen einem Reussischen Fürsten gar alten hohen und vor- 
nehmen Herkommens Czartoriski, der ein hurtiger junger Herr, aber 
seinem Stande nach von geringen Mitteln ist, die aber S. Kön. Maj. 
sowol an Digniteten als Einkünften durch vacirende Woyewodschaften 
und Starosteien zu ersetzen gnädigst versprochen, zugesaget und ver- 
mählet worden (welches auch bei Sr. Maj. Wiederkunft aus Littauen 
zu Werk gerichtet und vollentzogen werden soll), nach Danzig eilen 
wollen, allda uff der Königl. Braut Ankunft zu warten und sich zu 
unterthänigsten Diensten recommendiren, alhie verharret und residiret- 

Der Venedische Gesandter und Senator Tiepoli, so viel Geld 
mit sich gebracht, verbleibet noch immerfort alhie und wird uff Sr. Maj. 
Verwilligung Werbungen austheilen. 

Von der Tartaren, so mit grosser Macht und Anzahl bei 150,000 
Mann an den Gränzen sich rüsten, höret man nun weiter nichts, welche, 
nach dem Geschrei, von den Türken vermöge ihrer Pflichten, dadurch 
sie, wann ihnen vom Haupt ein Ducate jedem zugeschicket wird, in 
vollkommener Bereitschaft jederzeit und also bald sich zu stellen ver- 



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Dft8 Colloqaiam. j[71 

pflichtet sind, aufgewiegelt und an die Polniache Gränzen mit empfan- 
gener Bezahlung verbottet sind. 

In Moscowien, darinnen der Czar todt gesaget wird, also dass 
bei Antretung dessen Sohnes der Ftlrst und Graf Woldemar aus Däne- 
mark gute Hofihung zu einer glücklichen VoUentziehung seines lang 
vorgestellten Zwecks und Vorsatzes schöpfen soll, weil selbiger ihm sehr 
zugethan und affectionirt ist, wird stark Volk geworben; zu was Ende, 
weiss man nicht; es wird aber besorget, dass, weil die Polnischen 
Landstände uff nächst zerschlagenem Reichstage die Moscowitische Gränz 
Cotnmission verunbilliget und ganz und gar retractirt, es deswegen 
angesehen , und darauf gezielet sei, sich durch das Schwert zu ver- 
gleichen; was nun daraus erfolgen wird, steht zu erwarten, Gott wende 
Alles zum besten. — 



Peter Bergmann an Conrad von Burgsdorf. Dat. Danzig 

25. Aug. 1645. 

[Das CoUoqaium zu Tbom. Die curländische Heirat. Vicomte de Bregy.] 

Von Thom haben wir Nachricht, dass die Lutherischen 25. Aug. 

Prediger, so aus dieser Stadt dahin abgefertiget sein, ihrer Gewohnheit 
nach sehr gegenst die Reformirteft wüthen und toben, an StfeUe, dass 
sie sich mit denen wider den gemeinen Feind conjun^ren sollten; 
wollen auch haben, dass die andere Lutheraner von Thorn und Elbing 
dergleichen thun und auf den Canzeln und sonsten die Reformirten 
condamniren sollen etc., welches sie aber durchaus nicht thun wollen 
und derwegen von diesen vor Calvinisch ausgerufen werden. Sie, die 
Danziger, haben mit Schmerzen auf ihre Königsbergische und Cur- 
ländische Brttder gewartet, und höre ich, dass dieselbe schon hin- 
gezogen sein; ob das autoritate Sr. Ch. D. geschehen, und was die- 
selbe endlich vor Resolution wegen Ihrer Schickung gefasset habe, ver- 
langet mich sehr zu erfahren. Nicht weniger auch was de loco des 
fürstlichen Beilagers geschlossen sei ^). 

Dabei ich dieses nicht verhalten sollen, dass der französische Am- 
bassadeur, der Visconte de Bregy, mir hier zu verstehen gegeben, dass 
er herzlich gerne unbekannter Weise hinüber naher Königsberg kommen 
und Sr. Ch. D. privatim unterthänigst ufwarten wollte, und zwar am 
liebsten bei dem Beilager, wann dasselbe zu Königsberg geschehen 



') Am 10. Oct 1645 erfolgte in Königsberg die Vermftlung der älteren Schwester 
des Kurfürsten, Louise Charlotte mit dem Herzog Jacob von Curland. Ueber 
diese Fürstin yergl. auch unten bei den auf Markgraf Ernst besfigHohen Acten. 



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}72 '' P^UMOzi luid Polen. 

sollte. Solches habe ich ihm nicht dörfen schwer machen, um Offension 
zu vermeiden, und weil er sagte, dass er allerlei Sr. Oh. D. nützliche 
Sachen gerne mit Ihr abreden und was Sie ihm an seine hohe Prin- 
cipalen befehlen möchte, annehmen und verrichten wollte, v. g. in 
materia der Friedenstractaten im Reiche und des Succession Werks 
des Herrn Markgrafen in Preussen. Ich werde ihm, dem Gesandten, 
aber nicht mehrder Anlass geben oder zu der Reise poussiren, ehe 
und dann ich von Sr. Ch. D. oder E. Wolw. Ordre davon erlange; ich 

sorge aber, er werde selber damit eilen. 

Die polnischen reformirte Herren zu Thorn schreiben anhero und 
bitten sehr um reformirte Prediger hinzuschicken, dann sie Mangel derer 
dort hätten; derwegen- wäre sehr gut, dass D. Bergius nur balde hin 
commandiret würde, nicht als vom Herzoge in Preussen, sondern als 
vom Churflirsten zu Brandenburg, wann gleich sonst niemand geschickt 
würde. — 

Georg Calixtus ') an d. Kurfürsten. Dat. Thorn 21/31. Oct. 1 643. 

31.0ct. Die Verhandlungen in Thorn erweisen sich als ganz unfruchtbar und 

aussichtslos; er bittet, sich wieder in seine Heimat begeben zu dürfen; in- 
dess bietet er dem Kurfürsten seine Dienste für künftig an, „insonderheit 
I wann deroselben belieben würde, vermittelst Einrath und Zuthuen meiner 
gnäd. Fürsten und Herren, der Herzogen zu Braunschweig und Lüneburg 
und anderer friedliebender benachbarter Potentaten der höchstschädlichen 
Trennung, welche um unserer Sünde willen in die Evangelische Kirchen 
eingerissen und beharrlich continuiret, durch erspriessliche Mittel vermittelst 
göttlicher barmherziger Verleihung in etwas oder gänzlich abzuhelfen''. 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 19. Dec. 1645. 

[Zwischentrftgereien zwischen Warsrhan und Paris wegen der Pfalz-Neuburgischen 

Angelegenheiten.] 

19. Dec. E. Ch. D. soll ich unterth. nicht unvermeldet lassen, welcher Ge- 

stalt albereit vor ein Tag zehn der Herr Krön Gross Canzler wegen 
des Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg in zweien Puncten mit mir ex- 
postuliret: 1) wäre Sr. Kön. Maj., und zwar von den Ministris in Frank- 
reich selbst, hinterbracht worden, dass, wann deroselben Respect nicht 
zurückgehalten, E. Ch. D. auf dero Anhalten, den Pfalzgrafen zu ruiniren, 
die Hand war geboten worden. 2) Dass Sie die einmal bei seiner des 
Herrn Gross-Canzlers Ambassade acceptirte Mediation nicht allein durch 
Verschleppung eludirten, sondern auch durch Schreiben an den Rom, 



') Vergl. oben p. 168 not. 1. 



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Das Colloquium. Pfala-Neuburgische Wirren. -173 

Kaiser so traduiren, als wann der Herr Pfalzgraf dadurch wider die 
Verfassung des Reichs verbrochen, dass er ohne S: Kais. Maj. die 
Handlung auf S. Kön. Maj. hätte ziehen wollen. Es könnte beides 
Kön. Maj. nicht als schmerzlich vorkommen, weil Sie sehen, dass Fremde 
Ihr mehr Respect, dann dero Lehnfllrst zutragen, und dass dero treu- 
gemeint« Vorschläge so übel gedeutet und dero so nahen Anverwandten 
zu Gefahren gebraucht werden wollen. 

Ich beantwortete dasselbe Mal S. f. Gn. dahin: Was auf des Herrn 
Pfalzgrafen Berichte zu geben sei, hätten S. f. Gn. nicht allein, sondern 
die ganze Respublica sieder dem nächst vergangenen Reichstage er- 
fahren, da derselbe gleichsam in publico Theatro Orbis, wie vor sich, 
also auch durch die Prinzessin von E. Ch. D. solche Ding ausgebracht, 
die deroselben nie in Siun kommen; und haben die aus seinem eigenen 
Lande gethane Berichte so weit gefehlet, wie soll man dann denen von 
weit abgelegenen Orten als Paris und Wien trauen können? Es war 
desselben alte Practiq, dass er wider E. Ch. D. sucht Acheronta zu 
moviren und sonst in alle mögliche Wege E. Ch. D. zu gefahren und 
dennoch stets queruliren thut. Sollte einiger der französischen ge- 
heimen Räthe dergleichen ausgebracht haben, so hätt er ja nur seine 
und seines Hofs Schande geredt, und könnt ich, wie wol E. Ch. D. 
mich zu denen Reichssachen nicht ziehen wollten, versichern, dass es 
zu milde berichtet worden. An den Römischen Kaiser aber war mir 
wol wissend, dass E. Ch. D. zu schreiben und berichten Willens ge- 
wesen,' wie unbillig S. f. Dchl. bei der letzten Zusammenschickung der 
Räthe mit E, Ch. D. verfahren, da Sie dann auch mir allerdings hätten 
anbefohlen, dergleichen Concept auch an S. Kön. Maj. zu verfertigen, 
so ich eben unter Händen hätte. Wie sollten aber E. Ch. D. an den 
Römischen Kaiser haben schreiben können, ob handelte der Herr Pfalz- 
graf wider die Reichssatzungen, indem er auf Sr. Kön. Maj. Mediation 
mit Ihr zu handeln sich erbiete, da Sie doch wol mit Vorbewusst des 
Kaisers ehe Zeit in vielen wichtigen Puncten auf die Könige Frank- 
reich und England compromittirt? Daferne es Sr. f. Gn. vorkäme, dass 
ich etwas zu frei hierunter rede, wollen Sie sich nur dessen erinnern, 
was der Pfalz Neuburgische Canzler als Abgesandter vor Versicherung 
gethan wegen abgetretener albereit vor viel Jahren der halben Graf- 
schaft Ravensberg, darüber man doch auch bei der letzten Zusammen- 
schickung ... bei des Herrn Pfalzgrafen Räthen nichts erhalten. 

Der Grosscanzier beruft sich eine Abschrift des Schreibens an den 
Kaiser, welche er Hoverbeck nächstens mittheilen will. 



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1 74 '* Preussen und Polen. 

Ho verbeck an Coiir, v. Burgsdorf. Dat. Warschau 30. Dec. 1 645. 

[Schwierigkeit Yon Polen eine Unterstützung in Betreff der schwedischen Satisfactions- 
fi;age zu erhalten. Polnische Nebengedanken wegen Pommerns.] 

30. Dec. r— Was E. Wolw. wegen nöthig befiindener Vorstellungen in puncto 

der von den Schweden begehrten Satisfaction im Reich im Namen Sr. Ch. 
D. mir auftragen, erkenn ich mich unterthänigst schuldig zu expediren. 
Wie gern ich aber mich darinnen fordern wollt, (dann ich leicht er- 
messen kann, dass periculum in mora sei), ist es doch nicht möglich, 
bei jetziger Beschaffenheit ichtwas vorzunehmen, sintemal sowol die 
Krankheit, als der Königin Säumung, wie dann auch, dass man des 
Ehegelds halber Versicherung fordern thut, S. Kön. Maj. so ganz unge- 
duldig gemacht, dass Sie auch den Spiring, welcher Geld mitbracht, 
nunmehr in die acht Tage ungehört liegen lassen. So ist auch der 
Herr Gross Cantzler vom Stein so hart geplagt, dass er niemand vor 
sich kommen lässt; und wann auch gleich dieses nicht war, mtisst' ich 
dannoch wegen der angedeuteten Behutsamkeit sonders gelegener Zeit 
abwarten. Ueber das hab ich schon vor längst die Stände der Krön 
also gesinnt befunden, dass sie entweder gar nicht, oder aber gar zu 
viel zu helfen geneigt. S. Kön. Maj. aber möchten wol nicht ungeme 
sehen, dass sich dero Feinde an solchem Ort nistein, da Sie denselben 
leichter als in Schweden hofft beizukommen und alles abgenommene 
Ihr selbst iure belli zu vindiciren. Ich will aber, um dieselbe hievon 
abzubringen (weil doch alles nur als von mir herkommen soll) meine 
Vermuthungen Ihr suchen beizubringen, dass der Köm. Kaiser das Ober 
Lehnrecht an dem Herzogthum ihm selbst und dem Reich vorbehalten 
und sie, die Schweden, dadurch versichern werde, dass, wie wol sie 
der Wolgelegenheit der Lande sich zu ihrem Vortheil gebrauchen wür- 
den, dieselbe dannoch darinnen nicht werden können gefährt werden. 

Das best und sicherste. Mittel meines wenigen Erachtens war ge- 
wesen, wann man sich in Zeiten in solche Postur gesetzt hätte, dadurch 
so wol bei wol- als ttbelaffectionirten alle consilia, Suchen und Wider- 
sprechen hätten considerable gemacht werden können. 

Aus Italien wird Sr. Kön. Maj. geschrieben, der Grossherzog von 
Florenz habe den Abten de la Riviöre mit 150,000 Kronen an den 
Herzogen von Orleans abgefertigt, um durch dieselben Mittel den Car- 
dinal Mazzarini aus dem Sattel zu heben; welches den französischen 
Statum sehr alteriren dürfte. — 



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Polen und Pommern. 175 

Instruction für Hoverbeck zur Verhandlung mit Graf Dönhof 

und Isaac Spiring. Dat. Königsberg 20. März 1646. 

(Conc. von Hoverbeck.) 

[Letzte Bedingungen in der Seezollfrage. Verwahrung gegen etwa aus der Separation 
der Elbinger Zölle entstehende Untersebl'eife.] 

1) In Bezug auf die Taxe muss es durchaus bei den bisherigen ße- 1646. 
Stimmungen bleiben. 20. März. 

2 — 4) Es ist mit der Elbinger Seezulage aufs höchste 100,000, ohne 
dieselbe ^0,000 fl. pol. zu bieten; doch hat für den Fall, dass der König 
dabei bleibt, den Elbinger Zoll an sich zu nehmen, der Gesandte zu be- 
dingen, „dass in Elbing der Zoll nicht geringer, als nach der Grodnischen 
Tax genommen werde, wqü sonsten im widrigen Fall S. Ch. D. zu Verhü- 
tung, damit die Handlung von Ihren Porten nicht anderwärts hingezogen 
werde, »ich hiemit verwahren, dass, woferne einige durch die Pillau oder 
von hier ans übers HaafF nach Elbing gebrachte Waaren (um Sr. Ch. D. 
neaen Seezoll zu defrandiren) ferner zur See wärts aus oder in Sr. Ch. D. 
Gebiet eingeführet werden w^ollten, S. Ch. D. von denen selben in dero Ge- 
bieten nicht weniger nehmen wollen, als sonsten von denen durch die Pillau 
ein- oder ausgehenden genommen wird, und sollen sie hievon durch keinerlei 
Attestata oder Zollquittungen sich befreien mögen**. 



Der Kurfürst an die geheimen ßäthe in Berlin. 
Dat. Königsberg 2. April 1646. 

[Bevorstehende Abreise des Kurfürsten aus Preussen. Polnische Zurauthungen. 
Besorgnisse vor der Kriegslust des Königs.] 

Ihr werdet aus Unserm letzten Rescript ersehen haben, dass Wir 2. Apr. 
Unsere angesetzte Rückreise noch acht Tage länger diflferiren und bis 
auf den 11. dieses verschieben müssen*). Ob Wir nun wol gehoflfet 
und gänzlich gesinnet gewesen, alsdann von hinnen aufzubrechen, so 
ist doch dieses inmittelst darzwischen gekommen, dass die Kön. Maj. 
zu Polen und Schweden dero Obristen, den von Lessgewang, diese 
Tage anhero zu Uns geschickt und Uns andeuten lassen, welcher Ge- 
stalt Sie gewisse Nachrichtung hätten, dass die Krön Schweden sehr 
armiren und Vorhabens sein sollte, in Polen und dieses Unser Herzog- 
thum einzufallen und einen festen Fuss (wiewol Wir Unsers Theils 



•) Alle Schreiben der geheimen Käthe in dieser Zeit drftngen den Kurfürsten, seine 
Hereinkunft in das Reich und in die Nfthe der westph&lischen Tractaten möglichst 
zu beschleunigen. Ueber die Motive der Zögerung, ausser den preussisch-polnischen 
Angelegenheiten, vergl. unten bei den Acten des Reichsdeputationstages von Frankfurt 
ad Januar 1645. Die Abreise erfolgte erst am 14. Mai 1646. 



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\^ß I- PreuBBen and Polen. 

Uns dergleichen Ruptur nicht wol einbilden können) darinnen zu setzen; 
dannenhero Sie Uns verw^arnen lassen, Wir wollten auf Unsere Sachen 
gute Achtung geben und dahin sehen, dass vor Unserm Aufbruch von 
• hinnen nicht allein der Strand fleissig battiret, und die Festungen wol 
besetzet, sondern auch ein ansehnliches Stück Geldes alhier im Lande 
aufgebracht würde und parat wäre, damit man im Fall der Noth ob- 
gesatztem Uebel zu begegnen und zu wehren darzu greifen könnte. 

Wir haben auch danebst verstanden, dass man im Werke begriffen, 
eine solennelle Ambassade (darunter *der Herr Grosscanzier Ossolinski 
wol selbst sein möchte) deshalber in kurzem anhero zu spediren. Als 
Wir nun gedachten Obristen, den von Lebsgewang, gefraget, ob er nicht 
ein Königl. Creditif an Uns hätte, hat er darauf Nein geantwortet und 
gesaget, S. Kön. Maj. hätte ihm nur solches mündlich angedeutet und 
befohlen, es Uns mündlich vorzubringen. Dieweil Wir dann ohne Con- 
vocirung und Einwilligung Unserer hiesigen Stände hiebei nichts zu 
thun vermögen, so haben Wir an ihn, den Obristen, gesinnet, er wollte 
ihm lassen gefallen, es bei Ihrer Kön. Maj. dahin helfen zu vermitteln, 
damit Wir mit vorerwähnter Ambassade verschonet und Ihrer Kön. Maj. 
Begehren nur durch ein blosses Schreiben, so Wir Unsem Land-Ständen 
vorzuweisen, an Uns gebracht werden möchte; was nun hierauf er- 
folgen wird, stehet zu erwarten. 

Wir müssen Uns fast besorgen, wann Wir unverrichteter Sache aus 
dem Lande ziehen und zuvor keine Anstalt in einem und dem andern 
machen würden, desshalber dann Unsere Ober- und Land-Räthe in- 
ständig bei Uns^ in Unterth. anhalten (angesehen |:der General in 
Polen Konospolski neulich gestorben, der König in Polen, als der 
ohne das gross Begierde zum Krieg hat, auch bei dieser Vacanz mehr 
als sonst anfangen werde, das Generalat nicht so leicht und bald 
einem andern conferiren werde), es möchte der König in Polen in 
Unser Absenz alhier absolute regieren und das Volk, welches Sie 
etwa geworben, von hiesigem Unserm Lande bezahlen lassen wol- 
len:]. Dannenhero Wir, wiewol es wider Unsem Willen geschieht 
(inmassen Wir auch wegen Unsers Leibes Constitution gerne andere 
Luft schöpfen wollten). Unsere vorgehabte Reise werden ändern und 
derselbigen so lange, bis obgesatzte Sache abgethan, einen Anstand 
geben müssen. — 



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Militnrische Gelüste des Königs. Die Cassirung der Seezulage. 177 

Kurfürstliches Patent über die Aufhebung der Seezulage, 

Dat. Königsberg 12. April 1646'). 

(Königsb. Arch.) 

[Die Seezulage in Pillan und Meniel soll von diesem Jahr an nicht mehr erhoben 

werden.] 

Von Gottes Gnaden, Wir Friderich Wilhelm Markgraf zu Branden- 12. Apr. 
bürg etc. Thun kund jedermänniglieh, insonderheit aber dem seefahren- 
den Manne und allen denen, so hieran gelegen und solches zu wissen 
vonnöthen, wasmassen alsobalden als die erhöhete Seezulage aus da- 
mals unumgänglicher Nothwendigkeit ailgestellet werden müssen, das- 
selbe sowol bei auswärtigen, die sich der Commercien Unserer See- 
porte Pillau und Mümniel gebrauchen, als auch bei inwärtigen, nämlich 
den Littauschen und dieses Unsers Herzogthums Preussen Ständen fllr 
ein sonderes und hohes Gravamen auf oflFentlichen Landtagen ange- 
zogen und noch bis anhero geftlhret worden. Damit Wir Uns nun 
dessen einmal entledigen und gegen Unsere sämmtliche liebe getreue 
Stände dieses Unsers Herzogthums Preussen den gnädigsten Landes- 
fürsten und Herren erzeigeten und Unsere landesväterliche AflFection 
ihnen so viel mehr zu verspüren geben : so haben Wir solchem beschwer- 
und vielfältigen lamentiren die billige Statt finden und die erhöhete 
Seezulage mit dieses Jahres Seefarth Anfang schmnden und fallen 
lassen. Massen Wir solches mit diesem Patent bezeugen und zu aller 
Seefahrenden Nachricht hiemit publiciren lassen. Geschehen Königs- 
berg den zwölften Aprilis Ao 1G46. — 



Der Kurfürst an Kön. Vladislav IV- Dat. Regiom. 12. Apr. 1646. 

(Königsb. Arch.) 

[Anzeige von der Cassirung der neuen Seezulage.] 

Sacram Vam Ram Mtem pracmissa filialis observantiae contestatione 12. Apr. 
hisce ut interpellaremus, id in causa fuit, quod, postquam uuper dele- 
gatis a Sa Va Rtt Mte in puncto cassandi aucti thelonei Elbingae tres 
conditiones proponi feceramus, illi autem nuUam illarum acceptassent, 
Interim vero ^tempestas navigationibus commoda advenisset, navesque 



') Dieses Cassation spatent ist das entscheidende Actenstück in den Verhandlun- 
gen über die Frage der SeczöUe (s. Einleit. p. 34). Zu bemerken ist, dass, obwol 
der Vertrag vom 5. Dec. 1641 mit Ende des Jahres 1644 abgelaufen und nicht er- 
neuert worden war, für das Jahr 1645 dennoch der königliche Antheil von 100,000 fl. 
pol. noch besahlt worden ist, wie darüber eine Abrechnung des Seezollkassenver- 
Walters Christoph Melchior vom Sept. 1646 vorliegt. 

Maier. rur Gesch. d. Gr. KurA.irsten. I. 12 



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178 '■ Prfcussen und Polen. 

noimullae alio fortasse, si auctum theoloneum ab ipsis exigeretur, vcla 
versurae huc appulissent, querelae autem et gravamina provincialium 
et civici imprimis ordinis tantuni abest ut cessarcnt, ut in dies magi» 
magisque aiigereutur totalemque ruinam et finalem interituni sibi ex hoe 

theloneo impendcre quiritarentur, aliter agere non potuerinius 

quam ut theloneum in antiquum statum et ad eum modum, quo ante 
auctionem fuit, redigerenms idque liabita ratione Nostrae promissionis 
desuper ordinibus buius Ducatus antebac factae, tum et quod eo no- 
mine, tanquam a summo gravaminc, quod onuies Ordines, quam ma- 
xime autem ci^itates Nostras Itegiomontanas premeret, S» V« R» M^is 
non semel requisita et raolestata esset. Idqüe S^f^ V^^^* IW M»» ea qua 
par est observantia notificandum duximus, sperantes omnes et singulos 
buius Ducatus ordines, qui, quod pridem instantissimis iisque assiduis 
precibus a Nobis contenderunt , rmnc abunde et ex voto obtinuerunt, 
eo nomine ulterius se gravare non velle, lupriinis autem Öam Vam 
Ram Mtem promptitudiuem Nostram, qua provincialium ut et vicinorum 
in hisce provinciis mercaturam freciuentantium commodis, quantum in 
Nobis est, consultum cupimus, in boc negotio perspecturam neque per- 
missuram, ut a quoquam sincerae buic Nostrae intentioni sequior finis 
quam in quem a Nobis unice collimatum est, sublevamen nempe gra- 
vaminis tot precibus et lamentis apud Nos soUicitatum, affingatur, de 
quo tamen pluribus apud S^m V«'" II» •> Mf^«» aget, qui auspicatissimis 
Vae Rne Mtis uuptüs Nosti'o nomine congratulaturus propediem aderit *). 



König VladislavI'V. and. Oberxäthe'). Dat.Vars IG.Apr. 164G. 

(Königsb. Arch.) 

[Alle Schiffe von und nach Klbing soUcn in Pillau fortan wieder nur den alren 
einfachen Secizoll bezahlen.] 

16. Apr. Creberrimis moti civitatis Nostrae Elbingensis supplicationibus ean- 

dem, tanquam immediate Imperio Nostro subjectam, ab exactione Pilla- 
viensi praeteritis annis introducta eximendam et ad seorsivas rationes 
Nostras referendara esse duximus, prouti etiam speciali diplomate de- 
super emanato exemimus exactionemque illam proventibus Nostris Re- 
giis iam applicavimus. Quod ad debitam Serm« Electoris Brand, in 
Prussia Ducis notitiam deducentes, Öync. et Fid. Vestris quoque inti- 



^) Johann ▼. Kospoth. 

^) In dem CoUegium der Obcrräthe (s. ob. p. ^^S) sass , seit der Canzler Fabian 
y. Ostau am 22. Jan. 1645 gestorben war, an seiner Stelle Christoph v. Troschke, 
der spÄlcr 16r)4 zum Oberburggrafen aufrückte. 



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Befreiung Elbings vob dem erhöhten Zoll. 179 

mandum esse duximus, serio iisdeni mandantes, ut, cum praesens anni 
tempus viam navigantibus patefecerit, sedulo procurent, quo naves, 
quaecumiue vel Eibinga, vcl Elbingam portum Pilla^viensem transierint, 
ab exactione quavis excepto triuni nummonim de quolibet floreno hae- 
tenus depeusorum portorio, liberae et immunes dimittantur, neque quic- 
quam ultra tarn a niercatoribus, quam a nautis exigi aut uUam aliquam 
molestiam ipsis eo nomine inferri permittant Pro gratia Nostra et 
officioruni suorum dcbito 8ync. et Fidel. Vestnte secus non faoturae. 
Quas de reliquo bene valere cupimus. — 



Andres Adersbach an d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 19. Apr. 1646. 

[Die Juridiea. Krankheit des Königs. Politische Neuigkeiten aus Italien. 
Die Acta Colloquii.] 

E. Ch. D. habe gehorsamst hinterbringen wollen, dass die preussi- 19. Apr. 
sehe Juridica zwar abgewartet werde, aber keine Parte noch zur Zeit 
sich eingestellet, also dass die interessirte Herrn Hof Officirer solches 
gar übel vermerken und was sonderliches draus deuten wollen, wan- 
nenhero ich bei ihnen in Verdacht komme, als ob ich ihnen fllrjetzo 
herzukommen dissuadirt hätte ;^ und wollte Gott, meine Landsleute es 
verstehen möchten, dass so sehr nicht nach ihren Sachen, als Opfern 
verlanget würde. 

ö. Maj. sind abermal nach des D. KuöffeFs Abreisen, welcher den 
\). d. nach Elbing fortgangen, in die vorige Krankheit, aber gar schwer, 
eingefallen, also auch, dass Sie drei Nächte flir den grossen Schmer- 
zen, so Sie zu aller Ungeduld und widerwärtigen Anschlägen getrie- 
ben, nicht schlafen können; aber diese- Tage hat es sich wiederum 
mit deroselben gebessert und wollen dieselbe künftige Woche, die Luft 
in etwas zu ändern, nach Ujazdowa, folgends auch, wann Sie nur ein 
wenig zu sich selbst kommen, uff den May nach Plozko über Wasser 
gehen und allda eine Weile uff der Jagd sich ergötzen. 

Die Königl. Krönung ist uff den 20. Juli und der Ilffbruch dazu 
nach Krackau uff den 20. Juni angesetzet; der Reichstag aber soll uff 
den Februarium künftigen Jahres ausgeschrieben werden. 

Aus Italien vernimmt man grosse Missverstände, so zwischen dem 
Babst und selbigen LandesfUrsten und Ständen, welche siclji gesammt 
ausser Mailand wider den Babst in eine feste und zwar offensivam und 
defensivam Ligarii mit der Krön Frankreich, so die Barberinos unter 
ihre Protection genommen, eingelassen und geschlossen, je mehr und 
nichr vorgehen; dazu sich der Grossherzog von Florenz, wider den es 

12* 



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1 80 ' '• Preussen und Polen. . 

anfangs auch angesehen gewesen, auch erklären will, welcher den 
Französischen Gesandten Abten von S. Nicolö prächtig und freundlich 
empfangen, auch mit ihm gar besondere und geheimste Tractaten ge- 
schlossen, also dass er drauf einen seiner Räthe nach Frankreich ab- 
gefertiget, seine Dependenz, Hulde und Dienste dem Könige anzubie- 
ten. In Frankreich hat der König, sobald er der Barberiner Ankunft 
uif die Grenzen vernommen, einen seiner Holjunker hingefertiget, sie 
in seinem Namen zu empfangen, und uff seine Unkosten bis nach Paris 
bringen zu lassen; wie auch ingleichen die Königin eine von ihren 
Cammerjungfrauen abgeordnet, des D. Taddaeo ältester Tochter mit 
gleichen Solenniteten zu begegnen. 

Der Kaiser ist sehr alterirt über des Cardinais d'Este Abtrllnnig- 
keit, welcher nebst dem Cardinal Famese, so beide zuvor Oesterrei- 
chischer Faction gewesen, das Si)anische Wappen von ihren Pallast 
abreissen und das Französische daran schlagen lassen, dahero sie der 
erste die Protection von Frankreich und der ander von Portugal und 
Catalonien erhalten; angemerkt ihn von dem Hause Oesterreich, in- 
sonderheit vom Kaiser, allerlei Gut- undWolthaten zugewandt worden. 
Und sollen zu selbiger Faction auch der Cardinal Ursino und der Her- 
zog von Bracciano durch sonderliche grosse Promessen sein beredet 
worden. — 

Gestern ist des Pfalzgrafen von Neuburg f. 6n. Marschalk 
als Gesandter ankommen, was er aber bringen oder suchen werde, ist 
noch unbekannt*). 

Die Moscowitische Gesandten, mit denen noch gestern ge- 
heime Session gehalten worden, sind noch nicht abgefertiget. 

Die Acta Colloquii Thorunensis sind nunmehr im Druck 
fertig, werden aber bei hoher Strafe, bis sie von allen Theilen der 
dreier Religionen richtig tibersehen und collationiret und also mit Be- 
willigung derer Confessionen, ausgegeben zu werden, approbiret sind, 
an jemand zu verlassen oder verthun verboten; wannenhero alle drei 
Praesides, als der Bischof von Sameyten, der Herr Castellan von Chelm 
und der Herr Staroste von Stumm, welcher schon alhie ist, von Sr. Maj. 
hergefordert sind, solche zu conferiren und zu übersehen, damit sie 
authentice auskommen mögen. — 



') Ffalzneubiirg hat übrigens einen stets anwesenden Residenten ara polnischen 
Hof, Namens Leerson (Adersbach au Burgsdorf id. dat.\ 



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Die Cassirung der Seezolage. lg| 

Der Kurfürst an Hoverbeck. Dat. Königsberg 25. April 1646. 

[Die Caseirung der Seezulage. Verhandlung mit Elbing über das Portorium 
trinummale in Pillau.] 

Wir verhoifen , Ihr werdet nunmehr des Orts wol angelanget sein 25. Apr. 
und Eure Sachen dahin richten wollen, dass Ihr desto ehe zurückkom- 
men und Euch bei Uns in Unterthänigkeit einstellen möget. Zwar 
können Wir wol errathen, dass S. Kön. Maj. es ungleich vermerken 
werden, dass Wir den erhöhten Zoll abgeschafilt und es auf den alten 
allein hinwiederum gebracht imd gesetzt haben. Dieweil aber die von 
Uns vorgeschlagene und durch Euch angebrachte drei conditiones die 
Königl. Commissarii nicht haben acceptiren, wie Euch bewusst, sondern 
Sr. Kön. Maj. fernere Erklärung darüber einholen wollen, dieselbige aber 
ehe und zuvor Sie etwas weiter hierunter an Uns bringen lassen, mit 
AbschaflFung des Elbingischen Zolls fortgefahren, wie aus beigefügten 
abcopirten beiden Königlichen Schreiben, so vorgestern vor dato alhie 
eingereicht worden^), mit mehrem zu vernehmen, so sehen Wir nicht, 
welchergestalt Uns man hierunter werde verdenken können. 

Wir haben den von der Stadt Eibingen anhero abgefertigten Se- 
cretarium fragen lassen, mit was ftir Grund man beweisen könne oder 
wolle, dass von Alters her von einem fl. nicht mehr als drei Pfennige 
sollten gefordert und eingenommen worden sein, darauf man Uns wenig 
mit Bestände hat Rede und Antwort geben können. Dieweil auch 
S. Kön. Maj. in obgedachten dero Schreiben erwähnet, dass sonsten 
nichts mehr als 3 pf. sollten exigiret werden, so lassen Wir Uns be- 
dünken, dass sich die Elbinger auch von dem Baken-, Tonnen- und 
andern Geldern und was dem mehr, wie Euch bekaimt, anhängig, wer- 
den eximiren und befreien wollen, welches ihnen aber, angesehen es 
wider alle Billigkeit ist, wol nicht angehen wird. Werdet demnach 
Sr. Kön. Maj. die Nothdurft hierunter der Gebühr nach remonstriren. 



Andres Adersbach an d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 7. Mai 1646. 

[Uüstungen dos Königs. Gerüchte von einer UebeiTumpelung PiUaus. Ernst Qoorg 
V. Sparr und seine russische Bestallung. Fabian v. Dohna in Paris. | 

— Sonsten, gnädigster Churflirst und Herr, habe E. Ch. D. bei 7. Mai. 
Abwesenheit Ihrer Mte«, so uif der Jagd sich erst recht erlustigen, wenig 
schriftwürdiges gehorsamst zu hinterbringen, ausser dass S. Maj. eine 
Arm6e von 30,000 Mann uflfzurichten entschlossen sein, auch schon an 



') Das eine derselben wol das an die Oberrfttbe pag. 178. 



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-{32 ^' Preussen and Polen. 

unterschiedene, als insonderheit den Herrn Obristcn Johan Dönhoff 
Hauptmann Über die Königl. Trabanten uff so viel als er begehret oder 

kann uffbringen und den gewesenen Capitainen Herrn Pia it- 

ner, den S. Maj. zum Obristen Lieutenant bestätiget patenta 

ausgetheilet; zu welcher der Herr Obriste Lieutenant Kor ff heut auch 
eilet, vielleicht auch dergleichen Condition anzunehmen, also dass es 
auf einen ernsten Widerstand gegen die Schwellen angesehen ist, von 
welchen alhie das Geschrei so stark ergehet, dass sie zwar mit den 
ersten SchiflFen tapfer repoussirt sind, nachmalen aber wie sie mit einer 
grösseren Macht kommen, des Ports und der Festung PillaM sich be- 
mächtiget haben, also dass, weil ich keine Nachricht von E. Ch. D. 
Bothmeister davon erhalten, ich gnug zu widersprechen habe. 

Mit Herrn General Feldzeugmeister Sparr*), welcher E. Ch. D. 
sich unterthänig i'ecommandiret, und mit deroselben gerne vor dero 
Aufbruch von nothwendigsten und importantmen Affairen, so deroselben 
und dercu Lande Nutz, Avancement und Wolfarth beträfen, conferiren 
wollte, habe ich gestern geredet, und so viel von ihm erlernet, dass 
er mit den Moscowitischen Gesandten, so schon fortgereiset, und ihm 
uf Petri Pauli Tag das Geld nebst den Patenten zuzufei-tigeu und zu 
liefern versprochen, schon capituliret und geschlossen, nämlich de^:ge- 
stalt, dass er gar keine Soldaten werben und mitbringen dürfe, sob- 
dem bloss und allein commendirende Oflficirer und Obristen zu den 
80,0(X) Mann, so bloss uff seine Gegenwaii; und Commando warteten, 
darüber er also das Capo und General sein sollte, verschaffen möchte, 
dazu er denn seinen Sohn den Obristen Öparr, Obristen Krachten und 
andere vornehme Cavallier verschrieben. 

Der französische Gesandte Vicomte de ßregy lässt melden, dass Herr 
V. Dohna glücklich in Paris angelangt, feierlich empfangen worden ist und 
wahrscheinlich gutes Contentement in Betreft' seiner Sendung erhalten wird. 



Ho verbeck an den Kurfürsten. Dat. Marienburg 1 1. Mai 1G46. 

[Conferenz mit Graf Dönhof. Empfindlichkeit der Polen über die Cassirung der See- 
zulage, besonder» gegen Hoverbeck. Vorstellungen Dönhofs über die politische Lag« 
des Kurfürsten und die Vortheile der Freundschaft mit Polen. Die Cassirung der 
Seezulage nur eine Formalität, um die Participation des Königs zu beseitigen. Mau 
beabsichtigt polnischer Seits eine Untersuchmigscommission; Aussicht auf weitere Chi- 
canen. Gegenvorstellungen Hovcrbcck's.J 

11. Mai. E. Ch. D. gnädigstem durch des Herrn Ober Cammerherrn Wolw. 

d. d. Pillau am 4'en dieses an mich Uberschicktem Befehl zu unterth. 

" Ernst Georg v. Sparr; über ihn s v. Mörntr Märkische Kriegsoborsten 
p. 110 fr., wo auch sein moscowitisches Engagemeut, welches sich nicht realisirtc, 



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Die Casflirung der Seezulago. 183 

Folge hab ich mich vor der Warschauschen Reise anhero erhoben; es 
hat sieh aber mit meiuer Negoeiation so tibel getilgt, dass, wie ich zu 
einem Thor herein*), der Herr Woywode zum andern hinausgezogen 
und sich nacher Schoneich*) um daselbst die Juridik, welche nunmehr 
über ein Jahr augestanden, zu lialten. So bald aber dannoch Sr. Exe. 
meine Ankunft durch dero Leute notificirt worden, schickten Sie einen 
Wagen zurück und Hessen mich ersuchen, weil Ihre Reiss keinesweges 
könnte verschoben werden, weil als heute mehr dann 4()0 vom Adel 
Ihrer abwarten würden, ich möchtes mir nicht zuwider sein lassen, der- 
selben also gleich zu folgen, wie Sie dann so fahren wollten, dass ich 
Sie genugsam würde einholen können und heraach unterwegens und 
an der Fehr bei Dirschau meine Werbung ablegen. 

)Vie ich mich hierinnen Sr. Exe. Willen bequemt und an Sie kam, 
empfingen Sie mich fast sehr kaltsinuig imd begehrten zu wissen, ob 
von E. Ch. D. ich einige Commission an Sie hätt. Darauf berichtet 
ich, dass von E. Ch. D. mir nichts sonderlich uffgetragen, sondern ich 
nur selbst die Reiss mir veranlasset hätte; dann wie meine Pferd und 
Gesinde schon zu Ciechanoff und ich im Aufbruch von Hause, um nach 
Hofe zu reisen, begriffen gewesen, wäre mir vom Herrn Secretario 
Aderspach Nachricht zukommen, dass S. Kön. Maj., wie auch der Hen* 
Gross Cantzler sich von Warschau erhoben und allererst gegen die 
Pfingstfeiertage hinwieder zurückkommen würden; er auch, der Herr 
Woywode, vor seinem Aufbruch sonderliche Begierd mich zu sprechen 
bezeugt und dabei absonderlich angedeutet, dass Sie dessen auch von 
Sr. Kön. Maj. Befehl hätten, und wären E. Ch. D. durch diesen meinen 
unterthänigsten Bericht bewogen worden, mir gnädigst uffzutragen, ich 
sollte die Reiss nacher Warschau auf eine Zeit lang einstellen und in- 
zwischen Sr. Exe. uffwarten, um Sr. Kön. Maj. Befehl von derselben 
zu vernehmen und von allem schriftlichen Bericht unterthänigst ein- 
zuschicken. 

Es war nicht ohn (antwortet der Herr Woywode), dass er meiner 
eine Zeit lang abgewartet und von Sr. Kön. Maj. Ordre gehabt mit 
mir zu communiciren ; weil aber Alles uff die Handlung wegen Con- 
tiuuation der Seezulage gerichtet gewesen, und er allererst in Marien- 
burg von Elbing aus die Nachricht erlangt, welcher Gestalt unvermuth- 
und unverwarnter Weise der Zoll wäre cassirt worden, hätt er wegen 
Sr. Kön. Maj. mit mir nichts mehr zu reden. 

') In Marienburg. 

'; Schön eck in Pommcrelien , Sits tles Schlossgerichtea des pommerclliäcben 
Woiwoden. 



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J84 '• PreusBen nnd Polen. 

Solchergestalt (replicirt ich) hab ich eine verlorne Reiss gethan 
und hätte den Weg wol sparen können. 

Ich möchte mirs nicht leid sein lassen (sagten S. Exe); dann ich 
würde noch wol zeitig gnug zu Widerwärtigkeiten kommen; dann 
S. Kön. Maj. wäre uffs höchste gegen mich offendirt und ich würde 
wol sehr unangenehm sein. Dann S. Kön. Maj. imputirten mir, dass 
ich das Werk so lang nifgehalten und an allem dem, was bei der 
Cassation Ihr zum Verdruss und Beschimpfung vorgangen, ein Ursachef 
war, und mich vielleicht dessen hätte zu rächen gesucht, dass Sie mich 
bei meiner letzten Anwesenheit der Audienz halber und sonsten was 
hart und ungewöhnlich tractirt. 

Ich replicirte drauff, dass die ganze Zeit über ohne schriftliche 
Ordre ich nichts vorgenommen und gleich wie, da E. Ch. D. auf dero 
Ober- und Geheimen Räthe Einrathen auf die Abolition geschlossen, 
zu widersprechen mir nicht gebühren wollen, also hätt ich vorher auch 
keine Ursach gehabt, das Werk zu hintertreiben; am allerwenigsten 
aber wäre mir jemals einige Räch in den Sinn kommen; ich hielte 
dieselbe gegen meines gleichen unchristlich und gegen die Gesalbten 
Gottes unbesonnen, wäre auch in dem Stück gar calvinisch, dass ich 
glaubte, Gott habe der hohen Potentaten Herzen dergestalt in seiner 
Hand, dass er sie oft dahin lenke, wo sie nicht hingedenken; meiner 
votorum und Bedenken rationes war ich keinem andern als Gott und 
E. Ch. D. zu geben schuldig; hätte S. Kön. Maj. einige Ungnade uff 
mich geworfen, so sollt es mir leid sein, dass E. Ch. D. Verrichtungen 
dadurch, dass ich odios gemacht worden, sollten stutzig werden ; son- 
dern ich wollte vielmehr selbst vorschlagen und anhalten, E. Ch. Ö. 
Hessen Ihr gnädigst gefallen, zu dero eigenem Besten einen andern an 
meine Stell zu verordnen. 

Diesem nach protestirte der Herr Wopvode in fast weitläuftige':j 
Discurs, weil in diesen Landen nächst Gott die Religion keinen bessern 
Schutz hätt, als eben bei E. Ch. D., hätte er jederzeit ohn einig In- 
teresse nicht weniger, als je einer von dero beeidigten Dienern, auf 
Ihren Nutz und Bestes gesehen und vielfältig nachgedacht, wodurch 
sich E. Ch. D. auch ratione der Pommrischen Lande könnten conside- 
rabel machen, sich auch nicht halten können, dass ers ungefragt hie- 
bevor durch den von Wallenrodt und neulich durch den Herrn Berg- 
mann nicht hätt hinterbringen lassen sollen. Praesupposito, dass auf die 
Schwedische Heirath nicht mehr zu gedenken sei, könnten E. Ch. D. 
Ihr Werk nicht besser fassen als durch drei Mittel; 1) durch die Heirath. 
mit des Prinzen yon Orangien Tochter (deren Vortheile ohn Offens 



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Die Gassirung der Seezulage. 185 

einiger von den streitenden Partheien er mit sonderbarem Affect de- 
ducirte) 2) durch eine Alliance mit Frankreich und 3) durch gute und 
genaue Correspondenz mit Sr. Kön. Maj. zu Polen. Bei solcher Ver- 
fassung wtirden die Schweden E. Ch. D. wol unangefochten lassen 
müssen. Dagegen aber könnt er nicht begreifen, wie es doch kommen 
mOeht, dass, da alle, auch die mächtig- und glücklichste Potentaten der 
Christenheit, als Frankreich, Spanien und viel andre mehr Sr. Kön. 
Maj. Freundschaft und Aflfection zu gewinnen suchten; dann wie man 
mit Frankreich stünde, war ja bekannt, und würde es immer besser 
werden, weil man nichts damit zu theilen hätt, und wer weiss, ob sich 
nicht bald Gelegenheit ereignen würde, dadurch man auch mit denen 
Staaten der vereinigten Niederlande näher zusammen kommen würde: 
bei solcher Beschaffenheit wäre E. Ch. D. allein derjenige, welcher 
des Königs Freundschaft und Affection geringschätzig achtete; da Sie 
doch nicht wüssten, wie Sie mit dem Kaiser stünden, und da Ihre Sach 
mit den Schweden so gar in bösen terminis sich befinde; und da alle 
ötaatÄcrfahme E. Ch. D. zu rathen hätten, dass Sie alle Mittel und 
Wege, den König zu gewilinen und beizubehalten, ergreifen und nicht 
allein die Freundschaft nicht ausschlagen, sondern auch wol dieselbe 
zu erkaufen Ihr angelegen lassen. Zwar müsst er wol gestehen, dass 
er hiebevor gegen mich erwähnt, würden E. Ch. D. sich nicht näher 
zum Ziel lenken, so würdei^ S. Kön. Maj. gewisse Universal wegen 
Abschaffung aller erböheten Zölle publiciren lassen; hingegen aber 
hätte ich auch angedeutet, dass uff solchen Fall E. Ch. D. in Ihrem 
Gebiet die Ihrige zu aflfigiren zu lassen auch wol gewiss nicht würden 
säumig erfunden werden. Dieses aber war in modo procedendi Ver- 
stössen, dass E. Ch. D. nicht vorher an den König geschrieben, da- 
ferne S. Kön. Maj. sich nicht in etwas mehr würden accommodiren, 
wollten Sie den Zoll ganz abschaffen. Nun möchtens aber auch noch 
wol S. Kön. Maj. leiden, wann E. Ch. D. schrieben, Sie hätten den 
n^uen Zoll abgeschafft, weil es Ihr also gefallen und in Ihren Mächten 
gestanden, nicht aber dass es von Ihr, als einem gehorsamen Sohn, 
dem Könige zu gefallen geschehen ; dann solches hätte der König nicht 
anders als vor eine Verhöhnung aufnehmen können und wäre wol ein 
Elle hoch von der Erden aufgesprungen; hätt er damals das Podagra 
nicht mehr gehabt, so würd ers wol dadurch bekommen, hätt ers aber 
gehabt, so würde er wol gewiss durch eine so heftige Alteration ge- 
sund w^erden. Auf die Königl. Schreiben könnte man sich nicht be- 
rufen, weil dieselbe den Elbingschen Zoll nicht cassiren, sondern dessen 
f)innahme Sr. Maj. allein vorbehalten. 



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-{g(l I. PreuBsen und Polen. 

Und dasselb eben (replicirt ich) wäre den Tractaten zuwider, weil 
unter andern bei denselHen dieses nicht das geringste gewesen, , ob der 
Elbingsche Zoll sollte separirt werden. 

Man habe, ^agte der Herr Woywodc, das ganze Werk durch die 
publicirte AbschaflFung über einen Haufen zu werfen vermeint, aber 
dessen ungeachtet wäre man doch versichert, dass es sowol in Elbing, 
als auch in Curland bleiben werde, und berichten die Elbinger, dass 
die Praxis den Patenten zuwider sei und eben der alte Zoll genommen 
werde; die Patente auch wären nicht eben zu dem Ende publiciret, 
dass dadurch ihnen oder den Littauen Lindrung sollte geschafft, son- 
dern nur allein der König ausgeschlossen werden *). Dieses thäte dem 
König sehr wehe, und würde er wol deswegen nicht eben einen Krieg 
anfangen, dann dazu würde kein ehrlicher Patriot rathen; es würden 
sich aber Mittel genug finden, durch Gericht undßecht beizukommen; 
wie wol, wann die Kespublica in die Waffen kommen sollt, er nicht 
wüsste, ob E. Ch. D. die Offens des Königs nicht würde allerhand 
Nachdenken machen müssen; nun vernehme er aber, dass occasione 
der Tataren und Moskowiter armirt werde; so sei auch schon der 
Spiring nach Hofe und würde uffs wenigste, der König es dahin suchen 
zu richten: nicht mir, nicht dir. 

Allhier gab ich so viel mehr Anlass zu reden, um heraus zu locken, 
was etwa die Anschläge sein möchten, wie es dann auch heraus kam ; 
er besorgte sehr' (wiewol crs suchte abzuwenden , rathe auch treulich, 
E. Ch. D. wollten das Ihrige auch dabei thun), man werde eine Com- 
mission schicken, welche diesen Zoll untersuchen und sich bei den 
Ständen erkundigen, ob sie auch einige Beschwer hätten, welche sie 
gerne abgeschafft wissen wollten. 

Dass sowol vermöge den alten Pactis, als letzten Crackau'schen 
Responsi*) dergleichen Commissionen E. Ch. D. nicht wäre schuldig 
anzunehmen, bewies ich, weil mir die Zeit sehr kurz fiel, mit gar 
wenigem. Darauf dann so viel mehr heraus kam, man würde E. Ch. 
D. Erklärung, dass Sie alles in alten Stand gerichtet wissen wollen, 
vor bekannt annehmen und die Einnehmer fassen, darum sie solches 
überschreiten. Damit dann auch diese Materie beschlossen wurde, da- 



'} Vergl. Einleitung p. 34 not. 79. 

') „Commissarii non nisi ad necessnriani facti alicuius, quuci ad cognitioncm 
Regiam pcrtineat, inquisitionem exercendani in Ducatam mittentur, et quidein sumptn 
impetrantis. lUoram vero inquisitione peraeta causa ipsa principalis ad forum se- 
cundum pacta conipctens rcmitti dcbcbit.** Kesp. Cmcov. von IG33 bei Baczko V. 
p. 272. S. ob. p. 4b. not. 1. 



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Drohung mit einer Commission. • 187 

bei er dannoch die Verwarnung gab, dafeme E. Cb. D. aus dem Lande 
ziehen und nicht etwa jemand Ihrer Vertrautesten mächtigen würden, 
mit dem Könige von Reconciliatious Mitteln zu handeln, würde den 
Herrn Regiments Käthen so viel zu schaffen gemacht werden, dass sie 
nicht würden wissen, wo aus oder ein; und würden E. Ch. D. wol 
erfahren müssen, dass ihrer viel jetzo an sich halten, welche alsdann 
wol losbrechen und sich widerwärtig genug erzeigen werden. Ich sollte 
80 sehr nicht eilen, dann ich käme Zeit gnug, wann ich nur den Mitt- 
woch oder Donnerstag nach den Feiertagen da war, weil ich doch 
vorher nicht leicht etwas werde hoffen können; indessen aber würde 
E. Ch. D. mir wol vergönnen, dass ich in meinem Anbringen dieses 
auslassen sollt, dass E. Ch. D. den Zoll dem Könige zu gefallen ab- 
geschafft und dass alles auf seine ßesponsa und Erinnerungen ge- 
schehen; dann wo ein Ding in der Welt, so würde gewiss dieses den 
König hoch offendiren. 

Hiedurch bekam ich nun Gelegenheit , nicht nur meiner jetzigen 
Instruction Inhalt, sondern auch dasselbe anzubringen und berichten, 
was zwischen mir und denen Königl. Öubdelegirten in Elbing vor- 
gangen, vermittelst einer Gegenprotestation , dass, wiewol mir nicht 
eben wissend, dass Ör. Exe. Bedenken E. Ch. D. wäre hinterbracht 
worden, ich dannoch wol versichert war, E. Ch. D. hätte ISr. Kön. Maj. 
C^nad und Affection nie geringschätzig geachtet, sondern nächst Gott 
Ihrer Lande Wolfarth darauf gleichsam gegründet und alle Mittel und 
Wege, Sie beizubehalten, gesucht; ich wüsst aber nicht, wie eben zu 
beiden Theileu das Unglück so gewollt, dass eine geraume Zeit hero 
nur eitel widerwärtige Ding in ßesponsis, Rescriptis, Judiciis und auch 
Rechnungs Commissionen von Ör. Kön. Maj. Hofe kommen, zu ge- 
schweigen, dass des Herzogen zu Neuburg ziendich parteiisches patro- 
cinium auch nicht sehr gut Blut gesetzt. Aber dessen allen ungeachtet 
hätten E. Ch. D. dannoch mich mit solchen Vorschlägen abgefertigt, 
(allhier erzählt ich dieselbe nach einander und könnt aus allen Um- 
ständen wol merken, dass sie nicht wären ausführlich hinterbracht 
worden), dass öie's vor eine Unmöglichkeit geachtet, dass Ö. Kön. 
Maj. alle eben sollte ausschlagen können. Da aber über alles Ver- 
hoffen keiner angenommen werden wollen, und der Herr Spiring 
wegen der Tax noch viel gegrübelt, da nun hingegen die Königsberger 
occasione der Königl. rescriptorum und Respousen auf Abschaffung 
ihrer gravaminum und in specie des Zolls gedrungen; aus der Pillau 
auch Nachricht einkomnien, es wären schon Königl. Patent wegen Ab- 
schafliing des Zolls vorhanden; hätten E. Ch. D. Ihr gar nicht ein- 



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jgg T. Preassen und Polen. 

gebildet, dass jemand die Abschaffung dahin eben würde deuten köiuien, 
wohin sie der Herr Woywode gleichsam auf eine Beschimpfung des 
Königs ziehen wollt. Dann es wäre ja der Contract albereit zu Ende 
gewesen, und habe es in deroselben Gefallen gestanden, denselben 
zu prorogiren oder nicht; ja es würden E. Ch. D. von denen Eibinge rn 
Königl. Schreiben eingegeben, dadurch S. Kön. Maj. den Elbingschen 
neuen Zoll selbst ganz cassiren. 

Dass E. Ch. D., antwortete der Herr Woyewode ziemlich erhitzt, 
Macht hätten, den Zoll abzuschaffen, daran würde gar nicht gezweifelt; 
es flehte auch niemand dieses Ihr Recht [an]; das ofi'endire aber den 
König, dass es eben noch in stehenden Tractaten gescheiten. 

Obigem allem nach, gnädigster Churfliret und Herr, weiss ich 
nicht, was ich fast vornehmen soll; dann eines Theils hab ich gemes- 
senen Befehl, meine Reiss fortzustellen, andern Theils aber sehe ich 
wol ab, dass mein Anbringen und insonderheit das von Ölschnitz Pro- 
position fast einen contrarium effectum wirken dürfte, weil der König 
dasselbe am übelsten nehmen will, damit wir ihn zufrieden zu sprechen 
vermeinten. Es dürft mich aber wol vielleicht, ehe 'ich noch auf War- 
schau komm, oder doch vor der Proposition E. Oh. D. anderweitiger 
gnädigster Befehl einholen. — 

König Vladislav IV. an d. KuifUrsten. Dat. Vars. 14. Mai 1646. 

(Königsb. Arch.) 

[Der König fordert den Kurfürsten auf, seine Neuerungen im ZoUwesen einzusteUen; 
widrigen FaUs wird mit einer Unicrsuchungscommission gedroht.] 

H.Mai. [Antwort auf ein Schreiben des Kurfürsten, dat. Regiora. 30. April.]') 

Illud vero intelligere non potuinms, quid de theloneo in cum statum, 

quo ante bellum fuerat, reducendo deque negotiatione sublevanda Sert»s 

Va innuere vohierit, cum nihil quicquam taliuni rerum inter Nos huc 

usque agitatum, multo minus aliquid de iis notificatum Nobis esse scia- 

mus, imo vero non possemus non valde mirari, si, quod recenti ad Nos 

fama perlatum est et ex literis Bertis V»« nonnihil coUigere licet, ex- 

actionem de mutuo consensu institutam Öer'as Va irrequisitis Nobis stan- 

tibusque adhuc tractatibus sola auctoritate öua suflferre et cassare prae- 

sumpsisset. Quibus quidem inconvenientiis mature obviare volentcs 

Sertcm Vam patcrnc monendam benigneque requirendam esse duximus, 

ut ab omni tam Regiomontanae quam Memelensis exactionis mutatione 

supersedeat, nihil quicquam sine consensu Nostro contra contractum 



') Fehlt. 



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Die Cassirung der SeezuUge. 189 

inter Nos initum usque ad exitum ulterioris tractationis suscipiat, multo 
minus irrequisitis Nobis circa exactionem praedictam aliquid aut ipsa 
innovet aut ab aliis innovari permittat; haud difficulter coniectura, si, 
quod filialis Eius observantia ipsiusqUe negotii ratio Nos sperare non 
sinit, Sertas Va contrariae opinioni firmiter inhaerere constituisset, Nos 
gravitate rei adductos aliter facere non posse, quam ut commissarios 
Nostros (quod iam conclusimus) quam primum Regiomontum ad Sertem 
Vara niittamus,, specifica instructione iisdem commissuri, quatenus in 
cassationem eiusmodi sedulo inquirant, modum et rationes eius repo- 
scant, omnisve prorsus vel particula quaedam exactionum Pillaviensium 
sublata sit, percontentur, in iura simul, pacta et recessus, quonim prae- 
textu Sertas Va Eiusque Illmi antecessores per tantum temporis spacium 
irrequisitis Nöbis Sermiaqae praedecessoribus Nostris Regibus varia et 
multiplicia exactionum genera instituerint, auxerint et inde usque con- 
tinuaverint, introspiciant, omnia ea quae contra antiqua Pacta et Jura 
terrarum Nostrarum introducta sint, cassandi abolendi et publicandi 
pienariam pot«statem habeant, querelis insuper cuiuscunque Status per- 
sonarum patulam aurem praebeant, de iis cognoscant ac pro rei exi- 
gentia et legalitate sua postmodum ad Nos referant. Quae omnia ad 
Sertis Vae notitiam mature deduceutes ab Eadem animi sui sententiam 
per latorem harum absque omni mora expediendum primo tempore 
praestolamur. — 

König Vladislav IV. an die Oberräthe. Dat. Vars. 1 5. Mai 1646. 

(Königsb. Arch.) 

(Scharfer Tadel über ihre Betbeiligung an den letzten Vorgängen.] 
[In dem nämlichen Sinne wie das Schreiben an den Kurfürsten.] Non 15. Mai. 
possumus autem non indigne ferre, Sync. et Fid. Va» non solum as- " 
sensum suum in re tanti momenti tarn praecipitanter praebuisse, sed 
et nihil quicquam Nobis ante notificasse, quam mutationem eam iam 
factam primum rumore sparsum, postea Sync. et Fid. Vanim literis con- 
firmatum esset. Quapropter Easdem serio requirimus, ut sese voluntati 
Nostrae in literis ad Ser»n«m Pnncipem expressae accommodent neque 
quicquam insciis Nobis circa exactionis praedictae negotium stantibus 
adhuc tractatibus mutari et innovari permittant, declarationemque Suam 
desuper Nobis per latorem harum quantocyus faciant'). 

'y Dat. Königsberg '2'2. Mai schicken die Oberräthe diese beiden Schreiben an 
den Kurförsten , der am 14. Mai nach der Mark anfgebrochen ist. 



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J90 * '• f^ronsBcn und Polen.' 

Aiulrcs Adersbacli an d. Kui-fJirst.m Dat. Warscli. 2 I.Mai 1640. 

[Der König betreibt die Küstung- zum Tüikciikricg trotz der Stände. Untufriedeulieit 

über das picussische IIochiceitHgesehcnk. Dincurst: am polnischen Hofe fibcr die rasche 

Abreise deg Kurftir^ten aus P'reussen.] 

21 Mai. — Sonstcn was E. Cb. D. ich unterthänigst wegen der Werbuüg 

der ;i(>,(X)0 Mann nicht allein ge\viss, sondern dass es auch ein gross 
Nachdenken alhie causirt geschrieben, wird nunmehr zum starken Effect 
gerichtet, we wol ihrer \iel dawider 'sind und sich uf den consensuni 
Reipublicae berufen, die aber Ö. Maj. gar schimpf- und unglimpflich 
verwiesen. Und gehen gar gefährliche consilia vor, welche der Herr 
Gross Canzler, so solche Impresa wider die Türken nicht allein mit 
FUrwenduug, dass selbige, nachdem sie vermöge gemachten Friedens- 
schluss die Tartarn von den Einfiillen und invasionibus nicht gehemmet 
und abgehalten, auch sonsten gnugsam zum Friedensbruch Ursach und 
Anlass gegeben, billiget, sondeni auch mit schönen und gut scheinen- 
den rationibus behauptet, und der Venedische Gesandter Tiepoli, der 
mit aller Macht suchet, die Türken von ihren Grenzen zu divertireu 
und uff diese Krön zu wälzen, auch alle Geldesniittel dazu, so lang 
solcher Krieg währt, zu verschaffen sich anerbeut, bloss treiben sollen, 
dawider aber die andern Stände sich mächtig setzen und durchaus 
solche Werbungen vor geschlossenem Reichstag nicht gutheissen noch ge- 
statten wollen ; masseu der Bischof von Ermeland, daselbst der Muster- 
platz und die Versanmilung gehalten werden soll, ausdrücklich seineu 
Unterthanen verbieten und andeuten lassen, dass sie durchaus weder 
selbige einquartieren, noch verproviautiren und versehen sollten. Auch 
sind andere Herren und Senatoren mehr, wie auch die anwesende re- 
sidentes öenatores, als Woiewoda Masowiecky, die beiden Herrn Castel- 
lanen von Gniesen und Wielun, auch insonderheit der Herr Castellau 
von Crackau Sobiesky und der Herr Woyewode von Posen Ossalinsky, 
welche alle Sr. Maj. davon abzurathen sich bemüheii, aber vergel)lich, 
weil selbige mit dem Herrn Gross (^anzler und dem Vencdiachen Ge- 
sandten das Werk schon beschlossen haben; und werden alle Patenta 
unter dem (.^ammersiegel ausgegeben, daraus man aucli des Herrn 
Grosscanzlers praxin erlcniet, damit er nicht für den autorem und conscium 
derselben Imprese gehalten und künftig derentwegen von der Republica 
uff dem Reichstage angeklaget werden nuige, weigert er das Reichs 
Siegel. 

Es lassen sich sonsten die Littauschen Stände expresse verlauten, 
dass, wo S. Maj. keinen Reichstag alsol)ald aus8chreil>en wollten lassen, 
sie selber anhero kommen und, sollte es auch in der«) Abwesenheit 



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Rüstungen d. Königs. D. preuss. Hoclizeitsgeschenlc. Die Abreise d. Karfürsten. j Q^ 

geschehen, unter sich schliessen und beschliessen wollten, wannenhero 
wegen eine« und des andern grosse Alteration besorget wird. Und 
werden S. Maj. sich alhie nicht lang ufhalten, sondern fort nach Krakau 
uff die Krönung und von dannen fort uff die Grenzen in das Läger 
eilen, um alles in Ordnung zu stellen. Man sagt vor gewiss, dass ein 
ttlrkischer Goniec kommen, auch schon unterwegens sei, die Pacta und 
den Frieden uffs neue bestlltigen zu lassen: was selbiger nun verrichten 
und erhalten wird, steht aller Verlangen mit Bestürzung drauf zu warten. 
[Anfrage, ob er dem Hofe folgen soll und Bitte, ihn in diesem Fall mit „satt- 
samer Xothdurft'' zu versehen]. — • 

Ehegestem, gnädigster Churfllrst und Herr, redete mich der Herr 
Secretarius Major Regui und Ihrer Maj. Canzler Gerabicky an und be- 
deutete mich, wie Ihre Kön. Mten mächtig alteriret wären, dass die 
Stände mit denen 100,000 fl., so das Land Preussen zum Präsent uf 
dero Königl. Beilager zusammengetragen, unnöthige und halbwerthe 
Kleinodien von öchmeissen, der viel drauf gewandt und an einen und 
andere spendiret haben sollte, damit fllr solche Gelde von ihm Kleinodien, 
80 die Hälfte nur werth wären, erkauft würden, genommen und denen- 
selben offeriren wollen', wannenhero Ihre Mt^n durch ihn ausdiilcklich 
^egen mich erklären und deuten lassen, dass sie durchaus solche 
Kleinodien nicht annehmen, sondern die specificirte Gelder in specie 
und baar haben wollten, und möchten sie mit selbigen nur nicht kommen, 
damit sie nicht geschimpft würden, sondern obgedachte Summa richtig 
anhero bringen und übergeben. 

Der Pfalzgräfische Neuburgische Abgesandte Herr Wischpfennig 
solUcitirt noch alhie die Sachen zwischen E. Ch. D. und seinen Herrn 
wegen der Jülichschen Länder beizulegen. 

Es werden auch alhie von E. Ch. D. und dero gesaramten Hofes 
Uffbruch unterschiedene Discurs an diesem Hofe gepflogen, dass die- 
selbige alles Ihrige weggeflehet und ihr beste stattlichste Sachen zu 
Wasser und Land nach der Mark bringen lassen, auch nicht ohne Ursach 
dero hochgeehrte und hochgeliebte Frau Mutter und Schwester Ihre Chur- 
und fürstl. Dchten mit sich genommen hätten, dass Sie also mein Vater- 
land übergeben und sich dero Regierung nicht mehr annehmen wollten, 
weil S. Maj. an dieselbe ausdrücklich, in währendem Unwesen und 
besorgender Gefahr alhie im Lande zu verbleiben, ersuchet und E. Ch. 
D. dennoch ungeachtet dess^ davon gezogen wäre. Welche falsche 
Ufflage ich belache und mit harten Widerlegungen von mir werfe, mit 
diesen Ursachen, dass dieselbe genöliget worden, nach Deutschland zu 
eilen, weil man zu Münster, ungeachtet dero Herrn Abgesandten prae- 



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192 ^' Prenssen und Polen. 

tension und Interesse an dem Herzogthum Pommern zum Priedenscliluss 
eilen und Sie Ihres Rechtens berauben wolle. Weil es aber alhie so 
gar gemein und gebräuchlich, dass man sowol vom König als E. Ch. D. 
und also von einem und andern durch einander gemischt schwatzet, 
habe ich solch Geplauder auch fjtst nicht mehr achten müssen; denn 
es ihre licentiosa nimium iibertas mitbringet und verursachet. 

Der Französische HeiT Abgesandter hat eben, wie E. Ch. D. weg- 
gereiset, mich gefraget, ob dieselbe noch uicht weg war, denn er 
nötig nach Königsberg reisen und mit deroselben wegen nothwendiger 
Geschäfte, so dieselbe merklich angingen, zu conferiren hätte, erwartet 
demnach mit Verlangen uff dero Antwort uff sein voriges Schreiben. — 
6, Juni. Der Kurfürst an die Oberräthe, dat. Cüstrin 27. Mai 1646. Aders- 

bach soll mit dem König nach Krakau und an die Gränze sich begeben; 
die Oberräthe sollen ihm die nöthigen Zehrungsgelder überschicken. — 



Der Kurftirst an die Oberräthe. Dat. Gross-Zabirien 27. Mai 

St. 11. 1646. 
(Königsb. Arch.) 

[Gegen eine etwaige polninche Untersuchuugscommission ist Protest einzulegen. Worauf 

die Differenz mit Elbing beruht. Ausführliche Darlegung der Nichiberechtigung des 

Königs SU einer jetzt abzuschickenden Comniission.] 

27. Mai. Die Oberräthe hätten den Brief des Königs [oben dat. 14. Mai], den sie 

unerbrochen überschickt, gleich erbrechen und den Entwurf einer Beantwor- 
tung mitschicken sollen. Während der Abwesenheit des Kurfürsten sollen sie 
nun inzwischen in ihrem Namen an den König schreiben und ihn mit Anfüh- 
rung der einschlagenden Motive auf mildere Gedanken zu bringen suchen. 

Sollte aber über all Unser Vemmthen bei währender Unserer so 
höchstnötigen Abwesenheit und Unser ungehört dannochda mit [mit der 
abzuschickenden Commission] verfahren oder Wir sonsten contra pacta 
et conventiones de facto beschweret werden w^ollen, so habt Ihr nach 
Anleitung der Euch hinterlassenen Instruction und Unsers gemessenen 
Befehls in Unserm Namen dawider solennissime zu protestiren. Uns 
dabei Unsere jura allenthalben salva et intacta bestermassen zu reser- 
viren, auch Ör. Maj., dass solch Verfahren denselbigen schnurgleich 
zuwider laufen würde, uft beweglichste zu repräsentiren. 

Was zuvörderst die Streitigkeit mit Elbing betrifft wegen des ^triuum- 
malis portorii'*, so ist dies einfach eine ,,particular Justizien Sache '^y welche 
ihren zustehenden Rechtsweg nehmen wird. Uebrigens weisen* die Zoll- 
Registraturen aus, wird auch von dem Elbinger Rath selbst zugestanden, 
^dass die Stadt Eibingen vor 10, 20, ja 30 Jahren, und also lange vor dem 
Schwedischen Krieg albereit vier Pfennige von hundert und zwar nach altem 



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Die Commission. 193 

Werth, entrichtet und gegeben". Das Recht des Kurfürsten ist also un- 
zweifelhaft, und überdies würde eine Veränderung hierin direct gegen den 
letzten schwedisch-polnischen Waffenstillstand sein, kraft dessen in dem Zoll- 
wesen Alles so belassen werden soll, wie es vor dem Kriege war. 

Und solche Bewandniss hat es auch mit denen andern von Sr. Köu. 
Maj. zu Behauptung Ihrer angedrohten Commission allegirten rationi- 
bus. Dann obgleich die neue Seezulage mutuo Regis et Nostro 'con- 
sensu bewilliget, so ist doch solches anderer Gestalt nicht, dann cum 
certis reservatis et conditionibus , insonderheit ad certum tempus ge- 
schehen, und weil diese Zeit vor Jahresfrist albereit exspiriret, so ist 
auch dadurch dieses ad certum tempus resti-ingirtes Augmentum an sich 
selbst erloschen. Und hätte es also einer besondem Abschaffung nicht 
bedorft, cum limitata causa limitatum etiam producat effectum et ad 
tempus concessa tempore elapso censeantur prohibita. Hat also in Un- 
serm freiwilligen arbitrio gestanden, dieses Augmentum femer zu con- 
tinuiren oder nicht; und haben demnach Ihre Maj. über dessen Abschaf- 
fung sich so hoch zu beschweren gar nicht Ursach, zumal da Wir, wie 
Euch genugsam bewusst, zu dieser Resolution theils durch Unserer ge- 
treuen preussischeri Stände unaufhörliches lamentiren, theils durch der 
Stände im Grossftlrstenthum Littauen fast bei allen und jeden Reichs- 
tagen wider diese Seezulage geführte Beschwer, theils durch der Kön. 
Maj. selbst eigene wegen Remedirung aller gravaminum, darunter ja 
gewisslich der neue Zoll das grosseste gewesen und am heftigsten ur- 
giret worden, an Uns ergangene vielfältige und ernste monitoria, theils 
auch durch der Spiringe ganz unbillige und in lauterer Impossibilitet 
bestehende postulata und hierunter zu merklicher Schwäch- und Ver- 
ringerung Unsers Zoll-Regals geflihrte machinationes, theils auch durch 
die von Sr. Maj. selbst stantibus adhuc tractatibus comminirte, auch 
bereits gedruckte diplomata cassatoria*) und darauf femer beschehene 
wirkliche Separation und Cassimng des Elbingischen Zolls, gleichsam 
wider Unsem Willen necessitiret worden. Dass nun bei sothanem der 
Sachen Zustande Wir diesen neuen Zoll auch Regia Majestate amplius 
non requisita abzuschaffen, oder vielmehr fallen zu lassen, omni iure 
wol bemächtiget gewesen, das bedarf keines weitem Ausftlhrens, ist 
auch, wie Euch bewusst, in pleno also resolvirt und von Euch selbst 
gutgefiinden worden. 

Dass aber Ihre Kön. Maj. befugt zu sein vermeinen, per com- 
missarios in modum et rationes der beschehenen Cassation, wie auch 



Abflchrift eines solchen polniscben Cassationsdecrets , welches aber nicht zur 
Aasfertigung kam, findet sich schon bei den Acten des Jahrs 1645. 
Mater, lur Gesch. d. Gr. Kurfürsten. 1. 13 



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194 '- Prenssen und Polen. 

in die iura Unsers Zoll Regals inquiriren zu lassen, ja dass Sie den 
Pillöwischen und iure utilis dominii Niemanden als allein Uns zustehen- 
den Port so schlechterdings Ihren und der Krone Port nennen, Uns 
auch alle potestatem, darin ichtwas zu disponiren, gleichsam abschneiden 
wollen, solches kömmt Uns nicht unbillig fast fremd und unvermuth- 
lich für; bevorab, da ör. Maj., ja der ganzen Krön und sonsten jeder- 
männiglichen die Uns dieses Zolls wegen competirende stattliche iura, 
und dass Wir denselben vigore pactorum et pacis perpetuae eodem 
iure, wie denselben der Orden gehabt und vormals von den Römischen 
Kaisem erlanget, haben, auch bishero geruhig besessen und genossen, 
auch von der Kön. Maj. damit per expressum investiret und belehnet, 
nicht unbekannt sein könne. Und ist noch niemalen erhöret, dass einiger 
König von Polen entweder dem Orden oder auch hernachmals Unsem 
hochgeehrten Voreltern und Vorfahren den geringsten Eintrag darin 
gethan, oder dergleichen verkleinerliche hochpraejudicirliche scrutinia 
angestellt hätte. Derwegen Wir dann zu Ihrer Maj. das gute und un- 
gezweifelte Verti-auen haben, Sie werden auch Ihres hohen Orts Uns 
bei Unseren so bekannten Rechten unbeirret lassen und mit solchen 
praejudicirlichen Commissionen zumal in Unserer Abwesenheit Uns gänz- 
lich verschonen. In fernerer Anmerkung, dass noch zur Zeit von Nie- 
manden wider diese Unsere gemachte Reduction die geringste Be- 
schwerung nicht gefllhrt, auch mit Bestand nicht geführt werden kann, 
indem ja von Uns der Zoll in den Stand, wie er vor dem augmento 
gewesen und von Unsem hochl. Vorfahren sine contradictione erhoben, 
hinwiedemm gesetzet und nichts dabei innoviret worden. Es wäre 
dann, dass wegen der gemeinen und zu Erhaltung des Port, auch Be- 
fbrderang der Schiffarth nöthigen Unkosten einige geringe Erhöhung 
geschehen; welche aber in keine besondere Consideration kommen kann, 
weil sie nicht allein an sich selbst ganz gering und unempfindlich, 
sondem auch den Schiffleuten selbst zum Besten gereichet, auch Uber- 
dem bei allen Zollstätten in ganz Europa gehalten und observiret wird. 
Wir wollen geschweigen, dass Uns, vigore induciamm et praestitae 
cautionis, den Port zu erhalten und wider männiglichen zu defendiren, 
praecise oblieget; sollen und müssen Wir nun solch schweres onus er- 
tragen, so wird man Uns ja verhoffentlich dieses so gar geringe und 
zu der Krön selbst Nutzen und Bestem streckende commodum nicht 
missgönnen oder deshalb einige Difficultet zu machen und Uns gleich- 
sam alle zu Erhaltung des Ports sowol als der Schiffarth nöthige Mittel 
vorsätzlich zu entziehen begehren, zumal da deshalb keine Beschwer 



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Die ComiDiBsion. 195 

wider Uns geftbret und das officium Regium vou Niemanden im- 
ploriret wird. 

Es gedenken zwar endlich S. Kön. Maj. auch Unserer Stände gra- 
vaminum und hiebevor gefllbrter Querelen und geben dabei zu ver- 
stehen, dass die Conimissarii auch hierüber Erkundigung einziehen, die 
querulirende Stände hören und darin cognosciren sollten. Aber auch 
deshalb wird es der Commission vor diesmal gar nicht bedörfen, sinte- 
mal Wir Uns keiner sonderlicher gravaminum, so Unsere Stände, nach- 
dem nunmehr der neue Zoll abgeschafft, zu fllhren hätten, zu erinnern. 
Es wird auch Unsers Wissens bei Sr. Maj. deshalb itzo nichts geklaget, 
weniger dero officium imploriret. 

Unsere drei Städte Königsberg, welche hiebevor die Abthuung ihrer 
gravaminum am meisten urgirt, werden sich nunmehr auch wol zur 
Ruhe begeben, nachdem nicht allein ihr grösstes gravamen, des Zolls 
wegen, gänzlich cessiret, sondern Wir Uns auch sonsten und in denen 
noch übrigen Beschwerungen gegen sie dergestalt gnädigst erklärt, 
dass sie verhoffentlich damit in Unterthänigkeit wol content werden 
sein können. Dann ob wol noch zur Zeit kein völliger Schluss in der 
Sach gemacht, sondern es in etzlichen Puncten, insonderheit aber wegen 
ünsers Schloss- und Amt-Biei*s (dann was von derer von Adel und der 
kleinen Städte Eieren in den Landtagsabscheiden de an. 1618. 1620. 
1635 und anderen resolutionibus enthalten, dabei verbleibt es aller- 
dings und wird dasselbe nicht unbillig exceptiret) und der Freibeden 
uff Unserer Burgfreiheit uff der Kaufleute und Melzen-Bräuer Erklärung 
annoch bestehet : so hat jedoch das Uebrige alles seine Richtigkeit und 
kann der endliche Schluss, so bald der obbemelten Zünfte Erklärung 
*einkömmt, leicht erfolgen; die übrige Gewerke haben auch keine Be- 
schwer mehr zu führen, weil Wir dieselbe bei ihren Rollen zu schützen 
und die Ausgebung mehrer Freibriefe einzustellen gnädigst erbötig sein. 
Und ist Unsers Wissens kein Streit mehr zwischen den Gewerken übrig, 
als welcher zwischen den Städtischen und Unsem Freiheitischen Schustern 
annoch erhält; gegen dieselbe aber haben Wir Uns auch vor wenig 
Tagen also und dergestalt albereit erklärt, dass verhoffentlich auch 
dieses gravamen nunmehr wol cessiren und dahin fallen wird. 

Und weil dann nun diesem allem also, so können Wir Uns nimmer 
versehen, dass S. Kön. Maj. Uns mit einiger so praejudicirlicher Com- 
mission und zwar itzo bei Unserer Abwesenheit graviren und dadurch 
Unsem Ständen gleichsam selbst wider Uns zu klagen Ursach oder 
Anlass geben werde, es wäre dann, dass man sich (welches Wir nimmer 
hoffen wollen, auch Sr. Maj. nicht zutrauen können) ohn alle Ursach 

18* 



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196 '- Preusscn and Polen- 

ZU Uns nötige oder sonsten zu gefahren Occasion zu suchen wollte. 
Welches aber schlecht Vertrauen und Aflfection geben, auch wol aller- 
hand Missverstand und andere inconvenientia causiren wttrde. 

Nochmalige Anweisung gegen jedes Vor^chreiten de facto feierlich zu 
protestiren. Der Kurfürst hat bereits an den Grafen Dönhof wegen seiner 
Vermittelung in dieser Sache geschrieben. Die Oberräthe sollen es gleich- 
falls thun. 



Die Oberräthe an den Kurfürsten. Dat. Königsb. 6. Juni 1646. 

[Die Oberrttthe beginnen wegen der Caasirung der Seezulage bedenklich eu werden.] 

6. Juni. Recapitulation der Gründe, wodurch der Kurfürst zur Aufhebung der 

Seezulage berechtigt war. 

Aus welchem fundamento und andern rationibus mehr, die E. Ch. 
D. hochverständig erinnern thun, Wir deroselben unyorgreiflich ein- 
räthig gewesen, den erhöheten Seezoll oder die Seezulage einzustellen. 
Da uns aber wissend gewesen wäre, dass andere E. Ch. D. Räthe über 
weiterer Prorogation erwähnten Contracts zu tractiren angefangen und 
auf Sr. Kön. Maj. an dieselbe genommenen Conditionen bestanden 
hätte, wie es von derselben angezogen, würden wir ohne Erwartung 
solcher Königlichen Resolution billig Bedenken getragen haben, den 
Faden abzuschneiden, und ob es gleich zu Abhelfung der Preussischen 
Stände gravaminum gereichend und Ihr Kön. Maj. gnädigsten Intention 
in genere gemäss, ein anders in specie der Seezulage halber zurathen. 
Wie wir dann auch bis annoch nicht befinden können, dass E. Ch. D. 
Intraden oder der Landmann geregter abgeschafften Seezulage in effectu 
im geringsten etwas gebessert sei, sondern einig und allein der Königs- 
bergische Kaufmann dessen Frucht empfinden mag. Und auf solchen 
Fall, auch so gestalter Sachen, E. -Ch. D. noch wol Mittel haben möch- 
ten, entweder durch den Zoll oder in andere Wege S. Kön. Maj. bei 
besserm Vernehmen zu erhalten. Sonsten wir nicht ermessen können, 
was für Ursachen S. Kön. Maj. bei sich befinden möchten, auf den 
Pillauschen Zoll, wie derselbe von Alters und annoch eingenommen 
würde, inquiriren zu lassen, weiln an demselben nichtes mehr als von 
Alters und bisher zum wenigsten cum consensu eorum quorum interest, 
als der Littauschen Stände und des seefahrenden Mannes, eingenommen 
ist, und nun über das die pacta induciarum, bei so neuer Beschaffen- 
heit und erwachsenen oneris des Baus der Veste Pillau und Munition, 
der Unterhaltung der Guamisonen und Leistung beständiger Sicher- 
heit beider Kronen Polen und Schweden zu Folge verbundener schwerer 
Caution erfordern und unumgänglich haben wollen. Welches wir auch 



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Die CaBsirung der Seezulage. Rüstungen zum Ttirkenkrieg. j[97 

solcher gestalt zu beantworten und die gedräute Commission abzulehnen 
schuldig sein. 

Andres Adersbach an d. Oberräthe. Dat. Warsch. 8. Juni 1646. 

[Der König drängt trotz aller Abmahnungen doch zum Türkenkrieg. Hofnachrichten.] 

Herr von Kospoth ist am 4. Juni '), Hoverbeek am 31. Mai in Warschau 
angekommen; Adersbach schickt Abschrift ihrer Relation an den Kurfürsten 
ein und beruft sich auf diese. 

Dann ich bei der Eile der Zeit nichts dabei zu erinnern wüsste, S.Juni, 
ausser dass S. Maj. noch beharrlich bei dero vorgesetzter Imprese con- 
tinuiret, auch. sich keiner Dissuasion davon will abschrecken lassen, 
dawider doch die Herren Senatoren sich setzen und durchaus nicht 
drein consentiren wollen, massen auch noch neulich ein Schreiben vom 
Herrn Crackauschen Woywoden an dieselbe kommen, dessen Copey 
E. Gestr. Herrl. ich hiebei tibersende*). Sonsten redet man alhie nichts 
als vom Kriege wider die Türken und Werbungen. Dabei sagt man 
aber, dass ein Türkischer [Chiaus] oder vielmehr noch ein grosser Ge- 
sandter unterwegens sei; was er bringe, wird mit Verlangen erwartet. 
Es soll aber das Gerücht von dieser Imprese nach Constantinopel ge- 
diehen sein, dahero alles in voller Commotion ist, und soll es daselbst 
grosse Alteration erwecken; scheinet daher, dass die Polen, nolentes 
volentes zum öffentlichen Kriege genothdringet werden, weil die Co- 
sacken schon über die Grenzen geschritten und mächtigen Schaden ge- 
than, welches ganz Constantinopel uffgewiegelt Was nun aus diesem 
Spiel werden wolle, lehret die Zeit. 

Der ünterfeldherr, so auch unterwegens hieher ist, soll an S. Maj. 
Bericht ertheilet haben, dass die Venetianer die Dardanelli mit Gewalt 
erobert und mit Galeazzen beleget haben, also dass der Türkische 
Secours aus Constantinopel nicht in den Archipelagum kommen und 
den Caneanis Hülfe bieten könne; welches den König um so viel mehr 
animiret; aber hergegen bringen die Zeitungen aus Moskau, dass die 
Moscowitische an einem Theil von den Tartaren im ersten Ansatz soll- 
ten schon geschlagen sein. — 

Diesen vergangenen Sonntag haben Ihr Kön. Majtcn eine Damoiselle 
aus dem Königl. Frauenzimmer, Opacka von Geschlecht, mit einem 
Nostkowsken vermählen lassen und sind alle drei Tage insonderheit 



*) Y, Kospoth und ▼. d. Oelschnitz sind als ausserordentliche Gesandte ab- 
geordnet, um der Krönung ^®' Königin in Krakau beizuwohnen. 
•) Fehlt. 



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198 I* Preussen und Polen. 

aber uff die Heimflihrung, so zwo Meilen von hie, daselbst Sie die 
jungen Eheleut hinbegleitet, nebst denen Herrn Gesandten auch so 
lustig gewesen, dass S. Maj. Brantwein in Gläsern uff Gesundheit ge- 
trunken und mächtig einander begossen haben. — 



Andres Adersbach an d. Kurfiii'sten. Dat. Warsch. 8. Juni 1 646. 

[Vorbereitungen zum Tiirkenkrieg.] 

S.Juni. E. Ch. D. hätte zwar meiner unterthänigsten Pflichte nach gehor- 

samst hinterbringen sollen, was alhie bei der Verrichtung dero Ab- 
geordneten, als des Herrn Cosputs, Voigten von Fischausen, so den 4. 
dieses und der Herrn von Hueverbeck und von der Oelschnitz, so den 
31. passato angelanget, vorgangen. Aber weil E. Ch. D. selbige es 
alles in derer Relation gehorsamst und nach Gnttge hinterbracht, wollte 
nicht gerne deroselben mit meiner verdrüsslichen Wiederholung molest 
sein; sondern es geruhen dieselbe hiebei allergnädigst zu wissen, dass 
des Königs Dessein den Ständen je mehr und mehr verdächtig werden, 
wie dann beigefügte Copey des Herrn Woywoden von Crackaw Schreibens, 
so er an S. Maj. ergehen lassen, es gnugsam ausweiset; also dass 
alhie grosse Mutationes besorget werden wollen. S. Maj. bleiben noch 
immer fest bei dero vorgesetzter Imprese und lassen sich durch keines 
Dissuasion davon abschrecken. 

Fürst ßadziewill, Littauscher Unterfeldherr, so vor dreien Tagen 
ankommen, ist gestern auch mit sonderlicher Instruction zu dem Hos- 
podaren aus der Wallachei, seinem Schwiegervater, verreiset. 

Obrister Przyiemsky ist durch Hülfe des Französischen Gesandten 
von Sr. Maj. losgelassen, und sind seine zu Lublin geworbene Völker 
in dreien Kähnen hinunter gebracht worden, also dass er nunmehr 
fortgehen wird. 

Die Preussische Juridica ist am vergangenen Mittwoch limitiret 
worden, also dass nunmehr die Appellation in der Ochsen Sache wird 
deserta sein. — 

Ein türkischer Chiaus, oder gar, wie etzliche vor gewiss sagen, 
dass es ein grosser Gesandter sei, ist schon unterwegens; was er bringe, 
weiss man nicht eigentlich, man wartet aber seiner mit Verlangen. 

Die Stücke alhie werden mit ehistem alle von hie gebracht und 
nach Lemberg an die Grenz gefllhret werden'). 



') Nach einem spätem Brief von Adersbach, dat. Warschau 31. Oct. 1646, ge- 
schieht dies erst in dieser Zeit: »24 Stücken, 6 MörseU u. 50 Wagen mit Munition'. 



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Rästungen zwaa Türkonkrieg. 199 

S. Maj. hat die Königl. Krönung uff den 8. Julii und den Uffbrüch 
von hinnen uff den 20. dieses angesetzet. — 

Im Uebrigen erwarte E. Ch. D. gnädigste Disposition über die 
ordentliche Anstellung der Posten bis Crackaw und förderst bis Lem- 
berg. — 

König Vladislav IV. an d. Oberräthe. Dat. Vars. 14. Juni 1646. 

(Königsb. Arch.) 
Der König fordert die Oberräthe auf, die Werbungen, mit denen Acha- 14. Juni. 
tius V. Creitzen und Fabian v. Königseck beauftragt sind — 5 Compagnien 
Dragoner und 200 Reiter — möglichst zu befördern. 



Kospoth und Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 

17. Juni 1646. 

[Die Abreise des Kurfürsten aus Preusson. Kriegsgefahr von Schweden. Freie Bauern 
und Leibeigne. Die Differenz wegen des Uochzeitsgeschenkes. Verhaltungsmassregeln 
für ähnliche Fälle; wie man eine etwa abzuschickende Commission behandeln müsse.] 

Yerhandlung mit dem Krön Qrosskanzler. Der erste Punkt ihrer In- 17. Juni, 
stmction betrifft die Entschuldigung wegen der schnellen, plötzlichen Ab- 
reise des Kurfürsten aus Preussen. Sie wird entschuldigt mit der Lage 
der Westphälischen Friedensverhandlungen — „und dass die Kaiserliche 
Ministri mit E. Ch. D. Abgesandten so gar unvertraulich und übel umgin- 
gen, dass, da sie versprochen gehabt, des Herzogthums Pommern in der 
Duplica nicht zu gedenken, sie es zwar um dieselbe sicher zu machen in 
derselben ausgelassen, aber in einem Neben Recess ausführlich gemacht 
haben.** — 

Der andere Punkt, den sie vorgebracht, ist „die gegen der Schweden 
besorgenden Einfall gemachte Landesverfassung**. So gern man dies von 
polnischer Seite sieht, so glaubt mau doch, dass, so lang die Schweden 
im Reich zu kriegen haben, sie mit Polen nicht anbinden werden; der 
Oberst Sadowski hat aus Torstenson's Munde wörtlich gehört: „man sollte 
sie ja nicht vor so grosse NaiTen halten, dass sie den Unterschied zwi- 
schen dem Könige in Dänemark und dieser Krön nicht wissen sollten; dann 
dorten hätten sie durch Besetzung der Mittelfarth die ganze dänische Macht 
gleich wie eine Stadt blocquiren können, da es alhier viel eine andere Be- 
schaffenheit haben würde.** — Dann werden verschiedene Beschwerden be- 
rührt. — 

Wegen des salvi conductus aber so des Herrn Hauptmanns zu 
Rhein ') Unterthanen gegeben worden, flihrten wir hohe Beschwerd. 



') Heinrich Ehrenreich von Halle, Amtshanptmann zu Rhein; mehreren 
Banern aus seinem Amt war ein königlicher Freibrief ertheilt worden, am eine Klage 
gegen den Hauptmann einzubringen. Vcrgl. das Schreiben do's Kiirf. an Adersbach 
bei Orlich III. p. 32, und unten s. d. 28. Juni 1646. 



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200 '* I'i^^UAS^^ und Polen. 

S. f. Gn. aber beschwerten sich hinwiederum, dass E. Ch. D. deswegen 
an S. Kön. Maj. abgelassenes Schreiben über Gewohnheit scharf war 
und erinnerten, man möchte sich darinnen massigen imd bei dem herr 
gebrachten Stylo bleiben. Es hätten S. Kön. Maj., weil E. Ch. D. Ihr 
das ins salvos conductus concedendi in Zweifel ziehen und disputirlich 
machen wollen, die Reichs Referendarium und Instigatorem drüber ver- 
nommen und aus dero Information so viel erhalten, dass Ihr bevor- 
stünde a vi et potentia alle weg uflF 6 Monat salvos conductus auszu- 
geben. Wir gestanden dieses Sr. Maj. gar gerne, nur allein baten wir 
den Unterscheid in Acht zu nehmen, dass solche salvi conductus freien 
Culmischen Leuten, nicht aber Erb Unterthanen, qui censentur 
sine capite, ausgegeben werden mögen. 

Darauf begehrte S. f. Gn. von uns zu wissen, ob dann die vom 
Adel im Herzogthum so weit privilegirt wären, dass dero Unterthanen 
keinen locum standi in iudicio wider sie haben könnten. Dann solches 
Recht wäre in der Krön noch vor 200 Jahren nur bei ihrem, derer 
von Tenczyn Hause und Geschlecht, gewesen, wie wol es hernach allen 
und jeden von Adel in der ganzen Krön communicirt worden. Wie 
wir aber berichtet, dass solches in dem Herzogthum von undenklichen 
Jahren also hergebracht, und dass wenig von Adel gefiinden würden, 
denen nicht Ober- und Untergericht verschrieben, ja dass auch hiebevor 
schon dergleichen salvi conductus durch Königl. Patente cassiret worden, 
begehrt er, wir möchten dieses Patents halber zu Sr. Kön. Maj. und 
des Herrn Referendarii, der auch sein Regens Cancellariae zugleich ist, 
Wiederkunft in Ruhe stehen." — 

Insonderheit aber und vor allen Dingen exaggerirten wir, .... dass 
die Herren Regiments Räthe und in ihrer Person E. Ch. D. selbst und 
die sämmtliche Stände so gar indigne wären tractirt worden, und dass 
man wegen des Hochzeitpraesents, welches zu willigen sie ohne Ver- 
brechen hätten können bleiben lassen, mit der Execution in dero Gütern 
bedroht; welches vermöge der Reichssatzungen auch in crimine per- 
duellionis dem Könige nicht freistünde. In welchem allem dann S. 
f. Gn. uns soweit Beifall gaben, dass Sie Ihren Zustand selbst be- 
klagten, besorgend es dürfte künftig uf dero Verantwortung ankommen, 
was S. Kön. Maj. aus gar zu grosser Gütigkeit und Facilitet aus- 
geben; ja Sie dürften wol diese Wort dabei führen, dass sieder dem 
letzten ausgestandenen Lager Ihre Facilitet so hoch zugenommen, dass 
Sie sich wol unterstehen wollten, S. Kön. Maj. die Uebergab Ihrer 
Krön und Gemahlin unterschreiben zu lassen, wie wol man in Discursen 
keine Alteration spüren könne, sondern den gewöhnlichen vigorem bei 



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Bauern und Leibeigene. Dafi Hocbseitsgeschenk. Die CommiBsion. 201 

Ihr vermerke. Es würden aber die Herren Regimentsräthe in der- 
gleichen Fällen nicht besser thun können, dann dass sie dergleichen 
von der pactorum unerfahrenen ausgefertigte und unter dem Cammer- 
siegel ausgegebene Sachen Sr. Eon. Maj. Hand halber mit Respect 
annehmen, sich aber dabei entschuldigen, dass sie das Siegel nicht 
kennen; wollte man was an Sie bringen, so hätte man sich um ein 
ander Siegel zu bewerben und alsdann allererst würden Sie sich auf 
das Anbringen auslassen. 

Ebenso sollen sie sich in Betreff etwa zugemutheter Einquartirungen 
halten; auch darüber ist nichts anders als unter dem Canunersiegel ausge- 
geben worden. In Betreff der von den Spiringen aufs Tapet gebrachten, 
nach Preussen zu schickenden Commission ist der Vorschlag der Gesandten : 
„B. Ch. D. hielten an sich, einige Erklärung deswegen denen Herren Re- 
giments Räthen zu geben, damit, wann es ja über alles Yerboffen und un- 
gern möglichen Fleiss nicht abzuwenden stünde, sie, die Commissarien, durch 
den Hinterzug an E. Ch. D. und die in währender Zeit aus ihrem eigenen 
Beutel geführte Spesen müde machen und andere von dergleichen Commis- 
sionen abschrecken mögen. Es müsste aber wol zu der Herren Regiments 
Räthe Sicherheit und Verantwortung an die Herren Regiments Räthe Befehl 
ergehen, dass sie keine dergleichen Commissionen verpflegen.^ 



Der Kurfürst an König Vladislav IV. Dat. Colon, ad Spr. 

10. Juni 1646'). 

[Die Differenz mit Elbing. Das competente Gericht dafür das herzogl. Hofgericht.] 

Antwort auf das Schreiben des Königs vom 14. Mai. Wesentlich des 20. Juni. 
Inhalts wie die Instruction für die Oberräthe, dat. 27. M^j. Der Handel 
habe sich bereits^ in Folge der Seezulage, sehr von den preussischen Häfen 
hinweg und besonders nach Riga gewendet. — In Bezug auf die Beschwer- 
den der Elbinger besteht, w^ie dort, der Kurfürst darauf, dass ihnen nicht 
mehr geschehe als billig, und als früher üblich gewesen. — 

— Si tarnen putant iustam conquerendi de aliqua re causam sibi 
Buppetere eoque nomine iure experiri voluerint, habent iudicium Nostrum 
aulicum tanquam forum Nostrum ordinarium '). Illud enim, ut sub 



') Concepti welches die Oberräthe eingeschickt haben (s. d. 6. Jani). 

*) In dem Schreiben der Oberräthe an den Kurfürsten ist dies näher erläutert: 
Den Elbinger Zoll befinden wir den pactis nicht zuwider, „sondern dass die Elbinger 
ihr besser vermeinthabendes Recht ox petitorio fär £. Ch. D. niedergesetzten Vasallis, 
welche numehr onlinariam sessioneui im Hofgericht halten und Hofgericht Räthe 
genennet werden, auszuführen werden schuldig sein sollen. Dann das iudicium pa- 
riam ein anders ist und auf den casum gehet, wann unter den hohen fürstlichen Per- 
sonen, nämlich dem directo und supremo an einem und dem utili Domino andern 
Theils eine Irrang Torginge, welchergestalt dieselbe zu complaniron oder zu entschei- 



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202 '• P'eussen und Polen. 

nomine vasallorum Nostrorum a Nobis ad iudicium obligatorum pro 
ratione modernorum temporum intelligendum esse censeamus, id facit, 
quod in Pace perpetua inter D. Sigismundum I Poloniae Regem et 
Albertum primum Prussiae Ducem constituta, ubi de hoc iudicio vasal- 
lorum habetur, mox subiungitur: „si quis autem occasione huiusmodi 
iudiciorum etc, sibi iniuriam factam aut se gra/catum exisümarei esse, 
poterit ad Consiliarios (quos Regia M^^ et Dux in Prussia quotannis 
ad Festum S'* Francisci, cum id necessiias exegerit, Mariaeburgtim 
mittere debebunt) provocare etc^*^ Quod an S« V» Ra M^a» introductum, 
an vero ut appellatio in omnem eventum recta ad Sam V*ra ßam Mtem 
Eiusdemque iudicium relationum a iudicio aulico more nunc observato 
devolvatur, conservatum malit, vix est ambiguum. — 



Christoph Melchior an den geheimen Eath Erasmus Seidel. 
Dat Königsberg 21. Juni 1646. 

[Der König scheint in Bezog auf die ZoUsache gelindere Saiten aufzuziehen und sich 
mit einem kleineren Antheil begnügen zu wollen; man muss das benutzen.] 

!1. Juni. Seidel ist in Königsberg gewesen und jetzt nach Berlin zurückgereist. 

— Die Republik widersetzt sich hartnäckig den von dem König beabsich- 
tigten Werbungen, aber hier in Preussen sollen sie vor sich gehen, nur 
dass der König kein Geld hat. 

Sonsten werden E. Herrl. aus Ihrer Kön. Maj. Schreiben, so Sie 
an S. Ch. D. wegen das Zollwesen abgelassen '), nunmehr wol ersehen 
haben, was Ihre Kön. Maj. begehren thun, und wie mir allhier be- 
richtet worden, sollen Sie nur ein weniges begehren, und hingegen 
S. Ch. D. mit dem Zoll zu thun lassen, die Taxa zu machen, sich 
alles begeben und deroselben frei stellen wollen. Wann dieses sich 
also verhielte und S. Ch. D. Ihre Kön. Maj. mit gar ein geringes oder 
etzlichen 20,(KX) fl. pol. abweisen könnten, und hingegen Danzker und 
Landzölle aufzubringen freistehen möchte, so sehe ich nicht, wie sol- 
ches Sr. Ch. D. zu widerrathen wäre. Sie müssten aber in solcher 
hochwichtigen Handelung getreue Leute darin gebrauchen, so nicht 
ihren eigenen Nutzen mitsuchen und dadurch S. Ch. D. nicht allein 
um den Zoll, sondern wol gar um Ihre Regalen gebracht werden möchte, 
und dafern Sr. Ch. D. es gnädigst belieben möchte, eher keinen Con- 
tract zu schliessen, bis Sie uns geringe Diener, als H. Kleine und mir. 



den wftre, wie solches der textus in Pace perpetua de a. 1525 fol. 35 klftrlich ans* 
weiset und E. Ch. D. auch biUig dabei zu verbleiben haben.* — 
') Ein späteres, als das obige vom 14. Mai, welches aber fehlt. 



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Die Zollangelegenheit. 203 

auch unsere einföltige Meinung wie es mit dem Zoll eigenüich gehen 
kann, darüber vernommen hätte. — 



Die Oberräthe an d, Kurftirsten. Dat Königsb. 27. Juni 1646. 

Schicken die Relation von Hoverbeck und Kospoth aus Warschau vom 27. Juni. 
lY. Juni ein; die Sache steht darauf, dass entweder wirklich eine Commission 
abgeschickt werden soll, deren Mitglieder bereits ernannt sind (Graf Döuhof 
Woiwode von Pommerellen, Kobiersicky Castellan von Elbing, Probst Firley 
und ein Syndicus von Elbing), oder dass eine Conferenz in Marienburg ge- 
halten wird. Sic rathen dazu, lieber das Letztere anzunehmen. 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Colin J!;:i;;,f 1646. 

Sie sollen womöglich das eine wie das andere abzuwenden suchen; 10. Jnli. 
schlimmsten Falls soll Hoverbeck zu der Conferenz abgeordnet werden. — 



Kospoth und Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 

26. Juni 1646. 

[Audienz beim König. Eine Commission nach Preussen zu schicken scheint 

aufgegeben.] 

Sie haben mit vieler Mühe endlich Audienz bei dem König erlangt nnd 2G. Juni, 
legen ihre Proposition ab. 

Die Antwort aber war, wie wol nicht sonders ungnädig, jedoch 
sehr kurz, dass man darob wol abnehmen können, wie S. Kön. Maj. 
Ihren gefassten Widerwillen suchten zu dissimuliren und bestund die- 
selbe fast in diesen folgenden Worten: dass E. Ch. D. Ihre Reiss ins 
Reich so beschleuniget, dessen würden wol, wie Sie selbst ermessen 
könnten, erhebliche Ursachen gewesen sein. So zweifelten Sie auch nicht, 
E. Ch. D. würden vor dero Abzug solche Verfassung gemacht und dero 
hinterlassenen Regiments Räthen so gute Ordre gestellt haben, dass 
man deswegen ausser Gefahr 'und Furcht leben könnte. Dieses aber 
war Ihr so gar unvermuthlich gekommen, dass Sie sich nicht darin zu 
finden wüssten, dass E. Ch. D. den neuen Seezoll so gar unverwarnter 
Weise abgeschafft und dero Schreiben dahin deuten wollen, ob hätten 
Sie's selbst von E. Ch. D. begehrt, da doch dero Schreiben nur dahin 
gangen, dass Sie Ihr Antheil vom Elbingschen Zoll in Ihren eigenen 
Gebieten einnehmen und die übermachte, unchristliche Exactionen, dar- 
über die Elbinger so lange Zeit geklagt, eingestellt wissen wollen. Sie 
hätten aber albereit eine Commission deswegen verordnet, welche auch 
in Ihrem Abwesen würde zu Werk gerichtet werden. 

Entgegnung der beiden Gesandten mit den bekannten Gründen. 

Hiermit wurden S. Kön. Maj. in so weit zufrieden gestellt, dass 



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204 '- Pfcii^<'^n und Polen. 

Sie der Commidsion nicht mehr gedacht, sondern uns dieses Puncts 
halber an den Herrn Woywoden zu Pommerellen, von welchem wir 
mit mehrem dero GemUths Meinung würden vernehmen, gänzlich ver- 
wiesen. 



Ho verbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 28. Juni 1645, 

[Die Küstangen werden wegen Geldmangels angeblich eingestellt. Vergebliche Hoff- 
nungen auf Geld aua Preussen. Versuchte Anleihe des Kurfürsten bei der Königin 
Louise Marie. Die Angelegenheit des Hauptmanns! von Rhein. Die Pfalz -Neubur- 
gische Angelegenheit. Französische Andeutungen in Betreff einer Heirat des 

Kurfürsten.] 

28. Juni. Bei der letzten Post hab E. Ch. D. ich durch des Herrn Ober 
Cammerherm Wolw. unterthänigst hinterbracht, welcher Gestalt uff An- 
halten und Angaben des Herrn Generain in Grosspolen und damit 
die hier anwesende Senatoren abgewiesen würden, S. Kön. Maj. Pa- 
tenta ausfertigen lassen und unterschrieben, durch welche alle Wer- 
bungen gänzlich abgeschafft; werden. Und hat sich fast niemand recht 
drein zu finden gewusst, dass nach derselben Ausfertigung dannoch 
unterschiedene Bestallungen ausgegeben worden. Ich komm aber in 
Erfahrung anjetzo, dass gedachte Patenta ungesiegelt in der Cantzlei 
gehalten werden und man noch erst sehen wolle, wie es mit dem in 
Krackau angesetzten Consilio ablaufen werde; wiewol von sehr ver- 
trauter gewisser Hand ich die Nachricht habe, dass in geheim ge- 
schlossen, die Werbung einzustellen; damit aber S. Maj. keiner Leicht- 
sinnigkeit könnten beschuldigt werden, suchte maus mit diesem Consilio 
zu beschönen und dem Herrn Woywoden zu Crackau die Ehre zu 
gönnen, als wann S. Kön. Maj. dessen Rath und Erinnerung Statt ge- 
geben. Die vornehmste Ration aber ist der Geldmangel; dann ich 
meines wenigen Orts nicht absehen kann, wie es möglich gewesen war, 
den König abzuführen, wann er die Mittel hätt so haben können, wie 
er seinen ersten Ueberschlag gemacht. 

Es ist aber damit aller Oerter fast so ergangen, als wie bei E. Ch. 
D., von da man vermeinte, zu diesen Werbungen 200 und etliche 
sechzig tausend Gulden zu haben, als nämlich 100,000 fl. von Hochzeit- 
praesent Geldern, 100,000 aus dem erhöheten Zoll (die der Spiring 
jetzo hatte vorschiessen sollen), 40,000 residui der honorariorum*) und 
das übrige von den Zollresten. Da hingegen alles uff einmal gefallen, 
indem der Königin an Statt des Geldes Kleinodien praesentiret, der 
Zoll abgeschaffet, von den Resten die 16,000 fl. des Sacken innebehalten 



•) Vergl. V. Orlich III. p. 34. 



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QeldmaDgel in Polen. Angebl. Einstellung d. Rüstungen. Die Gelder d. Königin. 205 

uud die Zahlung des residui honorariorum bis iu den Herbst ver- 
schoben worden. Weil auch der Venetianische Abgesandte der Republik 
Asseeuration in der Form, wie es begehrt worden, nicht eingeliefert, 
auch einzuliefern wenig Hoffnung machen icann, sondern vielmehr sich 
bearbeiten thut, seine privat Obligation von der Königin auszubringen, 
will dieselbe auch Über die 60,000 Rthl., so albereit gezahlet worden, 
nichts mehr abfolgen lassen. 

Anreichend die hundert tausend Gulden, so Ihre Maj. die Königin 
E. Ch. D. zu leilien angeboten*), hab ich dieselbe und alle Ihre Leut 
gar geneigt dazu befiinden; allein der König hat es widersprochen und 
durch gewisse Leut Ihr damit die Sach zuwidergemacht, dass er an- 
deuten lassen, Sie würde's schwerlich ohne Process wieder bekommen. 
Der Herr Woyewode zu Pommerellen hätte hierunter, vne in allen 
andern Dingen, E. Ch. D. und zugleich Ihrer Maj. der Königin gerne 
gedient; dann er gar zu wol erkennt, dass sie das Geld schwerlich 
werde behalten können, dafeme sie's nicht bald an solche Ort aus- 
thut, da der König desselben nicht könne mächtig sein'); allein wie 
viel er auch sonsten in andre Weg vermag, hat er hierinnen nichts 
schaffen können. 

Sonsten können E. Ch. D. wol gewiss sein, dass dero zu Marien- 
werder gethanes Praesent überaus wol angewandt worden; dann wann 
ers nicht ausgehalten, würden E. Ch. D. die Commission albereit im 
Lande gehabt haben. Wie nachtheilig sie aber E. Ch. D. hätte fallen 
sollen, werden Sie ob der Copey, so ich mir noch auszubringen ge- 
traue, mit mehrem abnehmen. 

In des Herrn Hauptmanns zu Rhein Sache ') find ich überaus grosse 
Difßculteten; dann eines Theils offendiren sich S. Kön. Maj. zum 
höchsten daher, dass E. Ch. D. sollten geschrieben haben, Sie wollten 
den salvum conductum mit Respect annehmen und doch den Bringer 
in den Thurm werfen und oriminaliter anklagen lassen. Solches (ver- 
meinten der Herr Gross Cantzler und Reichs Referendarius) wäre besser 
und glimpflicher zu thun als zu schreiben. Meine einige Hoffnung ist 
noch diese allein, dass ich unter dem Titel einer Declaration des salvi 
Conductus gänzliches Cassament auswirke und hab ich schon ein Con- 
cept gemacht, welches mit solchen clau^ulis erfüllet, darinnen der Herr 



*) Ueber diese Beziehung zwischen dem Kurfürsten und der Königin findet sieh 
kein weiterer Nachweis; jedenfaUs ist aus der Anleihe nichts geworden. 

') Vergl. unten s. d. 3. Oct. 1646, wo die Prophezeihung bereits in Erfüllung 
gegangen ist. 

») S. oben s. d. 17. Juni 1646. 



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206 '* P'^^BSon nii^ Polen. 

Hauptmann sein Intent und Sicherheit wird finden können, wann ichs 
nur solchergestalt werde auszubringen vermögen. 

Der Herr Neuburgische Abgesandte Marschalk Waschpfenningk 
hat mich fleissig nebenst dem Residenten Laers visitirt und gar weit- 
läufig zu deduciren gesucht, wie ungütig bei der letzten Conferentz mit 
seinem Herrn verfahren; auch einen gedruckten Extract Prothocolli 
communicirt, davon E. Ch. D. meines unterthänigsten Erachtens albereit 
werden Nachricht haben. Ich find ihn sonst sehr glimpflich; allein er 
hat plus in recessu quam fronte promittit und weiss seinen Sachen 
einen trefflichen Schein zu geben. Da sonst S. Kön. Maj. wegen des 
Provisional Vertrags Continuation zu handeln Ihr fast zu verächtlich 
zu sein gehalten, so scheints, dass sein Herr anjetzo, da ihm die Con- 
junctur fast zuwider, von Haupthandlungen nicht hören, sondern sich 
allein fest an den Provisional Vertrag halten wolle. Zwar gibt er wol 
vor, die Lande wären dem jungen Prinzen cedirt, und derselbe wollte 
einen ewigen Vertrag mit E. Ch. D. machen und Zeit währenden Pro- 
visional Vertrags sich um die halbe Grrafschaft Ravensperg vergleichen. 
Es dürfte aber nur auf eine Zwickmühle, um Zeit zu gewinnen, an- 
gesehen sein. So wird man auch wol aus dem Provisional Vertrag 
E. Ch. D. wegen der nicht entrichteten Pensionen eine solche Rechnung 
machen, dass Sie wegen der vorenthaltenen halben Grafschaft wenig 
werden zu fordern haben. Es hat darauf gestanden, dass S. Maj. mit 
ihm, Herrn Waschpfenning den Herrn Wituskj welcher letzt bei E. Ch. 
D. zu Königsberg als 4l>legatus gewesen, zu E. Ch. D. nacher Berlin 
oder wo Sie möchten anzutreffen sein, abschicken sollen; weil er sich 
aber zu suchen gemacht, wird in wenig Tagen der Herr Cammerherr 
Wirsbowskj mit ihm reisen. 

Der Herr Französische Abgesandte hat mir neulich etliche Schreiben 
vom Comte de Brienne zu lesen gegeben, darinnen er versichert wird, 
dass E. Ch. D. Interesse sonderlich sollen beobachtet, und da etwas 
würde zu tractiren sein, kein anderer als er dazu gebraucht werden. 
Ich sehe aber wol, dass sie auf eine Heirath zielen, und hat er weit- 
leuftig alle aus einer Alliance mit Longueville vorstehende Vortheil 
deducirt, welches auch, wie ich aus dem Schreiben abnehmen können, 
mit eingebunden gewesen. Sonsten verwundert sich gemelter Comte 
de Brienne, dass E. Ch. D. bei des Herrn Burggrafen zu Dohna Ab- 
schickung mehr auf Complimenten und wie Sie wol tractiret werden, 
als auf real Handlung, zumal wegen Pommern, darinnen man Sie doch 
nach Möglichkeit favorisiren würde, bestanden. — 



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Pfalss-Nenbarg. Abscblass fles Zollgeschäfts. 207 

Graf Gerhard v. Dönhof an Joh. v. Hoverbeck. Dat. Liwowo 

11. Aug. 1646. 

Der König ist entschlossen, die angedrohte Commission noch vor dem 11. Aug. 
bevorstehenden Reichstag ins Werk zn setzen, der den 25. Oct. in War- 
schau gehalten werden soll; zumal da der Kurfürst bis jetzt keinen Schritt 
get|ian hat, um dem Könige irgend wie Satisfaction zu geben. Er bittet 
Hoverbeck, um dies abzuleiten^ den Kurfürsten dahin disponu*en zu helfen, 
^dass das Zollwesen in vorigen Stand möge reduciret und gebracht werden 
und solches je ehe und lieber, ja noch vor dem Reichstage". — 



Die ObeiTäthe an den Kurfürsten. Dat. Königsb. 19. Sept. 1646. 

Ueberschicken Abschrift dieses Schreibens und rathen gleichfalls zu 19. Sept. 
demselben versöhnlichen Schritt gegen den König; ^zumal wir annoch in 
Wahrheit sagen können, dass wir nicht wissen, dass einiger Mensch sowol 
in Städten als auf dem Lande, es möchten denn etliche wenige Kaufleute, 
Kramer und. Weinschenken sein, des abgesetzten Zolles im geringsten gc- 
niesse". 

Der Kurfürst an d. Oben-äthe. Dat. Colin a. d. Sp. 23. Sept. 1 646. 

Er finde es doch bedenklich, den Zoll wieder in den vorigen Stand zu 3. Oct. 
setzen; ebenso muss aber die Commission vermieden werden. „Und sehen 
Wir vors beste an, ehe Wir mit Sr. Kön. Maj. in einige Ofi'ens gerathen 
sollten, Uns mit derselbigen in gütliche Tractaten wegen einiges honorarii 
semel pro semper zu geben, nicht zwar, dass dasselbige wegen des Zolls, 
sondern aus anderm Schein herrührte, einzulassen."^ Besteht man doch auf 
der Commission, so sollen sie, wie früher befohlen, solenn protestiren. — 



üeber diesen Vorschlag einer semel pro semper Geldabfindung des 
Köm'gs wird im Jahr 164T und 1648 weiter verhandelt. Der Kurfürst 
lässt für den Fall, dass man 'auf dem Reichstag einen Passus in die 
Reichstagsconstitution über Abschaffung des Zolls aufnehmen will, ein Yer- 
wahrungsmanifest aufsetzen; die letzten anerkannten Forderungen werden 
abbezahlt; weiterhin folgen 1648 und 1649 noch einige Ansprüche auf an- 
geblich restirende Summen, die indess brandenburgischer Seits nicht aner- 
kannt werden. Das Geschäft wird in einem Rescript der Oberräthe vom 
30. März 1649 als völlig abgewickelt bezeichnet, und hat man polnischer 
Seits keinen Pfennig mehr zu verlangen. Ein neuer Yertrag ist nicht ge- 
schlossen worden. 

Hoverbeck an den Kurflirsten. Dat. Eichmedien 2. Sept. 1646. 

[Intrignen des Pfalzgrafen von Neuburg. Als Präservativ dagegen ffir künftig wird 
empfohlen das «ins suffragii in electione* aufrecht zu erhalten. Wichtigkeit desselben.] 

E. Ch. D. gnädigstes Rescript vom 14ten Julii, betreffend die vom 2 Sept 
Königl. Polnischen Gesandten Hieronymo Wierzbowsky sowol vor den 



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208 '• Preussen und Polen. 

König selbst, als E. Ch. D. fast nachdenklicher Weis hochgertthmte 
Qualiteten des Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg hab ich mit schuldigster 
Reverentz empfangen. Ob ich nun wol mir gar nicht einbilden kann, 
dass solches von Sr. Kön. Maj. selbst dem Gesandten sollte sein mit- 
gegeben worden, sondern dass es allein von dem Herrn Gross Cantzler, 
welcher diesen Herrn jeder Zeit zu heben gesucht, ohne dero Vor- 
bewusst in die Instruction mit eingerückt, und durch des Marschalks 
Weschpfennings Antrieb, welcher in diesem Werk alle die Bolzen ge- 
fiedert, E. Ch. D. damit zu schrecken und zu dem gesuchten Accom- 
modament zu bewegen, ausgebracht worden, so ist es doch nöthig, 
dass E. Ch. D. Ihr dieses zur Warnung dienen lassen und um so viel 
desto mehr des Herrn unumschränkten Ehrgeiz vorbeugen; dann es 
einmal gewiss, dass kein Ding so hoch und schwer sein kann, das er 
ihm zu erhalten oder verwalten nicht getrauen sollt *). Und überdieses 
macht er ihm wegen der hiebevor gegen die Prinzessin, seine Ge- 
mahlin, bei denen Polnischen Ständen verspürten trefflichen AflFection 
(welche gleichwol guten Theils nun mehr erkaltet) so viel gewissere 
Hoffnung. Dafern aber E. Ch. D. auf solchen Fall mit Zuziehung derer 
Evangelischer Stände Ihr Interesse mit in Acht nehmen werden, halt 
ich mich fest versichert, dass seine Jesuitische Anschläge aus der Fem 
gegen E. Ch. D. Ansehen, Vertrauen und nahe angelegene Macht nichts 
verfangen werden; welches alles dann so viel mehr Nachdruck haben 
würde, wann E. Ch. D., wie ich hiebevor dieser Sachen halber unter- 
thänigst unvorgreiflich erinnert, sich mit etwas mehrem Eifer, als wol 
von dero Vorfahren geschehen, um das ins suflfragii in electione be- 
würben oder doch dasselbe etwas stärker sede vacante zu behaupten 
Ihr angelegen sein Hessen. Es haben zwar ihrer viel also urtheilen 
wollen, ob würde solche gesucht- oder gebrauchte Chur E. Ch. D., 
welche selbst siebende ein Haupt der Christenheit vorsetzen können, 
wegen Concurrentz vieler tausend vom Adel an dero Hoheit fast ver- 
kleinerlich sein. Dieselbe aber werden vielleicht nicht gnungsam der 
Sachen informirt sein, dass das polnische ins suflfragii einem Privat 
wenig Nutzen, hingegen aber einem mächtigen Potentaten, es sei vor 
seine Person oder wegen seiner Freunde, in viel Wege zu Statten 
kommen könne; sintemal alhiero, wie im Römischen Reich, die maiora 
nicht gelten und also keiner überstimmt werden kann oder den vor 



^) Die Differenz zwischen dem Kurffirsten und Pfalz- Nenburg war gerade in 
dieser Zeit eine sehr lebhafte geworden und führte bald nachher selbst zu oflben 
Feindseligkeiten. 8. anten die hierauf bezÜgUchen Acten, besonders Ton Oct. und 
Not. 1646. 



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Der Unwille des Königs und die Oberrätbe. 209 

seinen Oberherrn erkennen darf, welchem er nicht selbst die Stimm 
gegeben, weil der allein und alsdann erst vor einen rechtmässigen 
König geachtet wird, welchen alle und jede durch einstimmige Wahl 
erkoren; dahingegen wegen der unachtsamer Weis verabsäumten Wahl 
der Wahn bishero gehalten worden, E. Ch. D. als Herzog in Preussen 
wären den schuldig vor Ihren Lehnherren zu erkennen, welchen Ihr 
die Polnische Wahl giebt. 

Indessen aber, ehe noch E. Ch. D. mir dero gnädigste Resolution 
zukommen lassen, werd ich nicht unterlassen, occasione dieses des Ge- 
sandten Anbringens Sr. Kön. Maj. meine hiebevor schon durch den 
Herrn Woyewoden Dönhoff hinterbrachte Verwarnung, dass Sie nämlich 
mit grosser Sorgfalt eine Schlange, die Ihrem Haus den gefährlichsten 
Stich sucht beizubringen, in Ihrem eigenen Busen erwärmen, zu wieder- 
holen und einzubilden. — 

Der Kurfürst an Hoverbeck. Dat. Colin a. d. Sp. 27. Sept. 1646. T.Oct. 
In Betreff des Jus suffragii in electione soll Hoverbeck ,)auf fügliche Mittel, 
dadurch dasselbige beizubehalten, bedacht sein". 



Die Oberräthe an den Kurfürsten. Dat. Königsb. 3. Oct. 1646. 

[Nachträgliche Aengste der Oherrftthe wegen der Erbitterung des Königs über die 

Cassirung der Seezulage. Sie rathen einzulenken. Belästigung des Landes durch die 

polnischen Rüstungen. — Der Kurfürst hält die Cassirung aufrecht] 

Wegen der Hoverbeck für den bevorstehenden polnischen Reichstag zu 
gebenden Instructionen; namentlich muss derselbe bedacht sein, die ange- 
drohte Commission abzuwenden. — 

Wir an unserm geringen Orte können nicht unterlassen, abermal 3. Oct. 
gehorsamst zu erinnern, wie weder wir, noch sonst jemand aufm Lande 
des abgeschaffeten Zolls uns zu erfreuen, alldieweil alles und jedes in 
einem Werth bleibet, der Landmann das Seine um ein geringes weg- 
geben, hergegen alles aufs theuerste einkaufen muss, die Kaufleute, 
Weinhändler und andere dessen aber allein gemessen, und annoch ge- 
horsamst zu bitten, ob es nicht thunlich sei und E. Ch. D. in hohen 
Gnaden gelieben möchte, den von Hueverbeck zugleich zu committiren, 
Ihr Kön. Maj. wegen des gefassten Disgusto zu placiren und etwa zu 
einer neuen Behandlung zu veranlassen; da dann unsers unterthänig- 
sten Brach tens erträglicher sein wtlrde, Ihr Maj. dasjenige, was hie- 
bevor verglichen (doch den Elbingschen Zoll, als welchen S. Maj. nun 
selbst einnehmen lasset, abgezogen) zu geben, als in stündlichen Sorgen 
zu stehen, dass bei dieser Zeit, da Ihr Kön. Maj. einen exercitum auf 
den Beinen, auch den nervum rerum gerendarum als 800,000 fl. von 
der Königin in Händen bekommen, etwa ein oder ander friedhässiger 

Mater, zur Gesch. d. Gr. KurrCirsteii. I. 14 



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210 '* Preussen und Polen. 

Mensch unter einem solchem Praetext des Königl. Missvernehmens mit 
E. Ch. D. Winterquartier hier im Lande suchte oder andere Schaden 
zufttgte, der denn über E. Ch. D. Unterthanen gehen und dieselbe in 
die äusserste Ruin gesetzt werden möchten. 

Weswegen denn auch in Sonderheit dem von Hueverbeck zu com- 
mittiren wäre, dass er Fleiss thäte, damit die Durchzüge derer, so sich 
deswegen anzugeben beginnen, abgewendet werden möchten; wobei 
zwar Ihr Kön, Maj., wie E. Ch. D. das utile dominium dadurch ent- 
zogen würde, auch auf den Fall solcher Durchzüge, Einquartierung, 
Station und anderer Plackereien das residuum des honorarii für Ihr 
Maj., ja auch das annuum flir den Schatz nicht eingebracht werden 
könnte, weil auch das Land schon vorhin durch die neuliche Werbungen 
und Durchzüge viel erlitten und täglich erleidet, zu remonstriren sein 
würde; würde aber, als wir besorgen, alles nicht so viel verschlagen, 
als wenn E. Ch. D. hinwieder sich in ein gutes Vernehmen mit Ihr 
Kön. Maj., wenn dem Zollwesen unserm unterthänigsten vorigen Be- 
richt nach remediret wäre, gesetzet. — 

Resolution des Kurfürsten. Dat. Wolfenbüttel 12/22. Oct. 1646. 

22. Oct. — Anreichend hiernächst den von Uns abgeschafiten neuen Zoll, haben 

Wir vor diesem albereit uflF Eure vorige unterthänigste relationes das Werk 
alsofort und noch vor Unserm Uffbruch von Unsern gesammten Käthen in 
reife Deliberation ziehen nnd fleissig überlegen lassen. Wir haben aber 
nebst ihnen aus allerhand wichtigen rationibus und Motiven, die Buch selber 
nicht unbekannt, nicht absehen noch befinden können, wie ohne Unsere und 
Unserer Successoren sonderbaren Praejuditz, Schaden und Ungelegenheit 
bemelter Zoll wieder auf den vorigen Fuss zu bringen sein werde. Dahero 
Wir Uns dann auch zu wieder Einführung desselben nicht verstehen können, 
allermassen Wir Euch in voriger Unserer gnädigster Resolution, die Euch 
vor Einlangung dieses numehr wol zugekommen sein wird,) mit mehrem zu 
vernehmen gegeben; dabei Wir es dann allenthalben bewenden lassen, und 
Unsere vorige Euch in diesem Stück ertheilte resolutiones hiemit nochmaln 
wiederholet haben wollen. — 



Die Oberräthe an den Kurfürsten. Dat. Königsb. 3. Oct. 1646. 

[Wie OS bei etwaigem Tfirkenkrieg mit der preassischen Lehnshilfe zu halten sei.] 

3. Oct. E. Ch. D. ist nicht unbewusst, was in der Krön Polen vorläuft 

wegen eines Türkenkriegs, darüber zwar Ihr Kön. Maj. mit den Ständen 
nicht einer Meinung sein, wann aber der Handel auf bevorstehendem 
Reichstage vorgenommen wird werden und, wie Niemand wissen kann, 
wie etwa menschliche Sachen ausschlagen, es vielleicht dahin kommen 
könnte, dass Ihr Kön. Maj. mit den Ständen sich verglichen und solcher 



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;»."-- 



Die hundert Lehnspferde. Janikow8ki*9che FftUohung. ^it 

Krieg fortgesetzt würde, oder aber die Türken dergestalt sich .albereit 
offendiret befinden möchten, dass die löbliche Krön Polen sich in noth- 
wendiger Defension setzen müsste, und auf solchen Fall, und wann 
Ihr Kön. Maj. ausziehet, E. Ch. D. vermöge der Pacten sich verbind- 
lich gemachet, zu solchem Zuge hundert] Reuter zu gesteilen*): als 
haben bei E. Ch. D. wir die unterthänigste Ansuchung thun sollen, 
dieselbe geruhen in Gnaden sich zu resolviren, wie wir uns auf solchen 
Fall zu verhalten, damit E. Ch. D. hierunter nicht etwas widriges zu- 
gezogen werden möchte. 

Resolution des Kurfürsten, Dat. Wolfenb. 12/22. Oct. 1646. 

Der Kurfürst erkennt die genannte Verpfiichtang für den Fall eines De- 22. Oct 
fensioQskrieges an; indess sei die Sache noch nicht so weit, dass es einer 
speziellen Entscheidung darüber bedürfe. 



Hoverbeck an den -Kurfürsten, Dat. Hohenstein 5. Nov. 1646. 

[Polnische Prftteusionen auf hinterpommersche Landschaften; Yerhindung mit pom- 

merschen Ständen.] 

Er will dem Auftrag des Kurfürsten nachkommen und „wegen des bei 5. Nov. 
denen Friedens Tractaten gethanen Ressentiments" mit dem Könige sprechen. 

Allein ich kann auch nicht Umgang nehmen, E. Ch. D. ge- 
horsamst zu berichten, dass aus vielen Umständen ich wol so viel ab- 
nehme, dass man nicht nur wegen E. Ch. D., sondern viel mehr wegen 
der neu erregten Praetensionen uff Stolp und Eügenwalde*), und 
weil mans davor hält, dass den Schweden auch wegen des Erbrechts 
leichter in Pommern als in ihrem Reich beizukomnfen, ausgebracht. 
Ueber das so finden sich aus denen hinterpommrischen Landständen 
nicht wenig, welche auf den Fall, da E. Ch. D. dieselbe den Schweden 



*) ,Si autem contingeret, quod Reg. M*«« ant Regnum Poloniae ... ab infideUbus 
et alias nrgeretur et Reg. M*as Poloniae in propria persona cum omnibus suis sub- 
ditis in castra proficisceretur , tunc Dux in Prussia cum successoribus suis obligatns 
esse debet, Beg. "M^^^ cum centum instructis equis usque ad terminos Terra- 
sum Frussiae insequi.** Pax perpetua von 1525, bei Dogiel cod. dipl. Pol. IV. 
p. 225 ff. und an verscbiedenen Orten. 

') Diese polnische Prfttension auf die hinterpommerscben Landschaften Stolpej 
Rilgenwalde und Schlawe wurde im November dieses Jabres durch den polnischen 
Gesandten Matthias v. Crockow auch bei den Generalfriedenstractaten in Münster 
vorgebracht (Meiern Acta Pac. Westph. III. p. 776); ihre Grundlosigkeit stellte sich 
indess bald heraus ; die Urkunde, worauf man sich berief, war eine von denen, welche 
damals def berüchtigte Urkunden falscher Janikowski in Polen in Umlauf gesetzt 
hatte, und von sehr handgreiflicher Unächtheit. (Vgl. Pufendorf Frid. Wilh. II. 45- 
Lengnich VI p. 238.) 

14* 



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212 '• P'eii«B«n nnd Polen. 

ZU lassen willigen wollten, dem Könige nicht geringe Hoffnung dazu 
machen. Es wird vom Könige geglaubt, dass die Pommern ein Ver- 
btindniss unter einander gemacht, dass die Wolgastische Regierung sich 
an Dänemark, die Stettinische aber an Polen ergeben wolle. Werden 
also E. Ch. D. sich allerseits wol vorzusehen haben. — 



Hoverbeck an die Oberräthe. Dat Warschau 18. Nov. 1646. 

[Schwierige Reichstagsgescbäfle. Der Process mit dorn Starosten von Lomza. Grosse 
Erbitterung des Königs wegen der Seezollsache. Entschuldigang HoTerbeck's; Klage 
über die Spiring^s. GefHhrlicho Absichten des Pfalzgrafen Ton Neubarg auf die ab- 
zudankenden polnischen Truppen; Besorgnisse fQr Preussen oder die Mark. Zweifel, 
ob die Abdankung der Truppen vom König ernstlich gemeint.] 

18. Nov. — Zu meiner Ankunft hab ich den Reichstag *) noch nicht sonders 
volkreich und fast keine Materie abgehandelt funden. Zwar hat Ihre 
Kön. Maj. schon gewilliget gehabt, dass das neugeworbene Volk ab- 
gedanket und denen Trubetz'schen Erben wegen derer dem Moscowiter 
Ubergebenen Gtlter billiger Abtrag gethan werden sollte; Über denen 
modis aber hat man sich bis diese Stunde nicht einigen können, und 
hoffet man, weil es albereit so weit kommen, es werde die besorgende 
innerliche Unruhe auch wol gestillet werden, weil der König lieber ihm 
selber mit der Abdankung wehe thun, als den Reichstag zerschlagen 
lassen und die Königin länger unbeleibgedingt sehen werde. 

Sr. Ch. D. Staat anlangende finde ich drei Schwierigkeiten vor 
mir, welchen zu remediren sein wird: 

1) dass der.Staroste von der Lomse in der Verwirrung, da S. Kön. 
Maj. wegen Unpässlichkeit in einem sehr engen Zimmer uffm Bett 
richten, den Herrn Hauptmann von Johannsburg in contumaciam 
condemniren lassen*). 

2) S. Kön. Maj. aus unmässigem Unmuth und Unwillen die Lit- 
tauischen Landboten angestiftet, sie wollen durch eine Constitu- 
tion den Pillauischen Zoll in den alten Stand des ewigen Vertrags 
reduciren, und das verpönen, dass sich kein Einnehmer unter- 
stehe, etwas dawider zu handeln, damit dann etliche albereit 
ausbrechen wollen. 

3) der Herzog von Neuburg seine vorigen Klagen wiederholet und 
sehr exaggeriret, auch gar inständig darum anhalte, damit ihm 
«ur Versicherung seiner Lande das neugeworbene Volk tiber- 
lassen werde. 



') Hoverbeck's Instruction ffir diesen Reichstag s. bei v. Orlich TU. p. 33. 
*) S. oben pag. 123 not. 1. 



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Der Reichstag. Erbitterang des Königs. 213 

Das €rste hoflf ich durch des Herrn Krön Gross Canzlers Authorität, 
welcher S. Ch. D. von dem Process ab und zur Stthne zu bringen ihm 
so hoch hat angelegen sein lassen, zu redressiren, mit Protestirung, 
dass S. Ch. D. von keinen Aussühnungsmitteln werden hören wollen, 
bis er, Starosta von der Lomsen, der obgedachten contumaciae werde 
renunciret und die Sache in vorigen Stand wieder gesetzet haben. 

Das ander anreichend hat der Herr Woywode zu Pommern also 
gleich bei der ersten Ansprach mit mir zum höchsten expostulifet und 
Sr. Kön. Maj. desperata consilia, dass Sie lieber durch eine Constitution 
Dir selbst den Weg gar verlegen, als sich eludiret zu werden, länger 
zusehen wollten, eröffnet. Darauf ich dann bat, er möchte Ihrer Kön. 
Maj. vorstellen, was Ihr selber darauf stünde, und wie viel böse Con- 
sequentien dieses vorhabende procedere nach sich ziehen würde; was 
einmal* solcher gestalt den Ständen in die Hände gespielet würde, könnte 
nicht leicht, zumalen bei jetziger Beschaffenheit, nicht nur wieder zu- 
rückgezogen, sondern auch nicht einßt in Stand gebracht werden; wie 
solches an dem Münzwesen zu ersehen, dessen Direction Sr. Kön. Maj. 
Herr Vater aus Ungeduld und Ueberdruss der vielfältigen Klagen und 
Widersprechens ganz übergeben. Es ginge ohne das kein Reichstag 
vorbei, dass nicht etwas von den Juribus Maiestatis entzogen würde; 
S. Kön. Maj. dürften nur nicht vorsätzlich sich selber binden lassen. 
Die Abschaffung des Zolls wäre Sr. Ch. D. gar nicht entgegen; dass 
Sie aber dieses Ihr Jus und folgig andere mehr der Stände Diiudi- 
cation unterwerfen sollten, dasselbe wäre so bedenklich, dass Sie da- 
bei billig anzustehen hätten, wann Sie gleich eines gewührigen Aus- 
schlags versichert wären. Und über dies alles, so sähe ich auch nicht, 
dass die Sach so gar verzweifelt wäre, dass S. Kön. Maj. dergestalt 
zu gehen Ursach hätten; es würde S. Ch. D. sich nicht ungeneiget zu 
einem billigen Abtrage semel pro semper finden lassen, wann Sie Sr. 
Kön. Maj. Affection wirklich Avttrden zu gemessen haben. 

Diesem gab der Herr Woyewoda so weit Beifall, dass ers den 
andern Tag darauf Sr. Kön. Maj. vorstellte, bei welcher es aber nicht 
allsogleich haften wollen, weil Sie es dahin aufnahmen, dass man Sie 
nur den Reichstag durch aufzuhalten und hernach zu eludiren suchte; 
gestalt mirs dann der Herr Woyewoda in der Anticamera also gleich 
berichtet. Wie aber gleichwol Sr. Maj. Versichemng gegeben wurdt, 
dass man mit Ihr uffrichtig umgehen würde und zugleich zu bedenken 
bat, obs nicht besser wäre, eine geringe Zeit in Geduld zu stehen, als 
aus Unmuth seine Jura in Compromiss zu setzen, zumal da die jetzige 
vermeinte Occasion des Reichstags also bewandt, dass Sie alleweg 



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214 '' ^0^*0^1^ ^^^ Poles. 

wiederum recusiren würde, wenn man ja S. Kön. Maj. (dessen Sie sich 
dennoch gar nicht zu befahren hätten) eludiren und verfuhren wollte, 
nahmen Sie es zum weitern Nachdenken. 

Gestern that mir der Herr Krön Gross Canzler eine Verwarnung, 
dass S. Kön. Maj. zum höchsten gegen S. Ch. D. offendiret wären, 
dass Sie noch bei währenden Tractaten den Zoll abgeschaflfet und Sie 
dadurch geschimpfet hätten, und wollten S. f. Dchl. deswegen mit mir 
expostuliren und dieses procedere unfug gross machen. Es wurdt aber 
beides damit abgewandt, dass ich die vorm halben Jahr deswegen ge- 
thane Gegeninformation wiederholte und dahin schloss, Ihre Kön. Maj. 
hätten dieses Ihr selber zuzuschreiben, weil Sie die Negociation ihme, 
Herrn Gross Canzler, aus Händen genommen und den Spiring aufge- 
tragen, welche nicht recht begreifen können, dass das Schwedische 
Commando in Preussen aufgehöret, und mehr zu verhetzen, als Fried 
und Einigkeit zu stiften wissen. Und werd ich noch weiter meines 
wenigen Orts nichts ermangeln lassen, damit sowol die Commission 
als Constitution verhütet werde. — 

Wegen des Herzogen zu Neuburg Suchen, dafem nur seine Leute 
Geld aufbringen, etwas zu schaffen wird schwer fallen, weil die Stände 
nichts liebers wünschen, dann dass sie der neugeworbenen Völker mit 
guter Manier mögen los werden, und es dafllr halten, dass keine Ueber- 
lassung mit weniger Oflfens und Gefahr vor die Rempublicam zugehen 
möchte, als eben diese. 

Vorstellungen Hoverbeck's dagegen ; es würde auch dieser Plan für den 
Herzog von Neuburg selbst ganz unpraktisch sein: „es wäre dann, dass 
(wie etzliche vorgeben) er damit S. Ch. D. in Preussen oder in der Chur 
Brandenburg anzugreifen Willens wäre.^ 

Sonsten muss ich auch meinen unterthänigsten Pflichten nach nicht 
unvermeldet lassen, dass sowol der König als die Stände uff den Fall, 
da sie mit dem Volke ihrem Vorhaben gemäss nicht werden fortzu- 
kommen vermögen, ein Auge auf Sr. Ch. D. Herzogthum richten und 
ihnen unter dem Praetext der hinderstelligen subsidiorum Winterquar- 
tiere darinnen anzuweisen nicht ungeneigt sein. 

Postscript. 

Der König hat bereits alle Abdankungspatente nach dem Wunsch der 
Stände verabfassen lassen und an die Truppen geschickt „mit der Erklä- 
rung, dass, wofern sie sich denen Commissarien nicht submittiren und ab- 
danken lassen wollten, sie für herrenlos Gesinde erkläret und vogelfrei ge- 
macht werden sollten". 

Diese Sr. Kön. Maj. so grosse Facilitet ist nun den Ständen so 
gar verdächtig, dass sie sich nicht anders einbilden, dann es haben 



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Pfalz-Neuburg und die entlassenen Truppen. Polnische Wirthsohafl. 215 

S. Kön. Maj. durch privat Schreiben denen Officirem eingegeben, sie 
sollten sich an dergleichen nur nicht kehren. Ich kann aber gleichwol 
aus allen Umständen, wie ich auch die participes consiliorum zu son- 
diren gesucht, nichts anders abnehmen, dann dass S. Kön. Maj. sich 
endlich aus Impatientz, da man in die vierte Woche unablasslich zur 
Zeit und zur Unzeit angehalten, dahin resolviret. — 



Ho verbeck an den Kurftirsten. o. D. [Warschau Nov. 1646.] 

[Znstand in Polen in Folge der Differenz zwischen König und St&nden über die 

geworbenen Truppen.] 

Ueber die Auflösung der von dem König geworbenen Armee, welche ..Nov. 
dieser trotz aller öffentlichen Zusagen ins geheim zu hintertreiben scheint. 

Um E. Ch. D. mit wenigem den Staat zu repraesentiren, so mag 
ich wol sageü, dass Ao 1618 in Böhmen und bei dem Anfang des 
englischen Parlaments so viel semina dissidiorum nicht gewesen, als 
sich wol anjetzo alhiei^ befinden. Und möchten beide Theile wegen 
gar zu grossen geschöpften Misstrauens gegen einander zum Brechen 
nicht ungeneigt sein, wann nur uflf der einen Seiten Geld und uflf der 
andern ein Haupt war. — 



Ho verbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 4. Dec. 1646. 

(Die Entlassung der königlichen Trappen; die königliche Leibgarde. Colloquium 
Nunciorum cnm Senatu. Nothschrei des Pfalzgrafen und der Pfalzgräfin von Neuhurg.] 

Bericht vom Verlauf des Reichstags. Am 29. Nov. Verhandlungen der 
Landboten, besonders über die Entlassung der geworbenen Truppen, welche 
die Stände verlangen. 

Hernach bracht der Herr Krön Gross Canzler des Königs Erklärung 4. Dec. 
ohngefähr mit folgenden Worten aus: S. Kön. Maj. hätten diesem Land, 
darin Sie gezeugt und geboren, zu gut, aus väterlicher Liebe nicht 
allein dero Leib und Leben vielfältig gewagt, sondern auch unter- 
schiedene dero Siege und Kronen tibergeben ; diesen Tag aber übergäben 
Sie die höchste der Uebermndung Ihrer selbst, indeme Sie dero gute 
Intentionen und den Eest Ihres Königlichen Schatzes den Ständen ganz 
unterwerfen, und um des willen könnte Ihr nicht dann hochschmerz- 
lich vorkommen und tief zu Herzen gehen, dass der Herr Marschalk *) 
in seiner Red das Wort „realiter" *) gebraucht, dabei es dann das An- 



') Der Marschall der Landhoten. 

') „Bäten die Stände, dass es auch realiter geschehen möge* (nämlich die Ent- 
lassung nach den aasgegebenen Entlassungspatenten). 



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2J6 ^* Pfc^sen und Polen. 

sehen gehabt, als ob man S. Kön. Maj. einiger Irrealitet beschuldigen 
wollen, da Sie doch nie anders, als realiter, mit dero treuen Unter- 
thanen umgangen. — 

Weiter hatten die Stände verlangt: „und weil die Stände dessen eine 
Nothdnrft zu sein ersehen, dass sie unter einander, nämlich Landboteu und 
Senatoren ein CoUoquium anstellen, bäten sie S. Kön. Maj. wollten dasselbe 
in dero Abwesenheit gnädigst verstatten." 

Anlangend das CoUoquium Nunciorum cum Senatu, wollten S. Kön. 
Maj. den Staat der Reipublicae so, wie Sie denselben gefunden, Ihren 
Nachkommen tiberlassen, und hätten deswegen Scheu vor dergleichen 
Neuerungen. Zwar wäre derselben nicht unbekannt, dass dergleichen 
Exempel bei dero Vorfahren vorhanden, Sie wüssten sich auch wol 
zu erinnern, dass es allerdings bei dero Herrn Vätern Regierung vor- 
gangen ; es wäre aber alle Wege geschehen in solchen Sachen, die des 
Königs Person und Staat allein, nicht aber zugleich die Rempublicam 
angangen. Wo nun dergleichen etwas vorhanden, raöchtens die Land- 
boten vor erklären; wtirde dann S. Kön. Maj. es also beschaflfen zu 
sein befinden, dass ein CoUoquium in dero Abwesenheit drüber er- 
fordert würde, wollten Sie der Reipublicae zum Besten an Ihr nichts 
erwinden lassen. — 

Die gesuchte Reducining derselben Leibguardy anreichend, be- 
zeugten und betheuerten S. Kön. Maj., dass Sie dero Leibguardy nie 
zu Ihres (dann Sie zu dem Ende auch nicht einen einigen Soldaten 
zu halten begehrten) Leibes Versicherung, \vie dann Ihre vielfältige 
Züge und Jagden solches ausweisen, dass Sie nicht weniger Vertrauen 
zu Ihren treuen Unterthanen haben, als dero Urälter Herr Vater, der 
sich ehe Zeit rühmen können, dass er in eines jeden Unterthanen Schoss 
sicher schlafen könnte, sondern einig und allein zu Versicherung der 
Reipublicae selbst bei den jetzigen gefährlichen Lauften, und hat die- 
selbe alle Weg, nachdem es der Reipublicae Nothdurft erfordert, ver- 
mehrt und gemindert. 

Der König gibt in Betreff des CoUoquium absente Principe zwischen 
Landboten und Senat endlich nach; dasselbe wird am 1. Dec. gehalten; es 
führt aber zu keinem Resultat. 

Den 2 (Dec.) Sonntags wurden zuerst der Herzogin zu Neu- 
burg und dann auch des Herzogen an die sämmtliche Stände ge- 
richtete Schreiben verlesen, beide dahin gerichtet, damit diese Res- 
publica gegen E. Ch. D. in die Waffen gebracht werden möchte *). Die 
Herzogin referirt sich uff dero Gemahls Bericht und brauchte unter 



•) Vergl. oben p. 208. 



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Vom polnischen Reichstag. 217 

andern diese harte Wort|: dass des Churftirsten zu Brandenburg machi- 
nationes Ihr liebes Vaterland mit angingen, könnte der Stände Weisheit 
nicht verborgen sein. Er aber, der Herzog, ging so weit ad particularia : 
E. Ch. D. forderten von den Schweden an Statt des ihnen abgetretenen 
Antheils in Pommern so viel wiederum in Gtilich und colludirten also 
mit des Vaterlands Feinden; er hätte aber seine Hofl&iung uflf der 
hiesigen Stände Tugend und Tapferkeit gesetzt und wollte mit diesem 
guten omine schliessen. — 



Hoverbeck an den Kurflirsten. Dat. Warschau 6. Dec. 1646. 

(Königsb. Arch.) 

[VorsichtsmasBregeln in Preussen gegen die Pläne des Neuburgers.] 

— Indessen werden E. Ch. D. (welches ich dann unterth. unvor- 6. Dec. 
greiflich erinnern muss) denen Herren Regimentsräthen ernstlich ein- 
binden, dass sie des Vaterlandes Grenzen Sicherheit ihnen lassen an- 
gelegen sein ; dann vne wol diese ganze neulich' gerichtete Arm6e nicht 
so bewandt, dass E. Ch. D. Ihres Staats halber durch dieselbe in Ge- 
fahr gesetzt werden könnte, so wttrden doch, wann dem Herzogen von 
Neuburg sein Anschlag anginge, E. Ch. D. Unterthanen in höchsten 
Verderb und Sie selbst in Schimpf gesetzt werden; zu geschweigen, 
dass, wann sie einmal dergleichen Quartier überkommen, sie sich täg- 
lich durch an sich Ziehung allerhand Gesindleins stärken könnten *). — 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 8. Dec. 1646. 

[Schlufis des Reichstags. Kleine Bedenken.] 

E. Ch. D. soll ich unterthänigst . . . melden, dass, nachdem die 8. Dec. 
Session von gestern um 11 Uhr bis heute um 4 gewährt, der jetzige 
Reichstag einhelliglich geschlossen worden und dabei nichts in die Con- 
stitution kommen, so E. Ch. D. oder dero Landen zu Nachtheil gerei- 
chen könnt; ausbenommen, dass in der ersten Constitution dem Erz- 
bischofen*) der Titel Primi Principis per expressum gegeben, und 
da der Königl. Leibguardi Obristen Meldung geschieht, nur Polen, Lit- 
tauer und Liefländer, nicht aber zugleich Preussen derselben Charge 



*) In der That lassen die Oberräthe durch den Landobristen ▼. WaUenrodt die 
Gränzen gegen die abgedankten polnischen Truppen in Vertheidigungszustand setzen 
(Relat. an den Kurf., dat. Königsb. 18. Dec. 1646). 

') Von Gnesen. Der Verstoss, worauf Hoverbeck zielt, gebt auf den Artikel der 
Fax perpetua von 1525: „Item quod Princeps de Prussia primum et proximum 
locum in Consiliis Terrarnni| Comitiis et publicis Conventibus apud Regiam Maie- 
statem habere debeat.' Dogiel 1. cit. IV. p. 228. 



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21 S !• Preussen und Polen. 

fähig ZU sein declarirt worden; in der andern aber sich S. Kön. Maj. 
yerbunden, dass Sie keine Commission in Gränzsachen ohne Zuziehung 
der dritten Ordnung, nämlich der Ritterschaft, ausgeben wollen. 

Ueber dem ersten , zumal da E. Ch. D. nicht in eigener Person er- 
scheinen, viel Disputats zu machen, möchte nicht sonders angewandt 
sein; das andere aber wird noch wol bei der Correctur zu reraediren 
sein, dass entweder auch Preussen specificirt, oder aber alle Specifi- 
cation in eine Generalität eines Indigenae der Reipublicae gebracht 
werde. Wann auch der Staroste von der Lomse bei seiner praeten- 
dirten Gränz Commission mit der Masaw sich des Dritten behelfen 
wollte, wird ihm damit zu begegnen sein, dass die Moscowitische eine 
ganz neue Begränzung gewesen, die wir aber mit der Masaw suchen, 
nur eine Execution ist derer alten von allen Ständen zu viel Malen 
approbirten Verträge; und dass die Stände sich zwar und ihren König 
nach Belieben binden, den Pactis aber ohne Beliebung des andern 
Theils nicht praejudiciren können. — 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 9. Dec. 1646. 

[Die alarmirendon Neuburgischen Briefe. Zu besorgende Pläne des Neuburgers 

gegen Preussen.] 

9. Dec. Durch Mühe und Kosten hab ich endlich unvermerkter Weis so- 
wol des Herzogen, als Herzogin zu Neuburg Schreiben an die hiesige 
Stände in extensa copia ausgebracht, und übersende dieselbe allhier 
beigefügt E. Ch. D. zur Nachricht. Dabei dann aus unterthänigster 
Pflichtschuldigkeit ich nicht unver^vamt lassen soll, dass ich nicht mehr 
aus Vermuthung, wie hiebevor, sondern von ganz guten Orten gründ- 
liche Nachricht erlange, dass ob wol die Stände sein Suchen ganz in 
keine Consideration gezogen, er es dannoch soweit gerichtet, dass es 
numehr darauf stehet, dass das neugeworbene Volk, nachdem es sich 
in Littauen in etw^as wieder werde refraichirt haben, in E. Ch. D. Her- 
zogthum imter gemeltes Herzogen Namen Winterquartiere suchen soll, 
um dadurch E. Ch. D. ihm beliebige Conditiones abzupressen. Und 
wird also die Nothdurft erfordern, dass E. Ch. D. sich dagegen gefasst 
machen und dero Gränzen in guter Acht haben. Dabei Ihr dann dieses 
sonders zum Vortheil kommen kann, dass vermöge der ersten Consti- 
tution, deren Inhalt E. Ch. D. ich ebenmässig beigeftigt übersenden 
thue, dasselbe Volk innerhalb vierzehen Tagen in die Acht erklärt und 
vor Feinde des Vaterlands ausgerufen wird, dass also die Gegeuver- 
fassungen nicht unrecht und unbillig gehalten werden können. Zwar 
such ich alle mögliche Mittel und Wege, durch E. Ch. D. Affectionirte 



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Die Neubargischen Alarmschreiben. 219 

dieses Werk abzuwenden ; es kommt auch wol diese's zu statten, dass 
iheils der Grossflirst der Moscaw, theils auch der Fürst in Siebenbürgen 
mit etlichen Obristen handeln ; aber darauf haben sich E. Ch. D. nicht 
zu verlassen, sondern werden am sichersten thun, dass Sie's alles zum 
ärgsten deuten und dem Feinde alle Wege umlegen, — 

Hierbei die Abschriften der beiden Briefe des Pfftlzgrafen und der Pfalz- 
gräfin von Neuburg. 

Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Neuburg an die polnischen 
Reichsstände. Dat. Neoburgi ad Istrum 28. Sept. 1646. 

[Der Kurfürst wiU sich für Pommern in Jülich entschädigen; er ist in geheimem 
EinverstAndniss mit Schweden. Bitte um UuterstützuDg.] 

Patiemini pro Yestra erga me meamque dileetissimam eonjugem hnma- 28. Sept. 
nissimo affectu istis me etiam Comitiis apparere, Hs quidem ex cansis, quas 
alias III»"»» et Rev""« Dominationibus V"* exposui, sed accessione novarum 
machinationum, quas Elector Brandeburgicus movet. Is per subordinatos hoc 
agere mihi diversis auetoribus nunciatur, ut de Pomerania, quam Suecis cedere 
cogitur, ipsi ex ditionibus Juliaeensibus, h. e. ex Nostro patrimonio satisfiat. 
Quam autem ancipites hae sint machinae, quanto cum periculo Status Nostri 
coniunctae, ultro pro Sua sapientia vident 111»»«^ et Rev'"«« Dom"^» Y*»*, ut 
taceam agi etiam de honore authorltateque Ser»"* ac Potent»*»' Regis, cui et 
antehac Elector Brandeburgicus alia omnia promisit et nunc istis cum Suecis 
arcanis foederibus longe aüa atteutare videtur. Spes est primum in faviJla 
periculum evadere posse, si Ser'"^ Regi Yobisque, Generosissimi Ordines, 
placeat, Yestris ad Monasteriensem Conventum Legatis imponere, ut peri- 
culosis conatibus mature obsistant, conjunctaque cum allorum Regum Le- 
gatis opera, quos in hac causa non defuturos spero, pro rei huius et causae 
aequitate collaborent. Ita Brandeburgico necessitatem imponent, ut aut ve- 
tera aut aequiora Yobisque iam diu probata consilia resumat, aut saltem 
quo animo sit erga me, tum et erga Potent""»'" Poloniae Coronam sese pe- 
nitius aperiat atque declaret. Confido enim si quid immoderatius et iis, quas 
hactenus jactant, coniunctionibus dignum tentaret, eorundem me invictis for- 
tissimisque praesidiis defendendum, quonim animos affectusque tam prolixos 
hactenus expertus sum. In quo omine finio etc. — 

Pfalzgräfin Anna Catharina Constantia an die polnischen 

Eeichsstände. Dat. Neoburgi 27. Sept. 1646. 

De publicis necessitatibus deque Electoris Brandeburgici infestis erga 27. Sept. 
No8 consiliis dilectissimus conjux mens pro sua erga Rev'""» et 111»««» DD. YY. 
eonfidentia ita perscripsit, ut ego earum testatissimo erga me affectui iniu- 
riam factura videar, si pluribus de eo argumento loqui velim, praesertim 
cum eae machinationes arcanum aliquid insuper in se adversus dileetissimam 
patriam Nostram contineant, quod Y«»", 111»» Ordines, sapientiam latere vix 
potest. [Folgt dann die Bitte um Entrichtung ihrer Ehesteuer.] 



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230 '- Preussen und Polen. 

Andres Adersbach an Conrad von Burgsdorf. Dat. Warschau 

10. Dec. 1646. 

[Argwohn dor Stände gegen die Aufrichtigkeit des Königs in Entlassung der Truppen. 
Hass gegen die Fremden. Die Neuburgischen Hetzereien.] 

10. Dec. Der Reichstag ist ehegestern geschlossen worden, „aber zu S. Maj. we- 

nigem Contentement'*. 

Und kann niemand ergründen, was Sr. Maj. eigentliche Intention 
sei; denn so ein corpus formiret und mit solchen Unkosten zusammen- 
gebracht zu haben, dass er seinen Schatz ganz erschöpfet, und solche 
mächtige Imprese, so er fast allen Fttrsten des Reichs kund gethan, mit 
einem Mal stecken zu lassen, wU es die Stände zu keinem rechten 
Glauben bringen; wannenhero sie darauf gar nicht bauen, sondern aus 
tiefgegrtindetem Argwohn uff alle dero Dessein lauern und Acht haben, 
damit sie das Mysterium erforschen, sintemal sie Sr.Maj., die, wie sie 
gewisse Kundschaft dessen erholet, durch den Graf Magno, welchen 
sie vor allen andern fremden abgeschafft wissen wollen*), (uff welchen 
sie so erbittert sind, dass auch ein Landbot, so von vornehmen Ge- 
schlecht und ein Staroste ist, gedräuet öffentlich in der Landboten Stu- 
ben, daferne S. Maj. solchen uff ihre Instanz nicht wegschaffen würde, 
er ihn wol räumen würde, und sollte er auch sein Haupt dafür auf 
dem Platze lassen), alle Reichsfllrsten zu dero Imprese imitiret, gar 
nicht trauen, sondern wollen, daferne dieselbe geworbene Soldatesca 
nicht vermöge der Constitution in angesetzter Zeit abgeschaffet wird, 
mit alle Gewalt heben und wegräumen, also dass sie dadurch, daferne 
ihnen nicht hierin Satisfaction geschiehet, neue Materie uf dann künf- 
tigen, den 2. Mai angesetzten Reichstag, sich zu beschweren haben 
werden. 

Indessen geht das Geschrei öffentlich, dass S. Maj. dasselbe Volk 
in unser Herzogthum stürzen wolle, dadurch dem Pfalzgrafen von Neu- 
burg zur Hülfe, welcher ein lasterhaftes Schreiben an den König und 
die Stände, dieselbe wider S. Ch. D. uffzumuntern (welche es aber gar 
nicht achten, sondern verlachen, auch nicht zu beantworten würdig ge- 
schätzet), darinnen er Sr. Ch. D. machinationes wider die Krön, indem 
dieselbe mit den Schweden colludiren und fllr seine FUrstenthümer 
Gülich und Cleve, so dieselbe mit derer Hülfe occupiren wollte, Pom- 

^) Eine Constitution dieses Reichstags verlangt die Entlassung der Ausländer 
aus dem Dienst des Königs; neben Conte Magno werden besonders Biboni und 
Ronealdo genannt; letzterer wol derselbe Roncalio, der als Gesandter des Königs 
in Mfinster war (Pnfendo rf Frid. Wilh. 11. 45) und von da nach Paris ging. Biboni 
ist Gesandter in Spanien. 



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Misstrauen d. St&nde geg. d. König. Scb wanken üb. d. Entlassung d. Truppen. 21^1 

inern bloss zu der Krön Polen Desavantage, damit sie dieselbe daraus 
allezeit infestiren könnten, abtreten, entdecken mttsste, S. Ch. D. zu di- 
vertiren und dieselbe zu denen von dem Pfalzgrafen talibus qualibus 
conditionibus zu zwingen. 

Ho verbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 14. Dec. 1646. 

[Portdauerndes Schwanken des Königs über die Entlassung der Truppen ; Winkelzöge 
und Verzögerungen. Preussen in steter Gefahr.] 

Aus meinen ttberschickten unterth. Berichten werden E. Ch. D. U. Dec. 
leicht haben begreifen können, wie vielfältig von allerhand Passionen 
Sr. Kön. Maj. GemUth diesen Reichstag durch muss sein agitiret worden. 
Nachdem nun das ein oder die andre überhand genommen, sind, die 
Resolutionen auch gefallen, welche alle Welt in Verwirrung gesetzt. 
Nachdem die Constitution von Abdankung des neugeworbenen Volkes 
am ßten dieses durch einhelligen aller Stände Consens bestätigt wor- 
den, haben S. Kön. Maj., wiewol man den 7ten, g^ß" und 9*6» grosse 
Reu wegen Schmälerung Ihrer Reputation bei den Benachbarten und 
Schwächung des Credits bei den Soldaten bei Ihr vermerken können, 
nicht sonderlich ausgebrochen, weil Sie sich vor den Vornehmsten, so 
noch zugegen waren, gescheut und vielleicht in denen vorstehenden 
geheimen Consiliis es uflf andere Weg zu richten Hoflfnung gehabt. 
Den lO^en vermassen Sie sich sehr hoch, dass Sie nicht einen Mann 
gedächten- abzudanken, den Uten, da auch die Christen Dönhoff, Osinski 
und Lessgewang sowol vor sich selbst, als durch vornehme Senatoren 
um ihren Abscheid anhielten, suchten Sie die Constitution dahin zu 
deuten, als wann das Volk bis 14 Tage vor dem nächst künftigen 
Reichstag könnte gehalten werden , und dass Alles nicht uflf die ver- 
gangene, sondern künftige Werbung zu ziehen war; verboten auch, 
einigen Menschen zu erlassen, bei höchster Ungnad. Wie aber etliche 
von den Bischöfen die Constitution von Ao 1609 de non praestanda 
obedientia vorgehalten, sind Sie etwas moderater worden und haben 
sich dahin erklärt, (fass Sie's bei der einmal benannten Zahl der 12(X) 
lassen und dem Obristen Osinski das Ober Commando und 900, denen 
andern beiden aber, als Dönhoff und Lessgewang, jedem 150 Mann über- 
geben wollten. Bald drauf aber wurd ihnen anbefohlen, sie möchten 
zwar etwas von dem Volke abdanken, die besten aber an sich behalten, 
und selbst in Diensten verbleiben; und dasselbe aus dem Fundament, 
dass Sie Ihr festiglich einbilden, es würde der Türk, wann er ver- 
nehme, dass das Volk noch beisammen bliebe und die ArtoUerie von 
Reusch-Lemburg nicht wieder zurückgebracht würde, nicht Umgang 



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222 '* Preossen und Polen. 

nehmen können, entweder vor sich selbst oder uifs wenigste durch die 
Tätern die Krön zu bekriegen; uff welchen Fall dann die Stände der 
Constitution vergessen und selbst wUrden zu Fuss fallen, dass man 
ihnen mit dem Volke zur Rettung käme. 

Den gestrigen und heutigen Tag wiederum hat es drauf gestanden, 
dass die andern zwar abgedankt, der Obriste Lessgewang aber mit 
seinen Leuten ins Herzogthum sollte gewiesen (werden), um die 17,000 fl., 
so ihm vom Könige angewiesen, einzufordern. Diesen letzten Versuch 
und äussersten Anwurf abzuwenÜen spar ich kein Mittel, so gar auch, 
dans es drauf besteht , dass ich mich als Selbstschuldner verschreibe; 
darinnen ich dannoch hoffe, dass E. Ch. D. als ein hochlöblicher Po- 
tentfit, weil es zu dero Besten angesehen, mich nicht würden stecken 
oder Schaden leiden lassen. In diesem Stück muss ich dem Herrn 
Reichs Referendario das Zeugniss geben, dass er die Obristen mit Vor- 
stellung der Gefahr, so ihnen drauf steht, mir hat helfen willig machen, 
auch selbst mit zu unterschreiben versprochen. Und wird es nun dar- 
auf vornehmlich ankommen, dass E. Ch. D. denen Herren Regiments 
Räthen Mittel und Wege zeigen lassen, wodurch diesem so weit aus- 
sehenden Praetext auch abgeholfen werden mag. 

Ob man wol des Herzogen zu Neuburg nicht so gross mehr 
gedenken thut, können doch E. Ch. D. sich nicht versichert halten, 
bis Sie vernehmen, dass alles Volk bis auf die 1200 der Guardy ganz 
abgedankt worden; davon ich dann auch nichts ge\vis8es schreiben 
kann. — 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 16. Dec. 1646. 

[Die Einquartierung der polnischen Truppen in Preusscn. Hoverbeck durch den 

Canzler beschwichtigt.] 

16. Dec. Gleich wie ich dieses vor das vornehmste Stück meiner Verrichtung 

uff diesem Reichstage gehalten, wann ich abwenden könnt, dass dieser 
neugeworbenen Völker keine E. Ch. D. Lande berührten, als hab ich, 
was mir inmier möglich gewesen, zu ersinnen danin angewandt; und 
unter andern mich dieses Mittels gebraucht, dass, da ich aus unge- 
zweifelten Gründen den Anschlag mit dem Herzog zu Neuburg (davon 
bei nächster Post ich unterth. Bericht eingeschickt) gewiss zu sein er- 
fahren, ich „pour eventer la mine^^, yne man zu reden pflegt, solches 
aller Oerter laut gemacht und denen guten Patrioten, was der Reipu- 
blicae drauf stünde und wie viel es nach sich ziehen könnt, uffs be- 
weglichste vorgestellt ; dadurch dann so viel erhalten worden, dass man 
nicht allein etliche Conditionen und Clausulu in die Constitution ein- 



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Besorgnisse für Preussen. 223 

gerückt, welche dagegen versichern können, besondern auch mit 
dem Könige expostuliret und Gegenzusag ausgebracht, dass es nach- 
bleiben solle. 

Nun merk ich wol, dass dieses mein procedere, so zu E. Ch. D. 
Dienst und des Landes Bestem angesehen gewesen,, mir übel ge- 
deutet werden will; dann mir der Herr Cantzler heute hat zuentbieten 
lassen, ich sollte nur nicht den Teufel an die Wand malen und solcher 
Dinge erwähnen, welche Sr. Kön. Maj. nie in den Sinn kommen; dann 
sonsten möchten S. Kön. Maj. wol auf die Gedanken kommen. So 
würden doch auch wol die Herrn ßegimentsräthe wissen, dass sie keine 
Bauern sein, denen man Volk uflF den Hals schicken könnt; geschehe 
es, so würden sie s wol herausschlagen. Darauf liab ich aber repliciret, 
dass auch einen zu schlagen eine Mühe sei; dann wann man den andern 
jagt, müsse man selber mitlaufen, und ich wollte lieber in dergleichen 
Fällen, die nicht wol zu repariren sein, der Sachen ehe zu viel als 
zu wenig thun; es war auch besser dass die Herrn Regimentsräthe 
sich lieber etliche Wochen zu zeitig in Verfassung stellen, als eine 
Stunde zu spät kommen. Von Sr. Maj. dem Könige könnt ich der- 
gleichen nichts praesumiren, von dem Herzog zu Neuburg aber könnt 
ich nichts mögliches ungläubig halten, weil seine Schreiben sehr nach- 
theilige Machinationen wider E. Ch. D. im Munde fllhren und es mit 
ihm wol heisst: „Fleclere si nequeam Superos, Acheronta movebo.^ — 

Joachim Christoph Benkeiidorf ') an Conrad von Burgsdorf. 

Dat. Danzig 21. Dec. 1646. 

(„Cito cito citissime.'*) 

[Die Entlassung der Truppen ist noch immer illusorisch. Neubnrgische Pläne.] 

— Der Reichstag hat sich am 8. December des Morgens um 5 Uhr 21. Dec. 
geendiget. — Den 11. soll Ihre Maj. von Warschau aufgebrochen sein. — 
Die Herren, so dem Reichstage beigewohnet, sollen noch meistentheils 
zu Warschau wider die vor diesem geübte Gewohnheit verharren. Ob 
und wie die Reichstags Constitution in Abdankung des neugeworbenen 
Volks ihren eflfectum habe, wird die Zeit geben. Wie wol der gesetzte 
terminus, da sie sich auf Reichsboden nicht mehr sollten finden lassen, 
fast exspiriret ist, vernimmt man doch nicht das geringste von der Ab- 
dankung; ja es schreibet ein vornehmer Officirer von den neugewor- 
benen Völkern an mich, der Herr Gross Cantzler Ossolinki hätte ihnen 



') Benkendorf, neben Peter Bergmann brandenburgischer Rath in Danzig. 



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224 '* Pf^^Bon und Polen. 

die Universalen zur Abdankung zugeschicket, aber der König selbst 
habe sie per expressum contramandiret. Was endlich daraus werden 
wird, erwartet mau mit grossem Verlangen. 

Der Pfalzgraf von Neuburg bearbeitet sich noch (wie ich vor 
diesem gemeldet) das neugeworbene Volk Kön. Maj. in Polen in seine 
Dienste und Bestallung zu bringen. Ein vornehmer Gavalier (von dem 
ich auch in meinem vorigen Schreiben erwähnet ') advertiret mir neu- 
lichst mit diesem formali, welches ich aus seinem Briefe hiemit trans- 
portire: „Von bewusster Sachen tcill ich Report thun, so bald ich ifis 
Quartier komme; Ursache, ich habe es also hinterlassen beim Kaiserlichen 
und Neuenburgischen Residenten, dass sie mir alle Umstände durch mei- 
nen hinierlassetien Ofßcirer, so ich zu Warschau gelassen, berichten 
werden; sie tcollen mir strax Geld zahlen lassen, auch wann ich mein 
Regiment auf 2000 Mann könnte bringen, auch mehr, so viel lieber es 
ihnen wäre; der junge Herzog soll General sein. In wenig Tagen so 
will ick meinem Herrn von alles Bericht thun.^ Wann hieraus dann et- 
was werden sollte, würde wol Alles auf Preussen angesehen sein eine 
Diversion zu machen; welches ich E. Hochw. und benebenst meinem 
gnädigsten Churftirsten und Herren selbst . , . nicht habe bergen sollen. 



-Peter Bergmann an Conrad von Burgsdorf. Dat. Danzig 
4. Jan. St. n. 1647. 

[Die wirkliche Entlassung der Truppen; deren weiterer Verbleib.] 
1647. [Gratulation zu der ihm angezeigten Vermählung des Churfüraten.j 

4. Jan. YfiQ gg ohnlängst zu Warschau mit dem Reichstage abgelaufen, davon 
wird E. Wolw. Zweifels ohne schon sattsamen Bericht haben, und ich 
habe davon so viel als ich gewusst E. Wolw. am 4/14. Dec. zuge- 
schrieben. Dasieder hat man nicht anders erfahren, als dass das ge- 
worbene Kriegsvolk uf Anhalten der Officirer selbst, zumal die Ein- 
zUglinge sein, und vor der harten in der neuen Constitution enthaltenen 
Straf sich billig gefllrchtet, abgedanket und ohne Geld auch und meisten- 
theils von einander gezogen sein. Dass sie von einem oder andern 
Potentaten sollten wieder angenommen worden sein, davon höret man 
jetzo nichts. Aber an Räubern und Mördern uf den Strassen wird es 
vermuthlich nicht mangeln. Pfalz Neuburg hat 4000 Mann davon haben 
wollen, in Meinung, wie man saget, dass sie im Herzogthum Preussen 
Quartier würden haben können; aber wegen Mangel des Geldes hat 



•) Fehlt. 



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Die entlafisenen poliuBchen Truppen. 225 

er nichts bekommen. Und eben also ist es auch dem Fürsten in Sieben- 
bürgen gegangen, dass er wegen Mangel Geldes nichts davon bekom- 
men. Sie begeben sich meist in Schlesien hinein und werden wol 
meist den Schweden zukommen. 

Was der Schwedische Envoy6, welcher jetzo wieder hier ist, bei 
Sr. Kön. Maj. verrichtet, hat man nicht wol erfahren können*), ausser- 
halb was in den Briefen beiderseits gestanden, nämlich dass die Kö- 
nigin entschuldiget, dass der General Torstenson Sr. Kön. Maj. in Polen 
uf dero durch den Conte Magno gethanes Begehren sein Volk wider 
den Türken hat übergelassen, weil dessen die Königin zu dem Ihr 
ufm Halse liegenden Kriege nichts hätte entbehren können ; verheischet 
aber, wann der Friede in Teutschland würde geschlossen sein, Sr. Maj. 
damit zu dienen und zu helfen. Wovor der König der Königin schrift- 
lich wiederum danket. — 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 11. Jan. 1647. 

[Die Auflösung der Armee; schlechte Aussichten für den Pfalzgrafen von Neuburg.] 

Wie wol S. Kön. Maj. des neugeworbenen Volks Abdankung halber 1 1. Jan. 
den Ständen vielfältige Versicherung gegeben, auch an die Obristen 
selbst deshalben sehr scharfe Patent ausfertigen lassen, ihrer etliche 
auch dazu einen ziemlich scharfen Anfang gemacht, so hab ich doch 
bishero gegen des Herni Herzogen zu Neuburg f. Dchl. von mir hie- 
bevor unterthänigst gemelte Anschläge keine Versicherung thun wollen, 
weil doch in solchen Fällen, da wegen Unbeständigkeit des Hofs in 
einem muss versehen werden, viel besser ist der Sachen zu viel als 
zu wenig zu thun; nunmehr aber, wie wol S. Kön. Maj. Tag und Nacht 
drauf gesinnen, wie Sie's dannoch zu dem Ttirkenkriege bringen mögen *), 
hoff ich, es werden E. Ch. D. deshalben ausser aller Furcht leben 
können; theils haben wirklich abgedankt, theils seind auch von dem 
Fttrsten zu Siebenbürgen in Dienst genommen worden, wie wol sie 
schwerlich werden durchkommen können, weil ihnen der Herr Woye- 
wode zu Crackau wegen des mit dem Fürsten habenden Gränzstreites 
alle Weg so vor sich als durch seine Freund dergestalt aufpasst, dass 
davon albereit unterschiedene Compagnien nünirt worden. Denen 



^) Theat. Europ. V. p. 984; er heisst Weydenheimb; »was aber dessen An- 
bringen sein möchte, war in geheimb*'. 

^) Auf diese hier noch durchaus nicht ganz aufgegebenen Pläne des Königs mag 
sich wol auch die Sendung yon Ernst Georg ßparr nach Schweden und an den 
Kurfürsten beziehen, deren v. MÖrner Märkische Kriegsob^sten p,112f. gedenkt. 
Maier. zur Gesch. d. Gr. Kiirfürstcu. I. 15 



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226 '* f^nssen und Polen. 

Schwedischen möchten von denen an den Grosspolnischen Gränzen sich 
befindenden gemeinen Knechten etliche zuziehen. Vor Venedig, Frank- 
reich, Spanien und Moscaw ist nichts geworben worden, wie wol ihm 
der König Hoffnung gemacht, seine ausgelegte Werbegefder von ihnen 
wieder zu bekommen. 

Nachricht über verschiedene Excesse, die von den abgedankten Trup- 
pen gegen ihre eigenen Obersten begangen worden sind; einige von ihnen 
sind getödtet, andere ausgeplündert worden. 

Ob welchem allem wol so viel abzunehmen, dass noch unabge- 
dankte sich nicht gross säumen und andre sich in dergleichen Dienst 
nicht so leicht wiederum einlassen werden; zumal da man auch nach 
erfolgter Abdankung mit Criminal Infamien Process, wie albereit dem 
Pleutner und Minor widerfahren, dieselbe bedräuen thut; und wird also 
wol der Herr Pfalzgraf, der nebenst seiner Gemahlin albereit zu Wien 
soll angelanget sein und herüber kommen, um so wol Geld als Volk 
gegen E. Ch. D. zu soUicitiren, seiner ungegründeten Practiquen schlech- 
ten Success sehen; dann nachdem E. Ch. D. mit den Holländern näher 
zusammengetreten, gehen die Polen in so weit zurück, dass sie kein 
Geld zahlen wollen, er habe sich dann mit E. Ch. D. verglichen, oder 
der Gülichschen Stände Versicherung auf die Ehesteuer erhalten. — 



Andres Adersbach a. d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 14. Apr. 1647. 

[Der bevorstebende Reichstag. Die AdelBfractionen.] 

14. Apr. Unsere preussische Juridica vemalis hat sich nunmehr geendigt 

und ist die autumnalis wiederum uff den 3 Novemb. angedeutet worden. 
Der Reichstag nahet sich, und sind die particular Landtage den 
11 dieses gehalten worden, was aber uff denselben geschlossen, soll 
von mir, sobald ich dessen fähig werde, unterthänigst hinterbracht wer- 
den. Es sollen aber die Stände über Sr. Maj. an ihre Seymiken oder 
particular Landtage gethaner Instruction oder Proposition nicht wol zu- 
frieden sein, weil S. Maj. darinnen bei Justificirung dero Imprese alle 
die, so sich derselben widersetzet und uff nächst verschienenem Reichs- 
tage sie anders gedeutet und ausgeleget, fllr freventliche widersetzliche 
calumniantes gescholten, welches sie sehr schmerzen soll. Man ver- 
muthet und besorget aber einen widerwärtigen und unsichem Reichs- 
tag, weil die beide todtfeindselige Widerpart und Schwäger, so des 
Herrn Zamoysken leibliche zwo Schwestern haben, als der Woyewod 
aus Reussland, FuVst von Wissnowiez und der Krön Ober Fennrich 
Koniecpolski, des verstorbenen Feldherren Sohn gegeneinander vor 
dem Königlichen Rejphstägliehen Gericht wegen des Fürsten gewalt- 



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Der Reichstag. 227 

samer Deoccupation zweier vornehmer Starosteien an den Grenzen, 
derer eine nämlich Haydaez 60,000 und die andere HorodoU 40,000 fl. 
jährlich traget, alhie erscheinen und mit grosser Macht und Assistentz 
ankommen, insonderheit der Fürst, welcher wegen der contumaciae 
in refusionem damnorum uflf 100,000 Ducaten condemniret ist und dazu 
uffs neue propter contraventionem regiorum decretorum, die er vieler 
errorum beschuldiget, eine infamiam uf sich hat^). Kann man also 
nicht absehen, wie solcher Reichstag ablaufen werde. — 

H!ier und in seinen folgenden Berichten schickt Adersbach von Tag zu 
Tag laufende Diarien ein. 

Aus den Diarien Andres Adersbach's. 

4. April. Der Herr Woyewode aus Reussland, Fürst von Wisnowiez 4. Apr. 
will dem Seymik vor dies mal nicht beiwohnen, sondern gehet gerad uf 
Warschau herzu, damit er vor dem Reichstage sich des Königes und der 
Stände Affection und Beifall conciliire, und wird geschrieben, dass er mit 
einem grossen Oomitat und Beistand komme, welches dann uns um so viel 
mehr vergewissert, weil so viel Höfe, als der Woywodin aas Pommern 
[u. a. m.] .... für ihn gemiethet und zubereitet sind. — 

14. April. Nach der Mahlzeit sind Schreiben aus Paris kommen, 14. Apr. 
welche berichtet, dass Fürst Boguslaus Radziewil wegen einer Differenz 
mit einem Französischen Fürsten und Ausforderung in die Bastille gefäng- 
lich eingezogen worden. 

21. April. Ist auch Zeitung aus Paris kommen, dass der Fürst von 21. Apr 
Anguin sich des Fürsten Radziewillen so fest angenommen und geeifert, 
dass er auch nicht ins Feld ziehen wollen, bis er aus der Bastille freige- 
lassen. 

29. April ist der Fürst von Wisnowiec, Woyewod aus Reussland, mit 29. Apr. 
folgendem Comitat ankommen; erstlich sind vor ihm her die Fussknechte 
300 stark, auch etzliche Reuterei und bei 200 unterschiedliche Kaiessen; 
er selbst kam um 3 Uhr Nachmittag an und waren über 29 Rittwagen, so 
vor seiner Kareth gingen, auch 70 Reuter auf Kosackisch gekleidet; hinter 
ihm wurden 10 seiner prächtigsten Handpferde geleitet, ufs letzte folgeten 
300 Dragoner und ist er in der Frau Danielowiczin des Seel. Kronen Ober 
Vorschneiders Wittiben Hofe eingekehret. 

2. Mai der Reichstag angegangen. [Ausführliches Referat über die 2, Mai. 
von dem Hofprediger Wyzga gehaltene Predigt. Dann Wahl des Starosten 
von Grabowiec, Herrn Sarbiewski zum diesmaligen Landbotenmarschall.] 

4, Mai. [Königliche Propositiou an den Reichstag. Darauf bringt der 4. Mai. 
Bischof von Cujavien die Bitte der Stände vor], dass S. Maj. alle fremde 
insonderheit den Conte Magno, und seinen Bruder Padre Valeriano, 
wie auch den Secretarium Fantoni und den Residenten am spanischen Hofe 
Biboni von dero Hof und Diensten abschaffen und abfertigen wolle, weil 



') Theat. Europ. V. p. 948. 

16* 

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228 ^- Preusscn und Polen. 

sie der Krön mehr schädlich als nützlich wären'); ^^^ gäben S. Maj. ja 
damit genug zn verstehen, dass Sie der Krön Untersassen für Yerräther 
achteten, weil Sie mehr den fremden, als ihnen traueten und dieselbe an 
dero Seiten und zu dero Diensten zögen. Damach bat er auch, damit die 
fremde Abgesandten ohne Verzug von den Herren Canzlern abgefertiget 
und expediret würden, uf dass dieselbe unnöthig sich nicht hie aufhalten 
dürften. Wegen der Kriegsanschläge erwähnte er, dass man wol merkte, 
dass man sich über derer Wegthuung und Abschaffung gefreuet hätte, aber 
mit vergeblichem Trost, sintemal sie noch nicht ganz ufgehöret hätten. 

Nach diesem voto stunden S. Maj. voll Unmuths und Yerdmsses auf 
und gingen damit alle von einander. 

Hiebei ist auch zu merken, dass Ihre Maj. die Königin, so oben uf 
dem Gange mit dero Frauenzimmer und Stallmeistern Herrn Plettenbergk 
solches alles angehöret, wie der Bischof von Cujaw von Abschaffung der 
fremden gedachte, den Herrn Plettenbergk gefraget, was das wäre, das er 
sagete und von demselben verständiget ward, dass S. Maj. die fremden ab- 
schaffen sollten, Sie drauf gesaget: che servUu! und ist auch damit weg- 
gangen. 
5. Mai. 5. Mai ist Herr v. Hoverbeck ankommen. 

9. Mai. 9. Mai. Ein Pleban von Swiaclosc') bringt eine Klage gegen den 

Littauiscien Unterfeldherrn Fürst Radziwill vor, weil er ein Crucifix „so uf 
seinem Grund und Boden zwar aber über hundert Jahr hero schon gestan- 
den, umreissen, niederhauen- und in Stücke zerhauen lassen^. — Namentlich 
der Wildische Woywode eifert sehr driiber: y^Vir Herren, wenn ich euch hie 
fürlegen sollte die zei^slückte und zerhauene G^e'me und Arme unsere Erlöse^'s 
ifficl SeUgmachers f wie jämmerlich sie zugerichtet y das Herz würde euch für 
Wehemuih bluten"^. — Ueber die Sache wird dann noch die ganze folgende 
Woche verhandelt, ohne dass es iudess zu einem Process gegen Radziwill 
kommt. — 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 17. Mai 1647. 

[Grosser Sturm gegen die Dissidenten auf dem Reicbtag. Die Sache des Fürsten 

RadEtwill.] 

17. Mai. Um alles, was bishero uflF diesem Reichstage vorgangen, kurz zu- 

sammenzufassen und uflF einmal gehorsamst vorzustellen dieses Reichs- 
tags und der ganzen Reipublicae jetzigen Staat, muss E. Ch. D. ich 
' unterthänigst erinnern, dass aus des vorigen Actis deroselben noch 
wird unentfallen sein, welcher Gestalt die Evangelische und andere 
. dissidirende Stände uflF gedachtem nächst verwichenen Reichstage ihnen 
vorbehalten und fest bedungen dass sie zu keinen Consultationen wer- 
den schreiten wollen noch sollen, bis man ihnen zuvor über alle und 
jede Beschwerden Satisfaction gegeben. 

') Vergl. oben pag. 220 not. 

*) Swislocz, Flecken in der littnuisclien Woiwodschaft Minsk. 



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Der Reiclistag. Sturm gegen die Dissidenten. 229 

Dieses zu hintertreiben und die Evangelische, ja sämmtliche Dissi- 
dirende in den Stand zu setzen, dass sie ichtwas zu suchen vergessen 
und Gott danken sollten, wann man sie ungeschlagen nur davon ziehen 
liesse, haben sie nicht allein die Beschwerden gehäuft, besondern auch 
mit Verleumdung und Verklagen die ganze Zeit bis hieher zugebracht, 
massen E. Ch. D. aus dem reichstägigen diario unterthänigst wird vor- 
getragen werden. Und nehmen die Weitaussehenden die Sach und ihr 
procedere noch viel anders, dass sie hiedurch und durch die vorhabende 
offenbare Verfolgung dasselbe, was durch die neuliche Werbung zu 
Werk nicht hat gerichtet werden können, zu erhalten, und wann sie 
das Reich in Unruhe gesetzt, in trübem Wasser zu fischen hoffen und 
trachten. S. Kön. Maj. bezeugen hierüber privatim ein sonderbares 
Missfallen und tragen Mitleiden mit denen Verfolgeten; wann aber die 
Geistliche mit Eifer und Ungestüm an Sie setzen, geben Sie Ihrer 
angeborenen GUtigkeit nach ihnen die Zügel in die Hände. Die armen 
Bedrängte aber behalten alle Weg den Respect gegen S. Kön. Maj. voÜ- 
kömmlich und begehren sich anders nicht zu salviren, als salvo statu 
modemo Reipublicae; bei welchen moderatis consiliis sie dann vornehm- 
lich ihr Absehen auf E. Ch. D. richten und dero Authoritet sowol bei 
Sr. Kön. Maj., als denen Ständen zu imploriren, auch deswegen je- 
manden abzuordnen, oder doch uffs wenigste zu schreiben Vorhabens sind. 

Zwar was des Bischofs von der Wilde gegen des Littauschen Feld- 
herm f. Gn. Sach anlanget'), sind Sr. f. Gn. zu Acconunodirung der- 
selben drei conditiones vorgeschlagen worden: 1) an Statt des nieder- 
gelassenen Crucifixes ein neues aufzubauen, 2) die Evangelische Kirche 
aus dem Städtchen, da das Crucifix gestanden, an andre Ort zu ver- 
legen und 3) zu Keydauen*) zu verstatten, dass sie am Frohnleich- 
namstage nicht nur uff einer Seit des Flusses, der die Stadt theilet, 
sondern auch auf der andern Seit in der Procession die Hostie herum 
tragen mögen — deren keine der Fürst ohne Verletzung seines Ge- 
wissens einzugehen, weiss. Es besorgen sich aber auch noch über das 
die andere Evangelische, dass durch solchen Vertrag denen Catholischen 
Pfaffen zu gleichen Calumnien Anlass gegeben werden dürfte, dass sie 
nämlich selbst dergleichen Kreuze umhauen Hessen, wie dann der Fürst 
gegen mich in Vertrauen (weil er solches zu dem vorhabenden Process 
ihme vorbehält) betheuert, dass der Pfarrer das Kreuz selbst habe um- 
werfen lassen, damit er nur Materie zu calumniren haben möchte. — 



') Vergl. das von Aderebach geführte Reichstags-Diariam, dat. 9. Mai. 
*) Kojdanow, Flecken in der littanischen Woiwodschaft Minsk. 



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230 '* P'O^BB^i^ ^°^ Polen. 

Hoverbeck an den Kurfllrsten. Dai Warschau 26. Mai 1647. 

[Polnisches Reichstagstreiben. Heftiges Auftreten der Katholischen gegen die Dissi- 
denten. Die Cassining des Danzigor Tuohmonopols ; neue Aussichten für den Königs- 
berger Handel. Die Littaner gegen die kurfürstlichen Zölle in Pillau; Gegenopera- 
tionen HoYerbecVs.] 

26. Mai. In Gontinuation meines nächst ttberschickten nnterthänigsten Berichts, 
und um dieses ganzen Reichstags Proceduren uff einmal vorzustellen, 
soll E. Ch. D. ich nicht unvermeldet lassen, dass zu vorderst in allen 
Dingen von Anfang bis zu Ende alles so widerwärtig und verworren 
daher gangen, dass, wann ich die Verwirrung aller der vorigen, dabei 
ich nunmehr sechszehen Jahr in E. Ch. D. Diensten unwUrdig ufge- 
wartet, zusammenfasse, dieselbe alle dem jetzigen so kurzen Reichstage 
nicht gleich kommen könnten. 

Dass in der Landbotenstube die ganze Zeit durch nichts anders als 
Religionsstreitigkeiten wegen der vermeinten Verunehrung der Kreutze 
und des hiesigen privat exercitii mit grosser Verbitterung immerzu 
gewährt, also gar, dass man auch nicht ein einig Constitutions Concept 
abfassen, noch verlesen, viel weniger moderiren können, ist unnöthig 
zu wiederholen, nach dem vom Herrn Secretario Adersbachen einge- 
schickten diario. 

Hiezu hatte nun auch wol zwar Sr. Kön. Maj. unversehene Unpäss- 
lichkeit, welche dieselbe vom 19tcn dieses in der Nacht bis uff jetzige 
Stund in gar schwerem Lager und von allen iudiciis abgehalten, guten 
Theils geholfen und so viel verursachet, dass man nicht in der ge- 
wöhnlichen Audienz Stuben, sondern in der engen Anticamera, da man 
sich fast nicht regen, noch vor der Hitz dauern können, zusammen 
kommen müssen. Ob nun wol, wie S. Kön. Maj. selbst, also auch die 
vornehmste Reichs- und des GrossfUrstenthums Littauen OfScirer, in- 
sonderheit aber die Feldherrn inständigst vorstellten, die Stände wollten 
die Puncta, so einigen Aufschub leiden könnten und nicht eben die 
Wolfarth der ganzen Republique angingen, bis zu künftigem Reichstage 
durch einen deswegen uffgerichteten Recess verlegen und alsogleich 
die, welche die Gränzverfassung und Befriedigung der Soldatesca con- 
cernireten, vornehmen, hat doch solches alles nichts verfangen wollen, 
sondern sie sind zu viel Malen, auch wol die Cantzler selbst, wie sie 
wegen Sr. Maj. das Wort geführt, mit unbescheidenen Worten und un- 
ablässlichem Schreien, dabei auch zuweilen Sr. Kön. Maj. Respects ver-. 
gessen ward, angefahren und abgehalten worden. Endlich aber dan- 
noch wurdt wider aller Vermuthung, wie dann auch S. Kön. Maj. schon 
(ex desperatione einigen Schlusses) zu der Publication der Infamirten, 



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Sturm gegen die Dissidenten. 231 

welches der letzte Actus zu sein pflegt, den Instigatorem schreiteu 
liessen, um 11 Uhr in der Nacht der Reichstag uflf zwei Tage pro- 
longirt 

Den 24t«n proponirte der Herr Castellan zu Chelm Goraysky der 
Evangelischen Gravamina, wie dieselbe bei nächster Post E. Ch, 
D. zugeschickt worden, aber weit kürzer gefasst, weil sie ohne das 
fast landkttndig. Darauf gössen nun zuvorderst die Geistlichen nach 
einander, dann auch die vornehmste Weltliche ihren tollen Eifer gegen 
sie so heftig aus, als jemals hiebevor geschehen und häuften nur je 
mehr und mehr die Beschwerden. Der ganze Inhalt ging dahin, dass 
sie in denen concertationibus mit dem Herm^ Castellan und dem Sub- 
judice Cracoviensi Chrz^stowsky alle Jura un4 Beneficia derselben den 
Unsem abschnitten, ja, dass alle Religionen ausser der katholischen 
nur ex conniventia oder tolerantia precario gelitten würden, da man 
wol vermöge des Decreti Jagellonici von Anno 1424 '), wie auch des 
Masauschen, so allhier beigefllget, gegen sie verfahren könnte, zu be- 
haupten sich unterstehen durften. Der Bischof zu Posen, als hiesiger 
Loci Ordinarius ging so weit, dass er auch ratione des hiesigen privat 
exercitii die Evangelische zu Recht zu belangen und auch allerdings 
ex officio pastorali wider die ministros de facto zu verfahren durch 
öffentliche Protestationen ihme vorbehalten und dabei bis ufiFs Blut zu 
halten andräuen thät. Darinnen ihme dann der Littausche Gross Ganz- 
Icr Fürst Radziwill nichts nachgab. Des Herrn Krön Gross Canzlers 
£ Gn. ging viel moderater dann die andern alle und eiferten fast hoch 
drüber, dass etlicher Catholischen unbesonnener Eifer auch wider die 
todten Körper der Evangelischen, welche man doch nicht absolute, zu- 
mal wann sie nur aus Schwachheit in ihrem Leben geirrt und andre 
nicht verfolgt hätten, verdammen könnte, sich so weit erstreckte, dass 
sie dieselbe uflf den Strassen geschleppt und an die Galgen gehangen, 
wollte aber ihnen dannoch anders nichts zuerkennen, als nur pacem 
et securitatem, keines Weges aber einiges Jus, will zu geschweigen 
paritateln quo ad religionem. In statu zwar, sagt er, müsst man die 
Evangelische denen Catholischen ob confoederationem gleich achten, 
wie sie sich dann auch in diesem Stück nicht zu beschweren hätten, 
weil man sie ob proprias et maiorum virtutes et merita zu allen, auch 
den höchsten Dignitäten und Aemtem beforderte; solches geschehe aber 

') Decret des Königs Vladislav JageUo, dat. in Vyelun Dominica Judica me 
Dens, A. D. 1424 Es bezieht sich auf die böhmischen Hnssiten , gegen deren Be- 
gftnstigang scharfe Strafen ansgesproohen, werden. Prilasii Statuta Begni Polon. 
fol. 169. 



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232 '• Pjf^'issen und Polen. 

nicht der Eeligion, sondern nur Stands halben; dann respectu der Re- 
ligion wäre keine Confoederation mit denselben vorgangen, wie sie 
dann auch nicht hätte vorgehen können. Und hätten sie diesem nach 
sich bei weitem nicht so weit zu beschweren, als eben die Catholische, 
welche von denen eingebettelten und zur Miethe nur eingenommenen 
Religionen so ttbel in dem Herzogthum Preussen sowol uflf dem Lande, 
als in Städten tractirt wären, dass man sie zu keinen Ehrenämtern und 
Stellen kommen liesse; ja es wäre mit der Catholischen Bedrückung 
so weit kommen, dass man auch in der Stadt Danzig (wie solches der 
Herr Bischof von Cujawien bei seiner Residenz erfahren) denen zum 
Tode verurtheilten Personen, ob sie gleich catholisch, lutherische Priester 
mit Gewalt uflfdringe, welches dann gewiss von denen, welche bene- 
ficio der Begnadigung in Ruhe und Frieden sitzen, keines Weges zu 
leiden sttlnde; zu geschweigen, dass man so viel Kirchen und geist- 
liche Güter in der vorbenannten Stadt und andern vorenthielte, in Thom 
aber auch Christo selbst am Frohnleichnahmstage den Weg verlegte 
und dadurch der Catholischen Exercitium störete *): Wie nun diesem 
allem, was die Evangelische mit Gnind oder Schein ihnen zur Be- 
schwerd ziehen könnten, ohne Verletzung der Catholischen Gewissens 
zu remediren sein möchte, wüsst er kein besser und gewisser Mittel 
vorzuschlagen, als dass sie sich an die ordentliche Gerichte halten und 
nicht selbst de facto verfahren. Und das ist eben die grösste Beschwerd 
der bedrängten Evangelischen, dass sie in allen subselliis sub prae- 
textu iuris et iustitiae gravirt, ja unterdrückt werden. 

Nach diesem und einem langwierigen unordentlichen Debat brachte 
er, Herr Gross Canzler, im Namen Sr. Kön. Maj, aus, die Evangelischen 
möchten sich an ihren alten hergebrachten iuribus vergnügen lassen, 
bei welchen sie S. Kön. Maj. schützen wollten; und da die Reichs Tri- 
bunale zu weit gehen und solche decreta ausgeben würden, welche 
vim legis sapiunt, das Part, so dieselbe erhalten, ufF den Reichstag 
citiren lassen. Wie wol die Evangelische hiedurch in ihrem Suchen 
ganz nicht befriedigt waren, so wurde doch aus hoher Bestürzung über 
diesem so seltsamen und_ ungewöhnlichen procedere, da man der Se- 
natoren Concertationen pro votis und des Königs Vorschläge vor De- 
cisionen ausgeben, nichts mehr dawider geredt und bald drauf der 
ununirten Griechen Beschwerpunkte vorgenommen. 



') Anspielung anf ein Ereigniss vom Jahre 1639, tvo der Magistrat von Thorn 
einer katholischen Procession den Weg über den Markt untersagt hatte. Leng^ich 
VI. p. 153. Der Streit ewischcn Stadt und Bischof war bereits 1643 durch cincq 
Vergleich beendigt worden, ibid. p. 209. 



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Cassirung der »Dansiger Tüohersiegelung". -233 

Nach dieser und vielen privat Constitutionen wurdt durch Gottes 
6nad und Segen die Danziger Ttlchersieglung *) und das draus ent- 
standene Monopolium der Englischen Handlung uff vorgehenden lang- 
wierigen Streit derer, welche die Danziger ihnen zu Patronen erkauft, 
mit dieser höflichen Manier uffgehoben, dass man allen Seestädten der- 
gleichen Siegel nachgeben und es gleich geschätzt, ob ein Tuch mit 
dem Danziger, Königsberger oder Elbinger und Memmeier Siegel würde 
bedruckt gefunden werden; und werden demnach E. Ch. D. Ihr gnä- 
digst gefallen lassen, vermöge dero mir gnädigst ertheilten Memoriale 
solche Verordnung zu machen, dass mir die zu Beförderung der Sachen 
geordnete 2000 Kth. ad eliberandara fidem interpositam zugeschickt 
werden mögen. E. Ch. D. werden diese Summ jährlich zehnfältig 
wieder einbringen können, wann Sie nun mehr, da die Englischen frei 
und ungebunden sein, mit England tractiren lassen, dass sie die Waaren 
lieber uff dero Porte oder auch nur Elbing, als nach Danzig bringen'). 

Bei dieser so guten und längst erwünschten Sach fand sich also 
gleich ein hohes Praeiudicium, dass die Littauer per Constitutionem 
Reipublicae E. Ch. D. Zoll als Übermacht und denen Pactis zuwider- 
laufend erklärt und dem Instigatori deswegen uff künftigen Reichstag 
wider E. Ch. D. zu agiren uffgetragen. Wie ich nun in diesem Stück 
so lang als keine ersinnliche Möglichkeit war, dass dergleichen Ding 
uff diesem Reichstag getractirt werden könnte, damit ich das malum 
bene positum nicht rege machen möoht, ausser des Fürsten Radziwillen, 
Castellanen zu Chelm Goraysky und dem Reichs Referendario Zalesky, 
zu denen ich sonderbares Vertrauen trug, nicht unterbauen dürfen, also 
kam es mir so viel fremder vor, da ich des Concepts gewahr >vurde, 
welches dann durch sonderbares Glück geschah. Weil nun nicht allein 
die Sach an sich selbst, sondern auch der modus procedendi, dass der 
Zoll durch eine öffentliche Constitution abgeschafft werden sollt, ja aller- 
dings die formalia wegen der Citation durch den Reichs Instigatoren 
überaus nachtheilig und beschwerlich waren: also fiel mirs in ipso mo- 
mento, da die Sach vorgenommen werden sollt, fast unmöglich vor, 
dieselbe zu hintertreiben ; dann eines Theils haben E. Ch. D. Bediente 
keine vocem in consessu publico, zum andern könnt ich auch nicht 

') Vergl. oben pag. 41 not. und Lengnich VI. p. 256. 

') Die englisch-preussißche Handelsgesellschaft hatte ihren Sitz früher in Elbing 
gehabt; nachdem Danzig seit 1628 das Monopol der englischen Tücher erlangt hatte, 
hatten sich die Engländer nach langen vergeblichen Unterhandlungen (Lengnich V. 
"p 243. VI. p.42) endlich mit ihrer Niederlage von Elbing weg und nach Danzig gewendet. 
Vergl. die Abhandlung «von dem Ursprung der brittischen Uandlungsgesellschaft in 
Elbing* in Crichton Urkunden u. Beiträge zur Prcuss. Gesch. (Königb. 1784) p. 85 ff. 



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234 '* PfcuMen und Polen. 

einst privatim mich vermerken lassen, dass mir solches zuwider war; 
dann sonsten hätten die promotores dieser Constitution, welche aller 
Apparenz nach durch die Königsberger ufifgewiegelt worden, nicht allein 
mich, der ich nur incognito darinnen gelitten ward, sondern zu ewigen 
Zeiten durch mein Exempel alle E. Ch. D. Bediente aus dergleichen 
Zusammenktlnften geschlossen; musst ich diesem nach nur unvermerkt, 
theils durch Zettel, theils auch der Herren Diener selbst bei denen 
Krön- und Grossfllrstenthums Littauen Canzlern unterbauen, damit die 
Constitution als nachtheilig nicht beliebt, sondern auch als schimpflich 
nicht feinst gelesen werden möchte. Dieses letzte war bei dieser Hitz 
der Littauschen Stände keines Weges zu erhalten, in dem ersten aber 
halfen mir wolgemelte Herrn, insonderheit der Littausche Gross Mar- 
schalk Radziwill, mit dem ich, weil er eben vor Verlesung dieser Con- 
stitution heraus ging, zu reden und durch ihn den Littauschen Gross 
Canzler, seinen Herrn Bruder, zu informiren Gelegenheit Überkam, so 
treu und wol, dass die letzten Wort wegen des Instigatoris Action vor 
der Verlesung ausgethan und hernach an deren Statt uflf des Herrn 
Krön Gross Canzlers und Referendarii Erinnerung diese gesetzt wurden 
(damit vielleicht S. Kön. Maj. E. Ch. D. zu einem Abtrage zu bewegen 
vermeinen), dass S. Kön. Maj. E. Ch. D. wegen Abschaffung dessen, 
was den Pactis zuwider erhöhet worden, gebührend belangen wollten. 
Nach uffgehobener Session bedankt ich mich gegen die Herrn, welche 
E. Ch. D. Jura vertreten, zum fleissigsten *) etc. — 



Hierbei die Gravamina Evangelicorum. — Von Hoverbeck zu- 
sammengestellt. Viele starke Beispiele von Verfolgung gegen einzelne Evan- 
gelische — man hat das alte Jagellonische Beeret, das seit 200 Jahren 
nicht in Ausübung gekommen, wieder vorgesucht, und scheint es wirklich 
ausführen zu wollen — namentlich eifert man auch gegen das Privatexer- 
citium des evangelischen Gottesdienstes während des Reichstags; der Woi- 
wode von Pommerellen, Graf Dönhof, und der Castellau zu Chelm Goraysky 
haben in den Osterfeiertagen in ihren Quartieren predigen lassen; nament- 
lich die Masowischen Landboten') sind darüber ergrimmt und wollen es 
womöglich durch eine besondere Constitution untersagen lassen; sie wollen 
sich zu dem Ende an den Bischof von Posen als den Ordinarius von Ma- 
sowien wenden, und wenn er es nicht zu Wege bringt, ihm den Gehorsam 



^) Man hat hier den inneren Zusammenhang dessen, wovon Lengnioh I.e. 
p. 257 nur den äusseren Vorgang berichtet 

') Der Sitz des Reichstags, Warschau, gehört sn Masowien. Interessante Be- 
merkungen über die Stellung der Masowischen Landboten auf den polnischen Reichs- 
tagen überhaupt, bei Lelewel Betrachtungen über den polit. Zustand des ehemali- 
gen Polens p. 201 ff. 



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Die Reichstagsconstitttiionen. 235 

in spiritaalibas aufsagen, „weil er über denen luribus seiner Untergebenen 
und der ganzen Catholischen Kirche niclit gnugaara eifern thät". — Ja 
man will wol, wie es heisst, die beiden Genannten Vor das Reichstribunal 
fordern „tanquam Infractores Pacis publicae et lurium specialium Ducatus 
Masoviae**. 



Extract aus den Eeichstagsconstitutioneii de a. 1647. 

TheloneumPillaviense. Alldieweil des Grossfürstenthums Littauen 
Landboten Uns hinterbracht haben, dass die Zolleinnehmer des Herzogen in 
Preussen über das Sr. Ch. D. per pacta verliehenes Recht mit Beschwerd 
des Grossfürstenthums Einsassen neue Zölle in der Pillau einnehmen; pro- 
mittimus hac in parte interponere authoritatem Nostram Regiam bei dem 
Herzoge in Preussen, dass S. Ld. dieselben verbieten wollten, sowol der 
Krön, als des Furstenthums Littauen Stände mit dergleichen exactionibus, 
welche deroselben von Rechts wegen nicht zustehen, zu beschweren. 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 29. Mai (1647) 
um 4 Uhr nach Mitternacht. 

[ScbluHS des Reichstags. Wie die Reichstagsconstitationen zu Stande kommen. Die 
den Kurfürsten angehenden Punkte derselben. 

E Ch. D. soll aus unterthänigster Pflichtschuldigkeit ich nicht un- 29. Mai. 
gemeldet lassen, dass sich diese Stunde gleich der Reichstag über aller 
Leute Vermuthen in grosser Confusion, welche angefangen in der Land- 
botenstube und hernach vor Sr. Kön. Maj. von der Zeit an, wie naan 
die Constitutionen complaniren sollen, mächtig zugenommen, geendiget. 
Dann, zu geschweigen vieler andern, hat diese denen Ständen selbst 
überaus praejudicirliche Procedur immer zugewährt, dass zu jetzt ge- 
dachter Complanirung nicht nur die in der Landbotenstube beliebte, 
wie es Rechtens und Herkommens, sondern auch viel, ja die meisten 
vom Landbotenmarschalk selbst nicht einst überlesene Concepte, wie 
ihm dieselbe einer oder ander (mit der Protestation, dass, woferne er 
sie nicht verlesen würde, auch nichts vor richtig geschlossen gehalten 
werden sollte) ufl^irang, öffentlich verlesen, und deren viel, theils wegen 
nicht so schleunigen Besinnens, was dieses oder jenes nach sich ziehen 
würde, oftmals auch in Abwesen derer Interessenten placitiret; dass 
also auch von denen, die mit dirigiret, sich ihrer nicht wenig künftig 
deswegen hinters Ohr kratzen werden; da doch vermöge der legum 
fundamentalium auch nicht ein einig Wort in die Constitution gertickt 
werden sollte, das nicht unanimi omnium Ordinum consensu nemine 
contradicente vel contra protestante bestätigt worden. 



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236 '■ Pj^euBsen und PoI«d. 

Von Constitutionen, so E. Ch. D. mit afBciren, weiss ich mich an- 
jetzo in Eil nur der folgenden zu besinnen: 

1) die wegen Abschaffung des erhöheten Pillauschen Zolls, darinnen 
ich hoflF, die in meinem nächsten Bericht erwähnte Wort geändert zu 
bekommen. 

2) Abschafiung der Danziger Tücher Siegelung, oder eigentlicher 
zu reden Communicirung des Tücher Siegels allen an der See gelege- 
nen Städten, dadurch dann der Danziger Tuchhändler Monopolium uff- 
gehoben wird. 

3) Münz Commission , darinnen zwar E. Ch. D. und derer andern 
geringem, so dieses Münz Regal von der Republica zu Lehen tragen, 
nicht gedacht worden; es soll aber, wie mir der Herr Krön Gross Canz- 
1er im Herausgehen versprochen, gebührend geschehen, oder auch wol 
diese Constitution, weil sie ihrer vielen zuwider, ganz ausgelassen 
werden. 

4) Sonsten ist auch eine Constitution verlesen und bestätigt wor- 
den, darinnen der Staroste von der Lomse dem Starosten zu Ostrolenk 

Duczyminski und folgends E. Ch. D. Factom, dem Werd von 

Danzig per indirectum die Flössung der Holzwaaren zu hindern trach- 
tet, indem er diese Formalia mit eingeflickt, dfass von keinen Gütern 
Holzwaaren geflösst werden sollen, als die deswegen vermöge der 
lustrationum die Quartam der Reipublicae zahlen. Ich werd mir aber 
angelegen sein lassen, solche clausulas dagegen hineinzubringen, dass 
dieselbe auf E. Ch. D. , als welche denen Reichs Constitutionen nicht 
unterworfen, auch nirgends anders mit, als Ihren Pactis stringirt wer- 
den können, nicht werden zu ziehen sein. 

5) In der Constitution, da die Respublica E. Ch. D. ordinär öub- 
sidium (so man alhier fast alle Weg „Canonem" nennen thut) zum 
ordinär Unterhalt der Gränz- oder Quart-Armee leget, wird nach Er- 
zählung derer andern Einkünfte beschrieben, wie alle und jede, so 
einige von denen specificirten hinterhalten würden, zu richten und 
strafen sein; muss also auch hierbei darauf geachtet werden, damit 
dieses letzte also stylisiret werde, dass maus auf E. Ch. D. nicht ziehen 
könne zur Verunruhigung E. Ch. D. Räthe und Diener. 

6) Haben die Masuren durch Antrieb des Herrn Starosten von der 
Lomsc auf dergleichen Grenz Commission, als sie vor etlichen Jahren 
albereit in die Constitutionen mit eingerückt, da nämlich jedes Theil 
die seinige nennet, mit solcher Ungestüm zur Unzeit gedrungen, dass 
man ihnen ein Theil derselben ablesen lassen; wie sie aber kaum auf 
die Hälfte kommen, wurde der Landmarschalk gedrungen um gnä- 



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Reichstaggconstitutionen, Wirkung d. Provisionalvergleichs mit Pfalz-Neuburg. 237 

digsten Abscheid anzuhalten; dessen ungeacht darf sich der Staroste 
von der Lomse vermessen, dass er bei der Correetur der Constitutionen 
damit durchzudringen traut. — 



Hoverbeck an d. Kurfürsten. Dat. Hohensteiu 3/13. Juni 164t. 

[Retractation des Ffalzgrafen von Nenburg; der Provisional vergleich. Hoverbeck un- 
terstützt den Neuburgischen Gesandten bei seiner Werbung an den Reichstag.] 

Des Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg f. Dchl. Schreibens an S. Kön. 13. Juni. 
Maj., so mir durch des Herrn Oberkammerherrn Wolw. zugeschickt 
worden *), hab ich mich den Reichstag durch so wol bei Sr. Kön. Maj. 
als denen Herren Senatoren, zumal denen geistlichen und dem Königl. 
Hause sonders zugethanen, zu Bezeugung E. Ch, D. söhnlichen ßespects 
und Affection praevaliret, und dabei die Umstände der Zeit und gegen- 
wärtiger Conjuncturen zu consideriren vorgestellt: dass nämlich E. Ch. 
D. aus allen Partien, so Ihr vorgestanden, die AUiance zuvörderst er- 
wählen wollen, welche rationibus status mit der Republica so genau 
verbunden, dass ein Theil ohne das andere keines Weges in Wolstande 
sein kann; und da Sie hiedurch sich in vortheilhafte Postur gestellt 
und hingegen der Herr Pfalzgraf von Volk, Geld und Alliirten, die 
etwas seinetwegen anjetzo zu thun vermochten, ganz entblöst gewesen, 
Sr. Kön. Maj. zu Wolgefallen mehr bei Sr. f. Dchl. gethan, als dero Herr 
Vater immer .... von E. Ch. D. begehrt. 

Damit auch der Herr Krön Gross Canzler E. Ch. D. zu Dienst so 
viel mehr devincirt würde, hab ich in Sr. f. Gn. Gegenwart die Audientz 
bei Sr. Maj. gesucht und dabei deroselben das Zeugniss und den Dank 
gegeben, dass Sie durch Ihre sonderbare Dexterität viel bei der Sachen 
gethan und E. Ch. D. dero Person und ofl\cia zugleich nicht in geringer 
Consideration gehabt. S. Kön. Maj. haben dieses alles zugestanden und 
mit nicht geringer Bezeugung dero Freuden und Danks gegen den 
Herrn Ober Kammerherni, als welchem auch der Herr Pfalzgraf nicht 
wenig zuschreiben thut, aufgenommen und mit ausftlhrlichen Gegener- 
bietungen beantwortet. Auf das Schreiben aber selbst ist noch zur 
Zeit nichts erfolgt, meines wenigen Erachtens theils wegen tiberhäufter 
anderer Geschäfte, theils auch weil der Neuburgischti Resident auf die 
Abschrift des Vertrags *) vertröstet und S. Kön. Maj. denselben vorhero 



*) In Folge der durch Burgsdorfs Sendung nach Düsseldorf (s. unt) eingetretenen 
besseren Besiehungen hatte der Pfalzgraf Philipp Wilhelm ein Schreiben an den König 
gerichtet, welches eine Retractation des ob. p. 219 gegebenen vom 28. Sept. 164B war. 

^ Des neuen am 8. April 1647 eu Düsseldorf geschlossenen Provisionalvergleichs 
über die Jölich-Clevischcn Lande. 



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238 '• P'eugeen und Polen. 

sehen wollen. Ich zweifei aber nicht, E. Ch. D. werden darinnen auch 
Sr. Kön. Maj. Mediation honorable Meldung thun lassen. 

Öiesem nach hab ich nun den gemelten Herrn Residenten, wie er 
mir dann dessen verhoflfentlich Zeugniss geben wird, meines wenigen 
Orts in seinen Negociationen, zumal wegen der Ehesteuer, secondiret 
und die, so wegen entstehender Gegenversicherung Ausfluchte gesucht, 
mit mehrem Nachdruck als er selbst, weil ich deshalben vor unparteiisch 
gehalten ward, widerlegt*). Aber, wie dem allem, haben S. f. Dchl. 
diesen Reichstag keine wirkliche Satisfaction erlangen können, yne wol 
dannoch Sie es damit weiter, als weder der König selbst, noch der 
Prinz Casimir in ihrem Suchen gebracht. 



Hoverbeck an die Oberräthe. Dat. Hohenstein 18. Juni 1647. 

[Neues Drängen des Königs die ZoUsnche wieder aufzunehmen. Die Cassirang des 
Dnnziger Tuchmonopols und die Neuordnung des englischen Tuchhandels. Privile- 
gium und Confirmatio. S&umige Zahlung der Ton Hoverbeck versprochenen Donativcn.] 

18. Juni. E. Gn. und Herrl. soll ich dienstlich nicht vorenthalten, dass, da 
ich nach geendigten Feiertagen und einigen wenigen Anordnungen in 
dieser meiner so ganz vergessenen Haushaltung mich von hinnen zur 
persönlichen UflFwartung bei E. 6n. und Herrl. erhoben und von allem 
Verlauf des nächst verwichenen Reichstags ausflihrlichen Bericht thun 
wollen, mir durch einen Königlichen expresse abgefertigten Dragoner 
ein Königl. Schreiben, wie die beigelegte Copey ausweist'), eingeliefert 
worden. Wie ich mich nun in dieser Materie solchen Eifers bei Sr. 
Kön. Maj. nicht versehen, sintemal, da ich bei meiner Audienz um 
Dilation bis zu Sr. Ch. D. Ankunft ins Land inständigst anhielt, S. Kön. 
Maj. mir keine Aversion bezeugten, sondern allein mit lachendem Mund 
im Scherz sagten: Obaczemy sif o soli*), [Dieses ist ein Masausches 
Sprichwort, so in Antwort pfleget gebraucht zu werden, wann Jemand 
sagt: was will er nur thun, ich will ihm aus dem Wege gehen, er 
soll mit nicht beikommen, und verstehen dadurch die Zusammen- 
künfte, da man ihnen ihr deputat Salz pfleget auszugeben; dass also 
des Königs Meinung dahin gangen : wie tvol Ihr Euch selbst viel zu- 



') Die «Ehestiftnng" hatte 200,000 fl. pol. als Mitgift versprochen; indess, meint 
H. weiterhin, wird es zum allerhöchsten auf 150,000 ü. pol- kommen, so dass Littauen 
50 und Polen 100,000 fl. pol. gibt. 

') Schreiben -dee Königs an Horerbeck, dat. Warschau 10. Juni 1647: er 
sei „nunmehr völlig entschlossen, bewusste Zollsache fördersamst fürKunehmen und 
in derselben eine endliche Richtigkeit zu machen*. Hoverbeck möge sich daher bis 
zum 25. Juni in Warschau einstellen. 

') »Wir werden sehen beim Salze*. 



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Der König drftngt auf einen nenen Zollvertrag. 239 

traut ^ so kommen mir doch auch wol Occasionen zur Hand] *) — und 
ich weiss trol, dass Ihr indessen nicht außören werdet Euere Vor- 
theil zu suchen; und aber desfalls ich replicirte, S. Ch. D. hätten 
in andern und zwar viel höhern Geschäften lieber überaus vortheil- 
hafte Occasionen aus Händen gehen, als Sr. Kön. Maj. Authorität bei 
Ihr nicht Statt finden lassen, ohne weitere Erwähnung dieser Sachen 
mir ganz gnädigsten Abscheid ertheilten: als weiss ich hierinnen kei- 
nem andern, dann dem Herrn Spiring alleine die Schuld beizu- 
messen, welcher uff der Jagd Sr. Kön. Maj. uffgewartet, und weil er 
mit dem Staatischen Residenten Peltz einen Process führt und deswegen 
fast um die mir von Sr. Kön. Maj. angesetzte Zeit einen terminum hat, 
seine privat Händel mit diesem praetextu publico zu beschönigen und 
sich bei dem Könige verdient zu machen Zweifels ohn trachten thut. 
Dann was des Herrn Woyewoden zu Pommern Excell. und des Herrn 
Krön Gross Canzlers f. Gn., mit welchen beiden diese Materie alleine 
communiciret wird, [anlangt]*), hab ich deren keinen mit dergleichen 
Wahn zu belegen; dann jener hat ihm noch in stehendem Reichstage 
diese Dilation gar nicht missfallen lassen; dieser aber auch bei meinem 
Abscheide in sonderbarer Freundlichkeit, da ich erwähnt, dass sich 
böse Leute finden, welche Sr. Ch. D. dilationem pro elusionibus deuten, 
sich zum Btirgen in contrarium anerboten, weil ihm S. Ch. D. sowol 
wegen der Schwedischen Heirath, als des Vertrags mit Pfalz Neuburg 
halben so richtig dero gnädigst Churfürstliches Wort, daran er dann 
nie gezweifelt hätte, gehalten^). So hatte mir auch der Herr Praelat 
Fantoni*), dessen, als Sr. Kön. Maj. vertrautesten Dieners, ich mich, um 
der Spiringe molimina zu hintertreiben, behelfen thue, gar gute Hoff- 
nung gemacht — 

Bei der [Constitution] ') wegen der TUcher Siegelung haben sowol 
die Herren Elbingischen Abgeordnete, als auch Herr Peter Michel, so 
sich zu Ende des Reichstags bei Hofe gefunden, wenig unterbauen oder 
negocüren wollen. Drum ist in derselben, was wegen des Danzig^ 
monopolii, als auch der Räumung des Nogats zu Anfangs gesetzt ge- 
wesen, ausgelassen worden; daher o dann zu besorgen, die Danzker 
möchten uffs neue durch Handlung vermittelst vortheilhafter Conditionen 



') [—] am Rande. 

*) Fehlt in der Hds. 

») Vergl. Lengnicb VI. p. 267. 

*) An diesen ein italienisches Schreiben Hoverheck's, dat. HobenstaiB alli 14 di 
Giugno 1647, worin er ihn bittet, Aufschub für die weitre Verhandlung «u bewirken, 
bis der Kiirfdrst nach Prenssrn snr(ick kommt. 



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240 ^' Preusseu und Polen. 

die Englischen suchen an sich zu ziehen, dafern Ö. Ch. D. oder die 
Stadt Elbing ihnen nicht zuvorkommen. Ich hätte gerne per-expressum 
hineingerticket bekommen, dass S. Ch. D., wer Ihr belieben würde, es 
sei in der Stadt Königsberg oder der Pillau, mit diesem nunmehr com- 
municirten Sigillations beneficio begnadigen möchten, weil gleichwol 
jedes Stück 10 gr. in Danzig gegeben und das Ganze bei 10,000 fl. 
getragen; es ist aber solches keines Weges zu erhalten gewesen; ich 
hab auch nicht so gar harte darauf dringen dürfen, damit um solcher 
Aenderung willen den Danzkern nicht Gelegenheit gegeben würde, das 
ganze Werk wieder umzustossen. — 

lieber das so hab ich auch den Thomern an die Hand gegeben, 
dass sie auch um ein Privilegium sigillationis mit anhalten möchten, 
dardurch dann, wann die Herrn Königsberger ihr bei den letzten Au- 
stands Tractaten ungerilumter Weis praetendirtes ins portus durch diese 
Constitution ihnen wieder anzumassen sich unterstehen wollten, was 
die Respublica gemeint und wie sie's wolle verstanden haben, so viel 
klärer könnte erwiesen werden. So werden auch wol E. 6n. und 
Herrl. bei Concipirung des ihnen von Sr, Ch. D. ertheilten pri\dlegii 
(dann solches hab ich per expressum ausbedungen, so wol bei Sr. Maj. 
als denen Herren Canzlern) ohne meine unnöthige Erinnerung befehlen 
in Acht zu nehmen, dass diese Concession ihnen nicht vigore iuris portus 
aut ad portum, sed ex mera gratia principis geschehen. Und alsdann 
könnten S. Kön. Maj. als directus dominus solches contirmiren; dann 
um dieses Willen hab ich so inständig um das Wort „Confirmationes** 
angehalten, damit die Constitution disjunctive oder respective konnte 
verstanden werden, dass nämlich S. Kön. Maj. denen Dir immediate 
Unterthanen „Privilegia*% den Königsbergern und Memmelern aber 
„Confirmationes" ertheilen wollten. Und hätte ich nicht Ver- 
tröstung gethan, dass es auch wegen der Confirmationen nicht ohne 
Frucht vor die Canzleien abgehen würde, möcht es vielleicht mehr 
Schwierigkeit haben abgegeben. — 

Indessen aber möchten E. Gn. und Herrl. ihnen hochgünstig ge- 
fallen lassen, den Königsbergern per expressum zu ^verbieten, dass sie 
sich den Kitzel nicht treiben lassen, S. Ch. D. vorbei und zum Könige 
pro Privilegio zu gehen, sondern vielmehr jetzo gleich bei Sr. Ch. D. 
um das Privilegium zu suppliciren. 

Dringt weiter auf Einsehiekung der von ihm hiebei versprochenen und 
zum guten Theil bereits ausgelegten 2000 Kth. — ^Dieses muss ich so viel 
sorgfältiger erinnern, als mich die vorige Exempel furchtsamer und schauer 
machen und es ja in alle Weg unbillig war, dass mir mein Officium 



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Der Tuchhandel nnd das DanEiger M^onopol. Erbitterung des Königs. 241 

sollte entweder an meinem geringen Vermögen oder Credit bei Hofe 
schaden.'' — 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Cleve 29. Juni 1«47, 

Anweisung, Hoverbeck die 2000 Rth. zu schicken, und da Königsberg 29. Juni, 
und Memel von der Sache den meisten Gewinn haben, so mögen sie die 
Bezahlung dieser Summe übernehmen. — 



Hoverbeck an Conr. v. Burgsdorf. Dat. Warschau 30. Juni 1647. 

(Köiiigsb. Arch.) 

[Fortdauernde Erbitterung des Königs wegen des Ausgangs der Zollsache. Wie es 

jetzt mit der Verpfändung preussiscber Domainen steht. Die Elbinger Differenz. 

Rath sich mit dem König abzufinden.] 

Aus meinen jüngsten etc. Berichten ist zu ersehen gewesen , wie 30. Juni, 
eiferig es S. Kön. Maj. mit den Zoll Tractaten meinen und was S. Ch. 
D. vor praeiudicia zu besorgen, daferne Sie es in Zeiten nicht unter- 
nehmen. Zwar hab ich bishero noch durch Gottes Gnad . . . alle be- 
sorgende praeiudicia theils abgewandt, theils zurückgehalten; ... ob 
ich aber in die Länge werde Widerstand zu thun genugsam vermögend 
sein, das stehet bei dem Allerhöchsten; zumal da S. Kön. Maj. in dem 
Wahn stecken, dass alle Dilationen dahin gerichtet sein, damit man Siß 
ganz leer ausgehen lasse, und derentwegen nicht soweit darauf ge- 
denken, wie die Sach uff beiderseits annehmlich- und Ihr fruchtbare 
Weg gerichtet werde, dann dass Sie aus Desperation alles stutzig 
machen und Sr. Ch. D. hingegen wehe thun, sich aber selbst durch 
solche Räch ergötzen mögen. Darinnen Sie dann durch des Spirings 
unablässiges Eingeben und der Elbinger immerzu wiederholtes Klagen 
gestärkt werden. 

Gestern bin ich das erste Mal vorgestattet worden, da ich dann 
meine Negociation dahin vornehmlich zu richten gesucht, dass die von 
Sr. Ch. D. begehrte Dilation bis zu dero Ankunft ins Herzogthum . . . 
ohne Verdruss vergönnet und indessen sowol dem Elbingischen Process, 
als denen Zoll Tractaten ein Anstand gegeben werden möchte. Ich 
fand aber S. Kön. Maj. nicht allein hart und durch die Gegeninforma- 
tion ganz eingenommen, sondern auch mit der Antwort ganz fertig, dass 
in diesem Jahr im Zollwesen keine Aenderung gemacht und Sr. Ch. D. 
Ankunft ins Herzogthum gar nicht vermuthet werde. Man considerire 
dero Staat so wol dorten, als in den hiesigen Landen; dann in jenem 
fielen von Tag zu Tag neue Behinderungen und Händel vor, alhier aber 
verpfände man alleweg mehr und mehr, dass Sie schwerlich den Unter- 
halt haben könnten. 

Mater, zur Gesch. d. Gr. Kurfürsten. I. 1^ 



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242 '- Prenssen und Polen. 

Wie ich aber gleichwol darauf replidrt und in specie alle die ab- 
gehandelt- und accommodirte Sachen durchgangen, und zugleich ver- 
sichert, dass meines Wissens sieder Sr. Ch. D. Abreisen alhier zu Lande 
nichts verpfändet worden, auch nicht unerwähnt gelassen, dass S. Ch. 
D. es viel anders, als wol hiebevor geschehen, numehr zu suchen 
wissen, gestalt dann das einige Amt Riesenburg wol sechs mal so hoch 
neulich war angeschlagen worden, als [man's vor der an den Herrn 
General in Grosspolen geschehenen Verpfändung verrechnet habe: seind 
uff diesen geringfügigen Gegenbericht S. Köu. Maj. von dero An- 
muthungen, dass ich uff die vorige Vollmachten zur Handlung schreiten 
sollt, in etwas abgewichen; Sie wollen aber durchaus haben, dass ich 
des Syndici von Elbing Deductionen anhören und dieselbe hinterbringen 

soir). — 

Sollt es aber mit Sr. Ch. D. Hereinkunft sich etwas verweilen, 
können E. Wolw. aus obigem und was sonsten vor diesem berichtet 
worden, hochvemUnftig ermessen, obs nicht werde noth sein, dass S. 
Ch. D. zu einiger Handlung schreiten und deswegen sich gegen die 
Herrn Regiments Räthe etwas mehr auslassen, und dass solches ge- 
schehe, so lang es noch das Ansehen einer Freiwilligkeit hat und da- 
hin nicht gedeutet werden kann, als ob es durch die angedräute Mittel 
war abgedrungen worden. Meines wenigen Orts hätt ichs vor ein 
sonderbares Glück und Gnad von Gott zu achten, wann ich in dieser 
Materie, die mir so viel Reisens und Kosten verursachet und bei beiden 
Potentaten in Diffidenz*), bei den Ständen aber in Feindschaft gesetzet, 
gnäd. verschont und übersehen werden möchte. — 

Hoverbeck an die Obenäthe. Dat. Warschau 5. Juli 1647. 

(Königsb. Arch.) 

[Die Elbinger und die englische HandeUcompagnie. Seltsame Prätension von Daneig.] 

5. Juli. Andauernde Schwierigkeiten mit den Elbingern über den Zoll in Pillaii. 

Der in Warschau anwesende Syndicus von Elbing hat die Spiring's hin- 
ter sich. 

Es war auch wol zu bedenken, ob, uff den Fall, da die Elbinger 
bei der gütlichen Handlung so gar uff dem obgedachten Extremo be- 



^) Der in Warschau anwesende Syndicus von Elbing besteht darauf, dass Elbing 
in Pillau nur einen Zoll von zwei Pfennig auf die prenssische Mark zn zahlen schul- 
dig ist; während brandenbui^ischer Seite drei Pfennige (portorinm trinumniflle) als 
das, jetzt flberdies zu erhöhende, Minimum verlangt werden. 

') Eine weitere Andeutung, inwiefern auch der Kurfürst mit Horerbeok^s Tbftti|f- 
keit in der Zollangelegenheit nicht zufrieden gewesen, findet sich nicht. 



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Die Blbinger Differenz. 243 

stehen wollten, S. Cb. D. nicht mit den Engländern hätte tractiren zu 
lassen, um ihnen den Praetext zu benehmen, dessen sie sich bei Sr. 
Kön. Maj. so stark praevaliren, dass bloss um dieses Uhermächtigen 
Zolls die Engländer in Danzig mit ihrer Niederlage bleiben, da sie 
sich sonsten erklärt und schriftlich verobligirt hätten, uflF den Fall, da 
die Danziger Siegelung und monopolium abgeschaffet und der Zoll in 
der Pillau uflF 2 Pf. von der Mark reduciret würde, sich wiederum in 
Elbing zu setzen. 

Nun will ich wol glauben, dass die Engländer wegen Reducirung 
des Zolls etwas mögen gedacht haben, dass sie aber so unbillige Leut 
wären, die Sr. Ch. D. und des Pillauschen Ports Interesse so gar zu- 
wider sein und was, wie die Elbinger selbst aussagen, albereit über 
40 Jahr gewährt, über einen Haufen sollten werfen wollen, kann ich 
mir nicht einbilden; sintemal bei denen Anstands Tractaten sie, der 
Königl. Abgesandte und der Compagnie Aeltester, doch nur darauf 
gangen, dass der Zoll in den Stand, wie er vor dem Kriege gewesen, 
gesetzt und Gleichheit mit Danzig gehalten werden möchte. 

Hiebei mag ich auch nicht unvermeldet lassen, wiewol es mir gar 
lächerlich vorkommt, aber dannoch, weil es in facto bestehet, ohne 
Nachfrag nicht kann widersprochen werden, dass obmehrged. Syndicus 
zu Behauptung der praetendirten Reduction uflF die 2 Pfennige von der 
Mark und dass S. Ch. D. an die Hälfte der Danziger Tax so gar ver- 
bunden, sich unter andern auch dieses behelfen will, dass aus dem 
Herzogthum die Tax von der Stadt Danzig jährlich abgefordert und 
gleichsam in recognitionem ein Ducaten eingeschickt worden, welche 
Ducaten die Danziger noch bis uflf den heutigen Tag an einem Faden 
uffgezogen in dero Cammer halten sollen. Nun hab ich zwar mehr 
Exempel vor mir, dass die Danziger nicht ungewohnt sei, alles zu 
ihrem Yortheil zu deuten, dass sie aber so weit sollten gangen sein, 
und so gar vergessen haben, dass ihnen die Partidpation am Pfund- 
zoll von Sr. Ch. D. Vorfahren aus Gnaden gegönnt worden, und ihnen 
ein Jus und Praeeminenz über das Herzogthum in diesem Stück an- 
massen, will mir gar nicht ein. Es werdens aber E. Gn. u. Herrl. 
durch Herrn Bergmann leicht erfahren können. — 



Hoverbeck an den Kurftirsten. Dat. Königsberg 27. Aug. 1647. 

[Die KOnigsberger tergiversiren mit der AuSKahlung der von Hoverbeck zugesagten 
Donativen an polnische Reicbsstände.] 

Gnädigster Churfllrst und Herr. Wie gefährlich es sei, uff fremde 27. Aug. 
Discretion etwas vorzuschiessen, solches erfahre ich anjetzo mit meinem 

16* 



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244 '• PrensBcn und Polen. 

nicht geringen Schaden und Versäumniss; dann ob wol den nächst 
verwichenen Reichstag es der Danriger Tttchersiegelung halber nicht 
nur auf die von denfen Städten Königsberg erwünschte Weg gericht, 
dass das Monopolium uffgehoben worden, sondern noch dazu von den 
Herren ßegiments Käthen ihnen das beneficium angeboten wird, dass 
sie alle so ausländisch- als einheimische Tttcher besichtigen und stem- 
peln, auch Über das von jedem Stück etwa 10 gr. polnisch einnehmen 
mögen, machen sie sich doch des versprochenen Zuschubs halber sehr 
zu suchen und disputiren allererst, wie viel ihnen diese 10 gr. vom 
Stück jährlich tragen könnten, und ob sie in drei oder vier Jahren das 
geforderte Geld wieder herausbringen werden. Indess muss ich nicht 
mit schlechten Unkosten allhier liegen und von denen uff Credit in 
Warschau aufgenommenen Geldern die Intress auflaufen lassen. So 
weit möchte mich noch ja meines Abwartens allhier nicht gereuen, dass 
iqh verhütet, dass die Leut E. Ch. D. nicht praeterirt und von dem 
Könige, wie sie dann alle Weg sonders dazu geneigt gewesen, mit 
Vorbeigehung E. Ch. D. das Privilegium gesucht haben. — 



Peter Bergmann an Conrad von Burgsdorf. Dat. Danzig 

17. Jan. 1648. 

1648. Bergmann macht auf den wahrscheinlich bald bevorstehenden Tod des 

17. Jan. Königs Vladislav aufmerksam und ermahnt, schon jetzt auf die dann erfor- 
derlichen Schritte zu denken; er selbst könne nicht zu dem Kurfürsten nach 
Cleve kommen, werde aber seine Gedanken dem Kurf. Rath Benkendorf 
mittheilen, der sie dem Kurfürsten überbringen soll. 



Peter Bergmann an den Kurfürsten. Dat. Danzig ^l; m«?: 1648. 

[Einvernehmen mit Danzig für den FaU des Todes des Königs.] 

G.März. E. Ch. D. gnädigstes Eescript vom 30. Januar (darin E. Ch. D. 

mir eine wichtige Verrichtung |:die Correspondenz mit Danzig:] be- 
treffende gnädigst uftraget*) habe ich mit schuldigster unterthänigsten 
Reverentz wol empfangen. Und wie ich derselben Sachen meiner We- 
nigkeit nach fleissig nachgedacht, so befinde ich sie zwar wegen aller- 
hand Considerationen des gegenwärtigen Zustandes |:der Stadt :| und 
auch |:der Krone Polen :| nicht gar leicht zu practisiren, aber dennoch 
nicht unmöglich, viel weniger unbillig. Und weil E. Ch. D. gleichwol 



^) Der KurfGrst wünscht, dass Danzig sich mit ihm in Vernehmen setzen möge 
über ihr gemeinsames Verhalten bei der vorauszusehenden Thronerledigung in Polen 



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Inteiregnom. 245 

viel Nutzes daraus entstehen kann,, da es uf guten Weg gebracht 
würde, so halte ichs vor wtlrdig und rathsam zai versuchen, doch der- 
gestalt, dass es nicht das Ansehen gewinne, als rtihrete die erste Be- 
wegung der Sachen von E. Ch. D. her. 

Will demnach E. Ch. D. gnädigstem Befehlig zu gehorsamster 
Folge dasselbe Werk mit aller möglichsten Behutsamkeit und fleissiger 
Treue also vornehmen, damit es scheinen möge, als thäte ich aus pri- 
vat AflFection gegenst |: die Stadt :| solchen Vorschlag, dass |:sie:| es bei 
|: Brandenburg :| suchen sollte ihres Interesse halber; und solches mit 
erster unvermerkter Occasion, die ich dazu bekommen werde. Wovon 
ich hemacher E. Ch. D. fleissige unterthänigste Relation einschicken 
will und dabei mich der Ziffern, die ich mit E. Ch. D. geheimem ßathe 
Sebastian Strippen habe, gebrauchen, wie ich auch hier oben gethan, 
so lange bis von E. Ch. D. wegen mir andere zugeschicket werden; 
dann des Benkendorfs seine sind zu gebrauchen gar zu unbequem, 
wann zumal viel zu schreiben ist. — 



Die Oberräthe an den Kurfürsten. Dat. Königsb. 25. Mai 1648. 

Anzeige von dem am 20. Mai erfolgten Tod des Königs Vladislav; sie 25. Mai. 
bitten den Kurfürsten, nun, womöglich bald, in das Herzogtham Prenssen 
zorückzakommen. 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Cleve 12. Juni 1648. 

Die Oberräthe sollen bei solchen Yerhältnissen fleissig vigiliren, ^iri- 12. Juni. 
Sonderheit es dahin verfügen, dass Unsere Qräuzen, als zu Johanüsburg, 
Ortelsburg, und bei der Weissei mit gniigsam Landvolk mögen besetzt 
und bewachet werden, gestalt Wir dann auch gesinnt, innerhalb weniger 
Zeit vier Compagnien zu Puss zu Verstärkung Unser beiden Guarnisonen in 
den Festungen Piliau und Memel von hinnen abzuschicken'*. Ueber weitere 
Massregeln sollen sie sich mit Bergmann und Hoverbeck in Verbindung 
setzen. 



Die Obßrräthe an d. Kurflirsten. Dat. Königsb. 3. Juni 1648. 

[Vorsieh tsmassregeln bei der Sedisvacanz in Polen. Eingriff der Oberräthe in die 
herzoglichen Kassen; die Gesandten zum Convocationstag.] 

Die nötigen Yorsichtsmassregeln sind getroffen; der Landobrist ist an- 3. Juni, 
gewiesen, dass „der Seestrand der Nothdurft nach battirt" und die Gränzen 
an allen Punkten gesichert werden. 

Zuvorderst haben wir die beiden Vestungen Piliau und Mttmmel, , 
80 viel uns men$ch- und möglich gewesen, auf eine Zeitlang mit Pro- 



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246 ^' Pi^^us*^ ^u>^ Polen. 

viant versorget, habens aber nicht anders machen können, obgleich 
der Conti-ahent und Verwalter des Holzgartens, Reinhold Klein, sich 
keines Weges dazu verstehen v^ollen, mit dem Einwenden, es wider 
seine Contract und Instruction laufen und ers keines Weges bei E. Ch. 
D. würde zu verantworten haben, als dass wir die Brennholzgelder 
angreifen müssen und zur Darstreckung derselben ihn, Kleinen, durch 
Remonstrirung der Gefahr . . , gezwungen haben, der unterth. uu- 
gezweifelten Zuversicht, E. Ch. D. ihn hierunter gnädigst entschuldigt 
nehmen, auch uns zu Gnaden halten werden, dass wir in diesem Falj 
der äussersten Noth es nicht zu ändern gewusst, sondern aus der Noth 
eine Tugend, dem Sprichwort nach, müssen machen. 

Der Handel lässt sich in diesem Jahr schlecht an, und es wird von 
Zolleinnahmen wenig zum Unterhalt von Pillau abfallen. — Zur Absen- 
dung auf den bevorstehenden polnischen Convocationstag ') schlagen die 
Oberräthe Johann von Ho verbeck und Carl Friedrich von Oelsch- 
nitz vor. 

Der ganze nervus aber rei gerendae wird auf dem Gelde oder 
den Spesen stehen. Darzu können wir keine Mittel finden, noch er- 
sehen, ausserdem, dass E. Ch. D. gnädigst möchten geschehen lassen, 
dass aus den ScatuU - Geldern solche Posten flirgeschossen und aus 
den andern dieses E. Ch. D. Herzogthums Einkünften, wann der ver- 
hoflfentlich ewige Friede zwischen beiden Königi*eichen Polen und Schwe- 
den geschlossen, durch Einziehung der Guarnisonen ersetzet werde. 
Und würde hierzu nicht ein undienlich Mittel sein, wann E. Ch. D. 
Factor Reinhold Nauwerk, welcher in seines Stiefvaters Contract ge- 
treten und so ein gross Vortheil durch seinen Contract gewonnen, dass 
er wol ultra triplum desselben höher geniesst, als er E. Ch. D. Sca- 
tullen, wann die Waaren bereit allhie zur Stelle ohne seine Gefahr ihm 
abgeliefert sein, abgeben darf, angehalten würde, solch einen Vorschub 
zu thun, in mehrer Anmerkung, dass er den Titel eines Churf. Fac- 
toris führet 

Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Cleve 4. Juli 1648. 

[Protest gegen die Eingriffe der Oberräthe.] 
4. Juli. [Billigung der getroffenen Vorsichtsmassregeln.] Dass Ihr aber dan- 

noch einige Gelder aus Unser Scatul zu solchem Ende gehoben und zu 



*) Comitia convooationis a convocando nomen habent, quia omnes Ordi- 
nes convocantur, et licet ex hac causa omnia comitia convocationis possint dici, 
manet tarnen haec appcHatio iUis comitiis, qiiae mortem Regis sequuntur, pro- 
pria. Lengnich lus publ. Regui Polon. I. p. 82, 



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Intenegniun. 347 

d^ro Darstreckung ünsem Verwalter des Holzgartens, Reinhold Klein, 
gezwungen, solches haben Wir nicht anders, als mit sonderbarem Miss- 
fallen können yernehmen, und hätte man billig bei Zeiten, da Unsere 
Unterthanen noch etwas Getreidig in ihren Scheuern gehabt, auf noth- 
dUrftige Proviantirung berührter Unser beiden Vestungen sollen bedacht 
sein; dieweil Wir auch obgesetzte Unsere Scatul-Gelder albereits andern 
assigniret und sie darauf vertröstet, dabei Unser Credit dieses Orts 
nicht wenig versiret, so wollet Ihr dahin sehen, dass bertlhrter Vor- 
schuss erstattet und besagtem Unsem Verwalter mit ^em förderlichsten 
zu Unser Scatul wiederum eingeliefert werden möge. 

In Betreff der Absendung zum Oouvocationgtag genügt es, wenn zur 
Vermeidung grösserer Unkosten Hoverbeck allein damit beauftragt wird, 
„Yornehmlich da auch der von Oelschnitz noch nicht in Unsern Diensten 
und Eidspflichten ist^. 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Königsberg 4. Juni 1648. 

[Reise nach Königsberg zu den Oberrftthen. Erfordernisse bei dem Interregnum ; vor- 
zunehmende Besprechungen mit polnischen Keichsst&nden ; Ffirst Radziwill. Günstige 
Stellung von Preussen im Vergleich mit dem vorigen Interregnum ; neutrales Verhalten 
des Kurfürsten oder Eingreifen in die Wablangelegenheit; mögUche Aussichten des 
Kurfürsten selbst. — Der Kurfürst will für Johann Casimir wirken.] 

Als auf eingekommene Nachricht von Sr. Kön. Maj., wie wol längst 4. Juni, 
besorgten, aber doch zu dieser Zeit ganz unvermuthend eingefalleneu 
Todesfall die Herrn Eegiments Käthe mich anhero erforderten, befand 
ich mich eben zu Marienwerder wegen der von wolgemelten Herrn 
R. R. zwischen dem Herrn Starosten zu Neuburg und Hauptmann da- 
selbst mir uffgetragenen Unterhandlungs Commission; nichts desto we- 
niger hab ich mich in dem Herreisen so fordern wollen, dass ich am 
30ten des nächstverwichenen Monats alhier angelanget; wie wol, wann 
ich mir selber hätte folgen wollen und der Herrn Regiments Räthe gar 
hitzig eingestelltes Schreiben mich davon nicht abgehalten, ich lieber 
vorhero die Preussische Senatoren und etliche von den hohen Reichs 
Oflßcirern ersucht hätte, um unter dem Praetext der Nachfrage wegen 
Versicherung dieses Lands Gränzen zu .penetriren, was sie im Reli- 
gions Wesen und wegen des Candidati im Schilde führen, und mit 
fertigen Kundschaften, darauf obgemelte Herrn Regiments Räthe dero 
Anordnungen und Bedenken hätten zu gründen gehabt, anhero zu 
kommen. Ich möcht mich wol auch gern vorhero mit dem Littauschen 
ünterfeldherrn Radziwill unterreden, um zu erfahren, was die Evan- 
gelische vor Nachdruck oder Hinterhalt zu haben vermeinen uff den 
Fall, da die Catholische in die Confoederation gegen die in annis 1424 



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248 '* Pf^^iM^ ^"^ Polen. 

und 1438 zu Vertilgung aller derer der Catholischen Lehr oder.Päbst-r 
lichem Stuhl zuwider lebenden aufgerichte Verbindniss nicht einwilligen 
wollten; ich merk aber auch wol, dass solche Reiss und Conferentz 
nicht ohne Verdacht Calyinißcher Practiquen abgehen würde. Sobald 
ich aber nur vernehmen werd, dass S. f. Gn. dero jetzige Tribunal 
Marschalks Function abgelegt, und sich diesen Landen etwas werden 
genähert haben, will ich vorgeben, dass ich von Ihr erfordert sei (wie 
es dann auch wol nicht ausbleiben möcht) und mich zu derselben er- 
heben, von der gehaltenen Conferentz aber E. Ch. D. ausführlich 
jinterthänigsten Bericht einschicken. — 

Es würde aber wol der Sachen ein gross Licht geben, wann E. 
Ch. D. Ihr mit dem ehisten die bei vorigem Interregno so zur Convo- 
cation, als Election gefertigte ausführliche Instructioncs zuschicken Hes- 
sen. Bei dem aber muss ich wol in etwas anstehen, ob E. Ch. D. 
sich des Werks anjetzo so weit und eifrig, als wie damals geschah*), 
mit öffentlichen Sollicitationen , kostbaren und beschwerlichen Aus- 
rüstungen anzunehmen hätten. Dann der damals regierenden Chf 
Dchl. Staat war damals viel gefährlicher, als E. Ch. D. durch Gottes 
Gnad sich anjetzo befinden; beide Porte waren aus Ihren Händen; so 
wussten Sie auch im Rom. Reich nicht, wie Sie mit einer oder der 
andern Partei stunden; über das so waren die beschwerlichen Bezüch- 
tigungen wegen Uebergab der Veste Pillau und die drauf angestellte 
Inquisitionen durch die Amnistiam und Union Belehnung noch nicht 
ganz getödtet und abgethan: bei E. Ch. D. aber höret das alles, Crott 
Lob, auf, und haben Sie Ihren Staat durch Gottes Gnad besser gefasst, 
als je derer Vorfahren einer. Um welcher Consideration willen ich 
auch noch keinen Ausschlag zu finden weiss, obs E. Ch. D. nicht besser 
war, sich respectu der Candidatorum neutral, als einiger Partei auhan- 
^Bnd zu erweisen. — [Ausführliche Gründe für die Neutralität.]^ — 

Wollten aber E. Ch. D. etwas dabei aufsetzen, so mttsste es auch 
der Rede werth sein, dass Sies entweder vor sich selbst oder einem 
andern Evangelischen Potentaten, dessen Treu Sie genugsam versichert 
wären, zu gut thäten. Und möchten Sie vielleicht nicht viel mehr Mühe 
und Kosten vor sich selbst, als einem andern und doch Catholischen 
zu gut bedürfen, weil verhoflfentlich die Evangelische in und ausser der 
Krön, und insonderheit die Herrn Staaten der vereinigten Niederlande, 
welche vor allen wegen habender freien Hand vom Kriege jetzo am 
considerabelsten, wie auch die Preussische und andre Anseestädte sich 



') Nach dero Tode Sigiumund's III. am 30. April 1633. 



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Das Interregnuin. Die Tbroncandidaten. 249 

uff solchen Fall E. Ch. D. zu gut nicht wenig angreifen möchten. Uff 
welchen Fall dann der Allerhöchste seine Gnad verleihen wollt, dass 
alle E. Ch. D. Anschlag und Vornehmen zu dessen Namens Ehr, der 
Kirchen Schutz und E. Ch. D. hochlöblichsten Hauses Wölstand aus- 
fthren mögen. — 

Resolution des Kurfürsten. Dat. Cleve 4. Juli 1648. 

Die von Hoverbeck angeführten Gründe zur Neutralität „lassen Wir an 4. Juli, 
ihren Ort gestellt sein. Es lassen sieh aber dennoch die Friedenstractaten 
im Rom. Reich sehr gefährlich an und thut sich ein novum emergens nach 
dem andern hervor, also dass bei gemelten Tractaten leichtlich einige Rup- 
tur, welche der gütige Gott gnädiglich abwenden wollte, erfolgen könnte**. 
Da zu vermuthen ist, „dass der Königl. Prinz Casimirus bei vorseiender 
Election nicht wol werde praeteriret werden ,** so soll Hoverbeck sich nur 
an die bisherigen Weisungen in Betreff desselben halten '). — 



Peter Bergmann an den Kurfürsten. Dat. Danzig ^; Ji^; 1648. 

[Johann Casimir als Hauptcandidat. Sendung Benkendorfs an den Kurfärsten. Der 

französische Gesandte Yicomte d^Arpajou ; er hält mit seinem Candidaten noch zurück. 

Dansig noch immer spröde.] 

— Die innerliche Direction consiliorum publicorum belangende ist 5. Juni, 
davon annoch nicht viel zu vermerken. Der Herr Erzbischof von Gniesen 
Primas Eegni ist Alters halben, als ein beinahe achtzigjähriger, zu solcher 
Function nicht tUchtig gnug; gleichwol sind die beiden Kronen Canzler 
eilends zu ihm gefahren und sollen, wie man sagt, die universal Aus- 
schreiben zur Convocation der Stände bald heraus kommen, derer Tag 
vielleicht in die erste Woche des Monats Julii einfallen möchte. 

Auf welchen candidatum die künftige Wahl zum Könige fallen 
werde, ist noch gar schwer zu vermuthen. Man bildet sich aber ein, 
dass Prinz Casimir wol die meiste Vota haben werde, und schei- 
net, dass |: Frankreich ihn favorisiren :| werde'). E. Ch. D. ßath 
Benkendorf fähret morgen, wills Gott, zum Herrn Pommerellischen 
Woiewoden naher Marienburg, um von ihm als E. Ch. D. vertrautem 



') Die erste Resolution darfiber, dat. Cleve 12. Juni, worin der Kurffirst sich be- 
reits für Johann Casimir ausgesprochen hatte. Hoverbeck soll diesem an die 
Hand geben, dass er sich um die Unterstützung des Kurfürsten bewerben möge. 

^ Ueber den Einfluss Frankreichs auf die Wahl Johann Casimir's s. beson- 
ders Chanut Memoircs I. 308. 310 ff. Kochowski Annal. Polon. Climacter I. 71 ff. 
und die anderen polnischen Historiker dieser Zeit. Auch vergl. Arckenholts Me- 
moires concemant Christine Reine de 8uedo I. 141 ff. 



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2Ö0 '* Prenssen und Poleu. 

Freunde allerlei guten Nachricht und Raths vor E. Ch. D. sich zu er- 
holen, so in gegenwärtiger bektimmerlicher Occasion deroselben dienen 
möchte; womit er, Benkendorf, balde hernach zu £. Ch. D. hinaus zu 
kommen sich ufn Weg begeben wird. Wollte Gott, E. Ch. D. könnte 
selbst diesen Orten nahe sein. Unterdess aber, und weil E. Ch. D. 
noch dorten ist, so zweifele ich nicht, Sie werde es vor rathsam be- 
finden, zum wenigsten bei denen Schwedischen zu Osnabrück anwesen- 
den Herrn Plenipotentiariis wegen der Tractaten eines ewigen Friedens 
mit Polen fleissig Erinnerung thun zu lassen. — 

Ich bin bis heute noch nicht beim Kön. Französischen Gesandten 
Herrn Visconte d'Arpajou gewesen einiger Consideration halber; nun 
aber (weil ich vermerket, dass er wegen des Todesfalles Sr. Maj. seel. 
Gn. nicht eben stracks wieder zurUcke ziehen, sondern andere Ordre 
von seinem Herrn erwarten wolle), so hab ich mich vor Schliessung 
dieses resolvirt, ihn mit guter Manier, so mir an die Hand gekommen, 
gebührlich anzusprechen und zu complementiren als von mir selbst, in 
Erinnerung der guten Affection E. Ch. D. gegenst die Krone Frank- 
reich etc. — 

Complimente. Arpajou erklärt, znr Einleitung von Verhandlungen über 
einen ewigen Frieden genügende Vollmacht zu haben. Von Kroncandidaten 
nennt er Prinz Casimir, Prinz Carl, Erzherzog Leopold «nd den Pfalz- 
grafen von Neuburg; wen er aber begünstigen werde, lässt er nicht mer- 
ken, sondern sagt, „dass er damit bis gar ufs letzte still bleiben müsste**. 

Ich finde sonst in ihme einen gar reifen Verstand und gute Ex- 
perientz in Statsachen. Er wiederholete oft, dass sein König und Herr 
kein ander Interesse bei der Krone Polen zu suchen hätte, als ein 
gutes Vernehmen gleich andern Potentaten, v. g. dem Hause Oester- 
reich, nicht mehr auch nicht weniger. Fragte sehr fleissig, wie balde 
wol E. Ch. D. in Preussen sein könnte; wann er von der Hereinreise 
hören würde, so wollte er Ihr mit Fleiss unterwegs aufwarten. So viel 
merkte ich wol an ihm in puncto |:electioni8:|, dass welchen |:Oestreich 
favorisiren:| werde, |:dem:| werde |: Frankreich verhindern :| wollen. 

Dieses habe ich also kürzlich in Eil E. Ch. D. unterth. nicht ver- 
halten sollen. Von |:Danzig:| merke ich noch nicht, dass sie sich um 
|:Correspondenz mit Brandenburg :| gross bemühen, derwegen schweige 
ich auch stille; die Zeit wird es vielleicht noch geben. — 



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Die Thronoaodidaten. Die Kosakenuoth 251 

M. Lubienski, Erzb. von (Snesen, an den Kurfürsten. 
Dat. Varsaviae 8. Juni 1648. 

[Die Kosaken- und Tatarennoth. Bitte um bewaffnete Hilfe.] 
[Zu dem Tode des Königs kommt ein zweites Unglück hinzu.] Luctuosae 8. Juni, 
nostrae orbitatis calamitatem auxit insuper clades illata a Cosacis et 
Tartaris in perniciem Reipublicae coniunctis, caeso nostro exercitu et 
ex ducibus altere capto, caeso aJtero. Crevit hostium ex victoria audacia 
iamque ulterius in viscera Regni progrediuntur *). — Bitte an den Kur- 
fürsten: ut ex iis, quas habet paratas militum cohortes, aliquas nobis 
submittere velit sumptu Reipublicae. 



!ber Kurfürst an den Erzb. von Gnesen. Dat. ex arce Nostra 
Clivensi 17. Juli 1648. 

[Es ist Befehl ertheilt zur Werbung von 1200 M. t. F. und 800 Reitern; 4 Com- 
pagnien zu Fuss zum Scbuts Preussens sind unterwegs; mehr kann man im Reich 

nicht entbehren.] 

[Der Kurfürst erkenne die gemeinsame Gefahr; daher:] supremis duiatus 17. Juli. 

Noötri Consiliariis mandavimus, ut mille ducentos pedites, nee non oc- 

tingentos equites in duas turmas sub uno subtribuno dividendas sumptu 

Reipublicae quantocyus conscribant; quatuor quidem cohortes peditum 

ad tuendos limites Nostraque fortalitia Pillaviense et Memelense fir- 

miore praesidio cingenda illuc ire iussimus*); et unice optassemus, ut 

ex militibus, quos huius loci paratos habemus, simul etiam copiam 

aliquam Reipublicae subministrare potuissemus; verum cum nondum 

constet, qualiter et quomodo generales pacis tractatus in Germania ad 

finem perducantur, minus consultum Nobis esse putavimus numerum, 

Nostrum adeo diminuere. Operam tamen dabimus, ut ad plurium col- 

lectionem pro supradicto usu aspirare valeamus; certi vero quid desuper 

promittere nondum adhuc Nobis licet'). — 



') Vergl. unten ad 20. Juni 1648. 

') Vergl. über diese vier Compagnieu unter dem Oberat - Lieutenant Bern dt 
Friedrieb Ton Arnim und ihren Aufenthalt in Preusscn v. d. Oelsnltz Gesch. 
des königl. prenss. Ersten Infanterieregiments p. 71 ff. 

') Dieses Antwortschreiben wird von den Oberrftthen, denen es zugesandt wird, 
zurückgebalten und erst auf wiederholten Befehl des Kurfürsten an seine Adresse be- 
fördert (Vergl. Relat. der Oberräthe, dat 11. Aug. und Resolution des Kurf., dat. 
5, Sept. 1648.) 



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252 ^* PreuBsen and Polen. 

Die Oberräthe an den Kurflirsten. Dat. Königsb. 10. Juni 1648. 

[Klage über Misswachs und Tbeuerung in Prenssen; der Kurfürst möge, wenn er 
komme, sich sparsam einrichten.] 

10. Juni. Sie haben den Kurfürsten gebeten, bei den jetzigen Verhältnissen wo- 

möglich persönlich nach Preussen zu kommen, und hoffen darauf: 

Das Gewitter aber dieses Voijahrs hat sich mit Killte und Dürre 
dergestalt angelassen, dass das neue Wachsthum der erwartenden Feld- 
früchte sehr schlecht stehet, wenige Hoffnung machet, sondern eine 
grosse Theurung zu besorgen ist, indem bereit in den besten Littauschen 
Aemtern bei den meisten Unterthanen oder Bauren kein Brod zu finden, 
die sich mit gedorrten Wurzeln erhalten müssen, etzliche Kinder auch 
bei den Trabern und Schweintrauch gefunden sein, sich damit zu 
sättigen. 

Als können wir nicht vorbei, E. Ch. D. dessen auch unterthänigst 
zu verständigen und deroselben hochvemünfügem Churf. Nachdenken 
anheimzustellen, wie es E. Ch. D. gnädigst belieben wollte, dero noth- 
wendigen Comitat hiemach zu moderiren, auf dass derselbige dennoch 
behörig erhalten werden und keine Klag zu fllhren Ursach gewinnen 
möchte. — 

Peter Bergmann an den geh. ßath Sebastian Striepein Berlin. 
Dat. [Danzig] 6/16. Juni J648. 

[Nachricht von den Fortschritten der Kosaken ; «totalis conversio Status' ; Hilflosig- 
keit in Polen; der Kurfürst soll einen Gesandten nach Schweden schicken.] 

16. Juni. Er will von jetzt an bei den schwebenden gefährlichen A'erhältnissen 

zweimal in jeder Woche schreiben. Nachrichten über den Kosakenaufstand. 

Der Fürst Wiesniewieczky *), einer der allermächtigsten Herren in 
Reussen hat wegen Eebellion seiner eigenen Unterthanen, instinctu der 
Kosacken, alle das Seinige in der Krone verlassen und ist mit bei sich 
habenden Edelleuten nach der Moskau sieh zu salviren begeben und 
geflohen. Was solches Exempel bei andern wirken werde, lehret die Zeit 

Was die Feinde weiter vorgenommen haben mögen, wissen wir 
hier noch nicht. Wir sein hier in Preussen auch nicht sicher vor so 
schnellem Feinde, der ganz keinen Widerstand hat und keine Festung, 
sondern allenthalben ein offen Land vor sich findet, und, wie es scheinet, 
eine totalem conversionem Status zu machen im Sinne hat; dann die 



Fürst Michael Jeremias Korybut Wiesniewiecki, der wichtigste von 
den polnischen Heerführern der n&chsten Zeit. JS. Grondski historia belli CosaccO' 
Polonici p 191 ff. Pastorius hist. Polon. plen. p. 96. 202 ff, 



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Die Eosakennoth. 253 

ganze Menge nur lauter Bauern und dergleichen Gesindlein ist, so dem 
Adel sehr feind und an selbem sich rächen will; dahero sie alles, was 
Edelleute, Pfaffen oder Juden sein, todt schlagen ohne alle Barmherzig- 
keit und die Bauern und Bürger leben lassen und gegenst ihre Herr- 
schaft aufwiegeln, auch wol manche wider ihren Willen zur Revolte 
zwingen mögen. Remedia in der schrecklichen Eil sind schwer zu 
finden, da robur defensionis weg ist, andere nicht leicht zusammen 
kommen können, und da kein Geld im Vorrath und fast unmöglich 
aufzubringen ist. Der Erzbischof, so ein alter schwacher Mann bei 
80 Jahren, schreibet sehr bewegliche Schreiben aus und rufet Mann 
vor Mann zusammen unter Warschau. Kann man nur zu Haufe kommen, 
so wird man vielleicht nicht lange von der Election disputiren, sondern 
uf der Römer Weise in castris einen Imperatorem aufwerfen. Gott gebe, 
dass es nur bei einer Election bleibe und dann auch die benachbarte 
gewesene* Feinde, jetzo ungewisse Freunde, Stich halten und sich dieser 
Occasion nicht gebrauchen mögen. 

Benkendorf soll nächstens nach Cieve abreisen und „wird allerlei Er- 
innerungen uf alle Fälle mündlich beibringen^. — 

Dann wir uns auf beide Fälle, pacis et belli, wie es Gott weiter 
in diesem Interregno schicken wird, praepariren mttssen. Einen Weg 
wie den andern dUnket mir hoch nöthig zu sein, dass S. Gh. D. eilends 
einen guten Mann absque pompa in Schweden schicke, alda uf alles, 
was wir zu erwarten haben, ein fleissiges Auge zu haben und prae- 
paratoria nur zun Tractaten pacis perpetuae zu machen oder nur zu 
tentiren und sondiren. 

Der hiesige französische Gesandte d'Arpajou hat auch einen Edelmann 
nach Schweden geschickt, „pour toucher le pouls^. 



Peter Bergmann an den geh. Eath Sebastian Striepe in Berlin. 
Dat. [Danzig] 9/19. Juni 1648. 

[Grunde für die Reise des Kurfürsteu nach Preussen; seine Truppen können die 
besten Dienste thun. Benkendorfs Reise.] 

Die geheimen Räthe in Berlin haben den Kurfürsten gebeten, womög- 19. Juni, 
lieh bald dahin zu kommen ') — er lässt deshalb ein Schreiben an den Kur^ 



*) Alle Briefe aus Polen und Preussen, von Hoverbeck, Bergmann, den Regi- 
mentsrllthen sind einig darin, dass der Kurfürst bald nach Preussen kommen soll; 
die andere Ansicht, dass die Angelegenheiten im Reich wichtiger und dringender sind, 
und dass der Kurfürst im Reich bleiben soll, vertritt ein vom Kanzler Qötze verfasstes 
Gutachten des geheimen Raths, dat. Colin a. d. 8p. 21. Juni 1648. S. unt. p. 258 fr. 



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254 '* Pr^UMon und Polen. 

fürsten ^en cachet volant^ über Berlin gehen, damit die geheimen Räthe 
sieh daraus instruiren können. 

Derer reifem Bedenken wegen Ö?.' Ch. D. Hereinkunft in Preussen 
will ich nicht vorgreifen, wünsche aber, wo es cum evitatione maioris 
mali geschehen kann, dass S. Ch. D. balde dies Orts sein möge, 
sammt der Glevischen Soldatesca; dann wann dieselbe gegenst Tattern 
und Kosacken schon nicht mehr nöthig zu gebrauchen sein würden, 
so könnten sie doch wol sonsten nutz sein, wo nicht in Preussen, doch 
in Polen; ohne Sr. Ch. D. Beistand dan alles Unglück so balde nicht 
wird abzuwischen sein, wann auch gleich die Tattern, wie etliche meinen, 
wieder zurttcke gehen sollten; dann die Kosax^ken werden *wol in der 
Krone eine Weile bleiben, da sie schon einen festen Fuss gesetzt haben 
und vielleicht mit den König wählen wollen; ander weitaussehender 
Gefahr hier und dar zu geschweigen. ' 

Der Herr Benckendorf gehet morgen, wills Gott, zu Lande den 
nähesten Weg durch Pommern etc. naher Cleve; wird er aber unter- 
wegs erfahren, dass S. Ch. D. von dannen naher der Chur Mark sich 
begeben, so vnrd er sich balde wenden, dahin auch zu gehen und den 
Herren wol etwas zu berathschlagen mitbringen und vorzulegen haben ; 
wozu ich Gottes Inspiration wünsche*). — 



Ho verbeck an Conr. v. Burgsdorf. Dat. Königsb. 20. Juni 1648. 
(„Präsent. Cleve 15. Juli".) 

[Die grosse Niederlage der polnischen Quartianer. Die Situation lockt, um sie für 
den Kurfürsten in benutzen; vorerst muss man Truppen hereinschioken.] 

20. Juni. Es Würde nicht allein überflüssig, sondern auch verdriesslich fallen, 

wann E. Wolw. ich wiederholen wollt, was vor Nachrichte von der 
gänzlichen Niederlag der so lang in Dienst der Reipublicae gehaltenen 
Grenz- oder sogenannten Quart- Armee'), dabei dann die Feldherrn 



*) Von demselben Datum ein Schreiben an den Kurfürsten, ähnlichen Inhalts. — 
Graf DÖnhof Iftsst den Kurf. bitten, zu bewirken, »damit der Fürst Boguslav 
Radsiwill ehist Ton dem Orte, da er ist, abgezogen und naher Polen zu kommen 
veranlasst werde, um sein Vaterland und die Beligion darin zu retten und aeine ei- 
gene Wolfarth zu beobachten.' — Fürst Radziwill befand sich in den Niederlanden. 

*) Dies bezieht sich auf den ersten am 15. April 1648 erfolgten Zusammenstoss 
zwischen den Polen unter Stephan Potocki und den vereinigten Kosacken und Tata- 
ren, «ad Flavas aquas* und vielleicht auch schon auf die Niederlage bei Korsun (am 
Fl. Ros in der Ukraine) am 26. Mai. Budawski bist Polon. p. 8 ff. Oroudski 
p. 59. — Quart-Armee oder Quartianer: ,copiae, quas a quartH redituum ex 
praefecturis Regii« parte, in Stipendium earum sepositft, Quartzianas vocant" Pasto« 
rius p. 71. Vergl. Lengnich lus publ. regni Pol. IL p. 478. 



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Die Kosakennoth. 255 

geblieben, die Zeit hero einkommen, weil solcheB bo wol der Herr 
Bergraann über Danzig, als auch die Herrn Regiments Räthe von hier 
aus eingeschickt haben. Drum füg ich alleine bei, was an meiner 
andern Beilage vor "acht Tagen gemangelt und stelle zu E. Wolw. 
reiferem Nachdenken , ob die uf Seiten Sr. Ch. D. Unsers gnädigsten 
Herrn befindende Vortheil nicht so beschaffen, dass Sie sich billig der 
Sachen etwas mehr als hiebevor geschehen, anzunehmen und dieser 
Occasion zu Aufnehmen dero Hauses zu praevaliren hätten^). Dazu 
dann, mit Hereinschickung dero auf den Beinen habenden Volkes und 
was noch im Anzüge mit aufzubringen war, der Anfang mttsste ge- 
macht werden; indeme es Gott also wunderbarlich schickt, dass solches 
ohne Misstrauen der polnischen und ohne Widersprechen der hiesigen 
Stände zu Werk gerichtet werden kann; ja dass auch die Bespublica 
selbst, wie bei Sr. Ch. D., also auch bei dero hiesigen Regierung um 
Secours von Volk anhalten thut und sich zur Verpflegung und Unter- 
halt anbeut. Zwar wäre wol am sichersten, wann vorhero mit der Re- 
public ein Vergleich, sowol wegen der Retiraden, als auch der beiden 
jetztgedachten Puncte, der Verpflegung und Bezahlung, halber getroffen 
wtirde; um weswillen dann hochnötig war, dass S. Ch. D. mit dem 
ehisten der Ihrigen jemanden mit vollkommener Instruction abfertigten, 
damit noch bei währender Bestürzung Sie entweder obgemeltes Intent, 
oder doch uffs wenigste desto höheren Dank verdieneten. 

Wollte Gott, ich hätte meine Expedition längst erhalten, würd ich 
mit den Ständen ohne Umbindung Sr. Ch. D. alles abgeredt und ver- 
glichen haben. Ich will aber mit sollicitiren anhalten, und so bald 
ich nach Hof werde anlangen können, mit denen vornehmsten und ver- 
trautsten zu überlegen niclit unterlassen, wie das Werk sicher und mit 
Nachdruck anzugreifen war. — 



Hoverbeck an den Kurflirsten. Dat. Königsberg 24. Juni 1648. 

[AujOTorderuDg die jetzige CoDJanctiir in Polen eu Nutzen der evangelischen Partei 
nnd seines Hauses zu benutzen. Der Kurfürst als Throncandidat.] 

Gnädigster ChurfUrst und Herr. Dass die Polnische Respublica sich 24. Juni. 
in getährlicherem Zustande, als in viel hundert Jahren je geschehen, an- 
jetzo befinde, solghes werden £. Ch. D. nunmehr nicht nur aus denen 
so über Warschau als Danzig einkommenden Berichten, besondern so 
viel gründlicher aus des Herrn Erzbischofs zu Oniesen ex Senatus con- 
sulto gefertigtem Schreiben verstanden und aus dem ungewöhnlichen 



') Siehe bei dem folgenden Schreiben an den KurfQrsten. 



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256 '* P^^sen und Polen. 

demttth- und wehemttthigen Stylo haben abzunehmen gehabt. Wann 
nun jener Lande und des H. ßöm, Reichs Staat E. Ch. D. zulassen 
wollten, das Werk Ihrem von Gott verliehenen hohen Verstände nach 
mit Ernst zu embrassiren und sich jetziger Conjunctur zu des Evan- 
gelischen Wesens und Ihres hochlöblichsten Hauses Aufnehmen zu ge- 
brauchen, hätt ich mirs vor eine Gnad von Gott und ein sonderbares 
Glück zu schätzen, dass nach vielen andern Vornehmen ich auch ein 
unwürdiges Instrument desselben werden möcht; wie dann deswegen 
ich mit unterth. Gehorsam und Verlangen auf Ordre von E. Ch. D. 
warte, um damit vieler bedrängter Evangelischer Stände Hei*z zu er- 
freuen. 

Indessen übersend E. Gh. D. ich in unterth. Respect was an der 
letzten Beilag meines nächsten Berichts ermangelt*), daraus Sie dann 
Ihr unterthänigst können vortragen lassen, welchergestalt Ihre Avan- 
tagen der andern Candidatorum Vortheile leicht überwiegen könnten; 
zumal wann E. Ch. D. Ihr wollten gnädigst gefallen lassen, die in 
meinem an den Herrn Ober Cammerherm gerichteten Schreiben ange- 
deuteten Mittel*) zu ergreifen, welche der höchste Gott und die ganze 
Respublica E. Ch. D. selbst an die Hand giebt. 

Der Allerhöchste dirigire E. Ch. D. Herz und Sinn, dass Sie die 
Mittel ergreifen, welche zu Ausbreitung Seiner Ehr und Beruhigung 
Seiner bedrängten Kirche gereichen könnten. — 

Hierbei: 

Supplenaentuin anreichend die Candidatos, so bei dem jetzigen 

Polnischen Wahltage sich anp:eben oder auch sonsten in Con- 

sideration kommen könnten. 

24.Jnxii. Es wird kurz genannt Erzherzog Leopold von Oestreich, der 

die verwittwete Königin heirathen könnte. 

Dann ausführliehe Gründe für und gegen Prinz Johann Casimir; 
dabei u. a.: ^yielleicht möchte auch wol der Jesuiter Orden aus Ehrgeiz, 
damit sie denselben auf Königlichem Thron sitzen sehen , Melcher eine 
Zeit lang in ihrem CoUegio zu Rom sich zu denen aller geringsten üfl- 
wartungen hernieder gelassen, fleissig mit cooperiren.'' — 

Dann ebenso für und wider Prinz Carl, des Vorigen Bnider, Bi- 
schof zu Plotzko. — u 



*) An Bnrgsdorf, dat. 20. Juni. 

') In einem Torhergehenden Schreiben hatte Hoverbeck zncrst ein „Kurzes Be- 
denken über den Candidaten, so sich bei diesem Wahltag angeben oder in Conside- 
ration kommen möchten' eingeschickt; s. die folg. nott. Als Ergänzung dazu das 
folgende Supp lernen tum etc. 



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Die Throncandidaten. Chancen dea Kurfürsten. 257 

Wäre ein geeigneter französischer Prinz vorhanden, der die 
verwittwete Königin heirathen könnte, so würde dafür wol Prankreich 
wirken; da jenes aber nicht der Fall ist, wird Frankreich wol nichts 
für die Königin thnn. 
Dieses möcht aber wol Ihrer Maj. zu Statten kommen, dass die 
iStände theils wegen vermutheter Unfruchtbarkeit (dann sie nicht gern 
das Reich mit Prinzen erfüllet sehen), theils auch um der Bestätigung 
eines neuen Leibgedings befreit zu werden, dieselbe ganz gerne an 
ihren künftigen König werden verheirathet sehen mögen; vor sich 
selbst aber kann sie sich mit ihrem Gelde oder dem im Keich haben- 
den Anhang wenig considerable machen*). 

Des Herrn Herzogen zu Neuburg f. Dchl. würden wol vor 
allen andern Canditatis sehr considerable sein, wann keine Prinzen 
vorhanden wären, oder auch wann Sie so viel militärische Experimenta 
gethan, als Sie wol Witz und Verstand in Staatsachen ei-wiesen. So 
hält man auch insgemein S. Dchl. vor karg, sowol wegen eigener In- 
elination, als aus Noth, so lang dero Herr Vater noch lebt. 

Uff Seiten Sr. Ch. D. zu Brandenburg finden sich alle avantages, 
als 1) vermögende Leibs- und Gemüthskräfte, 2) ein tapferer und in 
Regierungskttnsten wol geübter Sinn und Verstand, 3) Gütigkeit, 
4) Liberalität, 5) Unverdrossenheit, 6) Respect und Vermögen bei dem 
H. Rom. Reich , ' 7) AUiance und Vertraulichkeit mit den Staaten der 
vereinigten Niederlande, welche wegen habender freier Hand vom Kriege 
anjetzo am considerabelsten , 8) Angelegenheit sowol der Märkisch- 
und Pommerischen als der Preussischen Lande, 9) Communes rationes 
Status mit der Republik in Erhaltung des Friedens im Reich und freier 
commercia uff der Ostsee, 10) und insonderheit ein fertiger Exercitus, 
welcher mit Recruten leicht verstärkt werden und der Reipublicae bei 
jetziger hochdringender Noth zu Hülf kommen könnt*). 

Hingegen stehen Sr. Ch. D. im Wege: 1) des Hauses Oesterreich 
Jalousie über des Hauses Brandenburg Aufnehmen, 2) der Schweden 
Misstrauen, 3) etlicher Unterthanen Furcht, 4) der Stadt Danzig moli- 



') In dem «Kurzen Bedenken" ist über diesen Punkt noch binsugefügt: §. 3 
«wie dann biebevor schon dergleichen Discurse geführt worden, dass sie dem Ezem- 
pel der Königin Anna, des Königs Stephani Bathorey Gemahlin, nach sur regieren- 
den Königin erwählt werden und nach Belieben einen von denen beiden Prinzen mit 
Dispens des Pabstes henrathen sollte. ' ~ 

*) Ibid. §. 5. «werden die Evangelische und andere Dissidlrende , wie [sie] sich 
schon dahin in Discursen ausgelassen, bei är. Ch. D. zu Brandenburg Schutz suchen, 
und dafeme 8ie nur zustimmen wollen, mit dero Wahl durchzudringen äusserstens 
bemühet sein." — 

Naier. zur Gesch. d. Gr. Kurfüisleri. i. 17 



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258 ^* Preusscn und Polen. 

mina, welche sich alle Weg besorgen, S. Ch. D. dürften Mittel und 
Wege finden, wie Sie die Handlung von ihrer Stadt auf dero Hafen 
ziehen. — Aber dieses alles wäre leicht zu tiberwinden, wann nur bei 
denen Katholischen der Hass und Misstrauen zu Sr. Ch. D. Religion 
gehoben war. — 

Dann der Herzog von Siebenbürgen, dem u. a. entgegensteht 

„sein zu strenge und (wie es wol etliche nennen dürften) tirannisches 

Regiment^. 
Bei des Hen-n Erzherzogen Leopol di hochftlrstl. Dchl. finden 
sich viel vortreffliche Qualitäten; dieselben aber können schwerlich 
contrabalanciren das tief eingewurzelte Misstrauen zu seinem Hause, 
so vor fatal allen freien Wahlkönigreichen gehalten wird. 

Es wird auch wol sonsten von grossen Vortheilen geredet, die 
der Moscowiter uflF den Fall, da man ihn erwählen wollt, anerbieten 
thut. Aber die gar zu grosse Contrarietät dieser beiden Staats Ver- 
fassungen und die x\ntipathia beider Nationen lassen nicht wol zu, dass 
man grosse Reflexion auf dieses Subjectum mache. — 

Gutachten der geheimen Räthe in Berlin in Betreff des pohii- 
schen Interregnum. Dat. Colin a. d. Sp. 21. Juni 1648*). 

[Die Lage in Polen; man wünscht den Kurfürsten in Prenssen zu sehen. Die geb. 
Räthe rathen von der Reise ab. Grössere Gefahr im Reich. Auf militftrische Hilfe 
in Polen sich einzulassen über das Mass der Lohnspflicht hat viel Verfängliches. 
Beförderung des ewigen Friedens »wischen Polen und Schweden während des Inter- 
regnum. Wahrung der preussischen Häfen. Concessionen für die Beformirtcn. Die 
Elbinger Differenz. Sicherstellung gegen polnische Eingriffe in die preussischen Do- 
maincn und Regale. Johann Casimir der präsumtive Nachfolger; der persönlichen 
Huldigung ausweichen. Session und Votum wenigstens als Recht zu wahren.] 

I.Juli. Der Kurfürst hat ihnen, dat. 13. Juni, ihr Gutachten abverlangt über 

das Verhalten während des polnischen Interregnum. 

Anfangs befinden wir, dass die Krön Polen vor itzo am aller- 
meisten wegen der Tartaren Einfall, mit denen sich die revoltirende 
Zaporowsker Cosacken') conjungiret, in Sorgen gesetzet, vornehmlich 
da der Feldherr selbst geblieben ^) und andere vornehme Herren theils 



') Unterz. von Götze, Pmlitz, Curd Bertram von Pfui, Thomas v. d. Knescbeok, 
Beb. Striepe. — Dabei das Concept, ganz von der Hand des Kanzlers Götze. — 

') Zaporogische Kosaken hcissen die Kosaken im Gebiete des Dojepr von 
ihrem Mittelpunkt unterhalb der Cataracten (za porohi) dieses Flusses. Pastorius 
1. c. p. Ib. Die Geschichte dieses »Stammes bis zur Empörung von 1648 s. bei Herr- 
mann Russische Geschichte HI. p. 602 ff. 

') Nicht der Kronfeldherr Nicolans Potocki, sondern sein Sohn Stephan 



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Die Politik des geheimen Ratlis. 259 

von den Cosackou gefangen, die übrigen aber in eine solche Furcht 
gesetzt worden, dass sie auch ihren Unterthanen nicht trauen und viel- 
mehr auf .derselbigen Disannirung gedenken, als dass dieselbige zu 
ihrer und* des Vaterlandes Defension wider die Feinde sollten gebrau- 
chet werden. 

Dannenhero in E. Ch. D. ungezweifelt mit vielen Erinnerungen 
wird gesetzet werden^ dass dieselbe in der Person sich ehistes in Preus- 
sen begeben und einen ansehnlichen Exercitum entweder selbst mit 
hinein bringen oder doch zum wenigsten voranschicken wollten,- wel- 
cher dem Feinde könnte opponirt werden. 

Dieser leidige Zustand der Krön Polen ist uns gewisslich von 
Herzen leid, und fällt er der Krön bei itzigem interregno, und da sie 
noch der Zeit kein gewisses Haupt hinwiederum erwählet, desto sorg- 
licher und schwerer. Vielleicht möchte es auch wol besser gewesen 
sein, wann die Noblesse in Polen ihre Unterthanen nicht so hart und 
fast unchristlich wie bishero geschehen, tractiret hätte, so könnten sie 
sich auf dieselbige vor itzo mehr verlassen und dürften sich so leicht- 
iich keiner Rebellion befahren. Es kann aber auch der vielgütige Gott 
diese motus wol zu einem guten Zweck dirigiren und hierdurch die 
Stände Selbsten, sonderlich die dissidentes in religione desto einmUthiger 
zusammen behalten und die Wahl des neuen Königs um so viel ehe 
und mehr befördert werden. 

So viel aber E. Ch. D. Hineinreise in Preussen anreicht, können 
wir E. Ch. D. bei so beschaffenen Dingen gar nicht rathen, dass sich 
di^gelbe darinnen zu übereilen. Dann voritzo nur mit wenigem zu ge- 
denkw, so erfordert ja E. Ch. D. tragendes hohes ChurfÜrstliches Amt, 
dass Sie Ihr des heil. Rom. Reichs Tranquillitet und Beruhigung vor- 
nehmlich aßgelegen sein lassen. So ist auch an diesen Unruhen im 
heil. Reiche kein Chur- oder Fürst höher interessirt seiner Lande hal- 
ber, als eben E. Ch. D. wegen Ihrer Lande; und wann dieselbe, was 
Gott gnädiglich verhüten wolle, sollten voUend ruiniret und verderbet 
oder gar verloren werfen, oder auch das Aequivalent wegen der Pom- 
merischen Lande, die E. Ch. D. albereit grössern Theils von aussen 
ansehen müssen, nicht zu seiner Perfection gebracht würde, so werden 
E. Ch. D. gewiss alhier im Reich ein weit mehrers verlieren, als Sie 
in dero Herzogthum Preussen werden erhalten können. 

So ist auch dem Herzogthum Preussen die Gefahr bei weitem so 



war in der ersten Schlacht gegen die Kosaken gehlieben. Nicolaus Potocki gerieth 
bei Korsun in die OefaD gen schuft der Tataren. Rudawski bist. Polon. p. 8 ff . 

17* 



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260 ^' r^reussen und Polen. 

nahe noch nicht, als sie E. Ch. D. Churftirstenthum und andere im 
Reich belegene Lande betroffen; voritzo lieget nicht alleine ganz Pom- 
mern und Meckelnburg voller Schwedischer Völker, sondern es liegen 
auch 2 Esquadron derselbigen Reuter gar in der Uckermark, und müs- 
sen wir uns täglich des Aufbruchs und Durchmarche (dann keine andere 
Hostiliteten wollen wir uns versehen) vennuthen, welche dieses Chur- 
ftirstenthum von neuem nehr hart bedrücken und beschweren werden 

Im Westphälischen Kreise liegen die Lamboysche Völker, welche ohne 
Zweifel E. Ch. D. und incorporirten Landen viel härter und schwerer 
fallen würden, wann nicht E. Ch. D. hohe Churf. Praesenz und Gegen- 
wart solches in etwas aufhielte und hinderte. 

Dahingegen ist die Gefahr von den Taiiarn dem Herzogihum Preus- 
sen bei weitem so nahe noch nicht; und wann sie demselbigen so nahe, 
welches Gott gnädiglich verhüten wollte und wir auch uns nimmer ein- 
bilden köimeu, kommen sollte, so wäre E. Ch. D. dennoch nicht zu 
rathen, dero hohe Person in solche Gefahr zu begeben, wann Sie auch 
gleich etliche Regimenter bei sich hätten. Die Krön Polen würde Ihrer 
bald müde, werden und E. Ch. D. den ganzen Last über den Hals 
lassen, wie sie dann nicht gerne zugeben und verstatten, dass fremde 
Völker in Polen geführt werden, welches die letztere Werbungen der 
selig abgeleibten Kön. Maj. gnugsam erwiesen. Anderen Kronen dürfte 
auch dieses zu neuen suspicionibus Ursache geben, sammt man unter 
dem Praetext der 'Tartaren die Krön Polen wider sie zu stärken Vor- 
habens wäre, welches man selbsten in Polen etlicher Massen apprehen- 
diret. Nichts besser würde es aufgenommen werden, wann E. Ch. D. 
Ihre Völker der Krön zuschicken werden. 

Es sind auch E. Ch. D. der Krön höher nicht . verbunden , als 
100 Pferde in dergleichen Fällen derselbigen zuzuschicken*), inmassen 
auch von E. Ch. D. Herni Vaters Ch. D., als der Krieg in Liefland 
geflihrt wurde, dem König in Polen nicht mehr zugeschickt worden. 
Wie übel es auch aufgenommen worden, dass hernacher in Preussen 
dem Könige in Polen mehr Volk zugeschickt werden wollen, ist be- 
kannt, und hüten sich gemeiniglich grosse Herren, dass sie zu keiner 



') Die Lehnsverpflichtung lautet auf «centum eqnites armati*, welche indeas der 
Herzog nur so lange auf seine Kosten zu unterhalten hat, als sie «intra limites Ter- 
rarum Prussiae* dienen; sobald sie diese Oränzen überschreiten, hat der König den 
Sold zu leisten. Bei jeder grösseren zu stellenden Anzahl hat der König den Sold 
9post egressnm a domibus eorum* zu tragen; aber für die Stellang einer ' solchen 
grösseren Anzahl besteht keine Verpflichtung. Dogiel Cod. dipl. Pol. IV. p. 473 ff. 



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Die Politik des geheimen Raths. 261 

bösen Consequenz dadurch, wann sie ein mehrers thun, als wozu sie 
verbunden, Anlass geben. 

Dass E. eil. D. portus wol besetzet und die Grenzen so viel mög- 
lich verwahret werden, finden wir hochuötig, wollen auch die vier Com- 
pagnien zu solchem Ende, so bald sie nur gekleidet, anbefohlenermassen 
hineinibefördern. Sollten sich aber, da Gott gnädig vor sei, die Sachen 
alsoweit sich ändern, dass nicht mehr die Krön Polen, sondern E. Ch. 
D. selbst wider die, Tartarn die WaflFen würden ergreifen müssen, als- 
dann gestehen wir gerne, dass es andere consilia erfordern werde. 
So lange es aber die äusserste Noth nicht erheischet, müssen wir unterth. 
rathen, E. Ch. D. hätten sich nicht zu übereilen, oder zu sehr in diese 
Sache mit zu impliciren. 'Es soll zwar des Herrn Prinzen zu Uranien 
Hoheit ersuchet worden sein, wenn etliche Regimenter abzudanken, 
solche der Krön Polen zu überlassen; ob sich aber Seine Hoheit so 
viel unterstehen, oder auch die Hochmögende Herren Staaten darinnen 
verwilligen werden, solches stehet zu erwarten. 

Hiemächst vernehmen wir fast so viel, dass wegen der itzigen mo- 
tuum man mit der Wahl des Königs wol forteilen möchte und also 
nicht Zeit übrig sein wird, durante hoc interregno viel zu negotiiren. 
Dennoch haben wir auch hierin unsere unterth. Gedanken E. Ch. D. 
gehorsamst eröffnen sollen. 

Zuvörderst Condolenz bei der Königin Witwe und bei der Republik. 
Sodann die Tractaten über einen ewigen Frieden zwischen Polen und Schwe- 
den. Es liegt sehr im Interesse des Kurfürsten, dass derselbe zu Stande 
kommt.* — 

Wir zweifeln aber gar sehr, ob die Krön Schweden, ehe der Friede 
im Rom. Reich geschlossen, dazu verstehen werde; dann so viel uns 
ihr modus tractandi bekannt worden, haben wir befunden, dass sie am 
liebsten armata manu tractiren, wozu sie sich dann der armorum, die 
sie itzo im Reich haben, wann der Friede geschlossen, gebrauchen 
werden. Nichts desto weniger hielten wir es unvorgreiflich davor, es 
würden E. Ch. D. nicht übel thun, wann Sie bei Frankreich und die 
Herrn Staaten deswegen Ihre Erinnerungen einwenden Hessen, welches 
dann durch E. Ch. D. Gesandte bei denen zu Münster und Osnabrück 
anwesenden französischen und Staatischen Gesandten geschehen könnte. 
Dann dass Ihre Kön. Maj. in England, bei dero itzigem betrübtem Zu- 
stande, dieser Interposition sich mit unternehmen sollten, allermassen 
bei den vorigen Handlungen geschehen, können wir nicht glauben. 

Vornehmlich aber würde dieses bei denen Interponenten in Ver- 
trauen zu unterbauen nötig sein, damit sie verhüten, dass nit E. Ch» 



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262 '* Pi^^ussen und Polen. 

D. Häferi im Herzogthum Preußsen mit in diese tractatus gezogen wer- 
den, allermassen es bei den ßeichstractaten also mit Pommern gehalten; 
sintemaln bekannt, wie eiferig sich die Krön Schweden bemtlhet, das 
dominium maris Baltici an sich zu bringen. Sollten nun die beide 
Preussische Häfen in ihre Hände gerathen, so würden sie ihre Intention 
grössern Theils erreicht haben, inmassen ihnen alsdann an der Ost- 
see nicht viebmehr vornehme Häfen ausser Lübeck und Danzig mangeln 
würden. Dass die Herren Staaten dieses gerne sehen sollten, können 
wir nicht glauben, sondern wollen der guten HofiFhung sein, dass sie 

E. Ch. D sich hierunter mitannehmen würden. Zu wünchen wäre es 
auch wol, dass E. Ch. D. durante hoc interregno das publicum exer- 
citium religionis reformatae in der Schlosskirehe zu Königsberg erhalten 
könnten, woran wir doch sehr zweifeln. Wann es nur so weit zu brin- 
gen, dass es entweder in dem Saal, da es itzt getrieben wird, perpe- 
tuirt, oder E. Ch. D. nachgegeben werden möchte, auf dem reformirten 
Kirchhoff oder sonsten in der Vorstädte einer eine Kirche zu erbauen, 
möchte es wol gnug sein. Dann es erinnern sich E. Ch. D. , dass der 
nächstabgeleibten Kön. Maj. Concession über das exercitium religionis 
weiter nicht gehet, als so lange Ihre Kön. Maj. leben werden. 

Hochnötig würde es auch wol sein, dass diese Differenz mit den 
El bingern wegen des Zolles bei diesem interregno ihre Richtigkeit 
erlangen möchte, damit nicht der Spiring (welcher gewisslich mit sehr 
gefährlichen consiliis der commerciorum halber umgangen) den künitigen 
König ebenfalls einnehmen und durch seine Instigatorn die Sachen 
E. Ch. D. und dero Lande schwerer machen möchte. 

Es ist auch im Anfang E. Ch. D. Preussischen Regierung davor 
gehalten worden, dass in interregno es dahin zu bringen sein würde, 
damit E. Ch. D. dasjenige, was Sie der Zeit wegen der Erhöhung des 
Zolles in der Pillau dem Könige geben mussten, solches jährlich der 
Reipublicae gegeben hätten und dadurch von dem ordinario annuo 
subsidio, wie auch dem extraordinario liberiret und hierdurch das Amt 
Insterburg von diesem so schweren onere befreiet werden könnte 0- 
Nachdem aber die Sachen mit dem Zolle nunmehr in einen andern 
Stand gesetzet, so wird zwar hiervon nicht mehr zu reden sein ; dennoch 
aber wird nothwendig dieses praecavirt werden müssen, damit der 
König nicht weiters die Hände in E. Ch. D. Domainen und Intraden 
schlage, wie man sich bei letzterer Regierung zu thun unterfangen. 



') Vergl. oben das ebenfaüfl von Götze concipirte Sphreiben des Kurfürsten, dat, 
n/21, April 1643 pa^p. 121. 



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Die Politik den geheimen Raths. 263 

Wir wollen uns nicht versehen, dass die Stände in Preussen wegen 
des Königl. Decreti, so E. Ch. D. in oeconomicis erhalten, ichtwas moviren 
werden ; und auf solchen Fall, meinen wir unterth., wäre auch ex parte 
E. Ch. D. nichts zu regen; sollten aber die Stände hierunter einige 
Beschwer flihren, so würde denselben nothwcndig entgegen gebaut 
werden müssen. 

Was die Königswahl betrifft, so wird sie gewiss auf einen der beiden 
Prinzen, wahrscheinlich auf Johann Casimir fallen. 

Sonsten wird E. Ch. D. bei der Wahl beides die Session und das 
Votum von den Polnischen Ständen streitig gemacht werden, wiewol 
E. Ch. D. vigore pactorum beides competirt und zustehet, und solches 
daher, dieweil es nie ad observantiam kommen, auch keinem Senatori 
per legatos seine sessionem zu bekleiden und sein Votum abzulegen 
zugelassen. Ob nun wol ex parte E. Ch. D. höchstgeehrter Vorfahren 
nicht weniger allerhand Bedenken mit vorgefallen, als dass es contra 
dignitatem sein würde, an dem Ort zu sitzen, da nicht allezeit der ge- 
ziemende Respect in gebührliche Acht pfleget gehallen zu werden, dass 
es sehr viel kosten würde, wann ein regierender Herzog in Preussen 
allezeit in persona die comitia besuchen müsste, und dass man sich 
an die Constitutiones Eegni, die man selbst mit approbiren würde, zu 
sehr obligiren würde, da man sonsten an dieselbige, tanquam re inter 
alios acta, gar nicht verbunden, und anderer Ursachen, um deren wUen 
man so hart die admissionem ad sessionem et votum nicht urgiret: 
damit aber gleichwol man auch nichts von deme, was dem Herzoge 
in Preussen vigore pactorum zustehet, vergeben möge, ist es jedesmals, 
wie auch bei der letztern Wahl durch E. Ch. D. Herrn Vätern christ- 
mildesten Anged. Abgesandte gesucht worden, davon die Acta mit 
mehrerm Meldung thun werden ^). Dass auch zu diesem Male solches 
ebenfalls in Acht genommen werden möge, will wol die Nothdurft er- 
fordern. 

In Betreff der Person des zu Erwählenden hat der Kurfürst sich zu 
entscheiden. Jedenfalls ist dahin zu wii'ken, dass die Huldigung bei dem 
neuen König nicht persönlich geleistet zu werden braucht; das Responsum 
Cracoviense von 1633 (von dem ein Abdruck beiliegt) hat dies auch füi* die 
Person des vorigen Königs gewährt, ohne Cousequenz indess für die Nach- 
folger. Vielleicht wäre es gut, das ganze Responsum Cracoviense von 1633 
sich neu bestätigen zu lassen. 



') VergL Lengnich 1. c. VI. p. 14. 



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254 '* Prenssen und Poleo. 

« 

Peter Bergmann an den Kurfürsten. Dat. Danzig "; jSh 1648. 

[Die Behauptung des herzoglichen Wahlrechts in Polen. Militärische Vorkehrungen 
in dem königlichen Prenssen.] 

3. Juli Ich habe neulicher Tage abermal den Palatinum zu Marienburg ge- 

sprochen und vertraulich seine Meinung zu wissen begehrt, ob E. Ch. 
D. diesmal auch sich, wegen Ihres voti in der Wahl sehr annehmen 
und bemühen solle. Darauf er geantwortet mit Ja, und dass es uf 
der Convocation stark müsse urgiret werden. Welcher Opinion ich 
unterthänigst wolmeinend beifallen muss ; dann einmal bei der Posteritet 
es nicht zu verantworten wäre, dass man ein so stattliches Mittel zu 
Erhaltung E. Ch. D. iurium und Hoheit dienend negligiren sollte. Es 
würde auch, im Fall da es gewilligt und durch vocatorias werkstellig 
gemacht würde, nicht eben nöthig sein, dass E. Ch. D. in dero hohen 
Person uf den Wahltag erschiene, sondern es würde das Ausbleiben 
wol entschuldigt und das Werk durch Gesandten verrichtet werden 
können. Ob aber ^. Ch. D. ehe und dann solches Votum erhalten, und 
Sie dazu solenniter invitiret wird, sich auslassen sollen, welchem von 
den obgemelten Herrn Candidatis Sie favorisiren solle, ist noch bei 
meiner Wenigkeit ein grosser Zweifel, massen ich pro et contra meine 
geringschätzige rationes E. Ch. D. unterthänigst vorzutragen dero Rath 
Benkendorf unter andern Punkten mitgegeben habe. 

Zu Marienburg uf dem General Landtage der Stände Kön. Theils 
ist vor wenig Tagen eine Deiensions Verfassung gemacht worden, der- 
gestalt, dass zwo tausend Mann sollen geworben und binnen 6 Wochen 
gemustert werden, davon 1200 in die Krone zu Hülfe geschickt (so 
ein gar neues den Landen Preussen ist) und SOG im Lande behalten 
werden sollen. Es soll ihnen, den Herrn Preussen, aber freistehen, 
da sie eine Noth anstösse, gemeltes ihr Volk wieder aus Polen zurücke 
zu fordern. Daneben die Wybranzen fertig sich halten und der ganze 
Adel aufzusitzen bereit sein soll. 



Instruction Hoverbeck's ^zu der generalissima Convocation, 

die auch Captur von den Polen genannt wird". Dat. Cleve 

4. Juli 1648. 
4. Juli. 1) Condolenz. 

2) Zu erforschen, wohin sich die Stimmung über die Wahl neigt. 

3) Das herzogliche Ins sessionis et suflfragii und das Recht des Vo- 
tums zu wahren ; im Fall es nicht zu erreichen, eine Protestation einzugeben. 

4) Beobachtung der pacta feudalia und Remonstrationen gegen jedeq 
Versuch sie zu verletzen. — 



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Da6 Interregnum 265 

Ein anderes Memorial, auf Ho verbeck und Oelsehnitz ausge- 15. Jnli. 
stellt, dat. Königsberg 15. Juli 1648, scheint von den Oberräthen allein aus- 
zugehen. Neben den anderen sonst vorkommenden Punkten kommen hier 
hinzu: 

7) Werden sie sich auch bemühen, die praeparatoria an gebühren- 
dem Ort zu machen, damit über der Confirmation der Privilegiorum 
Ordinum Duc. Prussiae eine deutlichere und nicht auf Schrauben ste- 
hende Erklärung, darin nicht allein die Terrae Prussiae, sondern auch 
der Ducatus Prussiae klärlich mit benennet und alle donationes, con- 
cessiones, immunitates, privilegia a Ducibus Prussiae concessa et con- 
firmata, [so] kraft des Responsi de Anno 1615 für gültig erkannt wer- 
den, begriffen, zu gebührender Zeit und Stelle zu erhalten sein möge. 

8) Und weiln ausser Zweifel die Elbinger, nach deme die Trans- 
action mit ihnen wegen des von ihnen praetendirten augirten See Zolles, 
ungeachtet ihnen währender Transaction in allem gefllget, suspendiret 
werden müssen, sie sich nunmehr ihnen Favoriten zu suchen möchten 
angelegen sein lassen, factiones zu machen und allerlei zu machiniren 
sich unterstehen: so werden die Herrn Deputirten sich auch ihrer bei- 
wohnenden guten Vernunft, Erfahrenheit und Discretion angelegen sein 
lassen, welchergestalt denselben in parte et toto zu begegnen und alles 
zu Sr. Ch. D. Intention, scopo und Bestem zu dirigiren sein; zu wel- 
chem Ende die Herrn Deputirten dieses sonderlich auf allen Fall mit 
werden einzuwenden haben, dass selbiges ZoUnegotium mit den £1- 
bingern, wie es auf gutlicher Vergleichung bestanden und dahin ver- 
wiesen, also auch noch nicht disrumpiret, sondern nur in etwas sus^ 
pendiret sei; inmassen es jüngst verwichener Zeit, als der Syndicus 
der Stadt Elbing anhero nach Königsberg deshalben abgeschicket und 
zugegen gewesen, allerdings dabei verblieben, und ist der ganzen 
Sachen eigentliche Beschaffenheit Sr. Ch. D. geheimen Rath, dem von 
Hoverbeck, selbst zum besten bekannt 

9) Werden sie auch an gebührendem Ort abzuwenden haben, da- 
mit die Werbungen, so nomine ßeipublicae alhier im Herzogthum an- 
gestellet und den Unterthanen gross Ungefiig Gewalt und Nahm, wie 
beigeftlgte Klagen ausweisen, zugefügt wird, mögen eingestellet und 
das Volk zu Sr. Ch. D., dieses Landes und der ganzen Krön Polen 
Sicherheit alhier im Lande verbleiben und nicht auf allen Nothfall, in- 
sonderheit wann die beiden See Porte und Vestungen, an deren Con- 
servation auch der Krön selbst viel gelegen, sollten attaquiret werden, 
eptblösset stehen mögen. — 



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265 ^' Pi'eiisson ^^^ Polen. 

Der Kurfürst an . Hoverbeck. Dat. Cleve 10. Juli 1648. 

[Der Kurfürst sieht die Absend ung des v. OelschnÜB nacli Warschau ungern. HoTcr- 
bcck soll ihn beaufsichtigen und von den geheimen Geschäften fern halten. 

10. Juli. Ob Wir Euch zwar vor acht Tagen rescribiret, dass Wir vor un- 

nöthig hielten, Euch Carl Friedrich von der Oelschnitz, Unserer 
Oberräthe Vorschlage nach, zu der vorseienden general Convocation 
naher Warschau zuzuordnen, sondern es davor gehalten, dass zu Er- 
sparung übriger Unkosten das Werk durch Euch allein würde wol 
gnugsam bestellet werden können, allermassen Wir solches auch Unsern 
Oberräthen notificirt *); die weil Wir dennoch vernehmen, dass berührte 
Convocation auf den 16. dieses soll angesetzt sein und dannenhero 
vermuthen, Ihr werdet Euch nebst dem von der Oelschnitz vor Ein- 
langung dieses wol albereits auf den W>g begeben haben, so haben 
Wir die bei vorgestriger Post anhero geschickte und auf Euch beide 
lautende Creditiva, angesehn dieselbige nicht so bald in der Eil haben 
umgeschrieben und auf Euch allein gerichtet werden [können] , volln- 
zogen und Unsern Oberräthen itzo wiederum zurückgesandt, derer Ihr 
Euch beiderseits zu gebrauchen haben werdet. 

Jedoch wollt Ihr auf sein, des von Oelschnitzen, Thun und actio- 
nes genau und fleissige Achtung geben, damit durch ihn nichts, wel- 
ches Unserer Intention zuwider oder so Uns einiges praejudicium 
bringen könnte, vorgenommen oder gesuchet werden möchte. Was 
Wir Euch auch vermittelst Unserer vorigen Rescripten ä part anbe- 
fohlen oder ins künftige anbefehlen möchten, solches habt Ihr allein 
zu negotiiren und ihm dem von Oelschnitz davon keine Communication 
zu thun. — 



Otto V. Schwerin an d. Km-fÜrsten. Dat. Aniimb*) 1 5. Juli 1 648. 

(Eigenhändig.) 

[Die Verlegenheit in Polen als günstige Gonjunctur.] 

16. Juli. E. Ch. D. gnädigstes Befehlschreiben nebenst des Herm^ Erz- 

bischoflfen original Schreiben habe ich unterthänigst wol erhalten, und 
weil ich daraus sehe, dass man aus Polen von E. Ch. D. die Hülfe 
begehret, so E. Ch. D. von ihr selbst zu bringen resolviret, so halte 

') 8. oben pag. 247. 

^j Arnheim. Schwerin war auf dem Wege nach Amsterdam, wo er unter Hin- 
weis auf die Lage in Polen um Ueberlassung verabschiedeter Truppen und um eine 
Anleihe anzuhalten hatte. Vergl. s. Instruction unten bei den Niederländischen Acten 
s. d. 13. Juli 1618. Das an Schwerin übersandte Schreiben des Erzbischofs s. oben 
pag. 251. 



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Das ius Buffragii in electione. 267 

ich davor, dass der Allerhöchste selbst dieses consiliuin an die Hand 
gegeben und also auch gnädig Gedeihen und guten Success dazu ver- 
leihen werde. Ich will keine Minute versäumen, noch Mühe oder Fleiss 
sparen, alles zu E. Ch. D. gnädigstem Intent zu erhalten. Empfehle 
E. Ch. D. etc. — 



Hoverbeck an den Kurfiirsten. Dat. Warschau 17. Juli 1648 *). 

[Die Frage de« herzoglichen V^ahlrechtes. Die Gravamina und das Respousum 

CracoYiense.] 

Nachdem er „zu meinem sehr grossen Yerdruss fast iu die fünfte Woch 17. Juli, 
zu Königsberg aufgehalten worden", ist er erst heute nach Warschau ge- 
langt'); Oelschnitz kommt nach. 

Hoverbeck stellt zusammen, wie die Chancen für die Anerkennung des 
Wahlrechts des Kurfürsten stehen. Die Polen stützen sich namentlich auf 
ein dem ersten Herzog wenige Jahre nach der Belehnung gegebenes Re- 
sponsum, worin dem Herzog allerdings das Wahlrecht abgesprochen wird '). 
Hoverbeck bemerkt dazu: „Es ist ein gemeiner Irrthum sowol der Polnisch- 
ais auch etlicher Preussischer Juristen, dass sie Responsa und quicquid 
Principi placuit, gleichsam als wann wir sub Julio oder Augusto noch leb- 
ten, pro lege halten und nicht vielmehr die aufgerichtete Verträge ansehen, 
wie dann auch allhier geschehen will, da man dieses Responsum contra ex- 
pressa iura anziehen thut." 

Namentlich berufen die Polen sich auch auf die Analogie des Verhält- 
nihses des Königs von Böhmen zum Rom. Reich, der ^zu keinen pn- 
blicis consilils, auch nicht einst zur Abfassung der Königl. Capitulation zu- 
gelassen werde***). „Welchen Exempeln nach E. Ch. D. zur Verachtung 
nicht anzuziehen hätten, was propter excellentiam eminentioris gradus et 
metum potentiae denegiret werde." — Hoverbeck stellt hiernach dem Kur- 
fürsten anheim, wie er sich in Betreff dieser Frage verhalten will. 

In Betreff der Gravamina gäbe es wol auch mancherlei zu erinnern. 

Ich muss aber in Furchten leben, dass occasione dessen auch wol 



') Die Antwort s. unter d. 15. Aug. 

*) Rndawski hist Polon. p. 14 gibt die am 18. Juli auf dem Convocationstag 
gehaltene officielle Rede Hoverbeck's. 

^) In der Paz perpetna von 1525 ist eine Bestimmung Über das Wahlrecht 
des Herzogs von Preussen direct gar nicht enthalten. Das von den Polen angeführte 
Responsum Regium (»super facultate eligendi Regis**) spricht es allerdings dem Herzog 
direct ab, als einem Reichsstand fürstlichen Ranges, ebenso wie es dem Ordensmeister 
und den Herzögen von Masovien nicht zustand (Prilusi Statuta Regni Poloniae 
fol. 784, undatirt; bei Do gl el IV. p. 256 mit der Jahreszahl 1529). Der branden- 
bnrgische Anspruch (wie er auch 1638 erhoben worden war) gründet sich eben nur 
auf die Reichsstandschaft des Herzogs von Preussen, auf das „primnm et proximum 
loeom in Gonsiliis Terrarum, ComitUs etc.* der Pax perpetua (s. ob. p. 217 not. 2)> 

*) Derselbe Vergleich wird auch schon in dem Responsum bei Prilusi fol. 785 
gemacht 



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268 ^- Preussen und Po1«d. 

das 80 heilsame Krakausche Responsura und was sonsten E. Ch. D. 
von der in Gott ruhenden Kön. Maj. erhalten, mächtig dürfte impugnirt, 
wo nicht gar durchlöchert werden, wie dann ihrer viel auch unter E. 
Ch. D. Unterthanen, so entweder von ihrem oder ihrer Eltern Queruliren 
nicht ganz ablassen können, auf O^casion warten, dass dergleichen 
Materie nur rege gemacht werde. 

Der Knrfiirst kann dies durch den Obrist licssgewang, den Prinz Ca- 
simir an ihn abschicken wird, anbringen lassen. 



Der Kiirflirst an die Oberräthe. Dat. Cleve J 8. Juli 1648. 

[Militärische Vorkehrungen in Preussen. Generalmajor v. Huwald. Hufenschoss zur 

Werbung und Erhaltung der Truppen. Huwald wird das Geld vorsohiessen gegen 

Verpf&ndung von fünf Dörfern.] 

18. Juli. Autwort auf den Bericht der Oberräthe, dat. 24. Juni, womit sie die 

Hilfgesuche des Erzbischofs von Gnesen eingeschickt haben. 

— Nun wollten Wir nichts lieber wünschen, als dass Unser Zu- 
stand und des h. Rom. Reichs also beschaffen wäre, dass Wir von 
IJnsern uflF den Beinen habenden Völkern noch über die 4 Compagnien, 
denen Wir in Preussen zu Versicherung der Gränzen, insonderheit 
Unser Festungen Memel und Pillau, zu marchiren Ordre ertheilet, mehr 
entrathen und hincinschicken könnten. Dieweiln Uns aber bei annoch 
besorglichem Zustand des Reichs und in Ansehung der Ungewissheit, 
wie es mit den general Friedens Tractaten ablaufen möchte, nicht zu 
rathen stehen will, dass Wir Unsere Völker aus diesen und Unsern 
Chur Brandenburgischen Quartiren gar abführen sollten, und Wir dem- 
nach zu Bezeigung Unser guten und getreuen Aflfection gegen die Krön 
Polen derselben gern Hülfe leisten wollten: als haben Wir Uns re- 
solviret in Unserm Herzogthum Preussen 8 Compagnien zu Fuss, jede 
derer zu 150 Köpfen, ohne die Officirer gerechnet, und also 1200 Mann 
unter dem Commando des General Maior Hubaids*) werben zu lassen 
(inmassen Wir demselben solche Werbung schrifÜich praesentiret und 



') Christoph von Huwald, aus Sachsen stammend, hatte zwölf Jahr lang in 
schwedischen Diensten gestanden; 1634 nahm er seinen Abschied und ging zur kur- 
sAchsischen Armee, schon 1G35 aber, als der Wiederausbruch des poluisch-schwcdi- 
sehen Kriegs drohte, war er in die Dienste der Stadt Danzig getreten. (Lengnich 
VI. p. 58.) 1639 soll er schwedischen Berichten nach neben Crockow, Mitzlaff u. A. 
mit den PiHnen des Hans Georg v. Arnim in Verbindung gestanden haben (P uf en- 
do rf de reb. Suec. XI. 19). Noch im Anfang der vierziger Jahre begegnen wir ihm 
in Danzig; dann aber zerfiel er mit der Stadt und soll im Jalir 1649 den Schweden 
angeboten haben, dieselbe durch einen Handstreich in ihre Gewalt zu bringen (Pu- 
fendorf 1. c. XXI. 119\ Das brandenburgische Werbepatent, dat. Cleve 18. Juli 
1648, auf 1200 Mann. 



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Die Werbungen in Prensaen. 269 

deshalber behöriges Werbe Patent zugefertiget haben); dann aucfi 8 Com- 
pagnien zu Pferde unter zwei Obristlieutenant , jede zu 100 Pfei*deu 
aufzubringen und in zwei Squadronen zu vertheilen, deren einen Unser 
Obristlieutenant Joachim von der Marwitz, den andern der Obrist- 
lieutenant von der Osten commandiren soll. 

Es werden zwar itzgemelte beide Obriste Lieutenants mit zu- 
behörigen Oflficirern sich aldorten förderlichst einstellen und ihre Coni- 
pagnien daselbst richten; mit den andern sechsen aber kann man in 
Preussen sofort nach Empfahung dieses verfahren; derohalben Ihr uf 
sechs qualificirte Preussische Cavalliers, als die Wir billig vor andern 
gern befördert sehen wollen, die von guter Renommee und albereit 
in Kriegssachen geübet und erfahren sein, bedacht sein und selbige 
bestallen wollet, mit der Condition, dass sie allen möglichsten Fleiss 
anwenden sollen, damit ein jeder seine Compagnie innerhalb 4 oder 
ufs längste 6 Wochen parat haben möge. 

Dieweiln dann hierzu nicht allein die Werbe Gelder, sondern auch 
zu iemerer Unterhaltung der Völker nothwendige Mittel erfordert wer- 
den, so habt Ihr alsofort auf jede Preussische Huwe 1 fl. zu schlagen 
und auszuschreiben; inmittelst aber, nachdem es mit Aufbringung 
sothaner Huwengelder langsam hergehen und dadurch diese Werbung 
verhindert werden möchte, diese Sache aber keinen Verzug leidet, so 
seind Wir gemeint, von dem General Maior Huwald ein Vorleihen von 
20,000 ßth. uflf die im Neuhausischen gelegene fünf Probstei Dörfer zu 
begehren, nicht zweifelnd, er Uns hierin willfährig gern an die Hand 
gehen werde, sintemal er -wegen der Interesse genug versichert sein 
kann, wie Wir solches, wie auch wegen des Regiments uflF die Beine 
zu bringen, an den General Maior Huwald gleich itzo selbst schreiben. 
Von solchen 20,000 Rth. nun soll er Huwald zu Werbung des Fuss- 
volks 7,200 Rth. nehmen und für jeden Mann zu werben 6 Rth. haben, 
die übrige 12,800 Rth. sollen zu Aufbringung der Reuterei angewendet 
werden, und wollen Wir auf jeden Reuter 20 Rth. auszahlen lassen; 
könnet Ihr aber mit Rittmeistern auf ein wenigers accordiren, lassen 
Wir es gnädigst gern geschehen. Weil aber, wann auf jedes Pferd 
20 Rth. Werbgeld soll gereicht werden, die Summ sich auf die 8 Com- 
pagnien zu Pferde auf 16,000 Rth. laufen und also zu Ergänzung dieser 
16,000 Rth. noch 3,200 gehören würden, als haben Wir Unserm Zoll- 
einnehmer ChristoflF Melchior Befehl gethan, die Gelder vollends nach- 
zuschiessen, wann nur vorgedachte beide Obriste Lieutenants daselbst 
anlangen werden. 

Die Musterplätze sind an die Gränzen zu legen; wegen derselben und 



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270 ^' Preussen und Polen. 

wegen des Tractements sollen die Oberräthe sich mit den Officieren in gutes 
Vernehmen setzen — ^nicht zweifelnd, sie (die Officiere) werden sich also 
anschicken und comportireu, wie es treuen Patrioten gebührt und vielmehr 
uff Reputation und ihres Vaterlandes Wolfarth, als grossen Profit und Trac- 
tament seben^. 

Sobald dtam auch der uflf die Huwe aufgeschlagene Polnische Gul- 
den wird eingefordert und die ganze Sum des Geldes zusammengebracht 
sein wird, kauk man sick dessen zu fernerer Unterhaltung der Völker 
bedienen*). — 

Hierbei das Antwortschmben des Kurfürsten an den Erzbischof tou 
Guesen, dat. Cleve 17. Juli (s. pag. 251), mit dem Auftrag es sofort nach 
Warschau einzuschicken. 



Der Kurfürst an den General-Major v. Huwald. Dat. Cleve 

18. Juli 1648. 

(Bestallung; Auftrag zur Werbung von zwölfhundort Mann z. F. Q^H^escbftf^ des 
Kurfürsten mit Huwald. Absicht noch grössere Werbungen zu veransliliftien.] 

18. Juli. Nachdem Wir bei itzigem gefUhrlichem Zustand der Krön P^il^ 
deroselben zu Bezeigung Unserer getreuen Afifection möglichsten Bei- 
stand zu leisten entschlossen sein, und aber in Erwägung der annoch 
im Rom. Reich schwebenden Kriegsläufe, bevorab da Wir wegen des 
endlichen Ausschlags der general Friedens Tractaten noch keine Ge- 
wissheit haben, Unserer auf den Beinen habenden Völker nicht wol 
entrathen, noch Uns gar entblössen können, wiewol Wir dennoch zu Ver- 
sicherung der Preussischen Gränzen und insonderheit Unserer Festungen 
Memel und Pillau 4 Compagnien zu Fuss auÄ der Chur Brandenburg 
durcli den Obristen Lieutenant Arnimb dahin zu gehen beordert: als 
sind Wir gemeinet, noch einige Fussvölker zu werben. Wann Wir dann 
zu Eurer Person, wegen der Uns bekannten guten Qualitäten und Kriegs- 
erfahrenheit sonderbares gnädiges Vertrauen tragen und dardurch be- 
wogen worden. Euch zu Unseren Kriegsdiensten in Bestallung zu 
nehmen, so wollen Wir Euch hiermit 1 Regiment zu Fuss von 1200 
Köpfen unter 8 Compagnien, deren jede von 150 Mann ohn die Officirer 
sein soll, in Unserm Herzogthum Preussen innerhalb 4 oder aufs längste 
6 Wochen zu werben anpraesentirt und aufgetragen und auf jeden Mann 
6 Rtb. zum Werbegeld verwilliget haben, mit diesem gnädigsten Ge- 
sinnen , dass Ihr solches zu richten und auf die Beine zu bringen in 
bestimmter Zeit Euch möglichstes Fleisses angelegen sein lassen wollet; 
dessen Wir Uns um so viel mehr zu Euch versehen, dieweil Wir wol 



'} Die Antwort s. d. 11. Aug. 1648. 



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Dio Haivald*8che Werimni^. 271 

wissen, dass es Euch nicht um Eigennützigkeit, sondern im SAir und 
Reputation zu thun ist, die Ihr hierdurch merklich zu vermehren gnug- 
samen Anlass haben könnet. 

Die Musterplätze sollen Euch von Unsem preussischen Oberräthen 
vermöge Unsers an dieselben ergangenen gnäd. Rescripts assigniret 
werden, und habet Ihr hierbei das Werbepatent zusammt einer ge- 
druckten Ordre, wie die Völker nach gehaltener Musterung im Uebrigen 
tractiret werden sollen, zu empfangen; uf den Musterplatz aber habt 
Ihr Euch mit Unsern Oberräthen zu vergleichen, ob die Völker, nach- 
dem sie ankommen, mit Geld oder Tractament verpflegt werden sollen. 

Dieweiln Wir auch so aus Eurem Schreiben, als von Unserm Ober- 
kammerherrn, verständigt worden, dass Ihr nicht allein von dem Obrist 
Lieutenant Reichart das im Amt Schacken gelegene Gut Rinaw zu er- 
handeln, sondern auch auf Unsere fllnf Probstei Dörfer im Neuhöfischen 
eine gewisse Summe Geldes auszuzahlen Willens wäret, so wollten Wir 
zwar. Euch beides gern gönnen ; es hat aber mit besagtem Gut Rinaw 
solche Beschafienheit, dass Wir deshalber mit gemeltem Obrist Lieu- 
tenant in Streitigkeit und Process schweben, daher Wir Euch nicht 
rathen können, dass Ihr, zuvor und ehe dann Wir Uns mit Obrist 
Lieutenant Reicharten verglichen, mit demselben einigen Kauf schliesset; 
sollten Wir aber mit ihm Richtigkeit gemacht und das Gut an Uns 
gebracht haben, sind Wir nicht ungeneigt, selbiges Euch, jedoch die 
Jagden ausgenommen, für andern zu überlassen. Was aber die flinf Prob- 
steidörfer belangen thut, ist hiermit Unser gnäd. Begehren an Euch, dass 
Ihr darauf 20,000 Rth. herschiessen und darvon alsdann 7,200 Rth. zu 
Eurer Werbung nehmen, die übrigen 12,800 Rth. aber Unsem preussi- 
schen Oberräthen gegen einen aufgerichteten Vergleich und Quittanzen 
einhändigen lassen wollet, und Euch darbei versichert halten, dass Ihr 
von den Gefällen besagter fllnf Dörfer Eure Interesse gar wol jährlich 
haben könnet; würden aber über Verhoflfen solche nicht zureichen, sind 
Wir hiermit erbötig, Euch aus andern Gefällen behöriges Contentement 
widerfahren zu lassen. Wir haben auch an Unsere Oberräthe gemessenen 
Befehl ergehen lassen, dass sie mit Euch einen gewissen Contract 
schliessen imd Euch alsobald durch Unsere Oberforstmeister und Haupt- 
mann zu Rein und Samländischen Holzförster, Heinrich Ehrentreich von 
Halle und Jobst Friedrich von Oppen in die mehrgen. fllnf Probsteidörfer 
inmittiren lassen sollen. 

Nachdem Wir auch Willens sein und Euch hiermit in höchstem 
Vertrauen, doch dass Ihrs in geheim halten wollet, eröflfnen, dass Wir 
noch mehrere Völker zu werben [und aufs wenigste 4000 M. z. F. auf- 



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272 ^' P''e«8äen und Polen. 

zubringen]*) Vorhabens sein, so thun Wir Euch hiemit gnädigst und 
bei Unsern Churftirstlichen Worten versprechen, dass Wir Euch als- 
dann die Charge eines General -Maiors über das Fussvolk anvertrauen 
und auftragen wollen, jedoch dass Ihr dieses alles, wie obgemeldet, zu 
keines Menschen Wissenschaft annoch nicht gelangen lasset. — 



Gerhard Graf v. Dönhof, Woiwode von Pommerellen, an den 
Kurfürsten. Dat. Warschau 23. Juli 1648. 

[Verwimdung fOr den Prinzen Jobann Casimir, als den für die ETangeliscben günsti- 
geren Tbroncandidaten.] 

23. Juli. [Wichtigkeit der gegenwärtigen Königswahl.] — Wann aber solche 

Wahl von vielen dahin will dirigiret und gepracticiret werden, dass 
dem Evangelischen Kirchenwesen zuwider ein Haupt, welches dem- 
selben ganz nicht affectioniret, befördert und Ihre Kön. Maj. zu Schwe- 
den, Prinz Johan Casinur'), welcher der Evangelischen Religion nicht 
also zuwider, anrüchtig gemacht und praeterirt werden möge : als habe 
E. Ch. D. ich auf Unser Evangelischen Stände Gutachten pro innato 
candore et zelo pietatis gegen die reine Kirche Christi gehorsamst dieses 
hinterbringen und dieselbe unterdienstlichst bitten wollen, dass E. Ch. 
D. wegen der Kirchen und Ihrer eignen Intresse mit dero vielgültigeni 
suffragio und thätlicher Interposition vor Ihre Kön. Maj. zu Schweden, 
dessen Wolgewogenheit Wir gnugsam versichert, der sich auch als 
älterer Prinz um die Krone wolverdient gemacht, bei sämmtlichen Stän- 
den einkommen und, so viel möglich, alles dahin dirigiren helfen wollten, 
dass Ihre Maj. dero Herrn Brüdern Carolo Ferdinando wie billig vor- 
gezogen und damit der Widerwärtigen conatus hintertrieben werden möge. 
22. Aug. Antwort des Kurfürsten, dat. Cleve 22. Aug. 1648. — Der Kur- 

fürst wird in diesem Sinne thätig sein; dag^en soll Graf Dönhof auch die 
Wünsche des Kurfürsten in Betreff des lus sessionis et suffragii fördern 
helfen. 

Die geheimen Räthe an den Kurftlrsten. Dat. Colin a. d. Sp. 

14.Jidi 1648. 
(Conc. von dem Kanzler v. Götze.) 

[Sie ratheil ab, den Polen Werbungen in Preussen zu gestatten.] 

24. JuU. — Den Punkt, dass die Krön Polen in E. Ch. D. Herzogthum die 

Werbung begehrt, finden wir einer ziemlichen Importanz zu sein und 

*) [ — ] Im Concept ausgestrichen. 

*) Unmittelbar nach dem Tode Yladislav^s IV. hatte der &ltere seiner Brfider, 
Johann Casimir, den Titel «König su Schweden" angenommen, als Fortsetzung der 
von Sigismund DI. geerbten Pr&tension auf die Krone dieses Landes. 



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Polnische Werbungen in Preuwen. 273 

dass dahero sich damit nicht zu ttbereilen. Dann es geben es die Bei- 
lagen, dass auch eine Woywodschaft der andern die Werbung nicht 
verstattet. Nun sind E. Ch. D. der Krön Polen mit gewissen pactis 
verbunden, dabei E. Ch. D. billig zu verbleiben, sintemal es in dem 
letzteren Kriege die Erfahrung bezeuget, dass der König unter dem 
Praetext der Divertirung des Krieges ganz Preussen in Contribution 
gesetzet; darüber den polnischen OfBcirem viel 1000 ü. gezahlt werden 
müssen und E. Ch. D. Herrn Vätern christmilden Angedenkens Chf. 
Dchl. sich davor verobligiren müssen. Wir wollen geschweigen, dass 
dergleichen Werbung nimmer ohne Beschluss des Landes zugehen, 
sonderlich wo die Werber nicht von dem Landesf ttrsten , sondern von 
einem hohem und mächtigem depeuiüren; gar leichtlich können auch, 
wann mit der Werbung der Anfang gemachet, Muster- und Sammel- 
plätze, auch gar wol das Geld und der Unterhalt vor die Soldatesca 
gefordert werden, welche^ zumal bei dieser E. Ch. D. Abwesenheit 
sehr praejudicirlich sein würde. 

Diesem nach müssen wir unterthänigst rathen, wann dergleichen 
weiters sollte gesucht werden, dass man es mit gutem Glimpf declinire, 
mit dem Vorwand, wann E. Ch. D. in Person würden hineinkommen, 
so möchten Sie wol selbsten zu werben nötig befinden, da man des 
Volks selbst würde benötiget sein; und ob man da^vider einwenden 
mochte, es hätten E. Ch, D. albereit geworbene Völker auf den Beinen, 
so wäre Unsers Ermessens darauf ^u antworten, dass der Frieden im 
Reich noch nicht geschlossen, und wann derselbige gleich geschlossen 
wäre, so Avüsste man noch lange nicht, was E. Ch. D. dieser Orte vor 
Volk bedürfen würden, und stehet es demnach zu E. Ch. D. gnädigstem 
Belieben, was Sie von Ihren geworbenen Völkern mit sich in Preussen, 
wann Sie die Reise resolviren werden, nehmen wollen. — 



Die Oben-äthe an d. Kiirftirsten. Dat. Königsb. 11. Aug. 1648. 

[Die Oberrftthe zögern die Werbungen zu veranlassen; sie schlagen eine Ermässigung 
Tor; Eedenklicbkeiten wegen Huwald^s und wegen des aufzubringenden Geldes.] 

Was E. Ch. D. aus deroselben Residenz Cleve vom 18 abgewichenen 11. Aug. 
Monats Julii an uns nebenst Beantwortung des Primatis Regni und Erz- 
bischoflfs zu Gniesen wegen Werbung acht [sie] Compagnien zu Fuss und 
acht Compagnien zu Pferde gnädigst rescribiret, demselben erkennen 
wir uns gehorsamst nachzuleben pflichtschuldigst. Weiln aber E. Ch.^ 
D. geheimer Rath von Hoverbeck, wie auch deroselben Secretarius 
Adersbach uns noch ganz nichtes geschrieben, dass die Stände der 
Kronen eine so grosse Assistenz und Succurs geurgiret haben, zudeme 

MnUT. zur Oesch. il. fir. KiirrrusU'n. 1. 18 



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274 ^' PreusBcn und Polen 

uns auch nicht wissend, wie solches Volk von der Kronen würde 
accommodiret werden, und dann General Maior Huwald noch zur Zeit 
sich auch nicht erkläret, ob die Versicherung mit den Probstdörfem 
im Neuhäusischen ihme annehmlich sei : so haben wir unterthänigst fllr 
rathsam erachtet, mit Insinuirung der Beantwortung an gemelten Herrn 
Erzbischof*) noch in etwas an uns zu halten, bis durch Herrn Hover- 
becken oder Secretarium Adersbachen wir uns unvermerkt erkundigen 
lassen, mit wie viel Volk ihnen wol gedient sein möchte, und welcher- 
gestalt sie würden können accommodiret werden. Hielten aber unmass- 
geblich dafür, es gnugsam sein möchte, wann die vier Compagnien, 
so unter dem Commendo des Obristen Lieutenants von Arneim herein- 
kommen sollen, der Kronen zur Assistenz zugeschicket und an deren 
Statt die Guarnisonen in den Port Festungen Pillau und Mümmel mit 
Landvolk, die Wibranzen genannt, verstärket würden ; würde auch wol 
genug sein, wann nebenst oberwähnten vier Compagnien noch andere 
vier Compagnien geworben würden; dann zu besorgen, dass es mit 
mehrer Werbung wegen erschöpfter Mannschaft durch die Jahr her 
geschehene vielen und nun auch diese letzte Polnische Werbungen 
schwer hergehen werde; auch General Maior Huwald wol bei sich an- 
stehen möchte, wegen nochmaliger zweifelhafter Annehmlichkeit der 
Versicherung solch eine grosse Summa Geldes auszuzahlen, dafem es 
nicht bereit anderweit bestätiget, und dass auch ihme vielleicht die 
General Majorschaft in Polen nicht möchte gegönnet werden, dahero 
solch Commendo anzunehmen Bedenken tragen könnte. Von den Unter- 
thanen die Gelde aufzubringen, wird wegen vieler noch ausstehenden 
Contribution Resten, daran man sich bereit müde gemahnet, und noch 
mehr bevorstehenden CoUecten, wo nicht ganz unmöglich, jedoch sehr 
schwer gefallen. — 

Ein andres Schreiben der Oberräthe von demselben Datum betrifft 
namentlich die Absendung zu dem Wahlconvent; die Oberräthe lehnen für 
ihre Personen es mit verschiedenen Gründen ab; sie nennen den Hof- und 
Gerichtsrath Friedrich v. Götzen und den Land- und Rechnungsrath 
Friedrich v. Rochen. 

In der Resolution, dat. Cleve 5. Sept., benennt der Kurfürst den 
Landvogt zu Schacken Wolf v. Kreitz, Friedrich v. Götzen und 
Joh. V. Hoverbeck — „und dass dieser, der v. Hoverbeck, dabei Ora- 
tor sei". — 



*) S. oben pag. 251. 



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Die Obcrrftthc gegen die Werbung. Das ins suflfragii in electione. 275 

Der Kurfürst an Hoverbeck. Dat. Cleve 15. Aug. 1648. 

[Das herzogliche Wahlrecht in Polen darf nicht aufgegeben werden; Bogislav Radziwil. 
Die Wahl soll womöglich bis zur Ankunft des Kurfürsten in Prenssen yerschobcn 

werden.] 

[Antwort auf die Relation dat. IT. Juli.] — So viel sonsten das Uns 15. Aug. 
vigore pactorum in publicis Kegni consiliis, wie auch bei der König- 
lichen Wahl competirendes lus sessionis und suflFragii betriflFt, können 
Wir Uns desselben so schlechter Dinge nicht begeben, noch davon so 
gar abstehen; sondern befinden vielmehr hochnötig zu sein, dass dasselbe 
bei aller Begebenheit und an allen dienlichen Orten nach wie vor uflFs 
fleissigste urgiret, auch mit gebührender Sorgfalt dahin gesehen und 
gearbeitet werde, damit hierüber Uns und Unsem Successoren zum 
Praejudiz oder auch den legibus und pactis Regni zuwider nichts für- 
gehen, noch statuiret, sondern Wir bei Unserm habenden Recht überall 
conserviret werden mögen; wohin Ihr dann Euere actiones zu richten 
und diesen Pass in behöriger fleissiger Obacht zu halten nicht unter- 
lassen werdet 

Es sind auch die in dem Uns überschickten Responso angezogene 
Scheingründe der Erheblichkeit nicht, dass dieselbe wider die so helle, 
klare Pacta einige Operation haben oder dadurch Unseres in denselben 
so stattlich fundirtes Recht im gerin'gsten labefactirt werden könnte, 
inmassen in itziger Eurer Relation mit mehrem ausgeführt un^ anhero 
zu wiederholen unnötig. Wie denn auch insonderheit das Exempel 
vom Könige von Böhmen in besagtem Responso gar unzeitig und im- 
pertinenter angezogen wird, indem ja reichskUndig und aus der Gül- 
denen Bull Caroli Quarti klar und offenbar, dass der König von Böhmen 
nicht nur zu allen particular Conventen der Reichs Churflirsten als ein 
Elector und MitchurfÜrst jedesmal gefordert werden muss, sondern dem- 
selben auch in der Kaiserlichen Wahl ein votum und zwar tertium in 
ordine in alle Wege competire und zustehe. 

Im schlimmsten Fall soll Hoverbeck das Recht des Kurfürsten mit einer 
Protestation wahren: — allermassen Uns dann des Herrn Bogislaff 
Radziwills Lbd. ') (so gleich itzo sich bei Uns befinden) solches gleich- 
falls rathet und gar nicht, dass Wir solch Unser wolfundirtes Ins da- 
hinten lassen oder Uns dessen begeben sollten, gut findet; mit fernerer 
Anzeige, dass Sie eben dergleichen Ins wegen eines in Littaüen be- 
legenen Fürstenthums zu praetendiren hätten, auch bei itzigem Interregno 



') Der nachmalige Statthalter Ton Preussen. Ueber ihn s. t. Orlich I. 261. 
Droysen III. 2. p. 521. 

18* 



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276 '* PreusBen und Polen. 

dasselbe hinwiederum ad observantiam zu bringen sich äusserst be- 
mühen werden. 

Die Gravamina sind namentlich bei dem Prinzen Johann Casimir zu 
betreiben, auf den die Wahl wol fallen wird. Da der Kurfürst so bald als 
möglich nach Preussen zu kommen beabsichtigt, so soll Hoverbeck sich 
bemühen, dass die Neuwahl womöglich einige Zeit hinausgeschoben wird. 



Die Oberräthe an d. Kurftirsten. Dat. Königsb. 18. Aug. 1648. 

[Neue £inwendiingen gegen die beabsichtigten Werbungen ; Zustand der herzoglicben 
Domainen; Reiterei ist den Polen nicht nöthig; fremde Truppen ins Land zu schicken 

gegen die Privilegien.] 
18. Aug. Bedenklichkeiten wegen der von dem Kurfürsten gebotenen neuen 

Werbung. 

Dann wann noch die von uns unterth. vorgeschlagene zwei Com- 
pagnien, nebest den anderen vier Compagnien, so unterm Commando 
des Obristen Lieutenants von Arneimb herein marchiren sollen, nebenst 
diesen 8 Compagnien, so noch zu werben sein, sollten zugleich ver- 
pfleget werden, so ist es nicht mensch- und möglich, dass dieselben 
von dem 1 fl. von der Hube werden können unterhalten werden, weiln 
nur 24,384 Hüben unmittelbar E. Ch. D. zuständig, darauf eine extra- 
ordinär Contribution zu schlagen und herauszupressen sehr schwer ge- 
fallen wird, die übrigen 15,837 Hüben sind verpfändet und verarendiret 
und dann 5320 liegen wttste *). Wann nun gleich von jeder oberwähn- 
ten Hube monatlich 1 fl. soll exigiret werden, könnte doch dasselbe so 
viel nicht austragen, was auf die 1200 Mann monatlich erfordert wird, 
zugeschweigen wann noch 8 Compagnien zu Ross auch davon sollten 
zu unterhalten sein. — [Man möge daher wenigstens die Werbung der 
Reiter auf den äussersten Fall versparen], weiln der Krön Polen mit der 
Reiterei, deren sie selbst gnugsam haben, wenig gedient. — Fremdes 
Volk und Reiter hereinzuschicken würde dem Revers zuwiderlaufen 
wollen, damit E. Ch. D. in Gott ruhender Herr Vater, glorwürdigster 
Gedächtniss, EE. Pr. Landschaft hiebevor gnädigst versichert — 



Der Kurfürst an Hoverbeck. Dat. Cleve 21. Aug. 1648. 

21. Aug. Johann Casimir, „der Schweden, Gothen und Wenden Erbkönig, auch 

Königlicher Prinz in Polen** hat den Kurfürsten sowol schriftlich, als auch 
durch seinen Kämmerer Ewald von Sacken mündlich ersucht, ihm „mit 



') In einem spätem Brief werden diese Zahlen angegeben 26,976—13,611 und 
7767. — In einem Bericht rom 19. Jan. 1649 geben die Oberrftthean, dass »davon 
nicht mehr als 5940 Rth. erzwungen werden können*. — 



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Die herzoglichen Domainen. Das Interregnum. 277 

Unserm voto und snflfragio bei der vorseienden Königlichen Wahl zu aösi- 
stiren''. Hoverbeck erhält hiebei Instruction, wie er sich in der Angelegen- 
heit zu verhalten. 

Po st scriptum dat. 22. August. — ^Auch mögen Wir Euch in 

geheim nicht verhalten, dass Wir gänzlich entschlossen sein, persönlich in 
Unser Herzogthum Preussen zu kommen, wann die Königliche Wahl bis 
nach Ausgang des Novembris ufgeschoben werden könnte.^ Hoverbeck soll 
sich für diesen Aufschub bemühen, ^gestalt Wir denn auch solches mit des 
Prinzen Bogislaff Razewils Lbd. (welche heute von hinnen nach Polen ver- 
reiset sein) abgeredet haben**. 



Puncta, welche der Churftlrstlicli Brandenburgische Rath und 
Resident Herr Johan von Hoverbeck bei itzigem inteiTCgno 
zu suchen und in Acht zu nehmen. Dat. Cleve 22. Aug. 1648. 

1. Hoverbeck soll ^allen menschmöglichen Fleiss anwenden, damit S. 22. Aug. 
Ch. D. und dero Churf. Haus bei dem iure sessionis et sufifragii, so dero- 
selben vigore pactorum publicorum in den Comitiis Regni und insonderheit 

bei der Wahl eines Königs unstreitig competirt, conserviret, auch uff itzo 
bevorstehendem Conventu Electionis dero Gesandte wirklich admittirt werden 
möchten''. Er hat sich dabei namentlich der Cooperation des Prinzen Johann 
Casimir zu bedienen, im Fall aber, dass es zu erreichen nicht gelänge, in 
einer ^glimpflichen Protestation*' die Rechte des Kurfürsten zu wahren. 

2. Das Responsum Cracoviense vom Jahr 1633 ist aufrecht zu erhalten 
und alle Versuche gegen dasselbe niederzuschlagen. 

3. Ebenso das von dem Kurfürsten ^in Oeconomicis erhaltene und durch 
die jüngste Reichs Constitution bestätigte diploma**. 

4. Abstellung aller Gravamina, sowol in Bezug auf den Elbinger Zoll, 
als auch „circa appellationes et Juridicas, nee non in finibus Prussiae et 
Marchiae^. 

5. Freigebung des exercitii Evangelischer Religion in Polen und in 
Preussen; und sollen dessen die Evangelischen „noch vor Erwählung eines 
Königs durch eine gnugsame beständige Capitulation der Gebühr versichert 
werden^; namentlich soll dasselbe „Uns in Unserer Schloss Capelle zu 
Königsberg sowol in Unserer persönlichen Gegenwart, als auch in Unserer 
Abwesenheit den Unserigen vefrstattet und zugelassen werden*'. 

6. Wiederaufnahme der tractatus pacis perpetuae mit Schweden während 
des Interregnums; der Kurfürst ist geneigt die Vermittelung dabei zu über- 
nehmen und „soll der von Hoverbeck an allen dienlichen Orten, wohin die 
Gemüther incliniren, mit Fleiss sondiren, und im Fall er die Vornehmsten 
dahin inclinirt befindet, bei den Evangelischen und andern Sr. Ch. D. Con- 
fidenten es dahin in geheim und unvermerkt, jedoch nur suo nomine, unter- 
bauen, damit die Krön selbst an S. Ch. D. solches gesinnen und Sie die 
partes mediatoris neben anderen über sich zu nehmen ersucht werden möchte**. 

7. Hoverbelsk soll dahin wirken, „damit S. Ch. D. oder dero Nach- 



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278 ^' Pfo^Ben und Polen. 

kommen die Investitur in Person zu suchen und die Belehnung zu empfan- 
gen hinfiiro nicht constringiret, sondern zu Ersparung grosser Spesen dero 
Legati darzu jedesmal und zwar unentgeltlich admittiret und zugelassen''. - — 

8. ^Wie nicht weniger das hiebevor bewilligte annuum ordinarium nun- 
mehr gänzlich reraittiret, oder aber, do das nicht zu erheben sein sollte, 
Sie und dero Successoren mit keinem extraorduiario ferner beschwert, sondern 
damit gänzlich verschonet werden." 

9. Erneuerung des den Markgrafen in Franken, zu Culmbach und An- 
spach, zustehenden lus simultaneae investitnrae et futurae successionis, und 
Mitbelehnung derselben. 

10. Hoverbect soll auf ein ^erkleckliches subsidium^ zur Unterhaltung 
der Garnisonen von Pillau und Memel dringen. 

11. Die bewusste „Ochsensache mit dem Feldherrn Potocky^ '). — 



Andres Adersbach a. d. Kurfürsten. Dat.Warsch. 22. Aug. 1648. 

[Stand der Parteien bei der Königswahl. Grosse Faction für Prinz Carl Ferdinand; 
Johann Casimir stützt sich auf das Ausland; seine Partei im Reich; seine zweideu- 
tigen angeblichen Verbindungen- Massregeln des Prinzen Carl Ferdinand.] 

22. Aug. — Mit der Königlichen Wahl ißt es schon so weit kommen, dass 

sich die Factionen mit ihren Partheien öffentlich verlauten lassen, wie 
neulich der Bischof von Posen uff einem Banquet ausdrücklich herftlr- 
gebrochen mit diesen Worten : dass er von Prinzen Casimir nichts hielte, 
weil er gleich dem verstorbenen Könige eben auch uff Damen und 
andern unnöthigen Sachen ein vieles wenden würde, dass die Krön 
gnug zu schaffen würde haben, nicht allein ihn zu erhalten, sondern 
auch solche unnötigen Spesen helfen auszuzahlen ; massen er auch bloss 
zuletzt von Prinz Carl solenn Abscheid genommen und ihn gesegnet, 
Prinzen Casimir S.^Maj. aber nicht eins zugesprochen ist. Und ist fast 
die Faction des Prinzen Carls zu merken, sintemal die ganze Clerisey 
fast, von weltlichen ^auch aus der Krön, wie man begreifen kann, der 



') Ein Process» der bereits seit 1642 spielt. Am 29. Oct. 1642 beschwert sich 
der Woiwode von Braclaw und Kronfeldherr Nicolaus Po tocki in einem Schrei- 
ben an die Oberräthe, dass auf herzoglichem Gebiet eine Heerde von 1000 Ochsen, 
die er nach Danzig zum Verkauf geschickt, plötzlich überfallen und ganz ausein- 
ander gejagt worden sei. Als Thilter werden Georg Slichting und Ernst Polenz 
genannt. Hierüber zunächst ein Process beim herzoglichen Hofgericht. Die Ange- 
klagten machen geltend, dass dieses Vieh verpestet gewesen sei und man daher, um 
Ansteckung zu verhüten , es über die Gränze gejagt. Am 30. Jan. 1645 war der 
Spruch des Hofgerichts in Königsberg erfolgt, wodurch unter Annahme, dass die 
Ochsen wirklich verpestet und die Angeklagten daher befugt waren, die Ansteckung 
ihrer Weideplätze zu verhüten, diese freigesprochen wurden. Potocki appellirt an 
das Gericht des Königs und von diesem erfolgt 1647 ein Spruch eu seincA Gunsten 
und auf Entschädigung. (^Königsb. Arch.) 



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Die Wahlpartoien. 279 

Herr Hofmarschall Kazauowsky, auch sonderlich der Gross Marschall, 
die Fürsten von Wissnowiecz und Zaslaw und Ostrog, beide Woyewoden 
aus Reussland und Sendomirs, der Kronen weltlicher ßeferendarius, so 
noch andere dazu beredet, auch ganz Masaw und andere, so so gar 
oflFentlich sich noch nicht kund thun, aus Littauen der Gross Canzler 
und Hof Marschall sich seiner Seiten gänzlich bekennen; hergegen von 
Sr.^Maj. Prinz Casimirs Seiten, welcher bloss uff der fremden Poten- 
taten, insonderheit E. Ch. D., der Schweden und Herren General Staaten 
Hülf und Beistand sich vertrauet und alhie , welches die meisten auch 
so gar sehr befremdet, bei den Ständen so gar wenig sich darum be- 
mühet, vielleicht weil er nicht weiss, weme zu trauen sei, ist ohngefähr 
der Herr Krön Gross Canzler, der Brazlavische Woyewode, dessen 
Votum zu dieser Zeit fllr drei bestehet*), der Kronen Gross Schatz- 
meister und der General aus Grosspolen, auch der Woyewode von 
Krackau, auß Polen, aus Littauen aber der Unterfeldherr Fürst Radziwill, 
der ünterkanzler und sonst fast das ganze GrossfÜrstenthum mit ihnen; 
und wird gänzlich dafür gehalten, dass er auch mit den Saporovischen 
Kosacken eine Correspondenz und gewisses Vernehmen geschlossen, 
auch mit den Schweden sein sonderliches Absehen habe. 

In Summa, sobald nur Königl. Wahlzeit angehen wird, wird man 
viel Dinge mit Wunderung erfahren, weil es gar zu kunterbunt. daher 
gehet, dass man schier nicht weiss, was davon zu achten sei. — 

P. S. Heute hat Ihre Maj. die Königin pro extremo viatico Ihr das 
h. Sacrament reichen lassen. 

S. Hochf. Dchl. Prinz Carl hat auch zweene Jesuiten Patres 
Schönhovium und Hegenitium an den Kaiser abgefertigt, mit 
ihm wegen Hülfe, eines gewissen Verbündnisses, auch erfolgender 
Heirath mit dessen Tochter oder Schwägerin zu tractiren und zu 
schliessen. — 

Hierbei ein Schreiben des Prinzen Carl an den Kurfürsten. 



Hoverbeck an die Oberräthe. Dat. Hohenstein 22. Aug. 1648. 

[Die Hilfleistung des Kurfürsten bei dem Kosakenkrieg. Die Republik ist schon 
wieder zuversichtlicher. Argwohn gegen den Kurfürsten.] 

Belangend die von Sr. Ch. D., Unserm gnädigstem Herrn, der 22. Aug. 
Reipublicae bei jetzigem gefährlichem Zustande zugedachte Hülfleistung 
hätt ich wol von Herzen wünschen mögen, dass Sr. Ch. D. Erklärung 



*) Der Kronfeldherr Nicolaus Potocki, Woiwode Ton Braclaw , am Bug, d. h. in 
der Qegend des jetzigen Kosakenaufstandes, 



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2gO ^' Preussen und Polen. 

in stehender Convocation, wie man sich in der grössten Perplexität und 
fast ohne Hoffnung befand, einkommen wäre; dann es gewiss unsterb- 
lichen Ruhm und Dank dem Churflirstl. Hause gebracht hätte, und würde 
man nicht geringe Vortheil, so wegen des Volks Verpflegung, als Sr. 
Ch. D. Staat haben ausdingen können. Anjetzo aber, da die Respublica 
vermeint Ihren Staat schon gefasst zu haben, und wegen der beiden 
concurrirenden Brüder ihrer Election halber in nicht geringer Jalousie 
und Diffidenz, auch allerdings gegen S. Ch. D. selbst, begriffen, wird 
es alles viel schwerer daher gehen. Jedoch war es meines wenigen 
Erachtens nicht undienlich, dass diese so löbliche Sr. Ch. D. Intention 
der Reipublicae kund gethan würde. Ich hab zwar hiebevor, wie E. 
Ilerrl. mir solches an die Hand gaben, zuvorderst gegen des Herrn 
Krön Gross Canzlers f. 6n. eines Succurses von 200 Mann von dem 
Arneimischen Squadron Meldung gethan; wie ich aber von deroselbea 
die Nachricht und Resolution bekam, dass die Stadt Danzig mit ihren 
angebotenen 300 Knechten mehr Schimpf dann Dank erhalten*), hielt ich 
sieder dem damit ganz ein und bemühte mich [an] dessen Statt dieser 
Entschuldigung, dass S. Ch. D. bei dem gemeinen Wesen würden genug 
gethan haben, wann Ihr Gott die Gnade gebe, dass Sie bei solchem 
Unwesen die Seite von Preussen gegen den feindlichen Einfall und 
Diversion der Polnischen Macht versichert halten könnten, zu welchem 
Ende Sie dann mit Ihrem grossen Beschwer und nicht geringen Un- 
kosten einen Squadron unter dem Herrn Obr. Lieut. Arneimb in die 
beide Guamisonen der Porte hereingeschickt hätten, welches sich auch 
gewiss höher belaufen würde, als wann Sie 1000 Mann zu Fuss uff 
der Reipublicae Sold geschickt hätten. Und war man hiemit auch fast 
vergnüget, nur dass der Herr Krön Unter Canzler bei meinem. Abscheide 
der schuldigen 100 Reuter erwähnte, deren Aussenbleiben ich dann 
damit beschönigte, dass, meines Wissens, uff den heutigen Tag vom 
Herrn Erzbischof deshalben keine Erinnerung geschehen wäre. — 



Christ. V. Huwald a. d. Kurfürsten. Dät.Königsb. 23. Aug. 1648. 

("In Eil.") 

[Versucli die aufgetragene Werbung einzuleiten. Weiterungen der Oberräthe. 
Huwald will trotzdem einen Anfang machen.] 

23. Aug. Er habe sich alsbald nach Empfang des Auftrags nach Königsberg 

begeben, um mit den Oberräthen zu verhandeln, an deren versuchten Wei- 
terungen et aber bald merkte, „dass sothane Werbung allerdings nicht a^- 



') Lengnich VII. p. IQ. 



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Die Hawald'sche Werbung. Qpposition der Oberrttthe 281 

nehmlich sein müsse**. Die BesiohtiguDg der fünf Probsteidörfer und das 
Verzeichniss ihrer Einkünfte haben ergeben, ^dass selbe die Intresse un- 
gefähr auf ein Capital von Rth. 12,000 austragen können"; er sei indess 
bereit auch die übrigen 8000 Rth. gegen eine vorläufige Recognition vorzu- 
schiessen. Mit den Oberräthen hat es dennoch noch allerhand Weiterungen 
gegeben; ^und weil ich bei gestriger und zwar letzten Zusammenkunft ver- 
spüret, dass an E. Ch. D. ferner Bericht von den Herrn Oberräthen ge- 
horsamst ergehen werde, der Herr Cauzler auch sofort sich absentiret und 
auf seine Güter gereiset und der Herr Ober Burggraf die Zeit über nicht 
zur Stelle gewesen, hab ich an meinem wenigen Ort nicht absehen können, 
was hiebei ferner zu thun, als dass E. Ch. D. hiermit gehorsamst berichtet 
und im üebrigen anderweite gnäd. Ordre, welche ich höchstes desiderire, 
erwartet werden müsste**. 

P. S. ^Nachdem solche Werbung im ganzen Lande erschollen, wovon 
die Herren Preussen selbst Ursach, sich vielleicht auch zu einer Grandez 
anziehen möchten, wann solche Werbung inhibiret oder ganz nachbleiben 
sollte, habe zu E. Ch. D. Respect erachtet gut sein, dass in mittler Zeit, 
ehe und bevor zu Continuirung besagter Werbung expresse Ordre von 
E. ('h. D. einkommen möchte, bei wenigen einige Officirer an Hand zu be- 
kommen, um nur eine Compagnie aufzurichten; ist um den Respect und 

nicht um ein paar tausend Rth. zu thun ; jedoch werde ich moderat 

gehen, bis dero gnäd. Ordre folget.** — 

Der Kurflirst an den General-Major v. Huwäld. Dat. Cleve 

IS.Sspt. 1648'). 

[Die Werbung ist trotz Oberräthen und Ständen ins Werk zn setzen.] 

Der Kurfürst dankt für die Bereitwilligkeit Huwald's ; er soll die Wer- 18. Sept. 
bung mit allem Fleiss fortsetzen. „Würden dann Unsere Oberräthe einige 
Ordre wegen Marchirung der geworbenen Völker lassen ergehen, oder die 
Stände in Polen deshalber Etwas an Euch bringen und begehren, so habt 
Ihr Euch daran nichts zu kehren, sondern nur allein Unser Ordre, so Wir 
Euch dabei werden eigenhändlich ertheilen, zu erwarten.'' Ueber die 
8000 Rth. werden die Oberräthe ihm bis zur Ankunft des Kurfürsten eine 
Versicherung ausstellen. 

Der Kurflirst an die Oberräthe. Dat. Cleve 18. Sept. 1648. 

[»Scharfe Zurechtweisung der Oberräthe wegen ihres Widerspruchs gegen die Werbung. 
Sie sollen dieselbe mit Fleiss befördern.] 

[Antwort auf die Relation vom 18. August.] Nun treibt Uns gewiss 18. Sept. 

keine Lust oder Kitzel zu angeregter Werbung; wollten viel lieber, 

dass Wir derselbigen könnten geübriget sein; wünschen nur von Herzen, 

dass die Gefahr, so ob Händen, (angesehen Wir gewisse Nachrichtung 



Adresse: ^geheimer Kriegsrath und hestalter General Maior*. 



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282 ^' Prensjen und Polen. 

einiger Sachen halber, so der Feder nicht zu trauen, sondern deren 
Entdeckung Wir bis zu Unserer Ankunft bei Euch mUssen sparen, er- 
langet) des Orts avertiret und abgewendet werden möge. Halten dennoch 
die schleunige Fortsetzung berührter Werbung zu Ross und Fuss noch- 
mals hochnöthig, dannenhero Ihr Euch dieselbigc aufs fleissigste werdet 
lassen angelegen und anbefohlen sein; dann sollte im Widrigen ein 
Unheil daraus entstehen und Unserm Herzogthum einige Ungelegenheit 
dadurch zugezogen werden, so wollten Wir entschuldiget sein, und 
würde dessen Verantwortung Euch allein obliegen. Wollen derhalben 
an Euerm Fleiss hierunter nicht zweifeln und habt Ihr nur sechs Ritt- 
meister zu bestellen; was aber die Obriste Lieutenanten anlanget, wollen 
Wir dieselbige selbst mitbringen, oder sie werden sich selbst mit dem 
förderlichsten einstellen. 

Die Oberräthe sollen es bei „Unsern Arrendatoren und sämmtlichen 
üntersassen" dahin zu richten suchen, „dass noch etwas mfihr als ein Gul- 
den von der Hube möge bewilliget und ausgebracht werden**. 



In einer weiteren Resolution (Cleve 3. Oct. 1648) erklärt der Kur- 
fürst den Oberräthen, dass er die vorher anbefohlenen 8 Compagnien 
z. R. auf eine Esquadron von ö Compagnien und 500 Reitern reducirt und 
mit deren Werbung den Oberstlieutenant Alexander Andreas von der 
Osten beauftragt habe. 

In den folgenden Wochen geht nun die Werbung fort, sehr verzögert 
durch das stete geheime Widerstreben der Oberräthe. „Und obgleich von 
den Herren Oberräthen die Erklärung kommt, man solle werben, weil es 
E. Ch. D. Wille so wäre, kann doch wahr sein bezeuget werden, dass der- 
gleichen politische Nebeninhibitiones vorgehen (niemand aber genennet, von 
wem sie herrühren), niemand etwas wegen Unterhalt zu willfahren etc.** 
[Huwald an den Kurfürsten, dat. Königsb. 21. Oct. 1648]. Aehuliche 
Beschwerden laufen von v. d. Osten ein. Im November 1648 sind von 
den Huwald'schen 12 Compagnien erst 8 geworben; ähnlich steht es mit 
den Osten'schen Reitern. Ueber den von Huwald zu leistenden Geldvor- 
schuss und dessen Sicherstellung können sich die Oberräthe mit diesem 
nicht einigen. Bis dahin ist immer nur die Rede von der Werbung ^auf 
Sr. Ch. D. eigene Kosten**; d. h. von den Domainen; im November kommt 
in Königsberg der Landtag zusammen; die Stände werden aufgefordert, 
eine Bewilligung für 6 Monate Unterhalt der Truppen zu machen; der An- 
schlag ist 16,Y474 Rth. ohne die Munition monatlich. Neue Schwierigkei- 
ten; endlich gibt der Kurfürst nach, dass die weitere Werbung wenigstens 
der Reiter einstweilen eingestellt werden soll (12. Febr. 1649); an v. d. Osten 
ergeht die Weisung, die bereits geworbenen wieder zu entlassen und zu 
dem Kurfürsten zurückzukehren (13. März 1649). — Ueber die weiftren 
Schicksale der Huwald'schen Werbung s. passim und unten ad 26. Mai ff. 
1649. 



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Opposition der Oberrftthc. Fürst Ragoczi. 283 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 26. Aug. 1648. 

[Fürst Ragoczi vou Siebenbürgen polnischer Thronbewerber. Hoverbeck sucht die 
Gesandten davon abzubringen.] 

Es haben des Herzogen zu Siebenbürgen Abgeordnete mir zwei 26. Aug. 
Creditiv albereit nach geendigter Convocation (davon sie keine eigent- 
liche Nachricht gehabt und um deswillen, wie auch wegen gar zu bösen 
Weges viel zu spät kommen) eingehändigt und vermittelst derselben 
anvertraut, dass ihr Herr dieser jetzigen Gelegenheit wahrnehmen und 
sich entweder vor sich selbst oder vor seineu andern Sohn Sigismundum 
um die Krön zu bewerben entschlossen wäre: welche Intention nicht 
aus Ehrgeiz, sondern einig und allein zu Beförderung der Ehre Gottes 
und der wahren Religion Ausbreitung erwachsen; dazu er sich um so 
viel desto mehr verbunden achten mtisste, als ihn Gott vor andern Po- 
tentaten der Christenheit an Schätz- und Gütern gesegnet und solche 
Mittel zur Hand gegeben, dass er der Krön Polen in gar kurzer Zeit 
mit dreissig und mehr tausend Mann zu Hülfe kommen könnte; hielte 
sich dabei versichert, E. Ch. D. als ein löblicher und gottesfurchtiger 
Herr würden ihm solches nicht allein gönnen, sondern auch zu Werk 
zu richten nach Möglichkeit helfen. 

Wie ich daran nicht zu zweifeln hätt, dass es ihm von E. Ch. D., 
wann gleich kein anders als das Absehen der Religion wäre, auch um 
des Exempels Königs Stephani, bei dessen Regierung das Haus Branden- 
burg sich sehr wol befunden, gegönnt wäre: also nahm michs nicht 
wenig wunder, wie er sich drauf verlassen hätt, E. Ch. D. würden sich 
vor ihn erklären und zu Beförderung seiner Intention dero Macht em- 
ployiren, da er doch, meines Wissens, deshalb an E. Ch. D. nichts ge- 
bracht, weniger etwas richtig abgeredet hätte, und sonsten ihm auch 
leichtlich einbilden können, es würden E. Ch. D. ohne erhebliche Ursach 
von dem Königl. Hause so leicht nicht absetzen. Es vermeinten aber 
die Abgeordnete, des Herrn Herzogen zu Curland f. Gn. hätten solches 
(wie Sies an sich sollen genommen haben) E. Ch. D. hinterbracht und 
abgehandelt. 

Dass desshalben ichtwas jemals an E. Ch. D. wäre gebracht wor- 
den, kam mir gar nicht glaubwürdig vor, sintemal aus allen E. Ch. D. 
Rescriptis ich nichts anders ersehen können als eine beständige Zu- 
neigung zu dem Königlichen Hause und insonderheit dem Könige zu 
Schweden, mit welchem Sie hiebevor vertrauliche Freundschaft gepflogen. 
Weil auch bei jetziger der Polnischen Reipublicae Verfassung mehr zu 
wünschen dann zu hoffen sei, dass einig Evangelisches Subjectum bei 



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234 ^' P'ousA^ii und Polen. 

der vorstehenden Wahl durchdringen könnte, so wäre diesem nach den 
Evangelischen am dienlichsten, nur dahin zu trachten, wie sie sich um 
den künftigen König verdient machen und ihn die Zeit seiner Regierung 
favorable haben mögen. Dazu hätten nun 8. f. Gn., zumal bei der 
jetzigen Conjunctur, wegen dero grossen Guts und so ansehnlicher 
Macht alle Gelegenheit zur Hand, zumal wann Sie sich mit E. Ch. D. 
vereinigten und alles dahin richten wollten, dass der künftige König 
utrique imprimis Regnum debeat. 

Dieses wollte bei den unverzagten und sehr hitzigen Buhlem keine 
sonderliche Statt finden; derhalben ermahnten sie mich bei meinem Ge- 
wissen, ich wollte alle andere Considerationen aus den Augen setzen und 
einig und allein auf die Religion sehen und also rathen, wie sie ihre 
Sache weiter anzustellen hätten. 

Weitere Vorstellungen Hoverbeck's, denen gegenüber indess die Sie- 
benbürgen bei ihrem Willen bleiben — ^und werden sie also wol nicht un- 
terlassen einen weitern Versuch zu thun^ wo ihnen nur ihre Alliirte, Frankreich 
und Schweden, auch nur in discursu werden beipflichten wollen^. Bitte um 
Instruction '). 

Resolution des Kurfürsten. Dat. Cleve 10. Oct. 1648. 

[Ho verbeck soll Dur-für Johann Casimir wirken. Rath den schwedischen Königstitel 

einstweilen abzulegen.] 

10. Oct. [Es bleibt bei der früheren Erklärung] — gönnen auch noch nie- 
manden anders die Krön, als Ihrer Königl. Wttrden (Prinz Johann Casimir). 
— ItfUssen aber dieses dabei besorgen, haben auch von guter Hand 
eigentliche Nachrichtung, dass Sr. Lbd. der angenommene Königl. Titul 
der Krön Schweden nicht nur bei den vornehmsten Senatoren und 
Ständen der Krön Polen, sondern auch fllmehmlich bei der Krön Schwe- 
den grosse Schwierigkeit und Behinderung causiren dürfte; wollet des- 
wegen Sr. Kön. Würden solches in hohem Vertrauen entdecken, die- 
selbe Unserer beharrlichen unaussetzlichen Affection nochmals ver- 
sichern und danebst vernehmen: dieweil die Krön Schweden inständig 
begehrt, dass Wir Uns zum Interponenten und Mediatoren zwischen 
beiden Kronen möchten mit gebrauchen lassen ob S. Kön. Wür- 
den nicht zu bewegen, sich des Königlichen Tituls, wann es zu den 
Tractaten kommen sollte, zu begeben oder aufs wenigste auf gewisse 

Maas und Condition denselben ad tempus zu suspendiren; es 

würden S. Kön. Würden auch sich dabei wol vergewisseni können, 



') Vgl. Memoires de Ghanut I. p. 340. Der Fürst von Siebenbürgen Goor^ 
Ragoczi I. stirbt dann noch während des Interregnums. (24. Oct, 1648) 



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Die leitenden Pereönliobkeiten. 285 

dass Sie uflF obgesetzten Fall auch die Krön Schweden auf Ihre Seite 
bringen und dero kräftigen Eecommendation zu Erreichung Ihres vor- 
gesetzten scopi sich gewiss zu versichern haben würden. — 



Andres Adersbach a. d. Kurftirsteii. Dat. Warsch. 30. Aug. 1648. 

[Stand der militärischen Dinge in Polen. Entgegengesetzte Führung der einzelnen 

HHupter; Wiesnowiecki, Koniecpolski , Potocki. Eine neue Schlacht in Aussicht. 

Furcht vor Verrath. Die Proposition Moll's im Haag.] 

E. Ch. D. geruhen aus meiner unterth. beigeftlgten Relation *) in 30. Aug. 
Gnaden zu ersehen, in welchen terminis das Wesen oben uflF den 
Grenzen stehe, in sonderlicher gnädigster Beherzigung, dass Chmiel- 
nicky*) durch die beiden Impresen des Fürsten von Wissnowiecz, 
welcher zum Ueberfluss noch ferner resolvirt ist, extrema zu tentiren 
(welche Resolution an ihr selbst zwar cavallerisch ist und so einem 
tapfern Fürsten und Helden wol anstehet, aber nicht bedachtsam genug 
scheinet, angemerkt, so es misslinget und er den kurzem ziehen sollte, 
ja, wie die alea et fortuna belli variabilis ist, ihn selbst wo in die Ge- 
fahr setzen würde, die Krön in summa et extrema pericula gerathen 
dürfte und dadurch periodum fatalem zu besorgen hätte, weil an den 
beiden Cavalliem, als der Fürst von Wissnowiecz und der Kronen- 
fähnrich Herr Koniecpolski, des verstorbenen Feldherrn einziger 
Sohn, sind, welche von Jugend auf mit den Erbfeinden, als Moscowitern 
und Tartern zu schaffen gehabt und an ihnen ihr Courage und Tapfer- 
keit mit Ruhm erwiesen, fast die Wolfarth der ganzen Krön haftet, die 
eben jetzund zu dieser Imprese sich conjungiret haben, also dass der 
Feind dadurch, wann dieses Wesen uf seiner Seiten glücken sollte, nicht 
allein die Oberhand behalten, und, wie er schon ist, noch weiter und meh 
übermüthig werden, sondern ganz und gar diese Krön in das äusaerste 
Verderben, dazu er ihr schon ein gutes Theil geholfen, indem er sechs 
Wojewodschaften, als Reussland, Wolhynien, Podolien, Kjjow, Brazlav 
und Zemichow, welche dazu fast die beste und fetteste Oerter gewesen, 
daraus der grösste Reichthum erwachsen, ruiniret und verwüstet, stürzen 
und niederreissen würde) mächtig irritiret worden, dass er nimium 

^) Neben den Relationen Hoverbeck^s und Adersbach^a gehen in dieser Zeit die 
Ton dem letzteren geführten Diarien her, worin ausführlich Tag für Tag alle Vor- 
gänge in Warschau und die Nachrichten vom Kriegsschauplatz verzeichnet werden. 

*) Bogdan Chmielnicki, das Haupt der aufständischen Kosaken. Ueber ihn s. 
Grondski p.40ff. Herrmann I.e. HI. p.618ff. Die in den Diarien Adersbach's 
und andern Actenstücken der brandeiiburgischen Gesandten mitgetheilten Nachrichten 
über ihn lauten meist sehr günstig. 



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286 ^' P»e»Men nnd Polen. 

mutatus ab illo worden, was er mit dem Brazlavischen Woywoden 
vorhero abgeredet, wie solcher selbst in seinem Schreiben an den Kronen- 
grosscanzler drüber sich beklaget. Und ist sehr zu befahren, dass es 
nicht ad extrema mit dieser Nation komme, weil sie dazu einander 
so ganz und gar zuwider sinnen und vornehmen. Der Brazlavsche 
Woyewode bittet um Gottes Willen, dass die Unsrigen bei Leibe mit 
ihrem Heer sich nicht rühren mögen, damit die Tractaten nicht zer- 
rüttet und der Feind irgendwo lacessiret werde, und der Fürsf von 
Wissnowiez, welcher es für ungereumt erkennet, dass man still sitzen 
und dem Feinde zusehen solle, wie er einen Ort nach dem andern 
occupiren und verderben lasset, ist durchaus resolvirt und entschlossen, 
sein Heil an ihnen zu versuchen und die Scharten der Krön, wo mög- 
lich, diese oder künftige Woche zu wetzen. Wird also in kurzem grosse 
Veränderung zu vernehmen sein. 

Indessen sind sie allbie in grosser Gefahr, Sorge und Zweifel, arg- 
wohnen auch sehr, dass der Brazlavische Woyewode, als der eines 
Glaubens und Bekenntnisses mit den Kosacken ist, nicht mit dem 
Chmielnicken colludire und das Werk mit den Tractaten, wie es leicht 
geschehen kann, weil nur noch fünf Wochen übrig, bis uflF die Königl. 
Wahlzeit verschleppe, damit hernach die Kosacken mit dem,, was sie 
ambiren und intentioniren, nämlich ihre Stimmen zu Erwählung eines 
Hauptes pari et aequali sorte et valore mitzugeben wollen, hieher sich 
einstellen können. — 

P. S. Jetzt schickt der Herr Krongrosscanzler f. Gn., und lässt 
mich durch Herrn Haxberg ersuchen, weil er niemand hätte, der ihm 
das Holländische auslegen könnte, dass ich solche ins lateinische ver- 
setzen wollte, nämlich des Herrn Christian Mollen E. Gh. D. Rath 
und , Gesandten an die Herrn Staaten von der Unirten Provincien Pro- 
position, so er in dero Namen an dieselbe wegen des subsidii und 
Geldvorstreckung gethan, welches gedruckt anhero an ihn geschickt, 
und ich nicht abschlagen mögen ^). 



Fürst Boguslav Radzivil an den Kui-flirsten. Dat. Grafenhaag 

30. Aug. 1648. 

[Nachrichten aus Polen von den Fortschritten der Kosaken. Bitte um Kriegsmaterial 
und Truppen. Der Kurfürst möge schleunig nach Preiussen reisen.] 

30. Aug. — Ob Wir zwar sehr wol wissen, dass E. Gn. die Beschaffenheit 
des jetzigen Zustands der Krön Polen von Wochen zu Wochen um- 



') Christian Moll, brandenhurgischer Resident im naag; seine Proposition 

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Boguslav Radzivil. 287 

Btändlich tiberschrieben wird, so haben Wir jedoch dieselbe hiermit 
zu berichten nicht umgehen können, dass die Zeiten und Lauften in 
selbigem Königreich leider je länger gefährlicher fallen, massen man 
Uns mit heut angelangten Schreiben von Danzig und sonsten advisirt, 
dass nicht allein die Cosacken und andere zu ihnen gestossene Malcon- 
tenten den Herzog von Wisniewiezki mit seinen Völkern aus dem Felde 
geschlagen und in einem gewissen Städtlein, dahin er sich retirirt, hart 
belagert, sondern auch, dass dieselbe in Unsere angehörende Herzog- 
thum und Lande so weit advancirt, dass sie einen starken Versuch 
auf Unser Stadt Schlusco, in Meinung derselben sich zu bemächtigen, 
gethan. Ob sie nun schon durch beschehene Gegenwehr Unsers dar- 
innen liegenden Gouverneur und anderer ihme von Unsem benachbar- 
ten zugeschickten Hülfe, Gott Lob, wieder abgetrieben worden, so ist 
es doch ohne ziemliche Verderbung der davon dependirten Aemtern 
und Herrschaften nicht abgangen, und dieweil Wir auf das eilfertigste 
Uns dahin zu begeben gedenken, daneben aber bei Unserer Ankunft 
an vielen Orten gar schlechte Ordnung und Krieges Vorsorg befahren: 
als bitten Wir E. Gn. ganz freundlich, Sie wollen Uns zu schon be- 
willigter Anleihung der bewussten Canonen und Mousqueten, warfUr 
Wir deroselben nochmalen höchlich danken, eine gewisse und selbst 
beliebige Anzahl Pulver neben etwas Lunden aus Ihren auf der Polni- 
schen Grenze nächstgelegenen Zeughäusern folgen lassen und deswegen 
an gehörige Oerter nothwendigen Befehl ertheilen, damit Wir Uns 
dessen allen zu des gemeinen Wesen Bestes wo nötig bedienen und 
gebrauchen mögen. 

Sodann und demnach Wir äusserlich vernehmen, dass Unsers 
freundlich geliebten Herrn Vetters Lbd. zwar auf der Convocation zu 
Warschau mit einer ziemlichen Anzahl Volks und fast bis in die fünf 
tausend Mann gewesen, um allda vornehmlich das Interesse religionis 
nach Möglichkeit zu beobachten und zu befördern, so hören Wir dpch, 
dass dieselbe bei gegenwärtigen Coniuncturen und allgemeiner Con- 
fusion der Sachen bis dato noch nichts fruchtbarliches verrichten kön- 
nen; halten derowegen die Beschleunigung E. Gn. vorhabenden Reiss 
nacher dero Herzogthum Preussen aus vielen Ursachen hochnotwendig 
und ersuchen dieselbe, jedoch ohne Massgebung, freundoheimlich, solche 
zu maturiren. Wo es aber so bald nicht geschehen und entzwischen 
das in Polen vor Augen schwebende Unheil weiter einreissen sollte. 



an die Generalstaaten vom 22. Juli 1648, worin er eine Anleiha unter Hypotbecirung 
des PiHaiier ZoUs verlangt, 8. unten bei den Niederländischen Acten. 



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28g I* Prenssen und Polen. 

als wollen Wir auf solchen Fall, den der Allmächtige zwar gnädig 
verhtlten wolle, E. Gn. um den Favor, Uns mit 200 Ihrer iü Preussen 
liegenden Tragonem an die Hände zu gehen höchlich gebeten haben, 
und versichern dieselbe, dass Wir vor ihre Conservation und Verpfle- 
gung gleich als vor die Unsrige sorgen und gedenken werden. — 
TJnterschr. Von Gottes Gnaden Boguslav Radzivil, Herzog zu Birse, 
Dubinki, Schlusco und Copil, des b. Rom. Reichs Fürst etc. • — 
und dann m. pr. — B. Gn. dienstergebener Oheim und Diener Bo- 
guslaus Radzivil. — 

5. Sept. Antwort des Kurfürsten, dat. Cleve ö. Sept. 1648. — Bedauert 

dass seine Gränzhäuser selbst sehr knapp mit Pulver versehen sind; Dra- 
goner habe er dort nicht; übrigens werde er selbst sobald als möglich mit 
Truppen nach Preussen kommen. 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Königsberg 5. Sept. 1648 '). 

[Die Tbroncandidaten. Wegen Pfalz - Neuburgs ist nichts zu fürchten. Gate 
Gesinnung Johann Casimir^s.] 

5. Sept. lieber die verschiedeneu Kroncandidaten ; der Fürst von Sieben- 

bürgen; die Candidatur des Prinzen von Condö wird von dem fran- 
zösischen Gesandten abgeleugnet; doch war gestern in der grossen Raths- 
Stube eine Schrift in Umlauf, die ihn empfahl. 

Wegen des Herzogen von Neuburg, als E. Ch. D., wo nicht 
offenbaren Feindes, je doch verdächtigen Freundes und aemuli ratione 
der Gülischen Praetensionen, stand ich eine Weil in nicht geringen 
Sorgen, weil etliche von den Ständen uff den Fall, da die königlichen 
Prinzen einander nicht wUrden weichen wollen, Sr. Dchl. mit gedachten. 
Ich hab aber von den Vornehmsten des Prinzen Caroli Faction die 
Versicherung erhalten, dass es deshalben keine Gefahr habe; der Kö- 
nig in Schweden aber hat gegen mich hoch betheuert, dass, wann ihn 
die Wahl vorbeigehen sollte, er die Krön lieber in eines Fremden, als 
einigen von seinem Hause Händen sehen wollte, sollt es auch gar der 
Fürst aus Siebenbürgen, oder dessen Söhne einer sein; vor allen an- 
dern aber wollt er dieselbe E. Ch. D. gerne gönnen. 



Der Kurfürst an die Oberräthe. Dat. Cleve 5. Sept. 1648. 

[Anordnungen in Betreff der Huwald^sohen Werbung und der vier Amim*sohen 

Compagnien.] 

b Sept. [Antwort auf die Relation yom 11. August.] Wann Wir dann mit 

den vier Compagnien, so Wir unter Unseres Obristen Lieutenants des 



*) Hoverbeck befindet sich in Königsberg, um mit den Oberrftthen und den Stän- 
den über die von dem Kurfürsten angeordnete neue Werbung zu verhandeln 



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Die Moirsclie YerbandluDg im Haag. 289 

von Arnimbs Commando voran geschickt, der Krön nicht willfahren 
können, sondern dieselbige zu Versicherung Unseres Herzogthums an 
die Polnische Gränze unumgänglich gelegt werden müssen, und Wir 
dannenhero die Foi-tstellung berührter Werbung nochmals nöthig zu 
sein erachten: so zweifeln Wir nicht, Ihr werdet nebst Fortsendung 
Unsers an den Erzbischof zu Gniesen ergangenen Beantwortungsschrei- 
ben, welches billig vorlängst hätte insinuiret werden sollen, damit an- 
befohlener Mass (angesehen dergleichen Sachen sollen vorgehen, daran 
Unserm ganzen Herzogthum viel gelegen, welche zu schreiben der Feder 
nicht zu trauen steht) mit dem förderlichsten verfahren*), in Betrach- 
tung, dass im widrigen und so fem in dessen Entstehung Uns oder 
der Krön einige Ungelegenheit zugefügt werden sollte, Wir derhalber 
wollen entschuldiget sein, Ihr aber dafür zu antworten haben würdet. 
Dannenhero Ihr Euch darnach gehorsamst werdet wissen zu achten 
und im Uebrigen es dahin verfügen, dass die nothdürftige Verpflegung 
vor besagte vier Compagnien an- und beigeschaflft werden möge. — 



Andres Adersbach an d. Kurflirsten. Dat. Warsch. 8. Sept. 1648. 

[Uebeler Eindruck der Proposition Mon*8 im Haag. Argwohn gegen den Kurfürsten 
bei den polnischen Ständen.] 

— Sonsten haben sie alhie die Proposition des Herrn Mollen, so 8. Sept. 
in E. Ch. D. Nahm er an die Herrn General Staaten gethan sehr übel 
gedeutet, und verstanden, ob JE. Ch. D. die Pillauische Festung mit dem 
Zoll zu verpfänden und zu verhypotheciren angeboten hätte, bis sie, 
wie E. Ch. D. ich in meinem vorigen Schreiben unterth. hinterbracht, 
meine uflf des Herrn Kronen Gross Canzlers Begehren lateinische Trans- 
position und Version recht durchlesen, ich sie auch eines andern, mas- 
sen ich uflF Erinnerung des Herrn Woyewoden von Derpt, welcher mir 
vieler Senatoren Missverständniss darob entdeckt, unterschiedene Sena- 
toren deswegen ersuchet, belehret und mich verwundert, dass sie so 
eine schlechte Meinung von E. Ch. D. hätten, dass dieselbe gleich au 
Andere dero Hauptfestungen, ja nicht die geringste, weniger solche 
vertrauen oder auch verhypotheciren würden, die Summe auch der Con- 
sideration und Importanz nicht war, und wenn sie*s war, so würde E. 
Ch. D. doch dieses nicht thun, dass Sie den Schlüssel von ganz Preus- 
sen jemand unter seine Hand oder zum Unterpfand setzen wollte, an- 
gemerkt dieselbe gnügige Herrschaften ohne das hätten, dass Sie nie 
uf diese gedacht, sondern bloss aus den Einkünften des Zolls auszahlen 



') Vergl. oben pag. 251 not. 3. 
Maler, zur Gefch. d. Gr. Kurluiäleii. i. 19 



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290 ^- Preussen und Polen. 

und ZU dessen Versicherung stehen lassen wollten. Bat sie dannenhero, 
dass E. Ch. D. gute fürstliche Intention [sie] nicht so übel deuten, noch 
mit solcher falschen Opinion graviren möchten. Und sind ihrer viel 
auch uflF diese Auslegung gediehen, dass E. Ch. D. mit der Conquisition 
einer solchen Macht ambire, die Krön an sich zu bringen und sie durch 
Krieg mit Gewalt uflF Ihr Haupt zu setzen. — 



Ho verbeck an den Kurfürsten. Dat. Königsberg 9. Sept. 1648. 

[Ansichten der polnischen Stünde über die Znlassung des Kurfürsten zum Wahlrecht; 
Besorgnisse vor der zu grossen Macht desselben. Rathschläge befreundeter Magnaten. — 
' Die Meinung der Berliner geheimen Kilthe.] 

E. Ch. D. soll ich unterthänigst nicht unvermeldet lassen, welcher 
9. Sept. Gestalt ich aus allen Umständen und Conferenzen so viel abnehmen 
kann, dass E. Ch. D. durchaus keine gewürige Resolution in puncto 
des zustehenden iuris sufflragii in electione zu hoffen, sintemal die 
Stände E. Ch. D. durch Gottes Gnad immerzu wachsende Macht in so 
hohe Consideration nehmen, dass sie sich auch allerdings durch die 
Lehn an ihrer Freiheit nicht wenig gefährdet achten; will geschweigen, 
dass sie E. Ch. D. aller consiliorum mit theilhaf tig machen und Ihr das 
Recht zuerkennen wollten, dass Sie alle Conclusa mit dero Wider- 
sprechen über einen Haufen werfen könnten. Zwar wend ich ihnen 
dagegen ein, dass solches auch dem geringsten Edelmanne zustehe 
und diesem nach vermöge denen Reichsverfassungen E. Ch. D. mit 
keinem Fug versagt werden könnte. Ich bekomm aber zur Antwort, 
dass dergleichen Widersprechen oder ins intercedendi uff Seiten E. 
Ch. D. gar von anderm Nachdruck sein würde, als bei einem gemeinen 
Edelmann; dann jener müsse endlich um des Königs Gnade und seiner 
Mitbrüder Freundschaft Willen alles nachgeben, dahingegen bei E. Ch. 
D. dergleichen Considerationen keine Statt finden würden. Ja es gehen 
die meiste, wann mit wolgegründeten rationibus an sie gesetzt wird, 
wol so weit, dass sie ausbrechen durften, man sollt es lieber ad ex- 
trema kommen lassen, als E. Ch. D. ad suffragium in electione admit- 
tiren, weil sie doch dadurch schon wie ganz bezwungen und der freien 
Wahl beraubet sein würden. Etliche haben mir auch wol diese odiose 
Comparation gemacht, der Cosacken Krieg und Bauern Rebellion wäre 
der Reipublicae so gefährlich nicht, als die Admission E. Ch. D. zur 
Wahl; dann dorten verlieren sie nur etwas an Land und Leuten; all- 
hier aber würden sie uff einmal um alle ihre Freiheit gebracht wer- 
den und in den Stand gerathen, darinnen sich anjetzo die Kronen 
Böhmen und Ungarn befinden. J)ev Herr Hofmarschalk Kazanowski, 



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Stimmen über das ins soffragii in electione. 291 

der sich sonsten des Hauses Brandenburg gezeichneten Diener nennet 
und gegen E. Ch. D. aller Treu und unterthänigsten Gehorsams er- 
bieten thut, giebt vor, wann E. Ch. D. einmal zur Wahl admittirt wür- 
den, so dürfte es ins künftige bei ihren Nachkommen keines Wählens 
mehr; dann wann E. Ch. D. nur zu erkennen würden geben, dass Sie 
begehren König zu sein und Ihr auch nur die Evangelische beifielen, 
würde dero Partei so stark überwiegen, dass keiner auf ein ander Sub- 
jectum zu gedenken sich würde unterstehen dürfen. 

Ich remonstrirete hierauf, dass bei Denegirung des suflfragii der 
ßeipublicae ebenso viel, wo nicht mehr Gefahr vorstünde, als sie ihnen 
hiebei suchen einzubilden. Dann wann E. Ch. D. es gleich an andern 
votis ermangeln sollt, könnten Sie doch von denen Polnischen Edel- 
leuten, so sich in dero Herzogthum gesatzt, einen und den andern leicht 
behandeln, dass er Ihr sein votum gebe; und weil zur rechtmässigen 

Wahl unanimis omnium ordinum consensus erfordert wird so 

könnten Sie bei den wenigsten Stimmen, wann Sie uf dero Macht 
bauen und damit (wie besorgt werden will) durchzudringen Ihr zu- 
trauen wollten, eben so viel Rechtens praetendiren als der die meiste 
erhalten hat; dürften also E, Ch. D. nur hierüber halten und von dero 
erhaltenen wenigen votis nicht abstehen. 

Weitere Aeusserungen Anderer in demselben Sinne; der Kronvice- 
kanzler macht geltend, dass der Kurfürst als Candidat zu betrachten sein 
würde und als solcher sich nicht „uff der Wahlstadt" befinden dürfe; „sin- 
temal man von unterschiedenen und insonderheit dem Woyewoden zu Caliss 
und dessen Anhang die Nachricht hat, dass sie uff E. Ch. D. stimmen 
wollen". 

Daneben dann unterschiedliche Rathschläge befreundeter evangelischer 
Edelleute; derCastellan von Chelm, Gorayski, zweifelt, ob das dem Kur- 
fürsten zustehei}de Ins consilii et praerogativa sessionis wirklich auch das 
lus suffragii involvirt. — Andere meinen, „weü es ungezweifelt, dass 
E. Ch. D. nicht werden zur Wahl admittirt werden, so möchten Sie aus 
der Noth eine Tugend machen und sich nicht einst drum bewerben, son- 
dern bezeigen, dass Sie sich um die Wahl nicht gross bekümmern". 

Andere rathen das Suffragium schriftlich unter kurfürstl. Siegel einzu-* 
schicken und wenn die Annahme verweigert wird, Protestation einzulegen. 

Der Woywode zu Derpt, Graf von der Lissaw, meint „E. Ch. D. 
möchten nur ins Land kommen und den Ruf gehen lassen, dass Sie auch 
unerfordert sich Ihres Rechtens halten mid gleich andern der Krön Sena- 
toren bei der Wahl einstellen und zusehen wollten, wer dieses Ihr Recht 
in Zweifel zu ziehen und Ihr snflfragium mitzugeben zu wehren sich unter- 
stehen würde ; alsdann wollte er nebenst andern Patrioten rathen man möchte 
E. Ch. D. gutwillig zuerkennen, was man Ihr zu wehren nicht vermöchte; 

19* 



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292 ^' PreuB^n ^^^ Polen. 

ehe aber E. Ch. D. selbst herein kämen, hielte er alle angewandte Mühe 
und Arbeit verloren". 

Aehnlich der Littauische Unterfeldherr Fürst Kadziwill; der Kur- 
fürst soll nur zuversichtlich auf sein Recht dringen: ^qui duhitanter peliiy 
negare docet vel ipse sibi repuhitm parat.^ 

Zuletzt schlägt Hoverbeck dem Kurfürsten vor: ^obE. Ch.D. einen oder 
zwei von dero Käthen incognito bald zu anfangs abschicken und ihnen doch 
gnugsame Legitimationes zu einer Gesandtschaft mitgeben wollten, dass sie 
nf den Fall, wann die Aspecten widrig laufen wollten, nur privati et in- 
cogniti blieben, da aber auch gewisse Hoffnung gewüriger Erklärung sich 
ereugte, E. Ch. D. Nothdurft in publico beibringen möchten, wie solches 
der König in Frankreich mit seinem jetzigen Abgesandten zu Rom also 
practiciret hat** '). — 

Diese Relation Hoverbeck's wird von den geheimen Räthen in 
24. S$pt. Berlin dem Kurfürsten nebst Gutachten überschickt, dat. 14. Sept. 1648: 
^Müssen nochmals der Gedanken sein, dass für jetzo und sonderlich bei 
E. Ch. D. Abwesenheit, da sich so viele Opponenten finden und die Motns 
und Competentien dazu kommen, wol schwerlich etwas zu erhalten und es 
demnach dahin wol kommen wird, dass es dergestalt anzustellen sein werde, 
wie bei nächster Wahl von E. Ch. D. in Gott ruhendem hochgeehrtem Herrn 
Vätern christsei. Angedenkens geschehen, und man sich zugleich mit noth- 
wendigen Protestationen verwahre, hernachmals aber bei Investitur, auch 
andern Conventen das Werk eiferig suche und treibe, gestalt vom Herrn 
Gross Canzlern auch davor gehalten worden. 

(Sign. V.Götze. J. F. v. Loben. Thom. v. d. Knesebeck. S. Striepe.) 



Hoverbeck an den Kurflirsten. Dat. Königsberg 12. Sept. 1648. 

[Uebele Stimmang in PreuBsen wegen der «ausländischen* Trappen; die Kosten 
derselben allein von den Domainen.] 

12. Sept. £. Ch. D. gnädigstes Kescript vom Iten passato nebenst beigefügtem 
Inhalt dessen, was der König in Schweden bei £. Ch. D. durch den 
Herrn Obristen Lessgewang werben lassen wie auch einer Ab- 
schrift £. Ch. D. drauf gethaner Erklärung ist mir allererst am 29ten 
desselben in Hohenstein zukommen. 

Damit ich aber meines Anbringens so viel gewisseren Grund haben 
möchte, ist vor rafhsam befunden worden, den Herrn General Major 
Huwalt vorhero zu erfordern und wegen der acht tausend Rthlr., die 
er ohne Hypothec uflF ein Jahr vorzuschiessen sich neulich anerboten, 
gewissen Schluss zu machen. 

Indem ich mich nun allhier auf halt, vermerk ich, dass nicht nur 
diese Huwaltische Werbung, sondern auch allerdings die Einschickung 



') Die Antwort des Knrf. s. d. 10. Oot 1648 p. 303 £F. 



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Die prenssischen Stände gegen die ansIAndiscben Trappen. 293 

des Arnheimischen Squadrone von vielen übel wollen gedeutet werden. 
Denen möeht es noch wol zu verzeihen sein, die hierinnen £. Gh. D. 
Unterthanen Beschwerd in Consideration ziehen. Von denen aber, die 
sich an dem Wort ,,ausländisch^ so sehr stossen, müsste ein ander Ju- 
dicium gemacht werden. Dass man aber dieses dahin deuten will, ob 
lief es gegen die dem Lande gegebene Reversalen, dass kein fremd 
Volk herein gebracht werden solle, ohne vorgehenden der Stände Con- 
sens, ist meines wenigen Erachtens viel zu ungQtlich gedeutet; dann 
weil E. Ch. D. dieses Volks Unterhalt und Verpflegung über sich und 
dero Domainen allein gehen lassen, und die Stände der Verpflegung 
halber ganz nicht belangen, auch beides ufF der Reipublicae Ansuchung. 
und derer Herrn Regiments Käthe Erinnerungen von E. Ch. D. ver- 
ordnet worden, sehe ich mcht, wie man dieses vermeinte Gravamen zu 
bescheinigen habe. — 



Peter Bergmann a. d. Kurfürsten. Dat Danzig 2/12. Sept. 1648. 

[Die beiden polnischen Brfider als Rivalen nm den Thron.] 
Unterredung mit dem französischen Gesandten Yicomte d'Arpajon. 12. Sept. 
Der Königlichen Wahl halber (sagte weiter der Herr Visconte) wäre 
auch grosse Confiision zu vermuthen; dann die beide Herren Brüder 
und Prinzen blieben noch bei ihrer Competence und zwar der Prinz 
Carl (oder vielmehr dessen Anhang und Rathgeber) am meisten und 
eifrigsten (dagegen kein Abrafhen helfe), seine Partei zu stärken; da 
dann zwar der Prinz Casimir fast ganz Littauen und auch etliche hohe 
Häupter von weltlichen Herren, sammt allen Dissidenten in der Religion 
auf seiner Seiten hätte; hergegen aber der ganze Clerus und die meisten 
vom gemeinen Adel (welcher, wann die pluralitas votorum gelten sollte, 
die andern überwiegen würde)! dem Prinzen Carolö anhinge, welcher 
sich damit Reipublicae commendiren will, dass er sich an keinen frem- 
den Potentaten schlägt (wiewol gleichwol man.sagete, dass er an den 
Kaiser einen vornehmen Jesuiten sammt einem andern geschickt habe), 
deshalben man aber den Prinz Casimir in Verdacht ziehet — 



Andres Adersbach a. d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 14. Sept. 1648. 

[Der Kronreferendar Zaleski ; seine Erklftrungen gegen das Wahlrecht des Korffirsten ; 

Besorgnisse Tor den fremden Trappen in Preussen. Bedingungen des Herzogs von 

Corland hei Stellung von Truppen.] 

— Sonsten Wegen E. Ch. D. Ansuchung und gethaner Proposition 14. Sept. 
an die Herrn General Staaten durch dero Rath Herrn Mollen hat sieh 



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294 ^' P'^uM^n ^u>d Polen. 

neulich der Kronen Referendarias, so von seinen Erbgütern ver- 
gangene Woche wiederkommen, mit mir in einen Discours eingelas- 
sen und gefraget, wozu S. Ch. D. so eine grosse Armee versammle 
und zwar sub praetextu subsidii in necessitatem Reipublicae huius, die 
es doch nie begehrete, noch benötiget wäre, angemerkt es auch contra 
constitutionem Regni publicam wäre, dass man fremde Nation zu der 
Krön Diensten alhie einftlhren wollte und besorgte er, dass es uflf eine 
andere Intention angesehen wäre und es nur bloss Hoverbeckische An- 
schläge sein, welcher E. Ch. D. wegen dero Voti und Stelle bei der 
Königl. Wahl (aber mit der Faction der beiden Prinzen zur Succession 
der Krön wollte er so bloss nicht herausfahren, wiewol er sich oft im 
Reden versdinappte, dass er besorgte, es wäre uflf ein subsidium zu 
Beförderung des Schwedischen Königs Prinzen Casimir! gerichtet, da- 
ftlr er sich sehr fürchtet, weil er öffentlich sich der Gegenseite wider 
denselben bekennet und vernehmen lässt, auch gar übel von ihm reden 
soll) etwas persuadirt hätt und es nun durchzutreiben vermeinet, da es 
vorhero in keines dero Vorfahren sei. Anged. Namen geschehen war 
und es dabei bis daher geruhet hätte; aber alles dessen ungeachtet so 
erklärte er sich ausdrücklich, dass, dafeme dergleichen Proposition 
ratione voti et sessionis publice vorgebracht werden sollte, er nicht 
allein das Responsum, so vormals den vorigen Herzogen in Preussen 
gegeben worden, dessen contenta im Prilusio fol. 784*) verenthalten, 

öffentlich vorlesen , sondern auch wenn niemand dazu reden würde, 

er allein protestando demselben widersprechen wollte, weil er es nie 
mit seinem Gewissen gegen die Republic verantworten, noch dazu still 
schweigen könnte, angemerkt die Vota alhie bloss inter pares gelten; 
bäte also, dass damit zurückgehalten würde, uff dass E. Ch. D. Hoheit 
nicht geschmälert würde, wann dero Abgesandte mit solchem schleunigen 
verweislichen Bescheide und Antwort abgefertigt werden sollten, so 
denenselben, geschweige dennoch E. Ch. D., sehr verkleinerlich sein 
würde; im übrigen allen wäre er E. Ch. D. zu allen Diensten ge- 
flissen etc. — 

Wofllr ich mich gar sehr bedankte und es gegen E. Ch. D. zu 
rühmen offerirte, aber ratione voti et loci, weil ich seine Pertinacitet 
nicht allein fliritzt, sondern auch vorhero schon bei des Herrn von 
Hoverbeck mit ihm gepflogenen Unterredungen erlernet, mich gar nicht 
weiter einlassen wollte, nur dass ich bloss uff sein erstes Propos ant- 
wortete und mich verwunderte, wie E. Ch. D. so gute Intention und 



Juc. PriUsli statuta Regni Polooiae. Cracov. 15&d. Vgl. ob. p. 267 not. 3. 

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Polnische Stimmen für und wider den Kurfürsten. 295 

Vorsorge ftlr die Krön, da Sie doch noch dazu von dem Herrn Gnie- 
senschen Elrzbiscboff darum so inständigst und schriftlich ersuchet und 
gebeten worden, so Übel gedeutet und uffgenommen werden sollte. — 

Worauf er mich beantwortete, dass es nicht ohne wäre, dass der 
Herr Erzbischoff um Hülfe gebeten, aber nicht solche aus fremden 
Oertern, dazu auch nicht in solcher grossen Anzahl, als E. Ch. D. zu- 
sammengebracht haben soll, wie das Gerücht erschallet, nämlich uff 
10,000 Mann, zu holen, sondern bloss ohngefähr ein oder ein paar 
tausend Mann in Preussen werben zu lassen. 

Aber ich replicirte ihm darauf, dass es nicht wohl thunlich gewe- 
sen wäre, dass S. Ch. D. mit denen von der Krön abgeordneten Offi- 

cirem zugleich hätte können werben lassen, weil selbige Officirer 

das wenigste würden bekommen haben; nun wäre daraus ja desto mehr 
die Propension E. Ch. D. gegen die ßepublic zu erspüren, dass die- 
selbe gedachten Officirern ihre Werbung frei und ohne jemands andern 
Hinderung verstattet und dannooh der Krön zu gut aus andern Oertern 
um mehrer und stärkere subsidia sich bemühet, und wäre ja in des Herrn 
Mollen ProposiÜDn keiner Anzahl gedacht; zu deme so stünde E. Ch. D. 
als einem independirenden Potentaten, als die auch andere Ihre Herr- 
schaften mit nothdürfligem Schutz zu versehen und beizuspringen hätt, 
ja frei, ohne irrkeines Vorschreibung so viel Volks, als es Ihr beliebte, 
zu werben und in dero Dienste anzunehmen, und wären das flir keine 
fremden Leute zu achten, wenn sie der Krön und E. Ch. D. mit Eides- 
pflicht verbunden würden. Zuletzt aber befremdete es mich sehr, 

dass, da ich vermeinet, dass Sr. Ch. D. flir solche treue Sorge und 
Freundschaftsbezeigung von derBepublic gedanket werden sollte, man 
noch solches alles mit einer verweislichen unvermutheten Reproche ver- 
werfen wollte, da man doch noch keine rechte Wissenschaft davon 
hätte, ob E. Ch. D. alles solche zusammengebrachte Volk der Krön 
überlassen würde, weil Sie auch dessen zu Ihrer Lande Schutz und 
Nothdurft anderwärts benötiget wäre. 

Er ging aber mit seinem Schluss und Meinung dahin, dass solches 
gar nicht nötig wäre, insonderheit, wie man daflir hält, dass E. Ch. D. 
damit gegen die Königliche Wahlzeit (so gar sind sie alhie mit ihrer 
Faction daftlr gorgfällig, dass ich also noch erwarte, mit was Angendhm- 
heit sie uf nächste Session, darauf dieselbe vorgetragen werden soll, 
Sr. f. Gn. des Herzogen in Curland Vorschläge und dabei annectirte 
conditiones, so ich hier copiirt unterthänigst beigefllgt, acceptiren wer- 
den) sich diesen Gränzen nähern werden. 

Welche des Herrn Referendarii Meinung ich Sr. Exe. dem Herrn 



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296 ^* Preassen und Polen. 

Woyewoden von Derpt, Grafen von LeBsno, mit grosser Befremdung, 
dass E. Gh. D. geneigteste Intention und Sorgfalt zu der Krön Besten 
von der Repubiic so gar cum ingrato affectu uffgenommen und ge- 
deutet werden sollte, entdeckte, welcher aber solche des Referendarii 
ungeschickte Discourse gar schimpflich auslegte, mit Bezeigung dass 
er noch nicht Respublica wäre etc. ... er wollte bei gegenwärtiger Ge- 
legenheit, da uflF nächster Session er S. f. Gn. Vorschläge vortragen 
wird, auch solcher aus des Herrn Mollen gethaner Proposition E. Ch. D. 
guter Intention mit gebtlhrendem Ruhm gedenken, und ihm dabei per 
ambages (weil ich ihn bäte, dass er mich ganz nicht zu vernehmen 
gäbe, weil ich ihn nicht gerne zu Feinde hätte) in die Nase reiben, 
auch was scharfer, wo er sich daselbst gleichfalls auf solche Weise 
auslassen würde, an ihn setzen und ihm solche Impertinacitet mit Ver- 
weis reprochiren, da er denn meinet, des Herrn Erzbischofs und Gross 
Canzlers, so E. Ch. D. sehr wol zugethan scheinet, auch des Herrn 
Untercanzlers Beifall darinnen zu concilüren. — 

Beiliegend die Abschrift der Bedingungen, unter denen der Herzog 
von .Gurlaud sich verpflichten will, 4000 Mann z. F. und 1000 Reiter der 
Republik zu Hülfe zu führen; der Herzog will, dass seine 5000 M., in Ver- 
bindung mit 3000 M. polnischer Truppen, die man ihm hinzufügen soll, 
einen pecnliaris exercitus bilden, über den er persönlich den Oberbefehl 
führt und der nur im Fall seiner Verhinderung dem polnischen Heerführer 
untergeordnet werden soll. Ausserdem verlangt er Sieberstellung seiner 
Kosten durch den Danziger Pfhndzoll und die Einkünfte des königlichen 
Preussen. 

Andres Adersbach an d. Öberräthe. Dat. Warsch. 22. Sept. 1648. 

[Die Partei des Prinzen Carl Ferdinand in Besorgniss vor dem KurfUrsten. 
Sorglosigkeit der Polen bei dem Kosakenkrieg.] 

22. Sept. — Es stehen die Carolianer in grossem Schrecken ob der ausge- 
sprengten Zeituilg, das S. Ch. D. in Person nrit 12,000 Mann auf die 
Königl. Wahl erscheinen wolle und werde, also dass sie besorgen, dass 
es zur Assistenz Sr. Maj. aus Schweden angesehen sei, und dass da- 
hero, wann S. Ch. D. mit 12,000, der Herzog in Curland mit 6000 und 
der Fürst Radziwil littauischer Unterfeldherr, welcher seines Herrn 
Vettern Forsten Boguslafs Völker mit zuziehen wird, mit 5000 Mann 
Ihr assistiren sollten, dero Seite mächtig und weit praeyaliren wür- 
de. — 

Hie sitzen wir, ob wir von keinem Kriege oder Feinde im Lande 
wüssten, und ergötzen sich die Herrn Senatoren und Stände auf ihren 
Gütern herum bei diesem schönen recht wie Sommer Wetter; aber Gott 



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Die Wahlpftrteien. 297 

behüte, wann wo eine streifende Rotte der Rebellisanten uns ungef älir 
übereilen sollte, wir würden nit für noch hinter uns wissen, weil wir 
gar zu sicher alhie sind und keine Mannschaft haben, da doch billig 
dieser Ort, wo der Königl. Körper lieget, die Königin und die beide 
Königl. Prinzen residiren und dabei die general Versammlung, aller 
Kronen Stände geschieht, wol versehen sein sollte. — 



Peter Bergmann a. d. Kurfürsten. DatDanzig 15/25.Sept. 1648. 

I Verschieden es in Betreff der Königswahl. Schlechte Zustände im Lager gegen die 
^Kosaken. Verbreitetes Misstrauen gegen den Kurfürsten wegen der MoU^scken Ver- 
handlung im Haag.] 

Der französiche Gesandte Vicomte d'Arpajou hat sich vor drei Ta- 25. Sept. 
gen nach Warschau zum Wahltag begeben; er hat Auftrag in demselben 
Sinne dabei thätig zu sein, wie die Gesandten des Kurfürsten, namentlich 
um den Conflict zwischen den beiden Brüdern beizulegen ; er bedauert, dass 
der Kurfürst nicht persönlich in der Nähe ist. 

Und weil er, Herr Ambassadeur, vernommen, dass des Herrn 
Boguslai Radziwils f. 6n., nachdem Sie zu Cleve bei E. Ch. D. gewesen, 
sich naher Polen gewendet und binnen wenig Tagen in dieser Stadt 
erwartet wurde, so hat er fast eine ganze Woche lang sich über sein 
Vornehmen aufgehalten, in Hoffnung S. f. 6n. zu sprechen. Sonsten 
hat er mir auch eröflFnet, dass er einen seiner Leute in Schweden 
gehabt und neulich zurücke bekommen mit solchen Schreiben und 
Nachricht, dass nicht balde einige Tractaten mit Polen wegen eines 
ewigen Friedens zu hoffen sein (wie daim der Herzog in Curland des- 
wegen auch schlechten Bescheid empfangen haben soll) und dass auch 
wol keine Botochaft von Ihr Maj. der Königin in Schweden uf den 
Wahltag in Polen werde geschickt werden, sondern man würde still- 
schweigend nur zusehen, wie es mit der Election sich würde anlassen, 
dalfei aber der Krone Schweden Augenmerk allein auf das Königliche 
Haus und zwar uf den ältesten Prinzen gerichtet wäre, keinem fremden 
oder andern Candidato würde sie favorisiren *). 

Eben jetzo schicket Prinz Carl seinen Abgeordneten naher Stock- 
holm, vermeinend vielleicht, dass sein Herr Bruder auch einen der 
seinigen dar habe '). In summa, die Triguen gehen beiderseits sehr 
stark allenthalben. 

Wie es sonst mit dem Cosackischen Wesen jetzo stehe, davon wird 



*) Vergl. Arckenholtz Memoires conoem. Christine I. p. 141, 
') Vergl. Pnfendorl de Beb. Snec. XX. 236. 



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298 ^- Preiis8«n ^d Polen. 

E. Ch. D. immediate aus Warschau wol gewiss- und frisdieren Nach- 
richt haben, als ich von hier schreiben kann. Aus allen Umstäuden 
aber, so man vernimmt, ist nichts anders zu auguriren, als dass der 
Accord nicht so balde, als man gehoffet, getroffen werden könne und 
derwegen die Election wol uf eine andere Zeit verleget werden dürfte, 
aldieweil die Herren und Edelleute, so in der Arm^e weit von War- 
schau sich aufhalten müssen, nicht dahin kommen können und gleich- 
wol auch bei der Wahl eines Königs gegenwärtig sein wollen* — 

Es concurriren kider allerhand böse Beschaffenheiten an der 
Kronen Polen Seiten, zuforderst dass kein Haupt und auch kein er- 
fahrener und zu solchem Werk guugsam qualificirter Führer oder 6e-* 
neral vorhanden; diejenigen, so pari cum potestate der Armöe vorge- 
setzt sein, sind unter ihnen nicht einig, liegen nicht beisammen in 
einem Lager, meistentheils junge und sehr hitzige Leute. Der gute 
Mann Woiewode zu Bratzlaw, genannt Kisiel, der den Frieden zu 
machen von der Republic an die Kosacken geschickt ist, ist bei diesen 
wegen der andern Polnischen Häupter hitzigen Proceduren im Felde 
schon sehr verdächtig bei den Kosackischen Gemein, welche ohne das . 
zum Accord keine Lust haben, und wird von denen fast wie gefangen 
gehalten; hergegen bei der Republic wird er von etlichen seinen Miss- 
günstigen mit bösem Argwohn der Untreu belegt wegen seiner Grie- 
chischen Religion, wie auch allen seinen Glaubensgenossen widerfähret, 
welche leicht dadurch zur Desperation gebracht und das Uebel ärger 
gemacht werden kann *). 

Die starke und offenbare Aemulation der beiden Prinzen macht ge- 
fährliche factiones und Misstrauen; die welche vor diesem E. Ch. D. 
um Hülfe gegenst die Feinde der Krön angerufen, wollen Sie nun in 
Verdacht ziehen, dass Sie in Preussen etwas Volk geschicket und mehr 
werben wollen, so doch der Krone zum besten angesehen. Sie haben 
das aus der Proposition, so E» Ch. D. Resident im Haag gethan, (die 
hernach gedrucket und hier wie auch in Polen divulgiret worden ist) 
gefasst, dass E. Ch. D. die Herren Staaten wegen ihrer Bezahlung vors 
begehrte Kriegsvolk uf den Pillauschen Zoll weisen wollen, und es 
sehr übel gedeutet, als wollte E. Ch. D denen Staaten in Niederlanden 
die Feste Pillau einräumen; Sie suchte auch ein anders unter solcher 
Ihrer Werbung, als der Republic Hülfe zu leisten; wollte mehr Freiheit 
in dero Herzogthum mit Gewalt Ihr zu Wege bringen, und was der 
Plaudereien mehr sein und so wol zu Warschau als zu Marienburg uf 



') Vergl. Rudawski p. 19. Pastorius p. 38. 123 ff. 



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Schlacht hei Pilawice. 299 

den nächsten Gonventibus sind gehöret worden'). Daran ich doch 
achte, dass £. Gh. D. sich wenig zu kehren habe. iRegium est, cum 
bene feceris^ male audire. Und ist solches dieses Ortes nicht seltsam. 
Gott führe nur und geleite E. Gh. D., wann es Ihr bequem ist, in diese 
Ihre Lande mit Gesundheit und Freuden, so wird sich alles wol 
schicken. — 

Andres Adersbach a. d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 29. Sept. 1648. 

[Grosse Niederlage der polnischen Armee bei Pilawice.] 

E. Gh. D. habe bei dieser Eil in unterth. Gehorsam zu hinter- 29. Sept. 
bringen, dass jetzt eben, da ich diese Post schliessen wollen, vernehme, 
dass der polnische ordinarie Agent, so die Posten aus dem Lager hie- 
her zu befördern pfleget, in aller Flucht aus demselben ankommen mit 
Bericht, dass unser Krön - Armee ganz von Ghmielnizken und den Ko- 
sacken ruiniret und erleget'), die beiden Herrn FUrst von Wissnowiez 
und der Kronenfähnrich Koniecpolski bis uflf den Tod verwundet und 
der Fürst Dominic •) mit der Flucht nach Zbaraz sich salvirt, also dass, 
nachdem er solches gesehen, er sich in aller Eil davon gemacht, und 
hieher geflttchtiget sei. Aus welcher Zeitung die Königin so conster- 
niret worden, dass sie sich bei den Haaren gerissen und geweinet haben 
soll, auch um dero Gewissheit einen eigenen Gourier abgefertigt und 
alle Anstalt gemacht, nach Thörn mit ihrem Hofstaat sich zu salviren. 
Alles ist hie bestürzt und perturbiret, womit ich E. Gh. D. etc. — 



Andres Adersbach an d« Kurfürsten. Dat. Warsch, 1. Oet. 1648. 

[M&beres über die verlorene Schlacht. Wie die Polen mit den deutseben Truppen 
umgeben. Man bittet nun wieder den Kurfürsten um Hilfe; veränderte Stimmung.] 

Adersbach wird auch von dem Grosskanzler in Betreff der Aeusserun- l.Oct. 
gen des Kronreferendars Zaleski beruhigt. — In Betreff der Armee gegen 
die Kosaken sind allerlei alannirende Nachrichten eingelaufen, die verschie- 
den erzählt werden. — ^ 

So viel ist gewiss, dass unsere Armee, nachdem sie die Kosacken 
(zu denen sie vorgeben 50,000 Tartem zugestossen wären, welches 



y ') Die preussiich - polnischen Stände hatten kurz zuvor von ihrem Landtag aus 
eine Verwabrong gegen die Werbungen im herzoglichen Preuasen und gegen etwaige 
Dnrcbmftracbe an die Oberräthe erlassen — dat e conventu generali Mariaebnrgensi 
d. 17. Sept. 1648. 

') Schlacht bei Pilawice am 21. Sept. 8. Rudawski p. 23. 
*) Fürst Dominicns von Ostrog and Zaalaw, Woiwode von Sendomir, 
der Oberanfdbrer des polnisohen Heeres. 



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300 I* Pnnsraii und Polen. 

aber nicht geglaubet wird, weil man verspüret, dass sie ihre Flucht be- 
scheinigen wollen) in guter Ordnung und voller Bataille, auch ent- 
schlossener Resolution zu fechten, massen sie auch, insonderheit Lascz, 
tapfer an sie gesetzt, dass sie auch über 20,000 derer aber eitel vor- 
angestellten Bauern und lumpenen Gesindleins gegen Verlust dennoch 
4000 der unsrigen und meistentheils Deutschen, Dragoner und Fuss- 
knechte, so von eitel polnischen Officirem commandiret und angeflihret 
worden (denn sie alle deutsche Officirer entsetzt und sie alle, entweder 
so hohe Chargen bedienet, zu geringsten OfBcirem gemacht, andere 
aber und die geringe Officirer unter die Knechte zu dienen gezwungen) ^) 
niedergemacht, gesehen und vermerkt, auch die Infanterie und deut^ 
sches Volk, welche sie durch einen engen Pass im Thal zwischen einem 
Morast und ufif einen Damm angedrungen und fortgenötiget, ganz ruiniret 
und uff der Schlachtbank verspüret, panico'terrore occupati bald sich 
uff die Fersen begeben und retiriret; welchen der Fürst Dominic als 
der oberste Vice General und Kriegs Commissarius (denn sie sich unter 
einander, nämlich die hohen Häupter als dieser und der Fürst von 
Wissnowiez lang um das Oberconunando gezankt und gezwistet haben, 
also dass endlich hernach, wie dieser die Unmöglichkeit der Resistenz 
vermerket und dass sie solcher Macht der Feinde zu opponiren und 
entgegenzugehen sich nicht bastant befunden, ja dazu so liederlich die 
Infanterie, so eine schöne Mannschaft deutschen Fussvolks uffgeopfert 
gehabt, dieser dem Fürsten von Wissnowiez die BuUave*) zugesandt, 
welcher sie auch zu der Zeit, da die Brühe verschüttet gewesen, nicht 
annehmen wollen) den Weg gewiesen und zuvor nach Zbaraz, so wol 
15, auch 20 Meilen von der Kosacken Lager gelegen, sich salviret, 
Fürst von Wissnowiez und die andern Herrn aber nach Lemberg, so 
wol 30 Meilen davon lieget, in Sicherheit und, wie sie vorgeben, mit 
einem Vorsatz daselbst das Rendevouz ihrer Völker zu halten und zu 
deliberiren, wie den Feinden der Weg weiter in die Krön zu verlegen 
und abzuschneiden sei, sich begeben und retiriret; wo aber' der Obriste 



') Andere charakteristische Züge über die polnische Armee s. Rudawski p. 23. 
Von deutschen Trappen werden i^ibid. p. 19) aufgez&hlt: .cohortes sclopigeronim Ger- 
manicae decem'* anter Qraf Sigisniond Dönhof, und sdesultorioram equitum, valgo 
Dragonum, legio Germanica*' unter Graf Jacob Rozdrazewski. — Sonst berühren die 
polnischen Historiker das Yerh&ltniss der deutschen Trappen in diesen K&mpfen nicht 
Bald nachher führten der Oastellan von Eibing und der Woiwodo von Marienburg^ 
Ludwig und Jacob Weiher, dem Heere 1500 M. deutsche Truppen aus^Preussen zu. 
Pastorius p. 177. Vergl. auch die Aeusserung Chmelnicki^s über die deutschen 
Trappen unten in dem Schreiben Hovorbeck's und Oolsohnitz^s, dat. 12. Not. 

^ Bulawa, der Commandostab; auch die Hetmanskeule der Kosaken. 



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Hinopferung der dei^tfioben Söldner. Polnischer Hilferaf. 301 

Oschinsky mit seinen Fassknechten und Gnarde, auch die anderen ge- 
blieben ist, ist noch nichts gewisses berichtet. In summa, sie haben 
das deutsche Volk so liederiich in die Schanze gesetzet und gleichsam 
den Feinden zur Ergötzung und Frolocken uffgeopfert, dass sie selbst 
nicht wissen, wie sie solche Flucht bescheinigen mögen. 

Gestern ist alhie wie auch ehegestem darüber geheimer Kath ge- 
halten worden und scheinet, dass sie nach langer Deliberation (da der 
Herr Eeferendarius uflf die Proposition des Herrn Woyewoden von Derpt 
und des Herrn Kronengrosscanzlers f. Gn., dass man E. Ch. D. um 
das Torhero angelangete Subsidium, wie auch S. f. Gn. den Herzogen 
in Gurland inständig ersuchen und sollicitiren sollte, nicht ein einziges 
Wort darauf sagen thüren [sie], weil er fertige oppositas rationes für 
sich merkte, wie wol ein Geistlicher ins Mittel brachte, dass E. Gh. D. 
18,000 Mann bei einander hätte und man nicht wttsste, was dero In- 
tention sei — ) endlich dahin geschlossen und berahmet, sowol an E. 
Ch, D. und die Herrn Regimentsräthe in Preussen, als auch an S. 
f. Gn. den Herzogen in Curland zu schreiben und um alle mögliche 
Hülfe zu sollicitiren.' 

P. S. dat. 2 Oct 

Gestern ist mir eingeschlossenes von der Republic eingehändiget 
worden, in aller Eil zu fördern') und bin ich wol dreimal gefragt wor- 
den, ob E. Gh. D auch bald in Preussen sein werde, darnach 

sie jetzt gross Verlangen tragen, so heftig sie dawider zuvor geredet, 
und ist nicht zu sagen, wie wol sie E. Ch. D. partibus favorisiren, auch 
etzliche gesaget, dass sie dieselbe lieber zum König wünschen wollten, 
weil der Fürst Bagozzi einen Anschlag uff Krackau haben soll, dahin 
auch die Kosacken, derer, über 150,000 und die, Tartem, derer über 
80,000 sein sollen, zugehen wollen, also dass man daraus eine Cointelli- 
genz zwischen den Kosacken und dem Fürsten Rakozzi suspicirt. — 



M. Lubienski, Erzbischof von Gnesen, an die Oberräthe, 

Dat. Varsaviae 1% Oct. 1648. 

(Königsb. Arch.) y 

[Dringende Bitte am eilige Hilfe gegen die Kosaken.] 

Cum satis Nobis constet Sermum Electorem Brandeburgicum ex- i.Oct. 
peditas habere militum copias, quas ad ferendam laboranti patriae 
Nostrae opem destinari Residens Sertis Suae affirmavit, duximus hasce 



^) Das folgende Schreiben des Erzbischofii ron Gnesen; 



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302 I- Pronssen und Polen. 

aliter das Dl«» Dnes Vas dirigendas, quibus gratitudinem animoram 
Nrorum ob tam inaiguem benevolentiam testaremur et, ne qua« mora 
consilium hoc mittendi auxilii retardet, obsecraremus. Res enim Nras 
adversa nimls afflixit fortuna, dissipato ob iminensam hostium multiiu- 
dinem Exercitu, qui reprimendo Cozacorum Tartaronimque iverat im- 
petui, et miles ac copiae Sermi Electoris, si unquam, hoc pfaeaertim 
tempore opportunum rebus angustis praebeant auxilium. Dbe« D"«« 
Vas rogamus obtestamurve, eo consilia viresque suas dirigere, quibus 
Salus et integritas huic Reipublicae pariatur, quae tam difSeili tempore, 
in maximis adiuta angustiis sempitema memoria et gratitudine Sermi 
Electoris et IHrium Dnum Varum colct benevoleutiam. Iterum quam 
maximo studio precantes ut copiae istae auxiliares Varsaviam versus 
mittantur, uade suppetiis N^is coniunetae in hostem dirigi possint, 
prorapta oiBcia N»a Illiibus Dnibus V" impense deferimus. — 
Ein Schreiben des gleichen Inhalts an den Kurfürsten id. dat. •). 



Andres Adersbach an d. Kurfllrsten. Dat. Warsch. 9. Oct. 1648. 

[Der Streit über die Starostei Putzig. NachricbtcD von der Armee und der Wahl- 

angelegenbcit.] 

9. Oct. E. Ch. D. habe ich gehorsamst zu hinterbringen, dass gestern bloss 

wegen der vom Herrn Weyhern, Marienburgischen Woyewoden, occu- 
pirten und aus der von der Preussischen Landschaft uffgetragenen 
Macht usurpirten Starostei Puzke *) (welche der König sei. Andenkens 
kurz vor seinem Tode dem Herrn Kronengrosscanzler conferiret, die 
Preussischen Stände aber solche ihm nicht concedireu wollen, sondern 
vermöge einem unter sich uflF ihrem Landtage geschlossenen laudo, mit 
Vorgeben, dass sie ein Port in die Ostsee und Veste ist, darauf sie 
200 Mann stets halten und von dero Einkünften solche auszahlen und 
den Rest davon uff die andere nothwendige Ausgaben zu dero guter 
Bewehrung und Maintenirung ... anwenden müssen, dem wolgemelten 
Herrn Woyewoden zu usurpiren und bis uff künftige Abrechnung und 
Einbringung dero Einkünfte realiter zu besitzen uffgetragen und deferirt 
haben, welches aber bloss geschiehet, dem Herrn Canzler ob ins in- 
digenatus sui und wegen der Picken und Rancoren, so ^wischen ihnen 
vorgehen) disceptirt und quaestionirt worden, ob selbiger Herr Woye- 
wode, dem der Kronen Schatzmeister schon eine citationem peremtoriam 
tanquam propter vi occupata et usurpata bona regalia et exinde viola- 



*) Vergl. unten s. d. 13. Nov. 1648. 
') Vergl. Lengnicb VII. p. 8. 



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Das Interregnnm. * 303 

tum ms publieam ac authoritatem muneris eius thesaurialis diminntam 
zugeschickt, schuldig sein solle, ror dieses Marschallische Captur-6e- 
richt*) sich zu gestellen und zu antworten, welches aber die Preussen 
tanquam causam publieam durchaus nicht gestatten wollen und drüber 
die zwei Tage hero sich so gewehret, dass sie es 'dennoch erstritten 
und dahin gerichtet, dass nämlich die Sache quoad ins inter exorbitantias, 
quoad factum aber bis uff den bevorstehenden Krönung- und Reichs- 
tag zu Grackau verleget und daselbst coram Rege coronato ad instantiam 
Instigatoris Regni gerichtet und entschieden werden solle. — 

Sonsten von den Grenzen herab ist nichts besonders, als dass der 
Fürst von Wissnowiecz, deme die Armee die BuUave absolute über- 
geben und von den andern nicht wissen wollen, die Völker von der 
schändlichen und unverantwortlichen Flucht recolligire (massen dann 
an allen Orten publicirt worden und wird, dass sich alle und jede 
wieder zurück verfügen und nach Lemberg unter dessen Gommando 
sub poena infamiae vitae et confiscationis bonorum gestellen sollen) und 
hieher geschrieben dass er gewisse Nachricht habe, dass 40,000 Tartern 
zu den Kosacken gestossen und uff Lemberg eine Imprese zu versuchen 
entschlossen sind. 

Die beiden Prinzen sind als Candidaten vermöge der Constitution, 
der König nach Nieporent und der Bischof Prinz Carl uff sein bischöf- 
liches Gut zwo Meilen von hie verreiset Im Uebrigen, gnädigster Chur- 
flirst und Herr, mit der Königlichen Wahl kann ich, meinem geringsten 
ludicio nach, nicht absehen, dass es wol ablaufen werde, weil die Dif- 
fidenzen unter den Ständen sehr gross sind und die Factionen noch 
nicht u£fhören, also dass uns Gott nur fllr Trennung oder einem Blut- 
bade bewahren wolle. — 



Der Kurftirst an Hoverbeck. Dat. Gleve 10. Oct. 1(548. 

[Das Wahlrecht in Polen darf nicht aufgegeben werden. Hoverbeck und Wolfgang 
T. Kreytz sollen es als Gesandte ausüben und für den Fall der Nichtannahme ihres 
Votums für das Kecht des KurfSrsten Verwahrung eingeben. Verschiedenes in Betreff 

des Interregnums.] 

[Antwort auf die Relationen vom 5. 9. 12. September.] Wir müssen 10. Oct. 

anfangs diejenige vermeinte rationes und fundamenta, so theils der Krön 

Senatoren gegen das Uns zustehende ius suffragii anziehen wollen, dahin 

gestellt sein und uflF ihrem scheinbaren Ungrund beruhen lassen; können 



') Jttdicia capturalia, die Gerichte, welche während des Interregnums thAtig 
sind; eine besondere Art derselben ist das in Warschau sitzende Marschallsgericht. 
Lengnich Ius pnbl. Regni Pol. I. 79. 80. 



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304 * * '- P'o^'Ben und Polen. 

aber gleichwol nicht absehen, mit was Fuge Uns dasjenige, was uns 
vermöge der klaren Reichs Verfassungen unstreitig zustehet, aus so 
liederlichen, schlechten Conjecturen und blossen unbegründeten Sus- 
picionen (sammt würde durch Unser votum und wann Wir zu dem 
exercitio desselben verstattet würden, die Krön um ihre Freiheit ge- 
bracht und alle dero conclusa übern Haufen geworfen werden, oder, 
auch Wir Uns selbsteigener Authorität der Krön bemächtigen) ver- 
saget und in Zweifel gezogen werden möge. Wir haben dergleichen 
nie gesucht noch affectirt, weniger sind Wir die Krön um ihre Libertet 
und freie Wahl zu bringen im geringsten gemeinet, sondern vielmehr 
nach Vermögen dabei zu erhalten geneigt Und wird Uns, dass Wir 
Uns Unsers zustehenden Rechtens gebrauchen und dasselbe bei Unserm 
Hause zu conserviren suchen, kein Verständiger verdenken, wie Wir 
dann auch derjenigen Meinung, dass Wir Uns desselben so gar be- 
geben und als eine Unserer Ghurfürstl. Eminenz nicht anständige Sach 
nicht achten sollten, gar nicht beipflichten können. 

Dafür aber müssen Wir es gänzlich und eigentlich halten, dass 
Unsere persönliche Gegenwart nicht wenig zur Sache thun, sondern 
Unsere Intention nicht nur in diesem, sondern auch in vielen anderen 
Uns hochangelegenen Puncten, insonderheit in dem Fall, wann Wir, 
wie Ihr in Eurem Schreiben an Unsern Ober Gammerherm erwähnet *), 
zwischen beiden Prinzen zum mediatore gebraucht werden sollen, sehr 
merklich facilitiren würde. Wir sind auch noch in denen Gedanken 
begriffen, bemühen Uns auch deshalb zum höchsten, damit Wir noch 
vor Ausgang dieses itzigen Convents und also noch vor der Election 
in Unserm Herzogthum Preussen, wo immer möglich, oder jedoch zum 
wenigsten in der Nähe und an den Gränzen, etwa zu Orteis- oder 
Johansburg in Person zugegen sein mögen, zumal do die Election noch 
in etwas protrahiret werden könnte, dohin Ihr Euch dann äusserst zu 
bemühen. Inmittelst aber und damit Ihr dannoch uff allen Fall, auch 
uff diese von Euch angezogene, von theils Senatoren vorgeschlagene 
modos nothdürftig instruiret sein könntet, so lassen Wir Uns den von 
Euch zuletzt angeführten modum in Gnaden gefallen und halten fttrs 
beste und sicherste zu sein, dass Ihr Euch neben dem Landvoigt, dem 
von Creutzen in Zeiten nacher Warsaw und an den zur Königlichen 
Wahl bestimmten Ort verfüget, die uff Euch lautende und Unsern Ober 
Räthen vorhin albereit zugeschickte Creditiv, Eure Person dadurch zu 
legitimiren, mit Euch nehmet, jedoch anfangs und uffn Fall die aspectus 



') Dieses Schreiben Hoyerbeck'a an Burgsdorf ist nicht vorhanden 



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Das ins saffiragii in electione. 305 

widrig laufen oder sonsten Zü Eriangimg Unserer Intention wenig Hoff- 
nung und Apparenz sein sollte, Euch nur alFincognito und alß Private do- 
selbst haltet und geriret; im Fall aber sich einige gewisse Hoffiiung zur 
guten Verrichtung ereignete, alsdann Euch vermittelst Ueberreichung 
obbemelter Creditiven an gehörigem Ort als Unsere Gesandte gebührlich 
angebet und legitimiret, Unsere Nothdurft in publico beibringet und an 
allem dem, was zu Erlangung einer gewierigen Resolution in dieser 
Unserer gerechten Sach und Behauptung Unsers iuris sufiragii nurj|im- 
mer erspriesslich sein kann, nichts ermangeln lasset. 

Sollte aber über bessers Verhoffen das Werk vor diesmal gar 
nicht zu erheben sein und Wir, oder an Unser Statt Ihr beiderseits als 
Unsere Gesandte zum wirklichen Gebrauch und exercitio des suffragii 
nicht zugelassen werden wollen, so müssen Wir zwar solches Gott und 
der Zeit bis zu anderer Gelegenheit befohlen sein lassen; Ihr habet aber 
jedoch uff solchen Fall Unser uff die Euch, Hoverbecken, vorhin be- 
nannte Person (dann bei derselben lassen Wir es allerdings nochmals 
bewenden) eingerichtetes Votum in Schriften (zu welchem Behuf Ihr 
beiliegendes Blanquet zu empfangen) einzuschicken und darauf bei dem 
Erzbischof zu Gniesen, wie auch dem Landboten Marschalk, der Ein- 
Schickung halber ein breve testatum zu fordern. Würde nun solches 
Unser Votum acceptiret und angenommen, wäre dadurch Unser intentio- 
nirter Scopus guter Massen erreichet. Würde es aber abgeschlagen 
und Euch wieder zurückgegeben, habt Ihr Unsertwegen sowol wegen 
nicht Erforderung zur Wahl, als auch wegen dieser nicht Annehmung 
Unsers vigore pactorum Uns unstreitig gebührenden suffragii eine gleich- 
massige Protestation, wie in a. 1633 bei Unsers in Gott ruhenden Herrn 
Vaters Gnad. Regierung geschehen, einzuschicken und also Uns und 
Unsem Successoren Unser ins überall salvum et illibatum solenniter 
zu reserviren. Gestalt Wir dann auch hernachmals bei der Investitur, 
auch uff andern Conventen das Werk femer zu eifern und fortzusetzen 
gänzlich resolviret verbleiben. Wir verstehen aber dieses letzte von 
dem Fall, wann Wir in eigener Person nicht könnten oder vermöchten 
gegen selbiger Zeit und noch vor dem Schluss des Orts anzulangen; 
dann bei Unserer Gegenwart hättet Ihr Euch alstets ferneren Bescheids 
bei Uns zu erholen. Wir haben zu dem von Creutzen und Euch das 
feste gnädigste Vertrauen, Ihr werdet Eurer Uns bekannten Dexteritet 
nach in diesem ganzen Werk circumspecte und behutsam gehen und 
mit aller Sorgfalt und Fleiss dahin sehen, damit Uns und Unserer 
Posteritet kein Praejudiz in einem oder andern zugezogen, sondern 

Mnter. zur Ge«ch. d. Gr. Kurfarsten. I. 20 



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306 ^- Pronsaen und Polen. 

Unsere iura überall galva et intacta verbleiben und erhalten werden 
mögen. 

Die erwähnten Creditive sind zugleich mit auf den Hofgerichtsrath 
V. Götze auBgestellt; da der Kurfürst aus Hoverbeek's Schreiben an Burgs- 
dorf erfahren, ^dass der Competenz oder Praecedenz halber zwischen Euch 
und dem von Götzen einiger Missverstand, davon Uns aber vorhin nichts 
wissend gewesen, fürgehen soll," so hat er bei den Oberräthen verordnet, 
dass Götze in diesem Fall an der Schickung nicht Theil nehmen soll. 

Sonsten habt Ihr wol gethan, dass Ihr des Herrn Herzogs zu Cur- 
land Lbd. dahin wolmeinend erinnert, dass Sie aus denen gegen die 
Convocation zusammengetragenen gravaminibus und desideriis das dritte 
und vierte nur auslassen möchten, weil dieselbe nur Anlass zum Dis- 
putat geben könnten, dergleichen Sachen auch, so in des Königes Dia- 
position bestehen, billig nicht comitial zu machen, und dadurch jeder- 
männigliches, auch des geringsten Edelmanns, Discretion zu unter- 
werfen. — 

Könntet Ihr dann auch Euerm an Unsern Ober Cammerherm über- 
schriebenen Vorschlage nach es bei des Königes in Schweden Lbd., 
wann dieselbe zur Krön kämen, dahin befördern und richten, dass die 
renovationes investiturarum nur per Legatum und zwar ohne Entgelt ge- 
schehen, das erste Homagium aber, so Unsere künftige Successores zu 
thtm haben werden, durch einen von dem Könige darzu nacher Königs- 
berg abgesandten vornehmen Senatorem abgenommen und darauf durch 
denselben auch zugleich die Belehnung geschehen könnte: wird es 
Uns zu gar angenehmem gnädigstem Gefallen gereichen. Wir werden 
es auch mit allen Churfürstlichen Hulden und Gnaden (damit Wir Euch . 
ohne das wol zugethan verbleiben) zu erkennen nicht unterlassen. — 



Sowol Wolf von Kreitz, als der Hofgerichtsratti v. Götze wei- 
gern sich, die Gesandtschaft nach Warschau zu übernehmen; der erstere, 
der „Caput legationis^ sein sollte, schützt vor, „dass er in conversatione in 
der Lateinischen Sprache wegen langer Unterlassung derselben Uebung nicht 
expedit wäre^ und daher nur „andern in den Mund würde ^ehen müssen^. 
Götze schützt Alter und Krankheit vor; beide meinen überdies, es sei viel 
zu spät. Die preussischen Oberräthe schicken dem von Hoverbeck, der 
schon in Warschau ist, Carl Friedrich von der Oelschnitz als Adjunct 
nach. (Relat. der Oberräthe an den Kurf., dat. Königsb. 12. Oct. 1648.) 

Der Kurfürst lässt die Gründe der beiden Genannten zur Ablehnung 
dahin gestellt sein, „welche Wir dennoch nicht allerdings vor relevant er- 
kennen können^. 



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Geheime Verhandlungen mit Johann Casimir. 307 

Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 17. Oct. 1648. 

[Uebersendet die Assectfration Johann Casimir^s. Der' Einfluss Hoyerbeck^a auf die 
Wahlangelegenheit. Geheimhaltung der Aasecuration.] 

Bei dieser gewiss- und sichern Gelegenheit, da. der König zu l7.0ct. 
Schweden seinen Cämmerer abordnet, um E. Ch. D. inständigst zu er- 
suchen, dieselbe wollten geruhen, dero Hereinkunft ins Herzogthum zu 
beschleunigen, oder aber doch, da es E. Ch. D. Staat nicht zulassen . 
wollt, den Herrn Ober Cammerherrn hereinzuschicken (weil Sie hand- 
greiflich erkennen, dass in Entstehung dieser beiden Mittel Sie E. Ch. 
D. Willfährigkeit wirklich nicht würden zu gemessen haben), ttber- 
schick E. Ch. D. ich allhier beigefügt eine Abschrift der von höchster- 
melter Sr. Maj. erhaltenen Assecurationen in denen Puncten, so E. Ch. 
D. bei dem itzigen Interregno zu negociiren mir gnädigst uffgetragen 
haben. Und leb ich der ungezweifelten Hoffnung, S. Kön. Maj. werden 
darüber, wann Sie zur Krön kommen, (daran nunmehr fast nicht zu 
zweifeln) so viel desto fester halten, als Sie genauer nicht allein die 
Sachen an sich selbst, sondern auch allerdings die Wort und formalia 
erwogen, ehe Sie sich zur Unterschrift bringen Hessen. 

Nachdem alles zur Richtigkeit gebracht und S. Kön. Maj. mit E. 
Ch. D. ich so weit engagirt, auch dero Respect und Reputation an dem 
Success Ihrer Wahl sich hoch interessirt beftinden, hab ich nichts unter- 
lassen, das zu Beförderung Ihrer Intention und Hinwegräumung aller 
Behinderung dienlich gewesen. Und hat der Allerhöchste so weit seinen 
Segen dazu gegeben, dass vermittelst E. Ch. D. hoher Authorität die vor- 
nehmste Stände in Grosspolen, ja gar das Haupt der >vidrigen Faction 
durch meiner Wenigkeit Negociation gewonnen und deren Declaration 
Sr. Maj. durch mich hinterbracht worden. Weswegen dann auch S. 
Kön. Maj. E. Ch. D. den Success Ihrer Wahl grossen Theils zuerkennen 
werden. 

Diesem nach hab E. Ch. D. ich unterth. zu bitten, dass dieses zu- 
mal bei währendem Interregno, auch allerdings vor dem Königl. Cäm- 
merer geheim gehalten werde, weil bishero kein lebender Mensch Wis- 
senschaft darum hat, als S. Kön. Maj. und ich, um desswillen es auch 
alles von mir in teutscher Sprach, aber lateinischen Buchstaben, weil 
S. Kön. Msy. die gemeine teutsche Schrift nicht lesen, geschrieben und 
von dem Königl. Ober Cammerherrn, ohn dass er einig Wort davon 
zu lesisn bekommen, gesiegelt worden. — 



Hierbei die YerBichening Joh. Casimir's, in zwei gesiegelten und un- 
terzeichneten Exemplaren; das eine davon blieb in der Verwahrung Hover- 

20* 



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308 I' Preussen and Polen. 

beck's und kam; wie eine Kanzleinotiz bemerkt, nach dem Tode desselben 
ans seinem Nachlass in das Archiv; das andre Exemplar behielt der Kur- 
fürst. Kanzleinotiz: „Diese beide Stück, als die König!, Assecuration vom 
6. Oct. und des H. von Hoverbeck Schreiben vom 17. Oct. 1648 seind von 
Sr. Ch. D. selber am 20. Febr. 1651 in dem geheimen Rath mir zugestellt 
und darbei zu zwei Malen die geheim Haltung derselben anbefohlen wor- 
den, um deswegen ich dieses versiegeln und Sr. Ch. D. Abschrift unter mei- 
ner Hand davon zustellen müssen.'' — Von andrer Hand: „Auf Sr. Ch. D. 
zu Brandenburg gnäd. Befehl soll dieses Packetlein also versiegelt gelassen 
und bei den Polnischen Wahltags Acten beigeleget und wolverwahret, auch, 
so oft eine neue Wahl vorgehen soll, selbiges Packetlein der gnäd. Herr- 
schaft gebracht und die Nothdurft beobachtet werden.*' — Dann: „Dieses 
ist den 2. Nov. 1668 nacher Königsberg geschickt und daselbst geöffnet 
worden'^ (15. Sept. 1668 die Abdankung Job. Casimir's). 

Assecuration des Prinzen Johann Casimir für den Kurfürsten 
auf den Fall seiner Wahl. Dat. Nieporent 6. Oct. 1648*). 

[Anerkennung des Site-, and Wahlrechtes des Kurfürsten. Bestätigung des Responsum 
Cracoviense und anderer königlicher Zusicherungen. Versprechen der Abhilfe aller 
Qravainina. Verzicht auf persönliches LehnsempfUngiiiss des Kurfürsten. Sicher- 
stellung des reformirten Bekenntnisses. Der Prinz verspricht zu dem künftigen Erlass 
der ordentlichen oder ausserordentlichen Lehnsabgabe mitzuwirken.] 

6. Oct. Von Gottes Gnaden Wir Johan Casimir der Schweden Gölten und 

Wenden Erbkönig, Grossf Urst in Finland, Prinz zu Polen und Littauen. 

Urkunden mit diesem Unsrem offenem Briefe, dass nachdem der 
Durchlauchtigste Fürst, Herr Fridrich Wilhelm, Markgraf zu Branden- 
burg etc. . . . Unser freundlich geliebter Herr Oheim, Schwager und 
vertrauter Bruder, wie in allen andern Fällen, also insonderheit bei 
der jetz vorstehenden Polnischen Wahl Uns solche Willfährigkeit er- 
wiesen und in der That geleistet, daraus Wir Sr. Ch. Ld. treu aufrich- 
tige zu Unser Person und Staat tragende Affection zu völlig brüder- 
lichem Vergnügen zu erkemien und Uns ins künftige derselben zu 
versichern gehabt, dass Wir hinwiederum nicht allein dessen ßtets ein- 
gedenk verbleiben und alle mögliche Weg, solches hingegen zu ver- 
schulden, suchen, insonderheit aber, nachdem der Allerhöchste zu Unser 
Wahl Gnad und Segen verleihen wird, S. Ch. Ld. und deroselben ganzem 
Haus und Lande Zeit Unserer Regierung desselben wirklich wiederum 
wollen gemessen lassen: gestalt Wir dann aus freiem Willen wolbe- 
dächtig S. Ch. Ld. in spccie versichern wollen, thun es auch in Straft 



*) In lateinischer Schrift von Hoverbeck's Hand, mit der eigenhändigen Unter- 
schrift Johann Casimir's. ~ Ueber die Bedeutung dieses Actenstücks vergl. Ein- 
leitung p. 6. 



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Die geheime Assecnration Johann Casimir^s. 309 

dieses bei ünsem Königlichen Worten, dass Wir S. Ch. Ld. und dero 
Hochlöbliches Haus und Nachkommen bei denen mit der Krön Polen 
habenden Pactis und daraus zuständigen Rechten, Eminenz und Prae- 
rogativen, und namentlich deuen von etlichen Widerwärtigen zur Un- 
gebühr gestrittenen, wie wol notorie dem Hause Brandenburg zustehen- 
den iuribus sessionis, consilii et suffragii in electionibus 
beständig und * kräftiglich manuteniren, auch keines Weges gestatten 
werden, dass ttber oder ausser derselben Sr. Ch. Ld. oder dero Nach- 
kommen ichtwas uflfgedrungen oder angemuthet werde. Am allerwenig- 
sten aber, dass in denen von Unsers in Gott ruhenden Herrn Brüdern 
Königs Vladislai des IV Ld. ausgegebenen und von dem Churf. Hause 
acceptirten Stücken, als insonderheit dem Crackauschen Responso 
von Anno 1633, der im Jahr 1645 zu Mlawa dem Churf. Herrn Ober 
Cammerherm ertheilten Caution '), wie in gleichem in dem in Oeco- 
nomicis erhaltenem und durch die jüngste Reichs- Constitution be- 
stätigten Diplomate, von jemanden, er sei wer er wolle, directo oder 
per indirectum einiger Eintrag geschehe; sondern vielmehr alle und 
jede in puncto des Elbingschen Zolls, wie auch circa appellationes 
in iuridicis, denen obgedachten pactis primaevis und andern transactio- 
nibus zuwider eingerissene Exo rbit an tien und zugefügte Gravamina 
also gleich nach erhaltener Krön gänzlich aboliren, abthün und alles 
in vorigen, in jetztgedachten pactis und transactionibus beschriebenen 
Stand einrichten und beständig darinnen erhalten. Und wie Wir Un- 
sers Theils auch ohn einiges Homagium Sr. Ch. Ld. vollkömmlich 
trauen wollten, also erklären Wir Uns nicht allein dahin, dass Wir 
nach Unser, Gott gebe, glücklicher Krönung S. Ch. D. die Investitur 
in Person zu suchen und die Belehnung zu empfangen befreien , son- 
dern wollen ebenmässig es dahin zu richten Uns möglichst angelegen 
sein lassen, dass zu Ersparung unnöthiger Spesen, Ihre und dero Nach- . 
kommen Legati, und zwar unentgeltlich dazu jedesmal admittirt und 
das Homagium von ihnen angenommen werde. 

Weil Wir auch in Unserm Gewissen dessen überzeugt sein, dass 
der himmlische König aller Könige seinen irdischen Lehnkönigen und 
Fürsten der Unterthanen Leib und Güter allein auf gewisse Maass 
untergeben, die Gewissen aber ihm allein vorbehalten: also geloben 
Wir hiemit Sr. Ch. Ld. und dero Unterthanen, dass sie Zeit Unser Re- 
gierung darinnen unangefochten gelassen werden, «ondem denen (also 



') Vergl. ob. pag. 163 ff. Das Actenstück dieser Caution selbst, die König Via- 
dislay an Bnr^sdorf ertbeilte, ist bei den Acten seiner Sendung nicbt vorhanden. 



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310 ^* Prenssen und Polen. 

genannten) Reformirten, weil sie sich zur Ängsburgischen Gonfession 
mit Hand und Mund bekennen, alleweg wie denen Catholischen und 
(genannten) Luthrischen das publicum exercitium ihrer Religion frei 
und von männiglich ungefährt, unbeeinträchtigt und unverunruhigt ge- 
lassen werden solle. 

Also wollen Wir auch sowol anjetzo durch treufleissige Cooperation 
Uns zugethaner Stände, als künftig durch bewegliche Interpositionen 
und Königliche Authorität Uns äussersten Fleisses bearbeiten, dass Sr. 
Ch. Ld. und dero Nachkommen, in Ansehung dessen, dass Sie über 
vorige Beschwerden auf die Guamisonen in der Pillau und Mümmel, 
so zur Sicherheit der Krön und Grossfttrstenthums Littäw so stark ge- 
halten werden mUssen, ein sehr grosses jährlichen anwenden, ein er- 
kleckliches Subsidium aus der Krön zu Httlf gegeben, oder uffs 
wenigste das ordinarium Aunuum, oder doch, da dieses nicht zu 
erheben stünde, das extraordinarium Subsidium dagegen erlassen 
werden möge. 

Zu mehrer Sicherheit haben wir dieses mit eigenhändiger Unter- 
schrift und aufgedrucktem Unserm Königlichen Siegel bekräftigen 
wollen. 

Gegeben auf Unserm Hause Nieporent im Jahr des Herrn 1648, 
Unsers Reichs im ersten, den 6. Monatstag Octobris. 

(L. S.) Johan Kasimir. 



Jan Koszakowski, Capit Wisnensis, an den Hauptmann zu 
Lyck*). Dat. Zebrach 16.0ct. 1648. 

[Bitte am Zuflucht vor den Koroken.] 
16. Oct. [Schilderung der Portschritte der Kosaken.] Weil wir uns dann 

nicht trauen, alhie in der Masaw sicher zu sein, so kOnnen wir auf 
nichts anders bedacht sein, als wie wir unsere Frauen und Kinder bei 
Zeiten an sichere Oerter bringen mögen. Nachdem ich nun berichtet 
worden, dass der Ort und das Schloss zur Lyck wol versehen, als ist 
an den Herren mein unterdienstliches Bitten, er wolle mir wo jemals 
so sonderlich vor itzo seine hohe Gunst spüren lassen und meine Frau, 
meine Kinder und wen ich von meinen Blutsfreunden werde ausführen 
können zu sich in die Vestung aufnehmen, ingleichen auch einen Ort 
zu Aufschüttung des Getreidigs und anderer Lebensmittel einräumen 
und vergönnen. — 



') WiznA Stwrosteistadt in Mftsovien, L^ck, 99wie d«a in dem folgenden Brief 

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Die Gefahr an d«r Grftose. 3J| 

Christoph Potocki, Unterkämmerer von Littauen, an den Haupt- 
mann zu Oletzko. Dat. Sidrze 17. Oct 1648. 

[Anfrage wegen Hilfleistung gegen die schon nahen Kosaken.] 

Ich vermein, Ihr Chf. Dchl. wird unverborgen sein, was für einen 17. Cot. 
Progress der Feind in unserm Vaterland habe. Ob mir mm wol wis- 
send, dass Ihr Chf. Dchl. ein wachendes Auge auf die Gränzen des 
Herzogthums Preussen, welche in confinio des Grossfürstenihums Lit- 
tauen sein, haben, dennoch aber, weil der Feind so heftig grassiret, 
dass er albereit Brzesc eingenommen, und weil wir noch zu unsers 
EKstricts Defension die geworbene Völker beisammen haben, so wollte 
ich £. Gestr. bitten, solches Ihr Ch. Dchl. wissen zu lassen und mich 
zu verständigen, ob Ihr Ch. Dchl. denenselben zu Hülfe kommen woll- 
ten, dem Feinde, welcher im Anzug in das Herzogthum Preussen ist, 
zu resistiren. Welches wir sämmtliche Einwohner des Grossfttrsten- 
thums Littauen gegen Ihr Ch. Dchl. zu verschulden verpflicht sein wer- 
den. Dat etc. Des Herrn Freund und Diener Christoff a Potok Potocki, 
Succammerarius M. D. Lith. 

Dabei VerzeichnisB der von den Kosaken und Tataren eroberten Städte: 
Bielsk, Litewski Brzesc, Oglodawe, Czlowieczyce, Chodecz, Kobryn, Ty- 
koczyn (11 Meilen von Grodno). 



Sigmund von Wallenrodt, Hauptmann zu Oletzko, an den 
Kurflirsten. Dat. Stradauen 19. Oct. 1648. 

[Massregeln zur Sicheroog des Herzogthums.] 
[XJeberschickt die beiden obigen Schreiben in Abschrift.] Wann dann 19. Oct. 
bei so gestalter Gelegenheit die Grenzen und Grenzhäuser wol zu be- 
obachten sein, ich auch ein Compagnia zehn zu Battirung der Grenzen 
alsbald benöthiget, als gelanget an E. Ch. D. mein unterthänigstes Bit- 
ten, Sie geruhen gnädigst, den Compagnien anzubefehlen, welche uf 
inliegender List specificiret, dass sie ufs schleunigste sich anhero an 
die Grenz begeben und selbige wol bewachten. Danebenst ist auch - 
mein unterth. Bitten, im ganzen Lande allen Dienstpflichtigen und Wi- 
branzen, ingleichen allen Mannschatten anbefehlen zu lassen, dass sie 
sich alle in Bereitschaft halten, damit, wann was vorginge, dass bei 
Tag und bei Nacht man uf sein und zusammen rücken könnte und 
allem UnglUck und Unheil vorgekommen und gesteuert werden möchte. 



genannte Oleteko (^Marggrabowa) herzoglich preussische Ortschaften mit festen Schlös- 
lem, nahe der pohiiscben Grttnze. 



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312 1- Freoftsen and Polen. 

Die 4 Compagnien unter des Obristen Lieutenants Arnimbs Com- 
mando' wären nöthig, dass sie nacher Ortelsburg an die Gränze comman- 
diret würden, die Grenze daselbst zu beobachten. Zu Johannisburg an 
der Fortification ist annoch wenig oder nichts 'getban , deswegen von 
Nöihen sein will, dass selbes ehestes fortificiret, auch dass es mit noth- 
wendigen Völkern und Munition versehen werde. Imgleichen muss 
auch ein ziemlicher Vorrath an Munition alhier an die Grenz zur Hand 
geschaffet und ehestes anhero geschicket werden. Wegen des Succurs, 
so der Potocki bittet, erwarte von E. Ch. D. Ordre, ob ihm etwas zu 
Hülfe geschicket und woher die Völker genommen werden sollen. Die- 
weiln auch die Zeit hero durch dieses Amt viel Durchzüge geschehen, 
dadurch die Leute sehr ruiniret worden, als ist zugleich an £. Ch. D. 
mein unterth. Bitten, dafeme noch geworbene Völker in die Krön Polen 
gehen möchten, gnädigst zu verordnen, damit solche uf andere Aemter 
ihren Marsch nehmen möchten, sonsten es diesem Amte allein zu schwer 
fallen und dadurch ganz wüst gemacht werden möchte. — 



Andres Adersbach a. d. Oberräthe. Dat. Warsch. 18. Oct. 1648. 

[Vom Reichstag. Bchlecbte Vorkehrungen der Polen; grosse Confnsion dtitch die 
Wahlfactionen. Drohende Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Die Stärke der beiden 

Parteien.] 

18. Oct. — Was hie sonsten auf dem Reichstage passiret, geruhen E. Wol- 

geb. Herrl. aus der unterdienstlichst beigeftlgten Continuation meiner 
Relation*) zu ersehen, ausser welcher denenselben ich gehorsamst hinter- 
bringen sollen, dass die verschienene Woche meistentheils mit Votiren, 
unfruchtbaren Rathschlägen und vielen Streiten ohne, ja mit wenigem 
Schluss und Verfolge zugebracht worden; und worüber am meisten zu 
verwundern, dass sie alhie so gar ohne Sorgfalt, Wachsam- und Vor- 
sichtigkeit sitzen und weder von des Feindes Macht, noch dessen In- 
tention, Thun und procedere gar keine Nachricht oder Wissenschafr 
haben, dahero man alhie in solcher Furcht und Unsicherheit schwebet, 
dass man schier nicht weiss, wessen sich zu resolvireu, weil so schlechte 
Uffsicht, Vorsorge und Obacht uff bevorstehende Fälle oder irgend des 
Feindes Intention gehalten wird, dass ganz sichtbar und augenschein- 
lich die äusserste Strafe und Verhängniss Gottes über diese Krön zu 
gänzlichem dero Verderb und Untergang zu spüren und abzunehmen 
ist, . sintemal alles mit solcher Confusion, Tumult und Unordnung trac- 
tiret wird, angemerkt kein Respect und ObseiTanz gegen die Obern 



^) D. h, der von Adersbach geftihrten Diarien, 



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Beiohstagflconfätion. Vom Kriegsschanplats. 313 

und Senatoren, noch gutes Vernehmen unter den Ständen. selbst, son- 
dern eitel Misstrauen, Afterreden, Beschimpfiingen, Licenz und Wider- 
setzlichkeit mit eitel bespickten cachinnis und ironiis und satyricis con- 
tradictionibufr ohne Scheu sub specie pretiosissimae libertatis vorgehen, 
dass man jederzeit in Sorgen stehen muss, dass sie einander nicht in 
die Haare gerathen möchten, dahero auch die meisten, als der Herr 
Kronen Grosskanzler und die Herren Woyewoden von Derpt und Pom 
merellen und andei'e mehr am öftersten vdavon bleiben, weil sie die 
Stimmen und Reden der Senatoren tumultuariis acclamationibus inter- 
turbiren; welches alles aber die kundbare Factionen verursachen, dass 
einer den andern ansticht und also mit dergleichen Feindseligkeiten 
und Widersprechungen die consilia zu keinem Schlusszweck, noch Effect 
gedeihen, daraus dann nicht anders als gefährliche Trennungen, oder 
gar ein hauptsächliches Blutbad mit der Königlichen Wahl zu besorgen 
stehet — 

Fürst Wissnowiez ist zum Feldherrn der Kronarmee ernannt worden. 
Nachrichten vom Kriegsschauplatz; die Tataren sollen 50,000 M. stark zu 
Chmelnicki gestossen sein , der jetzt ein Corps von 250,000 M. hat. Fürst 
Wissnowiez hat geschrieben, dass er sich Lemberg nicht zu halten getraue; 
der Feind rückt immer näher heran. 

Insonderheit aber gestern in der allgemeinen Zusammenkunft hat 
ein Podlassischer Landbot öffentlich die Zeitung verlesen, dass Krzyno- 
wonos *) mit einer grossen Heeresmacht gegen Bielsko in der Podiasche, 
welches nur 20 Meilen von hie geschätzet wird (wobei auch unsere 
Grenzen bei Johans- und Orteisburg nicht sehr sicher sein werden und 
wol zu bewahren sein, damit ein unversehenes Unglück nicht in unser 
Herzogthum sich wälze) und dadurch hierauf sich zu fördern. — 

P. S'. Jetzt kommt Bericht ein, dass ein Abgeordneter von Chmiel- 
nicki komme mit einer Interce'ssion ftlr den König in Schweden zu 
dieser Krön; es wird so gesagt. — 

Beiliegend das von Adersbach geführte Reichstagsdiarinm vom 
10. — 17. Oct. In demselben u. a. ein Verzeichniss der bis jetzt anwesenden 
Senatoren, nebst Angabe ihrer Stellung zu der Wahlfrage; die Erzbischöfe 
von Gnesen und Lemberg werden als neutral aufgezählt; von T Bischöfen 
sind 5 fürJPrinz Carl, nur der von Samogitien für Johann Casimir; von 
8 Palatini 2 für Prinz Carl, 5 für Johann Casimir, 1 neutral; von 5 Ca- 
ßtellani majores 3 für Prinz Carl, 2 für J. Casimir; von 6 Castellani minores 
6 für Carl, 1 für J. Casimir. Von den grossen Kronbeamten und von den 



Max in Krzynowonos, ein von Chmiclnicki unaJ)bAngiger Kosakenbanden-' 
fQhrer: tnrbidissimas qnieque, cui nee Cbmelnicius satis barbarns videbatur, praedae 
fsnpidine et pnblioo qnodam qnasi furore ad enm ruebat. Pastorius p. 302. 



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314 I' Pr^Qssen und Polen. 

Senatoren; die noch erwartet werden, sind die meisten Tür Johann Casimir. 
^Ganz GroBsfürstenthum Littauen ist Cassmirisch.*' ■ — 



Hoverbeck an den Kurfttrsten. Dat. Warschau 23. Oct. 1648. 

[PolniBche VerwirroDg. FortseUang des Wahltages. Wachsende Chancen ' Johann 
Casimir^s. Frankreich nnd Schweden für ihn thätig.] 

23. Oct. Was bishero dieses Ortes vorgegangen ist dieses, dass wir ohne 
Wach, Ordnung und Kundschaft gelebet, ausser dass an derer hiebevor 
verordneten Interims -Generalen Stelle der Fürst von Wisnowiec und 
der Bei zische Castellan Herr Firley geordnet worden. Die geringste 
böse Zeitung wollte uns ganz verzweifelt und die geringste Apparenz 
einer Gegenverfassung sicher und trozig machen ; welches dann einig 
und allein die widerwärtigen Factiones der beiden concurrirenden Prin- 
cen verursachet, daher es auch kommen, dass allbereit 14 Tage von 
denen zum Wahltage angesetzten 6 Wochen hingeflossen, ehe noch 
einige Verordnung gemachet, was sowol den Krieges Stat, als andere 
Stat-Sachen belanget. Die vornehmste materia deliberationis ist gewesen, 
ob der Wahltag verkürzet werden sollte oder nicht. Die schwächste 
Faction hat in Hoffnung einiger Verstärkung von Ihrer Seiten der Ver- 
kürzung des Tages allezeit widersprochen, bis es endlich gestriges 
Tages durch Gottes Gnade dahin gediehen, dass sieh die sämmtlicheu 
Stände vereiniget und die Verkürzung bis uflf den 4^©» Novembris ein- 
gangen; und damit niemand von denen annoch abwesenden mit Un- 
wissenheit dessen sich zu entschuldigen haben möchte, ist aufgenonunen 
worden, die Universal desfalls schleunigst ausfertigen zu lassen. — 

E. Gh. D. Exempel, als welche fast unter allen Ständen die erste 
gewesen, so sich vor den König in Schweden erkläret, folgen numehr 
die vornehmsten Häupter der widrigen Factionen, also dass S. Kön. 
Maj. nicht nur Ihrer Sache ganz sicher und E. Ch. D. des bei Ihr ge- 
suchten meriti gewiss, sondern auch verhoffentlich allen A{)parentien 
nach die Wahl ohn einige Contradiction abgehen wird. Gestern kam 
des Herrn Woywoden von Crackau (dessen Autorität bei der Republic 
überaus gross) Declaration ein, dass er noch diese Woche seine beide 
Söhne anhero schicken wollte, um Sr. Kön. Maj. dero Votum zu geben, 
und rathet bei jetzigem gefährlichem Zustande mit der Krönung uflFs 
schleunigste zu verfahren. Nach der Session soll der Bischof von Cujaw 
der verwittibten Königin seine Declaration wegen des Voti vor den 
König in Schweden auch geben. Gleich dem Tage ist der Herr Unter 
Canzler, als welcher bis daher unter den Senatoren Caput der Carolini- 
schen Faction gewesen, zu beiden Princen gereiset, um den Prina 



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Chancen Jobann Casimir*«. Der Wahliermin. 315 

Carohiin, dessen er hierinnen mächtig, von seiner bisher geführten 
Praetension und Competenz abzuwenden; deme der Referendarius , so 
als Caput benannter Paction unter denen von der Ritterschaft gewesen, 
in gleichem zu dem Ende folgen soll. So schickte auch der Fran- 
zösische Gesandte de Bregy Schreiben an den König, darinnen er seine 
bisher gethane Dienste zu Beförderung Sr. Kön. Maj. Intention aufs 
höchste ausstreichen thut. Ingleichen hat der Schwedische Abgeordnete 
Secretarius Kanterstein*) Commiss, nicht nur in generalibus, wie man 
hiebevor vorgegeben, das Königl. Haus, sondern in specie den Prinz 
Casimirum der Reipublic zu recommandiren und solches durch der 
Königin französisches Handschreiben zu bestjätigen. — 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Warschau 24. Oct. 1648. 

[Unmöglichkeit den Wahltag his zur Ankunft des Kurfürsten hinauszaschichcn. 
Jobann Casimir bittet um die Amim^schen and Hnwald'scben Trappen.] 

Aus meinem gestrigen unterthänigsten Bericht werden E. Ch. D. 24. Oct. 
gnädigst ersehen haben etc. Ich habe zwar nebenst des FUrstep Janus 
Radziwillen Bedienten (dann von des Herrn Bogislaif f. 6n. hat man 
allhier noch zur Zeit ganz keine Nachricht) mich so viel möglich be- 
arbeitet, dass auch der obangedeutete Termin etwa bis in den December, 
wie solches E. Ch. D. in dero gnädigstem Rescript vom 22. Aug. mir 
eigentlich einbinden und der Herr Ober Cammerherr in seinem Schreiben 
sehr fleissig recommendirt, prorogirt werden möchte; es war auch wol, 
wann der Feind nicht so stark hereingedrungen, zu erhalten gewesen; 
aber bei solcher Beschaffenheit war eine pure Unmöglichkeit zu wider- 
stehen und die Fluth uffzuhalten. Indessen aber bringen dannoch £. 
Ch. D. diesen Vortheil davon, dass der König zu Schweden sein Glück, 
daran nun mehr nicht gezweifelt wird, deroselben vornehmlich zu- 
schreiben muss, und zum höchsten versichert, solches aller Möglichkeit 
nach hinwiederum zu verschulden. Nun dringen S. Kön. Maj. nur dar- 
auf, weil E. Ch. D. dieselbe und die Rempublicam versichert, dass die 
Huwaldische Trouppen und des Herrn Ober-Lieutenants Arnheimb Squa- 
dron Sr. Kön. Maj. und Reipublicae zum besten gericht und herein- 
geschickt wurden, E. Ch. D. geruheten dieselbe also gleich fortgehen 
zu lassen, damit S. Kön. Maj. also gleich nach vollzogener Wahl gegen 
den Feind damit zu Felde ziehen möge, sintemal dero vornehmste Hoff- 
nung und Statt auf dieses Volk und des Herrn General Major Huwalden, 



') Yergl. Arckenholtz Memoires concemant Christine I. p. 142, wo er Can- 
ther genannt wird. 



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316 I- Prenssen nod Polen. 

als eines hocherfahrenen Cavaliers guten Rath und Conduite gegrttndet 
sei. Und haben Sie mir durch des Herrn Krön Gross Canzlers f. Gn. 
andeuten lassen, dass 1000 oder 1200 Mann innerhalb 14 Tagen dero- 
selben angenehmer und der Reipublicae nützlicher sein würden, als 
3 oder 4000 hernacher, wann der Feind über die Weyssel oder den 
Bug werde kommen sein und alles offen habe. Der Zahlung halber 
soll E. Ch. D. und dem Volke solche Versicherung gegeben werden, 
als Sie*s immer werden begehren können. — 

Kesolution des Kurfürsten. Dat Cleve 21, Nov. 1648. 

[Die Widerspänstigkeit der Oberrät he in Betreff der Werbung. Weitere militttriache 

Anordnungen.] 

iil. Nov. — Sonsten schmerzt es Uns nicht wenig, dass man mit der an- 

befohlenen Werbung in Unserm Herzogthum Preussen bis anhero so 
fahrlässig und kaltsinnig verfahren, daran doch nicht Wir, sondern 
Unsere Ober Käthe und theils Stände daselbst, wie auch die ausm 
Königlichen Theil, so dawider protestiret, Schuld haben, welches dann 
auf ihre schwere Verantwortung ankommen wird. 

ünsem Ober Käthen haben Wir nochmals anbefohlen, berührte 
Werbungen aufs förderlichste voUkommlich werkstellig zu machen ; was 
Wir auch an den General Major Houwaldt deshalben und dass er sich 
zu hocherwähnter Sr. Kön. Würde erheben möge, rescribiret, solches 
habt Ihr aus beigefllgtem Extract zu vernehmen; und weil gemeltem 
Unserm General Major verkleinerlich sein würde, mit so wenigem Volk 
Sr. Kön. Würde aufzuwarten, so würden Unsers Ermessens demselben 
von Sr. Kön. Würde noch wol einige andere Kegimenter zugleich mit 
anvertrauet werden können, wohin Ihr es dann uff solchen Fall zu be- 
fordern Euch angelegen sein lassen wollet. Danebst Ihr Sr. Kön. Wür- 
(feu Unsere Willfährigkeit in Unterthänigkeit contestiren und zu ver- 
stehen geben wollt, sofern die Gefahr mit den Cosacken und Tartarn 
mehr zu als abnehmen würde, dass Wir uns bemühen, dieses Orts mehr 
Völker zu werben, auch uff allen Nothfall Unsere Garnisonen in etwas 
erleichtem und selbst mitbringen oder schicken wollten. — 



Andres Adersbach a. d. Kurflli'sten. Dat. Warsch. 24. Oct. 1648. 

[Verwirrung in Polen; der Adel salvirt sich, das Volk muss bleiben. Der Sieg Jobanu 

('asimir's ist gewiss; dankbare Gesinnung für den Kurfürsten. Bestecbiingsversucb 

des Prinzen Carl bei Hoyerbeck.] 

4. Oct. — Und steht es nicht zu beschreiben, wie verwirrt und unordent- 
lich es überall hie zugehe. Im Kreise zwar, wenn die StUnde zusammen- 



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Die preuss. Trappen. Grosse Confasion. Siegesgewissheit für Job. Casimir. 317 

kommen, so höret man von eitel Resolution und Standhaftigkeit, da sie 
sieh sämmtlich mit einander verbinden, dem Feinde bis uflF den letzten 
Tropfen und für einen Mann zu widerstehen; in der That aber ge- 
schiebet das, geringste nicht, sondern nur zum blossen Schein und An- 
sehen, und haben die vornehmste Senatoren und Stände alle ihre Sachen 
fechon weggeflehet und nach Thorn und Danzig fortgeschicket, daraus 
abzjtmehmen, wie viel sie sich uflf diesen Ort und ihren eigenen Schutz 
und Widerstand vertrauen; die armen Leute hergegen, als die Bürger 
und Einwohner dieser Stadt zwingen sie sub poena colli nicht das 
geringste wegzuflehen, ja kaum, dass sie ihnen endlich verwilliget, 
ihre Weiber und Kinder zu retten und hinab gehen zu lassen. — 

Mit der Königl. Wahl ist es, Gott Lob, soweit uflf des Königs in 
Schweden Seite geglücket, dass er alle Gegenfactionen überwunden 
und durch Hülfe des Herrn von Ho verbeck, welcher den Herrn Generain 
von Grosspolen und den Herrn Schlichting, Frauenstädtischen Land- 
richter (die hernach die andern Factionirte alle uflF den rechten 

Weg abgeleitet, den Herrn Untercanzler und Culmischen Bischofen, 
tanquam Caput factionis Carolianae auch gewonnen) an sich gezogen, 
durch welcher Bearbeitung alles zum guten Zweck und Intention Sr. 
Maj. gerichtet wird. Und erkennet sich dannenhero S. Maj. E. Ch. D. 
höchlicli verbunden, schreibet auch seine Beförderung einzig Gott und 
dero hoher Autorität und Vermittelung zu, also dass E. Ch. D. an dero- 
selben einen treuen, geneigten und beständigen Freund haben werden. 
Wiewol Prinz Carl, welchen der Erzbischof und Untercanzler mit aller- 
hand rationibus und dissuasoriis abzurathen suchen, von seinem Vorsatz 
nicht abstehen will, sondern noch es durchzutreiben vermeinet, massen 
er auch dem Herrn von Hoverbeck 2000 Ducaten bieten lassen, damit 
er E. Ch. D. uflf seine Seite gewinnen möchte, und ist ein unerhörtes; 
was er darauf gewendet, aber numehr sind alle seine Kräfte ver- 
derbet. — 



Die geh. Käthe a. d. Kurfürsten. Dat. Colin a. d. Sp. 1 8. Oct. 1648. 

[Gefährlicher Eindruck der Proposition MolFs im Haag.] 

Gegen Ende September reist Christoph Joachim Benkendorf von 28. Oct. 
Cleve wieder ab; er geht über Berlin, wo er dem geheimen Rath vorträgt, 
was er im Namen Bergmannes bei dem Kurfürsten angebracht hatte; darauf 
das Gutachten der geheimen Käthe; im Ganzen mit Berufung auf ihre früher 
ausgesprochenen Ansichten. 

Wir haben auch unserer schweren Pflicht halber, damit E. Ch. D. 
wir verwandt, hierbei unterthänigst zu gedenken nicht unterlassen kön- 



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318 ^* Preassen und Polen. 

nen, dass wir aus unterschiedenen Orten vernehmen, nachdem *£. Ch. 
D. Proposition, so Sie im Haag bei den Herren Staaten durch dero Re- 
sidenten Mollen thun lassen, nicht wissen wir wie, in Druck kommen 
und hin und wiedet spargirt wird, dass solche gar ungleich ufgenom- 
men und allerhand sinistra iudicia von der vorseienden Verhypothe- 
cirung des Pillauischen Zolles an die Herren Staaten sowol in Polen 
als Preussen davon gefallen sollen, wie E. Ch. D. sonder Zweifel schon 
wird vorkommen sein, und ist zu befürchten, dass die Krön Schweden, 
dero Freundschaft mit den Staaten so gar sicher nicht sein möchte, 
dadurch gleichergestalt ein Umbrage schöpfen könnte. Ob zwar, wie 
es mit der Hypothecation eigentlich bewandt, von E. Ch. D. wir nichts 
haben, so hat uns doch gebühren wollen, was verlautet, Ihr gehorsamst 
zu entdecken. 

[Unterz. v. Götze, v. Putlitz, Curt Bertram v. Pfuel, Thomas v. d. Kne- 
sebeck, Seb. Striepe.] 

l 

Kesolution des Kurfürsten. Dat. Cleve 14. Nov. 1648. 

[Wie die VerpfliDduDg des PiUauer Zolls gemeint ist Hohe Wichtigkeit desselben 
in den Augen des Kurfürsten.] 

14. Nov. — So viel nun die Proposition belanget^ müssen Wir zwar ge- 
schehen und dahin gestellt sein lassen, dass selbige von einigen Hol- 
ländischen ihrem Brauch nach in Druck gegeben und von einem und 
andern nach jedes Bedünken unterschiedliche iudicia gefället worden. 
Es hat aber bei Uns niemals die Meinung gehabt, viel weniger ist es 
dahin angesehen gewesen, dass Wir jemand ünsem Pillauschen Zoll 
(welchen Wir viel höher und anders als die gemeine unwissende Leute 
aestimiren) in die Hände lassen wollten, sondern nur allein, wann 
einige privati Uns einen Vorschuss an baarem Gelde thun würden, 
dass selbigen ihr jährliches Interesse aus den Zollgefällen gereichet 
werden, Uns aber der Zoll und dessen Direction oder Verwaltung 
durch Unsere Bediente einen Weg wie den andern versehen zu lassen 
ungehindert verbleiben, und dass auch die Creditores das Capital nach 
verflossenen 5 Jahren* allererst wieder zu fordern belugt, inmittelst 
aber mit gewöhnliphem Interesse zufrieden sein sollten; danhero Wir 
Uns und auch Ihr an anderer praepostera iudicia nicht zu kehren. — 



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Die Yerhandlung i, Haag üb. Verpf&ndang d. Pillaner Zolls. Poln. Wirtbsoliaft. 3] Q 

Martin Neumann *) an d. Oberräthe. Dat. Warsch. 31. Oct. 1 648. 

(Königsb. Arch.) 

[Polnische Scenen und polnische Justiz.] 

Ich soll E. Hoched. Gest. Herr!., ausser der Herren Abgesandten 31. Oct 
beikommender Relation und des Herrn Adersbachs hie eingeschlossenem 
Diario, gehorsamst nicht verhalten, wie dass bei neulich gehaltenem 
Bancquet des Herrn Woyewoden Mazowecki der Herr Starosta Lom- 
zensis mit dem Podsendek Czechanowski sich verunwilliget, welches 
daher kommen, dass der Podsendek dem Starosten von der Lomse 
vorgerucket, wie er auch einer von denen wäre, die da gelaufen, ehe 
sie der Feind gejaget; darüber er Starostat Lomzensis den Podsendek 
in den Bart gegriflfen und denselben ziemlich zerraufet, auch darnach 
die Säbel ausgezogen, also dass ein Kosack geblieben und ein Edel- 
mann geprügelt worden und der Herr Woywoda Mazowecki ein Ohr- 
feige bekommen; über welche Gewaltthat der Podsendek geklaget und 
vom Captur Gericht condemniret worden, dass er 1) vor Raufung des 
Barts 1 Jahr im Thurm 12 Klafter tief in der Erde sitzen und 5(X) fl. 
pol. Straf erlegen soll. 2) dass der eine Edelmann geprügelt worden, 
ebenfalls 1 Jahr im Thurm sitzen und 250 fl. Straf geben, und wegen 
des entleibten, der zwar vor einen Kosacken gedienet, soll untersuchet 
werden, ob er ein Edelmann gewesen und dahero salva actio pro poena 
publica reserviret worden. Es bemühet sich der Herr Canzler, welchen 
der Starosta erbeten, die Sache zu behandeln^ damit dieser nicht in 
den Thurm gehen dürfe; geschichfs, so wirds ihm nicht wenig Geld 
kosten und meinet man, dass er kaum mit 20,000 fl. abkommen werde. — 



Andres Adersbacb a. d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 31. Oct 1648. 

[Die bevorstehende Wahl. Noch immer Alles in der Schwebe.] 

Die Wahl ist auf nächsten Mittwoch festgesetzt; Prinz Carl und seine 
Faction haben doch die Hoffnung noch nicht aufgegeben. 

So weit ist es gewiss, dass ganz Littauen sich dahin fest erkläret, 31. Oct. 
dafeme die Polnische Stände mit ihnen zur einhelligen Wahl des Kö- 
nigs Gasimiri nicht schreiten werden, sie ihn für ihren Haupt und Gross- 
ftlrsten in Littauen annehmen und bestätigen wollen, wozu die Preussen 
leicht zufallen dürfen, also dass draus zu besorgen, dass nicht Littauen 
und Preussen durch solche Trennungen der Factionen von der Krön 



^) Neuerdings der Warschauer Gesandtschaft beigegebener SecretUr. 



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320 ^' Preisen und Polen. 

Polen sich absondern, weil sie schon von ihrem Vorsatz nicht abstehen 
wollen. 

Im Uebrigen wird die Zeit alhie mit unnützen Discursen und ver- 
geblichen Streiten zugebracht, welches aber andere achten, dass es von 
den Catholischen mit Fleiss geschehe, dass sie die Zeit so liederlich 
hinwegbringen und den unsrigen Religionsverwandten nicht so viel 
Frist lassen, dass sie mit ihren Sachen vorkommen mögen. — 



Hoverbeck und Carl Friedrich von der Oelsnitz an den 
Kurfürsten. Dat. Warschau 3. Oct. *) 1648. . 

[Erneute BemfihuQgen des Prinzen Carl für die Wahl. Erklärung des Woiwoden von 
Sendomir. Die brandenburgischen Gesandten und Prinz Carl.] 

Priaz Carl ist wieder sehr thätig and sucht sich Stimmen za ver- 
schaffen. 
3. Nov. Er hat dem Obristen Korff doppelt so viel, als sein Volk ihm 
zu werben gekostet, versprochen, wenn er aus der Reipublic in seine 
Dienste treten wollte. Dem Fürsten von Wissniewiec hat er 
50,000 fl. zugeschicket, dass er ihm sowol seine Stimme geben, als 
auch das wenige von der verlaufenen Armee noch ttbrige Volk auf 
seine Seite bringen wolle, welcher es aber ihm wieder zurückgeschickt 
haben soll. An dem Fürsten Dominic zu Zaslaw, Woiwoden zu 
Sendomir, arbeiten beide Theil; vorgestern aber wie er von des Königs 
zu Schweden Leuten treuherzig gemachet, hat er dem Könige seinen 
Säbel zugeschicket und diese Formalia dabei brauchen lassen: der 
König sollte ihm den Kopf mit diesem Säbel abschlagen lassen, wo 
er einem andern, als ihm dem Könige sein Votum geben würde. — 
Was Unsere Wenigkeiten belanget, haben wir bei Ihr hochf. Dchl. Prince 
t Carolo Privat -audienz gehabt, da wir dann sehr gnädig angenommen 
und ist uns nach der Audienz absonderlich durch den Scholasticum 
Gnesnensem Witowski, dessen Raths er sich anjetzo in allem gebrauchet, 
über alle Massen complimentirt worden. 



Dieselben an den Kurfiirsten. Dat. Warschau 5. Nov 1648. 

[Die GaroUnische Partei. Posthumes Bonmot des Woiwoden yon Podlachien.] 
f). Nov. Die Bemühungen des Prinzen Carl dauern fort'). • 

Und wird numehr von dieser Seiten die ganze HoflFnung auf den 



') Verschrieben für Nov. 

') Vergl. über das Verbältniss der beiden Thronbewerber den charakteristischen 
Briefwechsel bei Lünig Epislolac proccrnm Europac 1. p. 1012 ff. 



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Die feindlichen Brüder. Das Verhalten Hoverbeck's. 321 

Fürsten von Wissnowiec gesetzet, der seine unterhabende Völker 
unter dem Schein, als sollte ihnen ihr nachständiger Sold gegeben 
werden, anhero fordert, um dem andern Theil seine Macht entgegen- 
zusetzen und die gefasste Intention zu befördern. So wird auch diese 
Faction annoch mit grossen Schenkungen Bitt und Promissen unter- 
halten; inmassen dann der Palatinus Podlachiae, welcher gar neulich 
gestorben, in sein schriftlich aufgerichtetes Testament setzen lassen : er 
sollte zwar verordnen, dass die 1000 Rthlr., so Prince Carolus, um 
»ein Votum zu haben, ihm geschenket, wieder gekehret würden, damit 
er nicht mit Unrecht wider Gewissen, weil er seines Absterbens halber 
ihme das Votum publice nicht geben könnte, solch Geld an sich be- 
hielte und nachliesse; es sollte sich aber S. Hochf. Dchl. gewiss ver- 
sichern, dass er auch nach seinem Tode ihme das Königreich gern 
gönne. 

Die Wahl ist inzwischen vom 4. Nov. weiter hinausgeschoben wor- 
den, .um zuvor noch die Pacta conventa, gravamina religionis u. a. zu ver- 
handeln. 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Nieporent*) 7. Nov. 1648. 

[Hoverbeck hält mit dem Votum zurück. Streit nüt Graf Dönhof wegen der Com- 
petenz der Oberräthe in Abwesenheit des Kurfürsten. Zumutbungen an Hoverbeck; 
polnisches und deutsches Gewissen. Erntreffen der Creditive. Stellung des Fürsten 
Radziwil; seine Wünsche für den Kurfürsten. Hoverbeck legt seine Proposition vor 
den Ständen ab; der Act verläuft in der befriedigendsten Weise. Johann Casimir hoch 
erfreut. Preis des Kurfürsten.] 

Nachdem E. Ch. D. mir in einem Postscripto^) gnädigst eingebunden, 7. Nov. 
ich möchte wegen derer so stark wider einander gehenden Factionen 
mit E. Ch. D. Voto etwas au mich halten, hab ich mich deswegen, 
aber vornehmlich aus Mangel E. Ch. D. eigenhändigen Creditivs an 
die sämmtliche Stände mit der öffentlichen Proposition bishero ufifhalten 
müssen. Zwar hatten die Herrn Regiments Käthe uns eins unter dero 
Hand zugeschickt gehabt, und drang der Herr Woyewode zu Pomme- 
rellen aus gar hitzigem Sinn und eifriger Begierde, des Königs Wahl 
zu befordern, auch in Gegenwart des von der Oelschnitz mit meiner 
und vieler ehrlichen Leut Aggravirung in mich, dass ich mich mit der 



*) Der Ort ausserhalb Warschaus, wo Johann Casimir als Wahlcandidat sich 
während der Wahl aufhielt, während Carl Ferdinand in Jablona war. 
') Nicht Torhanden. 
Mater, zur Gesch. d. Gr. KurrQrsten. T. 21 



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322 ^- Pj^iißsen lind Polen. 

Heim Regiments Räthe Creditiv angeben und es also wagen wollte, 
mit solchem Verweis (da ich repraesentirte, dass die Herrn Regiments 
Räthe kein Jus legatos constituendi hätten), dass ich nebenst andern 
fremden Räthen der Herrn Regiments Räthe Hoheit und Gewalt suchte 
zu schmälern, da sie doch in Abwesenheit E. Ch. D. so viel vermöchten, 
als die Stand dieser Rcpublic sede vacante, und würde uns nicht allein 
nicht zur Vergeringerung, sondern vielmehr zum Favor gereichen, wann 
wir wurden mainteniren, dass wolgemelte Herrn Regiments Räthe diesen 
Ständen (welche dieselbe vor BrUder erkennen) an Gewalt und Ansehen 
gleich und demnach in Abwesenheit E. Ch. D. legatos zu constituiren 
befugt und berechtigt wären. 

Ich wollt aber keines Weges aus wolbegründeten rationibus E. Ch. 
D. Hoheit und Respect dergestalt prostituiren und in Gefahr stellen. 
Es besann sich aber der Herr Woyewode auch heniach und Hess mich 
folgenden Tags zu sich fordern (da ich dann ohne den v. d. Oelschnitz 
nicht hingehen wollt) und deutet in Gegenwart des Herrn Generals 
aus Gross Polen (welcher beständig und ex iuribus publicis behauptete, 
dass der Herrn Regiments Räthe Gewalt sich keines Weges so weit 
erstrecken, noch von der Republic dergestalt aufgenommen werden 
könnte) mit grossem Klagen an, dass ein solches Versehen in unser 
Expedition sich befinden thät; mit dem Anmuthen, ich wollte E. Ch. D. 
Namen nachschreiben und das Siegel von andern Schreiben abreissen 
und uffdrucken. Ich könnt mich aber hiezu um aller Welt Gut willen 
nicht verstehen, dass er auch endlich mit diesen Worten ausbrach : „er 
hätte die Teutsche wegen ihrer Redlichkeit lieb, aber ihr pumbsttikisches 
Gewissen wollt ihm nicht allerdings anstehu", und was des Dinges 
mehr gewesen, davon ich kaum das zehnte Theil anjetzo melden darf 
oder mag, damit E. Ch. D. ich nicht zu grossen Verdruss verursache. 
Massen sichs dann auch durch E. Ch. D. Vorsichtigkeit und Glück also 
geschickt, dass deroselben Blanquet zum Creditiv an die sämmtliche 
Stände mir dieselbe Nacht zukam, darauf ich dann ein solches, wie 
Lit. A. ausweist, schreiben lassen ^) ; dass ich aber ohne E. Ch. D. special 
Befehl des von der Oelschnitz Namen mit einsetzen lassen, dessen hab 
ich mich nicht zu entbrechen gewusst, weil die Herrn Regiments Räthe 
dergleichen in allen anderen Creditiven gethan gehabt und wir uns 
auch albereit bei etlichen Senatoren als CoUegen angegeben. 

Aber auch bei diesem allen hab ich mich mit der Proposition nicht 
übereilen wollen, bis ich vorher den Fürsten Radziwill, u£F welchen die 



') Creditiv an die polmschen Stände, dat. in Arce Nostra Clivensi 10. Oct. 1648. 



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Die brandenburgische Proposition. 323 

Carolinische Faction sehr stark zu bauen begehret, in höchstem Ver- 
trauen sondirt hätte, da ich dann erfuhr, dass er nur bloss um beide 
Factionen in der Religions Sache uflF seiner Seit favorable zu behalten, 
mit der Erklärung vor den König in Schweden an sich hielte — wie- 
wol er, wann es E. Ch. D. gefallen und Ihr Staat zugelassen, uflF dero 
Person mit allem seinem Anhang zu gehen wäre resolvirt gewesen. 

Diesem nach hab ich nun gestern meine Werbung oflfentlich in der 
sämmtlichen Stände Kreise abgelegt, und dabei, wie E. Ch. D. ab der 
Abschrift gnädigst zu ersehen haben, dieses sonderlich in Acht ge- 
halten, dass ich E. Ch. D. Jura Senatoria ausser allem Zweifel ge- 
halten und mehr votirt und gerathen, als etwas bei den Ständen ge- 
sucht habe. Und hat Gott sonderbare Gnad zu allem gegeben; dann 
wir nicht allein durch einen Senatorem, den Castellan des Flirstenthums 
Oswiecim aus unserm Quartier in des Herrn Krön Gross Marschalken 
Kutsche und mit der Herrn Bischofs zu Ermeland und Generals aus 
Gross Polen Cosacken und Dragoner Compagnien zur Audientz abge- 
holt und wieder ins Quartier begleitet, von denen Herrn Marschälken 
und dem Directore der Ritterschaft vor dem Kreise empfangen, zwischen 
die Senatoren uflf Lehnsessel gesetzt und mit bedecktem Haupt alles 
proponirt, sondern auch mit solchem Respect gegen E. Ch. D. und so 
fleissiger Attention, als keinem von allen, ja auch. derer Candidatorum 
Abgesandten nicht, widerfahren, gehört und sowol von dem Herrn Erz- 
bischof zu Gniesen im Namen des Senats und dem Marschalken oder 
Director der Ritterschaft überaus höflich und mit grosser Danksagung 
beantwortet worden. 

Hierauf hab ich mich nun, damit E. Ch. D. so viel hohem Dank 
verdienen möchten; zu dem Könige nacher Nieporent begeben und Sr. 
Maj. E. Ch. D. gnädigstes Rescript vom 10 passato von Wort zu Wort 
vorgelesen, welches dann auch Gott so wol aUempo geschickt, dass 
S.. Kön. Maj. so gegen mich, als andere zum höchsten betheuert, dass 
niemand so treulich als E. Ch. D. sich gegen dieselbe erwiesen, dessen 
ich dann S. Kön. Maj. stets eingedenk zu verbleiben gebeten. Und 
haben also E. Ch. D. die Gnad von Gott, dass die Consilia, so Sie bei 
Ihr selber fassen, am glücklichsten ausschlagen, wie ich dann der un- 
gezweifelten Hoffnung leb, E. Ch. D. werden auch in diesem Stück 
dessen wirklich zu geniessen haben. — 

Beiliegend die Abschrift der Proposition Hoverbeck's. Die be- 
zeichnende Stelle ist: ... Dominationes Vestrae sumant potius quam 
quaerant Principem, qui Gloriosissimo Divo Regi dignitatum iure, na- 

21* 



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324 ^' Pi'eussen und Polen. 

turae ordine, virtutibus ^rteque bellica ac meritis in Rempublicam 
proximus sit. Talem enim moderaa Reipublicae fata statusque exposcunt, 
quod ipsum Sua Sertas Electü« una cum Revmis et Illmia Celöitbns 
DDbusque Vi» pro iure suflVagii Sui uberius declaratura est'). 

Dazu bemerkt Hoverbeck auf einem beiliegenden Zettel: Der König 
in Schweden hat nicht können mit Namen genannt werden, damit man 
mit unzeitigem Vorgriff die Stände nicht offendirte und materiam zum 
voto vorbehielte; es hat aber jedermann Sr. Ch. D. Intention sattsam 
vernommen, S. Kön. Maj. sind auch völlig vergnügt worden; zu ge- 
schweigen, dass eine Recommendation mit ausgedrücktem Namen S. 
Ch. D. nicht so wol in Possess Ilires iuris consilii et suffragii hätte setzen 
können, als was dergestalt in forma eines Bedenkens ausgebracht 
worden. — 

Hoverbeck und C. F. von der Oelsnitz an den Kurfürsten. 
Dat. Warschau 12. Nov. 1648. 

[Nachrichten Tom Kriegsschauplatz. Bogdan Chmielnicki der Kosakeuführer und dio 
deutschen Truppen in polnischen Diensten.] 

12. Nov. — Auch, Durchlauchtigster, Gnädigster Churfllrst und Herr, ist E. 

Ch. D. nicht zu verhalten, weil daraus eine gute Hoffnung eines künfti- 
gen guten Accommodements hervor blicken thut, welcher Gestalt der 
rebellischen Cosacken Feldhauptuiann Chmielnicky an den Rest der 
zerstreuten Armee, der sich jetzo bei Zamosc befindet, dieser Tage ein 
Schreiben ergehen lassen (so der Herr Castellan von Elbing Weyher, 
als der voniehmste unter denen dabei sich befindenden Häuptern, an- 
hero geschickt), darin er zuvorderst die Stadt Zamosc nicht so weit auf- 
fordert, als ermahnet, sie wollte dem Exempel der Stadt Lemburg (so 
die Belagerung mit 200,000 fl. pol. und 100 Stück Tuch soll abgekaufet 
haben) folgen und mit ihm sich abfinden. Die deutschen Officirer und 
Völker aber ersuchete er, dass sie als tapfere Soldaten von dem Fürsten 
von Wissniewiec und den andern Polnischen Edelleuten, welche sie so 
schändlich verlassen und auf die Schlachtbank geliefert *), sich absondern 
und zu ihnen (als welche ebenmässig, wie sie, mehr auf Tapferkeit 
als Herkommen sehen, und ihr Brod mit dem Degen sucheten) treten 
wollten. Wann die Stände der Krön Polen, wie er es mit den Seinigeu 
wünsche, den Prince Casimir zum Könige erwähleten, würde es an 
Mitteln zu völliger Beruhigung dieser Krön nicht ermangeln. Sobald 



') Vergl. Lengnich VH. p. 32. 
';> Vergl. ob. pag. 300. 



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Der Kosakenhetman und die deutschen Söldner. 325 

solches geschehen, wolle er sie an solche Oerter fllhren, da es ihnen 
an Lebensmitteln nicht ermangeln würde. — 



Andres Adersbach a. d. Kurfürsten. Dat Warsch. 12. Nov. 1648. 

Die Ausgleichung zwischen den beiden Brüdern und Thronbewerbern 12. Nov. 
ist endlich vor sich gegangen, nachdem Johann Casimir vier von Carl Fer- 
dinand gestellte Punkte angenommen'). Gestern haben sie eine persönliche 
Zusammenkunft gehalten, haben dabei „mit den anwesenden Herren Sena- 
toren sehr gezecht und über die Massen lustig gewesen, auch damit alles 
überhaupt verglichen worden**. 



Der Kurfürst an Ho verbeck. Dat. Cleve 13. Nov. 1648. 

[Klage über das Benehmen der Stände und Oberräthe bei den jetzigen Verwickelungen.] 

Uebersendet ihm die Antwort auf das Schreiben des Erzbischofs von 13. Nov.' 
Gnesen '). 

Es wundert Uns aber nicht wenig, dass Uns Unsere Oberräthe 
von obgedachtem an sie ergangenen Schreiben noch zur Zeit keine copiam 
zugeschickt'), auch dessen, wie auch dass die Krön Polen den General 
Major Huwaldt in ihre Dienste begehret, in ihren relationibus mit keinem 
Wort im geringsten nicht gedacht, und ist wol höchlich tu beklagen, 
dass Unsere Preussische Stände bei diesem gefährlichen Werk und der 
Krön Polen imminirender Gefahr so sicher und kaltsinnig sein, da 
ihnen doch selbst daran gelegen und ihr und der ihrigen Wolfarth und 
Untergang dabei versirt, und sollte man sich au andere Exempel wegen 
ihres in dergleichen Fall erlittenen Schadens billig zu spiegeln haben. 



Der Kurfürst an Hoverbeck. Dat. Cleve 16. Nov. 1648. 

[Ein Gesandter Jobann Casimir's in Cleve. Die Werbung.] 

— Verhalten Euch hienebst nicht, dass Sr. Kön. Würden und Lbd. 16. Nov. 
zu Schweden, Herrn Johan Casimiri, Prinzen zu Polen, Cämmerer, der 
von Wahll, alhie den 13 dieses angelangt und sein Gewerb bei Uns 
folgenden Tages abgelegt. Es scheint aber wol, dass er ausser dem noch 
mehr Sachen anzubringen möge haben, damit er vielleicht so lange, 



») Vergl. Lengnicb VII. p. 33. 

') Dat. Cleve 7. Nov. 1648. Vertröstung auf baldige Hilfe; einstweilen sollen 
die pflicbtmAssigen hundert Reiter abgesendet werden. 

*) Dasselbe (ob. pag. 301) war nicht durch die Oberräthe, sondern durch eine 
Abschrift, die der Secretttr Martin Neumann an Conrad v. Burgsdorf schickte 
(dat. Königsb. 7. Oct. 1648), nach Cleve gelangt. 



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326 ^' Pi^cuBsen und Polen 

bis weitere Nachrichtung von der Königlichen Wahl erfolget . . . ., 

einzuhalten haben wird. 

\ 

Wahrscheinlich wird jetzt die Wahl schon vollbracht sein ; ist es gegen 
Erwarten nicht der Fall, so soll Hoverbeck in seinen bisherigen Bemühun- 
gen fortfahren, namentlich auch den König in Schweden dahin zu bringen 
suchen, ^dass S. Kön, Würde den Bogen wegen des Königlichen Schwedi- 
schen Titulis, wie auch Reassumirung der Tractaten zwischen beiden Kro- 
nen nicht gar zu hoch spannen möge^. — Was die Werbung betrifft, so 
muss diese jedenfalls fortgesetzt werden; trotzdem dass die preussisch-pol- 
nischen Stände auf einem Convent zu Marienburg dagegen protestirt ha- 
ben'); die Angelegenheit mit den Tataren und Kosaken ist zu gefährlich; 
ginge sie doch friedlich ab, so kann man die Völker schnell wieder abdan- 
ken. Der Kurfürst will nach erfolgter Ratification des Friedensschlusses 
zuerst die Huldigung in seinen neuen Besitzungen vornehmen und dann 
sich nach Preussen begeben; wenn die Gefahr wächst, so will er selbst so 
viel Truppen als möglich mitbringen, was die Krone Polen ihm dann hof- 
fentlich vergelten wird. — 



Hoverbeck und Oelsnitz an den Kurfürsten. Dat. Warschau 

17. Nov. 1648. 

17. Nov. Meldung der Wahl des Königs Johann Casimir — .fti^nanimi con- 

sensu, nemine contradicente, per libera suflfragia**; das Suffragium des Kur- 
fürsten ist ohne Widerspruch angenommen worden; näheres berichtet der 
Secretär Adersbach. 

Andres Adersbach a. d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 17. Nov. 1648. 

[Nachricht von der Wahl König Johann Castmir's. Das hrandenhurgische Votum 
wird angenommen. — Weiterer Verlauf der Angelegenheit.] 

17. Nov. E. Ch. D. habe ich in unterthänigstem Gehorsam mit dieser Eil 

hinterbringen sollen, dass S. Maj. der König in Schweden zum König 
in Polen heut und jetzt mit aller Stände einhelligem Consens erwählt 
und bestimmet worden, wobei E. Ch. D. Suflfragium •) ich zu gebühren- 
der Zeit und eben gleich nachdem das Veni Sancte Spiritus verlesen 
und gebetet worden und die Stände sich gesammt ein jeder in seine 
Woyewodschaft und Kreis gesammelt und vertheilt, dem Herrn Gniesen- 
schen Erzbischof in des Littauschen Feldherra Fürsten Radziwilln Ge- 
genwart, welcher mir auch versprochen, davon das Gezeugniss zu geben, 
überreichet, der es auch mit dieser Antwort angenommen : „Ser^ue EJec- 



•) Vergl. ob. pag. 299. 

*) Gedruckt hei Lengnich Vol VII. Docum. p. 29.— mit unbedeutenden gram- 
matischen Abweichungen und Schreibfeh Jern, 



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Die Königswahl. 327 

tor et Dominus Vestef habebit suas cum aliis partes^; welches mir her- 
nach der Herr Kronen Grosscanzier, als ich ihm solches zu wissen 
fllgte, und von ihm vernehmen wollte, wie es uflFgenommen worden, 
mit diesen Worten bestätigte: ich habe St\ Ch, D. Votum wol gesehen, 
es ist sehr wol von allen angenommen worden und zu Sr. Ch, D, grosser 
Ehr und Reputation^), — 

Weitere Schwierigkeitea ergeben sich dann daraus, dass die Stände 
sich weigern, den Gesandten eine Attestation über die Abgabe des Kur- 
fürstlichen Voti zu übergeben, oder es untet die zu druckenden Acta In- 
terregni aufnehmen zu lassen. Hoverbeck will dagegen eine Protestation 
einreichen und der König stimmt ihm darin bei, ^dass ich in der Protesta- 
tion die. Annehmung vor bekannt annehm und nur gegen den Secretarium, 
der es im Druck ausgelassen, mich beschweren wollt'' [Relat. Hoverbeck's, 
dat. ll.Dec. 1648]. Ausserdem kommt es dann auf die Form des auf seine 
Werbung an den Kurfürsten zu richtenden Responsum an. — „Hierinnen 
kam uns die jetzige Conjunctur insoweit zu statten, weil es drauf stund, 
dass nicht nur in andern Provintzien, sondern auch in Grosspolen der Adel 
Mann vor Mann sich gegen die rebellirende Cosacken und Tatern aufma- 
chen sollt, und diesem nach die Gränzen gegen die Schweden entblösst wer- 
den müssteu, repräsentirte der Herr General [von Grosspolen] nebenst denen 
von ihm dependirenden Ständen .... sie könnten ihre Häuser und Höf, 
Weib- und Kinder nicht besser, dann durch E. Ch. D. freund- nachbarliche 
üffsicht und Vorsorg in währender Zeit versiehern; um dieselbe nun hiezu 
geneigt- und williger zu machen, müsste das Responsum so favorable als 
immer möglich eingestellt werden.'' — Hoverbeck verlangt darin den Aus- 
drack, dass die Wahl geschehen sei „ad menteni Se^r^nUaÜs Fes^roe"; die 
Polen suchen dagegen die Wendung ^iuxta desiderium Ser^''' F"*^** einzu- 
schmuggeln, mit der Angabe, dass man ebendieselbe auch gegen den Pabst 
und den Kaiser gebraucht habe. „Das war aber eben dasselbe, welches 
ich vornehmlich zu verhüten gesucht, damit E. Ch. D. denen fremden Po- 
tentaten in diesem Stück nicht möchte parificiret werden, als welche nur 
ius commendandi und nicht ius suffragii zu prätendiren haben. ^ Hierauf 
setzt Hoverbeck das „ad mentem'^ durch, und erhält auch das Attestat über 
Abgabe des Votums. — „Gibt Gott E. Ch. D. die Gnad, dass Sie bei 
einem andern Inten*egno die Hand etwas freier werden haben, als eben 
jetzo, zweifei ich im geringsten nicht, dass zu völligem Possess der beiden 
so lange Zeit hinterlassenen iurium sessionis et suffragii dieses sufficient 
sein werde.** — fRelat. Hoverbeck's, dat. Hohenstein 13. Dec] — 



•) Attestat von Andreas Trzebicki, 111«»' et R'«' D. Primatis Cancella- 
rius, dass der brandenburgische Gesandtschaftssecretär Adersbach das von dem Kur- 
fürsten eigenhändig unterzeichnete Votum für den König Johann Casimir dem Primas 
übergeben habe: «pro qua quidem coraprecatione Ili>»u5 et R'nu' Dominus gratias egit 
et suffragium accepit." Dat. Varsav. 18. Nov. 1648. 



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328 ^ Preussen und Polen. 

Auf dem folgenden Krönungsreichstag übergeben dann die Oesandten 
ihren Protest gegen die Nichtaufnahme ihres Votums in die Acta Interregni 
(dat. Cracoviae 8. Febr. 1849); dieser ist gedruckt bei Lengnich Gesch. 
Preussens etc. Vol. VII. Doc. p. 45, aber nach einer anderen Abschrift, als 
wie er zuletzt angenommen wurde; die Worte ^vßl ulla ratione frauih esse^ 
mussten als beleidigend ausgelassen werden. (Relat. dat. 20. März 1649.) 



Die ObeiTäthe an den Kurflirsten. Dat. Königsb. 2. Dec. 1648. 

2. Dec. Zur Gesandtschaft für den auf den 17. Januar angesetzten Krönungs- 

reichstag werden vorgeschlagen: der Landrath und Landvogt zu Schacken, 
Wolf von Kreitzen, Johann von Hoverbeck, der Land- und Rech- 
nungsrath Friedrich von Rochen. — Die Oberräthe bitten um Weisung, 
wie sie die dazu erforderlichen Kosten aufbringen sollen und legen einen 
Anschlag von den vorigen Kjönungsfeierlichkeiten bei. 

A. 1633 auf die Krönung u. Königl. Begrabniss aufgegangen: *) 

94,364 fl. zur Ausstafirung, Zehrung und andern Ausgaben mehr. 
90,000 ^ Ihr Kön. Maj. an 20,000 Rth. zur Verehrung, dass S. Ch. D. 

nicht in Person zur Belehnung erscheinen dürfen. 
15,000 „ dem Gross Canzler wegen des Diplomatis Investiturae. 
1,500 „ dem Secretario. 
200,864 fl. 

Eesolution des Kurflirsten. Dat Cleve 24. Dec. 1648. 

24. Dec. Bestimmt, dass Kreitz, Hoverbeck und Oelschnitz die Gesandt- 

schaft verrichten sollen — ^und werdet Ihr wol darob sein, dass so viel 
Mittel, als zu Ausstafirung des von Kreitzen, wie auch Zehrung vor die 
sämmtliche Gesandte, auch zu Auslösung des Diplomatis Investiturae vor 
den Herrn Gross Cantzler und Secretarium gehörig (dann Wir mit Ihrer 
Kön. Maj. a part tractiren lassen wegen des, dass Wir nicht in Person zur 
Belehnung erscheinen dürfen) aufgebracht und zur Hand geschafft werden 
mögen". — 



Hoverbeck an den Kui-ftirsten. Dat. Hohenstein 11. Dec. 1648. 

[Erste Audienz bei dem neuen König. Dankbare Gesinnung für den Kurfürsten. 

Verhandlung über die Ueberlassung der Huwald'sclien Truppen. Besorgnisse vor 

den Schweden. Die formelle Anerkennung des brandenburgischen Votums.] 

11. Dec. Weil nach erfolgter Königswahl die erste drei Tage über denen 
von den Kosacken proponirten Conditionen geheimer Rath gehalten 
wurdt, könnt ich zur Audientz und bei derselben zur GlUckwllnschung 



') Nur nach dieser Angabe der Schwortzenbergischen Gesandtschaft im J. 1633 
gibt Pufendorf lU. 27 die Kosten auch dieser Gesandtschaft auf 200,000 fl. anj 
nicht genau, da die 90,000 fl. für den König wegfallen. 



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Der Krönangpsreichstag. Der neue König. 329 

der einhelligen Wahl nicht gelangen, bis S. Kön. Maj. den 24ten passato 
mich ad privatissimam audientiam allein erfordern liessen. — 

Bei dem Könige weil es schon ziemlich spät in die Nacht war 
und Sie sich viel Stunden nach einander in Conferentzen mit denen 
jetzigen der Krön Feldherm uflFgehalten, dürft ich mich nicht sonder- 
lich in Complimenten extendiren, sondern praeoccupirte selbst, dass es 
überflüssig und verdricsslich fallen, mtisste, wann ich weitleuftiger Glück- 

wtinschung mich gebrauchen wollte, — S. Kön. Maj. gaben 

mir zur Antwort, wie sie dessen wirklich genossen, dass E. Ch. D. 
Ihr die Krön vor allen andern gegönnet, also hätten E. Ch. D. sich 
dero brüderlichen Lieb und Freundschaft zu vergewissem, und dass 
Sie alles dasjenige fest und unverbrüchlich halten ivürden, was Sie 
E. Ch. D. mit Hand und Mund versprochen. 

Diesem nach hielten Sie sehr inständig an, man wollte doch Mittel 
und Wege suchen, wie Sie der Völker, so E. Ch. D. der Eeipublicae 
zu Hülf angeboten , sich derselben gegen die Kosaken zu gebrauchen, 
mächtig werden möchten; mit Andeuten, dass es die Krön fast sehr 
befremden würde, wann man sich mit Einschickung derselben säumig 
erweisen wollte. 

Diese Opinion Sr. Kön. Maj. zu benehmen bat ich, dieselbe ge- 
ruheten sich zu erinnern, dass Sie hiebevor in Sorgen gestanden, die 
Respublica dürfte vor der Zeit das Volk abfordern und also E. Ch. D. 
dieses zu dero Dienst gesparten Hinterhalts entblössen, und mir des- 
wegen gnädigst ufgetragen, ich wollte unterbauen, dass bis zur er- 
folgten Wahl entweder E. Ch. D. selbst, oder doch der Herr General 
Major Houwaldt an sich halten wollt. Diese meine Unterbauung nun, 
und dass wir allerseits gehofft, E. Ch. D. würden noch vor Ende des 
Wahltages in diese Lande persönlich anlangen, machte anjetzo die 
Sach sehr schwierig, und wüsst ich keinen andern Vorschlag zu thun, 
dann dass S. Kön. Maj. einen Vollmächtigen an E. Ch. D. abordnen, 
welcher mit derselben sowol wegen des Herrn General Majors Tracta- 
ment, Ersetzung der Werbgelder, als auch künftiger der Völker Ver- 
' pflegung handle und schliesse; und hoflRt ich, S. Kön. Maj. würden 
dabei in dem, daran Ihr nichts abgeht, E. Ch. D. fügen und selbst 
mit helfen befiirdem, dass die Werbgelder künftig an dem Ordinär 
Annuo gekürzt werden mögen. 

In diesem versprachen S. Kön. Maj. E. Ch. D. die Hand zu bie- 
ten, wollten aber dabei von mir wissen, ob die Herrn Eegimentsräthe 
auf dero Ersuchung Schreiben die Völker würden folgen lassen. Wie 
ich aber auch hierinnen Sr. Kön. Maj. alle Hoffnung abschnitt und 



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330 ^- Preuasen und Polen. 

mich deswegen auf die des Tags zuvorn empfangene Schreiben zog, 
darinnen sich die Herren Regiments Räthe entschuldigen, dass sie ohne 
special E. Ch. D. Ordre nichts thun könnten, thaten Sie einen neuen 
Vorschlag, ob dann auch wol endlich auf dero Königl. Caution wegen 
künftiger genehm- und schadlos Haltung das Volk zu erhalten war. 

Hierauf aber repraesentirt ich, dass E. Ch. D., wie S. Kön. Maj. 
selbst ermessen könnten, keinen Vortheil oder Ursach haben könnten, 
das Volk lange in dero Landen mit Ihrer Unterthanen Beschwerd zu 
halten; allein es würden S. Kön. Maj. als ein kriegserfahrener Potentat 
bei Ihr selbst leicht ermessen können, dass es sich mit dergleichen 
Cautio.nen auf künftige Ratification nicht wol thun lasse, zumal da 
S. Ch. D. auf die Pillau mit Acht zu geben verbunden wären. 

Diese Vorsorg lobten S. Kön. Maj. und hieltens davor, dass 
E. Ch. D. dessen nicht geringe ürsach hätten, dieweil Sie von des 
LittÄUSchen Gross Stallmeisters Fürst Radziwiirs f. Gn. in unterthänig- 
ster Vertraulichkeit wären verwarnt worden, dass es mit der Schweden 
Intention nicht so gar richtig sei. 

E. Ch. D. (antwortet ich) hätten dieses vorlängst penetrirt und um 
dess Avillen auch noch vor geschlossenem Frieden im Reich nicht allein 
den Arnhimischen Squadron zu desto besserer Versicherung dero See- 
hafen hereingeschickt, besonderu auch die Herrn Staaten der Vereinigten 
Niederlande wegen des Anlehens auf die Einkünfte der Pillau weisen 
wollen, damit an Conservation derselben E. Ch. D. dieselbe so viel 
desto kräftiger interessiren möchten. 

Dieses letzte gefiel Sr. Kön. Maj. sehr wol und nahmen Sie daher 
Anlass, von denen Friedenstractaten mit der Krön Schweden zu reden, 
und dass Sie die Herren Staaten vor allen andern Potentaten wegen 
des angezogenen Interesse gerne dabei wissen wollten. Darinnen sucht 
ich S. Kön. Maj. mit denen mir damals beifallenden rationibus zu be- 
stätigen; insonderheit dieweil sie vermöge des letzten noch währenden 
Anstand Vertrags davon nicht könnten ausgeschlossen werden. 

Dagegen spricht Hoverbeck gegen die Hinzunahme der Venezianer zur 
Mediation, wo ihui der König auch vorläufig zustimmt. 

— Diesem nach bat ich, S. Kön. Maj. geruheten, bei den Ständen 
durch dero Authorität zu unterbauen, dass uns nicht allein ein gewühriges 
Responsura, sondern auch eine Attestation wegen eingereichten Chur- 
flirstlichen voti (vor dessen favorable Einstellung S. Kön. Maj. sich be- 
dankten) ertheilt werden möchte, da es ja nicht zu erhalten stünde, 
dass es nebenst denen andern mit zum öffentlichen Druck unter den 
Actis luterregni gebracht werden könnte. Hiezu erboten sich S. Kön. 



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Die Huwald^Bchen Trappen. Lage der Kosakenfrage. 331 

Maj. ganz willig, machten mir aber sehr schlechte Hoffnung wegen der 
Attestation, als über welcher Sie albereit mit etlichen conferirt, und 
bei nicht wenigen grosse Aversion verspürt ; Hessen Ihr aber sehr wol 
gefallen, dass ich in der Protestation die Annehmung vor bekannt an- 
nehmen und nur gegen den Secretarium, der es im Druck ausgelassen, 
mich beschweren wollte. — 



Andres Adersbach a. d. Kurfürsten. Dat. Warsch. 13.Dec. 1648. 

[Der Woiwode von Dorpat bietet dem Kurfürsten ein kostbares Trinkgefäss zum 

Kauf an.] 

P. S. Gnädigster ChurfÜrst und Herr. Es hat mir der Woy\vode 13. Dec. 
von Derpt zu vernehmen, auch Anlass gegeben, E. Ch. D. unterth. zu 
hinterbringen, dass er ein Trinkgeschirr von Jaspis aus einem Stück , 
hätte, drinnen wol sechs oder sieben Stoff Wein eingehen sollen, nach 
welchem der König, Canzler und andere Senatoren buhleten, auch ihn 
darum befraget, weil sie es oft uf den Banqueten bei ihm gesehen 
hätten; nun weil er besorget, dass sie es ihm wol abzwacken möchten, 
als hat er gesagt, er hätte es schon nicht mehr und sie damit abge- 
wiesen und befriediget. Wannenhero er, nachdem er solches nicht mehr 
öffentlich bei sich halten thät, damit er den König und den Canzler 
nicht erzürnen möge, in Beherzigung, dass er E. Ch. D. sonderliche 
Curiositet um solche Kariteten erfahren (wie es unschätzbar und der 
Wallachische Hospodar ihm schon vor vielen Jahren über 150,000 fl. 
dargeboten, er es ihm aber und niemand damals lassen wollen) es 
E. Ch. D. fllr dasselbe Geld, auch, meine ich, \ielleicht um bessern 
Kauf lassen und gönnen wollte, Aveil er es sonst bei niemand gerne 
sähe, als dero es am besten anstünde. — 



Hoverbeck an den Kurfürsten. Dat. Hohenstein 15. Dec. 1648. 

[Beginn eines Vergleichs mit den Kosaken. Die kirchliche Frage und die Exemtion 
der Kosaken von dem polnischen Reichstag.] 

Aus denen vor meinem Abreisen von Hofe gefertigten unterth. Be- 15. Dec. 
richten werden E. Ch. D. ehe dieser einkommt, gnäd. ersehen haben, 
welcher Gestalt Chmielnicky sich dem jetzt erwählten Könige zu Polen 
accommodiret, dass er nämlich in Gegenwart dero Abgeordneten nicht 
allein die Tätern von sich weggeschickt und die Cosacken in die Quar- 
tier vertheilt, sondern auch selbst uflF etliche Meilen zurück von Zamosc 
abgewichen war, und wie er vor dem schon den Canonicum Huntzel 
(Mokrskj genannt) so wol an S. Kön. Maj., als die Rempublicam ab- 
geordnet, mit dem Vortrag, dass er alles wieder räumen und sich 



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332 ^' Preussen und Polen. 

zurück in die Zaporoischen Quartier begeben wollte, wann ihm nur 
wegen dieser drei Conditionen genügsame Versicherung gegeben wttrde : 
1) ratione amnistiae, 2) Wiederkehrung aller abgenommenen sowol 
der Kosacken Staat als Gewissen angehenden Privilegien, dabei er 
dann die Abolition der Union mit dem Römischen Stuhl mit ausbedin- 
gen will*); und 3) Caution, dass sie ins künftige nicht von der Re- 
publica mehr, sondern von dem Könige allein dependiren sollen. In 
der andern ist dieses mit begriflfen, dass sie ihre Ober- und Unter- 
Officirer aus ihrem Mittel selbst wählen und nicht eben an die redu- 
cirte Anzahl der 6000 Mann verbunden sein sollen. 

Wie schwer nun zumal die beide letzte Conditionen ihrer viel vor- 
kommen, so hab ich doch wol penetrirt, dass solche Temperamente 
darüber werden zu finden sein, dass vermittelst göttlicher Httlf dieser 
Fried ein Praeparament des Schwedischen wird sein können. Dann 
wie wol denen Geistlichen es sehr hart vorkommt, dass die Union, da- 
mit der päbstliche Stuhl so hoch gepranget, uffgehoben werden sollt, 
so ist doch albereit bei des Königs Vladislai Zeiten auch mit Zuzie- 
hung des päbstlichen Ordinär -Nuncii davon gehandelt worden, wie 
beide Reussische Religionen, die vom Constantinopolitanischen Patriar- 
chen dependirende ununirte und dann die mit dem Römischen Stuhl 
vereinigte zu vergleichen sein möchten; und wurd es dasselbe Mal 
schon dahin gerichtet, dass beiderseits ihre Symbola behalten und die 
Unirte: quod Spiritus Sanctus procedat a Patre et Filio, die Ununirte 
aber:- quod procedat a Patre per Filium bekennen sollten. Und hätte 
maus bei dem Constantinopolitanischen Patriarchen dahin zu richten, 
dass er denen hiesigen Reussen einen Exarchen willige, welcher ent- 
weder von beiden Theilen erwählt, oder doch absolute von Sr. Kön. 
Maj. nominirt werden und seine Sacram entweder von keinem von bei- 
den, sondern allein von dem Clero im Lande, oder doch (wie die 
Unirte praetendirten) öffentlich vom Patriarchen zu Constantinopel zu 
holen, und dann die durch S. Kön. Maj. vom Pabst ihm angetragene 
ufFs wenigste heimlich zu Salvirung der Uiürten Gewissen anzunehmen 
hätte. 

Die letzte kommt auch ebenmässig etlichen Statisten so gar im- 
practicabel vor, dass sie deswegen an der ganzen Handlung verzwei- 
feln wollen, vorgebend, dass uff solchen gewilligten Fall es ganz um 
ihre Freiheit würde gethan sein. Allein es können die Stände den 



') Ueber die religiösen Verhältnisse der Kosaken s. Herr mann Qesch. des russ. 
Staate III. p. 605 ff. 



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Die Forder angen der Kosaken. Bin schwedischer Gesandter. 333 

Cosacken die Versicherung thun, dass sie gleich wie alle Stadt im 
Lande von Sr. Kön. Maj. immediate dependiren sollen und nehmen 
dagegen einen Revers vom Könige, dass er den Cosacken ohne der 
Stände Vorbewusst und Consens nichts eipäumen wolle. So möchte 
man auch wol, weil denen Cosacken vornehmlich darum zu thun, dass 
^ie ihrer Haab und Güter gegen der Feldherrn und Starosten Usur- 
pationen und Bedrängnisse mögen gesichert sein, derselben Dependenz 
dergestalt vertheilen, dass sie in militaribus zwar der Feldherrn Com- 
mando untergeben sein, in civilibus aber, und so viel ihre Haab und 
Guter, wie auch geistliche und profan Privilegia betrifft, niemand als 
der «König über sie zu urtheilen haben soll. Und möchte dieser letzte 
Vorschlag noch ehe, dann der erste, angenommen werden, weil man 
bei jenem sich besorgen thut, es möchten uff den Fall eines Interregni 
die Cosacken sich ganz frei und von der Republica independente halten. 
Und dieses ist also bei meinem Abreisen beschaffen gewesen. Gott 
verhüte nur gnädigst, dass nicht durch einen oder den andern unbe- 
sonnenen hitzigen Kopf ichtwas ins Mittel geworfen werde, so beider- 
seits GemUther wieder gegen einander alterire. Darauf dann der Schwe- 
dische Abgeordnete nicht geringes Absehen und Hoffnung gerichtet — 



Peter Bergmann a. d. Kurfürsten. Dat. Danzig 9/19. Dec. 1648. 

[Der schviredißclje Gesandte Canterntein; er schreibt den Ausgang der Wahl seinem 

Einflass zu; Anknüpfung für die Frie^enstractaten zwischen Polen nnd Schweden. 

Stand der Unterhandlungen mit den Kosaken.] 

Mich zweifelt nicht, E. Ch. D. werde vor Ankunft dieses wol von 19. Dec. 
allem, was an Polnischem Hofe vorgeht, wie in andern Punkten also 
auch in diesem, was ich hiemit unterth. zu melden habe, von dero an- 
deren Ministris aus Warschau vollkommenen Bericht haben; dennoch 
aber, weil diese Tage der Abgesandter aus Schweden, Canterstein 
genannt*), von dem Polnischen Königl. Wahltage zurlicke hieher ge- 
kommen, um seine Reise nacher Stockholm zu nehmen, und ich Gele- 
genheit gehabt ihn zu sprechen, so habe E. Ch. D. aus dessen münd- 
licher Eröffnung folgendes in der Summa anzeigen sollen, dass er mit 
seiner sowol bei Kön. Maj., als den HH. Ständen der Krön Polen er- 
langten Abfertigung und Verrichtung sehr wol content sei; dann nicht 
allein in der Wahl es also abgelaufen, wie es von seiirer Königin ge- 
wünschet worden, und es sehr zu merken gewesen, dass derselben 
Wahl, nachdem sie wegen der beiden HH. Brüder Competence in fast glei- 



') Arckcnholtz Memoiren concern, Chri»tine I. p. 143. 



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334 ^- P>^ii*»en und Polen. 

ehern aequilibrio der votorum gestanden, der Ausschlag uf des Pr. Ca- 
simiri Seiten durch die special Recommendirung so er, Abgesandter, 
im Namen seiner Königin den Ständen schriftlich eingeliefert, gegeben 
worden sei, sondern er hat auch die Erklärung sowol von Sr. Kön. Maj. 
als auch der Republic erhalten, dass sie zu ehister Reassumirung der 
Friedenstaetaten mit seiner Königin in Schweden ganz geneigt wären, 
auch derwcgen in praeliminaribus den von höchstgemelter Königin vor- 
geschlagenen Ort, als nämlich die Stadt Lübeck, endlich angenommen, 
die Zeit oder terminum aber der Zusammenkunft in die Willkühr der 
Herrn Mediatoi-um gestellet, also dass es in den künftigen Sommer, 
sobald es sein kann, angesetzt werden möge. Er, der Abgesandter, 
hätte auch in privat audientia bei Sr. Kön. Maj. so viel verstanden 
dass er daraus grosse Hoffnung zum glücklichen Ausgang solcher 
Tractaten geschöpfet hätte, weil er wüsste, dass es Ihrer Kön. Maj. 
seiner Königin ebenmässig ein Ernst wäre, den Frieden zu halten und 
\<'eiter zu extendiren *). 

Mit den Cosacken stehet es nun, wie man meinet, in vollen Trac- 
taten, dazu Gott seinen Segen geben wolle. Die von ihnen begehrte 
conditiones sind sonsten sehr schwer, insonderheit in denen Puncten, 
dass sie ihr Haupt oder Führer nach dem künftig begebenen Tode des 
jetzigen Chmelnitzky allezeit selber ihnen wählen, ihr corpo allezeit 
12,000 Mann stark sein und nieman^e als alleine und immediate dem 
Könige pariren mögen. Dann solche Sachen wollen consequenter dem 
jetzigen statui und libertati der Republic sehr nachtheilig, auch den 
Pactiö, so die Krone mit den Türken und Tattern hat (welche vermö- 
gen, dass dieselbe Cosacken im Zaum gehalten werden sollen, damit 
sie jenen nimmer einfallen können) abbrüchig sein, und folgends die 
Krone in stetiger Furcht und Gefahr des Kriegs mit denselben Türken 
und Tattern, so von den Cosacken unirritiret nicht bleiben würden, 
setzen und halten. Sollte nun aber dieses Cosackische Wesen vor dem 
Frühlinge nicht gestillet werden, so würde es uf Polnischer Seiten mit 
den gemelten Schwedischen Tractaten übel stehen, consequenter uns 
Preussen die erste und grösste Gefahr gebären. — 

') Chanut Memoires p. 336 f. 



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Die neue Investitur 335 

Hoverbeck an den Kurftirsten. Dat. Krakau 10. Febr. 1649'). 

[Beginnendes neues Qiieruliren vor der Investitur; angebliche feindliche Absichten 
des Kurfürsten; die Verpfändung von Pillau an die General-Staaten; die Illasion der 
Cassirung der Seezulage. HoVerbeck bestreitet Alles. Gute Hoffnung zur Eintracht, 

da Bpiring fort ist.] 

lieber das, was E. Ch. D. ich bei nächster Post wegen des alhier 1649. 
aus dem Herzogthum Preussen ausgebrachten Gerüchts, ob Hessen E. ^ö. Feb. 
Ch. D. die Gränzhäuser desselben denen Preiissichen Hauptleuten mit 
Gewalt abnehmen und gegen die Krön befestigen, welches gleichwol 
albereit auf Gegeninformation fast ganz gedämpfet, [berichtet]*), wer- 
den, um Sr. Kön. Maj. Gemtith zu alteriren, so aus dem Königl. Theil 
Preussen, als sonsten fast immerzu neue Schwierigkeiten erregt. Wie 
dann E. Ch. D. ich nicht zu verschweigen hab, welchergestalt der Herr 
Krongrosscanzler mich dieser Tag incognito zu sich erfordert und fol- 
gende [puncta]*), so bei der Consultatioji über der Renovation der 
Investitur movirt sollen worden sein, in Vertrauen communiciret. 

Vors erst, es hätten E. Ch. D. den Port und Veste Pillau den 
Herren Staaten der vereinigten Niederlande versetzt, oder wären eben 
im Werk begriflfen, solches zu voUenziehen; da doch E. Ch. D. Vor- 
fahren in denen Paictis feudalibus angelobt, dass Sie keinen Ort Landes, 
will geschweigen den Schlüssel desselben, ohne Sr. Kön. Maj. Con- 
sens verpfänden oder in fremde Hände wollten kommen lassen. 

Vors andere, so continuirten Sie einen viel höheren Zoll, als vor 
entstandener Schwedischer Unruhe gehoben worden und Hessen dannoch 
den Ruf gehen, ob hätten Sie aus Unwillen, um derer von den Spiringen 
und sonsten gethanen Einträge willen, denselben (davon Sie hiebevor 
Sr. Kön. Maj. hochsei. Anged. jährlichen Abtrag gethan) gänzHc